Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.
20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,
21 damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
24 Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war.
25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.Text: Johannes 17, 20-27
Gebet: HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.
Liebe Gemeinde!
„Aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Hand Gottes des Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.“
Jesus ist im Himmel.
Könnte man nicht ebenso gut sagen: Jesus ist hinterm Mond?
Denn was ist schon „Himmel“? Es muß auf jeden Fall gesagt werden, daß der Himmel hier nicht irgendwie der Weltraum oder das Blau über uns ist, wenn es denn man nicht bewölkt ist. Irgendein abgehobenes Oben – also ein abgetrennter Raum, abgetrennt von der Welt, in der wir das wirkliche Leben leben. Wenn das der Ort ist, zu dem Jesus gegangen oder gekommen oder gefahren ist, dann könnte man ebenso gut sagen: Jesus ist verschwunden, weg, vermißt, spurlos.
Das haben die Apostel nicht gemeint, davon sind sie nicht ausgegangen.
Der Himmel ist der Ort Gottes. Der Himmel ist der Ort, von wo aus Gott handelt, von wo aus alles geschieht, was hier auf Erden geschieht. Was Gott tut, ist vorher im Himmel ganz da, und geschieht dann auf der Erde. Der Himmel ist Gottes Überlegenheit, Gottes Freiheit. Im Himmel ist alles klar, wahr, heil, rein – so wie es von Gott ausgeht.
Im Vaterunser lehrt Jesus uns, so zu beten: „Dein Wille geschehe, WIE IM HIMMEL – SO AUF ERDEN“. Das Gebet verbindet dich mit dem Himmel, und im Gebet bekommst du Anschluß an Gottes Überlegenheit.
Jesus ist gen Himmel gefahren. Das heißt: Er ist in Gottes Überlegenheit.
Das heißt auch: Jesus ist gesichert. Nichts von ihm, nichts an ihm ist verloren. Seine Worte, seine Taten, sein Leiden, seine Liebe, seine Meinung, sein Wille – es ist alles vollständig gesichert, es ist unverbraucht, die Zeit kann und wird es nicht verdünnen. Alle andere Vergangenheit vergeht. Sie wird Erinnerung, die Erinnerung verblaßt …. Das geschieht mit Jesus nicht.
Heute feiern wir, daß Jesus vom Himmel aus, aus Gottes Überlegenheit, uns jederzeit, an allen Orten, uns sein ganzes Wort gibt, uns Anteil schenkt an seinen Taten – auch an seinen Wundern! – Und das Leiden, das Opfer, sein Tod eine Realität ist, auf die wir uns im Glauben jederzeit mit aller Macht beziehen können – es geht nicht ins Leere – im Gegenteil: Es geht in Fülle.
Jesus, der über alle Mächte erhöht ist, allen Mächten überlegen ist, das ist der, der dieses Gebet gesprochen hat. Alles, was ich über Jesus im Himmel gesagt habe, das gilt auch für dieses Gebet.
Das 17. Kapitel des Johannes-Evangeliums ist ein großes Gebet, das Jesus in den letzten Momenten spricht, bevor er gefangengenommen wird.
Dieses Gebet, das auch das „Hohepriesterliche Gebet“ genannt wird, ist das Innenleben von allem was danach kommt: Die Verurteilung, das Leiden, die Kreuzigung, der Tod und die Auferstehung. Dieses Gebet ist der heiße Draht – sagt man das noch? – zwischen Gott dem Sohn und Gott dem Vater.
Mit diesem Gebet legt Jesus das Fundament für alles, was danach geschieht. Durch dieses Gebet zu seinem himmlischen Vater legt Jesus fest, was wirklich geschieht. Seine Gefangennahme, seine Verurteilung als Gotteslästerer und Aufrührer, sein schreckliches Leiden am Kreuz und sein Tod ist das vor Gott, im Himmel „Verklärung“, „Verherrlichung“. Warum, weil Jesus darin seinen Auftrag von Gott erfüllt, und Gottes Wahrheit und Gottes Liebe durchträgt und rettet. Pilatus sagte: Was ist Wahrheit? – Nichts. Jesus hat die Wahrheit gerettet. Das ist herrlich. Die Hohenpriester und alle, die ihn verdammten sagten: Anderen hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen! – Also was ist seine Liebe wert? – Nichts. Jesus hat die Liebe gerettet. Das ist herrlich.
Das alles spricht Jesus in diesem Gebet vorher aus. Dieses Gebet hat Jesus in den Himmel mitgenommen. Das heißt: 1. Er nimmt es nicht zurück, und 2. er spricht es jetzt, und 3. dieses Gebet schafft heute Wirklichkeit, denn es wird auf jeden Fall erhört.
Darum hören wir einen Ausschnitt aus diesem herrlichen Gebet heute zu Himmelfahrt. Unsere Wirklichkeit im Glauben ist eine Gebetserhörung. Es gibt Glauben, es gibt Christen, es gibt Kirche, weil Jesus dieses Gebet auf Erden gesprochen hat, und genau diese Bitten heute im Himmel spricht.
Wer Glauben nur psychologisch versteht, wer Christsein nur als eine historische Erscheinung erklärt und Kirchen nur als etwas Menschengemachtes sehen will, der ist blind.
Glaube, Christsein und Kirche sind zuerst, vor allem und ganz direkt eine Wirkung von dem, was im Himmel wahr und wirklich ist. Und wir wissen, was im Himmel wahr und wirklich ist, weil Jesus dort ist, sitzend zur Rechten Hand Gottes.
Jesus spricht: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien.“
Direkt bevor die Welt beweisen wird, daß Jesus Nichts ist, bittet er seinen Vater im Himmel für uns. Wer sind wir? Wir sind „die, die durch ihr Wort an mich glauben werden.“ Und wer sind sie? Das sind die Apostel. Sie werden unter der Leitung des Heiligen Geistes verkündigen, wie Jesus Gottes Wahrheit und Gottes Liebe gerettet hat. Das ist das Evangelium. Dieses Wort hat uns erreicht, und Gott hat in uns durch diese Nachricht Wahrheit und Liebe geschaffen, das ist Glauben.
Du bist hier, weil der Sohn Gottes gebetet hat. Das ist der Hauptgrund. Alles andere sind Nebenwirkungen, und vielleicht auch Risiken. Vielleicht bist du hier, weil deine Eltern dich hierher gebracht haben – Gott segne deine Eltern ewiglich dafür! – vielleicht bist du hier, weil Freunde dich hierher eingeladen haben – Gott segne diese Freunde ohne Ende!; vielleicht kannst du gar nicht genau sagen, warum du hier bist – das macht nichts: Jetzt hörst du es: Der Sohn Gottes, der hier bei uns auf der Erde treu geblieben ist, und Gottes Wahrheit und Gottes Liebe verkörpert hat, der hat für dich gebetet, und betet im Himmel für dich. Das ist der gute Grund dafür, daß du hier bist. Du bist eine Gebetserhörung.
Jesus hat für die Apostel gebetet, daß sie in der Wahrheit bleiben, und in der Liebe, er hat ihnen den Heiligen Geist mitgegeben, der sie in alle Wahrheit leitet. Und das ist geschehen. Das Evangelium schafft Glauben, es macht Christen, und aus dem Wort der Apostel lebt die Kirche. Das Wort vom Kreuz und die ganz unwahrscheinliche Botschaft von der Auferstehung ist um die Welt gegangen. In allen Völkern gibt es Menschen, die glauben an Gottes Wahrheit und sich trösten an Gottes Liebe. Unzählige Menschen. Das allein ist schon beeindruckend, aber es gibt eine größere Wirklichkeit:
Jesus betet weiter: „Damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.“ Auf daß sie alle eins seien. Das ist ein absolutes Wunder: Menschen sind so sehr verschieden, daß man sich wundern muß, daß es nicht noch viel mehr Mißverständnisse gibt. Das Kinderspiel: „Stille Post“ zeigt es überdeutlich. Können Menschen überhaupt alle dasselbe meinen? Geht das nicht nur dann, wenn Meinung durch Macht durchgesetzt wird? Durch gewaltige, überwältigende Medien? In der Welt ist das nicht anders vorstellbar. Wer Macht hat, muß die Meinungen der Menschen beherrschen, wenn nötig, erzwingen und durchsetzen.
Jesus hat das nicht getan, die Apostel haben das nicht getan. Der Glaube ist nicht das Ergebnis von Zwang, von Überrumpelung. Jesus hat Gottes Wahrheit und Gottes Liebe ausgesprochen, gezeigt und verkörpert. Das schafft den Glauben, das macht einen Menschen zu einem Christen, und davon lebt die Kirche, und das ist das Leben, was ewig sein wird.
Jesus betet, daß alle, die dem Evangelium glauben, eins sind.
Es gibt nur einen Jesus, es gibt nur ein Evangelium, deshalb nur einen Glauben und folglich nur eine Kirche. Das ist der christliche Glaube. Wer an Jesus glaubt, der glaubt das auch. Die Welt spottet, und Christen leiden, denn auf der Erde gibt es unzählige Gruppen und Körperschaften, die zum Teil nichts miteinander zu tun haben wollen, und alle nennen sich „Kirche“. Das erschreckend, das ist traurig – für die Welt ein klarer Beweis, daß es Gottes Wahrheit und Gottes Liebe nicht gibt, für Christen ein großer Schmerz und eine Anfechtung. Menschliches Versagen und Lieblosigkeit hinterlassen ihre Spuren. Einmal sprach ich mit einem Mann, der sehr viele Jahre sich in verschiedenen Kirchen engagierte. Er war nicht getauft. Bevor ich ihn fragen konnte, warum nicht, sagte er direkt: „Die können sich nicht einigen. Wo soll ich denn hin?“ Es ist ein Ärgernis, ein Hindernis. Aber heißt das, daß Jesus Gottes Liebe und Wahrheit nicht gerettet hat, daß man ihr niemals begegnen kann? Nein. Jesus ist da, wo sein Wort gesagt wird, seine Liebe ist dort anwesend, und der Heilige Geist überwindet menschliche Schwächen. – Nur eins darf nicht passieren: Daß Christen anfangen, mit menschlichen Methoden eine Einheit herbeizuführen, durch Kompromisse und Taktiken.
Denn Jesus beschreibt diese Einheit so, daß Menschen sie auf keinen Fall machen können: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“ Wie sind Gott Vater und Gott Sohn denn „in einander“? Das ist eine Übereinstimmung im Willen, in allem, ohne irgendeine Disharmonie, ohne das geringste Mißverständnis. Wahrheit und Liebe ganz und gar beieinander – aber zugleich sind Vater und Sohn klar unterschiedene Personen. Der Vater löscht den Sohn nicht aus, und der Sohn sagt sich nicht von dem Vater los. Das ist ein göttliche, wunderbare Einheit, die wir Menschen niemals untereinander erreichen können. Gott der Vater hat den Sohn gesandt, und der Sohn hat dem Vater gehorcht. So sind sind immer eins – obwohl einer sendet, beauftragt, und der andere gehorcht und erfüllt. Eine solche Einheit können Menschen mit keiner Taktik, mit keiner Methode, schon gar nicht mit Zwang erreichen. Diese Einheit unter Christen entsteht, wenn wir, wie Jesus zum himmlischen Vater sagt: „in uns“ sind. Wie sind wir in Jesus und in Gott dem Vater? Ganz einfach: Du bist in dem, was größer ist, als du. Durch den Glauben ist Jesus größer als du, seine Worte und seine Taten sind größer als deine Worte und Taten. Dann bist du in ihm. Gott Vater ist größer als du, denn du siehst, wie er alles geschaffen hat, aber vor allem zeigt dir der Heilige Geist, daß Gott der Vater Jesus gesandt hat, auf den Weg gebracht hat, beauftragt hat. Das ist das Größte. Dann bist du in Gott Vater und Gott Sohn. Wer so in Gott Vater und Sohn ist, der ist da, wo alle Kinder Gottes, alle Christen auch sind. Da wirkt Gottes Liebe und Gottes Wahrheit durch das Evangelium, da sind alle Eins.
Wenn wir das mit Gottes Hilfe festhalten, dann tun sie die restlichen Worte unseres Predigttextes wie von selbst auf.
Hört sie und bedenkt: Das betet dein Hoherpriester Jesus im Himmel für dich und für alle Christen:
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“
Ich hoffe sehr, daß ihr ab heute anders über Himmelfahrt denkt. Das Jesus gen Himmel gefahren ist, daß er erhöht worden ist, ist eine Notwendigkeit. Der Glaube kann überhaupt nicht darauf verzichten. Himmelfahrt ist die absolute Konsequenz davon, daß Jesus auf der Erde bei uns Menschen Gottes Wahrheit und Gottes Liebe verkörpert und gerettet hat, und ebenso ist Himmelfahrt die absolute Grundlage dafür, daß wir glauben, Christen und Kirche sind. Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Himmelfahrt, 14. Mai 2026
Bild: „Ascensione di Cristo“ (Lione, um 1500)
