19. Sonntag nach Trinitatis

Jesus heilt einen Gelähmten. Kapitell in der Kirche von Saint-Aubin de Saint-Aubin-du-Cormier

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, daß er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, so daß sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, daß sie so bei
sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
10 Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodaß sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Markus 2, 1-12

Gebet: HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen

Liebe Gemeinde!
Wer zu Jesus gehört, der gehört zu denen, „die sich entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.“ – Was haben sie noch nie gesehen? Daß ein Gelähmter auf Befehl Jesu aufsteht, sein Bett nimmt und vor aller Augen hinausgeht. – Es gibt ein Loblied im Reich Gottes, das immer zu hören ist. Der Lobpreis Gottes ist immer auch ein Teil von Gottes Wundern. Wo Jesus heilt und vergibt, Gebete erhört, da schallt der Gesang der Kinder Gottes. Er ist schon da – und wer zu Jesus kommt, der kommt in diesen Bereich, in dem Vergebung und Heilung bestaunt und besungen wird. Es geht in jedem christlichen Lied immer um diese Taten, die Jesus getan hat. Was Er getan hat, vergeht nicht, darum verstummt dieses Loblied niemals. – Wir singen heute ein solches Lied: „Ich singe dir mit Herz und Mund“. Es bezieht sich auf den Gott, der uns im Evangelium begegnet. Das bedeutet unbedingt: Das Staunen, die überraschte Freude und der Lobpreis aus Markus 2 ist dadrin. Wir singen unser Lied mit den vier Freunden, die den Gelähmten zu Jesus getragen haben.
Die Vorstellung ist: Das Lied ist schon da, es holt uns ein und wir stimmen mit ein.
Nach einer Intrade singen Lied 581, 1-2:

  1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt.
  2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
    Jedes Wort in diesem Lied ist dazu geeignet aus uns das zu machen, was wir immer schon sind, und leider immer schon wieder vergessen: Gottes Geschöpf. Wer damit Ernst macht, daß er sich nicht selbst gemacht hat, wer darauf verzichtet, irgendwie Gott zu spielen, der hat alles. Warum, weil er einen Schöpfer hat.
    Darum können wir uns mit Recht fragen: Was sind wir doch? Das wird der arme hilflose Gelähmte sich auch gefragt haben: Was bin ich schon? Doch durch den Glauben bin ich nicht nur Geschöpf, sondern Kind Gottes. Das macht Gott zu einem Geber für mich, einen Vater.
    Nach einem Ostinato zu dem Text „auf dieser ganzen Erd“ singt die Gemeinde – mit Herz und Mund! – Lied 581, 3:
  3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?
    Wenn der Heilige Geist das in dir geweckt hat, daß Gott der Geber ist, der Vater, daß Gottes Liebe alles zusammenhält und das Leben jetzt ermöglicht und schützt. Gerade dein Leben! Dann lernst du neu schauen und gucken. Der Himmel sieht dann wirklich anders aus. Das Wetter ist kein stummes Schicksal. Und die Früchte der Erde, von denen wir jede Stunde leben, werden zum Zeichen einer Liebe vom Himmel. Ja, gerade in unseren Zeiten wollen wir von ganzem Herzen bekennen: Von Gott kommt Wärme bei Kälte und Frost!
    Die Posaunen spielen über das schöne Himmelszelt, und dann singt die Gemeinde – immer noch aus Freude über das Wunder aus dem Evangelium! – 581, 4+5:
  4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt?
  5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Öl und Most zu seinen Zeiten findt?
    Es geht nicht nur um unser leibliches Leben. Es geht auch um unser Zusammenleben. Wir als Geschöpfe können die Umstände und Bedingungen nicht machen, schaffen, oder garantieren, in denen wir mit Leib und Seele leben können. Umstände, in denen Vertrauen sich lohnt; in denen Arbeit sich lohnt; in denen Ehrlichkeit sich lohnt. Diesen Frieden in unserem Vaterland muß Gott geben. Er allein kann ihn geben. Haben wir Gott dafür gedankt? – und: Bevor wir auf die Mächtigen schimpfen – was überhaupt nichts bringt! – laßt uns jetzt zum Himmel über uns Kontakt aufnehmen und andocken an die wirkliche Quelle des wirklichen Friedens!
    Nach einer Fuge über „Fried in unserem Vaterland“ singen wir 581, 6-9:
  6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?
  7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und läßt uns sicher ruhn.
  8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.
  9. Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.
    Der arme Gelähmte wurde geheilt. Jesus hat als Sohn Gottes, als wahrer leibhaftiger Gott seinen Leib in Ordnung gebracht. Doch Jesus bringt vor allem eins: Eine Chance für Sünder. Wir haben es eben gesungen: „Du strafst uns Sünder mit Geduld – und wirfst die Schuld weg.“ Vergebung ist noch viel wichtiger als alles, was wir bis jetzt besungen haben. Alles hängt davon ab, daß Gott sich entscheidet: Du sollst nicht verloren gehen, die Schuld von dir und anderen soll dich nicht zerstören oder einschließen und vom Leben abschneiden. Nein, in Gottes Namen nein! – Manchmal hat ein Mensch alles, oder doch genug. Aber der Friede mit Gott fehlt. Das arme Herz seufzt und schreit. Es weint. Manchmal ohne Worte im Verborgenen, weil es überhaupt nicht glauben kann, daß es gehört wird. Doch wo Jesus, der Sohn Gottes ist, da darf das Herz ans Licht kommen. Es wird nicht platt getreten oder verjagt oder lächerlich gemacht werden. Nein nein! Im Himmel bei Gott werden die Tränen gezählt. Und: Der Trost ist größer und sicherer als der Mangel. Das steht bei Gott fest.
    Nach einer Klage über die seufzenden und schreienden Herzen singt die Gemeinde mit Herz und Mund 581, 10-12:
  10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht, und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.
  11. Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
  12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
    Wer ein Geschöpf ist, hat den Schöpfer, wer den Schöpfer hat, der hat den größten Geber. Er gibt uns das, was bleibt und nicht vergeht. Das fängt mit der Vergebung an. Denn wenn wir keine Vergebung haben, dann wird am Ende alles gegen uns sprechen und uns anklagen. Aber mit Vergebung gibt Gott uns eine gute Zukunft.
    Der Gelähmte bekam ja nicht nur Heilung, sondern vor allem auch diese Vergebung. Darum konnte er sich wieder bewegen. Sein Herz wurde wieder lebendig und offen.
    Wir freuen uns mit ihm, ja mit ihm! und singen mit denen die damals sich mit ihm gefreut und über Gott gestaunt haben:
    Nach einem lebhaften Vorspiel – scherzo – 581, 13:
  13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

Den haben, von dem alles herkommt – der Ursprung aller Ding – etwas Besseres kann deinem Herzen nicht passieren. Die Menschenmenge aus dem Evangelium war verblüfft und stimmte in das Lied ein, daß Gottes Kinder singen, weil Jesus ihnen gezeigt hatte: Gott gibt dich nicht auf! Jesus hat Gottes Glanz und Gottes Freude, Gottes Macht und Gottes guten Rat für unser Leben zu uns auf die Erde hergerettet. Wo dieser Jesus ist, da ist auch Gottes „Ja!“ zum Menschen da. Dieses „Ja!“ ist stärker und auch reeller, wirklicher als unsere Sorgen. Schaffen wir es, unsere Sorgen bei ihm abzugeben. Sie ihm wirklich zu sagen, und der größten Macht anzuvertrauen? Das gehört alles zum Lied der Kinder Gottes. Das ist die Richtung! Die Sorge löscht so leicht und schnell aus, was Gott schon getan hat. „Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ – Hat Gott dich nicht von Jugend auf versorgt? Sonst wärst du doch jetzt nicht hier! Gott hat schon angefangen, sich zu kümmern.
Der Chor musiziert über die Worte „Gott, dein Schirm und Schild“, dann singt die Gemeinde mit Herz und Mund gegen jede einzige Sorge die Verse 581, 14-16:

  1. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht.
  2. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.
  3. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt!
    Das Lied der Kinder Gottes ist eine sehr nötige Hilfe. Wir vergessen schneller als in Lichtgeschwindigkeit, daß Gott uns gemacht hat. Noch schneller vergessen wir, wie dringend wir Gottes Gnade brauchen. Jesus hat uns Gottes Gnade gebracht. Wer denkt, er kann ohne Gnade, wird sehr sehr erschrecken. Wer mit Schuld bei sich und anderen alleine klarkommen will, wird scheitern. Wer aber die Vergebung empfängt, die uns im Namen Jesu gebracht wird, der wird nicht scheitern, Gott selbst wird sein Kind durchtragen. Was wir jetzt tun, das wird ein gutes Ende haben. Das steht jetzt fest. Das ist was Glauben bedeutet. Jesus hat jedes böse Ende auf sich genommen, damit alle, die an ihn glauben, ein gutes Ende haben.
    Dieser Trost hat alle erreicht, die damals dabei waren, als Jesus dem armen Gelähmten Mann aufhalf. Sie haben gesungen, weil sie das gute Ende gesehen haben. Laßt uns heute dieses gute Ende mit Händen greifen und festhalten.
    Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Bis ans gute Ende. Amen.
  4. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End.
  5. Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein, so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein.

Beitragsbild: Jesus heilt einen Gelähmten. Kapitell in der Kirche von Saint-Aubin de Saint-Aubin-du-Cormier

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