1. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
21 und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.
22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus;
28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Lukas 16, 19-31

HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Das Thema des heutigen Sonntags lautet: „Apostel und Propheten“ – also: Beauftragte Gottes, die in Gottes Namen uns Gottes Wort sagen. Die Kirche ist apostolisch, wie Paulus schreibt: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.“ (Epheser 2, 19-20). Was uns also zur Kirche macht, ist das Wort, was Gott uns durch die Apostel gegeben hat. Sie sind unsere Lehrer, wir sind ihre Schüler. Ein Christ ist immer bereit, von den Aposteln zu lernen und eine Kirche wird immer darauf achten, daß so gelehrt wird, wie die Apostel gelehrt haben.
„Apostel und Propheten“ – das heißt, die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus ist heute Predigttext wegen ihres Schlusses: Dort sagt Vater Abraham zu dem Reichen Mann: „Sie – also deine Brüder – haben Abraham und die Propheten, die sollen sie hören.“
Was ist passiert?
Wir hören von dem Reichen Mann, der sich ein schönes Leben macht „herrlich und in Freuden“, und zwar „alle Tage“. Vor seiner Tür liegt der arme Lazarus, arm, krank – nur Hunde sind seine Freunde. Ein riesiger Kontrast!
Die Sprüche Salomo sagen uns: „Reiche und Arme müssen untereinander sein; der HERR hat sie alle gemacht.“ (Sprüche 22, 2). Dieser Kontrast begleitet die Menschheit. Wir müssen genau hinhören: Gott hat beide gemacht: Arm und Reich. An anderer Stelle hören wir: „Arme und Reiche begegnen einander: beider Augen erleuchtet der HERR.“ (Sprüche 29, 13). Gott kann und muß beiden, den Armen und den Reichen, die Augen öffnen. Mit Recht denken wir sofort: Gott muß dem Reichen die Augen öffnen, damit er die Not des Armen sieht. Ja, das muß Gott tun. Und wie kann Gott das tun? Durch Mose und die Propheten. Gottes Wort zeigt dem Reichen, daß sein Reichtum Gottes Gabe ist. Jesus sagt von dem reichen Kornbauer: „Kein Mensch lebt davon, daß er viele Güter hat.“ (Lukas 12, 15). Gottes Wort zielt auf das Herz des reichen Mannes, daß er sich erbarmt. Mose und die Propheten sind voll davon.
Jesus sagt etwas über den armen Lazarus, das mir sehr nachgeht:
„Er begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel“. Lazarus begehrte – was auch sonst, wenn man arm ist und hungert! Aber er begehrte nur das, was von des Reichen Tisch fiel. Lazarus war nicht von Neid erfüllt. Wir hören nicht, daß Lazarus gerne im Luxus leben wollte. Lazarus wollte sich sich sättigen mit dem, was dem Reichen nicht fehlen würde.
Liebe Gemeinde! Gott ist niemals für den Neid. Gottes Wort unterstützt den Neid nicht. Jakobus schreibt uns als unser Apostel: „Denn wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge.“ (Jakobus 3:16).
Gott will durch sein Wort die Augen der Reichen und der Armen erleuchten. Beide sollen von Neid frei sein. Doch die Reichen sollen vor Gott verantworten, was sie tun mit dem, was Gott ihnen gegeben hat.
In unserer Geschichte kommt es nicht zu dieser Begegnung. Der Reiche Mann ist blind für die Not des Lazarus. Er kennt nur einen Genuß nach dem anderen. Er läßt sich von Gott nichts sagen. Darum ist er nach dem Tod auch von Gott getrennt. Lazarus aber, der trotz Armut und Krankheit vom Neid frei blieb, weil er sich Gott anvertraute, der kommt in Abrahams Schoß, also in die tröstliche Nähe Gottes. Gott tröstet ewiglich. Wenn du jetzt einen Kummer, einen Jammer, Tränen hast – der Trost ist jetzt schon bereit. Er wird kommen. Gib dich nicht dem Neid hin. Tu es nicht!
Jetzt will der Reiche Mann noch verhandeln. Seine Brüder sollen es besser haben, als er. Man stelle sich vor: Der Reiche Mann will von der Hölle aus Lazarus noch rumschicken! Seine Augen sind immer noch nicht über seine Situation erleuchtet! Der Reichtum kann einem wohl das Beten abgewöhnen! Beten ist etwas anderes als anklicken und bestellen.
Der Reiche Mann denkt: Wenn meine Brüder, die sicher auch so reich waren, wie er, wenn sie ein Wunder erleben, wie eine Totenauferstehung, das wird sie zum Nachdenken bringen!
Doch Abraham kennt uns Menschen besser. Eine Erscheinung oder eine Totenauferstehung ist für Menschen, die nicht auf Gott hören nur eine neue Sensation, mit der man angeben kann: „Hast du schon gehört? Stell dir vor! Der ist auferstanden! Wie unglaublich ist das!“ Und alle bleibt beim Alten.
So sind wir Menschen. Jede Sensation bestätigt uns nur, so weiterzumachen, wie bisher – besonders, wenn wir keine Sorgen haben.
Wenn etwas wirklich neu werden soll, dann soll der Mensch hören. Mose und die Propheten. Also Gottes Gebote und Gottes Verheißungen. Gesetz und Evangelium.
Neid schafft nicht neue Menschen. Und, liebe Gemeinde: Die Luft, die wir atmen, ist von Neid erfüllt. Gibt es ein politisches Programm, das ohne Neid auskommt? – „Das könntest Du haben! Das nimmt man dir weg!“ – Wenn jemand deinen Neid bestätigt, dann denkst du leicht: Der versteht mich, der meint es gut mit mir, der wird meinen Wunsch erfüllen. – Das fühlt sich zunächst gut an. Aber was ist passiert: Du hast dich von ihm abhängig gemacht. Er bestimmt über dich – jedenfalls so lange, wie der Neid dich besitzt.
Gottes Gesetz verbietet den Neid.
Dann werden die Augen erleuchtet.
Wir denken oft: Wenn ein Wunder geschieht, dann wird mir der Glaube leichter fallen.
Heute hören wir: Der Glaube kommt aus dem Hören, oder wie Paulus sagt: Der Glaube kommt aus der Predigt. (Römer 10, 17).
Man glaubt’s nicht, aber es ist so. Meistens sind Predigten nicht sensationell. Aber Gott hat beschlossen, durch Apostel und Propheten uns vom Neid zu heilen. Und diese Heilung ist der Anfang vom Himmel bei uns.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

TRINITATIS

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!
34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)
35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte«? (Hiob 41,3)
36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 32-36

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, heilige uns in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Wenn du als Christ gefragt wirst: „Wer ist Gott?“, oder: „Was ist Gott?“ dann kann die Antwort nur lauten: Gott ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. EIN Gott in Drei Personen. Doch diese drei Personen sind alle ganz Gott, und doch sind es nicht drei Götter.
Das übersteigt unseren Verstand, keine Frage. Drei und doch Einer – Einer und doch drei?
Ist es nicht besser, mit Paulus zu sagen: „Unbegreiflich!“ – „Unerforschlich!“ – „Wer hat des HERRN Sinn erkannt?“ Oder einfach philosophisch sagen: „Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen“?. Warum nicht einfach von „Gott“ und „Jesus“ reden? Wäre das nicht viel einfacher? Vielleicht sogar auch attraktiver? Gerne wird darauf hingewiesen, daß das Wort: „Dreieinigkeit“ oder „Dreifaltigkeit“ nicht in der Bibel steht. Außerdem ist die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes für das Gespräch mit Juden und Moslems eine Belastung: Glauben wir nicht alle an denselben Gott? Solange wir Christen die Dreieinigkeit – Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist – bekennen, lehren und anbeten, dann ist es auf jeden Fall fraglich, ob Christen, Juden und Moslems denselben Gott anbeten.
Nun. Paulus spricht von „unbegreiflich!“ und „unerforschlich!“ – aber er schweigt nicht. Also: Paulus sagt nicht: Hier gibt es nichts zu erkennen! Paulus macht Ernst damit, daß unser menschlicher Verstand auch ein Geschöpf ist und deshalb seine Grenzen hat. Doch ein Geschöpf hat einen Schöpfer, und das heißt: Auch wenn ich als Geschöpf meine Grenzen nicht überschreiten kann, so ist Gott der Schöpfer durch diese Grenze nicht gebunden oder eingeschränkt. Wenn wir als Geschöpfe Gott nicht erkennen können, dann heißt das nicht: „Also gibt es keine Gotteserkenntnis!“; sondern es heißt: „Wenn es Gotteserkenntnis geben soll, dann muß Gott selbst sie uns schenken. Und wo es Gotteserkenntnis gibt, da hat Gott selbst sie geschenkt.“ Unser Katechismus sagt uns das: „Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen HERRN, glauben oder zu ihm kommen kann, SONDERN … sondern der Heilige Geist“ ist tätig geworden. Wir sind geistlich arm (Matthäus 5, 3), sagt Jesus in der Bergpredigt, Gott aber ist reich – aber nicht reich für sich selbst, sondern er teilt uns seinen Reichtum mit. Unser Predigttext steigert die geistliche Armut, und nennt sie „Ungehorsam“ – Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam. Durch die Sünde sind wir nicht nur arm vor Gott, sondern sind es auch mit Willen. Der Sünder verweigert sich Gott, und ist vor Gott verschlossen.
Doch das sagt Gott dir nicht, um dich in der Verweigerung zu verstoßen, sondern um sich zu erbarmen. Darauf kann kein Mensch von sich aus kommen.
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist beziehen sich auf dich als Gottes Geschöpf.
Gott hat dich aus dem Nichts geschaffen. „Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst“ (Psalm 100, 3). Da ist auch niemand Gottes Ratgeber gewesen. Es ist alles „von ihm“. Er hat uns nicht nur gemacht, sondern Er erhält uns auch. Die ganze Welt, in der wir leben, alles, was uns am Leben erhält, können wir nicht machen, sondern wir empfangen es aus Gottes Hand. Auch, daß Menschen zusammen leben und für einander da sind, ist in Gottes Hand. Es ist Gottes Gabe. Ich könnte jetzt unseren Katechismus wieder und wieder zitieren. Zum Vaterunser, bei den Worten: „unser tägliches Brot gib uns heute“ hören wir, nach dem Essen und Trinken: „fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Mitarbeiter, fromme und getreue Oberherren, gute Regierung, gute Freunde, treue Nachbarn…“ (Gesangbuch S. 1662). Wir sind aus dem Nichts geschaffen, und aus dem Nichts kommen alle diese Gaben Gottes auf uns zu.
Für einen Sünder ist das eine tiefe Beleidigung. Ein Sünder will nicht daran erinnert werden, daß er nicht Gott ist. Ein Sünder haßt es, daß er von Gott abhängig ist. Dem Sünder ist diese Abhängigkeit eine Schande, und er will immer beweisen, daß es diese Abhängigkeit nicht gibt. Ein Sünder sieht nur das Nichts, aus dem er geschaffen ist, weiter nichts. Die Liebe Gottes, der Vaters, die aus dem Nichts schafft, will er nicht wahrhaben.
Doch Gott bleibt trotzdem Gott. Jedes von Gottes Geboten macht uns klar: Du bist nicht Gott. Du bist nicht der Herr. Darum sollst Du nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht begehren … Die Gebote erinnern uns daran, daß wir ohne Gott nichts sind – aber mit Gott eben Seine Kinder. Gott bleibt der Vater, der Seine Kinder liebt.
Doch das ist nicht alles, was über Gott zu sagen ist.
Gott ist zu uns gekommen, und damit wird alles anders. Der Sohn Gottes ist zu uns Menschen in unsere Nichtigkeit hineingekommen. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Wer Jesus begegnet, der begegnet Gott, wer Jesus hört, der hört Gott selbst, was Jesus erlitten hat, das hat Gott erlitten. Was Jesus verspricht, das ist göttlich und verlangt unseren Glauben. Alles, was über Gott den Schöpfer gesagt wurde, wird man andeutungsweise auch außerhalb des Neuen Testaments finden. Doch schon die große Frage: „Was tut Gott mit dem Sünder?“, diese Frage wird entweder gar nicht beantwortet, oder sehr unterschiedlich. Im Grunde sind wir Menschen wegen der Sünde ratlos.
Deshalb ist es ein göttliches Wunder aus dem Nichts unserer Unvorstellbarkeit, daß Gott der Vater Seinen Sohn sendet, Mensch zu werden. Der Vater ist Gott, aber auch der Sohn ist Gott. Der, der sendet und beauftragt, ist Gott, aber auch der, der gesandt wird, der gehorcht, und den Auftrag ausführt, ist ganz und gar Gott. Die Liebe, die sendet, und sagt: Geh hin, und hilf den Menschen! – und die Liebe, die gehorcht: Ja, ich mach’s! – das ist dieselbe eine Liebe. Und diese Liebe bleibt ungebrochen bestehen vom ersten Moment der Menschwerdung an, die ganze Zeit auf der Erde mit den Menschen, – vor allem bleibt diese Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn bestehen im Leiden am Kreuz, im Tod. Und das ist das Unglaubliche, was sich kein Mensch ausdenken kann. Hier ist niemand Gottes Ratgeber gewesen! –
Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes sagt uns: Diese Übereinstimmung zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist eine Beziehung, die schon immer in Gott selbst war. Jesus sagt selbst im Johannesevangelium in einem Gebet zu Seinem himmlischen Vater: „Du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“ (Johannes 17, 24). Alles was wir von Jesus wissen und hören, ist in der Ewigkeit begründet. Darum konnte unsere Sünde, unsere Verweigerung gegenüber Gott, Jesus nicht aufhalten. Darum konnte Jesus in die Gottesferne hineingehen, wie wir es am Kreuz sehen. Er hat sie als Mensch und als Gott erlitten. Aber Er hat Gott wieder in unser Nichts hineingebracht. Hören wir wieder unseren Katechismus: „Jesus Christus hat mich verlornen und verdammten Menschen erlöst – er ist in mein Nichts hineingekommen – nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben.“
Nun stehen wir aber wieder vor dem Nichts. Denn wie soll das zusammen kommen? – Wenn ein Mensch erstmal merkt, wie weit er von Gott weg ist, wie weit er von Glaube, Hoffnung, Liebe weg ist – und gleichzeigt das Evangelium hört : Dieser Jesus ist Gottes Antwort für dich, so sieht Gottes Liebe aus! – Da ist man wieder ratlos. Was soll man damit anfangen? Viele Menschen hören das Evangelium, und danach ist die Verweigerung noch stärker. Das gibt es immer wieder.
Da ist Gott der Heilige Geist. Der ist im Evangelium tätig. Wenn Jesus als der Sohn Gottes und der gekreuzigte und auferstandene vor Augen gestellt wird, dann ist Gott der Heilige Geist dabei und schafft die Menschen neu, daß sie sich nicht mehr verweigern. Das muß schon Gott selber tun. Dieser Heilige Geist geht von dem Vater und dem Sohne aus. Er tut, was sie wollen. Er geht in unser Leben hinein und schafft aus dem Nichts Glaube, Liebe und Hoffnung. „Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ (1. Johannes 4, 2). Dieser Geist ist nicht eine menschliche Kraft. Er ist nicht die Wirkung eines Einzelnen auf dich, auch nicht die Wirkung eines Kollektivs, wie die Kirche, oder einer Partei, oder einer Ideologie, oder einer Medienmacht, auch nicht das Ergebnis meiner Veranlagungen, sondern die Wirkung Gottes.
Liebe Gemeinde! Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das ist der Gott Jesu Christi. Wir können nur sinnvoll und heilsam über Jesus, sein Kreuz und Gottes Liebe zu uns sprechen, wenn wir davon erfüllt sind, daß diese drei Personen ganz und gar Gott sind, und untereinander nicht nur einig sind, sondern EINES, EINER.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

Pfingsten

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn
in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,
4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern
nach dem Geist.
5 Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt.
6 Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist
Leben und Friede.
7 Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht.
8 Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.
9 Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.
11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Römer 8, 1-11

O Jesus, unser Herr – Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Hilf uns, Dich genau so zu hören und Dir so zu vertrauen, wie es sich gehört. Amen.

Liebe Gemeinde!
Der Heilige Geist macht uns klar, daß seit Jesus alles anders ist.
Ohne den Heiligen Geist kann niemand das erkennen.
Mit dem Heiligen Geist wird das klar – so klar, daß mit dem Wort „alles“ auch dein eigenes Leben gemeint ist.
Der Heilige Geist macht klar, daß für dich mit Jesus alles anders ist. Ohne den Heiligen Geist kann man Jesus bewundern, und von seinen Worten und Taten fasziniert sein. Ohne den Heiligen Geist kann man sogar sagen: Kaum eine Persönlichkeit hat so auf die gesamte Menschheit gewirkt, wie er. Wie wäre die Welt heute, wenn Jesus nicht erschienen wäre?
Kann man Jesus aus der Weltgeschichte wegdenken? Nein. Kannst du Jesus aus deinem Leben wegdenken? – Wie will man darauf antworten? Der Heilige Geist, also Gott selbst, kann und wird die Antwort geben.
Wie lautet die Antwort? – Mit Jesus ist alles anders, weil Jesus den Teufelskreis durchbrochen hat.
Ein Teufelskreis ist eine ausweglose Situation. Man kann nicht gewinnen. Und es ist schrecklich, ja, tödlich.
Paulus nennt den Teufelskreis aller Teufelskreise: Er lautet:
Das Gesetz Gottes ist machtlos. Gottes Gesetz soll Leben schützen, kann aber nicht lebendig machen. Gottes Gesetz kann die Sünde aufdecken, aber nicht verhindern oder aus der Welt schaffen.
Das Gesetz Gottes ist wahr, man kann ihm nicht widersprechen. Aber diese Zustimmung schafft die Sünde nicht aus der Welt. Das Gesetz Gottes hat immer recht. Immer. Jedes Gebot gilt immer. Und es muß auch gelten – ich will ja nicht getötet werden. Also soll ich auch nicht töten. Das ist ja nur ein Beispiel.
Was ist nun der Teufelskreis? – Gottes Gebote haben recht; ich kann nicht anders, als sie anerkennen – aber: Trotzdem werde ich schuldig. Das Gesetz klagt mich an, es deckt die Sünde auf. Ich kann nicht gewinnen.
Was passiert? Ich gebe auf, oder ich verdränge, bin entmutigt, oder trotzig. Paulus sagt: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Römer 3, 20). Weiter hören wir: Das Gesetz richtet Zorn an, macht aggressiv gegen Gott (Römer 4, 15) – ja: ohne Gesetz ist die Sünde tot, unbewußt, aber als das Gesetz kam, wurde die Sünde lebendig, bewußt (Römer 6, 8-9).
Ja, liebe Gemeinde, wenn es nicht in der Bibel stehen würde, dann würde ich mich nicht trauen, es zu sagen: Gott hat sein Gesetz in unsere Situation hineingeschickt, „daß die Sünde mächtiger würde.“ (Römer 5, 20). Da haben wir den Teufelskreis: Gott ist gegen die Sünde, Gottes Gesetz ist gegen die Sünde, und hat Recht – aber aber aber? Da sitzt die Sünde frech und dreist und geht nicht weg. Das Gesetz macht alles nur noch schlimmer.
Das ist eine tödliche Wahrheit für uns.
Aber erst müssen wir fragen: Warum ist das so? – Das Gesetz Gottes ist ohne Fehler, vollkommen und heilig (Psalm 19,8, Römer 7, 12). Der Fehler ist bei uns: Das „Gesetz ist durch das Fleisch geschwächt“ – „denn das Fleisch unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht, und kann es auch nicht.“ Fleisch. Man muß aufpassen. Paulus sagt nicht: „Leib“. Gott hat unseren Leib gut geschaffen, und Gott liebt unseren Leib, mehr als wir unseren Leib lieben können. Sonst hätte Jesus nicht menschlichen Leib von der Jungfrau Maria angenommen. Gott liebt unseren Leib so sehr, daß er uns in der Ewigkeit leiblich bei sich haben will.
Paulus sagt nicht „Leib“, sondern „Fleisch.“ Damit meint er alles in und an uns, das sich von Gott nichts sagen läßt. Das kann der Leib sein, kann aber auch der Verstand oder die Seele sein. „Fleisch“ – daß ist der Mensch, der immer wieder will, daß Gott nicht Gott ist, der will, daß Gott ihn in Ruhe läßt mit Seinen Geboten und Seinem Willen.
„Fleisch“ – das ist der Mensch, der am liebsten selber an Gottes Stelle wäre. Darum sagt Paulus auch: Fleischlich gepolt, oder gesinnt sein: Ist eine Feindschaft gegen Gott. Jede Sünde greift Gott mit Anlauf direkt an. – Und was ist das Ergebnis? „Fleischlich gesinnt sein ist der Tod.“ Denn Gott läßt es nicht zu, daß wir Gott werden. Darum stellt Er sich in den Weg. Das bedeutet den Tod.
Das Gesetz hat also eine völlig undankbare Aufgabe: Es muß uns zeigen, was an der Sünde tot ist. Gottes Gesetz zeigt uns: Du stiehlst? – Das ist dein Tod. Du lügst? – Das tötet dich. Du begehrst? – Das beweist, daß du für Gott gestorben bist.
Und was tut das Fleisch? – Es sagt: Und ob! Jetzt lebe ich erst recht! Wenn ich lügen will, kannst du Gesetz mich nicht aufhalten. – Das ist der Teufelskreis.
Man kann das alles im Römerbrief Kapitel 7 nachlesen. Gott hat Recht. Ich kann Gott nicht widersprechen, aber ich kann ihm nicht Recht geben. Da fängt der Tod an. Das ist der Teufelskreis.
Paulus spricht es deutlich aus: „ So fand sich’s, daß das Gebot mir den Tod brachte, das mir doch zum Leben gegeben war.“ (Römer 5, 10).
Das ist die Zusammenfassung der menschlichen Existenz.
Meistens verdrängen wir das. Es ist wie ein Elektrozaun. Lieber nicht dahingehen. Sonst gibt es einen Schock.
Es ist wie ein schwarzes Loch. Es verschluckt alles Licht, und bringt kein Licht.
Aber es bleibt eine Realität. Der Tod ist eine Realität. Und die Macht der Sünde bleibt eine Realität. Aber? Man kann nichts machen. Es ist das Gesetz der Sünde und des Todes.
Jesus ist in diesen Teufelskreis gekommen. Jesus hat den Elektrozaun angepackt, er ist in das schwarze Loch gegangen.
„Gott sandte Seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und verdammte die Sünde im Fleisch.“
Ohne den Heiligen Geist, ohne Gottes 100%ige Unterstützung, kommen wir hier nicht weiter. Die Wörter sind schnell gesagt, gehört und gelesen. Aber in diesem Satz wird der Teufelskreis durchbrochen. Das ist das Neue am Neuen Testament. Darum sprechen wir in der ganzen Welt von „vor Christus“ und „nach Christus“. Jesus hat am Kreuz die vollständige Anklage des Gesetzes auf sich genommen. Der Hohepriester hat geurteilt: Er ist des Todes schuldig. Und Pilatus hat ihn zur Kreuzigung überantwortet. Am Kreuz war ein Leib, aber kein Fleisch.
Jesus ist Mensch geworden, damit es einen Leib in der Weltgeschichte gab und gibt, in dem keine Feindschaft gegen Gott ist.
Sein Körper war der eine Leib, der Gott 100%ig recht gegeben hat.
Darum schreibt Paulus präzise: „Gott sandte seinen Sohn IN DER GESTALT des sündlichen Fleisches.“ Jesus hatte einen Leib wie wir, aber ohne Sünden.
Er hat die Finsternis im Schwarzen Loch durchlitten, ohne Teil von ihr zu werden. Er hat den Schlag des Elektrischen Zauns auf sich geleitet, ohne den Strom weiterzuleiten. Er hat den Fluch des Teufelskreises in sich aufgenommen, bis Ruhe war. Paulus spricht öfter davon: „Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht.“ (2. Korinther 5, 21). „Christus wurde zum Fluch für uns.“ (Galater 3, 13).
Jesus hat sich mit Willen und Freiheit, aus Gehorsam gegen den himmlischen Vater und aus Liebe zu uns Menschen, die im Teufelskreis gefangen sind, genau dahin begeben, wo das Gesetz uns hinbringt: In den Tod. Jedes andere Kreuz ist nichts Neues. Doch dieses Kreuz von Golgatha ist das Neue: Hier stirbt eine Person freiwillig, aus Liebe. Gott hat Seinen Sohn „gesandt“, hören wir. „Geschickt“, „beauftragt“. Es ist alles durch den menschlichen Leib Jesu durchgegangen – der ganze Schock, die ganze lichtschluckende Finsternis – aber die göttliche Liebe und Treue war größer und stärker. Das ist das „Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus.“ So sagt es uns der Heilige Geist durch Paulus. Der Teufelskreis ist durchbrochen.
Überall, wo Jesus ist, wo Sein Leib ist, da ist endlich Ruhe.
„Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz des Sünde und des Todes.“ Er hat es für dich und für mich getan. Das steht fest. Es ist nicht die Frage, ob ich das so sehen will oder kann. Gott läßt es dir und mir sagen: Für dich! So hat er es gemeint. Und das zählt. Natürlich können 10.000 Fragen und Einwände kommen. „Ich kann es mir nicht vorstellen!“ – „Ich fühle die Teufelskreis immer noch!“ – Alle diese Proteste sind Symptome des Fleisches, und wenn Jesus kommt und da ist, dann sind sie praktisch tot. Sie entscheiden nichts mehr.
Wir sollen geistlich gesinnt sein, und nicht fleischlich. Gott schenkt uns diesen Geist, Seinen Geist, wenn wir das Wort vom Kreuz hören. Ihr habt eben das Wort vom Kreuz gehört. Es ist das Evangelium das sagt: Da ist jemand, der hat wirklich den Teufelskreis gestoppt. Die Anklage der Gebote muß dich nicht mehr bestimmen. Die Feindschaft mit Gott hat Gott von Seiner Seite wirklich beendet. Der Heilige Geist wird mit unendlicher göttlicher Geduld deine Gedanken, deine Seele, deinen Leib dahin leiten, führen, tragen, daß genau das bei dir ankommt. Jesus hat zwischen uns Sündern und Gott Ruhe gebracht. Die Feindschaft ist beendet.
Hat die Sache nicht einen Haken? Für das Fleisch hat sie einen gewaltig großen Haken. Paulus sagt: „Wenn Christus in euch ist“ – also, wenn der Teufelskreis durchbrochen ist – „dann ist der Leib tot um der Sünde willen.“ Da ist ein Sterben, das uns nicht erspart bleibt. Was mit der Sünde zusammenhängt, hat sein Haltbarkeitsdatum überschritten. Wenn wir beichten, dann sagen wir das vor Gott. „Gott, das jämmerliche, traurige, störrige Fleisch hat es wieder mit mir versucht. Bitte, Gott, um Jesu willen, schenk mir die Ruhe! Zeig mir, das Haltbarkeitsdatum meiner Sünden.“
„Der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Wir sollen Gott in allem recht geben. Das Gesetz hat Recht, immer. Aber mit dem Heiligen Geist ist das nicht schlimm. Es gibt nicht nur ein Leben nach dem Tod, sondern auch ein Leben nach der Sünde. Ja, man stelle sich das vor! Einmal etwas tun ohne an sich zu denken. Einmal ein richtiges Gebet sprechen. Einmal helfen. Einmal dankbar sein. Einmal nicht aus dem Mangel heraus sich als Verlierer sehen. Einmal die Not des anderen als eigen Not zu Herzen nehmen. Einmal dem Nächsten Gottes Gaben so sehr gönnen, als hätte man sie selber bekommen. Der Heilige Geist macht überhaupt, daß man nicht mehr aus dem Mangel heraus denkt, und in grimmiger Unzufriedenheit seine Feindschaft gegen Gott zelebriert. Raus da!
Dazu ist Jesus gekommen. Das ist es was mit Ihm anders geworden ist. Das sollt ihr heute wissen. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Gestaltung: Lioba Fenske

TRAUUNG

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Psalm 103, 8

HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.

Liebes Brautpaar,
liebe Gemeinde!
Gleich werden zwei Fragen gestellt werden:
Willst du, Bräutigam, die Braut,
die Gott dir anvertraut ….
Willst du, Braut, den Bräutigam,
den Gott dir anvertraut ….
Gott vertraut dir einen Menschen an. Zu treuen Händen, wie man so sagt. Zu treuen Augen; zu treuen Ohren; zu treuen Gedanken; zu treuem Herzen.
Wir kennen das ja: Jemand braucht einen Schlüssel – ich gebe ihm den Schlüssel „zu treuen Händen“; das heißt: Die Hände passen auf, der Schlüssel geht nicht aus der Hand, die Hände bringen den Schlüssel zurück. Wenn mir ein Schlüssel „zu treuen Händen“ anvertraut wird, dann behalte ich die ganze Zeit im Sinn: Das ist nicht mein, sondern sein Schlüssel!
Ohne Vertrauen geht es nicht. Doch mit Vertrauen ist es immer so eine Sache ….
In der Ehe vertraut Gott, der dreieinige Gott, dem Mann eine Frau an. Gott, der dreieinige Gott, vertraut der Frau einen Mann an.
„Zu treuen Händen“ – das sind Worte, die den geliehenen Schlüssel begleiten. Wenn ich den Schlüssel in der Hand halte, benutze und sehe, dann höre ich die Worte in mir: „Zu treuen Händen.“ Das Vertrauen möchte ich nicht verletzen. Besonders nicht bei einer Person, die mir wichtig ist, und die mir viel bedeutet. Das Vertrauen, das Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist in mich investiert, möchte ich nicht enttäuschen!
So soll die kirchliche Trauung dazu dienen, daß Braut und Bräutigam diese Worte mit auf den gemeinsamen Weg bekommen: Bräutigam , hier ist deine Braut, die Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. – Braut , hier ist dein Bräutigam, den Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. Diese Stimme Gottes begleitet euch jetzt.
Mit dieser „Begleitstimme“ bist du mehr, als nur das, wofür du dich selber hältst, auch mehr als das, was der andere aus dir macht.
Die Ehe zwischen Mann und Frau ist mehr, als die Summe ihrer Zutaten, mehr als das, was zwischen Menschen ist und sein kann. Es ist der Segen.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ein Mensch, ein Menschenleben ist unendlich wertvoll und unersetzlich. Gott legt es in unsere Hände. Darum sollen wir dieses Leben mit Gottes Augen ansehen. Liebe heißt: Ahnen, warum Gott diesen Menschen schaffen mußte, und an dieser Ahnung festhalten. Dazu gehört vor allem: Immer wieder aufs Neue von der Einmaligkeit des geliebten Menschen erfüllt werden. Darum vertraut uns Gott in der Ehe einen Menschen auf Lebenszeit an: Nur so kann ich der Einmaligkeit gerecht werden, die Gott in diesen Menschen gelegt hat. Das alles vertraut Gott dir an!
Es ist ein riesiges Vertrauen! Doch bevor ich darüber nachdenke, ob das nicht eine Überforderung ist, möchte ich auf noch etwas hinweisen.
Gottes Begleitstimme geht ja in beide Richtungen.
Die eine Richtung ist: Gott vertraut mir diesen Menschen als Ehepartner an. Wenn ich ihn vor Augen habe, dann höre ich zugleich Gottes Stimme dabei: „Zu treuen Händen!“ – Also soll und will ich ihn als einen Schatz von Gott behüten, lieben und ehren. Als einen Schatz will ich seine Einmaligkeit von Gott wahrnehmen und auf Händen tragen. Dazu bin ich mit Leib und Seele bereit.
Die andere Richtung gehört aber genauso dazu: Gott spricht ja ebenso zu meinem Ehepartner: „Zu treuen Händen!“ – Auch ich werde als Geschenk und Schatz meinem Mann oder meiner Frau anvertraut. Nicht nur soll ich den Ehepartner mit Gottes Augen sehen, sondern auch mich selbst. Selbstbilder sind einfach nicht alles; ja, sie sind das Wenigste.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ist es am Ende nicht zu groß? Ist es nicht eine Überforderung?
Als Jesus über die Ehe spricht, und dabei Gottes Wort im Anfang voll und ohne Abstriche feierlich bestätigt, da sind seine Jünger erschrocken, und sagen: „Wenn es zwischen Mann und Frau so ist, dann .“
Wie soll ein Mensch es schaffen, einen anderen Menschen mit Gottes Augen zu sehen? Wie soll ein Mensch erkennen, wie Gott genau diesen Menschen einmalig gemacht hat, und dem dann auch gerecht werden – also die Einmaligkeit sehen, lieben, schützen und auffangen? – Ja, und was wird dann aus meiner Einmaligkeit? Woher die Kraft nehmen?
Was hat Gott sich eigentlich dabei gedacht, daß Er ausgerechnet Mann und Frau einander auf Lebenszeit zu treuen Händen, Augen, Ohren, Gedanken und Herzen anvertraut? Er kennt uns doch am besten!
Wie gut, daß die Jünger das aussprechen! – Dieses unheimliche Gefühl: „Das ist zu groß, zu kompliziert, zu mühsam, zu riskant!“
Jesus trägt das. Die Jünger bleiben Jesu Jünger, auch wenn sie so mit ihm sprechen. Wenn wir so sprechen oder denken, dann läßt Jesus uns nicht fallen.
Wie antwortet Jesus? „Das Wort faßt nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.“ – Mit anderen Worten: Die Ehe gelingt nicht ohne Gottes Wort. Die Begleitstimme muß da sein. Auf uns selbst gestellt, werden wir unsere Grenzen bald kennen lernen. Unser Herz ist nicht groß und stark genug. Wir brauchen es, daß der dreieinige Gott, Sohn und und Heiliger Geist, zu uns spricht.
1. Gott der Vater, der Schöpfer. Wir sagen das so schnell:
Gott hat mich und dich geschaffen. Das ist wahr. Aber das besagt zum Beispiel: Ich als Mann könnte mir niemals eine Frau schaffen. Die Frau ist immer viel mehr, als ich mir ausdenken oder wünschen kann. Umgekehrt gilt das natürlich auch! Alles, was ihr aneinander liebt, und was euch teuer und hilfreich ist – das kann man sich wünschen, oder fordern, aber machen könnt ihr es nicht. Gott macht es, er hat es schon gemacht. Dazu gehört auch die Überzeugung: Ich bin für diesen Menschen der Richtige. Gott hat sich das so gedacht. Wenigstens diese bin ich ihm schuldig.
2. Gott der Sohn, Jesus Christus. Jesus hat die Ehe bestätigt.
Er hat alles dafür getan, sie zu retten. Denn er hat alles dafür getan, daß Vergebung möglich ist. Ohne Vergebung wäre das alles eine völlige Überforderung. Wir sollen einander vergeben. Wir sollen die Erfahrung machen, daß Gott uns vergibt. Daß Gott beschließt: Die Schuld soll deine Einmaligkeit nicht auslöschen. Jesus hat alles dafür getan, daß wir vor Gott mehr sind, als nur unsere Fehler. Wer im Namen, unter dem Schutz Jesu, vergibt, der verliert nicht.
3. Gott Heiliger Geist. Er gibt uns neue Hände, die treu sein
können, neue Augen, neue Ohren, ein neues Herz. Der Heilige Geist macht, daß die Ehe eine Sache zwischen mir und Gott ist, für die ich Verantwortung übernehme. Der Heilige Geist macht, daß ich Gott danke für seine Gaben, daß ich Gottes Liebe in Seinen Gaben erkenne. Er macht aber auch, daß ich zur rechten Zeit Gott anrufe, zu Ihm bete, und ihn bitte um Hilfe.
Der Heilige Geist fügt uns auch als Eheleute in eine Gemeinde ein, die uns begleitet und unterstützt, und dazu beiträgt, daß die Begleitstimme Gottes – „zu treuen Händen!“ – daß diese Stimme in Hörweite bleibt.
Dieser dreieinige Gott ist gerade auch für Eheleute, für Mann und Frau „Barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte.“

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Jan van Eyck: Arnolfini-Hochzeit, Hochzeitsbild des Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami

1434, Öl auf Holz, 82 × 59,5 cm
London, National Gallery
Kommentar: Hochzeitsbild, Porträt
Land: Niederlande
Stil: Altniederländische Malerei
[Eyck, Jan van. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 3422 (c) 2005 The Yorck Project]

Himmelfahrt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt:
2 Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf.
3 Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.
4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben.
5 Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friß viel Fleisch!
6 Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde große Macht gegeben.
7 Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner.
8 Als ich aber auf die Hörner achtgab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge.
9 Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer.
10 Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl.
Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten und die Bücher wurden aufgetan.
11 Ich merkte auf um der großen Reden willen, die das Horn redete, und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde.
12 Und mit der Macht der andern Tiere war es auch aus; denn
es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.
13 Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.
14 Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

Daniel 7, 1-14

O Jesus, unser Herr – Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Hilf uns, Dich genau so zu hören und Dir so zu vertrauen, wie es sich gehört. Amen.

Liebe Gemeinde!
Ein Christ muß auf jeden Fall auch sagen können, warum die Himmelfahrt Christi gefeiert wird. Ohne Himmelfahrt wären wir nicht hier – oder wenn wir hier wären, dann wäre das ohne Himmelfahrt sinnlos.
Jesus garantiert für Seine Worte, weil er dort ist, wo nichts und niemand ihn aufhalten kann.
Im Himmel.
Das klingt so unwirklich, oder so abgehoben, weit weg von uns, weit weg von der Realität.
Doch bedenken wir: Am Anfang schuf Gott HIMMEL und Erde. Im Vaterunser sollen wir beten: Dein Wille geschehe wie im HIMMEL, so auf Erden. Alle Realität hat ihren Anfang im Himmel. Gottes Wille, der hier auf der Erde geschieht, hat bei Ihm im Himmel angefangen. Was Gott auf der Erde tut, das steht zuvor im Himmel fest.
Jesus ist gen Himmel gefahren, Er sitzt zur rechten Hand Gottes – das bedeutet: Jesus ist genau dort, von wo aus Gott alles bestimmt. Jesus ist im Himmel, zur Rechten Gottes, das heißt: Jesus ist in der Überlegenheit. Überlegen bedeutet ja nicht: Weit entrückt, bis in die Unwirklichkeit. Sondern „überlegen“ ist: Durch keine Situation festgelegt, sondern nur durch den eigenen Willen festgelegt. Es gibt ja die Redensart: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Also: Wenn mich nichts aufhält, meinen Willen zu tun, oder meinen Willen zu bekommen, dann kann das himmlisch sein – wenn, ja, wenn … ich etwas Gescheites will.
Jesus ist im Himmel bedeutet also: Der Sohn Gottes ist mir und meiner Situation gegenüber völlig frei und überlegen. Er ist in der Lage, unter allen Umständen Seinen Willen bei mir zu tun.
Jesus im Himmel ist auch unserer Gemeinde gegenüber völlig frei und überlegen. Unsere Grenzen sind nicht Seine Grenzen. Aus Seiner Überlegenheit heraus, an unseren Schwächen vorbei, tut Er, was Er sich vorgenommen hat.
Jesus im Himmel ist auch der Situation in unserer Kirche überlegen, in unserem Land, in Europa, und überhaupt – ganz und gar nicht eingeschränkt. Jesus ist da, von wo aus Er jedes Seiner Worte bei den Menschen ohne Kompromiß wahrmachen kann und es auch tut. Jesus im Himmel: Das ist Jesus in der Überlegenheit. Jesus zur Rechten Hand Gottes, das ist Jesus in der Freiheit.
Nun kann man sagen: Das wissen wir von Gott. Gott ist allmächtig. Was ist zu Himmelfahrt neu? Was ist seit Himmelfahrt anders?
Wir feiern, daß kein anderer, als eben Jesus, gen Himmel aufgefahren ist. Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott. Jesus, der unter Pontius Pilatus gelitten hat, der gekreuzigt wurde, der der den Tod erlitten hat – der ist in die Überlegenheit und Freiheit Gottes gekommen. Er hat alle Macht, Er hat alle Möglichkeiten, Er hat das letzte Wort – Er ist nicht der Geschichte unterworfen, sondern die Geschichte muß Ihm dienen. Und anders als wirklich alle Politiker, erfüllt Er Seine Verheißungen. Er bringt Gottes Gnade wirklich. Er trennt ab von der Macht des Bösen. Er steht zu jedem Seiner Versprechen.
Jetzt aber zum Predigttext!
Dieser Text aus dem Alten Testament ist deshalb dem heutigen Feiertag zugeordnet worden, weil hier von einer menschlichen Gestalt die Rede ist, „wie eines Menschen Sohn.“
Der Prophet Daniel sieht und schreibt auf: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.
Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“ – Diese Person bekommt „Macht, Ehre und Herrschaft“ über alle Völker.
Aber jetzt kommt es darauf an, was sich davor abspielt.
Erstmal: Was ist das Besondere an dem Propheten Daniel?
Daniel sieht und schreibt das alles als machtloser Israelit, fern vom Heiligen Land. Er mußte miterleben, wie das Volk Israel als seine Macht vollständig verlor. Jerusalem wurde erobert, zerstört und verbrannt, – auch der Tempel Gottes. Die Mächtigen, die Könige, die Priester wurde gedemütigt, getötet, und verschleppt. Daniel wird in der Fremde zu einem mächtigen Mann – ständig versucht man, ihm seine Identität als Israelit auszulöschen. Das gelingt zwar nicht – aber als Israelit ist er machtlos. Zugleich erlebt er aber als Israelit, wie eine Weltmacht entsteht, wie sie handelt, wie sie Macht ausübt, und was die Macht mit Menschen – den Mächtigen und den Ohnmächtigen – tut.
Das müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir nun dieses Nachtgesicht betrachten, dessen Ende, dessen gutes Ende, das Kommen des Menschensohns ist.
Daniel sieht ein Meer, das von den vier Winden aufgewühlt ist. Gewaltige, übermenschliche Energien und Kräfte toben und zeigen ihre Macht. In der biblischen Sprache ist das ein Bild für das Chaos der Weltgeschichte. Verschiedene Mächte aller Art wühlen in der Menschheit, Völker und Machtzentren kämpfen miteinander.
Dann sieht Daniel vier Tiere aus diesem Chaos aufsteigen. Und was für Tiere! Ein Löwe, ein Bär, ein Gepard, und ein namenloses Ungeheuer, mit zehn Hörnern, dem noch ein elftes Horn wächst.
Die Tiere sind nicht in einem natürlichen Zustand: Der Löwe hat Adlersflügel, geht aufrecht, wie ein Mensch, und bekommt ein menschliches Herz. Der Bär ist riesig, hat Rippen im Maul und bekommt den Befehl, viel Fleisch zu fressen. Der Gepard hat gar vier Köpfe und vier Flügel. Grotesk, unheimlich! Das letzte Tier hat, wie gesagt, 10 Hörner, und es wächst noch eins nach, es hat eiserne Zähne, und eiserne Füße. Und – furchtbar! – das nachwachsende Horn hat Menschenaugen.
Was soll man dazu sagen? Auf jeden Fall sollen diese Erscheinungen zeigen, wie Tiere, die an sich schon hervorragende Kräfte haben, ihre Kraft steigern, mit Flügeln, eisernen Zähnen, und so weiter. Eine vorhandene Macht wird weiter und weiter ausgebaut und gesteigert – über die Grenzen der Schöpfung hinaus. Es ist die Macht, die um ihrer selbst willen sich steigert. Sie ist eine Verzerrung von Gottes Schöpfung. Besonders die Kombination von Hörnern, eisernen Zähnen und dann … menschlichen Augen finde ich furchtbar. Es ist gerade genug da zu zeigen, daß es keine anonyme Naturgewalt ist, sondern daß eine menschliche Person, ein menschlicher Wille, der weiß, wie ich mich fühle – dieser Wille, der mein Menschsein einfach übergeht und niedertritt: Das trifft die Seele und tut extra weh.
Schon im Alten Testament, aber auch im Christentum hat man von Anfang an diese vier Gestalten als eine Weissagung über die Weltgeschichte als Geschichte der Macht verstanden. Der geflügelte Löwe sei das Reich, unter dem Daniel lebte, also das Babylonische Weltreich. Der Bär dann das Persisch-medische Reich; der Gepard das griechische Weltreich unter Alexander dem Großen, und schließlich das Römische Weltreich als das letzte unheimliche, grausame und übermächtige Gebilde.
Sie alle bauen ihre Macht zusammen aus Teilen der Wirklichkeit – der Löwe ist nicht nur Löwe, sondern er hat auch Flügel, das steigert seine Macht sofort. Diese Machtkonzentration ist aber ein Mehr von der Macht, die schon da ist. Durch das Chaos von Energien und Kräften kombinieren sich Machtfaktoren und steigern sich ins Unermeßliche. Waffen, Wirtschaft, Information. Bodenschätze, Wissenschaft, Menschenkenntnis, Energiequellen. Das wird gesammelt, geraubt, mit Propaganda und Medien vor den Seelen der Menschen aufgebaut …. Das letzte Tier brüllt große Worte. Die Zutaten sind noch aus Gottes Schöpfung, aber die Mischung, die Kombination die Anhäufung und die Dimensionen sind nicht mehr aus Gottes Schöpfung. Sie sind Ausdruck der Sünde, wie Gott sein zu wollen. Niemanden über sich zu haben, sich von niemandem etwas sagen zu lassen.
Daniel, der die Ohnmacht am eigenen Leib durchlitten hat, der die Widerlegung seines Volkes miterlebt hat, dem zeigt Gott den Weg und das Wesen der menschlichen Machtkonzentration – der Reiche. Unheimlich, schrecklich, unaufhaltsam, zerstörerisch. Und am Ende? Immer mehr hört man, daß neue Kombinationen der Macht sich Rüsten. Die Grenzen zwischen menschlichem Körper und Computer, zwischen eigenem Denken und Information sollen aktiv verwischt werden. Es ist doch jetzt schon so, daß man ohne Internet, ohne Codes auf einem Handy immer weniger am Leben teilnehmen kann. Transhumanismus ist das Ziel. Der menschliche Körper ist nicht privat oder ein Rückzugsort, sondern der Platz, wo Macht ausgeübt wird. Es wird offen darüber gesprochen, daß die Seele des Menschen durch Technik besetzt und beherrscht werden kann und soll. – Ein neues Beispiel für eine Kombination von Gottes Schöpfung, die den Menschen überwältigt.
Das ist unheimlich und einschüchternd.
Das Gefühl der Ohnmacht kann einen packen, wenn man das bedenkt.
Der Prophet Daniel erlebt das alles, und ihm wird gezeigt, daß diese scheinbar allmächtigen Systeme von Gott, dem Schöpfer, gerichtet werden. Sie werden zerfallen. Das brutale, machtbesessene Zusammenfügen von Gottes Geschöpfen zu Macht um ihrer selbst willen – Gott zieht den Stecker raus. Vom Himmel aus zieht Gott den Stecker raus.
Und dann? Gottes Wort sagt uns, daß Sein Ziel der Menschensohn ist. Der Menschensohn ist nicht das Ergebnis dieser Machtkämpfe. Der Menschensohn beteiligt sich nicht daran. Sondern der himmlische Vater übergibt ihm die Macht.
Jesus hat sich im Evangelium immer wieder den „Menschensohn“ genannt. Darum hat er niemals nach irgendeiner Macht gegriffen, oder sie programmatisch organisiert. Er wußte, daß Sein Vater ihm die Macht geben wird. Als der Sohn EMPFÄNGT er die Macht. Das ist gute Macht. Keine Steigerung, kein Aufpumpen, kein System ersetzt diese eine Tatsache: Der Menschensohn empfängt die Macht.
Jesus hat diese Worte aus Daniel direkt auf sich bezogen. Und wann? Genau dann, als er in den Augen der Weltmacht am schwächsten, am ohnmächtigsten dastand: Vor dem Hohenpriester. Der hatte Jesus direkt gefragt: „Bist der Messias, der Sohn Gottes?“ – Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels.“ (Matthäus 26, 63-64). Das war sein Todesurteil. Er, der gefangene, von allen Verlassene, ohne Armee, ohne Propaganda, ohne Finanzen – er soll das letzte Wort über die Hohenpriester haben? Pilatus, der Statthalter der Weltmacht, sagte zum Menschensohn: „Weißt du nicht, daß ich die Macht habe, dich zu kreuzigen, oder ich freizulassen?“ Jesus antwortet: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre“ (Johannes 19, 11) – also von Gott. Jesus steht dafür, daß Gottes Macht empfangene Macht ist, und Macht ist, die von Menschengestalt verkörpert wird.
Das feiern wir zu Himmelfahrt. Jesus setzt Seine Überlegenheit für uns ein. Er übt Seine Macht aus mit menschlichen Worten. Mit Handauflegung, mit Vergebung, mit Gnade und Segen. Wenn alle sich ausgetobt haben, wird er noch der sein, den wir jetzt begegnen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Meister des Rabula-Evangeliums: Rabula-Evangelium, Szene: Christi Himmelfahrt

586, Pergament, 34 × 27 cm
Florenz, Biblioteca Medicea-Laurenziana
Kommentar: Buchmalerei, im Johanneskloster in Zagba entstanden
Land: Syrien
Stil: Spätantike
[Meister des Rabula-Evangeliums. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 7884 (c) 2005 The Yorck Project]

Rogate

Der HERR ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott, dem Vater,
und von dem HERRN Jesus Christus!

1 Und es begab sich, daß er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
4 und vergib uns unsre Sünden;
denn auch wir vergeben allen,
die an uns schuldig werden.
Und führe uns nicht in Versuchung.
5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;
6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,
7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.
9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete?
12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete?
13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lukas 11, 1-13

HERR, lehre uns beten! Amen.

Liebe Gemeinde!
Eins wirst du niemals bereuen: Jedes Gebet.
Eins wirst du dir in Ewigkeit vorwerfen: Jedes versäumte Gebet.
So heißt es in Psalm 116:
„Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Ängste der Hölle hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: O HERR, errette mein Seele!“ Mit anderen Worten: Alles war schrecklich, ABER ich betete. Das wird Gott nicht vergessen.
Umgekehrt: Alles war schrecklich. Gott wollte ganz und gar für mich da sein. Aber ich rief Ihn nicht an. – Wie konnte ich nur!
Beten ist eine Notwendigkeit. Wer sprechen, ja, wer denken oder auch nur rufen oder schreien kann, der kann auch beten.
Psalm 94,9 sagt uns: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“ Du kannst hören und sehen. Hast du dein Ohr gemacht, ja oder nein? Nein. Aber jemand hat es gemacht. Sollte Gott, der das Ohr wunderbar gemacht hat, selber etwa nicht hören? Wie absurd wäre das! Gott macht Augen, die sehen, aber Er soll selber blind sein und hilflos rumtappen? Komm, hör doch auf!
Was ich damit sagen will: Was du sprichst, denkst, schreist und rufst – das ist schon bei Gott angekommen. Es wird bei Gott 1000mal deutlicher und klarer gehört und vernommen, als du es aussprechen kannst. Sprache ist schon Gebet, denn sie kommt bei Gott an. Jetzt ist nur die Frage, welche Sprache ist gut für mich, welche Sprache will Gott erhören.
Oder wollen wir wie die Leute in der Bahn und auf der Straße sein, die hemmungslos vor sich hin ins Telefon reden – aber die Menschen, die vor ihnen sind, nicht meinen. Soll Gott unsere Worte hören, aber wir meinen nie ihn?
Jesus macht das Beten so einfach wie möglich, ja, so einfach, daß es uns unheimlich wird, weil alle Ausreden wegfallen. Wenn Jesus mit dir fertig ist, dann hast du einfach keinen Grund mehr, nicht zu beten. Wenn du dann noch nicht betest, dann eben ohne Grund. Das ist dann so absurd wie sagen: Ok. Gott pflanzt das Ohr, aber Gott mich hören? Nein.
Beten ist leider überhaupt nicht kompliziert, sondern unheimlich einfach.
Jesus betet selber. Oh wie kompliziert! Jesus ist doch Gottes Sohn, warum betet er? Er ist aber doch zugleich wahrer Mensch. Er betet, weil das zum perfekten Menschsein gehört. Er betet, damit seine Jünger richtig Lust bekommen, selber zu beten.
Darum fragen und bitten sie: „HERR, lehre uns beten!“ Das heißt hier: HERR, hol uns aus allen unseren Komplikationen, aus unserem Mißtrauen, aus unseren Grübeleien heraus, damit wir mehr Mensch sind vor Gott, und beten.
Das könnt ihr haben, sagt Jesus. Und dann schenkt er uns ein Wunder, nämlich das Vaterunser. Ist das zuviel gesagt? Übertrieben?
1. „Vater!“ – Erstes Wunder. Gott, den Schöpfer Himmels
und der Erde „Vater“ nennen. Ein Vater will, daß sein Kind da ist und lebt. Wer zu Gott „Vater“ sagt, hat alles gesagt: Gott will, daß es mich gibt. Gott, du wolltest, daß es mich gibt – darum: bitte! Da bin ich! – Das ist sofort eine himmelweit andere Situation, als wie wenn ich mit meinem Leben allein da sitze, nicht ein noch aus weiß, oder gelangweilt bin, und alles sinnlos finde, oder wie wenn ich glaube: Ich hab mir alles selber gemacht, und kann abgreifen, was ich will. Wer zu Gott „Vater“ sagt, sagt damit: Ok. Ich bin nicht Gott. Aber das ist nicht schlimm. Denn ich bin deshalb nicht nichts. Ich bin Sein Kind.
Das ist ein Wunder.
2. Dein Name werde geheiligt: Also: Gott, ich nenne dich
3. Vater. Aber wie Du mein Vater sein willst, das überlasse
ich ganz und gar Dir. Du bist heilig. Dein Name ist heilig. Bitte mach, daß ich es nicht mit Dir verderbe. Bitte sei immer wieder aufs Neue Gott und Vater für mich. Und laß es nicht zu, daß ich Dich nach meinen Wünschen umbaue, und am Ende aus Versehen mich selber anbete. Gott, bitte mach, daß ich mich nicht mir Dir verwechsle! Bleib mein Gegenüber, bleib, wer Du bist, Gott! – Diese Bitte ist schon wieder ein Wunder.
4. Dein Reich komme: Laß mich Deine Macht erfahren. Laß
mich dort sein, wo Du Dich durchsetzt. Gott, ich will dabei sein, wo Du alles beseitigst, was gegen Dich spricht, was Deine Werke zerstört, laß mich dabei sein, wo die Lüge ihre Macht verliert, wo Deine Liebe sichtbar wird – laß mich dabei sein! – Wer so betet, gibt zu, daß er gerne von dem befreit werden will von dem, was zwischen mir und Gott im Weg ist. – Wenn das kein Wunder ist!
5. Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag: So kann nur
bitten, wer alle Sorgen auf Gott wirft. Wer so bittet, ist bereit, in jeder Gabe den Geber zu schmecken, und Vitamin LG in sich aufzunehmen. LG = Liebe Gottes. Jesus ist immer gegen die Sorge, gegen jede Sorge. Du könntest beten. Das ist immer besser als nicht beten. – Schon wieder ein Wunder.
6. Vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen,
die an uns schuldig werden. – Wer diese Bitte ausspricht, der begibt sich in folgende Situation vor Gott: Ich brauche Vergebung, und zwar so dringend, wie Luft. Denn ich merke gerade, wie meine Torheit gegen mich spricht. Oh Gott, bitte nimm das weg! Das bin nicht ich! – Und weiter: „Wir vergeben allen, die an uns schuldig werden.“ – Was passiert da? – Du merkst folgendes: Wenn dir jemand Unrecht tut, dann wird ihn Gottes Gesetz so anklagen, daß er keine Chance mehr hat. Und Du sagst zu Gott: Bitte, Gott, mach ihn meinetwegen nicht fertig! – Ich glaube, auch diese Bitte ist ein Wunder.
7. „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Da ist eine
notwendige Bitte. Denn nach all den Wundern kann einem schwindelig werden. Da kann es passieren, daß man sich völlig blöd vorkommt, und plötzlich in tiefe Zweifel stürzt. Wir kennen uns ja nicht so gut. Wie werde ich in bestimmten Situationen reagieren? Werde ich vielleicht vergessen, zu beten? Ist am Ende nicht doch alles eine Übertreibung? – O Gott, laß es nicht soweit kommen! Führe uns nicht in diese Versuchung! Amen.
Das ist ein richtiger atemberaubender Schnellkurs, den Jesus seinen Jüngern da gibt. Aber sie wollten ja! Da hat man ein Leben lang zu lernen. Das Vaterunser ist das Rückenmark aller Gebete. Jesus gibt und Sprache und Worte, die Gott nicht nur hört, sondern erhört. Zugleich Worte, die uns von A bis Z in den Bereich der Wunder versetzen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Bild mit Text gestaltet von Lioba Fenske.

Jubilate

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

4 Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis

5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.

7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.

8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockene sehe. Und es geschah so.

10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.

11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so.

12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre

15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.

16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde

18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war.

19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels.

21 Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.

23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.

25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.

30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.

31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Mose 1 – 2,3

Allmächtiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Dir, zu Dir und in Dir sind alle Dinge. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde!
In unserem ältesten Osterlied: „Christ ist erstanden ..“ wir werden es zum Ausgang singen – es ist als deutsches Lied fast 1000 Jahre alt – singt die Christenheit: „Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Wäre Jesus nicht von den Toten auferstanden, dann hätten die Recht behalten, die ihn gekreuzigt hatten. Das hätte die Welt zerstört. Das singen wir wörtlich. Daß die Welt steht, verdanken wir Ostern. Das ist keine Übertreibung und keine Poesie. Christen glauben das von ganzem Herzen.
Doch wo ist da der Zusammenhang?
Wir haben den wunderbaren Bericht von der Schöpfung noch einmal gehört. Es sind so schlichte, fast kindliche Worte, und zugleich erhaben und voller Geist und Vollmacht. Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt: Aus nichts,schafft Gott ganz überlegen : Das Licht, das Leben, Pflanzen, Tiere, Menschen. Er schafft Ordnung aus dem Chaos. Das alles in überwältigender Größe, Vielfalt, mit ungeheuren Kräften und Energien. Das auf der einen Seite – und auf der anderen Seite Jesus von Nazareth, geboren von der Jungfrau Maria, geboren in Bethlehem, gekreuzigt in Jerusalem. – An ihm hängt es, daß die Welt nicht vergangen ist?
Im Nizänischen Glaubensbekenntnis bekennt die Christenheit: „Ich glaube … an den Einen Herrn, Jesus Christus …. durch welchen alles geschaffen ist.“ Jesus Christus, als der ewige Sohn Gottes war an der Schöpfung Himmels und der Erden beteiligt, ganz entscheidend beteiligt. Im Neuen Testament wird das mehrfach bezeugt und klar ausgesagt.
So hören wir im Epheserbrief: Gott hat alle Dinge geschaffen durch Jesus Christus. (Epheser 3, 9), und im Kolosserbrief: Durch Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. (Kolosser 1, 16).
Überdeutlich sagt uns das der Evangelist Johannes im Anfang seines Evangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nicht gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Johannes 1, 1-4). Und einer geht noch: Der Hebräerbrief lehrt uns: Gott hat durch Seinen Sohn die Welt gemacht ….der trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. (Hebräer 1, 2-3).
Da haben wir den Zusammenhang: „Wär er nicht erstanden“ – wäre also der Sohn Gottes, der als Wort Gottes die Welt geschaffen hat, und mit seinem Wort trägt, wenn der im Tod geblieben wäre, „so wär‘ die Welt vergangen.“
Zwischen dem Nichts und dem All sind nicht unzählige zufällige Übergänge, sondern das eine persönliche Wort Gottes, das selbst Gott ist. Keine Entwicklung kann das, was das Wort Gottes tut.
Die menschliche Vernunft kann nur sagen: „Aus nichts kommt nichts.“ Zwischen Nichts und Etwas ist eine unendliche Kluft.
Doch Gott sagt uns, was zwischen Nichts und Etwas ist: Sein Wort, das selbst Gott ist.
Genau, wie das Nichts nicht hervorbringen kann – wenn Gott nicht spricht: „Es werde!“ – so kann auch die Finsternis kein Licht hervorbringen. Die Finsternis weiß nichts vom Licht. Daß es Licht gibt, verdanken wir Gott in Seinem Wort. Das Wort überbrückt sofort die unendliche Kluft zwischen Finsternis und Licht. Die Finsternis, sich selbst überlassen, kann nicht mit unendlichen Zufällen und Übergängen Licht machen. Das Wort tut es. Das Wort ist dazwischen, dabei.
Das ist das Geheimnis der ganzen Schöpfungsgeschichte.
Chaos kann nicht Ordnung hervorbringen, doch Gottes Wort schafft eine Feste, ein Firmament, stabile Koordinaten mit Oben und Unten, eine Matrix und ein Schauplatz für alles. Zwischen Chaos und Ordnung ist Gottes Wort.
Das Wort kommt zuerst – im Wort ist die ganze Realität schon da. Von einem blinden Prozeß hören wir in dem Schöpfungsbericht ganz und gar nichts. Jedes Werk spricht Gott erst aus und dann verwirklicht Er es. Es ist alles Wille und Absicht. Unendliche Zufälle und Übergänge können auch niemals „gut“ genannt werden. Doch Gott heißt Seine Schöpfung immer wieder gut.
Die Gewässer und das Trockene wissen nichts vom Leben, könnten es auch niemals hervorbringen. Doch Gott spricht: „Die Erde sprieße mit Pflanzen“ – die wachsen und leblose Elemente in sich aufnehmen, die auch das Licht in sich aufnehmen, und das alles in einen lebendigen Organismus einbauen – und diese leblosen Elemente fügen sich so zusammen, daß es Samen und Früchte gibt. Das Leben hat es in sich, weiterzugehen, sich zu vermehren. Zwischen Tod und Leben ist eine Unendlichkeit, die das Leblose niemals von sich aus überbrücken kann, doch Gott tut es, mit Seinem Wort. Sein Wort ist zwischen und über Tod und Leben.
Schließlich schafft Gott den Menschen in Seinem Bild. Der Mensch besteht auch aus leblosen Elementen, der Mensch hat mit Pflanzen und Tieren viele viele Gesetze des Lebens gemeinsam, und nun schafft der Gott des Wortes ein sprachliches Lebewesen mitten in der Schöpfung. Zwischen sprachlosem Leben ohne Wort und uns Menschen mit der Sprache ist eine Kluft. Kein Papagei, kein Hund, der Befehle ausführt, kann uns darüber hinwegtäuschen, daß wir Menschen mit der Sprachfähigkeit himmelweit von allen Geschöpfen sind. Ein sprachloses Wesen kann seinem Nachkommen niemals Sprache beibringen. Zwischen uns und dem Rest der Schöpfung ist das Wort. Das göttliche Wort. – Das ist der Zusammenhang: „Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Der Sohn Gottes trägt es alles mit seinem mächtigen Wort. Er bewahrt die Schöpfung. Ohne ihn kann die Schöpfung nicht bewahrt werden.
Vor allem aber wir selbst. Wir leben davon, daß Gott mit uns spricht. Im Evangelium hören wir die Worte des Lebens. Wir können das nicht wörtlich genug nehmen. Wenn wir Jesus begegnen, dann begegnen wir dem göttlichen Wort, das hinter unserer Wirklichkeit steht.
„Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Das bedeutet auch, daß keine Wirklichkeit das Evangelium unwahr machen kann, oder widerlegen oder überholen. Paulus faßt das so zusammen: „Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“(Römer 8, 38-39).

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Luca Giordano: Fresken in der Galerie des Palazzo Medici-Riccardi in Florenz, Szene: Die Erschaffung des Menschen

Miserikordias Domini

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

15 Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er
zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Johannes 21, 15-19

Lieber Herr und Heiland, führe uns zum frischen Wasser, zur Speise, die unsere Seele nährt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Kein Mensch kann sich heute beklagen, daß die Bibel zu schwer sei, zu schwer zu verstehen.
Jesus fragt Petrus: Hast du mich lieb?
Und Petrus antwortet: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe.
Jedes Kind, das das Wort „Liebe“ einmal begriffen hat, und weiß was eine Frage und eine Antwort ist, und wer „Ich“ und „Du“ sind, kann dem Gespräch genauestens folgen und alles mitnehmen.
Hast du mich lieb? – Ja.
Eine Seele lebt in diesem Gespräch. Jede Seele lebt davon, diese Worte zu sprechen und zu hören. Da sein ist nicht genug. Geliebt werden muß einfach auch sein, und Liebe aussprechen, auch das muß sein.
Liebe Gemeinde, diese einfache Wirklichkeit soll uns durch dieses Evangelium leiten.
Jesus der Gekreuzigte und Auferstandene fragt Petrus. Petrus, der mit Jesus sterben wollte, und dann plötzlich schwur: „Ich kenne den Menschen Jesus nicht!“ Petrus, der dann über sich erschrocken war, und bitterlich geweint hatte. Petrus, der sich mit den Jüngern aus Furcht vor den Juden eingeschlossen hatte. Petrus, der das leere Grab gesehen hatte, und dann den Auferstandenen. Und geht er in den Alltag zurück: Fischen, das war ja sein Beruf gewesen, bevor Jesus ihn gerufen hatte. Doch Jesus stand schon am Ufer und hatte was mit Petrus vor.
Sie essen zusammen und dann kommt das Gespräch.
Dieser so ganz einfache Wortwechsel, der jede Seele berührt.
Aber jetzt müssen wir doch ein bißchen nachdenken.
Was geschieht eigentlich, wenn Jesus fragt?
Wenn wir fragen, dann wollen wir etwas hören, was wir nicht wissen. Oder wir brauchen Sicherheit, wo wir Zweifel haben. Dann fragen wir.
Aber Jesus? „Er kannte sie alle und bedurfte nicht, daß ihm jemand Zeugnis gab vom Menschen; denn er wußte, was im Menschen war.“ (Johannes 2, 25). Warum fragt Jesus, wenn er es schon wissen kann, ja, wenn er es schon genau weiß, besser, als Petrus es weiß?
Und warum fragt er Petrus, der sich so grob falsch eingeschätzt hatte! „Wenn sich auch alle sich an dir ärgern: Ich nicht!“ – „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen!“ – Ja. Wir wissen, wie es dann kam.
Welche Aussage konnte Petrus über sich machen?
Was kannst du über dich vor Gott sagen?
Was geschieht wenn der allwissende Jesus Petrus fragt, der über sich nichts mit Gewißheit aussagen kann? Soll er wieder von sich selbst enttäuscht werden?
Jesus fragt mit menschlichen Worten, die ein kleines Kind verstehen kann – aber der Sohn Gottes fragt mit göttlicher Macht, mit göttlicher Liebe. Seine Frage ist ein Handeln an seinem Jünger.
Die Frage schafft einen Schutzraum für Petrus.
Das muß Petrus aber erst noch erfahren.
Die Frage läßt Petrus erst einmal noch sich selbst fühlen. Seine Grenzen, seine Schwächen, seine Fehler werden Petrus noch einmal bewußt – sie fallen ihm aufs Herz, ins Gewissen.
Liebe Gemeinde! Es ist immer ein entscheidender Teil von Gottes Weg, daß du erkennst, wer du vor Gott bist. Du bist ein Geschöpf: Wir haben gesungen: „Er hat uns erschaffen, Ihm zur Ehr, und nicht wir selbst, durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.“ Geschöpf und Sünder. Mit peinlichen Fehlern. Mit Dingen, die wir nicht wieder gut machen können. Wer in Gottes Schutzraum soll, der kann nur als solcher hinein wie Gott ihn sieht. Als Geschöpf und Sünder. Das spürt Petrus an Leib und Seele. Schon, daß Jesus ihn mit „Simon, Sohn des Johannes“ anredet: Sohn seines Vaters. Mit dem Namen Simon – als solcher kam er zu Jesus und wußte nichts, keine Ahnung.
Du, der du dein Leben nicht in der Hand hast, und nicht weißt, was morgen sein wird – hast du mich lieb?
Petrus antwortet so, wie ein Geschöpf antworten kann: „Ja HERR; du weißt, daß ich dich lieb habe.“ Was für eine Antwort! Gott, du weißt es, ja, du weißt es am besten – besser als ich! Bitte, finde du selbst die Liebe, die in mir ist! Mit dieser Antwort ist Petrus in den Schutzraum eingetreten, den Jesus mit seiner Frage geschaffen hat.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst neu kennen lernen kann und kennen lernen muß. Jesus fragt so, daß Petrus in der Liebe Gottes aufwacht.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst als Geschöpf und Sünder fühlt, erfährt – mit allem Schmerz, allem Schrecken, aller Scham, das ganze Programm. Unser göttlich inspirierte Evangelist Johannes packt es in ein einziges Wort: „Petrus ward TRAURIG, daß Jesus zum dritten Mal zu ihm sagte: „Hast du mich lieb?“ Traurig. Es gibt eine Traurigkeit, die ist Teil von Gottes Weg mit dir. Paulus weiß davon, und schreibt: „Denn göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod.“ (2. Korinther 2, 10). Man muß sich nichts vormachen: Petrus ward traurig, ganz und gar, durch und durch. Er war mit sich am Ende. Aber die Liebe war da. „Ja HERR, du weißt alle Dinge, DU weißt, daß ich dich lieb habe.“
„Weide meine Lämmer.“
Da hat Petrus gerade den höchsten Auftrag von Gott bekommen.
Wie ist das? Eben hat Petrus alle Bewerbungsschreiben, alle Zeugnisse, alle Lebensläufe weggeschmissen und gelöscht – und dann: „Du bist eingestellt. Du hast den Job.“
„Weide meine Lämmer!“ – Petrus ist jetzt zuständig für die neugeborenen Gotteskinder. Verantwortung für ein Kind, ein neugeborenes erfaßt den ganzen Menschen. Jede Kraft ist nötig, für ein Kind dazusein.
Eben noch spürt Petrus seine absoluten Grenzen, und dann vertraut ihm Gott Seine Kinder an. Bei Kindern versteht niemand Spaß, auch Gott nicht.
Jesus muß beschlossen haben, daß Petrus der Richtige ist. Petrus, der die Liebe seinem HERRN in die Hände legt: „Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe!“
Petrus hat das bestimmt nicht gesucht oder angestrebt. Petrus bleibt nichts anderes übrig, als sich nun so zu sehen, wie er von Jesus gesehen wird. Jesus sieht in ihm den, der sich um Gottes Kinder kümmert.
Jesus fragt – aber diese Frage führt Petrus dahin, daß er Gottes große Gnade erfährt.
Jesus beauftragt – aber dieser Auftrag zeigt, wie die Liebe Gottes alles trägt.
So ist das bis heute. Jesus, der auferstandene HERR, setzt Diener ein, die sich um Gottes Kinder kümmern. Diese Diener weiden die Gemeinde Gottes mit dem Wort Gottes und mit den Sakramenten, die Jesus gegeben hat: Die Heilige Taufe und das Heilige Abendmahl. Dazu auch die Lossprechung der Sünden.
Jesus ist zwischen seinen Dienern und der Gemeinde, er ist über seinen Dienern und der Gemeinde, und auch unter beiden, sie zu tragen.
Das kommt zum Ausdruck, ja, es wird Wirklichkeit, in einem kurzen Gespräch zwischen Pastor und Gemeinde. Der Pastor sagt: „Der HERR sei mit euch!“ – Und die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geist!“ Auch so ein kurzes Gespräch, in dem alles, die ganze Geschichte zwischen Jesus und Petrus, vollständig enthalten ist.
„Der HERR sei mit euch!“ – Der Heiland sei mit euch, der, der für euch Mensch geworden ist, sei bei euch! Der, der das Verlorene gesucht hat, suche und finde euch! Der, der Sünde die Macht genommen hat, tue Sein Werk an euch! Der, der die Strafe Gottes für euch getragen hat, nehme eure Lasten ab! Der Überwinder des Todes schütze euch jetzt! – Das ganze Evangelium erreiche eure Seele und richte sie auf! Das ist alles in dem Gruß: „Der HERR sei mit euch!“ Jetzt soll Jesus an euch tun, was Er gerne tut!
„Und mit deinem Geist!“ – Da sagt die Gemeinde: Wir nehmen diesen Dienst an, weil Jesus selbst in diesem Dienst anwesend ist. Jesus soll auch an dem Diener tun, was er an uns tut. „Und mit deinem Geist!“ ist das eine Gebet der Gemeinde für den Pastor, in dem alles gesagt ist. Gott soll den Geist des Dieners segnen und schützen, damit der Dienst gut und richtig nach Gottes Willen verläuft. Seine Schwächen mögen Gott nicht aufhalten oder im Weg stehen.
Dieses Gespräch zwischen Pastor – was ja übersetzt „Hirte“ besagt! – und Gemeinde findet dreimal im Hauptgottesdienst statt. Es ist jedes Mal nötig.
Es geschieht noch etwas Unglaubliches dort nach dem Frühstück am See zwischen Jesus und Petrus.
Jesus deutet Petrus an, daß er als Märtyrer sterben wird: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ Petrus ist dann auch in Rom gekreuzigt worden.
Aber man bedenke: Petrus geht als Apostel in die Welt hinein und es steht fest: Am Ende wirst du geführt werden, wohin du nicht willst.
Was heißt das? Am Ende ist keine eigene Herrlichkeit: Reichtum, Erfolgt, Beliebtheit, Anerkennung von Menschen ….
Wenn Petrus jetzt doch losgeht und Jesus nachfolgt, was heißt das? Das heißt, daß er die Erfüllung seines Lebens jetzt schon bei sich hat. Die Erfüllung kommt nicht erst, irgendwann, wenn bestimmte Ziele erreicht wurden. Sondern jetzt. Wenn Jesus ihm vergibt, wenn der Auferstandene Petrus einen Platz im Reich Gottes gibt – das ist alles, das ist das Höchste. Das kann ein Kreuzestod am Ende nicht mehr kaputtmachen.
Und noch etwas: Petrus weidet die Lämmer und Schafe Gottes ohne Begehren, ohne Hintergedanken: Er sucht nichts für sich selbst in seinem Dienst: Keinen Reichtum, keine menschliche Anerkennung, keine Bestätigung. Das alles hat er schon überreichlich mit Jesus bekommen. Da kann er ganz anders für die Herde da sein.
Wenn die Liebe Gottes dich erreicht hat, dann wird Gott dir helfen, ganz für die Menschen da zu sein, die Gott dir anvertraut hat. Dann hast Du Gottes Liebe weitergegeben. Das ist das Größte.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Ausschnitt aus ‚Auferstehungsikone‘, Ikonenmuseum Frankfurt

Quasimodogeniti

Der HERR ist auferstanden –
er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott dem Vater
und von Jesus Christus! Amen.

Allmächtiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Dir, zu Dir und in Dir sind alle Dinge. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

Kolosser 2, 12-15

HERR, segne diese Worte an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute geht es um die Anwendung von Ostern. „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Leben ans Licht gebracht durch das Evangelium.“( 2. Timotheus 1,10). Und jetzt? Und heute? Und hier? Und ich?
Was bedeutet es überhaupt, daß der Tod seine Macht verliert? Verliert der Tod dann seine Macht, wenn ich keine Angst habe? Oder wenn ich keine Trauer mehr habe? Wirklich? Wie sieht es aus, wenn ein Mensch Ostern auf sich bezieht?
Eins ist klar: Jesus ist nicht von den Toten auferstanden zu seinem eigenen privaten Vergnügen – wie wenn jemand eine Reise ins Weltall macht, oder so. Ostern anwenden das ist viel viel mehr als nur zu sagen: „O mein Gott, ist das möglich? Wie bewundernswert ist das? Auferstanden von den Toten! Ich kenne jemanden, der von den Toten auferstanden ist! Er heißt Jesus.“ Ostern anwenden ist viel mehr!
Aber was?
Paulus schreibt an die Gemeinde in Kolossä, und wir hören gerne mit. Vier Anwendungen von Ostern.
Das Ziel ist wirklich, daß wir von einer Realität erfaßt werden und eine Macht spüren.
Nun der Reihe nach:
1. „Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“
Man muß das dem Paulus lassen: Er kommt sofort, ohne Umschweife ganz zur Sache. „Du bist tot!“ – „Du bist auferstanden!“ – Wer getauft ist, der ist ganz im Machtbereich der Auferstehung. Hier geht es nicht um Gedanken, Vorstellungen, Überzeugungen, es geht um überhaupt nichts, was in dir ist. Du bist in etwas. Wer mit Jesus verbunden ist, der ist mit Tod und Auferstehung verbunden.
Das ist kraß. Getauft sein oder nicht – das ist eine größere Frage, als am Leben sein, oder nicht. Die Taufe macht einen größeren Unterschied, als der Tod. Das wird uns gesagt.
Sein oder Nichtsein – das entscheidet doch alles, oder nicht? Nein. Mit dem Sohn Gottes verbunden sein oder nicht – das entscheidet über Leben und Tod. Getauft sein heißt: Jesus nimmt dich mit. Du bist bei ihm eingestiegen. Besser: Er hat dich an Bord genommen.
Wie? – „Mit ihm seid ihr auferstanden durch den Glauben“. Wo Glaube an Jesus ist, da ist der Tod schon angetastet. Gott sagt uns das. Nur Gott hat im Blick, wo der Tod anfängt und aufhört. Nur Gott hat im Blick, wo der Glaube anfängt, und wo er aufhört. Menschen können das nicht. Und Gott sagt: „Wo Glaube ist, da hat der Tod etwas nicht verhindern können, da hat der Tod schon verloren.“ Glaube und Macht des Todes sind schlechte Gesellschaft. Sie können einander auf den Tod nicht leiden. Der Glaube ist eine Niederlage für den Tod. Er ist ein Wunder.
Glaube ist nicht das Ergebnis von menschlichem Tun. Ich kann keinen Glauben in euch machen. Ich habe es auch nicht vor. Ihr hört nur das, was ihr nach Gottes Willen hören sollt. Du kannst dir selbst auch nicht den Glauben machen, oder einreden oder hypnotisieren. Hör du zu, und laß Gott machen. Paulus sagt: „ … durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ Wenn ein Mensch an Jesus glaubt, dann braucht es genau dieselben göttlichen Volt, oder PS, oder was auch immer – dieselbe Kraft Gottes, die Jesus auferweckt hat. Das mußt du glauben. Glauben ist nicht etwas, was ich beschließe. Wieviel Volt ist ein Beschluß, ein Gedanke? 6 Volt? Ich weiß es nicht. 6 Volt hätten Jesus nicht aus dem Grab geholt. 1000 000 Volt plus. Das braucht es, einen Menschen zum Glauben zu bringen. Das kann nur Gott. Überlaß es ihm. Aber wirklich!
Also: Ostern und Glauben sind unzertrennlich. Es heißt einen fürchterlichen Bock geschossen, wenn ein Mensch sagt: „Ok. Ich glaube. Aber was ist jetzt mit Ostern und Auferstehung?“ Das ist so, wie wenn jemand sich gerade ins Auto gesetzt hat, und dann ängstlich fragt: „Ich weiß nicht, ob ich jemals mitfahren werde!“ – Der Glaube ist Teil von der Auferstehung. Mit dem Glauben ist schon alles anders. Doch.
2. „Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.“
Das kommt uns zu einfach vor. Ist es auch. Zur Anwendung von Ostern gehört auch, zu erkennen, was der Tod ist. Was ist das Grab, aus dem die Auferstehung stattfindet? Und jetzt wird es richtig ernst. Denn erst dann jetzt können wir begreifen, warum der Glaube so ein Wunder ist, daß nur göttliche Energie tun kann. Wirklich nur Gott höchstselbst. – „Ihr wart tot in den Sünden.“ Das ist genau so schwer zu begreifen, wie die Auferstehung: Daß ein Sünder in seinen Sünden tot ist. Ein Mensch, der Gott nicht bittet und dankt – der lebt nur noch scheinbar, er lebt auf Pump. Ein Mensch, der sich von Gott nichts sagen läßt, der hat den Schuß noch nicht gehört. Ein Mensch, der Vater und Mutter verachtet, der nicht jeden Moment voller Staunen davon überwältigt ist, daß er davon lebt, weil andere ihren Egoismus überwinden – der glaubt nur noch zu leben, aber er täuscht sich. Jedes der 10 Gebote wird sprechen und zeigen, bis du den Tod fühlst. Du sollst nicht töten: Also alles tun, daß dein Nächster lebt. Du sollst nicht ehebrechen: Gott gibt dir Einen Menschen im Segen. Einen. Da will Gott dich alles erfahren lassen. Sonst bist du ein Gespenst, mehr tot als lebendig. Du sollst nicht stehlen: Was Gott dir nicht gegeben hat, das geht dich nichts an. Was dem Nächsten gehört, ist heilig. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden: Was du über jemanden sagst, das muß es Menschen ganz leicht machen, diesen zu ehren, zu achten. Was dein Wort wirkt, kommt auf dich zurück. Du kannst dich nicht schützen.
Ihr wart tot in euren Sünden. Es ist schwer, zu glauben, daß das so ist. Nur komisch, daß niemand beklagt: „Ach, wenn ich das nur glauben könnte, wie Sünde der Tod ist!“ Gott sagt es uns.
Das ist also das Grab, aus dem die Auferstehung geschieht. Mit Jesus begraben werden heißt – erkennen, was die Sünde mit uns anrichtet. Am Kreuz hat Jesus ja ohne Filter, ohne Helm, ohne Impfung, ohne Ellbogenschützer oder irgendwas die volle Wucht der Sünde an sich erlitten. Er hat nicht ausgeteilt, sondern eingesteckt – aber unschuldig.
Paulus spricht auch von der Unbeschnittenheit des Fleisches. Das ist eine Beschreibung der Sünde als Wildwuchs, als Wucherung, als hemmungsloses Wachsen und sich Ausbreiten. Wie Krebs: Ein Leben, das gegen sich gekehrt ist. Die Prozesse, die Leben schaffen, sind umgedreht und attackieren das Leben. Da passiert zwar etwas. Aber ist sieht nur aus, wie Leben. Aber es ist kein Leben mehr.
Da kann nur ein Gott uns rausholen. Wer es ahnt, wird es sofort einsehen. Er sitzt in einem brennenden Haus.
Darum ist Vergebung mit Auferstehung verbunden. Nicht nur Glauben und Auferstehung sind untrennbar, sondern auch Vergebung und Auferstehung. Auferstehung gibt es nur, wo Gott eine Antwort hat auf die Sünde. Wer keine Antwort auf die Sünde hat, der hat auch keine Antwort auf den Tod.
Und das Wunder ist: Gottes Antwort auf die Sünde ist die Vergebung. Ja, die Vergebung. Wer erkennt, wie Sünde und Tod zusammenhängen, der braucht die absolute Zusicherung, daß das Leben mit der Vergebung kommt.
Wie kann das aussehen?
3. „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“
Die Vergebung sieht so aus: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der uns unwiderleglich beweist, daß wir den Tod verdienen, und hat ihn weggetan, und an das Kreuz geheftet.
Spätestens hier fängt der Glaube an. Daß am Kreuz von Golgata die Anklage, gegen mich, das Urteil über mein Leben aufgehoben wird, das übersteigt unsere Auffassung. Doch das ist das Neue Testament. Das ist Gottes neuer Deal, das sind die neuen GGB – Göttlichen Geschäftsbedingungen. Auf dieser Grundlage will Gott künftig mit uns Menschen reden. Das Neue Testament ist voll von dieser wunderbaren Übertragung, daß der Sohn Gottes die Anklage des Gesetzes auf sich bezieht, auf sich nimmt, auf seinen Leib und seine Seele umbiegt, umleitet. Wir sollen das zur Kenntnis nehmen. Das ist das Evangelium.
Der Apostel Petrus schreibt das so: „Jesus hat unsere Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.“ (1. Petrus 2, 24).
An die Galater schreibt Paulus: „Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.“ (Galater 3, 13). Ich könnte noch mehr zitieren. Glaube, Auferstehung, Vergebung – das ist alles untrennbar, wo eins ist, da ist das notwendig das andere – und nun auch diese kosmische Umbuchung. So muß man das nennen. In der Zeit des Paulus gab es das: Wer eine Schuld hatte, mußte mit eigener Hand schreiben: „Ich bekenne, daß ich NN soviel schulde.“ Dieser Schuldbrief wurde in einer Bank aufbewahrt. Erst, wenn die Schuld bezahlt war, wurde der Brief aus dem Register entfernt. Dann wurde der Betrag durchgestrichen. Dann war die Sache erledigt.
Wir hören also: Die Forderung des Gesetzes, daß der Sünder sein Leben zu Recht verliert – diese Forderung ist zum Schweigen gebracht worden. Die Schuld ist bezahlt. Das ist am Karfreitag passiert. Ostern ist die Verifizierung, die Besiegelung, die feierliche Ratifizierung.
Wenn man das so hört, dann fallen einem Dinge ein. Aber …. es spricht so viel dagegen! Die Menschen sündigen doch immer noch! Ich sündige ja immer noch! Meine Verletzungen in meinem Leben ! ! Was sagt Gottes Wort dazu?
4. „Er, also Gott, hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“
Wer auch nur ein bißchen anfängt, von Jesus mitgenommen zu werden, dem wird klar, wie verbreitet die Macht des Todes ist. Der allerkleinste Anfang ist schon ein ganzer Anfang. Aber man spürt doch: Nicht alles um mich, nicht alles in mir, ist von Gott. Es gibt Mächte und Gewalten – die wollen mir beweisen, daß das alles nicht wahr ist, oder zu schwach, oder zu blöd … Mächte und Gewalten, die mich spüren lassen wollen, daß ich ohne sie kein Leben habe, und ganz klein bin. Das waren dieselben Energien, dieselben Kräfte, die Jesus auf Golgata beweisen wollten: „Du bist nichts. Steig herab vom Kreuz, wenn du kannst!“ Es ist die Macht der Lüge, der Lieblosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Die Macht des Begehrens und der Zerstörung. Die haben an Jesus getan, was sie konnten, und das war schrecklich. Doch Ostern zeigt uns: Jesus gehört ihnen nicht. Das will der letzte Vers aus dem Predigttext uns sagen. Er hat ihnen ihre Waffen abgenommen, sie lächerlich gemacht, sie müssen ihm dienen. Sie wollen beweisen, daß dein Leben nur ein Schein ist, doch Jesus beweist, daß ihre Macht nur ein Schein ist.
Seit Ostern sind sie nur noch ein Schein. Sie haben ihre Macht durch unsere Sünde. Wo Vergebung ist, da ist diese Macht vorbei. Wo der Auferstandene ist, da ist diese Macht vorbei. Paulus vergleicht sie mit besiegten Kriegern, die als Gefangene vorgeführt werden. Sie werden ausgestellt wie in einem Museum. Man kann sie ohne Angst angucken.
Unser Gesangbuch weiß davon. Ein Beispiel:
„Jesus Christus, Gottes Sohn, an unserer Statt ist kommen und hat die Sünde abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods GESTALT, den Stachel hat er verloren.“ (439, 3).
Liebe Gemeinde! Das sind hohe Behauptungen. Sie stehen geschrieben, sie müssen gesagt werden. Man denkt leicht: O Gott, das kann ich nicht glauben! – Nun hört gut zu:
Glaube ist nicht das, was du in dir findest, sondern das, was Jesus in dir sieht, wenn du ihm zuhörst. Du sollst nur zuhören, nicht gucken. Wie Jesus zu Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ (Johannes 20, 29). Der Glaube will nicht angeguckt werden. Jesus will gehört werden. Dann ist alles wahr.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Ostern

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, daß der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1-8

Gebet: Herr, segne dein Wort an uns mit bleibender Kraft gegen alles, was uns bedrückt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Auf dem Friedhof will man kein Durcheinander. Unser Gesetz kennt den Straftatbestand der „Störung der Totenruhe“. Die Überreste der Verstorbenen sollen in Ruhe gelassen werden, und die Gefühle der Angehörigen, der Trauernden, sollen nicht verletzt werden.
Die heiligen Frauen mußten einen ganzen Sabbat lang warten.
Am Freitag war Jesus begraben worden.
Liebe Gemeinde eine kurze Zwischenbemerkung:
Normalerweise wurde ein Gekreuzigter nicht beerdigt. Normalerweise ließ man die Gekreuzigten hängen.
DOCH! Jesus starb an einem Freitag. Das Gesetz des Alten Testaments ließ es nicht zu, daß Leichen über den Sabbat öffentlich hingen. Deshalb mußte er abgenommen werden.
In Psalm 16 betet der Heilige Geist: Gott, du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. Die Apostel zitieren diesen Psalm und erkennen darin diese Fügung, daß Jesus anders als alle Gekreuzigten, tatsächlich in ein Grab gelegt wurde.
Und: Ein wohlhabender Verehrer, Joseph und Arimathäa, stellt sein eigenes Grab zur Verfügung. Und noch weiter: Die Hohenpriester und Pharisäer erbaten sich eine Soldatenwache von Pilatus, das Grab zu bewachen. Als Jesus ins Grab gelegt wurde, saßen Frauen da, die sich alles genau anschauten, und merkten. Da liegt unser Herr Jesus. Genau da. Sie sahen auch, wie der schwere Stein vor des Grabes Tür gewälzt wurde. Dieser Stein wurde dann von den Pharisäern versiegelt.
Jesus sagte selbst, daß der Menschensohn „mitten in der Erde“ sein würde. (Matthäus 12, 40).
Dieser Tote sollte in seiner Ruhe nicht gestört werden.
Die Frauen wollten in aller Ruhe dem geliebten Herrn eine letzte Ehre erweisen. Einmal noch zeigen, was er ihnen bedeutet hatte. Abschließen. Von dieser Absicht waren sie erfüllt. Es war ein schwerer Gang, aber er mußte sein. Ein ruhiger Morgen in Trauer. Das Gewicht der Liebe, die schwere Seite der Liebe mußte zu ihrem Recht kommen.
So! Genug vom Tod, von Trauer, vom Grab!

Aber, was für ein Durcheinander! Was ist mit dem Stein? Daran hatten sie nicht gedacht! Ob sie überhaupt daran dachten, daß sie ja auch die Soldaten dort antreffen würden? Darüber erfahren wir nichts.
Aber der Stein! Mehrere Männer hatten ihn mit gemeinsamer Kraft vor der Grabes Tür gewälzt. Und jetzt?
Bei dieser Frage waren sie noch einmal ganz bei sich selbst: „Wie töricht, wie unüberlegt von uns!“ Man kann sich sogar vorstellen, daß sie bei sich gedacht haben: „Ach wir Frauen! Die Jünger schließen sich ein aus Furcht, wir gehen zum Grab, und dann übersehen wir das Hauptproblem!“
Eine Sorge, die jeder verstehen kann. Man kann für einen Moment den Kopf schütteln.
Aber dann wird diese verständliche Sorge auf einmal ganz klein: „Sie sahen hin, und wurden gewahr, das der Stein weggewälzt war, denn er war sehr groß.“ Die Sprache deutet an, daß der Stein also nicht nur ordentlich beiseite gerollt wurde, sondern wahrscheinlich umgeworfen war – auf jeden Fall nicht so, daß er einfach wieder zurückgerollt werden konnte. Da war eine andere Kraft im Spiel gewesen!
So. Jetzt denken wir mal nach.
Die Frauen suchen den Gekreuzigten da, wo jeder Mensch ihn suchen würde, da, wo er begraben wurde.
Der Stein wäre zwischen ihnen und dem Toten.
Ein schwerer Stein, den sie nicht bewegen können.
Ein Problem, eine Sorge.
Aber nun ist der große Stein gewaltsam umgeschmissen, mit Wucht von des Grabes Tür geworfen worden.
Jetzt ist die Ruhe dahin!
Und dann wird ihnen auch noch von einem Engel klargemacht: Er ist nicht hier! – Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
Jetzt stehen sie da mit ihren wohlriechenden Ölen – wohin damit? Sie stehen da mit ihrer Trauer – wohin damit? Sie stehen da mit allem, was sie im Angesicht des Todes in der Hand haben, und – wohin damit?
Liebe Gemeinde! – Ich möchte das mal etwas übertragen. Wir Menschen kennen auch eine Grabesruhe der Hoffnung. Wir finden uns damit ab, daß unser Leben seine Grenzen hat. Wir finden uns damit ab, daß es sich nicht mehr lohnt, auf Freude zu hoffen. Unter dem Schatten des Todes können wir oft nur noch ein paar wenige schöne Erinnerungen salben. Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Ja, es gibt diese Resignation: ich muß mich damit abfinden. Es wird keine Freude mehr geben.
Diese Resignation wird mit dem Stein abgebildet: Es ist, wie es ist. Es hilft nicht zu klagen!
Man richtet sich ein. Man leistet sich keine Erwartungen mehr.
Es kann soweit kommen, daß man nicht mehr an Hoffnungen erinnert werden will, weil es weh tut.
Das ist ein schwerer Stein. Aber es ist wenigstens Ruhe. Man weiß wo man dran ist.
Aber Ostern stört diese Ruhe.
Gott will das nicht. Er will nicht, daß wir den Tod als etwas Natürliches hinnehmen. Er will, daß das Leben uns erfüllt und die einzige Wirklichkeit ist.
Zu Ostern gehört auch dieser Schrecken: Der Stein ist weggewälzt! Das heißt: Die Türen sind nicht alle zu! Nein, sie sind es nicht!
Die armen Frauen! Eben war der Stein die größte Sorge – und dann ist da noch eine größere Sorge: Der Stein ist weg!
Eben noch waren sie erfüllt von der Trauer.
Aber jetzt? Was kommt danach?
Es ist kein Wunder, daß sie Zittern, und entsetzt sind, und verstummen von Schreck.
Sie fassen zusammen, was die Sünde aus uns macht. Die Sünde produziert Tod. Die Sünde versucht, sich mit dem Tod abzufinden. Irgendwie. Die Sünde pflegt eine Grabesruhe. Ich verdiene keine Freude, ich verdiene keine Liebe, ich verdiene keine Hoffnung. Diese Resignation wird mit wohlriechenden Ölen gesalbt. Aber sie bleibt.
Das gibt es. Menschen kommen soweit.
Und wehren sich mit Händen und Füßen, wenn das Evangelium sie ruft.
Dann zeigen sie auf den großen Stein: Die Tür ist doch zu.

Nein. Nein. Nein.
Nach Ostern können wir das nicht mehr sagen.
Die armen Frauen gehen los. Wie werden sie es den Jüngern sagen? Werden die Jünger ihnen überhaupt glauben?
Der Engel sagt: „Sagt es den Jüngern UND PETRUS“ Petrus, der bitterlich geweint hatte, nachdem er so abgründig von sich selbst so enttäuscht war. Den Herrn verleugnet.
Aber der Frauen sind los gegangen. Mit Schrecken und Ratlosigkeit. Aber sie haben es getan. Sie haben es den Jüngern gesagt. Die glaubten erstmal nichts.
Bis sie selber hingingen.
Wir Christen müssen Ostern bezeugen. Manchmal hat man das Gefühl, wir wollen den Stein lieber irgendwie zurückrollen, damit wir lieber trauern, als hoffen. Aber wir haben den Auftrag, zu sagen: Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Auch mit Furcht und Zittern. Aber der Stein ist weg. Er ist weg.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Meister von Hohenfurth: Die Auferstehung Christi

um 1350, Leinwand auf Holz, 95 × 85,5 cm
Prag, Národni Galerie
Kommentar: Gemälde zur Serie der neun Tafelbilder zum Leben Christi gehörig, urspr. für das Zistersienser Kloster Vyssi Brod
Land: Tschechien (Böhmen)
Stil: Gotik
[Meister von Hohenfurth. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 8001 (c) 2005 The Yorck Project]

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