2. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Und es geschah das Wort des HERRN zum zweiten Mal zu Jona:
2 Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage!
3 Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß.
4 Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.
5 Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an.
6 Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche
7 und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe Nahrung zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen;
8 und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände!
9 Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben.
10 Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Jona 3

O Jesus Christus, auch diese Worte müssen Dir dienen und uns helfen. Sortiere jetzt unsere Gedanken, daß wir nichts verpassen, was notwendig ist. Amen.

Liebe Gemeinde,

40 Tage. Mein Bruder und seine Familie wurden einmal mitten in der Nacht von der Polizei besucht; es bestand akute Brandgefahr. Innerhalb von 30 Minuten mußten sie das Haus verlassen, um der Gefahr zu entkommen. Was kann man in 30 Minuten einpacken? – Gott sei Dank kam das Feuer nicht. Aber in dieser halben Stunde mußten er und seine Familie wissen, was zu ihrem Leben gehört, und was nicht.

Zurück zu der Stadt Ninive und dem Propheten und die 40 Tage!

Was für eine Predigt!

Jona der Israelit geht als ganz allein in die fremde Weltstadt – eine Tagereise – das ist tief hinein. Er kann nicht einen Rückzieher machen, er kann sich nicht distanzieren, er ist ganz drin.
Und jetzt kommt’s: „Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.“ – Da habt ihr’s, jetzt wißt ihr Bescheid.

Eine kurze Predigt. „Mit euch ist’s vorbei, es ist um euch geschehen, das war’s dann!“ – Was ist das? Eine Mut machende Predigt? Manchmal schwärmen Predigthörer und sagen: „Da kann ich etwas mitnehmen für den Alltag!“, oder es gilt als eine besondere Empfehlung: „Die Predigt holt mich ab, da, wo ich bin!“ – Was will man von Jonas Predigt sagen? Sie macht dem Alltag ein Ende! Da nehme ich nichts mit, sondern ich werde mitgenommen. Da werde ich nicht abgeholt, wo ich bin, sondern festgenagelt, wo ich bin.

Noch vierzig Tage – was ist euer Leben? Was könnt ihr mitnehmen? Was gehört zu deinem Leben? Was kann bestehen? Was ist so bei Gott angekommen, daß es bleiben wird?

„Noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen.“

Das Herz des Menschen will Ewigkeit; Ewigkeit für sich und seine Wünsche. Es soll alles weitergehen, oder besser werden. Man wünscht sich Botschaften, die das bestätigen. Jona mußte sagen, was keiner hören wollte. Das war sein Auftrag von Gott. Eine Bußpredigt. Es ist vorbei. Eure Gedanken, Worte und Werke schreien zum Himmel und klagen an. Was tut eine Bußpredigt? Sie legt Gottes Gebote so aus, daß du erkennen mußt: Ich vergehe! Eine Bußpredigt stellt dich vor den allmächtigen, heiligen, allwissenden Gott, der keine Ausreden anerkennt. Eine Bußpredigt macht dir klar: Keine einzige Sünde war nötig. Jede Sünde hättest du mit Gottes Hilfe vermeiden können. Mit jeder Sünde verlierst du mehr, als du meinst, mit ihr zu gewinnen. Mit jeder Sünde handelst du dir mehr Herzeleid ein, als du hofftest, zu vermeiden.

Jona hatte diese schwere Aufgabe, zu sagen: Es ist ganz anders, als du denkst. Die Hütte brennt schon. Deine Sünde ist ein Symptom für das Ende. Jede Lüge, jedes Begehren, von den offenkundigen Sünden ganz zu schweigen, ist ein direkter Angriff auf Gott selbst. Das ist keine Übertreibung. Wenn du belogen wirst, trifft es dich. Eine Lüge, die unnötig war, weil du bereit warst zu helfen, trifft noch tiefer. Wie muß das alles Gott treffen? Und was muß Gott tun, alles wieder zu ordnen und zu heilen, was du durcheinander gebracht hast?

Der Tod ist der Sünde Sold, lehrt Paulus (Römer 6, 23). Und Jona mußte der Stadt Ninive in seiner Predigt so etwas wie den Tod vor dem Tod antun, mit Gottes Gesetz zeigen, wie die Sünde jetzt schon den Tod in sich trägt.

Da glaubten die Leute von Ninive an Gott

Was heißt glauben an Gott? – Hier wird es uns gezeigt. Die Leute von Ninive werfen sich in Gottes Hand. Sie lassen alles hinter sich. Sie suchen keine Ausreden. Sie schicken Jona nicht mit Schimpf und Schande dahin, wo er hergekommen ist. Sie unterbrechen alles. Sie fangen neu an. Sie wollen nichts mehr ohne Gott tun. Aber das alles ist noch nicht der Glaube selbst, sondern das sind Symptome des Glaubens.

Der Glaube, der hinter dem allen steckt, ist erst einmal die Erkenntnis, die Realisation: Gott ist da, er war die ganze Zeit dabei, meine Gedanken, Worte und Werke kommen bei ihm an. Gott hat die Macht, mich zu schaffen, Gott hat mein Leben in der Hand. Er ist größer als alles, was ich fürchte, größer, als alles, was ich liebe …. Gott ist wirklicher alles, auch als ich.

Die Leute von Ninive glaubten an Gott. Das bedeutete: Gott ist die einzige Chance. Dieses intensive Vertrauen brach aus in Ninive.

Was danach kommt, sind Symptome davon: Daß sie fasteten und in Sack und Asche Buße taten. Sogar die Tiere sollen Buße tun!

Die Sache ist: Wenn Gott sich auf einmal mitten im Leben bemerkbar macht, dann ist auf einmal nichts mehr selbstverständlich. Die Seele hat das große Bedürfnis, einen Schnitt zu machen. Das ist heftig.

Auf jeden Fall hat dieses Fasten klar gemacht: So wie bisher, geht es nicht weiter. Das Fasten war dazu da, Abstand zu allem zu gewinnen, auch zu sich selbst – um Gott näher zu kommen.

Was war der Glaube hier? – Die Leute von Ninive gaben Gott recht. Ohne Vorbehalt. Ohne Rücksicht auf sich selbst.

Das ist ein Wunder. Ein notwendiges Wunder. Es muß sein.

Vielleicht?

„Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben.“ So spricht der König. Das muß ein besonderer König gewesen sein, denn er hat die Stimmung im Volk nicht ausgenutzt, sondern er hat sich selbst auch unter Gott gestellt. Er hat auch Gott recht gegeben. Er hat erkannt, daß Gott ihm seine Macht anvertraut hatte. Dieser König wußte, daß es Fehler gibt, die nur ein König machen kann.

In seinen Worten ist viel vom Glauben ausgesagt. Vor allem der Aspekt: Gott recht geben.

In dem Wort: „Vielleicht“ wird klar gesagt: Wir verdienen das. Wenn es anders kommt, dann ist das Gottes eigene, gnädige Entscheidung. Wir sind in Gottes Hand.

Im Grunde ist es eine unmögliche Möglichkeit. Wie soll Gott etwas bereuen? Das übersteigt unseren Verstand. Wenn Gott wirklich Gott ist, dann ist er perfekt. Wie soll er dann etwas bereuen? Wir müssen bereuen, weil wir nicht perfekt sind. Wir machen Fehler, wir sehen nicht alles kommen, darum kennen wir Momente, in denen wir bereuen. Aber Gott? Wie soll Gott bereuen? Man muß aber sagen, daß diese Reue Gottes die einzige Chance ist. Auch wenn alles dagegen spricht, vor allem unsere Logik, dann muß dann doch hoffen, daß Gott eine Ausnahme macht.

Gottes Reue ist ein menschliches Wort. Gott bereut nicht einen Fehler oder einen Irrtum, sondern Gott beschließt, gnädig zu sein.

Die Leute von Ninive haben Gott so Gott sein lassen, wie Gott eben Gott sein will. Sie haben alles in Gottes Hände gelegt, und darum hält Gott sie mit seinen Händen.

Gottes Einladung

Unser Herr Jesus Christus mochte die Leute von Ninive. Sehr sogar. So sehr, daß wir eifersüchtig werden könnten. Jesus sagte zu den Zuhörern, die gerne Beweise und Wunder sehen wollten: „Die Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, die sie taten Buße nach der Predigt des Jonas, und siehe, hier ist mehr, als Jonas.“ (Matthäus 12, 41). Ninive wußte weniger von Gott und seinen Willen, als die Israeliten, die Jesus hörten. Und doch verstanden sie sofort, worauf es ankam.

Mit anderen Worten, Jesus hat der Predigt von Jona recht gegeben. Diese Predigt, die erschrocken hat, die nicht bestätigt hat, sondern verunsichert hat. Jesus hat selber auch zur Buße, zu Gott gerufen. Auch für Jesus ist klar, daß die Sünde im Verderben endet.

Aber eins muß man sagen: Bei Jesus muß man nicht mehr von einem „Vielleicht“ sprechen. Da ist die Gnade, die Vergebung nicht eine unmögliche Möglichkeit, die man sich nicht vorstellen kann. Bei Jesus muß man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob Gott etwas bereut oder sowas.

Bei ihm ist die Gnade. Bei ihm ist die Vergebung. Bei ihm ist die Chance. Er ruft ja gerade die zu sich, die merken, daß etwas nicht stimmt, daß es so nicht weitergeht. Da ist der der Spezialist.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

7. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.
2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?
6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, daß jeder ein wenig bekomme.
8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?
10 Jesus aber sprach: Laßt die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.
13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Als Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Johannes 6, 1-15

Lieber HERR, gib uns das Leben, das Du selbst in diese Worte gelegt hast; gib uns Ohren, die Dich selbst hören, was immer heilsam ist. Amen.

Liebe Gemeinde!
Erstmal kurz etwas über Wunder.
Wir haben ja eben von einem Wunder gehört. Jesus nimmt 5 Gerstenbrote und 2 Fische, DANKT – das ist essentiell! – läßt seine Jünger austeilen und speist damit über 5000 Menschen. Und es bleibt etwas übrig.
Das ist nicht normal. Von Jesus werden auch andere Wunder bezeugt. Zum Beispiel, daß er Kranke heilt, Besessene befreit, über einen Sturm gebietet …. Das sind Wunder. Da bleibt man erstmal stehen. Da ist der Verstand erst einmal verblüfft, oder in der Sprache der Bibel: Entsetzt, verstört, verwundert.
Meistens fragt man dann: Glaubst du, daß das wirklich geschehen ist? Glaubst du an Wunder? Ja oder nein?
Beides, Ja und Nein, beendet das Wunder.
Wenn ich Ja sage, dann stehe ich unter Druck, das Wunder zu erklären, oder zu wiederholen, oder es jemandem einzureden, der seine Zweifel hat.
Wenn ich Nein sage, dann stehe ich unter Druck, das, was berichtet wird, anders zu erklären. Im Sinne von: „EIGENTLICH passiert da etwas ganz Normales.“ Aber dann fragt man sich, warum die Menschen sich aufregen, und Jesus bewundern oder fürchten.
Beides, das „Ja“ und das „Nein“ läßt Gott aus dem Wunder raus. Es stehen zwei Menschen einander gegenüber und reden aufeinander ein. Da ist das Wunder weg.
Als Kinder Gottes gucken wir anders.
Die Bibel nennt diese Taten Jesu „Zeichen“. Ein Zeichen spricht aus sich, ein Zeichen spricht bleibend und fortwährend, ein Zeichen hört nicht auf, zu sprechen. Jesus zeigt uns etwas mit dem Zeichen. Jesus wartet darauf, daß wir das sehen, was er uns mit dem Zeichen zeigt.
Darum lassen wir um Gottes willen das Wunder stehen, und lassen es zeigen, und aus sich selbst zu uns reden.
Denn wir als Hörer sollen Teil von dem Wunder werden. Bei einem „Ja“ oder ein „Nein“ zwischen Menschen – also im Erklären von Wundern, oder im Zweifeln daran – da werden wir nicht Teil vom Wunder. Wir sollen aber.
Wie kann das aussehen?
1. Wir lassen das Wunder wirklich stehen.
Gott will, daß wir das hören. Gott übernimmt die Verantwortung. Ich muß diese Wundergeschichte nicht verantworten, beweisen, oder deine Zweifel überwinden. Ein Christ soll das Wunder stehen lassen und bezeugen. Gott hat etwas mit dem Wunder vor. Das muß ich Gott überlassen.
2. Wir freuen uns daran.
Gott läßt das so berichten. Es ist ja ohne Zweifel etwas Gutes. Hungrige werden gespeist. Jesus dankt dem himmlischen Vater für Seine Gaben, und gibt sie weiter. Wenn es auch übernatürlich ist – es ist gut. Jesus benutzt seine Göttlichkeit, um sich zu kümmern. Er überrumpelt nicht, er dient. Er blendet nicht, sondern nimmt sich der Not an. Es ist eine gute Macht am Werk, so unerklärlich oder gar unheimlich sie scheint – sie ist gut, die Macht im Wunder. Sie zielt auf den Menschen als Gottes Ebenbild. Sensationen, Mirakel schüchtern ein und demütigen, ja, geben der Lächerlichkeit preis. Von Jesus hört man das nie. In Seinen Wundern ist niemals Schadenfreude oder Selbstgefälligkeit. Allein das ist schon ein Wunder. Auch die Berichte sind völlig frei davon. Die Jünger prahlen niemals mit ihrem wundertätigen Herrn.
3. Wir gönnen es denen, die es erlebt haben.
Das Wunder stehen lassen bedeutet auch, daß man nicht ängstlich oder mißtrauisch fragt: Wo ist mein Wunder? Warum geschieht bei mir kein Wunder? Wo ist Gott mit Seinen Wundern, wenn man Ihn braucht? – Sondern sich mit denen freuen, die es erlebt haben, und es ihnen gönnen. Hier waren über 5000 Menschen in Not, sie hatte Hunger, und Jesus speist sie, macht sie satt. Wie gut für sie! Wie wunderbar muß es sein, so unerwartet gespeist zu werden! Wie herrlich muß es sein, so unverhofft eine Sorge loszuwerden!
Um Gottes willen lassen wir das Wunder stehen und zerreden wir es nicht mit unseren Fragen und Ja oder Nein!
Um Gottes willen freuen wir uns daran. Hier ist einfach etwas, was größer ist als wir, und es bedroht uns nicht. Das ist gut.
Um Gottes willen gönnen wir es denen, die es erlebt haben – und lassen wir unseren kleinlichen, mißtrauischen, neidischen Egoismus hinter uns und freuen wir uns mit ihnen.
Dann wären wir auf dem besten Wege, Teil des Wunders zu werden.
Jetzt aber zu Johannes 6! Betrachten wir das Speisungswunder behalten wir im Herzen fest: Stehen lassen, freuen, gönnen! Das wird Gott segnen.
Jesus geht mit seinen Jüngern auf einen Berg. Er führt sie über das Irdische hinaus. Jesus relativiert, was seine Jünger auf der Erde herumtreibt. Er nimmt sie mit sich. Sie sollen sein, wo er ist (Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Johannes 12, 26). Wer Jesus nachfolgt über den verliert die Welt ihre Macht. Wenn wir hier versammelt sind, und diese Worte hören, beten was Jesus gelehrt hat, tun, was Jesus aufgetragen hat – dann geschieht etwas, was nicht von der Welt bestimmt ist, dann geschieht etwas, was nicht von unserem Fleisch bestimmt ist, also von uns als Egoisten ohne Gott. Wir sollen wissen: Was hier passiert, ist nicht Wirkung einer bösen oder zerstörerischen Macht. Wir sind mit Jesus auf dem Berg.
Viele Menschen folgen Jesus nach, wegen der Zeichen, die er an den Kranken tut. – Was wir hier hören, was Gott uns hier gibt, ist für viele gemeint.
In den Medien hört man von Kirchenaustritten, davon, wie unwichtig die Kirche und das Christentum geworden sind. Wo Jesus ist, werden viele sein. Das sollen wir nicht mit Ja oder Nein zerreden, sondern stehenlassen, und um Gottes willen glauben, daß wir Teil davon sind. Nicht erst sein WERDEN, sondern schon SIND.
Es ist kurz vor dem Passahfest. Das Fest des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten. Das Fest der Befreiung aus dem gnadenlosen System, das Israel beweisen will, daß sein Gott nichts ist.
Aus aller Welt werden Juden in Jerusalem durch Gottes Wort sich eingliedern in das Volk, das aus Ägypten rausging. Gott hat es dann mit wunderbarem Brot vom Himmel, Manna, gespeist. Beim Passahfest hat Israel nicht zweifelnd und mißtrauisch gesagt: Wo ist mein Manna heute? – Sondern es hat sich mit denen gefreut, die es vor Jahrhunderten bekamen. Im 6. Kapitel Johannes wird Jesus noch sagen: „Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.“
Was Jesus jetzt weiter tut, ist sehr wichtig: Er führt seine Jünger an die Grenze. Jesus läßt es zu, daß die Jünger die Grenzen ihrer Möglichkeiten ganz klar und deutlich erfahren.
Jesus hebt seine Augen auf. Er sieht, daß die Massen kommen. Was er sagt und tut, hat nicht nur die im Blick, die schon da sind. Auch das, was Jesus bei uns in unserer kleinen Gemeinde sagt und tut, hat nicht nur uns allein im Blick. Du bist gemeint – aber nicht nur du!
Dann fragt er Philippus: „Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?“
„Wir“! Jesus, der Sohn Gottes, bezieht Menschen ein in Seiner Mission. Sie sollen dabei sein, wenn Er tut, was nur Er als der Sohn Gottes tut, um Menschen zu retten.
„Das sagte er aber, ihn zu prüfen …“ – mit anderen Worten: Jesus führt Philippus an die Grenze. Was kann ich, was kann ich nicht? Was ist möglich, was nicht?
Philippus sagt nüchtern, was los ist: „200 Silbergroschen Brot sind nicht genug.“ Vielleicht war das das Budget der Jünger. Man hat ausgerechnet, daß 1600 kg Brot damit gekauft werden konnten. Das wären 300 Gramm Brot pro Familie. Knapp. Aber im Grunde war damit bewiesen – wir sind überfordert.
Das wird unterstrichen mit dem Wort des Andreas: „Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische – aber was ist das unter so viele?“ Man könnte sagen, daß Philippus Kapitalist ist, weil er ausrechnet, was Geld möglich macht, und Andreas Sozialist – weil er sieht, wie er mit dem vorhandenen jedem gerecht werden kann – Planwirtschaft. Beide liefern den Beweis, daß Jesus sie an eine Grenze geführt hat. Jesus führt Menschen an die Grenze, damit sie lernen, Gott und Mensch zu unterscheiden. Unterscheiden, was Gott tut, und was Menschen tun können.
In einem Lied „Mein lieber Gott soll walten“ findet sich die ergreifende und humorvolle Strophe: „Andreas hat gefehlet, Philippus hat gezählet,
sie rechnen wie ein Kind.
Mein Jesus kann addieren und kann multiplizieren,
auch da, wo lauter Nullen sind.“
Erst, als den Jüngern völlig klar ist, daß sie der Situation überhaupt nicht gewachsen sind, ordnet Jesus an, daß die Menschenmenge sich lagert. Die Jünger sind auf einmal Gastgeber für 5000 Familien, und der Kühlschrank ist ja praktisch leer, und alle Läden haben zu. Die 5000 Männer erwarten jetzt etwas! Etwas muß jetzt kommen. Die Jünger werden das überdeutlich gespürt haben. Wie kümmerlich werden ihnen die 5 Gerstenbrote und 2 Fische vorgekommen sein! Wie leer werden sich ihre Hände angefühlt haben!
Und genau wie Jesus durch Seinen Blick die vielen Menschen zum Teil der Situation gemacht hatte, so macht Er durch Danken den himmlischen Vater zum Teil der Situation. Wir unterschätzen das dauernd. Erst wer dankt, hat wirklich. Erst wer Gott dankt, hat die Liebe Gottes, die Gott in Seine Gaben gelegt hat.
Dann geben die Jünger weiter, was Jesus ihnen gibt. Einfach das. Von mal zu mal. Was wir Jesus anvertrauen, ist nicht mehr dasselbe. Das müssen wir glauben. Was wir Jesus anvertrauen, das geht in den Himmel, in das Paradies, und wird uns neu gegeben.
Alle werden satt.
Und dann kommt die Sache mit dem König.
Jesus merkt, daß sie ihn zu König machen wollen.
Zum Brot- und Bauchkönig. Die Menschen wollen nicht an eine Grenze geführt werden, im Gegenteil. Es soll keine Grenze mehr geben. Das bedeutet aber: Sie wollen nicht Gott kennenlernen. Sie wollen nicht erleben, daß Gott alles tut und alles gibt. Sie wollen nicht erfahren, daß ihre Hände leer sind, bis Gott sie füllt. Jesus läßt sich nicht zum König machen. Warum? Weil er schon der König ist. Wenn Menschen ihm Macht geben würden, dann wäre er von den Wünschen der Menschen abhängig. Ein Gott, der unsere Wünsche erfüllt – ohne Grenze, ohne Bitten, ohne Danken – das wäre kein Gott. Da wären unsere Wünsche unsere Götter. Das endet leider tödlich.
Jesus macht da nicht mit, weil er will, daß wir Gott kennenlernen. Jesus geht den Weg weiter, bis Er die Schattenseite aller unserer Wünsche ausbadet. Er geht den Weg weiter, bis er uns zeigt, was wir am dringendsten brauchen: Nämlich, daß Gott uns unsere Schuld abnimmt und wegträgt. Wir wissen ja, wo dann geschrieben stand: Jesus von Nazareth, der Judenkönig. Da haben die Jünger zugleich ihre eigenen Grenzen und Gott kennengelernt. Denn unsere wirkliche Grenze ist: Daß ich mir meine Schuld nicht selbst vergeben kann. Da kann nur Gott handeln. Da ist Jesus der König.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

5. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.
3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte …

Mose 12, 1-4

HERR, segne diese Worte an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Abram ist 75 Jahre alt, als der HERR ihn ruft, alles zu verlassen, was er kennt, um alles zu bekommen, was er noch nicht kennt.
Was kennt Abram? Er kennt seine Familie, sein Zuhause, sein Vaterland. Mit 75 Jahren wird Abram mit seiner Frau Sarai ganz integriert gewesen sein. Mit 75 konnte ihn wenig noch überraschen. Mit 75 Jahren war er inzwischen Vorbild für die nächsten Generationen für alles, was richtig und anerkannt war. Sie wußten, was sie hatten, und was sie noch vom Leben erwarten konnten.
Und dann sprach der HERR – denn Abram nicht kannte! – zu Abram – der es nicht gesucht oder erwartet hatte – Geh! Geh hin! Raus aus dem Vaterland, weg von deiner Verwandtschaft. Laß das ererbte Haus hinter dir.
Laß mich deine Zukunft sein, sagt Gott. Ich bin dein Leben. Das war natürlich schon vorher wahr, denn Gott hatte Abram geschaffen und am Leben erhalten. Doch nun sollte Abram es erfahren. Diese Wahrheit, daß Gott aus dem Nichts schafft, und das, was ist, gegen das Nichts erhält und bewahrt, diese Wahrheit sollte Abram mit seiner Frau in einer Weise erfahren, daß die ganze Menschheit sich mitfreuen kann, ja, diese Erfahrung Abrams und Sarai – die Gott dann später Abraham und Sara nennen wird – ist der Maßstab für das, was Gott im Menschen sucht, und finden will. Wer das hat, was Abraham hat, der braucht vor Gott keine anderer mehr werden, der ist für alle Zeiten bei Gott angekommen, für alle Zeiten bei Gott in Sicherheit. Das hat sich nach 3500 Jahren nicht geändert. Es ist der Glaube Abrahams, oder es ist nichts.
Abram soll alles hinter sich lassen. Nur sich selbst und seine Frau soll er mitnehmen. Und … ja, und das ist ja die Zukunft, das Leben, ja, damit hat er Gott selbst bei sich: Abraham soll die Verheißung mitnehmen. Sie niemals aus dem Sinn lassen, sondern unter allen Umständen festhalten.
„Ich werde dir ein Land zeigen.
Du sollst ein großes Volk sein.
Du sollst einen großen Namen haben.
Du sollst ein Segen sein.
Ich werde segnen, die dich segnen;
ich werden verfluchen, die dich verfluchen.
In dir werde ich alle Völker segnen.“
Jede einzelne Aussage ist ganz und gar göttlich.
Jede dieser Aussagen ist der Anfang von etwas, was Abraham überhaupt nicht aus sich selber ist. So sind göttliche Verheißungen. Sie verheißen, was nur Gott selbst geben kann. Sie sind kein Befehl. Abraham soll nicht auf sich selbst schauen, auch nicht im Geringsten einen Gedanken daran verschwenden, ob er dazu in der Lage ist, ein großes Volk zu sein, oder einen großen Namen zu haben, oder ein Segen zu sein, sondern diese Verheißung von Gott soll für Abraham die einzige und größte Realität sein. Wenn er sie hat, fehlt ihm nichts. Wenn er sie verliert, dann hat er alles verloren. Und wie behält er sie, durch den Glauben. Darüber werden wir heute noch mehr hören.
Abraham hat kein Land. Er hat auch keine Macht, Land zu erobern. Wenn er einmal Land haben soll, dann, weil Gott es ihm aus heiterem Himmel gibt.
Abraham ist kein großes Volk. Er und Sara haben nicht einmal ein Kind. Es wird auch keine Kinder mehr geben. In dem Alter. Wenn Abraham also ein Volk wird, dann wird Gott dieses Volk aus dem Nichts schaffen. Das Volk kann nur gänzlich aus Gottes Schöpfermacht gemacht werden.
Abraham hat keinen Namen – wenn er seine Heimat verläßt, dann ist er ein Niemand, ein Namenloser. In der Fremde wird sich seine Spur verlieren. Wenn er dort in der Zukunft, im neuen Land eine Identität haben soll, einen Namen –so daß man wirklich ihn meint, wenn man von ihm spricht, wenn Abrahams Identität nicht durch Mißverständnisse und Fremdheit komplett aufgelöst und vernichtet werden soll – dann wird Gott diesen Namen, diesen Ruf, diese Identität aus dem Nichts schaffen. Sie wird etwas, sein, was Abraham nicht schon bei sich trägt, sondern Abraham wird diese Identität als ein Geschenk des Himmels, von Gott selbst bekommen.
Du sollst ein Segen sein. Eine Gabe Gottes für die Menschheit. Wie kann ein Mensch sich so etwas vornehmen? Das wäre eine niederschmetternde Überforderung! Wenn das wahr werden soll, dann muß Gott das wissen. Das muß Gott selbst geben.
Die Verheißung ist etwas ganz anderes als ein Befehl oder eine Aufgabe. Ein Befehl richtet sich an Deinen Willen: Tu das, was ich dir sage! – Ein Befehl zielt auf eine Tat. Die Verheißung zielt auf Glauben. Darum wird uns auch gesagt: „Abram g l a u b t e dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ (1. Mose 15, 6). Dieser Glaube, der von nichts wissen kann oder wissen will, als daß, was er in der Verheißung hört, und sich selbst niemals sagen könnte – dieser Glaube macht Abraham zu dem Menschen, mit dem Gott alles wahrmachen will. Gott steht diesem Abraham mit Seiner ganzen Gottheit zur Verfügung.
Mit anderen Worten: Abraham hatte alles in dem Moment, als er losging. Alles andere war eine Frage der Zeit. Abraham hatte das Land, er hatte den Nachkommen, weil er Gott in Gottes Verheißung hatte. Durch den Glauben.
Liebe Gemeinde: Das klingt völlig übertrieben. Der Gott der Bibel, der wirkliche lebendige Gott ist ein Gott der Übertreibung. Vor allem Übertreibt Er die Liebe. Von dieser Übertreibung leben wir.
Abraham muß uns interessieren, denn im Neuen Testament ist er absolut wichtig.
Der Hebräerbrief macht uns klar: „Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wußte nicht, wo er hinkäme.“ (Hebräer 11, 8), und weiter: „Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte. Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.“ (Hebräer 11, 11-12). Durch den Glauben waren Abraham und Sara alles.
Auch der Apostel Paulus zeigt auf Abraham: (Römer 4, 16 ff)
„Der ist unser aller Vater – wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, daß es sei. 18 Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, daß er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist (1. Mose 15,5): »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« 19 Und er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara. 20 Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre 21 und wußte aufs Allergewisseste:
Was Gott verheißt, das kann er auch tun. 22 Darum ist es ihm auch »zur Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6). 23 Daß es ihm zugerechnet worden ist, ist aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, 24 sondern auch um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten.“
Genau wie Abraham und Sara sich nicht nach ihren eigenen Möglichkeiten gerichtet haben – daß sie mit 90 und 100 Jahren noch einmal ein Kind bekommen würden, sondern Gott beim Wort nahmen, so sollen wir auch uns daran festhalten, daß Gott der Vater Jesus den gekreuzigten von den Toten auferweckt hat. Es ist dasselbe Vertrauen, daß sich festhält an den Gott, der tun kann, was Er sagt.
Nun kann und muß man fragen: Nun. Abraham hat Gottes Ruf offensichtlich so klar gehört, daß es keinen Zweifel geben konnte. Wo ruft Gott mich denn? Was verspricht Gott mir denn? Einen Nachkommen, wie Abraham, oder ein Land?
Viele stellen diese Frage, und rechnen nicht mit einer Antwort. Sie können und wollen sich nicht vorstellen, daß Gott sie ruft.
Doch Paulus sagt uns: Wer an Jesus glaubt, der glaubt wie Abraham. Und, ja, uns wird gesagt: Durch den Glauben bist du ein Nachkomme Abrahams. Durch den Glauben an Jesus bist du ein Erbe des Segens, den Gott Abraham verheißen hat.
Paulus sagt das ganz deutlich im Brief an die Römer, Kapitel 9: „Nicht das sind Gottes Kinder, die biologisch von Abraham abstammen, sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt.“ (Römer 9, 8). Kinder der Verheißung – das ist: Menschen, die durch das Hören von Gottes Ruf neue Menschen sind.
Ja, Jesus selbst faßt das alles zusammen. Im Johannes-Evangelium bekennt Jesus sich in einmaliger Weise zu Abraham. Er sagt sinngemäß: Als Abraham glaubte, da glaubte er an mich. Also, wer an Jesus glaubt, der glaubt haargenau wie Abraham. Hören wir uns das doch an!
In einer heftigen Auseinandersetzung im Tempel spricht Jesus zu den Juden, die ja sagten: „Abraham ist unser Vater“ (Johannes 8,33): „Abraham, euer Vater, wurde froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Johannes 8, 56-58). Hier spricht Jesus als der Sohn Gottes, der ewig ist. Abraham, der glaubte, daß Gott ihm einen Sohn geben würde, ein Land – vor Gott war dieser Abraham ein Mensch, der Gott zutraute, aus dem Nichts zu schaffen – „dem, das nicht sei, zu rufen, daß es sei.“ – Durch den Glauben hatte Abraham einen Gott, der von den Toten auferweckt. Das ist der Gott Jesu Christi. Darum sagt Jesus: Abraham hat an mich geglaubt. Wer an mich glaubt, der glaubt mit Abraham, der glaubt wie Abraham, der ist damit ein Nachkomme Abrahams, ein Kind Gottes.
Wo hörst du also Gottes Ruf? Wenn du den Ruf zu Jesus Christus hörst, dann ruft dich derselbe Gott, der Abraham gerufen hat. Das Evangelium ist Gottes Ruf für dich. Wenn du davon hörst, wie Jesus Gottes Verheißung – also Gottes Zusage und Versprechen zu uns Menschen gebracht hat, wenn dir gesagt wird: Dieser Jesus wurde von uns Menschen durch das Kreuz ins Nichts befördert – doch Gott der Vater hat ihn aus diesem Nichts auferweckt, und im Namen des Auferstandenen spreche ich mit dir hier in dieser Kirche – dann erreicht dich derselbe Ruf, wie der Ruf, den Abraham hörte.
Übrigens: Das neutestamentliche Wort für Kirche heißt „Ekklesia“. Das bedeutet wörtlich: „Die herausgerufene Versammlung.“ Die Versammlung aller, die Gottes Ruf folgen.
Wir sitzen hier als Erbgemeinschaft des Segens Abrahams. Unser Erbe ist jetzt nicht ein bestimmtes Land, oder ein bestimmtes Volk. Unser Erbe ist die vollständige Vergebung aller Sünden, und einen festen Platz im ewigen Leben, einem Leben mit Gott. Das ist mehr als ein Land oder ein Volk. Dann haben wir den Geber aller Länder und den Schöpfer aller Völker. Dann haben wir die Weisheit und die Liebe in allen Gaben, die wir uns nur wünschen könnten.
Darum kann ein Psalm sagen: „HERR, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ (Psalm 73, 25).

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

1. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
21 und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.
22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus;
28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Lukas 16, 19-31

HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Das Thema des heutigen Sonntags lautet: „Apostel und Propheten“ – also: Beauftragte Gottes, die in Gottes Namen uns Gottes Wort sagen. Die Kirche ist apostolisch, wie Paulus schreibt: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.“ (Epheser 2, 19-20). Was uns also zur Kirche macht, ist das Wort, was Gott uns durch die Apostel gegeben hat. Sie sind unsere Lehrer, wir sind ihre Schüler. Ein Christ ist immer bereit, von den Aposteln zu lernen und eine Kirche wird immer darauf achten, daß so gelehrt wird, wie die Apostel gelehrt haben.
„Apostel und Propheten“ – das heißt, die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus ist heute Predigttext wegen ihres Schlusses: Dort sagt Vater Abraham zu dem Reichen Mann: „Sie – also deine Brüder – haben Abraham und die Propheten, die sollen sie hören.“
Was ist passiert?
Wir hören von dem Reichen Mann, der sich ein schönes Leben macht „herrlich und in Freuden“, und zwar „alle Tage“. Vor seiner Tür liegt der arme Lazarus, arm, krank – nur Hunde sind seine Freunde. Ein riesiger Kontrast!
Die Sprüche Salomo sagen uns: „Reiche und Arme müssen untereinander sein; der HERR hat sie alle gemacht.“ (Sprüche 22, 2). Dieser Kontrast begleitet die Menschheit. Wir müssen genau hinhören: Gott hat beide gemacht: Arm und Reich. An anderer Stelle hören wir: „Arme und Reiche begegnen einander: beider Augen erleuchtet der HERR.“ (Sprüche 29, 13). Gott kann und muß beiden, den Armen und den Reichen, die Augen öffnen. Mit Recht denken wir sofort: Gott muß dem Reichen die Augen öffnen, damit er die Not des Armen sieht. Ja, das muß Gott tun. Und wie kann Gott das tun? Durch Mose und die Propheten. Gottes Wort zeigt dem Reichen, daß sein Reichtum Gottes Gabe ist. Jesus sagt von dem reichen Kornbauer: „Kein Mensch lebt davon, daß er viele Güter hat.“ (Lukas 12, 15). Gottes Wort zielt auf das Herz des reichen Mannes, daß er sich erbarmt. Mose und die Propheten sind voll davon.
Jesus sagt etwas über den armen Lazarus, das mir sehr nachgeht:
„Er begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel“. Lazarus begehrte – was auch sonst, wenn man arm ist und hungert! Aber er begehrte nur das, was von des Reichen Tisch fiel. Lazarus war nicht von Neid erfüllt. Wir hören nicht, daß Lazarus gerne im Luxus leben wollte. Lazarus wollte sich sich sättigen mit dem, was dem Reichen nicht fehlen würde.
Liebe Gemeinde! Gott ist niemals für den Neid. Gottes Wort unterstützt den Neid nicht. Jakobus schreibt uns als unser Apostel: „Denn wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge.“ (Jakobus 3:16).
Gott will durch sein Wort die Augen der Reichen und der Armen erleuchten. Beide sollen von Neid frei sein. Doch die Reichen sollen vor Gott verantworten, was sie tun mit dem, was Gott ihnen gegeben hat.
In unserer Geschichte kommt es nicht zu dieser Begegnung. Der Reiche Mann ist blind für die Not des Lazarus. Er kennt nur einen Genuß nach dem anderen. Er läßt sich von Gott nichts sagen. Darum ist er nach dem Tod auch von Gott getrennt. Lazarus aber, der trotz Armut und Krankheit vom Neid frei blieb, weil er sich Gott anvertraute, der kommt in Abrahams Schoß, also in die tröstliche Nähe Gottes. Gott tröstet ewiglich. Wenn du jetzt einen Kummer, einen Jammer, Tränen hast – der Trost ist jetzt schon bereit. Er wird kommen. Gib dich nicht dem Neid hin. Tu es nicht!
Jetzt will der Reiche Mann noch verhandeln. Seine Brüder sollen es besser haben, als er. Man stelle sich vor: Der Reiche Mann will von der Hölle aus Lazarus noch rumschicken! Seine Augen sind immer noch nicht über seine Situation erleuchtet! Der Reichtum kann einem wohl das Beten abgewöhnen! Beten ist etwas anderes als anklicken und bestellen.
Der Reiche Mann denkt: Wenn meine Brüder, die sicher auch so reich waren, wie er, wenn sie ein Wunder erleben, wie eine Totenauferstehung, das wird sie zum Nachdenken bringen!
Doch Abraham kennt uns Menschen besser. Eine Erscheinung oder eine Totenauferstehung ist für Menschen, die nicht auf Gott hören nur eine neue Sensation, mit der man angeben kann: „Hast du schon gehört? Stell dir vor! Der ist auferstanden! Wie unglaublich ist das!“ Und alle bleibt beim Alten.
So sind wir Menschen. Jede Sensation bestätigt uns nur, so weiterzumachen, wie bisher – besonders, wenn wir keine Sorgen haben.
Wenn etwas wirklich neu werden soll, dann soll der Mensch hören. Mose und die Propheten. Also Gottes Gebote und Gottes Verheißungen. Gesetz und Evangelium.
Neid schafft nicht neue Menschen. Und, liebe Gemeinde: Die Luft, die wir atmen, ist von Neid erfüllt. Gibt es ein politisches Programm, das ohne Neid auskommt? – „Das könntest Du haben! Das nimmt man dir weg!“ – Wenn jemand deinen Neid bestätigt, dann denkst du leicht: Der versteht mich, der meint es gut mit mir, der wird meinen Wunsch erfüllen. – Das fühlt sich zunächst gut an. Aber was ist passiert: Du hast dich von ihm abhängig gemacht. Er bestimmt über dich – jedenfalls so lange, wie der Neid dich besitzt.
Gottes Gesetz verbietet den Neid.
Dann werden die Augen erleuchtet.
Wir denken oft: Wenn ein Wunder geschieht, dann wird mir der Glaube leichter fallen.
Heute hören wir: Der Glaube kommt aus dem Hören, oder wie Paulus sagt: Der Glaube kommt aus der Predigt. (Römer 10, 17).
Man glaubt’s nicht, aber es ist so. Meistens sind Predigten nicht sensationell. Aber Gott hat beschlossen, durch Apostel und Propheten uns vom Neid zu heilen. Und diese Heilung ist der Anfang vom Himmel bei uns.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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TRINITATIS

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!
34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)
35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte«? (Hiob 41,3)
36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 32-36

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, heilige uns in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Wenn du als Christ gefragt wirst: „Wer ist Gott?“, oder: „Was ist Gott?“ dann kann die Antwort nur lauten: Gott ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. EIN Gott in Drei Personen. Doch diese drei Personen sind alle ganz Gott, und doch sind es nicht drei Götter.
Das übersteigt unseren Verstand, keine Frage. Drei und doch Einer – Einer und doch drei?
Ist es nicht besser, mit Paulus zu sagen: „Unbegreiflich!“ – „Unerforschlich!“ – „Wer hat des HERRN Sinn erkannt?“ Oder einfach philosophisch sagen: „Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen“?. Warum nicht einfach von „Gott“ und „Jesus“ reden? Wäre das nicht viel einfacher? Vielleicht sogar auch attraktiver? Gerne wird darauf hingewiesen, daß das Wort: „Dreieinigkeit“ oder „Dreifaltigkeit“ nicht in der Bibel steht. Außerdem ist die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes für das Gespräch mit Juden und Moslems eine Belastung: Glauben wir nicht alle an denselben Gott? Solange wir Christen die Dreieinigkeit – Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist – bekennen, lehren und anbeten, dann ist es auf jeden Fall fraglich, ob Christen, Juden und Moslems denselben Gott anbeten.
Nun. Paulus spricht von „unbegreiflich!“ und „unerforschlich!“ – aber er schweigt nicht. Also: Paulus sagt nicht: Hier gibt es nichts zu erkennen! Paulus macht Ernst damit, daß unser menschlicher Verstand auch ein Geschöpf ist und deshalb seine Grenzen hat. Doch ein Geschöpf hat einen Schöpfer, und das heißt: Auch wenn ich als Geschöpf meine Grenzen nicht überschreiten kann, so ist Gott der Schöpfer durch diese Grenze nicht gebunden oder eingeschränkt. Wenn wir als Geschöpfe Gott nicht erkennen können, dann heißt das nicht: „Also gibt es keine Gotteserkenntnis!“; sondern es heißt: „Wenn es Gotteserkenntnis geben soll, dann muß Gott selbst sie uns schenken. Und wo es Gotteserkenntnis gibt, da hat Gott selbst sie geschenkt.“ Unser Katechismus sagt uns das: „Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen HERRN, glauben oder zu ihm kommen kann, SONDERN … sondern der Heilige Geist“ ist tätig geworden. Wir sind geistlich arm (Matthäus 5, 3), sagt Jesus in der Bergpredigt, Gott aber ist reich – aber nicht reich für sich selbst, sondern er teilt uns seinen Reichtum mit. Unser Predigttext steigert die geistliche Armut, und nennt sie „Ungehorsam“ – Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam. Durch die Sünde sind wir nicht nur arm vor Gott, sondern sind es auch mit Willen. Der Sünder verweigert sich Gott, und ist vor Gott verschlossen.
Doch das sagt Gott dir nicht, um dich in der Verweigerung zu verstoßen, sondern um sich zu erbarmen. Darauf kann kein Mensch von sich aus kommen.
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist beziehen sich auf dich als Gottes Geschöpf.
Gott hat dich aus dem Nichts geschaffen. „Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst“ (Psalm 100, 3). Da ist auch niemand Gottes Ratgeber gewesen. Es ist alles „von ihm“. Er hat uns nicht nur gemacht, sondern Er erhält uns auch. Die ganze Welt, in der wir leben, alles, was uns am Leben erhält, können wir nicht machen, sondern wir empfangen es aus Gottes Hand. Auch, daß Menschen zusammen leben und für einander da sind, ist in Gottes Hand. Es ist Gottes Gabe. Ich könnte jetzt unseren Katechismus wieder und wieder zitieren. Zum Vaterunser, bei den Worten: „unser tägliches Brot gib uns heute“ hören wir, nach dem Essen und Trinken: „fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Mitarbeiter, fromme und getreue Oberherren, gute Regierung, gute Freunde, treue Nachbarn…“ (Gesangbuch S. 1662). Wir sind aus dem Nichts geschaffen, und aus dem Nichts kommen alle diese Gaben Gottes auf uns zu.
Für einen Sünder ist das eine tiefe Beleidigung. Ein Sünder will nicht daran erinnert werden, daß er nicht Gott ist. Ein Sünder haßt es, daß er von Gott abhängig ist. Dem Sünder ist diese Abhängigkeit eine Schande, und er will immer beweisen, daß es diese Abhängigkeit nicht gibt. Ein Sünder sieht nur das Nichts, aus dem er geschaffen ist, weiter nichts. Die Liebe Gottes, der Vaters, die aus dem Nichts schafft, will er nicht wahrhaben.
Doch Gott bleibt trotzdem Gott. Jedes von Gottes Geboten macht uns klar: Du bist nicht Gott. Du bist nicht der Herr. Darum sollst Du nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht begehren … Die Gebote erinnern uns daran, daß wir ohne Gott nichts sind – aber mit Gott eben Seine Kinder. Gott bleibt der Vater, der Seine Kinder liebt.
Doch das ist nicht alles, was über Gott zu sagen ist.
Gott ist zu uns gekommen, und damit wird alles anders. Der Sohn Gottes ist zu uns Menschen in unsere Nichtigkeit hineingekommen. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Wer Jesus begegnet, der begegnet Gott, wer Jesus hört, der hört Gott selbst, was Jesus erlitten hat, das hat Gott erlitten. Was Jesus verspricht, das ist göttlich und verlangt unseren Glauben. Alles, was über Gott den Schöpfer gesagt wurde, wird man andeutungsweise auch außerhalb des Neuen Testaments finden. Doch schon die große Frage: „Was tut Gott mit dem Sünder?“, diese Frage wird entweder gar nicht beantwortet, oder sehr unterschiedlich. Im Grunde sind wir Menschen wegen der Sünde ratlos.
Deshalb ist es ein göttliches Wunder aus dem Nichts unserer Unvorstellbarkeit, daß Gott der Vater Seinen Sohn sendet, Mensch zu werden. Der Vater ist Gott, aber auch der Sohn ist Gott. Der, der sendet und beauftragt, ist Gott, aber auch der, der gesandt wird, der gehorcht, und den Auftrag ausführt, ist ganz und gar Gott. Die Liebe, die sendet, und sagt: Geh hin, und hilf den Menschen! – und die Liebe, die gehorcht: Ja, ich mach’s! – das ist dieselbe eine Liebe. Und diese Liebe bleibt ungebrochen bestehen vom ersten Moment der Menschwerdung an, die ganze Zeit auf der Erde mit den Menschen, – vor allem bleibt diese Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn bestehen im Leiden am Kreuz, im Tod. Und das ist das Unglaubliche, was sich kein Mensch ausdenken kann. Hier ist niemand Gottes Ratgeber gewesen! –
Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes sagt uns: Diese Übereinstimmung zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist eine Beziehung, die schon immer in Gott selbst war. Jesus sagt selbst im Johannesevangelium in einem Gebet zu Seinem himmlischen Vater: „Du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“ (Johannes 17, 24). Alles was wir von Jesus wissen und hören, ist in der Ewigkeit begründet. Darum konnte unsere Sünde, unsere Verweigerung gegenüber Gott, Jesus nicht aufhalten. Darum konnte Jesus in die Gottesferne hineingehen, wie wir es am Kreuz sehen. Er hat sie als Mensch und als Gott erlitten. Aber Er hat Gott wieder in unser Nichts hineingebracht. Hören wir wieder unseren Katechismus: „Jesus Christus hat mich verlornen und verdammten Menschen erlöst – er ist in mein Nichts hineingekommen – nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben.“
Nun stehen wir aber wieder vor dem Nichts. Denn wie soll das zusammen kommen? – Wenn ein Mensch erstmal merkt, wie weit er von Gott weg ist, wie weit er von Glaube, Hoffnung, Liebe weg ist – und gleichzeigt das Evangelium hört : Dieser Jesus ist Gottes Antwort für dich, so sieht Gottes Liebe aus! – Da ist man wieder ratlos. Was soll man damit anfangen? Viele Menschen hören das Evangelium, und danach ist die Verweigerung noch stärker. Das gibt es immer wieder.
Da ist Gott der Heilige Geist. Der ist im Evangelium tätig. Wenn Jesus als der Sohn Gottes und der gekreuzigte und auferstandene vor Augen gestellt wird, dann ist Gott der Heilige Geist dabei und schafft die Menschen neu, daß sie sich nicht mehr verweigern. Das muß schon Gott selber tun. Dieser Heilige Geist geht von dem Vater und dem Sohne aus. Er tut, was sie wollen. Er geht in unser Leben hinein und schafft aus dem Nichts Glaube, Liebe und Hoffnung. „Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ (1. Johannes 4, 2). Dieser Geist ist nicht eine menschliche Kraft. Er ist nicht die Wirkung eines Einzelnen auf dich, auch nicht die Wirkung eines Kollektivs, wie die Kirche, oder einer Partei, oder einer Ideologie, oder einer Medienmacht, auch nicht das Ergebnis meiner Veranlagungen, sondern die Wirkung Gottes.
Liebe Gemeinde! Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das ist der Gott Jesu Christi. Wir können nur sinnvoll und heilsam über Jesus, sein Kreuz und Gottes Liebe zu uns sprechen, wenn wir davon erfüllt sind, daß diese drei Personen ganz und gar Gott sind, und untereinander nicht nur einig sind, sondern EINES, EINER.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

Andacht

IHR SÄT VIEL UND BRINGT WENIG EIN; IHR ESST
UND WERDET DOCH NICHT SATT; IHR TRINKT UND
BLEIBT DOCH DURSTIG; IHR KLEIDET EUCH UND
KÖNNT EUCH DOCH NICHT ERWÄRMEN; UND WER
GELD VERDIENT, DER LEGT’S IN EINEN LÖCHRIGEN BEUTEL.
HAGGAI 1,6.

Es ist doch alles da, und wir machen alles richtig! Es wird viel
gesät, es wird getrunken; man zieht sich an und verdient
Geld. Wir haben an alles gedacht! Und doch mangelt es:

Ihr sät viel – und bringt wenig ein.
Ihr esst – und werdet doch nicht satt.
Ihr trinkt – und bleibt doch durstig.
Ihr kleidet euch – und könnt euch doch nicht erwärmen.
Ihr verdient Geld – und legt es in einen löcherigen Beutel – da
fällt es wieder heraus und geht verloren.

Es ist alles da, wir tun das Richtige, und doch fehlt es!

Da kommt man ins Grübeln. Was haben wir falsch gemacht? Was haben wir übersehen? Vor allem, wenn sich das häuft. Nicht nur die Ernte ist karg, sondern auch die Kleider erfüllen nicht ihren Zweck. Nicht nur das Geld zerrinnt, sondern auch das Essen stärkt nicht. Das wird unheimlich! Wo ist der Zusammenhang? Wie kann man es erklären?

Diese Erfahrung machen einzelne Menschen oder auch Völker. Das Volk Israel kommt ins Nachdenken. Nach 70 Jahren Gefangenschaft – Exil – in der Weltstadt Babylon waren die Israeliten durch Gottes Eingreifen gegen alle menschliche Erwartung in ihr Heimatland zurückgekehrt. Gott hat sich über Sein Volk erbarmt und ihm einen neuen Anfang geschenkt.

Völlig klar, dass man da mit Schwung an den Wiederau8au ging! Und es klappte wunderbar. Häuser, Weinberge, Städte … sie erstanden wieder.

Doch dann kam es: Alles geriet ins Stocken. Und bei allem, was gelungen war, fehlte etwas. Der Segen fehlte. Aber den Segen haben wir ja nicht in der Hand. Segen ist ein Geschenk. Wie kommt Israel an den Segen?

Der Prophet Haggai muss in Namen Gottes mit dem Volk sprechen. Er richtet sich an die Verantwortlichen, den Statthalter Serubbabel und den Hohenpriester Jeschua, einen Sohn Jozadaks.

Im Monatsspruch fasst Haggai die Situation zusammen: Israel setzt sich ein, aber der Segen bleibt aus.

Das ist aber nicht die ganze Situation. Denn direkt davor sagt der Prophet: „Das Volk spricht: Die Zeit ist noch nicht da, dass man des HERRN Haus baue.“

Es ist noch nicht soweit! Erstmal muss das Überleben gesichert sein! Für den Tem‐ pel haben wir dann immer noch Zeit! Die Gottesdienste? 70 Jahre lang fanden keine Gottesdienste statt! Da kommt es doch auf das eine Jahr nicht an, oder?

So denken sich das die Menschen. Aus der Sicht Gottes sieht es aber anders aus: „Die Zeit des Tempels ist noch nicht da, aber die Zeit, dass ihr in Luxus‐Häusern wohnt, die Zeit ist da – und das Haus des HERRN muss wüst stehen.“ (Haggai 1, 2‐4).

Wer weiß, wann wohl die Zeit kommen wird, den Tempel zu bauen? Inzwischen gewöhnt man sich daran, dass es keinen Tempel gibt! Der Tempel kann warten!

Wir Menschen denken so. Es muss alles stimmen. Das kirchliche Leben, der Glaube soll nicht ein Opfer sein, sondern sich bequem ergeben.

Der Gottesdienstbesuch, die Aufgabe in der Gemeinde, die Zeit zum Gebet, die Spende, das Kümmern um jemanden – nicht jetzt! Und dann gewöhnt man sich daran.

Da meldet Gott sich zurück. Der Segen – wo ist er nur? Die Dankbarkeit vor Gott – warum kenne ich sie nicht mehr? Die Freude in der Familie und der Ehe, die Geduld miteinander, was ist nur passiert? Die Sorge, die Langeweile wächst.

„Achtet doch darauf, wie es euch geht!“ ruft der Prophet Haggai. Was ist mit dem Haus Gottes? Ist es in dein Leben eingebaut? Oder wartest du auf bequemere Zeiten? Die Zeit ist jetzt! Auch, wenn es nicht zu passen scheint. Auch wenn das eigene Haus dringend wichtig ist. Hol dir den Segen! Schon der Weg zur Kirche wird gesegnet sein!

Es gibt viel Klage darüber, dass bei uns Überfluss ist, aber doch die Seele zu kurz kommt. Sie braucht Segen! Sie braucht die Anrede, den Ruf, die Vergebung – das kommt von Gott allein.

Achtet doch darauf, wie es euch geht! – Serubbabel und Jeschua haben auf Haggai ge‐ hört. Sie und das ganze Israel wurden gesegnet vom Tempel Gottes aus.

Wir werden es erst erfahren, wenn wir uns auch auf den Weg machen. Die Zeit ist jetzt!


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Giovanni Fattori: Feldweg im Olivenhain

1890-1900, Holz, 19 × 33 cm
Florenz, Galleria d’Arte Moderna
Kommentar: Macchiaioli (Fleckenmalerei), Landschaftsmalerei
Land: Italien
Stil: Realismus
[Fattori, Giovanni. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 3578 (c) 2005 The Yorck Project]


20. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

17 Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.
18 Denn viele leben so, daß ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.
19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.
20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,
21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, daß er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

Philipper 3, 17-21

HERR, segne dein Wort an uns; Dein Wort ist die Wahrheit. Amen

Liebe Gemeinde!

Christen sind der Welt unheimlich. Oft lächerlich, oft harmlos, manchmal bedrohlich – wie auch immer. Menschen, die am Sonntagmorgen nichts Besseres zu tun haben, als „in die Kirche zu rennen!“ um alte Lieder zu singen, sich anpredigen lassen. Die einen unsichtbaren Gott anbeten. – Ich muß das nicht weiter vertiefen.
Christen wollen das nicht immer. Sie wollen auch gerne dazugehören, anerkannt und ernstgenommen werden, respektiert werden, und nicht belächelt oder diskret ausgeschlossen werden.
Das ist nichts Neues. Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Wie Gott in der Welt ist, so sind auch wir Christen in der Welt.“ (1. Johannes 4, 17) – Gottes Kindern geht es in der Welt wie Gott selbst: Die Welt kann auf Gott verzichten, die Welt kann auf Christen verzichten. So einfach ist das.
Darum hören wir heute darüber, wie wir mit dieser Fremdheit klarkommen.

  1. Vorbilder:
    „Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ Christen haben Vorbilder. Ein Christ muß das Christsein nicht im Kaltstart erfinden – also in jeder Hinsicht aus eigener Kraft verwirklichen und erfinden. Durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte haben Männer und Frauen in dieser fremden Welt sich zu Christus bekannt. Sie haben Gottes Gebote ernstgenommen, sie haben christliche Nächstenliebe praktiziert. – Und fast jeder wird sagen: Ich hatte ein Vorbild. Ich habe gesehen, wie jemand seinem Feind vergeben hat. Ich habe miterlebt, wie ein Ehemann seine kranke Frau geduldig gepflegt hat. Ich habe gesehen, wie Christen einem Mitchristen in finanzieller Not unkompliziert und unauffällig geholfen haben. Das sind Realitäten, die sich der Seele einprägen. Die gibt es in der Gemeinde. Vorbilder motivieren, brechen die Bahn, helfen dir, innere Widerstände zu überwinden. Gott schenkt Glaubenserfahrungen – und schafft es auch, daß diese Erfahrungen als Segen weiterwirken.
    Der Teufel haßt es, wenn Erfahrungen weitergegeben werden. Denn wenn das geschieht, dann hat der Teufel es schwerer, einen Menschen zu verführen und von Gott zu trennen. Darum wird der Teufel alles tun, Vorbilder lächerlich zu machen, oder eine Gemeinschaft zu zerstören, in der Erfahrungen mit Gott weitergegeben werden.
    Vorbilder zeigen uns: Es gibt einen Weg. Gott hält, was er verspricht. Was wir in der Bibel lesen, ist eine Realität. Menschen haben es erfahren.
  2. Feinde des Kreuzes Christi
    Doch gibt es solche, die nachgeben, die einknicken, die es nicht aushalten, daß sie in der Welt fremd sind.
    Paulus hat dafür strenge Worte:
    Sie sind Feinde des Kreuzes Jesu Christi.
    Das Kreuz Jesu hat folgende Wahrheiten in die Welt gebracht – und sie ein für allemal der Menschheit eingeprägt:
    a. Das Opfer bricht die Macht des Bösen – Jesus hat als der Sohn Gottes gelitten, um die Macht des bösen zu brechen. Er hat nicht Böses mit Bösem vergolten.
    b. Menschen brauchen dringend Vergebung – sie sind weit weg von Gott.
    Die Welt kann mit dem Opfer nichts anfangen. Für die Welt ist das Kreuz eine Dummheit – überflüssig und eine Verschwendung. Selbstlose Liebe, wie Jesus sie vorgelebt hat, ist der Welt unheimlich, eine Übertreibung, ja gefährlich. Verzicht auf eigenes Recht ist das Letzte, was man tun sollte!
    Wer das Kreuz Jesus kennt und doch ablehnt, der ist ein Feind des Kreuzes. Der sagt: Jesus hätte den Weg nicht gehen sollen. Sein Leiden und Sterben hat nichts verändert in der Welt. Vergebung ist keine Realität. Ich muß niemandem vergeben, und ich brauche keine Vergebung. Ja noch mehr: Ich will nicht selbstlos sein, und brauche die Selbstlosigkeit von anderen nicht.
    Man sagt das, und fühlt sich dabei stark, klug und sicher – man hält sich für realistisch. Das kann uns Christen sehr weh tun und belasten.
  3. Aufklärung
    Der Psalm 73 im Alten Testament beschreibt dieses Gefühl, als Kind Gottes in der Welt dumm da zu stehen sehr gut: „Ich sah, wie es denen, die ohne Gott leben, so gut ging – für sie gibt es keine Qualen, sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute, sie sind total selbstsicher, sie reden ohne Scheu, was sie denken, und die Massen finden sie toll. – Man lese Psalm 73! – Der Beter spricht das alles vor Gott aus. Gott antwortet, indem er dem Beter das Ende dieser Menschen ohne Gott aufzeigt. Wo landen sie am Ende? „Ich ging ins Heiligtum Gottes, und merkte auf ihr Ende.“ Diese ernste Aufklärung mach auch Paulus:

Die Welt belächelt die Christen, weil sie sich stark, klug und sicher fühlt.
„Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.“
a. Ihr Ende ist die Verdammnis: Sie haben am Ende nichts und niemand, der für sie spricht. Alles spricht gegen sie. Sie wollten ohne Gott sein, jetzt sind sie es. Sie wollten keine Vergebung, jetzt sind sie mit ihrer Schuld allein, und die Schuld, die nicht vergeben ist, bringt sie um. Sie brauchten keine Gnade – jetzt wird jeder Fehler heimgesucht. Das Maß, mit dem sie andere beurteilt haben, verachtet haben, das fällt nun auf sie zurück. Sie verachteten Opfer und Hingabe – nun brauchen sie Opfer und Hingabe, aber sie bekommen sie nicht.
b. Ihr Gott ist der Bauch: Sie sind chemischen Reaktionen ausgeliefert. Jeder Impuls macht sie platt. Sie können nicht Gottes Segen abwarten. Sie können niemandem etwas gönnen. Ein unerfülltes Begehren macht ihnen das Leben zur Hölle, und wenn sie ihren Willen bekommen, haben sie keinen Begriff dafür, daß andere vielleicht leiden. Der Bauch ist natürlich kein Gott. Er ist von Gottes Gaben abhängig – der Bauch kann keinen guten Rat geben, keinen Trost, und am Ende stirbt er. Aber wir Menschen sind in der Lage, ihn zum Maß aller Dinge zu machen.
c. Ihre Ehre ist in ihrer Schande – sie sind auf ihr Leben ohne Gott auch noch stolz, sie prahlen damit. Das, was sie am Ende vor Gott völlig in Frage stellen wird, das lieben sie und können nicht genug davon haben. Und wenn sie Menschen begegnen, die da nicht nachgeben, dann ist ihnen das unheimlich.
Das ist eine strenge Aufklärung!
Gott hat uns davon freigemacht. Den Kindern Gottes ist das unheimlich, sie sind nicht beeindruckt.

  1. Unser eigentliches Zuhause:
    „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,
    der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, daß er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“
    Bürgerrecht – da bin ich zuhause. Paulus hatte auch Rechte als Römischer Bürger – und hat sie auch geltend gemacht. Am Ende wurde er aber doch nach Römischem Recht enthauptet. Denn er blieb dieser Welt fremd und unheimlich. Rom konnte mit Christus nichts anfangen – das mußte Paulus dann auch am eigenen Leib erfahren. Sein Leib gehörte Christus – und Christus wird ihn auferwecken, und sagen: Dieser Enthauptete da gehört zu mir.
    Liebe Gemeinde. Wir haben in unserem Land auch Rechte als Bürger. Wir bewegen uns in diesen Rechten. Sie schützen uns vor Unrecht. Doch diese Rechte sagen uns nicht, wer wir am Ende von von Anfang an sind. Unser entscheidendes Recht ist bei Gott im Himmel.
    Das heißt aber auch vor allem: Gott sagt uns, was Gut und Böse ist. Das steht für uns fest, bevor wir Bürger in unserem Land sind. Die Regierung in unserem Land hat die Aufgabe, unseren Leib für Verletzung und Unrecht zu schützen. Aber die Regierung kann unseren nichtigen Leib nicht verherrlichen und unsterblich machen. Das tut Gott durch Seine Vergebung. Darum gibt es in jedem Christen etwas, über das der Staat niemals verfügen darf oder verfügen soll. Und das steht zuerst fest, nicht hinterher.
    Ich möchte einen Vergleich machen:
    Noah. Er war in dieser Welt. Er hat am Leben in dieser Welt teilgenommen. Doch Gott hat ihm das Ende aller Dinge gezeigt. Das Gericht über die Gottlosigkeit. Gott hat ihm auch den Ausweg gezeigt: Die Arche. Noah wurde dieser Welt fremd in dem Moment, wo er mitten auf dem trockenen Land die Arche baute. Die Arche war ein Signal für die Welt: Euer Weg hat kein gutes Ende. Gott steht über euch. Ihr könnt euch nicht retten. Ihr braucht Vergebung. Die Welt fühlte sich sicher und klug. Nichts sprach für eine Sintflut. Alles sprach dafür, genau so weiterzumachen. Ja, wer weiß, vielleicht hat man zu Noahs Zeiten gesagt: Laßt uns zusammenhalten, dann kann die Sintflut uns nichts anhaben.
    Noah hatte seine Zukunft und seine Sicherheit in der Arche. Er hatte sie immer im Blick. Wenn es in der Welt besonders attraktiv schien, dachte er an das Ende, und an die Arche.
    Er war fremd in dieser Welt und ihr unheimlich – wie Gott in der Welt war, so auch Noah und seine Arche.
    Unser Daseinsrecht und Zukunft ist mit Gottes Arche verbunden. Jesus ist unser Noah. Die Kirche ist Gottes Arche. Wer in der Arche sein will, muß sie im Blick haben, und wissen, wie man da hineinkommt und bleibt, wenn es drauf ankommt.
    In der Gemeinde, in der Kirche hat die Selbstlosigkeit, das Opfer Jesu einen festen Platz. Wir vergessen niemals, daß Gottes Gnade uns rettet.
    Deshalb können wir uns nicht an die Welt binden, als wäre sie alles, was es gibt. Wir können uns nicht von unserem Bauch bestimmen lassen. Das geht nicht mehr. Wir teilen die Hoffnung der Welt nicht, wir teilen auch die Furcht der Welt nicht.
    Gott hat uns schon in Sicherheit gebracht. Die Welt kommt zu spät, wenn sie das auch noch will.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Antonello da Messina: Maria der Verkündigung
1473, Öl auf Holz, 43 × 32 cm
München, Alte Pinakothek
Land: Italien
Stil: Renaissance
[Antonello da Messina. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 329 (c) 2005 The Yorck Project]

17. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.
10 Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. 11 Denn die Schrift spricht (Jes 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«
12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.
13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).
14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?«
17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
18 Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Ps 19,5).

Römer 10, 9-18

Lieber Gott im Himmel, laß Dein Wort bei uns wirken, wozu Du es gesandt hast. Amen.

Liebe Gemeinde!

Folgende Situation: Du sitzt in der U-Bahn, ohne Fahrschein. Die Kontrolle kommt näher. Du hast auch nicht 60 Euro dabei. Dann flüstert Dir einer zu: Kein Problem! Du mußt sagen: Ich fahre mit dem da. Und dann nickt er in die Richtung eines unauffälligen Fahrgastes. Du guckst fragend. -?- Er sagt: Er hat die Super-Umweltkarte. Er kann jeden mitnehmen. Er besitzt die U-Bahn.
Wirst Du es sagen: „Ich fahre mit dem da!“?

Genau dasselbe ist es, wenn Paulus Dir sagt: „Wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der HERR ist, und in deine Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“
Sünder fahren schwarz. Sie nehmen am Leben teil, das Gott ihnen geschenkt hat. Aber sie vergessen den Geber über die Gaben. Statt Gott die Ehre zu geben – das wäre ein gültiger Fahrschein, denn mit dem Fahrschein mache ich ja klar: Diese U-Bahn ist nicht mein Privatbesitz, sondern wird mir zur Verfügung gestellt – statt Gott anzuerkennen, tut man als hätte man sich das Leben selbst gegeben. Die 10 Gebote offenbaren das. Sie zeigen, daß wir mit Überzeugung und völlig ohne Scham in Gottes Schöpfung schwarzfahren. Wir fürchten Dinge mehr als Gott, wir lieben Dinge mehr als Gott. Wir bitten Gott nicht um Hilfe, wir danken ihm nicht. Wir lassen uns von Gott nichts sagen. Wir schätzen nicht, was andere für uns tun. Wir leben auf Kosten anderer. Ehebruch. Lüge. Und dann noch das Begehren, daß alle das in Ordnung finden, und wir mit dem Schwarzfahren durchkommen, ohne erwischt zu werden.
Die 10 Gebote sagen uns aber auch, daß das alles bei Gott ankommt, und ihm nicht egal ist. Manchmal wachen Menschen auf, und spüren, daß alles ein großer Fehler ist. Und dann? Wie kommt man da heraus? Wie kann ich Gott wieder auf meine Seite kriegen? Kann ich versuchen, mich herauszureden? Schwarzfahrer versuchen das! Es ist lächerlich und aussichtslos. Kann ich schnell irgendwo noch einen gültigen Fahrschein bekommen? Kann ich noch versuchen, alles wieder gutzumachen? Aber weiß ich denn, was alles gutgemacht werden soll? Und weiß ich denn, ob es reicht?
Paulus kannte das. Er hatte versucht, möglichst alle Regeln peinlich einzuhalten. Doch wurde ihm klar: Das alles ergibt keinen gültigen Fahrschein. Das alles bringt Gott noch nicht auf meine Seite, es bringt die Anklage des Gesetzes nicht zum Schweigen.
Das änderte sich alles erst, als er Jesus, dem Auferstandenen, begegnete. Der Mann, der im Namen des Gesetzes gekreuzigt wurde wie der schlimmste Sünder, wie der dreisteste Schwarzfahrer auf Gottes Erdboden und unter Gottes Himmel – der war zu Unrecht gestorben, und Gott hatte ihn auferweckt und gesagt: Dieser hat recht – alle anderen nicht! Er hat das Gesetz erfüllt – die ihn im Namen des Gesetzes kreuzigten, hatten unrecht. Er hat recht. Er ist der Herr.
Paulus erfuhr von Gott selbst: Jesus ist „Gott auf meiner Seite“. Jesus ist die Gnade und die Vergebung, die die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringt.
Wichtig ist nur, daß du dich zu ihm bekennst: Du mußt sagen: Ich fahre mit dem da.
Das ist nur dann möglich, um im Bilde zu bleiben, wenn ich erstens einsehe, daß ich schwarzfahre und einen gültigen Fahrschein brauche, den ich aber selbst nicht habe.
Und zweitens muß ich tatsächlich mich darauf verlassen, daß „der da“ auch wirklich diese Umweltkarte für alle hat, und berechtigt ist, alle mitzunehmen, die sich auf ihn berufen.
Ich muß also einsehen, daß es so nicht weitergeht. Daß ich bei Gott nicht gut ankomme, sondern im Gegenteil: Ich stelle mein Leben immer wieder aufs Neue in Frage. Wenn also die Kontrolle des Gesetzes kommt, nützt es nichts, zu sagen: Ich darf hier mitfahren und tun, als ob mir das alles gehört, ich brauche überhaupt keinen gültigen Fahrschein! – Sünder verhalten sich so. Ich kann alles erlauben, denn ich fühle das Recht dazu! Gott soll mich in Ruhe lassen! – Im Gegenteil. Die Einsicht ist notwendig. Gott hat mir das Leben geschenkt. Er ist der Geber. Er macht die Regeln. Bei mir muß etwas passieren. Bei mir muß etwas anders werden!
Und damit hängt die zweite Erkenntnis zusammen: Die größte Macht hat der, der mir einen gültigen Fahrschein verschafft. Also: Die größte Macht im Universum und für dich ist die Macht, die schafft, daß Gott dir vergibt und dich annimmt. Nicht, wer die meisten Waffen hat, nicht, wer das meiste Geld hat, nicht, wer den größten Einfluß hat – sondern, wer die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringt: Gott ist nicht mehr gegen dich!
Darum verbindet Paulus das HERR-sein Jesu – also seine Macht – mit der Auferstehung. Denn die Auferstehung Jesus widerlegte Jesu Tod am Kreuz. Das Kreuz war der Beweis des Gesetzes: Dieser ist verflucht, ewig von Gott getrennt. Doch der Gekreuzigte ist auferstanden, also ist bei Jesus, dem Auferstandenen die Anklage des Gesetzes GEGEN IHN widerlegt. Bei ihm muß die Anklage des Gesetzes schweigen. Das ist die größte Macht. Also – was hilft einem Sünder die Macht des Geldes oder die Macht der Waffen oder irgendeine andere Macht, wenn am Ende das Gesetz feststellt: Schuldig!
Paulus legt und Gesetz und Evangelium vor. Gesetz: Du fährst schwarz! Evangelium: Sag: Ich fahre mit dem da. Ich fahre mit Jesus Christus.
Wenn wir das einigermaßen begreifen, dann können wir den Rest des Textes auch verstehen.
„12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.“ – Alles, was du tun mußt ist: Bekennen, daß Jesus der HERR ist. Das muß ein Jude tun – Paulus hat das ein für allemal eingesehen, daß Geburt und Herkunft einen Sünder nicht auf Gottes Seite bringt – beide Juden und Heiden müssen sagen: Ich liege falsch, aber ich fahre mit dem da – mit Christus.
„13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).“
Schon das Alte Testament spricht davon, daß Gott eine Lösung schaffen wird, die für beide, Juden und Heiden gleichermaßen gilt.
„14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?«
17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“
Hier spricht Paulus über den Mann in der U-Bahn, der dir zuflüstert: Du mußt einfach sagen: Ich fahre mit dem da.
Denn wie soll ein Sünder überhaupt darauf kommen, daß jemand für ihn da ist, und Vergebung ermöglicht? Von selbst wird er niemals darauf kommen. Ein Sünder hat von sich aus immer nur zwei Möglichkeiten: Heucheln oder Verzweifeln. Tun, als ob nichts ist; oder Tun, als ob nichts mehr hilft. Wie soll man sagen: Ich fahre mit dem da – wenn ich nicht weiß, daß es ihn gibt, oder wer er ist, oder was er kann? Jemand muß es mir dringend sagen, und zwar deutlich!
Und klar es darf kein blöder Trick sein, auf den ich reinfalle. Darum sagt Paulus: Wie können sie aber predigen, wo sie nicht gesandt – also von Gott selbst gesandt sind? Aber Gott hat sie gesandt. Jesus hat zu den Aposteln gesagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden; darum geht hin und predigt und tauft und sagt bescheid!
Und das ist die Situation, in der ein Christ sich befindet.
Wir haben gehört: Jesus, der Sohn Gottes, dem die ganze Welt gehört, durch den die Welt geschaffen ist – Jesus hat dazu noch die entscheidende Macht bekommen. Er kann die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringen. Gott hat Menschen gesandt, uns das zu sagen.
Diese Kirchenbänke sind wie U-Bahn Bänke. Sie könnten Anklagebänke sein. Unser Gewissen sagt uns das. Aber einer fährt mit. Und es kommt jetzt alles darauf an, daß wir genau zuhören. Denn der Glaube, der uns zu Menschen auf Gottes Seite schafft – der kommt aus dem Hören der Predigt.
An diesem Wort und an dem Hören des Wortes hängt alles – ob wir gut ankommen, und das Ende gut wird.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de

16. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

22 Die Güte des HERRN ist’s, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende,
23 sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.
24 Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.
25 Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.
26 Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.
[…]
31 Denn der HERR verstößt nicht ewig;
32 sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Klagelieder 3, 22-26. 31-32

Lieber Gott im Himmel, laß Dein Wort bei uns wirken, wozu Du es gesandt hast. Amen.

Liebe Gemeinde!

Heute muß mal etwas ganz Nüchternes gesagt werden: Der Glaube bezieht sich auf etwas, was ich nicht bin. Ich bin nicht Gott, aber im Glauben beziehe ich mich auf Gott.
Das klingt lächerlich einfach. Nicht mal eine Binsenweisheit. Doch lohnt es sich, bei dieser Wahrheit stehen zu bleiben, und ihr nicht auszuweichen. Ich bin nicht Gott; und Gott ist nicht ich – aber im Glauben beziehe ich mich auf Gott. Vielleicht sollte man noch besser sagen: Der Glauben erkennt, spürt, ahnt, merkt, daß Gott sich auf mich bezieht; Gott meint mich.
Der Predigttext hilft und führt uns, festzuhalten: Gott ist nicht ich. Das ist gut.
Die Güte des HERRN ist’s, daß wir nicht gar aus sind
„Gar aus“- sein. Wer spricht so? Ganz und gar aus sein – fertig sein, alle sein, am Ende sein.
So spricht der Prophet Jeremia, nachdem Nebuchadnezar und seine Übermacht Israel niedergetreten, und Jerusalem angezündet, und den Tempel zerstört hat. „Ich kann nicht mehr“ „Es wird mir zuviel!“. Das ist Jeremia, das ist Israel. Nicht nur sichtbar, sondern auch unsichtbar – denn dieses Elend ist das Ergebnis und die Folge eigener Schuld. Dann ist man doppelt am Ende – wenn man einsieht: Ich bin daran schuld!
Es ist alles ganz schrecklich. Keine Frage. Jeremia ist randvoller Klage und Schmerzen. Leiblich und seelisch. Man sagen: Er ist Klage und Schmerzen – und sonst nichts.
Aber das ist nicht die ganze Wirklichkeit. Ich bin ganz am Ende, aber das ist nicht alles.
„Die Güte des HERRN ists, daß wir NICHT ganz aus sind.“
Der HERR ist überhaupt nicht aus. Gott ist ganz heil und gut – also das, was Israel gerade nicht ist.
ABER ISRAEL BEZIEHT SICH AUF DEN HERRN. RUFT IHN AN, KLAMMERT SICH AN IHN, LÄßT IHN NICHT LOS.
Oder warum nicht: SCHREIT IHN AN.
Es geht um diesen Funken, dieses Senfkorn: Dieses Fertig-Sein ist nicht die ganze Wirklichkeit. Dieser Schmerz ist nicht alles.
Oder besser: ISRAEL UND JEREMIA WERDEN INNE:
DER HERR HAT UNS NICHT FALLEN GELASSEN, GOTT IST MIT UNS NICHT AM ENDE, DA IST NOCH ETWAS, DER SCHMERZ IST NICHT DIE GANZE WIRKLICHKEIT. Er ist wirklich, aber er ist nicht alles.
Liebe Gemeinde kommst Du jetzt ein wenig dahinein, in dieses Wort: „Die Güte des HERRN ists, was wir nicht gar aus sind.“?
Jeremia sieht die Trümmerhaufen der heiligen Stadt. Wie alles Schöne, alle Anhaltspunkte für Gottes Segen nicht da sind. Er sieht das. Aber die Tatsache, daß es es sieht, und noch lebt und Klagen kann, ist der Beweis dafür: Gott ist mit mir, mit uns, noch nicht am Ende. Gott ist überhaupt nicht am Ende. Denn Gott ist ja nicht ich, oder Israel. Wenn wir noch am Leben sind, dann deshalb, weil Gott uns noch erhält. Die Tatsache, daß ich Schmerzen spüre, ist der Beweis, daß ich mit Gott eine Zukunft habe.
„Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende.“
Barmherzigkeit nimmt das an, was in Not ist. Ohne Not, ohne Leiden gibt es keine Barmherzigkeit. Gottes Barmherzigkeit umgibt und trägt, ja umhüllt Jeremia und Israel, das kaputte Jerusalem. Das ist Barmherzigkeit. Sie fängt an, fängt so richtig erst an, wo Not ist. Jeremia spricht die Wirklichkeit an, die einfach größer ist. Und er bezieht sich auf sie, im Glauben:
„Und DEINE Treue ist groß“. Er erkennt die Treue. Ihm wird klar: Gott war schon dabei, auf mich zuzugehen; eine Wirklichkeit, die ich nicht bin, aber zu mir kommt.
Wie ein Arzt. Ein Arzt ist etwas völlig anderes, als ein Patient. Aber der Arzt wendet sich dem Patienten zu. Der Patient vertraut sich dem Arzt an. Der Arzt steht dafür, daß die Krankheit, die den Patienten zum Patienten macht, daß diese Krankheit doch nicht die ganze Wirklichkeit ist. Darum ist es nicht trivial, oder banal, daß der Arzt nicht der Patient ist. Der Arzt ist das LEBEN des Patienten- und der Patient lebt weiter, weil er dem Arzt vertraut, und der Arzt barmherzig ist.
Barmherzigkeit setzt ihre Kraft und Macht ein, damit etwas Schwaches oder Leidendes lebt und aufatmet. Barmherzigkeit ist Zuwendung an der tiefen Stelle.
Hier ist es wahr: Nicht der Mensch soll barmherzig sein, sondern er soll Barmherzigkeit erfahren, weil er sie braucht.
„DEINE Treue ist groß.“ Treue gibt es, wo man ein Wort gegeben hat. Treue ist gehaltenes Wort. Gott hat Israel und Jeremia Sein Wort gegeben. Im Wort ist die Zuwendung Gottes. Wenn das Wort kommt, dann kündigt sich eine neue Wirklichkeit an, eine Zukunft. Eine Zukunft, die das Israel, das am Boden liegt, nicht ist sich oder in seiner Haut irgendwo fühlt oder sieht – im Gegenteil! – sondern es ist die Zukunft, die Gott bringt. Denn wenn Gott dich anspricht, dann ruft er dich in die Zukunft. Seine Zukunft.
Im heutigen Evangelium hören wir von dem gestorbenen Lazarus. ( Johannes 11). Der lag tot im Grab. Er hatte keine Zukunft in sich, ja, er stank schon. So war es.
Aber Jesus war sein Freund. Das ist die Zuwendung, die von Außen kommt. Und Jesus ruft aus Seiner Treue heraus, ruft er: „Lazarus, komm heraus!“ Wie gut, daß Jesus nicht Lazarus ist! Jesus ist was ganz und gar anderes, er ist alles was Lazarus nicht ist: Jesus ist die Auferstehung und das Leben, Lazarus hingegen ist der Tod und das Liegen im Grab. Aber Jesus wendet sich aus Treue und Barmherzigkeit dem Lazarus zu. Jesus ist die Zukunft für Lazarus, egal, wie sehr Lazarus nur noch Vergangenheit ist. Lazarus ist auf diese Vergangenheit, auf diesen Tod überhaupt nicht festgelegt. Warum? Weil Jesus sein treuer Freund ist. „Deine Treue ist groß!“ Wenn Jesus dein Freund ist, dann ist er auch Deine Zukunft. Und diese Zukunft fängt in dir an, wenn Sein Wort, das Evangelium, dich erreicht, dich anspricht.
„Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.“ Oh – die Seele spricht. Wenn die Seele spricht, dann kommt das, was gesagt werden muß, wenn die Seele spricht, dann ist der Leib, das Herz und alles nach und nach einverstanden. Am schönsten ist es ja, wenn die Seele sagt: Ich liebe einen Menschen. Das kommt nicht aus dem Gehirn allein, als ein korrekter Gedanke. Da ist das Herz nicht so dabei, oder der Rest des Körpers. Aber wenn die Seele spricht, dann ist das eine große Wahrheit, so groß wie das, was sie liebt, und noch größer. Und der Leibt kann sich mitfreuen und kommt zur Ruhe, und wird auch richtig wach und lebendig, voller Hoffnung und Zukunft.
Was sagt die Seele? – „Der HERR ist mein Teil.“ – „Mein Teil“ – das ist mein Erbteil. Ein Erbe in der Sprache der Bibel ist das, wovon ich leben werde, worin ich leben werde – ein Grundstück, ein Haus, der Ort, wo niemand über mich bestimmt, sondern wo ich bestimme. Der Ort, wo meine Zukunft stattfindet, wo es auf jeden Fall weitergeht. Also kein Grab. Sondern das Gegenteil. Kein Endpunkt, sondern ein wunderbarer Anfang.
Meine Seele sagt: „Der HERR ist mein Teil. Also mein Anfang, meine Freiheit, der Ort, wo ich nicht schwächer, sondern stärker, nicht unfreier, sondern freier, nicht trauriger, sondern fröhlicher werde.“ Gott ist so sehr für mich da, daß Er mein Anfang ist. So war es doch für Lazarus. Er war am Ende. Aber Jesus war sein Anfang.
Davon spricht Jeremia ja für Israel. Für Gott geht es jetzt erst richtig los. Israel soll und wird seinen Gott jetzt erst wirklich kennen lernen. Lazarus kannte Jesus. Jesus war ein Freund und ein Lehrer. Aber jetzt im Grab lernt Lazarus Jesus erst richtig kennen. Als Arzt aller Ärzte, als der Sohn Gottes. Als die Auferstehung und das Leben. Lazarus lag im Dunkeln, in der Nacht und Jesus war sein Morgen.
Die Seele sagt: Der HERR ist mein Teil. Darum will ich auf ihn hoffen. Hoffen ist eigentlich ganz da, wenn ich nur sagen kann: Dies ist nicht alles. Bei Gott, so wahr Jesus gekommen ist: Dies ist nicht alles!
Ist das so schwer zu sagen. Kann ein Mensch, der einmal von Jesus gehört hat, jemals sagen: Ok. Das wars. Mehr gibt’s nicht für mich, mehr habe ich nicht verdient? – Nein. Wer von Jesus gehört hat, erst recht, wer durch die Taufe mit Jesus verbunden ist, der kann wenigstens sagen: Dies ist nicht alles. Gott ist barmherzig, Gott ist treu. Er ist mir barmherzig, mir treu. Gott ist der Morgen über diese Nacht. Ich werde den Morgen erben.
„Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.“ Lazarus konnte nicht mehr nach Jesus fragen, denn er lag schon 4 Tage im Grab. Aber die Hörer des Propheten Jeremia – die konnten nach dem HERRN fragen. Beharrlich fragen. Diese Frager hier im Text haben keine Antworten in sich selbst. Sie schauen nicht in sich hinein und finden oder fühlen eine Antwort. Sie fragen, weil sie keine Antworten haben – und erwarten vom HERRN die Antwort.
Mit anderen Worten: Genau so, wie ich nicht Gott bin, so bin ich auch nicht die Antwort, sondern die Frage, und Gott soll die Antwort sein. Das erwarte ich. Und was hören wir: „Der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.“ Viele Menschen zweifeln an Gott – nicht, weil sie Fragen haben – Fragen haben wir alle! – Sondern weil sie die Fragen selbst beantworten, und nicht auf Gottes Antwort warten. Menschen, die einfach beschließen: Gott ist gegen mich, Gott hat mich vergessen, oder wie auch immer. Das ist nicht Gottes Antwort. Die Schwestern von Lazarus, Maria und Martha, die sagten zu Jesus: Wärest Du hier gewesen, unser Bruder wäre nicht gestorben. Das war die Frage: „Warum warst du nicht hier? Warum hast du das nicht verhindert?“ – Wie antwortet Jesus nochmal: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleicht stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Jesus ist die Antwort, Gottes Antwort. Gottes freundliche Antwort. Jesus ist auf jeden Fall eine bessere Antwort, als unsere Antworten. Aber genau so, wie Lazarus sich nicht selbst aus dem Grab herausrufen konnte, sowenig können wir uns selbst die Antwort geben, die uns tröstet, die uns unsere Fehler vergibt, und heilt. Wie gut, daß Jesus nicht Lazarus ist. Wie gut, daß wir nicht Gott sind! Wie gut, daß Jesus der Freund von Lazarus war und ihn liebhatte! Wie gut, daß Gott unser Freund geworden ist!
„Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.“ Geduldig sein. Das ist so, wie „nicht verpassen wollen“. Es ist das größte und schönste, wenn ein Mensch sich auf Gott bezieht, wenn ein Mensch kapiert, daß Gott ihn meint, und sagen kann: Da ist meine Zukunft, da ist Trost, Heilung, Sicherheit. Bei mir sehe ich und fühle ich das im Moment nicht. Aber Gott ist mein Freund, denn Jesus ist gekommen. Sein Evangelium hat mit mir gesprochen. Seine Taufe ist Teil von meinem Leben geworden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Gott gib, daß ich sie nicht verpasse.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:
Pietro Perugino: Fresken der Sala d’Udienza im Collegio del Cambio in Perugia, Szene: Gottvater mit Propheten und Sibyllen

1497-1500, Fresko, 229 × 370 cm
Perugia, Collegio del Cambio
Land: Italien
Stil: Renaissance
[Perugino, Pietro. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 8886 (c) 2005 The Yorck Project]

15. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen.
24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.
26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.
27 Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
28 Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!
29 Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen.
30 Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muß ich tun, daß ich gerettet werde?
31 Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!
32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
33 Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen 34 und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er zum Glauben an Gott gekommen war.

Apostelgeschichte 16, 23-34

HERR, segne dein Wort an uns, dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!

Paulus und Silas waren unter der Erde im Gefängnis. Da war eine dicke, schwere Tür. Die war zugeschlossen. Sie konnten nicht raus. Und noch etwas: Ihre Füße war so fest angekettet, daß sie nicht mal gehen konnten. Sie waren doppelt gefangen und fest. Und es war dunkel. Da kann man Sorgen haben: Was wird der Gefängniswärter tun? Werde ich jemals wieder herauskommen? Werde ich wieder die Sonne sehen? Werde ich zu essen bekommen? Wird es zu kalt werden? Wird es sehr heißt werden? Werde ich meine Familie wiedersehen? Werde ich meine Freunde wiedersehen? Was werden die Menschen Böses über uns sagen? Wird irgendjemand mir überhaupt helfen? Haben wir vielleicht etwas falsch gemacht? Will Gott uns strafen, hat Gott uns vergessen? — Sorgen, Sorgen Sorgen!
Ein Mann hatte keine Sorgen: Der Gefängniswärter. Er hatte Paulus und Silas gut eingeschlossen. Da kommt niemand raus! Paulus und Silas bekommen die Strafe, die sie verdienen! Ich habe alles richtig gemacht! Ich werde für meine Arbeit noch mehr Geld bekommen, weil sich Paulus und Silas so gut eingeschlossen habe! Gleicht esse ich mit einer Familie gemütlich Abendbrot und dann kann ich in meinem warmen Bett schlafen! – Keine Sorgen!
Aber dieser Gefängniswärter wußte eines nicht: Paulus und Silas hatten etwas dabei, was er nicht sehen konnte. Es war unsichtbar, darum konnte er es Paulus und Silas nicht wegnehmen. – Ein unsichtbarer Schatz:

  1. Die Taufe – die Gewißheit, daß sie Gottes Kinder sind, und daß Gott sie nicht vergißt oder verläßt.
  2. Der Heilige Geist – der sie an Jesus erinnert, und an alles was Jesus getan hat – auch, daß Jesus mit Händen und Füßen ans Kreuz genagelt worden war – und daß Jesus sogar ins Grab, unter die Erde gelegt worden war.
    Wir hören von dem Kinderbibeltag – was war das genau für ein Schatz, den Paulus und Silas heimlich dabei hatten?
    Sie wußten: Jesus ist hier. Er ist stärker als die Sorgen. Vielleicht hat Silas zu Paulus gesagt: Jesus hat gesagt: Wir müssen an die Vögel unter dem Himmel denken. Gott gibt ihnen zu Essen ohne Sorgen. Wir müssen an die Lilien auf dem Felde denken. Sie sind schöner als König Salomo – und noch viel schöner als der Gefängniswärter. Und wir sind für Gott wichtiger als die Vögel und die Lilien. – Denn Jesus ist zu uns gekommen. Wir sind nicht allein.
    Dann haben Paulus und Silas unter der Erde im Gefängnis gesungen. Sie haben Gott gelobt. „Gott, du hast Himmel und Erde geschaffen. Wunderbar. Auch die Vögel und die Lilien – ja auch uns! Du hast Jesus geschickt, daß er überall bei uns ist. Wir wissen das, denn wir sind getauft. Der Heilige Geist wird uns aus allem herausholen, sogar aus dem Grab!“
    Da waren die Sorgen nicht mehr da.
    Dann passierte etwas ganz unerwartetes: Ein Erdbeben. Die Erde wackelte und zitterte. Und davon fielen die Ketten ab, und die Türen brachen auf.
    Paulus und Silas hatten keine Sorgen.
    Aber der Gefängniswärter hatte auf einmal eine große Sorge: Sein Gefängnis war kaputt. Jetzt sind alle Gefangenen bestimmt weggelaufen! Jetzt wird die Regierung ihn bestrafen – vielleicht sogar töten! Oder jetzt kommen bestimmt die Gefangenen und wollen es ihm heimzahlen, daß er sie so grimmig eingeschlossen hat! – Ganz ganz große Sorgen. Er will am liebsten nicht mehr leben!
    Obwohl er keine sichtbaren Ketten hat, ist der Gefängniswärter doch gefangen.
    Die unsichtbaren Ketten: Wut, Neid, Traurigkeit, Sündenlast, Verwirrung, Unglaube, Ungerechtigkeit – – Alles unsichtbare Dinge, die uns Menschen aber binden und festhalten, daß wir nicht an Gott glauben können, und nicht andere liebhaben können.
    Gott hatte Paulus und Silas den Heiligen Geist in der Taufe geschenkt. Der hatte diese Ketten schon lange bei ihnen zerrissen. Darum konnten sie schon singen, obwohl sie noch eingeschlossen und sichtbar gebunden waren. Aber unsichtbar und heimlich waren sie schon frei.
    Darum sind sie nicht weggelaufen, als Gott die Türen und die Ketten aufgebrochen hatte. Sie waren so frei, daß sie bleiben konnten. Paulus und Silas wollten die Gefängniswärter zeigen, was ihr geheimer Schatz ist, und diesen Schatz mit ihm teilen.
    Der Wärter konnte es nicht glauben, daß es so eine Freiheit gibt, wie die von Paulus und Silas. Er konnte es sich einfach nicht vorstellen! Darum mußte er sie fragen: Liebe Herren! – Nicht: Blöde Gefangenen! – liebe Herren – was muß ich tun, daß ich so frei werde, wie ihr? Was ist euer Geheimnis? Was ist euer unsichtbarer Schatz?
    Da haben Paulus und Silas geantwortet: Glaube an den Herrn Jesus! – Da mußten sie erstmal von Jesus erzählen.
    Und am Ende wurden er und seine Familie getauft. Und dann hatte er auch denselben Schatz, wie Paulus und Silas, dieselbe unsichtbare, große Freiheit.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:
Meister aus Halberstadt: Paulus und die Empfänger seiner Briefe
um 1185, Pergament
Kommentar: Buchmalerei
Land: Deutschland
Stil: Romanik
[Meister aus Halberstadt. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 7500 (c) 2005 The Yorck Project]

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