Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

Gnade sei mit euch und Friede,
von dem der da ist, und der da war, und der da kommt,
und von Jesus Christus,
welcher ist der treue Zeuge,
der Erstgeborene von den Toten
und ein Fürst über die Könige auf Erden.
Amen.

1 Jesus  sagte seinen Jüngern  aber ein Gleichnis darüber, daß sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten,
2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.
3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!
4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
5 will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag
und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.
Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

Lukas 18, 1-8

Gebet: HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Schon wieder das Gebet! Jesus kennt uns gut genug. Der Glaube atmet im Gebet, und wir halten zuviel die Luft an. Das ist nicht die Idee. Wir sollen allezeit beten und nicht nachlassen.

Allezeit? Jederzeit? Das ist eine dumme Frage, die Gründe sucht, nicht zu beten. Wir haben aber keinen Grund, nicht zu beten.

Wer einmal betet, und dem Gebet einen festen Platz in seinem Leben macht, und bei jeder Gelegenheit betet – der läßt diese Frage hinter sich.

In unserem Gleichnis lassen zwei Personen auch etwas hinter sich. Beiden ist etwas egal.

Erstens die Witwe:

Da muß man biblisch denken.

In der Bibel hat jeder Mann die heilige Aufgabe, für die Frau da zu sein, die Gott ihm zuordnet.

Ein Vater für seine Tochter, ein Bruder für seine Schwester, ein Sohn für seine Mutter, und, vor allem: Ein Ehemann für seine Ehefrau.

Wenn eine Witwe als Frau für ihre eigene Sache vor einem Richter kämpfen muß, dann ist das extrem. Nicht nur ihr Mann ist gestorben, sondern es ist auch kein Bruder und kein Sohn in Sicht. Das ist ein schlimmes Schicksal, das man keiner Frau wünscht.

Ob die heutigen Zeiten besser sind? Wir sollen es glauben. Können wir beweisen, daß heute mehr Liebe ist, als vor 2000 Jahren? Werden Männer ihre von Gott gegebene Aufgabe, für Mutter, Tochter, Schwester und Frau dazusein besser gerecht werden, wenn kein Gesetz mehr sie dazu ruft?

Das Gesetz des Mose und die Propheten sind voll davon. Israels Männer werden fortwährend zur Umkehr gerufen:

„Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen, daß ich euch mit dem Schwert töte und eure Frauen zu Witwen und eure Kinder zu Waisen werden.“ – 2. Mose 22, 21-23.

Ernste Worte. Es sind Gottes Worte.

Das aber nur nebenbei!

Die Witwe ist in einer verzweifelten Situation. Wenn Sie nicht hingeht und um ihr Recht kämpft, dann wird das buchstäblich niemand tun. Wenn sie aufgibt, dann hat sie verloren.

Sie muß alle Schüchternheit hinter sich lassen, wenn sie zu diesem Richter geht. Alle Bequemlichkeit. Sie würde sicher lieber etwas zuhause tun, oder sich mit Freundinnen treffen. Aber nein!  Auf zu diesem widerwärtigen Richter. Wenn sie leben will, muß sie die Furcht vor Ablehnung hinter sich lassen. Sie muß bereit sein, durchzuhalten, wenn der Richter sie fühlen läßt, wie machtlos sie ist. Dieser scheußliche Richter wird ihr jedes Mal unter die Nase reiben, daß alles gegen sie spricht, daß sie ein Niemand ist. Doch die Witwe macht sich dieses Urteil des bösen Richters nicht zu eigen.

Liebe Gemeinde! Die Hörer zur Zeit Jesu werden diese Witwe bewundert haben. Sie wächst über sich hinaus.

Wie leicht lassen wir uns von dem Urteil von Menschen beeindrucken, die es offensichtlich nicht gut meinen!  Wie leicht fürchten wir uns vor Ablehnung durch Menschen, die offen zeigen, daß sie das Gute verachten! Da schweigen wir lieber. Wir geben nach. Diese Witwe tut das nicht. Sie beschämt uns alle.

Und jetzt der Richter. Uns wird gesagt, daß er ein schlechter Mensch ist. Ihm ist alles egal. Er fürchtet sich nicht vor Gott und scheut keinen Menschen. Ein Spötter, ein Verächter, ein Zyniker. Seine Stellung als Richter nahm er nicht von Gott an, als einen Beruf, Gott und dem Nächsten zu dienen. Für ihn war seine Stellung eine Gelegenheit, Macht auszuüben, Menschen zu demütigen, und sich selbst zu bereichern. Ein Ekel von Mensch. Er erkennt keine Instanz über sich an, und wer unter ihm ist, der ist nichts.

Wir sind schnell, solche Menschen zu verurteilen. Wir sind schnell der festen Überzeugung: So bin ich nicht. Mir fallen aber Menschen ein, die so sind. Doch läßt du dir etwas sagen? Erkennst du an, daß jemand dir etwas zu sagen hat? Überwindest du deine Trägheit, um für Schwächere da zu sein? Bei Gott kommt ja nicht nur an, was du von dir selber hältst, sondern wie andere dich erleben! Kommt bei Gott mehr Dank an, weil es dich gibt, oder mehr Klage?

Dieser Richter. Er will einfach nicht. „Er wollte lange nicht.“ Es war nur sein Wille, sonst nichts. Doch ein Wille ohne Recht  – das ist kein guter Wille, auch wenn er stärker ist, und sich durchsetzt. Das Recht ist ja gerade dazu da, daß nicht Macht Recht hat!

Hier eine Witwe  –  dort dieser Richter.

Und dazwischen? Scheinbar nichts, sie haben nichts gemeinsam.

Wenn Gott nichts tun würde, wenn Gott uns Menschen uns selbst überlassen würde, dann wäre das unsere Welt. Ganz einfach.

Doch Jesus hält uns nicht nur diese hoffnungslose traurige Situation vor Augen.

Sondern er prägt uns für alle Zeiten ein:
Zwischen Witwe und Richter ist doch etwas: Die Bitte. Die Bitte, die sich auf Gottes Willen gründet. Denn es ist Gottes Wille, daß den Witwen auch Recht geschieht.

Und jetzt werden die Hörer Jesu auch gestaunt haben – ja, Jesus bricht selbst in Staunen aus. Der Richter gibt irgendwann nach.

Das sind seine Gedanken: „Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.“  Es könnte peinlich werden für den Richter.  – Er will nicht ins Gesicht geschlagen werden.  Wer weiß, ob die Witwe das wirklich getan hätte?  Das wäre ein peinlicher Skandal für den Richter geworden. So will er nicht dastehen!  Und er läßt seine Härte hinter sich. Die Witwe wird hart, und der Richter wird weich. Das tut die Bitte der Witwe. Die Bitte macht sie stark und den Richter schwach. 

Das prägt Jesus uns allen ein.

Dazu zwei Gedanken über den Richter:

1. Er ist beeindruckt von der Beharrlichkeit dieser schwachen unbedeutenden Frau. Er ist treulos. Sie ist treu. Das versteht er nicht. Daß jemand das Recht so hoch hält, das ist dem Bösen unheimlich und unbegreiflich. Er kann es nicht erklären. Mit seinem Denken hätte er als Witwe schon längst aufgegeben. Doch die Witwe glaubt nicht an das Recht des Stärkeren, sondern an das Recht selbst. Das ist eine Macht.

2. Böse sein ist noch anstrengender, als beharrlich bitten. Böse sein ist anstrengend. Weil aber alle Kraft von Gott kommt, muß das Böse irgendwann müde werden. Die Offenbarung des Johannes sagt uns: Der Teufel, der hinter allem Bösen steckt, ist schon gestürzt. Er tobt, weil er sich selbst noch beweisen will, daß er überhaupt existiert. Aber „er weiß, daß er wenig Zeit hat.“ (Offenbarung 12, 12).

Zurück zum Gebet. Im Gebet ist unsere Zukunft mit Gott.

Wer an Jesus glaubt in dieser Welt, der könnte sich vorkommen, wie die Witwe. Sie wird in Frage gestellt, sie wird bedrängt, sie wird verstoßen. Wenn wir uns nur überlegen, wie machtlos Gottes Gebote in der Welt sind, und wie sehr wir Teil dieser Welt sind, die Gott vergessen hat. Wenn Menschen sich über Gottes Gebote hinwegsetzen, sind sie oft besonders stolz. Und wir glauben es ihnen, daß sie sich stark, sicher und im Recht fühlen. Der Unglaube breitet sich aus. Was können wir schon machen?

Jesus sagt: Denkt ihr, Gott ist so, wie dieser scheußliche Richter?

Denkt ihr wirklich, daß Gott sich nicht bitten läßt?

Nein.

„Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen?“

Unser Gebet macht das Böse müde. Das ist, was Jesus sagt.

Der Teufel, die Welt, aber auch unser egoistische alte Adam kann das Gebet nicht erklären oder begreifen. Am Ende wird das Gebet stärker sein. 

Das Gebet zeigt – daß wir nicht nur das sind, was die Welt aus uns machen will.

Das Gebet ist eine Frucht aus Gottes Zukunft schon jetzt.

So sind alle Glaubensfrüchte. Sie lassen uns erleben, daß Gott in uns aktiv ist.

 Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

EWIGKEITSSONNTAG

Gnade sei mit euch und Friede,
von dem, der da ist, und  der da war,
und der da kommt,
und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge,
und der Erstgeborene von den Toten,
und ein Fürst über die Könige auf Erden.
Amen.

28 An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.
29 Ebenso auch: wenn ihr seht, daß dies geschieht, so wißt, daß er nahe vor der Tür ist.
30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.
32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.
34 Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:
35 so wacht nun; denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,
36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.
37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Markus 13, 28-37

O lieber Herre Gott, wecke uns auf, daß wir bereit seien, wenn dein Sohn kommt, ihm mit Freuden zu begegnen und mit ungeteilten Herzen zu  dienen. Tu das selbst in uns durch dein Wort, Jesus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Jesus hat an alles für uns gedacht.

An alles.

Er hat seine Worte so gewählt und gegeben, daß sie uns nicht verlassen werden.  Wir sollen sie nicht aus dem Sinn lassen: Das ist Wachen.

Morgens weckt uns eine Stimme aus dem Schlaf. Die Stimme ist Teil des Tages, des Lichtes, der Wirklichkeit. Die Stimme ruft uns aus dem Schlaf in die Wirklichkeit; aus der Finsternis ins Licht, aus der Nacht in den Tag.

Jesus hat diese Stimme, die aus dem Tod ins Leben ruft. Aus dem Zweifel in die Klarheit, weg von der Sünde zu Gottes Gerechtigkeit, aus dem Gefängnis in die Freiheit, aus der Trauer in die Freude. Alles das ist Wachen.

Wer wach ist, gehört zum Tag. Wer wach ist, hat Zukunft.

Jesus sagt, daß seine Worte nicht vergehen werden. Das heißt, sie hören nicht auf zu sprechen. Seine Worte sind Worte, die immer den Sprecher bei sich haben, also immer so, wie gerade eben ausgesprochen sind. Wer eine Stimme hört, der wird geweckt, und merkt: Da ist jemand; jemand, der mit mir spricht.

Wer den Sohn Gottes hört, der wird auferweckt, und erlebt: Hier ist Gott, der schon lange auf mich wartet, und bei dem ich am Ende ankommen werde.

Jesus weckt uns, und zeigt uns etwas, was zum Tag gehört, und kein Traum ist.

Er sagt:

„An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.“ 

Ein Feigenbaum mit dürren Zweigen. Scheinbar ohne Leben.

Doch es schimmert hier und da hellgrün durch die grauschwarze Rinde. Da kommt etwas. Es sind Knospen. Im Verborgenen sind schon Blätter da, sie werden durchkommen und wachsen.

Der Sommer kommt. Egal, wie wenig Grün da ist. Der Sommer kommt. Wer das Grün einmal gesehen hat, ist wach für den Sommer.

Was sollen wir nun daran lernen?

„Ebenso auch: wenn ihr seht, daß dies geschieht, so wißt, daß er nahe vor der Tür ist.“  Was sind also die Knospen, und was ist der Sommer „in echt“, im wachen Leben?

Die Knospen sind erschreckend.

Jesus spricht von der Zerstörung des Tempels. Ein Triumph der Feinde Gottes.

Jesus spricht von Verführung  – viele werden sagen: „Ich bin Christus!“   Mit dem Anspruch: „Ihr müßt mir jetzt zuhören! Ich sage euch, was sich jetzt ändern muß! Ihr müßt mir vertrauen, ihr wißt noch gar nichts! Ich zeige euch, wo ihr das sinnvolle, erfüllte, sorgenfreie, sichere, gesunde Leben bekommt.“ Das ist Christus-Sprache. Die Seele reagiert darauf. Die einen glauben, die anderen nicht. Man schüttelt den Kopf über einander. Wer hat recht?  – Aber man ist einander fremd geworden.

Große Verunsicherung, unerträglich. Das sollen Knospen sein? Ein grüner Schimmer?

Jesus sagt auch: Menschen werden einander nicht nur fremd, sondern verklagen und beschuldigen einander: Du bist schuld daran, daß alles schiefgeht! und in der Öffentlichkeit gibt es dann Verurteilungen, so daß alle vorsichtig werden: Das darf mir nicht passieren!  Christen werden vorsichtig und ängstlich.  Nur nicht auffallen!  –

Krieg und Geschrei von Kriegen  ….

Jesus spricht davon, und dann sagt: Das sind Zeichen. Sie haben ihren Sinn nicht in sich selbst. Sie zeigen auf etwas, was sie nicht selber sind. Zeichen dienen einer größeren Wirklichkeit.

Liebe Gemeinde. Was hören wir von unserem HERRN, heute am Ewigkeitssonntag?

Er sagt uns: Das ganze bedrohliche Durcheinander, die Verwirrung, das was uns Angst macht: Das alles muß mir dienen. Ich ernenne es zu einem Zeichen, daß auf mich zeigt. Es muß für mich sprechen und gegen die Welt. Es wird mir Recht geben müssen. Es wird alles am Ende sagen müssen: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.

Das soll durch den Glauben in unser Leben ankommen.

Wenn etwas Jesus dienen muß, dann muß es auch Seinem Wort dienen.

Das bedeutet: Diese Zeichen und Knospen, die ja an sich schrecklich und überwältigend sind, können nicht machen, daß Jesus auch nur ein Wort zurücknimmt. Gegen ihren Willen sollen sie bezeugen, daß der Sohn Gottes Recht hat.

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“  Wenn Himmel und Erde vergehen, werden die Worte deutlicher, und der Sprecher der Worte klarer und herrlicher.

„Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ 

Damit sagt Jesus nicht: Die jetzige Generation, vom Jahre 30, wird das Ende der Welt erleben. Alle, die Jesus hören, macht er zu einer Generation. Es gibt keine Generation nach Jesus.

Mit diesem Geschlecht meint er aber auch seine Gegner. Die ihn canceln wollten. Es gehört zur Majestät Jesu, daß er zu allen Zeiten Gegner haben wird, die sich stolz auf bauen, und die er in die Verzweiflung uns Selbstzerstörung treiben wird.

Jesus erwartet von uns, daß wir von seinen Feinden ganz und gar nicht beeindruckt sind.

Das müssen und sollen wir glauben. Er hat an uns gedacht, als er das sagte.

Diese Worte sind unsere Arche gegen die Sintflut. 

„Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Seht euch vor, wachet! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.“

Wenn die Arche da ist, und du durch den Glauben in der Arche bist, dann ist Zeit nicht mehr erste Priorität.

Der Sohn Gottes hat aus Gehorsam bewußt darauf verzichtet, den Tag und die Stunde des Weltendes zu wissen.

Den Moment, wo wir das Datum hätten, würde der Glaube aufhören. Du sollst nicht in einer Stunde bereit sein, oder in 100 Jahren. Du hast überhaupt nicht die Kraft, zu beschließen, in einer Stunde oder in 100 Jahren bereit zu sein.

Wer glaubt, ist jetzt ganz bereit. Wenn Jesus dich durch sein Wort geweckt hat, dann bist du bereit. Dann bist du in der Arche, du bist bereit. Da macht eine Stunde oder 100 Jahre keinen Unterschied mehr. Das einzige, was den Unterschied macht, ist Wachen, und Wachen heißt:  Jesus hören als den, der an alles gedacht hat, der uns zu Seiner Generation macht, und nach dem niemand und nichts wirklich Neues mehr kommt. Wie der in der Offenbarung zu Johannes sagt: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“ Wachen heißt: Dieses Durcheinander ist noch nicht das Ende. Auch wenn es sehr danach aussieht. Ich warte auf meinen Herrn und König.  

Darüber handelt Jesus wieder in einem Gleichnis:

„Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:

so wacht nun; denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,

damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.

Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!“

Der Türhüter soll wachen. Der HERR ist nicht sichtbar, aber er ist da. Weil er jederzeit wiederkommen kann, ist er nicht weg. Der Türhüter soll das wachhalten. Der Türhüter hält alle wach, wenn er die Worte des HERRN wiederholt. Sie so wiederholt, daß wahr bleibt: Diese Worte vergehen nicht, weil ihr Sprecher am Ende Recht behalten wird. Nach allem.

Das heißt: Die Mühseligen und Beladenen werden nicht vergeblich zu ihm kommen. Die ihm nachgefolgt sind und alles verlassen  haben, werden es hundertfach nehmen. Die im Leben an ihn geglaubt haben, werden leben, auch wenn sie sterben.

Das alles kann aber nur geglaubt werden, wenn es der Glaube im Hören geweckt wird.

Nicht alle sind Türhüter, aber alle sollen wachen.

Gerade in unseren Zeiten ist das Wachen im Wort und durch das Wort notwendig. Denn nur dann wird uns das Durcheinander unserer Zeit nicht überwältigen, daß wir an Gott zweifeln, aber auch nicht verführen, zu glauben, daß Gott in der Zeit zu finden ist.

Nur Jesus sagt uns, daß Krieg und Geschrei von Kriegen, daß Verwirrung und Verrat, offene Feindschaft gegen Gott und Seine Gebote  – das das Knospen sind, Zeichen,  die Seinem Wort dienen.

Das alles sieht nur, wer hört.

Die Welt sucht einen Sinn im Krieg, in Pandemien, im Zusammenbrechen von Ehe und Familie.

Jesus sagt uns: Hör mir einfach zu. Nach alledem komme ich.

Der Sinn von alledem ist, daß meine Worte wahr bleiben, und wer wacht, der erlebt es.

Der Friede, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

20. nachSonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott, dem Vater
und von dem HERRN Jesus Christus
sei mit euch.
Amen.

6 Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN,
7 sodaß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen.

Hoheslied Salomo 8, 6-7

Gebet: HERR, Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.

Liebe Gemeinde!
Manchmal muß man erst schlucken.
Zum Beispiel, wenn man etwas sehr Persönliches gehört hat, gleichviel, ob es einen selbst betrifft, oder nicht.
Worte, die die ganze Person meinen oder erfassen.
Worte zwischen Eltern und Kindern – die sind so sehr für einander gedacht und gemeint. Wenn ich sie aus Versehen höre, fühle ich eine Scheu, wie vor etwas, was heilig ist.
Ähnlich, und erst recht ist es bei Worten zwischen Liebenden. Diese Worte sind ganz und gar an Personen und Situationen gebunden, und als Außenstehender wäre man am liebsten weit weg. Denn man ist nicht gemeint, die Worte gehören einem nicht.
Ganz anders ist es, wenn man gemeint ist. Da öffnet sich der ganze Mensch für die Sprache, die MICH meint. In jedem Wort ist die Liebe, die Person und die Antwort drin.
Unser Predigttext spricht diese Sprache. Es ist die Sprache der Liebe.
Das Hohelied Salomos ist das geheimnisvollste Buch des Alten Testaments, wenn nicht der ganzen Bibel.
Eine Braut und ein Bräutigam sprechen, oder singen, und rufen, tauschen miteinander Worte der Liebe. Sehr intensiv, sehr poetisch, sehr persönlich.
Da kann Verlegenheit entstehen. Scheu. Geht uns das etwas an? Wie können wir gemeint sein?
In unserem Predigttext sind Worte der Braut für ihren Bräutigam. Ihre Sprache ist erfüllt, getragen und durchdrungen von der Liebe des Bräutigams, der sich ganz für sie entschieden hat. Mit großer Liebe, die nur sie meint, gehört er ihr mit allem, was er ist und hat. Die Braut erkennt, daß wirklich sie und niemand anderes gemeint ist, und nimmt diese Liebe an und aus diesem Geliebtwerden findet sie Worte, die antworten. Worte voller Freude, voller Ernst, voller Bejahung, voller Vertrauen – eben voller Liebe.
Diese Worte, die über 3000 Jahre alt sind, sprechen zu uns. Sie sprechen zu uns als Mann, und als Frau. Mag sein, daß es eine Verlegenheit ist, daß Gottes Wort diese glühende Sprache in sich hat. Gott will, daß diese Sprache nicht verstummt. Die Sprache zwischen Braut und Bräutigam. Eine Welt, die sich von dieser Sprache verabschiedet – sei es durch Spott, oder durch Stolz, oder aus Verzweiflung – eine solche Welt zeigt, daß Gott nicht mehr in ihr ist.
Der Prophet Jeremia sagt uns mehrfach: Wo Gott zürnt, wo Gott den Menschen sich selbst überläßt, da verstummt die Stimme des Bräutigams und der Braut. (Jeremia 7, 34) Nur Gott gibt diese Stimme, und Gott kann sie nehmen. Und wenn man sich umschaut, oder umhört, dann muß man sagen: Gott zürnt. Das große „Ja“ fürs Leben wird immer weniger gegeben und angenommen, es wird weniger gehalten, und vor allem: Das große „Ja“ wird immer weniger gefördert, weniger unterstützt, weniger geehrt, und weniger als Gottes himmlische und lebensnotwendige Gabe geehrt. Es wird mehr angezweifelt, für überflüssig gehalten.
Was kann man tun? Lassen wir diese wirklich intensiven Worte zu uns kommen und lassen wir sie sagen, was sie sagen. Sie kommen von Gott, sie sind wahr, und sie werden wahr bleiben, und nichts in uns, auch nichts aus unserer Zeit kann ihrer Bedeutung irgendwas wegnehmen.
Die Braut sagt zu ihrem Mann: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm.“ Ein Siegel sagt viel: Es ist persönlich, es ist bindend, es kennzeichnet, alle müssen es anerkennen. Ein Siegel ist eindeutig und exklusiv. Wenn eine Tür versiegelt ist, dann heißt das: Nur befugte, autorisierte Personen dürfen da durch. Ein Siegel zeigt: Wer das anrührt hat es mit mir zu tun.
Diese Worte sind eine Antwort der Braut auf die Liebe des Bräutigams. Sie ist so frei, das zu sagen, weil sie Gewißheit hat. Sie willigt in die Liebe ein, die ihr entgegenkommt. „Lege mich wie ein Siegel auf deinen Arm und auf dein Herz.“ Bekenne dich zu mir – vor Himmel und Erde, vor Vergangenheit und Zukunft, vor jedem Mann und vor jede Frau: Bekenne dich zu mir!
Diese Sprache kommt von Gott. Wo Gott ist, wo wir Menschen Gott wirklich Gott sein lassen, da kommt auch diese Sprache.
Der Arm steht für Kraft, für Willen für Gestaltung.
Das Herz steht für Gedanken und Gefühle, für die Seele.
Der Bräutigam und die Braut wollen nicht mehr sein ohne einander. Das ist das Siegel.
Und zu diesem Willen gehört, daß jeder es sehen, wissen, anerkennen und unterstützen muß. Wer Gott kennt, der erkennt, daß Gott selbst dort am Werk ist, und daß nur ein Feind Gottes dareintappt.
Die Braut spricht weiter: „Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.“ Das sind Worte, da muß man schlucken, nicht wahr? Liebe und Tod in einem Satz. Natürlich denkt man an das Eheversprechen: „Bis daß der Tod euch scheide.“ Die Liebe fordert das ganze Leben und gibt das ganze Leben. Stark, wie der Tod. Unheimlich. Größer als ich, mit einem eigenen Gesetz. Die Liebe läßt mich erfahren: Ich gehöre mir nicht selbst. Mein Körper, mein Herz, meine Seele wird einer Macht unterworfen. Augen, Ohren, Gedanken, Leib und Seele werden mobilisiert, Leidenschaft ergreift den Menschen, erfüllt von einem andern, der einmalig ist, und den andern meint.

Liebe Gemeinde. Da ist der Punkt erreicht, wo du sagst: Paßt es jetzt, daß ich das höre?
Es gibt viele Gründe, bei diesen Worten lieber ganz unauffällig davonzuschleichen.

  1. Du schleichst davon, weil du anerkennst, das sind exklusive Worte, die nur in diese spezielle Zweisamkeit gehören. Sie meinen dich nicht, und deshalb kann paßt es einfach nicht, die Worte auf sich zu beziehen. Diskretion. Es ist gut, wenn wir das üben. Neugier hält niemals, was sie verspricht. Es gibt kein Wissen ohne Verantwortung. Neugier leugnet das, und wird verlieren.
  2. Du schleichst davon, weil diese Worte dich daran erinnern, daß du vor Gott ein Bräutigam oder eine Braut sein sollst. Daß dein Leib und deine Seele nicht dir selbst gehören, sondern mobilisiert werden sollen, ganz außer sich, bei einem anderen Menschen zu sein. Und du hast Zweifel daran, ob du das schaffst. Lieber nicht daran erinnert werden. Zweifel.
  3. Du schleichst davon, weil diese Worte dich anklagen. Mißtrauen oder sogar Verachtung gegen das andere Geschlecht. Scheitern. Schuld. Bitterkeit. Erinnerung daran, daß du nicht alles gegeben hast. Daß Du nicht ganz bei einem Menschen gewesen bist. Oder, daß du nicht verzeihen kannst.
    Das ist schwer und kann auf der Seele brennen.
    Oder diese Sprache erinnert dich daran, daß du aufgegeben hast.
    Liebe Gemeinde! Man hört diese Sprache, und muß schlucken.
    Es ist Sprache, die Gott gibt und Gott will.
    Wer zu Gott kommt, der kommt an dieser Sprache nicht vorbei. Er wird sie hören. Sie wird sie hören.
    Diese Sprache macht ganz deutlich: Der Gott der Bibel ist der Gott von männlich und weiblich. Gottes Sprache ist eine Sprache die JA sagt zum Mann, JA zur Frau und JA zu dem Ja vpn einem Mann und einer Frau zueinander. Ohne männlich und weiblich kann Gottes Sprache nicht verstanden werden und verliert ihren Sinn und ihre Bedeutung.
    Sie erinnert uns an das Paradies, und daß wir nicht mehr im Paradies sind. Das hält kein Mensch aus: An das Paradies erinnert werden, und zugleich schmerzlich spüren: Wir sind da raus.
    Doch das ist nicht das Ziel dieser Sprache. Uns zeigen, daß wir es nicht schaffen, und dann damit allein lassen. So ist Gott nicht.
    Es ist Gottes Zorn, daß die Sprache des Bräutigams und der Braut so angegriffen, attackiert, so geschwächt und so in Frage gestellt ist. Gott ändert sich nicht. Gottes Antwort ist nicht: Dann lassen wir es eben mit Bräutigam und Braut. Dann gucken wir mal, ob etwas anderes vielleicht besser funktioniert. Nein. Mann und Frau, und die Liebe zwischen ihnen ist göttlich. Sie ist nicht einer Entwicklung oder einem so genannten Fortschritt unterworfen. Sie ist nur näher an Gott, oder weiter weg von Gott, oder ohne Gott.
    Gottes Antwort sieht anders aus.
    Der Prophet Jeremia sagt: Wenn Gott aufhört, zu zürnen, und Seine Gnade und Seinen Segen wieder schenkt, dann kommt diese Sprache zurück. (Jeremia 33,11). Aber wann ? Aber wie? Aber wo?
    Wann wie und wo heilt Gott Mann und Frau, daß sie diese Liebessprache nicht nur ertragen können, sondern hören und wissen, daß sie gemeint sind? Nicht nur aushalten sondern sogar mitsprechen können? Wir sind dazu geschaffen, wir sind so geschaffen, daß das unsere Sprache werden soll. Die Worte warten auf dich und auf mich!
    Aber wie, aber wann, aber wo?
    Im Neuen Testament haben wir Johannes den Täufer. Er sagt, wer Jesus ist: Er ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Jesus ist Gotts Sohn.
    Und noch etwas: Als Jesus die Kirche anfängt, durch die Taufe, gehen Leute und sagen zu Johannes dem Täufer: „Meister, der, der bei dir war jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis ablegtest – Er tauft (durch seine Jünger) und jedermann kommt zu ihm.
    Johannes antwortet und sprach: „Ein Mensch kann nichts nehmen, außer, es wird ihm vom Himmel gegeben. … Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund aber des Bräutigams steht und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist jetzt erfüllt.“ (Johannes 3, 26-30). Johannes sagt, wer Jesus ist: Er ist DER Bräutigam. Und die Kirche, die durch den Glauben an ihn sich sammelt, ist seine Braut. So rettet Gott diese Sprache, daß sie niemals mehr verstummen soll. Auch nicht aufgelöst werden soll, verdünnt werden soll, sondern daß die Liebe stark bleiben soll, wie der Tod, und unwiderstehlich wie das Totenreich und brennen soll ohne gelöscht zu werden. Gott wird selber Bräutigam, damit diese Liebe bei uns ist und uns erreicht.
    Der Apostel Paulus bestätigt das voll und ganz. Als er von Mann und Frau in der Ehe lehrt, schreibt er: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen.
    Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.“ (Epheser 5, 25-26. 32-33). Jesus hat alles getan, um seine Gemeinde zu gewinnen. Die Kirche ist die Braut Jesu Christi. Er hat sich selbst für sie dahin gegeben – seinen ganzen Leib, und seine ganze Seele für seine Braut mobilisiert und eingesetzt.
    Und er hat das Wort erfüllt: Liebe ist stark wie der Tod. Denn er ist aus Liebe gestorben. Er hat sich aus Liebe geopfert.
    Da hat Gott die Sprache zwischen Braut und Bräutigam gerettet für alle Zeit. Hier bekommt jeder Mensch die Liebe, die er braucht und nötig hat. Das wird sich nicht ändern. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, die uns Gottes Zukunft zeigt, sagt uns ganz am Ende, im letzten Kapitel: „Der Heilige Geist und die Braut – also die Kirche – sprechen zu Jesus, die Bräutigam: Komm! Und wer es höret – das sind wir, jeder mit seinen Grenzen – der spreche mit: Komm, Herr Jesu, als Bringer der Liebe! – Und, so hören wir direkt danach: Und wen dürstet nach Liebe, der komme und nehme das Wasser des Lebens umsonst, geschenkt.“ (Offenbarung 22,17).
    Der Glaube spricht diese Worte nach: Jesus, Du Sohn Gottes. Du bist vom Himmel gekommen, bist Mensch geworden, und hast das Verlorene gesucht. Die Liebe hat dich zu uns, zu mir getrieben, damit auch ich große Liebe erfahre. Lege mich wie ein Siegel auf deinen Arm und dein Herz. Laß mich erfahren, daß Du wirklich mich meinst.
    Das ist das Ende der Verlegenheit. Hier sollen wir dazukommen und nicht heimlich davonschleichen.
    Der Heilige Geist ist der Geist dieser Worte. Er tut nichts anderes, als uns zu zeigen, wie Jesus die Sprache der Liebe rettet, erneuert, und zu uns bringt.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

19. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, daß er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, so daß sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, daß sie so bei
sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
10 Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodaß sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Markus 2, 1-12

Gebet: HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen

Liebe Gemeinde!
Wer zu Jesus gehört, der gehört zu denen, „die sich entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.“ – Was haben sie noch nie gesehen? Daß ein Gelähmter auf Befehl Jesu aufsteht, sein Bett nimmt und vor aller Augen hinausgeht. – Es gibt ein Loblied im Reich Gottes, das immer zu hören ist. Der Lobpreis Gottes ist immer auch ein Teil von Gottes Wundern. Wo Jesus heilt und vergibt, Gebete erhört, da schallt der Gesang der Kinder Gottes. Er ist schon da – und wer zu Jesus kommt, der kommt in diesen Bereich, in dem Vergebung und Heilung bestaunt und besungen wird. Es geht in jedem christlichen Lied immer um diese Taten, die Jesus getan hat. Was Er getan hat, vergeht nicht, darum verstummt dieses Loblied niemals. – Wir singen heute ein solches Lied: „Ich singe dir mit Herz und Mund“. Es bezieht sich auf den Gott, der uns im Evangelium begegnet. Das bedeutet unbedingt: Das Staunen, die überraschte Freude und der Lobpreis aus Markus 2 ist dadrin. Wir singen unser Lied mit den vier Freunden, die den Gelähmten zu Jesus getragen haben.
Die Vorstellung ist: Das Lied ist schon da, es holt uns ein und wir stimmen mit ein.
Nach einer Intrade singen Lied 581, 1-2:

  1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt.
  2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
    Jedes Wort in diesem Lied ist dazu geeignet aus uns das zu machen, was wir immer schon sind, und leider immer schon wieder vergessen: Gottes Geschöpf. Wer damit Ernst macht, daß er sich nicht selbst gemacht hat, wer darauf verzichtet, irgendwie Gott zu spielen, der hat alles. Warum, weil er einen Schöpfer hat.
    Darum können wir uns mit Recht fragen: Was sind wir doch? Das wird der arme hilflose Gelähmte sich auch gefragt haben: Was bin ich schon? Doch durch den Glauben bin ich nicht nur Geschöpf, sondern Kind Gottes. Das macht Gott zu einem Geber für mich, einen Vater.
    Nach einem Ostinato zu dem Text „auf dieser ganzen Erd“ singt die Gemeinde – mit Herz und Mund! – Lied 581, 3:
  3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?
    Wenn der Heilige Geist das in dir geweckt hat, daß Gott der Geber ist, der Vater, daß Gottes Liebe alles zusammenhält und das Leben jetzt ermöglicht und schützt. Gerade dein Leben! Dann lernst du neu schauen und gucken. Der Himmel sieht dann wirklich anders aus. Das Wetter ist kein stummes Schicksal. Und die Früchte der Erde, von denen wir jede Stunde leben, werden zum Zeichen einer Liebe vom Himmel. Ja, gerade in unseren Zeiten wollen wir von ganzem Herzen bekennen: Von Gott kommt Wärme bei Kälte und Frost!
    Die Posaunen spielen über das schöne Himmelszelt, und dann singt die Gemeinde – immer noch aus Freude über das Wunder aus dem Evangelium! – 581, 4+5:
  4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt?
  5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Öl und Most zu seinen Zeiten findt?
    Es geht nicht nur um unser leibliches Leben. Es geht auch um unser Zusammenleben. Wir als Geschöpfe können die Umstände und Bedingungen nicht machen, schaffen, oder garantieren, in denen wir mit Leib und Seele leben können. Umstände, in denen Vertrauen sich lohnt; in denen Arbeit sich lohnt; in denen Ehrlichkeit sich lohnt. Diesen Frieden in unserem Vaterland muß Gott geben. Er allein kann ihn geben. Haben wir Gott dafür gedankt? – und: Bevor wir auf die Mächtigen schimpfen – was überhaupt nichts bringt! – laßt uns jetzt zum Himmel über uns Kontakt aufnehmen und andocken an die wirkliche Quelle des wirklichen Friedens!
    Nach einer Fuge über „Fried in unserem Vaterland“ singen wir 581, 6-9:
  6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?
  7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und läßt uns sicher ruhn.
  8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.
  9. Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.
    Der arme Gelähmte wurde geheilt. Jesus hat als Sohn Gottes, als wahrer leibhaftiger Gott seinen Leib in Ordnung gebracht. Doch Jesus bringt vor allem eins: Eine Chance für Sünder. Wir haben es eben gesungen: „Du strafst uns Sünder mit Geduld – und wirfst die Schuld weg.“ Vergebung ist noch viel wichtiger als alles, was wir bis jetzt besungen haben. Alles hängt davon ab, daß Gott sich entscheidet: Du sollst nicht verloren gehen, die Schuld von dir und anderen soll dich nicht zerstören oder einschließen und vom Leben abschneiden. Nein, in Gottes Namen nein! – Manchmal hat ein Mensch alles, oder doch genug. Aber der Friede mit Gott fehlt. Das arme Herz seufzt und schreit. Es weint. Manchmal ohne Worte im Verborgenen, weil es überhaupt nicht glauben kann, daß es gehört wird. Doch wo Jesus, der Sohn Gottes ist, da darf das Herz ans Licht kommen. Es wird nicht platt getreten oder verjagt oder lächerlich gemacht werden. Nein nein! Im Himmel bei Gott werden die Tränen gezählt. Und: Der Trost ist größer und sicherer als der Mangel. Das steht bei Gott fest.
    Nach einer Klage über die seufzenden und schreienden Herzen singt die Gemeinde mit Herz und Mund 581, 10-12:
  10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht, und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.
  11. Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
  12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
    Wer ein Geschöpf ist, hat den Schöpfer, wer den Schöpfer hat, der hat den größten Geber. Er gibt uns das, was bleibt und nicht vergeht. Das fängt mit der Vergebung an. Denn wenn wir keine Vergebung haben, dann wird am Ende alles gegen uns sprechen und uns anklagen. Aber mit Vergebung gibt Gott uns eine gute Zukunft.
    Der Gelähmte bekam ja nicht nur Heilung, sondern vor allem auch diese Vergebung. Darum konnte er sich wieder bewegen. Sein Herz wurde wieder lebendig und offen.
    Wir freuen uns mit ihm, ja mit ihm! und singen mit denen die damals sich mit ihm gefreut und über Gott gestaunt haben:
    Nach einem lebhaften Vorspiel – scherzo – 581, 13:
  13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

Den haben, von dem alles herkommt – der Ursprung aller Ding – etwas Besseres kann deinem Herzen nicht passieren. Die Menschenmenge aus dem Evangelium war verblüfft und stimmte in das Lied ein, daß Gottes Kinder singen, weil Jesus ihnen gezeigt hatte: Gott gibt dich nicht auf! Jesus hat Gottes Glanz und Gottes Freude, Gottes Macht und Gottes guten Rat für unser Leben zu uns auf die Erde hergerettet. Wo dieser Jesus ist, da ist auch Gottes „Ja!“ zum Menschen da. Dieses „Ja!“ ist stärker und auch reeller, wirklicher als unsere Sorgen. Schaffen wir es, unsere Sorgen bei ihm abzugeben. Sie ihm wirklich zu sagen, und der größten Macht anzuvertrauen? Das gehört alles zum Lied der Kinder Gottes. Das ist die Richtung! Die Sorge löscht so leicht und schnell aus, was Gott schon getan hat. „Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ – Hat Gott dich nicht von Jugend auf versorgt? Sonst wärst du doch jetzt nicht hier! Gott hat schon angefangen, sich zu kümmern.
Der Chor musiziert über die Worte „Gott, dein Schirm und Schild“, dann singt die Gemeinde mit Herz und Mund gegen jede einzige Sorge die Verse 581, 14-16:

  1. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht.
  2. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.
  3. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt!
    Das Lied der Kinder Gottes ist eine sehr nötige Hilfe. Wir vergessen schneller als in Lichtgeschwindigkeit, daß Gott uns gemacht hat. Noch schneller vergessen wir, wie dringend wir Gottes Gnade brauchen. Jesus hat uns Gottes Gnade gebracht. Wer denkt, er kann ohne Gnade, wird sehr sehr erschrecken. Wer mit Schuld bei sich und anderen alleine klarkommen will, wird scheitern. Wer aber die Vergebung empfängt, die uns im Namen Jesu gebracht wird, der wird nicht scheitern, Gott selbst wird sein Kind durchtragen. Was wir jetzt tun, das wird ein gutes Ende haben. Das steht jetzt fest. Das ist was Glauben bedeutet. Jesus hat jedes böse Ende auf sich genommen, damit alle, die an ihn glauben, ein gutes Ende haben.
    Dieser Trost hat alle erreicht, die damals dabei waren, als Jesus dem armen Gelähmten Mann aufhalf. Sie haben gesungen, weil sie das gute Ende gesehen haben. Laßt uns heute dieses gute Ende mit Händen greifen und festhalten.
    Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Bis ans gute Ende. Amen.
  4. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End.
  5. Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein, so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein.

Beitragsbild: Jesus heilt einen Gelähmten. Kapitell in der Kirche von Saint-Aubin de Saint-Aubin-du-Cormier

165. Kirchweihgedenken

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.


Text: 1. Könige 8, 22.27-30

Der König Salomo sprach bei der Weihe des Tempels in Jerusalem:
27 Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?
28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:
29 Laß deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet,
30 und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

Könige 8, 22.27-30

Gebet: HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnt. Psalm 26, 8). Amen.

Liebe Gemeinde!
22 Jahre lang, von 1835 bis 1857, hatte unsere Gemeinde kein eigenes Gotteshaus. Sie versammelte sich in Kellern, in Dachböden, Familienhäusern. Die ersten Jahre ja auch heimlich, weil der damalige Staat nicht eine selbständige Lutherische Kirche haben wollte. Dann ab der Duldung 1840 konnte man beginnen, als Gast in der Kirche anderer Konfessionen Gottesdienste zu feiern. Bis endlich ein Grundstück erworben konnte und unsere Kirche gebaut wurde, die der himmlische Vater nun durch 165 Jahre wunderbar bewahrt und uns erhalten hat.
In diesen 22 Jahren ohne eigene Kirche hat der HERR alles in unserer Gemeinde getan, was er in einer Gemeinde tut. Auch im Keller, auch am Abend eines Wochentages, auch ohne die Erlaubnis der Obrigkeit hat Jesus bei der Taufe den Kindern Seine Gnade geschenkt. Wenn in der Beichte die Hände aufgelegt wurden, auch auf einem Dachboden, vielleicht ohne Kerzen, da war der Sohn Gottes anwesend und hat gesagt: Für dich und deine Freiheit bin ich gestorben. Auch wenn keine Orgel da war, sind die Lieder zu Gott aufgestiegen und haben Trost gespendet. Auch wenn kein richtiger Altar da war, so haben die Gemeindeglieder doch den Leib und das Blut Christi empfangen im Abendmahl. Das Reich Gottes war da. Es kommt nicht erst dann, wenn ein Haus aus Steinen und Holz an einer Annenstraße gebaut wird und Gott eine Adresse hat.
Und trotzdem. Hier haben wir unsere Kirche. Sie ist nicht das Reich Gottes, das Reich Gottes war vorher da, und wird nachher da sein. Als unsere Gemeinde am Ende des Weltkrieges und danach wieder als Gäste woanders Gottesdienst halten mußte, war sie immer noch im Reich Gottes.
Und trotzdem. Sehr bald versammelte sie sich wieder mitten in den Trümmern in dem Haus, das Gott hatte stehen lassen.
Wenn unser HERR Jesus Christus alles erfüllen kann, was er verspricht, ohne Haus, ohne Altar, ohne Kanzel, ohne Taufbecken, warum dann?
Denn …
… „sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ – so fragt der König Salomo. Gott ist doch größer, als das größte Haus, als alle Häuser. Und Gott ist ja nicht nur in Häusern, sondern auch draußen. Gott braucht kein Haus.
Wir brauchen Häuser, das muß nicht erklärt werden. Unser Leib und unsere Seele: Beide können nicht immer und überall einfach das sein, was sie sind. Beide brauchen Schutz, beide brauchen einen Bereich, in dem sie aufgehoben sind.
Gott braucht für sich kein Haus. Wir brauchen für uns Häuser.
Warum müssen Gotteshäuser sein?
Diese Frage muß beantwortet werden.
Mit unserer „altlutherischen Kapelle“ verbindet sich viel Aufwand: Wir geben Geld aus für Erhaltung, für Strom, für die Orgel – ja, viele nehmen einen langen Weg auf sich, hin in die Annenstraße zu kommen.
Dieser Aufwand ist richtig, wenn wir wissen, warum.
Es gibt verschiedene Gründe:

  1. Man verbindet gute Erfahrungen mit diesem Haus. Begegnungen mit lieben Menschen. Erinnerungen an liebe Menschen, die schon bei Gott sind, und mit uns hier gesungen und gebetet haben.
  2. Unsere Kirche ist ein Denkmal. Ihr Architekt, Hermann Blankenstein, war später Baudirektor von Berlin und hat das Stadtbild geprägt für Jahrzehnte. Wir sitzen in seinem ersten Projekt. Das ist etwas Besonderes! Ebenso auch die Tatsache, daß die Bomben des Krieges gerade hier NICHT getan haben, wozu sie abgeworfen wurden. Sogar das Holz von 1857 haben wir noch! Auch ein Grund, anhänglich zu sein, und beitragen, daß sie uns erhalten bleibt!
    Das setzt aber voraus, daß wir wissen, warum wir überhaupt ein Gotteshaus haben.
    Salomo steht im Alten Testament. Er kann mit Überzeugung sagen: Gott wollte, daß genau hier genau dieses Haus gebaut wird:
    „Laß deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein.“ – Da soll mein Name sein! Der König David hatte die Stadt Jerusalem eingenommen, David, der Vater Salomos, hatte die Bundeslade daherbringen lassen. Die Bundeslade war so etwas wie ein Altar, an dem Israel auf dem Weg durch die Wüste in einem Zelt Gottesdienst gefeiert hatte. David hatte alles vorbereitet für einen Tempelbau. Doch es war Gottes Wille, daß sein Sohn Salomo den Tempel bauen sollte.
    Im Alten Testament mußte es der Berg Zion in Jerusalem sein. So hatte Gott sich festgelegt. Da war sein Name. Man könnte auch sagen: Da war Gottes Adresse, da hatte Gott sein Sprechzimmer, seine Praxis – genau konnte und mußte Israel zu Ihm kommen, und wurde gehört. Da war die Verabredung und die Begegnung mit Gott. An keiner anderen Stelle sollten Opfer gebracht werden. Ob er nun weit weg wohnte, oder ganz nahe in Jerusalem: Jeder Israelit hatte die Pflicht, zu den Festen „vor dem HERRN“ im Tempel zu erscheinen.
    Damit wurde deutlich: Wir fürchten, lieben und vertrauen Gott über alle Dinge. Der Berg Zion in Jerusalem hat Priorität, weil Gott es so will, und Gott hat Priorität.
    Der Tempel bezeugte: Gott hat Priorität. Israel ist bereit, sich für Gott auf den Weg zu machen. Israel ist bereit, alles hinter sich zu lassen, um nur und ganz bei Gott zu sein. Weil Gott Priorität hat. Darum muß es einen Ort geben, der Platz schafft für Opfer und Gebet. Weil Gott Priorität hat, darum hat das Opfer, das Gebet, der Gesang, die Verkündigung auch Priorität. Der Tempel war der feste Platz, den Gott in Israel einnahm. Vor allen Dingen und zuerst sollte Gott einen Platz in Israel haben. Gott ist nicht ferner liefen. Gottesdienst ist nicht etwas, was sich ergibt, wenn alles andere Nötige erledigt ist. Sondern das Erste. Weil Gott der Erste ist.
    Darum kann Salomo sagen: Hier ist Gottes Name. Hier spricht Gott, hier hört Gott. Auf dem Berg Zion , in Jerusalem, im Heiligen Land.
    So hatte Gott es im Alten Testament festgelegt.
    Der Tempel Salomos stand fast 500 Jahre: 955 vor Christus geweiht – 587 vor Christus zerstört durch die Babylonier unter Nebuchadnezar. Im Jahr 515 vor Christus wurde der Zweite Tempel geweiht. Der wurde dann im Jahr 70 nach Christus durch die Römer unter Titus zerstört.
    Über den Tempel hat Jesus drei Dinge gesagt:
  3. Der Tempel ist „seines Vaters.“ Das sagt Jesus mit 12 Jahren, als Maria und Joseph ihn im Tempel fanden sagt der Sohn Gottes: „Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2, 49). Damit bestätigt Jesus, daß Israel Gott wirklich im Tempel begegnet ist.
  4. Jesus spricht aber auch ganz klar von dem Ende des Tempels. „Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben.“ (Matthäus 24, 2).
  5. Das bedeutet aber nicht das Ende der Begegnung mit Gott. Jesus seinen Leib zum Tempel Gottes erklärt, so hören wir es im Johannes-Evangelium (Kapitel 2, 21). Ja, den Pharisäern gegenüber sagt Jesus direkt: „Ich sage aber euch, daß hier der ist, der auch größer ist denn der Tempel.“ (Matthäus 12, 6).
    Jesus gibt uns also alles, was der Tempel geben konnte, und mehr.
    Darum gibt es in Neuen Testament keinen heiligen Ort, wie Jerusalem, oder Mekka. „Es kommt die Zeit,“ sagt Jesus, „da werden die wahrhaftigen Anbeter den Vater nicht auf diesem oder jenem Berg anbeten, sondern im Geist und in der Wahrheit.“ (Johannes 4, 21.23.24)
    Da stellt sich die Frage aufs Neue: Warum dann ein Haus, mit Menschenhänden gemacht?
    Ich kann nur sagen: Wegen der Priorität.
    Gott, Sein Wort, Sein Handeln an uns, unsere Antwort darauf: Das soll als erstes einen festen Platz haben. Zeitlich und räumlich. Darum haben wir denn Sonntag, darum haben wir dieses Gebäude. Der Glaube braucht diesen Ort, wo alles vom Evangelium bestimmt ist. Wo klar ist: Das will ich gesichert haben. Darum steht hier der Altar: Das Gebet, das Abendmahl fordert das. Gebet und Abendmahl soll jederzeit möglich sein. Deshalb steht das Taufbecken da. Wie wunderbar ist es, daß wir heute eine Taufe haben! Doch das Taufbecken steht bereit. Er erinnert uns an unsere Taufe. Und genau wie die Taufe nicht eine Nebensache ist, die mal hervorgeholt, mal weggestellt werden kann, so steht das Taufbecken immer bereit. Ähnlich ist es mit der Kanzel. Gottes Wort soll verkündigt und gehört werden. Das muß vor allen anderen Dingen sicher sein.
    Wenn es irgendwie möglich ist, soll eine Kirche kein Mehrzweckraum sein. Im Gotteshaus soll zum Ausdruck kommen, daß Gott über uns bestimmt, und nicht wir über Ihn. Gott hat Priorität. Das Evangelium, die Taufe, das Abendmahl, das Gebet Gebet, das Lob Gottes ist für den Glauben eine Notwendigkeit. Darum wird der Glaube jede Möglichkeit nutzen, einen Raum zu bauen, der von diesen Dingen bestimmt ist.
    Eine Kirche ist eine große und nötige Hilfe für den Glauben. Unser Glaube ist angefochten. Es geht auf und ab. Doch, das, woran wir glauben, das steht fest und ist zuverlässig. Dieses Haus, zusammen mit Altar, Taufbecken, Kanzel, mit den Bänken und der Orgel stehen für das, was feststeht. Sie führen uns vor Augen: Es ist alles wahr, es war vor uns da, es bleibt für uns wahr. Der Glaube stützt sich nicht auf sich selbst. Er hält sich an das, was Gott von außen zu uns bringt.
    Die Kirche ist nicht Gott, darum müssen wir nicht an sie glauben, wie im Alten Testament das Volk Israel an Jerusalem und den Tempel gebunden war.
    Wir sind an Jesus gebunden. Er ist unser Tempel. An ihn glauben wir, egal, wo wir sind.
    Aber wir lieben den Ort, wo Jesus uns begegnet, wie Er es eingesetzt und bestimmt hat. Wir lieben das Haus, wo Er uns Sein Evangelium hören läßt. Wir lieben das Haus, wo die Taufe Kinder Gottes geboren hat. Wir lieben das Haus, wo Gottes Kinder zusammen beten, und sich an Gottes Wort festhalten.
    Das macht diesen Ort zu einem guten Ort.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erntedank

Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott, dem Vater,
und von dem HERRN Jesus Christus!


7 Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen,
8 ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt,
9 ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.
10 Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.
11 So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodaß du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.
12 Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst
13 und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt,
14 dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergißt, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft,
15 und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen
16 und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewußt haben, auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.
17 Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen.
18 Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf daß er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

Mose 8, 7-18

HERR, Dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Bitte segne Dein Wort jetzt an uns. Amen.

Liebe Gemeinde!
Ich bin dankbar, daß der heutige Predigttext über das Danken handelt.
Oft wird zum Erntedank nicht über das Danken gesprochen, sondern über das Teilen, oder über das Abgeben, wenn nicht gar von der Pflicht zum schlechten Gewissen, weil es einem angeblich so unverdient gut geht.

Doch ist es notwendig, beim Dank stehen zu bleiben.
Es gibt die Redensart: „Ich kann nicht genug danken!“
Manchmal ist sie nicht ernstgemeint. Oft wird sie nicht ernstgenommen, sondern belächelt.

Doch es ist eine Wahrheit.
Der Dank ist nach oben offen. Richtiger Dank hat es in sich, daß er sich übertreffen will. Richtiger Dank ist bescheiden, weil er erkennt, daß der Dank immer kleiner ausfällt als die Gabe, kleiner ist als die Liebe, die in der Gabe steckt.
Der Dank ist nach oben offen – weil er zu Gott offen ist.

Ich bin dankbar, daß der Predigttext also wirklich vom Dank handelt. Es ist gar nicht so einfach, einfach beim Dank stehen zu bleiben, und nicht zu denken: Gut. Dank erledigt – und was jetzt? Erst nach dem Danken geht es doch erst richtig los!
Nein. Mit dem Dank geht es richtig los.

Mose spricht mit Israel. Das Volk Israel hat 40 Jahre Wanderung in der Wüste hinter sich. 40 Jahre her hatte Gott Sein Volk aus der demütigenden Knechtschaft in Ägypten befreit. Nach vielen Gefahren und Entbehrungen in der Wüste: Hunger, Durst, Krieg, war Israel am Ziel: Das Heilige, von Gott verheißene, das gelobte Land lag von ihnen.
Ein herrliches, reiches, fruchtbares Land: „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.“
Als erstes WASSER! – Nach 40 Jahren in der Wüste: Keine Sorge um das Wasser. Wasser, so notwendig – so sehr ein Geschenk, es kommt vom Himmel, strömt vom Gebirge ins Tal, strömt unter der Erde über Betten von Felsen. Erreicht den Menschen trinkbar und nützlich zum Waschen und vieles mehr. Wasser ist Leben, Leben ist eine Gnade, und Gott hat Seine Freundlichkeit und Weisheit im Wasser verborgen.
Seinem Volk Israel hat der HERR schon mit Wundern versorgt. Wasser kam aus dem harten Felsen, als Mose mit einem Stab darauf schlug. Das war nicht ein Zauberstab, sondern Gott hatte den Befehlt gegeben. Das ist was anderes, als Zauber.

„Ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt“ – so ganz anders, als die Wüste! Immer Vorräte vorsichtig einteilen, immer mit Sorge Ausschau halten, wo es wieder was Eßbares gibt. Immer Sorge! Und oft Eintönigkeit – nichts Frisches. Mehr Überleben als Leben.
Doch hatte Gott der HERR schon in der Wüste Sein Volk von oben, aus Seiner Überlegenheit geholfen „und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewußt haben.“

In der Wüste gab es immer wieder Gefahren: „und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione.“ Dazu auch Kriege mit feindseligen, brutalen Völkern.
Ein schwerer Weg, doch Gott war dabei. – Wäre Gott nicht dabeigewesen, dann wäre Israel mehrfach in der Wüste geblieben. Verdurstet, verhungert, vergiftet, von Feinden vernichtet.
Aber nein! Ein Wunder nach dem anderen – Gottes Begleitung hatte es möglich gemacht. Gott hatte den Himmel geöffnet und auf der Erde geholfen. – Versteht ihr jetzt, warum der Dank nach Oben offen ist? – Er ist eine Antwort auf den geöffneten Himmel, von dem aus Gott alles geschenkt hat.
Danken heißt: Klar machen, daß die Ehre Gott gehört. Danken ist klarmachen, wer hier der Geber ist. Wer dankt macht klar: Es ist angekommen. Das Wasser ist angekommen, die Speise ist angekommen, der Schutz ist angekommen. Von wo? Von ganz ganz oben. Der Dank sieht die Liebe des Absenders, die frischen Tautropfen des Wunders, den Sternenstaub des Himmels an dem, was er vor sich hat und sein Herz wird so groß wie der Himmel und weit wie der Weg – aus Gottes Liebe bis hinunter auf unseren Tisch. Das Paket kommt an und man staunt: Eine Briefmarke vom Himmel ist drauf. Und meine Adresse.

Israel steht an der Grenze. Hinter ihm die Wüste, vor ihm das gelobte Land.
Hinter ihm auf dem Weg durch die Wüste, hat Gott Israel an die Grenze geführt. Mose sagt ganz klar: „auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.“
„Demütigte und versuchte.“ Israel mußte erfahren: Ich bin nicht Gott. Ich bin nicht Herr der Lage, ich bestimme nicht den Weg. Ich kann mein Leben nicht machen, auch nicht erhalten.
Die schweren Erfahrungen führen an die Grenze: Ich tu es nicht, Gott muß es tun. Und wenn Gott es tut, dann kommt es vom Himmel zu mir.
Dann weiß ich erst, was Wasser ist, wenn nach der Dürre Regen kommt.
Dann weiß ich erst wirklich, was Licht ist, wenn Gott nach der finsteren Nacht die Sonne aufgehen läßt.
Dann entdecke ich ganz taufrisch und neu, was ein Gruß ist, wenn die Einsamkeit mich zum Boden gedrückt hat.
Das ist die Grenze.
Denn du sollst endlich den Sternenstaub auf Gottes Gaben sehen, den Glanz. Das tägliche Brot kommt vom Bäcker, vom Acker, von der Erde. Ja. Aber das alles ist unter dem Himmel, und es kommt vom Himmel.
Unser Gesangbuch lehrt uns zu sagen: „Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.“
„Auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.“ Demütigte und versuchte. Gott verbirgt sich, damit wir ihn suchen. Er wird sich finden lassen. Die Versuchung ist, zu sagen: Gott verbirgt sich, also gibt es Ihn nicht. Also suche ich nicht.
Aber ohne Gott gäbe es dich nicht. Du mußt ihn suchen. Er will sich finden lassen und er wird es.
Wenn in der Wüste ein Wunder geschieht, dann ist deutlich: Ich bin nicht Gott. Gott muß es tun, Gott hat es getan.
Da ist der Dank klar: Gott, es ist angekommen! Ich lebe weiter, dank Gott.

Nun spricht Mose von der neuen Situation. Nicht die Wüste, sondern das fruchtbare, gesegnete Land.
Weniger Sorge, mehr Segen. Weniger Gefahr und Kampf, dafür mehr Tätigkeit und Aufbau.
Weniger Entbehrung und Mangel, mehr Erfüllung und Zufriedenheit.
Was soll jetzt nicht passieren?
„So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodaß du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.“
Ist es nicht erschreckend: Gott meint es gut mit dem Menschen, und der Mensch vergißt Gott. Und wenn der Mensch Gott vergißt, dann hört das Danken auf. Dann bleibt die Ehre am Menschen hängen. Dann ist der lange Weg von Oben, vom Himmel, von Gott, zu uns ausgeblendet. Dann reichen die Gedanken nur noch bis zum nächsten Essen, oder nächsten Erfolg – oder zum nächsten Mangel, zum nächsten Mißerfolg.
Die Gedanken werden klein, das Herz wird eng, die Seele ist nicht mehr nach oben offen. Gott vergessen. Irgendwie ist das möglich. Aber es ist schrecklich.
Mose gibt mit auf den Weg:
„Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergißt,“ .
Das alles kommt von Himmel, von Gott, bei uns an. Hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt. Das Herz überschätzt sich. Es denkt zu groß von sich selbst. Nun soll das, was vom Himmel kommt, von unten kommen.
Das ist Gutes ohne Gott. Die Liebe, die Gott reingetan hat, kommt nicht mehr an. Aber ohne Liebe kann der Mensch nicht leben. Das Herz überhebt sich, und traut sich zu, ungetragen von Gottes Liebe zu leben. Obwohl Gott so groß ist, kann unser kleines Herz ihn vergessen.
So weit darf es nicht kommen. Darum Danken. Danken ist eine Aufgabe. Sie kann geübt werden. Diese Übung ist Teil davon, daß der Dank nach oben offen ist.

Wer Gott vergessen hat, hat nur noch sich selbst. Undankbarkeit macht dich allein, einsam. Man ist dann dazu verdammt, sich selbst glücklich zu machen, und wenn man unglücklich ist, ist man alleine schuld.
Doch Mose spricht zu Israel, und wir hören besser zu:
„Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen.
Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf daß er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.“
Wer dankt, ist nicht allein. Besser noch: Wer Gott dankt, zeigt, daß er von Anfang an nicht allein war.
Es ist alles Gabe. Und Gottes Liebe ist in der Gabe. Unser Herz, unsere Kräfte und die Stärke unserer Hände kann diese Liebe nicht ersetzen – nein, es ist ja umgekehrt: Gott hat uns das alles gegeben. Aus Liebe. Wer dankt, der hat Gottes Liebe.
Und wer Gottes Liebe hat, der kann nicht von Sorgen, von Neid, von Geiz, von Gier gefangen sein.
Mehr Dank ergibt weniger Sorge, weniger Neid, weniger Geiz, weniger Gier. Aber nur dann, wenn wir wirklich beim Dank stehen bleiben, damit er sich nach oben öffnet.
Die Psalmen und unser Gesangbuch gehen uns da voran. Sie helfen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Michaelis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

Text: Matthäus 18, 1-6.10

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie
3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.
6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

10 Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch:
Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

Matthäus 18, 1-6.10


Gebet: O Jesus Christus, unser HERR, schick Deine Engel, die dein Wort begleiten und schütze uns durch sie an Leib und Seele. Amen.

Liebe Gemeinde!
Im Alten Testament hören wir von dem Propheten Elisa und seinem Diener, die geraten in eine ausweglose Situation: Sie sind umzingelt von einer feindseligen Armee – die bis auf die Zähne bewaffnet ist. Zwei wehrlose gegen Tausende mit schrecklichem Eisen: Schwert, Spieß, schnellem Streitwagen und was Menschen sich sonst noch ausgedacht haben, um zu töten und zu zerstören.
Der Diener sieht das und sein Mut verläßt ihn auf der Stelle: „O weh, mein Herr! Was sollen wir nun tun?“ (2. Könige 6, 15-17).
Gottes Diener Elisa antwortet ihm: „Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind!“
Der junge Mann wird sich ungläubig umgesehen haben: Elisa und ich, das macht zwei. Wir sind immer noch zwei. Die anderen aber sind nicht zu zählen. Wer bitte ist bei uns?
Weiter hören wir: „Und Elisa betete und sprach: HERR; öffne ihm die Augen, daß er sehe! – Da öffnete der HERR dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her.“
Auf einmal ist alles ganz ganz anders.
Drei Dinge müssen wir festhalten:

  1. Elisa und sein Diener sind da, wo Gott sie haben will.
  2. Elisa und sein Diener vertrauen auf Gott.
  3. Es wird gebetet, man rechnet mit Gott.

Zwei Wehrlose gegen eine bewaffnete Armee.
Kinder sind wehrlos. Sie müssen vertrauen, sie müssen glauben. Ein kleines Kind kommt zur Welt und lebt ganz und gar davon, daß es willkommen ist, daß es leben soll. Die Eltern versorgen es an Leib und Seele. Essen, Trinken, Wärme, Sprache, Zuwendung, Kleidung, Schutz, Trost ….. alles, aber auch alles kommt von ihnen. Das Kind kann nichts machen, als nur annehmen. Die Liebe der Eltern ist sein Leben. Die Liebe der Eltern macht das Kind stark, reich und klug.
Kinder sind wehrlos. Sie sind umgeben von einer bewaffneten Armee: Nicht nur Hunger und Kälte, sondern viele andere Mächte lauern in unserer Welt, die sich über die Kinder hermachen, um das Ebenbild Gottes in ihnen zu zerstören und auszulöschen. Mächte, die machen, daß das Kind vergißt, wer es ist. Mächte, die beweisen wollen: Kind, ohne uns bist du nichts, mit uns kannst du alles sein und alles haben und alles erleben.
Ich mußte einmal einen jungen Menschen beerdigen, der an einer Überdosis Drogen gestorben war. Die Verzweiflung der Eltern war schrecklich. Ihr Kind war durch die Sucht ihnen fremd geworden. Eine unheimliche Macht hatte es im Griff: Die Worte der Eltern erreichten es nicht mehr, und die Worte des Kindes hatten keine wirkliche Bedeutung mehr.
Mächte, Einflüsse, die an den Eltern vorbei die Kinder erreichen wollen, sind nicht von Gott. Sie sind wie eine Armee, die nur darauf wartet, die Kleinen zu überfallen, zu betrügen, zu isolieren …..
Wenn so ein Kind niemanden hat, der es liebt, und sich für sein Wohl entscheidet und einsetzt, dann … es ist nicht auszudenken.
Ich denke, daß heute die Waffen der Armee vor allem Bilder, Texte, Medien sind. Sie sind darauf, die Seelen der Kinder zu beschäftigen, zu überwältigen, zu binden und zu prägen. Bis daß sie nicht mehr wissen, wer sie sind.

„O weh, mein Herr, was sollen wir tun?“ Das kann man dann ausrufen. Für sich selbst und für die Kinder.

Heute ist der Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Der Tag der himmlischen Heerscharen, die Gott in der unsichtbaren Welt geschaffen hat für seine Kinder.
Es ist sehr passend, daß Jesus Engel und Kinder – oder, wie es genauer heißt: „Diese Kleinen“ – vor Gott miteinander verknüpft, ja zusammenfügt.
Jesus sagt zu den Aposteln: „Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch:
Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“
Vor unseren leiblichen Augen in der sichtbaren Welt sehen wir die Kleinen, die nicht anders können, als vertrauen, die nicht anders können, als glauben, was man ihnen sagt und zeigt, die ahnungslos und arglos alles annehmen, und wer Böses vorhat, der hat mit ihnen ein leichtes Spiel.
Sofern ein Mensch Gottes Geschöpf ist, auf Gott vertraut und Gott beim Wort nimmt, kann er sich auch wehrlos einer furchtbaren Übermacht gegenüber sehen.
Wer es mit der Wahrheit ernst nimmt, kann sich nicht ausdenken, wie furchtbar gelogen werden kann. Wie leicht kann er betrogen werden!
Wer durch den Glauben erfahren hat, daß Vertrauen sich lohnt, und daß Vertrauen lebensnotwendig ist, wie leicht kann das Vertrauen mißbraucht und zerstört werden!
In der unsichtbaren Welt sind Mächte unterwegs, die alles, was christlich ist, alles was gute Gabe Gottes ist, zerstören wollen. Und das Problem ist: Es gibt genug in uns Menschen, das darauf hereinfällt. Ein Begehren in uns macht Angebote unwiderstehlich.

„O weh, mein Herr, was sollen wir denn nun tun?“

Jesus, der Sohn Gottes, ist der HERR über alle Engel. Sie dienen ihm. Wo Jesus ist, da sind die Engel nicht weit. Im Gegenteil. Da sind sie aktiv. Wenn Jesus über die Engel spricht, dann weiß er, was er sagt.
Er öffnet uns die Augen, und zeigt uns, „und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her.“ Und siehe: „Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind!“
Das ist die Wahrheit von heute, dem Tag des Erzengels Michael und aller Engel.
Es sind mehr bei den Kindern Gottes als bei den Mächten der Finsternis.
Wir müssen das so sehen: Daß wir heute überhaupt Gott kennen, überhaupt eine Ahnung haben, was Liebe ist, überhaupt Gottes guten Gaben erkennen und für sie danken – ja auch sagen können: „Bitte, lieber Gott, gib uns unser tägliches Brot!“ – das ist das Ergebnis eines Kampfes. In der unsichtbaren Welt hat Gott Seine Engel geschickt, die die Macht der Lüge, des Hasses, des Neides, der Zerstörung, der Häßlichkeit, der Verunstaltung, des Betruges, der Verdrehung … von uns abgewendet haben. Darum gibt es überhaupt Glauben, Liebe, Hoffnung.
Jesus sagt: „Ihre Engel.“ Die Engel begleiten und schützen die Unschuld, die Wehrlosigkeit, die Naivität, die Einfalt, die Gutgläubigkeit, die Ehrlichkeit. Das sind die Kleinen – vor allem die Kinder, die es nicht besser wissen können. Aber auch die Kinder Gottes, die es nicht lassen können, zu vertrauen und zu glauben.
Wir sind mehr. Mit den Engeln Gottes sind wir mehr. Unsere Augen sagen uns nicht die ganze Wahrheit. Die Kinder Gottes werden durch das Chaos und die Dunkelheit der Betrugs und der Zerstörung hindurch begleitet. Sie öffnen Türen zum Guten. Sie schließen die Türen des Bösen. Die Engel begleiten die Gaben Gottes, daß sie Gottes Kinder zum Segen werden, und nicht zum Unheil. Engel begleiten und beschützen Gottes Wort, sie sind bei der Taufe und beim Abendmahl dabei, daß Gottes Kinder in vollständiger Ruhe im Frieden Gottes Gaben empfangen.
Jesus stellt ein Kind in die Mitte, um für alle Zeiten klar zu machen, daß das eine göttliche, unumstößliche Wahrheit ist.
Warum tut er das? Die Jünger fragen danach, wer der größte im Himmelreich ist. Wer also Jesus am nächsten ist und die meiste Macht mit ihm teilt. Macht heißt hier: Macht über andere Menschen. Sich bedienen lassen, verfügen können. Sich nichts sagen lassen müssen, aber selbst über andere bestimmen. Diesen Zustand wünscht der Mensch sich: Ich habe allen was zu sagen, aber niemand hat mir was zu sagen. Ich muß mich um niemanden kümmern, alle müssen sich um mich kümmern.
Davon will man mehr haben, von dieser Macht.
Um ein Kind muß man sich kümmern. Für ein Kind muß man da sein. Jesus sagt, wer ein Kind aufnimmt in seinem Namen, der nimmt ihn selbst auf.
Im Reich Gottes bekommt der Mensch nicht mehr Macht über andere Menschen. Das ist nicht die Richtung, die Jesus vorgibt.
Zum Reich Gottes gehört es, daß die Kleinen einen festen Platz bekommen. Die, die so leicht übersehen werden, die von denen man meint, man könne auf sie verzichten, oder wo man denkt, die bringen mehr Mühe als Fortschritt. Die, die Gott einfach beim Wort nehmen. Die Angefochtenen.
Im weltlichen Bereich sind sie ein Minus.
Im Reich Gottes halten sie uns vor Augen, wie wir alle vor Gott aussehen. Vor Gott sind wir Kinder, Empfangende, Abhängige, Schutzbedürftige, Blinde, Gelähmte, Taube …. So sind wir auch vor Gott: Wir sehen seine Gaben nicht, wir erkennen nicht die Gefahren, die uns umgeben. Darum ist Gott ununterbrochen dabei, Engel zu uns zu senden. Was wir an anderen merken, was uns an ihnen zu schaffen macht, damit hat Gott erst recht bei uns Mühe.
Wo Jesus ist, da sind auch Engel. Wo wir Jesus nachfolgen, haben wir unsichtbare Begleiter um uns.
Es gibt aber auch die Kehrseite. Das furchtbare Wort vom Mühlstein: „Wer jemand von diesen Kleinen, die an mich glauben, verführt, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gebunden würde, und ins Meer geworfen würde, wo es am tiefsten ist.“ – Wer seine Überlegenheit dazu mißbraucht, den Glauben, das Vertrauen der Kleinen zu zerstören, der zeigt damit, daß er keine Gnade sucht oder braucht. Für solch einen Menschen ist Kindsein ein Nachteil, ein Fluch. Er will nicht Kind Gottes sein.
Möge ein Engel unterwegs sein, der uns davor bewahrt!

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Beitragsbild: Der Erzengel Michael (1518; Louvre)

15. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, dem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

5, 25 Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln.
26 Laßt uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
6, 1 Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest.
2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
5 Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
6 Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allem Guten.
7 Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn
was der Mensch sät, das wird er ernten.
8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
9 Laßt uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
10 Darum, solange wir noch Zeit haben, laßt uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Galater 5, 25 – 6, 10

Lieber himmlischer Vater, Du willst durch dein Wort große Dinge tun. Segen nun Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!
Wie sieht ein Leben aus, das von Gott bestimmt ist?
Davon spricht Paulus, wenn er sagt:
„Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln.“
Leben und Wandeln.
Im Geist leben heißt: In Gottes Anfang leben. Die Bibel sagt uns: Jesus Christus ist der Anfänger des Glaubens (Hebräer 12,2:“ Laßt uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.“). Im Geist leben heißt: Gott hat mit mir angefangen, Gott fängt mit mir an, und Gott wird mit mir anfangen. Dieser Anfang im Namen Jesu ist immer in Reichweite: Die Taufe ist DER Anfang, die ganze Bibel ist voller Worte die im Menschen das anfangen, was Gott will, und was ewig sein wird. Gott ist dann dein Gott, wenn Er der Anfang von allem in deinem Leben ist.
Gut. Das ist eine Idee davon: Im Geist leben.
Und im Geist wandeln? Wandeln ist Schritte gehen, die in diesem Anfang bleiben. Das ist alles! Im Geist wandeln heißt: Gottes Anfang mit dir nicht verlassen.
Wie sieht das aber aus?
Wenn der Apostel Paulus an seine Gemeinden Briefe schreibt, dann fängt er immer mit dem Anfang Gottes an: Er lehrt den Anfang, den Jesus gemacht hat – mit der Menschwerdung, mit dem Kreuz und mit der Auferstehung. Man nennt das Lehre, oder Dogma.
Und dann ruft Paulus die Gemeinde in bestimmten Bereichen des Lebens zum Anfang Gottes zurück, wo es nötig ist. Das nennt man Tun und Lassen, oder auch Ethik.
Lehren schafft das Leben im Geist.
Rufen bringt zurück zum Leben im Geist.
Denn wenn Gott etwas anfängt, dann ist völlig klar, daß auch etwas aufhört, und aufhören muß.
Davon hören wir jetzt:
„Laßt uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.“
Eitle Ehre. Das ist das Ergebnis von Vergleichen zwischen Menschen. Einer ist schöner als der andere. Einer ist erfolgreicher. Einer ist nicht so reich. Einer ist beliebt, der andere nicht so sehr. Bei uns Menschen ist das so: Wer reicher, oder schöner oder beliebter ist, der hat bei Menschen Ehre.
Paulus sagt: Selbstgefühl aus Vergleichen ist hohl. Ich bin weniger, weil andere etwas sind oder haben, was ich nicht bin, oder habe. Was mir fehlt, sagt mir, wer ich bin. So irgendwie funktioniert das doch, oder?
Paulus ruft zurück: Liebe Leute, wer so denkt oder fühlt, der hat Gottes Anfang mit ihm schon verlassen. Der ist sozusagen über Bord!
Zurück zum Leben im Geist!
Warum? Wer nach eitler Ehre trachtet, der ist wie die Ziege im Märchen – nachdem sie wunderbar gefressen hat, sagt sie am Ende: Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein. – Wer sich durch Vergleiche mit Menschen bestimmen und treiben läßt, der tut so, als hätte Gott nicht mit ihm angefangen. Als hätte Gott nicht gesagt: „Du bist mein Kind. Ich will alles für dich sein.“ Gottes Anfang mit uns ist, daß er uns seine Liebe schenkt. Im Evangelium erreicht uns Liebe. Wer geliebt ist, staunt darüber, daß er etwas Besonderes ist. Da kann er nicht sagen: Weil der mehr Geld hat, als ich, darum bin ich nichts! – Oder sagen: Weil die weniger beliebt ist als ich, bin ich etwas.
Dieses Vergleichen hat zwei Symptome: „einander herausfordern und beneiden.“ – Wer hat, der ist arrogant und reibt es dem anderen unter die Nase. Wer nicht hat, ist neidisch.
Wo Gott anfängt, da hört das auf: Einander herausfordern, also provozieren, das heißt: Ich beweise dir, daß du weniger, schwächer, ärmer, oder was auch immer bist. Jesus hat das nicht getan. Wo Jesus bestimmt, da hört das auf. Es hat keine Zukunft mehr.
Aber auch der Neid nicht. Der Neid ist ein allgegenwärtiges Gift. Der Neid und Gott können nicht gleichzeitig an einem Ort sein. Wo Gott ist, verdampft jeder Neid. Spürst du ihn gerade? Dann spürst du ihn weil er weiß, daß sein Ende gekommen ist. Denn Gott ist hier, der einen neuen Anfang gemacht hat. Ja, gerade auch für dich.
Wie sieht es aus, wenn Gottes Anfang mich weiterträgt, daß ich ohne Neid und Provokation bin?
„Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest.“
Die Worte zeichnen uns die Spur des Geistes vor:
„Wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird …“ – Also nicht so: „Der böse XY, von dem ichs immer schon erwartet habe, hat mich nicht enttäuscht! Er hat absichtlich gesündigt!“ – Sondern so: „Eine Verfehlung ist über den XY gekommen, wie schrecklich! Das muß etwas geschehen!“
Mit sanftmütigem Geist soll das wieder eingerenkt werden.
In Matthäus 18 sagt Jesus uns, wie: Zuerst unter 4 Augen.
Wer so vorgeht, der will nicht punkten mit den Fehlern des Bruders oder der Schwester. Er will viel lieber, daß die Fehler ausgeräumt werden und niemandem schaden.
„Sieh auf dich selbst daß du nicht auch versucht werdest!“ – Wer Gottes Anfang bei sich behält, der weiß: Ohne Gottes Gnade sähe es bei mir ganz anders aus. Mir könnte auch solch ein Fehler passieren.
Es ist ein unbarmherziges Provozieren und Demütigen, wenn man zu verstehen gibt: „Mir würde der Fehler niemals passieren! Ich stehe darüber – Wie kann man nur so schwach, so dumm, so böse sein!“ –
Wo Gott angefangen hat, da hört das auf. Jesus hat das nicht getan. Gott gibt dir mehr, als den Rausch, sich am Fehler des anderen zu freuen, in der Hoffnung, daß der eigene Fehler verborgen bleibt.
Aber nicht nur sollen wir uns nicht über den Fehler freuen, sondern:
„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Zu Gottes Anfang, der Gott sei Dank nicht vergeht, gehört es ja, daß Christus unsere Last auf sich genommen hat. Jesus hat alles getan, daß unsere Lasten uns nicht zerstören.
Wo Gott angefangen hat, da hört etwas auf: Nämlich, daß wir Menschen als hoffnungslos aufgeben, daß wir meinen – mit ihm Geduld haben, ist verlorene Zeit. Wenn der Fehler des andern schwer wird, dann ist das ein Zeichen dafür, daß ich da bin, wo Christus ist. Wenn die Last des anderen dich plagt, weil er dir nicht egal ist, dann setzt sich Gottes Anfang in dir durch.
Gottes Wort meint es ernst, daß wir uns nicht durch zwischenmenschliche Vergleiche leiten lassen sollen:
„Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.“
Was zählt, ist das, was du vor Gott alleine bist. Und vor Gott zählt: Bist du bei dem geblieben, was Gott angefangen hat?
Prüfe dein eigenes Werk. Vergleiche mit anderen – nach Oben oder nach Unten – haben vor Gott ein Ende. Sie helfen nicht, sie hindern nicht. Sie haben ein Ende. Gott wird dich an deine Fehler erinnern, die Er, Gott tragen mußte. Du brauchst Gott nicht an die Fehler von anderen erinnern. An keinen, von niemanden. Vor Gott hört das auf. Nur dann bleibst du in dem Anfang, den Gott zum guten Ende führen wird.
Dann kommt etwas Überraschendes.
Es geht um die Person, die Lehre und Ruf zu euch bringt.
„Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allem Guten.“
Unterricht. Keine Kirche ohne Unterricht. Ohne Dogma gibt es keinen Glauben und keine Kirche.
Die Lehre schafft das Leben im Geist, den Glauben. Ohne Glauben gibt es keine Früchte des Glaubens. Überhaupt keine.
Dazu hat Gott es so eingerichtet, daß Lehrer lehren. Oder: Pastoren predigen und unterrichten.
Auch da steht jeder vor Gott, in Gottes Anfang.
Der Lehrer soll das weitergeben, was Gott vorgegeben hat. Gott wird ihm dabei helfen. Gott wird nicht helfen, wo er aus Furcht verschweigt, oder aus Gefälligkeit etwas ändert.
Und der unterrichtet wird? Er steht vor Gott und soll zeigen, daß ihm dieser Unterricht etwas bedeutet. „Er gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allem Guten.“
Wer hätte das gedacht!
Nur: Religion ist keine Geschäftsidee.
Aber zwischen dir und Gott soll es so sein, daß du zeigst, es ist dir wichtig. Das zeigst du Gott mit deinem Beitrag und deiner Zeit in einer Aufgabe in der Gemeinde.
Und der Prediger, der Lehrer? Der dankt Gott, der die Herzen bewegt. Und strebt danach, noch mehr aus Gottes Wort auszuteilen. Um Gottes willen.
So kann Gottes guter neuer Anfang unter uns bleiben. Oder besser: So bleiben wir in Gottes Anfang, der ein gutes Ende haben wird.
Immer noch spricht Paulus über die eitle Ehre, die wir uns ausrechnen davon, daß wir uns mit anderen vergleichen. Er sagt:
„Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn
was der Mensch sät, das wird er ernten.
Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.“
Gott ist nicht gezwungen, uns zu glauben.
Sich mit anderen vergleichen, schließt Gott aus. Das ist keine Kleinigkeit. Gott läßt sich nicht darauf ein.
Paulus gebraucht das Bild von der Saat – Saat ist Zukunft. Wenn ich Saat aussäe – dann weil ich Zukunft brauche, und erhoffe und suche. Da wo die Saat hinfällt, da soll Zukunft wachsen.
Wo sehe ich meine Zukunft, wo suche ich sie, wo erhoffe ich sie?
Gott sagt uns: Es gibt zwei Möglichkeiten. Mehr nicht.
Entweder Fleisch, oder Geist.
Das Fleisch hat keine Zukunft. Alle Zukunft gehört dem Geist.
Was ist Fleisch? Fleisch ist der Mensch, der Gott nicht anfangen läßt. Fleisch: Das ist der Mensch, der mit dem Neid weitermachen will, der mit dem Provozieren weitermachen will. Gott sagt uns: So verlierst du eine Zukunft.
Fleisch, das ist der Mensch, der nicht aufhören kann, zu vergleichen. Gott sagt: Das wird dich niemals glücklich machen.
Die Zukunft ist beim Geist. Der Geist erkennt: Gott muß den Anfang machen. In allem. Und das Fleisch soll aufhören. Da hat die Zukunft schon begonnen.

„Laßt uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
Darum, solange wir noch Zeit haben, laßt uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“
Gott setzt eine Priorität: Wenn wir Gutes tun, dann sollen wir bei denen anfangen, mit denen wir im Glauben unterwegs sind. Mit denen, die schon da sind, die wir uns nicht ausgesucht haben. Und das ist nun mal die eigene Gemeinde. Ein Christ kann nicht genug darüber staunen, daß Gott tatsächlich Menschen mit dem Evangelium erreicht. Daß es wirklich Männer und Frauen und Kinder gibt, die Gottes Wort lieben, die beten, die die Last des andern im Namen Jesu tragen. Schon deshalb sind es Schätze. Gott hat vom Himmel aus, aus göttlicher Überlegenheit heraus, diese Menschen zu dir geschickt. Da kannst du ohne Zögern anfangen, Gutes zu tun!
Wer diese Brüder und Schwestern uninteressant findet, oder lieber nur da etwas Gutes tun will, wo in den Medien darüber geschwärmt wird, der will es schon besser wissen, als Gott selbst. Viele Prediger mögen dieses Wort von „allermeist an des Glaubens Genossen“ nicht gerne. Sie wollen lieber ihre Glaubensgenossen belehren, oder erziehen, aber nicht lieben. Sie wollen lieber irgendwelche interessanten Lasten tragen, als die, die vor Ort in der eigenen Gemeinde sind. Bis dahin, daß man sagen kann: „Liebe deinen Fernsten!“
Gott fängt da an, wo du sein Wort hörst, wo du zum Altar gehst, da soll auch das Gute anfangen, was du tust. Damit Gottes Anfang bei dir weitergeht.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Bei der Kornernte

13. Sonntag nach Trinitatis (Familiengottesdienst)

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, dem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Jesus sagt: Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete?
Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Matthäus 7, 9-11

Lieber himmlischer Vater, segne nun Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!
Gestern beim Kinderbibeltag haben die Kinder über das Gebet gehört und gelernt.
Alle Kinder Gottes sollen beten.
Jesus sagt: Wenn ein Kind von seinem Vater Brot haben will, und sagt: „Bitte, Brot!“ – Was wird der Vater tun? Wenn er kann, und wenn es paßt, wird der Vater dem Kind Brot geben.
Jesus fragt uns: Wird ein Vater dem Kind statt Brot einen Stein geben? – Die Antwort ist leicht: Nein! Das tut ein Vater nicht.
Jetzt sagt Jesus: Guck mal, wenn ein menschlicher Vater seinem Kind etwas Gutes geben kann – – dann Gott erst recht! Denn Gott ist noch besser, als ein menschlicher Vater, und Gott kann noch mehr, als ein menschlicher Vater.
Wenn ein Kind seinen Vater bitten darf, dann dürfen Gotteskinder erst recht Gott bitten.

Telefon
Um das Gebet noch besser zu verstehen, haben die Kinder gestern das Gebetstelefon kennengelernt:
Da ist eine bestimmte Nummer drauf, die Gottes Kinder wählen sollen:
5015.
Fünfzig. Fünfzehn.
Das ist eine Bibelstelle.
Psalm 50, 15.

Ein Psalm ist ein Gebet oder ein Lied aus der Bibel.
Was steht geschrieben bei Psalm 50, 15?
Gott sagt:
Rufe mich an
in der Not;
so will ich dich erretten,
und du sollst mich preisen.

Gott sagt uns: Ruf mich an!

Wenn ich einen Menschen anrufen will, oder muß?
Wer von euch kann schon mit dem Handy telefonieren?
Wenn ich jemand anrufen will, dann
muß ich ihn kennen: Seinen Namen wissen.
Dann muß ich seine Telefonnummer im Handy gespeichert haben.
Und, ganz wichtig: Ich muß an ihn denken!
Und noch etwas: Ich muß sprechen können.
Ja, das ist alles wichtig, wenn ihr darüber nachdenkt.
Zum Gebet brauchen wir aber kein extra Handy. Wir sind selber das Gebetshandy.
Gottes Name ist in uns gespeichert. Wir können sprechen.
Was muß noch kommen? – An Gott Denken!
Und dran denken, wie Gott ist, wie Jesus ihn uns gezeigt hat. Daß Gott helfen will. Daß er Macht hat. Daß er barmherzig ist.

Gebetsampel
Aber was soll ich denn sagen im Gebet?
Da haben die Kinder gestern die Gebetsampel kennengelernt:
Rot – Gelb – Grün.
Rot ist „Halt!“ – Das geht gar nicht.
Gelb ist „Warten!“ – Das gibt Gott zur rechten Zeit.
Grün ist „Es paßt!“ – Das hat Gott versprochen.

Rot ist leicht:
Wir sollen Gott nicht bitten, daß er anderen wehtut.
Es geht auch gar nicht, daß wir Gott bitten: Laß niemand merken, daß ich gelogen habe!
Das ist gegen Gottes Willen. Das sollen wir nicht bitten. Das wird Gott nicht erhören.
Oder: Ich will reich werden ohne zu arbeiten, oder ….
Das wäre nicht gut für uns, wenn Gott das Gebet erhören würde.

Gelb:
Das sind Dinge, die sind gut. Aber Gott beschließt, wann es die richtige Zeit ist.
Zum Beispiel: Wenn ich krank bin: Bitte um Gesundheit, um Heilung.
Wenn ich traurig bin – Bitte schenk mir wieder Freude, lieber Gott!
Das sind gute Dinge, die Gott gibt.
Aber manchmal sollen wir warten.
In der Wartezeit kann es passieren, daß wir besser merken, wie sehr wir eigentlich Gott brauchen.
In der Wartezeit können wir lernen, wie viel Gott eigentlich schon für uns getan hat, und wir haben es nicht richtig gemerkt.
In der Wartezeit können wir gucken: Wie geht es den anderen? Ich bete auch mal für die anderen!

Grün:
Das sind die Dinge, die Gott versprochen hat, die er am liebsten gibt.
Das kann man ganz leicht wissen, denn Jesus hat seinen Jüngern das Gebet beigebracht. Ihr kennt es; es ist das Vaterunser.
Vaterunser
Das sind die Bitten, die Gott am liebsten hört, und die für uns, für alle Gotteskinder am Besten sind.
Das Vaterunser ist das grüne Gebet.
Vater: Gott ist mein Vater, er will daß es mich gibt, er liebt mich.
Das ist wahr. Bei der Taufe seid ihr Gottes Kinder geworden.
Unser: Ich bin in Gottes Familie, zusammen mit anderen, die getauft sind. Wenn ich an Gott denke, dann denke ich auch an sie. Gott liebt das! Und hört gerne, wenn ein Gebet so anfängt.

Geheiligt werde dein Name: Gott, sei und bleib mein Gott. Ich will dich immer besser kennen lernen, immer genauer wissen, wie du bist, und was du tust. Ich will keinen anderen Gott haben! – Das erhört Gott gerne und immer wieder.

Dein Reich komme: Das Reich ist da, wo jemand alles bestimmt. Gottes Reich ist da, wo Gott bestimmt. Da wollen wir dabei sein! Wo Gott seine Macht zeigt. Wie hat Jesus seine Macht gezeigt: Durch sein Wort. Und weil er da war. Da haben Menschen seine Macht gespürt. Wo Jesus spricht, da ist das Reich Gottes, da fängt es an. Da wollen wir dabei sein. Die Kinder haben gestern gehört: Das Reich Gottes ist da, wo das Evangelium gesagt und gehört wird, wo Menschen zusammenkommen und das hören wollen.
Wenn du zu Gott sagst: Bitte laß mich dabei sein, laß dein Reich zu mir, zu uns kommen – das hört Gott sofort: Grün!

Dein Wille geschehe: Gott weiß es besser. Jesus hat uns gezeigt, daß Gott helfen will. Vor allem will Gott uns helfen, daß die Sünde uns nicht kaputtmacht. Unsere eigenen Fehler, oder die Fehler von anderen. Der Wille von Menschen, auch unser eigener Wille ist nicht immer gut. Manchmal merken wir, daß unser Wille böse ist. Wenn ein Gotteskind dann sagt: Gott, dein Wille soll geschehen, das hört Gott am liebsten. Grün!

Unser tägliches Brot gib uns heute: So bittet ein Kind, das gemerkt hat: Alles, was ich hab, kommt von Gott. Alles, was ich bin, hat Gott gemacht. Wenn ich etwas haben soll, dann muß Gott es geben. Also: Bitte, lieber Gott, bitte um das, was ich zum Leben brauche. Brot. Liebe Menschen. Schutz. Ein Zuhause. Das hört Gott. Ok. es kann sein, daß diese Bitte manchmal Gelb ist, daß wir warten müssen!

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Gott freut sich, wenn wir einsehen, daß wir seine Gebote nicht gehalten haben. Er freut sich, wenn wir einsehen: Das muß weg, das muß aufhören, es plagt mich. Ich will wieder ganz bei Gott sein: Vergib mir! – Grün!
Aber auch, daß wir den anderen vergeben. Die Schuld soll ihn nicht runterziehen und quälen. Da hilft Gott gerne! – Grün!

Und führe uns nicht in Versuchung: Versuchung ist: Wenn ich Gott vergesse. Vergesse, was seine Gebote sagen; oder vergesse, daß er da ist, vergesse, daß er helfen will. Oder daß ich vergesse zu beten!! – Da bitten Gottes Kinder: Lieber Gott, führe mich bitte so, daß ich dich nicht vergesse.
Es kann sein, daß es dir zuuu gut geht, und dann denkst du, du brauchst Gott nicht mehr. Das ist eine Versuchung.
Bitte nicht! – Das ist eine Grüne Bitte.
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Das Böse will uns von Gott trennen. Das Böse will, daß wir nicht beten. Das Böse will kaputtmachen, was Gott uns gibt. Lieber Gott, laß das Böse aufhören, besonders bei mir!
Gott hört diese Bitte gern. Und in dem Moment, wo ich die Bitte sage, fängt Gott schon an, sie zu erhören. Denn Beten ist gut, und nicht böse. Also? Grün!

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

12. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, dem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

1 Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester
2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe.
3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel;
4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?
5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.
7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden.
8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus;
9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
10 Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr.
11 Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet
12 und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde.
13 Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat;
14 und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen.
15 Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, daß er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel.
16 Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muß um meines Namens willen.
17 Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, daß du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest.
18 Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen
19 und nahm Speise zu sich und stärkte sich.
Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus.
20 Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, daß dieser Gottes Sohn sei.

Apostelgeschichte 9, 1-22

O Gott, laß uns nicht vergeblich hören, was Du sagst. Amen.

Liebe Gemeinde!
Ich habe Probleme mit Bekehrungsgeschichten. Es war für mich immer unangenehm, oder eine Verlegenheit, wenn „Bekehrung“ das Thema war. Ich konnte nicht sagen, wann ich „mich bekehrt“ hatte. Ganz zu schweigen von der Frage, wann ich „mein Leben Jesus übergeben“ hätte!
Im Laufe meines Dienstes als Pastor habe ich miterleben dürfen, wie Menschen auf unterschiedliche Weise als Erwachsene zum Glauben gefunden haben und dann die Taufe empfingen. Bei keinem war es so, daß schon vorher feststand, wie es kommen sollte. Der Übergang vom Unglauben zum Glauben war nicht die Erfüllung einer menschlichen Erwartung oder Vorstellung, auch nicht die Erfüllung einer eigenen Erwartung oder Vorstellung.
Man hört dann bei Gesprächen über das Thema, wie jemand ganz dramatische Dinge erlebt hat, bis er überwältigt ist, und nicht mehr anders kann, als zu glauben. Oder man hört, wie jemand furchtbar mit sich ringt, und dann zu einem Durchbruch kommt, und dann ist alles klar.
Da kann es nicht ausbleiben, daß Du Dich fragst: Und wie ist es mit mir? Habe ich so etwas auch erlebt? Kann ich auch so mit mir ringen? Bin ich auch so vom Evangelium überwältigt?
Oft wird die Antwort dann „Nein!“ lauten. Und danach fühlt man sich vom Glauben weiter entfernt denn je. Das Erlebnis wird zum Maßstab. Wir Menschen tun das ständig. Was erlebt ein anderer, was erlebe ich? Und man vergleicht. Und je nachdem ist man dann draußen oder drinnen.
Ich liebe aber diese Bekehrungsgeschichte der Paulus.
Sie sagt mir sehr viel über Gott, über Christus, über das Evangelium und über den Glauben.
Diese Bekehrung des Paulus ist so wunderbar göttlich, denn sie gibt uns etwas, ohne daß wir vergleichen müssen, oder irgendwie wünschen: „Wenn das doch mir geschehe!“, oder beklagen: „So bin ich einfach nicht!“ – Mit anderen Worten: Dieser Bericht, diese Erfahrung des Paulus tut dem Glauben nur gut.
Und wie? Ja, so:
Überlegen wir einfach mal „Vorher“ und „Nachher.“
Der Predigttext beginnt damit, daß Paulus „schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn.“ Also mit jeder Faser seines Leibes, mit jedem Gedanken seiner Sinne, mit jeder Regung seiner Seele voller Zorn gegen die Jünger des Herrn.
Und wie endet der Predigttext: „ … alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, daß dieser Gottes Sohn sei.“
Das ist so ein großer Kontrast! Diese Änderung im Leben des Paulus stellt alles in den Schatten, sie hängt alles ab, sie läßt alle unsere Vorstellung von Änderung im menschlichen Leben weit unter sich.
Paulus vorher – also, sein hebräischer Name war Saul. Paulus ist dann griechisch, aber er wird manchmal auch noch nach seiner Bekehrung Saul genannt (zB in Apostelgeschichte 13, 1-9) – Paulus vorher hat also:

  1. 100%ig nicht versucht, ein Christ zu sein. Er hat alles getan, NICHT Christ zu sein! Ihm wäre es am liebsten gewesen, wenn man den Namen „Jesus“ nicht mehr ausgesprochen hätte. Seine Bekehrung war nicht das Ergebnis eines Wunsches, oder einer Sehnsucht. Im Gegenteil! Seine Sehnsucht war es, zu beweisen, daß der Glaube an Jesus ein schädlicher Irrtum sei, daß Jesus nicht Segen, sondern Fluch bringt.
    Diese Sehnsucht hatte er schon bewiesen: Direkt vor unserem Predigttext hören wir, daß Paulus gerne Zeuge war von dem ersten Märtyrertod. Stephanus wird gesteinigt, weil der Jesus als Gottes Erfüllung Seiner Zusagen für Israel bezeugt. Jesus ist die Identität Israels. Dafür muß er sterben. Die Zeugen der Steinigung legen ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes, der hieß Saulus. (Apostelgeschichte 8, 58). Paulus hatte so etwas wie eine Aufsicht über die Zeugen, eine Verantwortung dafür, daß die Steinigung rechtmäßig geschah. Kurz danach berichtet uns St. Lukas: „Saulus aber hatte Gefallen an Stephanus Tode.“ (Apg. 8, 1). Er hieß es gut, daß im Namen Gottes Bekenner zu Jesus verurteilt und hingerichtet wurden.
    Das war ein überdeutlicher Standpunkt: „Jesus ist weniger als nichts. Wer sagt, daß Jesus mehr ist als nichts, der beweist selbst, daß er alle Rechte vor Gott und in Israel verloren hat.“
    Paulus hat es nicht versucht, ein Christ zu sein. Das ist eine ganz matte Aussage. Paulus hat alles eingesetzt, kein Christ zu sein, ja, daß es keine Christen mehr gibt.
    Paulus vorher, 2.:
    Das war keine Frage eine Schwäche – daß er irgendwie neidisch war, oder nichts Neues mochte, Angst vor Neuerungen hatte. Oder, daß er als Charakter aggressiv war, oder sonst gewalttätig. Also keine Schwäche. Auch nicht Dummheit, oder Mangel an Vorbildern oder an Wissen.
    Paulus macht völlig klar, daß niemand in Israel ihm etwas vorwerfen konnte, ganz im Gegenteil. Er gibt das auch zu. Herkunft, Erziehung und Ausbildung, und auch Lebensführung waren tadellos. Das Gesetz des Mose war sein Leben, seine Identität. Paulus glaubte also die besten Gründe zu haben, gegen die Christen vorzugehen. Nicht nur das! Er tat es nicht eigenmächtig, sondern ließ sich von höchster Stelle legitimieren: Er „…ging zum Hohenpriester
    und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe.“ So eindeutig im Recht war niemand, wie Paulus, als er von Jerusalem nach Damaskus ging.
    Paulus war ein Nicht-Christ, ja, Anti-Christ aus den unumstößlichsten Gründen.
    Und nachher? –
    Genau dieser Mann hört nicht nur auf, gegen die Christen zu sein, sondern er läßt sich auch taufen, er läßt sich nicht nur taufen, sondern er „predigte er in den Synagogen von Jesus, daß dieser Gottes Sohn sei.“
    Er hatte die Urgemeinde in Jerusalem in Angst und Schrecken versetzt, so daß Christen das Land Israel verließen in alle Richtungen. – Und nun bekennt und beweist Paulus, daß Jesus der Sohn Gottes sei.
    Das ist Paulus Nachher – und das bleibt er auch. Missionar von Arabien bis Rom. Gemeindegründer wie kein Zweiter. Lehrer des Evangeliums ohne gleichen.
    Er, der sagte, daß Jesus nicht zu Israel gehörte, sagt nun: Nur durch Jesus gehört man überhaupt zu Israel.

Nichts an Paulus vorher sprach dafür, daß er Christ und Apostel werden würde. Nichts, was er war, konnte oder hatte, qualifizierte ihn dafür. Im Gegenteil, alles war bewußt dagegen.
Aber im Grunde war es ja nur eins: Er war gegen Christus. Aus den besten Gründen, die ein Mensch haben konnte.

Aus diesem Nichts hat Gott den Christen Paulus geschaffen.

Es ist eine Begegnung. Der Auferstandene Jesus stellt sich Paulus in den Weg. Es ist Licht. Licht, das den Mittag, den hellen Mittag zur Nacht werden läßt.
Paulus war der festen Überzeugung, sehen zu können, das Licht des Tages und der Wahrheit zu sehen. Paulus sah sich schon in Damaskus. Der Weg dorthin war klar.
Und dann dieses Licht. Und alles war Nacht.
„Herr, wer bist du?“ – Fragt der Professor, der tadellose Israelit.
„Ich bin Jesus, den du verfolgst!“
Das war‘s!
Also ist Jesus nicht im Grab. Und wenn er nicht im Grab war, sondern auferstanden, dann hat Gott ihm Recht gegeben. Und wenn Gott ihm Recht gegeben hat, dann waren die Verurteiler Jesu vor Gott im Unrecht. Und wenn die Verurteiler im Unrecht waren, dann ist Jesus unschuldig gestorben. Wenn Jesus unschuldig gestorben war, dann war er kein Betrüger. Wenn Jesus kein Betrüger war, dann hat Jesus das Alte Testament bewahrheitet, erfüllt. Dann ist Jesus nicht verflucht, sondern gesegnet. Also bringt Jesus nicht Fluch, sondern Segen. . . Ja: also ist Jesus Gottes Sohn.
Also: Wer gegen ihn ist, der ist gegen Gott.
Das alles kommt über Paulus mit dem Licht und mit der Stimme.
In der einen Begegnung wird der Tag des Paulus zur Nacht, weil Jesus, das Licht der Welt, über ihn aufleuchtet.
Paulus macht daraus keinen Hehl.
An Timotheus schreibt er: „Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, daß Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.“
Ich bin der schlimmste Sünder. Meine ganze Herkunft, meine Erziehung, meine Bildung, meine Frömmigkeit, meine Religion haben zur dazu geführt, daß ich ein Anti-Christ war.
Es ist nur Gnade. Das heißt, die Entscheidung liegt bei Gott allein. Gottes Liebe ist der Grund, warum Paulus bekehrt wurde. Paulus fand in sich keinen Grund. Gott allein, ist der Grund.
Das wurde auf einmal klar, als Paulus hörte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“
Der arme HHananias, muß das alles bestätigen.
Die Christen in Damaskus zitterten vor Paulus. Er war ihr Feind – mit Ansage! Und der soll ihr Bruder werden? Ja, sie sollen auf ihn hören, und sich von ihm lehren lassen? – Hananias spricht das im Gebet aus. „ Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen.“
Kein Mensch konnte sich das ausdenken! Paulus nicht, Hananias nicht, der Hohepriester nicht, auch du und ich nicht.
Hier ist kein menschlicher Plan. Hier ist Gottes Handeln.
Alle stehen staunend davor. Vor allem Paulus.

Warum liebe ich diese Bekehrungsgeschichte?
1. Sie zeigt mir, wie frei Gott ist. Wenn Gott so einen Antichrist, wie Saul / Paulus nehmen kann, und aus ihm den größten Missionar machen kann, dann hat jeder eine Chance. Du wirst es nie schaffen, so gegen Jesus zu sein, wie Paulus war. Gottes Gnade ist stärker als Paulus; dann auch sie stärker als dein Talent, nicht zu glauben.
2. Sie zeigt mir, daß ein Mensch nicht bei Gott ankommt, mit dem was er tut. Paulus hatte alles richtig gemacht. Aber weil er damit glaubte bei Gott anzukommen, und vor Gott eindeutig im Recht zu sein – deshalb war er der „größte Sünder.“ Das Tun tut es nicht. Der Grund ist nicht in dir, sondern in Gott allein.
3. Sie zeigt mir: Der Glaube entsteht in der Begegnung. Nicht durch meinen Willen. Der auferstandene Herr ist ja auf Paulus zugekommen, nicht umgekehrt. Mein Wille kann niemals sagen: „Ich bin Jesus.“ – Das kann nur Jesus, der gekreuzigt wurde für unseren Unglauben und auferstanden ist für unseren Glauben. Jeder Gottesdienst wird davon getragen, oder wie man sagt: Konstituiert, daß diese Stimme vom Himmel zu uns kommt: Ich bin Jesus. Die Liturgie, die Lesungen, das Vaterunser, das Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus –das alles sagt aus: Ich bin Jesus. Ich bin nicht im Grab. Ich bin so frei, hier zu sein. Das ist die Begegnung, die Paulus auch hatte.
4. Die Bekehrungsgeschichte des Paulus zeigt mir: Jesus bringt vor allem Gnade. Das heißt, Vergebung. Das heißt: Du wirst erschrecken über dich selbst, aber ich bin größer und stärker als dein größter Schrecken. Jesus sagt: Ich komme nach deinem Erschrecken über dich selbst. Denn das ist ein Sünder: Jemand er über sich selbst entsetzt ist. Jesus kommt danach. Das ist Gnade. Es muß dich geben, weil Gott gnädig ist.
Darum liebe ich diese Bekehrungsgeschichte, weil mir Gott zeigt. Nicht Menschen. Mit Menschen vergleiche ich mich automatisch. Da ist keine Gnade. Mit Gott kannst du dich nicht vergleichen – da kann die Gnade kommen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

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