Pfingsten

Von | Mai 24, 2026
El_Greco_006

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 
2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 
3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 
4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 
6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 
7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 
8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 
9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 
10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 
11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.
12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 
13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.
14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 
15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 
16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist Joel 3,1-5:
17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 
18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 
19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 
20 die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

Text: Apostelgeschichte 2, 1-21

Gebet: Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen, und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe; der du in Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Einigkeit des Glaubens. Amen.

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Der Heilige Geist ist Gott in Bewegung. Der Heilige Geist bewegt.

Der Bericht von Pfingsten, von der Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel, ist wie ein Blitz in Zeitlupe. 

Es ist eine gewaltige Bewegung, die im Himmel beginnt, und im Herzen des Menschen ankommt. 

Der Heilige Geist ist Gott in Bewegung. Also Gott selbst. 

Es passiert blitzschnell, daß man denkt: Der Heilige Geist ist eine Erfahrung, oder ein Gefühl, oder so etwas – also eine Wirkung.

Nein: Der Heilige Geist ist Gott selbst, und Gott ist nicht Wirkung, sondern Ursache. Gott schafft aus dem Nichts, Gott macht und bewirkt. 

Und wie ist Gott in Bewegung? Gott spricht. Gott gibt Sein Wort, und ist damit Ursache. Gott bewegt durch Sein Wort. Halte das fest, mein lieber Christ: Gott verursacht Seinen Willen in dir sprechend. Gott ist keine stumme, sprachlose Macht, sondern Gott kommt zu dir sprechend. Gott in Bewegung und Gott sprechend – das ist eins. Ein Psalm bringt es wunderbar auf den Punkt: „Der HERR sendet sein Gebot auf die Erde, sein Wort läuft schnell.“ (Psalm 147, 15) Noch einmal, dieses mußt du festhalten: Es ist nicht eine stumme Energie, die irgendwann irgendwie Sprache wird, sondern ist es im Ursprung ganz Wort. Wie der Evangelist Johannes sagt: „Im Anfang war das Wort, … und Gott war das Wort … alle Dinge hat dieses Wort, das Gott ist, verursacht, und ohne dasselbige ist nichts, was gemacht ist.“ (Johannes 1, 1+3). 

So. Und jetzt folgen wir mal dem Blitz, der in Zeitlupe vom Himmel zur Erde kommt, folgen wir Gottes Bewegung von ihrem Ursprung im Himmel bis zu ihrem Ziel, nämlich dem Herzen des Menschen. 

Die Bewegung beginnt bei Gott, im Himmel „wie von einem gewaltigen Wind“; es ist ein Brausen, ein Echo – es geht eindeutig von Gott selbst aus, von oben – also von keiner anderen Macht beeinflußt, außer durch Gott selbst. Es ist schon Sprache, aber es ist Sprache, die größer ist, als Menschensprache, es ist die Sprache, die die Welt, Himmel und Erde geschaffen hat. Gott ist in Bewegung. Diese Bewegung ist nicht wie ein Tornado, der Bäume umknickt oder Dächer von den Häusern reißt, sondern Gottes Energie, die Seinen Willen bewirkt. Diese Bewegung kommt vom Himmel herab, und aus dieser kosmischen Dimension geht sie über, so wird es uns gesagt, in ein Haus. „Es erfüllte das Haus, in dem die Jünger saßen.“  Der Kosmos ist für uns zu groß. Ein Haus ist größer als ich, aber ich kann mich darin bewegen. Die Jünger waren in einem Haus, wie Jesus es ihnen geboten hatte. Sie sollten warten. Außerdem war es ja ein Festtag des Alten Testaments. Es war ein Erntedankfest, und zugleich der Tag, an dem Gott auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote dem Volk Israel offenbarte. Die Jünger waren also nach Gottes Willen versammelt. Ein Festtag ist eine geordnete Zeit, so wie ein Haus ein geordneter Raum ist. Die Jünger waren in Gottes Ordnung. Dieses Haus würde von Gottes Geist, Gott in Bewegung, „erfüllt“. 

Dann hören wir, daß Gottes Bewegung, Gottes Energie – die immer schon Sprache ist, und niemals stumm! – daß der Heilige Geist erscheint wie Zungen von Feuerflammen, die sich teilen und auf jeden einzelnen im Haus kommen. 

Die Bewegung konzentriert sich: Himmel, Haus, und jetzt einzelne Personen, Menschen. Die Worte zeigen eins: Gottes Bewegung vom Himmel, die das Haus erfüllt, erfüllt nun auch jeden einzelnen im Haus, und zwar so, daß einer es am anderen erkennen konnte. Niemand mußte es dem anderen beweisen oder zeigen, sondern alle im Haus wurden von Gott in Bewegung ergriffen und erfüllt. Und wieder: Es war Sprache, Gottes Wort, das sie erreichte und erfüllte, nichts Sprachloses oder Stummes!

Und dann bricht aus den Aposteln heraus, was vom Himmel aus in sie gekommen war. Sie sprechen Gottes Sprache: „und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ Der Geist Gottes, der Atem Gottes, die Bewegung und Energie Gottes, ist immer ganz Sprache. Und das überraschende ist: Gottes Sprache spricht in einer Mehrzahl von menschlichen Sprachen. Was Gott vom Himmel sagt, meint alle Menschen in allen Sprachen. Im Ergebnis haben die Jünger zugleich alle Menschen um sich herum so angesprochen, das jeder in seiner Sprache alles verstanden hat. 

Auch hier müssen wir dem Blitz in Zeitlupe genau folgen: Die Apostel sprechen Worte „wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ Das Original besagt: „artikulieren“, also mit Zunge, Lippen und Mund aussprechen. So haben wir Menschen Sprache: Sie ist leiblich. Wir formen sie mit unserem Leib. 

Ich sagte vorhin: Gottes Bewegung ist immer schon Wort, und niemals nicht Wort.  Jetzt müßt ihr auch das nächste festhalten: Es geht nichts verloren. Was bei Gott anfängt und ein Brausen am Himmel ist, ein Haus erfüllt – das bleibt ganz, auch wenn es durch den Mund eines Menschen geht. Was die Apostel sagen, ist unverdünnt Gottes Wort. Gott ist da ganz drin in diesen menschlichen Worten. Es geht nichts verloren. Nichts bleibt auf der Strecke. Oh, was gibt es zwischen Menschen, was mißverstanden wird, verschwiegen – es geht unter und verloren! Hier geht nichts verloren. Gottes Bewegung erreicht dich ganz. 

Der Blitz geht weiter, folgen wir ihm: Gottes Sprache wird gehört. Die Hörer sind auch da, wo sie sind, weil Gott es geordnet hat: „Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.“ Es sind Juden aus aller Welt, die dem Gesetz Gottes gehorchen und zum Fest, dem Fest der Ernte und der Gebote Gottes, nach Jerusalem kommen. Das sind die Hörer – Gottes Wort geht nicht verloren, sondern es wird gehört, und Gottes Bewegung, der Heilige Geist, verursacht dieses Hören. Dein Hören begrenzt Gottes Wort nicht. Das ist ein Wunder. Wir Menschen machen immer wieder die schwere Erfahrung: Was ich sage, und was gehört wird: Es fällt auseinander, es geht verloren. 

Hier nicht!

Sie hören Gottes großen Taten. Gott handelt niemals ohne Wort. Gott handelt immer in Übereinstimmung mit Seinem Wort. Gottes Taten zielen auf deine Seele. Du bist gemeint! Jeder Mensch soll Gottes Taten, Gottes Handeln, erfahren und erkennen. Dazu gibt Gott Sein Wort.

Der Blitz geht weiter: Die neue wundersame Predigt der Apostel hat eine Wirkung. Einige der Hörer sind bestürzt, erschrocken: „Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? … Wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?“ Auf einmal ist alles offen. Wohin trägt mich Gott in Bewegung? Was verursacht diese Kraft, die von oben kommt, und nicht beeinflußt werden kann? Was hat Gott mit mir vor? Dies ist eine neue Kausalität! Gottes Wort ist größer als du, was macht es mit dir?

Die einen sind bestürzt. Die anderen nicht: „Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.“ Sie machen Gottes Wort klein. Sie denken, daß sie es durchschaut haben. Es ist keine Bewegung von Gott, sondern etwas, was man anders erklären kann: Aus den Aposteln spricht ein Rausch, etwas Natürliches. Es ist nichts weiter als sinnloses Geplapper im Rausch. Das muß man nicht ernstnehmen! Gottes Wort sagt nicht, was es sagt! Das, was ihr für Gottes Wort haltet, ist eigentlich etwas ganz anderes: Es ist der Ausdruck von einem Gefühl, oder es ist der Ausdruck von menschlicher Macht – hier spricht nicht Gott, sondern wirtschaftliches Interesse, oder der Wille, über Menschen Macht zu haben. Etwas Wortloses kommt zu Wort, es ist nur ein Geräusch. Und das besagt: Gott spricht nicht. Gott kann dich nicht erreichen. 

Und jetzt?

Petrus steht auf. Petrus, der seinen Herrn verleugnet hat. Petrus, was hast du in der Hand? – Petrus, vor dir stehen „gottesfürchtige Männer“ aus aller Welt? Studiert, in der Welt herumgekommen, erfahren in allen Dingen. Was hast du in der Hand, Petrus? Willst du von Jesus sprechen, den gekreuzigten? Willst du von seiner Auferstehung sprechen – spricht man nicht in ganz Jerusalem davon, daß seine Jünger seinen Leichnam aus dem Grab gestohlen haben? Petrus, willst du damit auf die Weltbühne treten? Liebe Gemeinde! Welche Chancen hat Petrus?

Erfüllt von Heiligen Geist tritt Petrus auf. Er sagt, was ist: Süßen Wein gibt es nicht. Die Erklärung fällt weg. Und dann kommt er mit dem Propheten Joel. Jetzt, am Pfingstmorgen, tut Gott, was er Israel versprochen hat. Petrus erklärt das Alte Testament und zeigt auf Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Er tut das in der Kraft des Heiligen Geistes. Der Blitz, der vom Himmel durch Wind und Feuer als Sprache ihn und die anderen Apostel erfüllt hat, diese Bewegung Gottes geht über seine Lippen. Er spricht von Jesus in den Worten, die Gott im Alten Testament geprägt hat. In den Vierzig Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt hat Jesus seinen Jüngern die Schriften des Alten Testaments „geöffnet“. Sie sprechen von Jesus, von seinem Kreuz und seiner Auferstehung. Das tut Petrus jetzt.
Genau so, wie unser Text das leibliche Sprechen im Heiligen Geist genau beschreibt, so führt Petrus das fort – der Blitz in Zeitlupe erreicht nun die Hörer, und dort geht es ebenso leiblich zu: „Das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!“ Ins Ohr hinein! In den Verstand: Es sei euch kundgetan – Gott spricht jetzt mit dir! Die Bewegung – und es ist eine Bewegung, eine Energie, die immer zugleich Sprache ist! – transportiert ohne Verlust, ohne Abbruch, Gottes Wort bis ans Ziel. Petrus stellt sich auf den Boden des Alten Testaments und zeigt auf Jesus: Der ist es! Sein Kreuz war kein Unfall, und seine Auferstehung ist kein Gerücht. „Des sind wir Zeugen!“ 

Über diese Predigt wäre viel zu sagen. Der Heilige Geist bewegt die Hörer, Er erreicht ihr Herz. Die gottesfürchtigen Männer aus aller Welt müssen fragen: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“  Und damit ist die Kirche ist da. Das ist unser Anfang. Ein Sünder spricht mit Sündern über Jesus, und Gottes Bewegung kommt an. 

Gott hat ein für alle Mal festgelegt, was eine Predigt ist:
Ein Mann, den Gott berufen hat, steht leiblich vor einer leiblich versammelten Gemeinde, gründet sich auf die Heilige Schrift und sagt, wer Jesus ist, und was Jesus gesagt und getan hat, warum er gelitten hat und daß er lebt und Macht hat und urteilt. So bewegt Gott uns Menschen. 

„Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte.“ Liebe Luise, das soll dein Spruch sein. Es ist eine Freude, von Gott gemeint zu sein, von Gott angesprochen zu werden. Es ist eine Freude, weil Gott zuverlässig ist, gerade in seinem Wort. Dieses Wort kommt von ganz oben, und spricht doch so, daß du es hören kannst und zu Herzen nehmen. Und, was es tut, das ist von Gott gewollt. Und Gottes Wille ist, daß du zu Jesus gehörst. Jesus ist gekommen, jedem Menschen Gottes Freude zu zeigen. Freude ist möglich. Jesus gibt dir den Heiligen Geist, und der hilft dir zur Freude. 

„Glaubt an das Licht, dieweil ihr das Licht habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid.“ Das soll dein Wort sein, lieber Benedikt. Jesus sagt das seinen Hörern. Er sagt es, weil er es gut mit ihnen meint. Das Ergebnis von allem, was Jesus gesagt und getan hat, ist Licht. Einfach Licht. Wer zu ihm gehört, und ihm nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis steckenbleiben oder im Dunkeln enden. Du hast dieses Licht, Benedikt. Du kennst Jesus, und in der Taufe hat er dich zu seinem Eigentum gemacht, du gehörst dem Licht, und nicht der Finsternis. 

Liebe Gemeinde, freuen wir uns mit Luise, und halten wir uns an das Licht der Welt mit Benedikt. Der Heilige Geist schenke es!


Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

Pfingsten und Konfirmation, 24. Mai 2026
Bild: „Ausgießung des Hl. Geistes“ (El Greco, um 1600)