Kategorien
Predigt

7. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde, wir sind Tischgäste dieses HERRN. Laßt uns so unseren Weg gehen, daß die Sorge nicht an erster Stelle steht, auch nicht der grenzenlose Genuß. Laßt uns so leben, wie Menschen, die einen Gott haben.

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.

1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:
Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.
2 Da kam das Wort des HERRN zu ihm:
3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt.
4 Und du sollst aus dem Bach trinken und ich habe den Raben geboten, daß sie dich dort versorgen sollen.
5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt.
6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends und er trank aus dem Bach.
7 Und es geschah nach einiger Zeit, daß der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande.
8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm:
9 Mach dich auf und geh nach Zarpat, das bei Sidon liegt, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen.
10 Und er machte sich auf und ging nach Zarpat. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, daß ich trinke!
11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!
12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen – und sterben.
13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen.
14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag.
16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er durch Elia geredet hatte.

1. Könige 17, 1-16

Gebet: Lieber HERR und Gott, sorge Du selbst für alle, die Dir nachfolgen. Laß Dein Wort heiliger Schrift aus uns neue Menschen machen, die ihre Hoffnung ganz auf Dich setzen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Unser Gott hat Freude daran, wenn wir essen und trinken, und seine Gäste sind. Die ganze heilige Schrift zeigt uns einen speisenden und tränkenden Gott. Wer zu Gott gehört, soll essen und trinken.
Ob das nun die ersten Menschen im Paradies sind, die von Früchte von den Bäumen essen dürfen – oder Abraham und Sara, die drei geheimnisvolle Gäste bekommen, und ihnen eine Mahlzeit vorsetzen – und während der Mahlzeit spricht ein Gast an Gottes statt und erneuert die Verheißung, daß das alte Paar einen Sohn bekommen wird. Oder denken wir an das Volk Israel, daß durch die Wüste wandert, und von seinem Gott durch das Manna vom Himmel am Leben erhalten wird.
Derselbe Gott begegnet uns im Neuen Testament. Im Evangelium hören wir von unserem Herrn Jesus Christus, wie er dem Volk, das Ihm nachzieht, um Seine Predigt zu hören, mit einem Wunder leiblich versorgt wird. – Ja, auch in der Ewigkeit wird es Essen und Trinken mit Gott geben. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, sagt der auferstandene Jesus: „Wer überwindet, den will ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist, (Offenbarung 2, 7), von dem verborgenen Manna (Offenbarung 2, 17). Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21, 6). Wo Gott ist, da ist Essen und Trinken.
Darum sagt Jesus auch: „Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet … ist nicht das Leben mehr als die Nahrung? (Matthäus 6, 25)“ „ Ihr sollt nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken …? Nach dem allen trachten die Heiden, die Gott nicht kennen. … Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch solches alles zufallen“ (Matthäus 6, 31.33) – also Gott wird es euch bescheren.
Es ist deshalb eine für Gott ganz typische Geschichte, die wir aus dem Alten Testament hören. Elia wird wunderbar am Leben erhalten – gleich zweimal!
Erstmal am Bach Krit einsam im Verborgenen – Gott sendet Raben, den Propheten mit Brot und Fleisch zu versorgen. Und dann bekommt eine Witwe – die nicht zum Volk Israel gehört – von Gott den Auftrag, Elia zu versorgen. Und das in einer Situation, wo sie schon mit dem Schlimmsten rechnet – eigentlich reichen ihre Vorräte gerade für eine Mahlzeit! Aber das Mehl im Kasten wird nicht verzehrt und den Krug mangelt es nicht an Öl. Es ist ein Wunder. Gottes Überraschung.
Gott ist ein Gott des Essens und Trinkens.
Essen und Trinken ist für uns so alltäglich, daß wir kaum darüber nachdenken – höchstens an Einkaufen und Kochen, an Zutaten, Rezepte und gesundheitliche Aspekte, oder an Vorlieben: Was uns schmeckt!
Natürlich ist bei allem Genuß, bei aller Überlegung, was gesundes Essen ist, uns bewußt: Essen ist lebensnotwendig – mehr noch Trinken. So hat Essen diese Dimension von Zukunft. Wenn ich gegessen und getrunken habe, kann ich weiterleben, weiterarbeiten, für eine Zeit. Essen und Trinken bringt Leben, erhält Leben. Darum sagt der Psalm 104: „Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.“ (v. 24). Alles Essen und Trinken ist immer ganz und gar Gottes Gabe. „Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott“ singt unser Gesangbuch. Gott ist immer drin, und wartet darauf, daß wir es erkennen und von Herzensgrund dafür danken. Es ist eine aktuelle Überwindung des Todes, die vom Himmel der Liebe Gottes durch unseren Mund geht, in den Bauch und ins Blut über. Gott ist ein Gott des Essens und Trinkens, weil er ein Gott des Lebens ist – und Gott will, daß wir es bewußt erleben, wie Leben von Außen – vom Baum, vom Tisch, vom Teller oder aus dem Becher – in uns eingeht. Wer mal am Tropf war, und ernährt wurde ohne Beißen, Kauen und Schlucken – der weiß, was da fehlt. Gott will, und freut sich daran, wenn wir bewußt dabei und aktiv sind, wenn er unser Leben stärkt und eine Zukunft schenkt. Was ich schmecke, ist ganz und gar meins: Gott hat uns so geschaffen, daß wir das intensiv miterleben – da sollte uns das Danken leicht fallen! Verständige, einsichtige – ja: achtsame Menschen müssen Gott immerfort ungezwungen gratulieren zu seiner herrlichen Einrichtung von Essen und Trinken. Wunderbar! Kannst Du Dir nicht ausdenken!
Der Prophet Elia hat die schwere Aufgabe, die Wahrheit, daß Gott ein Gott des Essens und Trinkens ist, da zu verkündigen, wo man sich gegen Gott gewendet hat.
Wenn wir die Wunder betrachten, die Elia erlebt hat, dann müssen wir auch die Umstände bedenken.
Die Mächtigen zur Zeit des Elia wollten einen Gott ohne Glauben. Sie errichteten Tempel mit Bildern, die den einen wahren Gott darstellen sollten, obwohl Gott das ausdrücklich verboten hatte. Sie luden zu Gottesdiensten außerhalb von Jerusalem ein – wozu sie überhaupt nicht das Recht hatten. Der König Ahab und seine Königin Isebel gingen dann dazu über, auch fremde Götter und Göttinen zu verehren und zu diesem Götzendienst einzuladen. – Das hatte verschiedene Gründe. Man muß wissen, daß damals das Volk Israel geteilt war: Im Süden das Reich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem, und im Norden das Reich Israel, mit der Hauptstadt Samaria.
So sah man zum Beispiel nicht ein, daß die vom Nordreich zu allen Festtagen über die Grenze nach Jerusalem gingen, und dort viel Geld zurückließen. So baute man eigenmächtig, ohne Gottes Gebot, eigene Heiligtümer. Um das ganze attraktiv zu machen, kamen erst Gottesbilder, dann aber auch Götzenbilder.
Es gab auch diplomatische Gründe: Man wollte die Nachbarvölker und deren Religion nicht ständig beleidigen mit dem Bekenntnis zu dem Einen, Wahren Gott, der Himmel und Erde geschaffen hatte. Es kam, wie es kommen mußte, was zunächst harmlos war, scheinbar mit gutem Willen anfing – das endete weit weg vom Glauben Israels. Man betete Götzen des Reichtums, der Erfolgs, der Fruchtbarkeit und des Glücks an.
Da schickt Gott nun seinen Diener Elia. Er muß eine anhaltende, vernichtende Dürre ankündigen. Ihr wollt ohne Gott sein – dann sei es so! Es wird nicht mehr regnen. Gott zieht seine Gaben zurück. Man wollte sie ohne Gott für sich haben, nun verlor man beides. Denn Gott ist wahrhaftig und heilig. Seine Wahrheit wird er nicht auf Dauer untergehen lassen.
Der Weg des Elia wird es zeigen, daß er durch seine furchtbare Ansage sein Leben aufs Spiel setzt. Er ist auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Diese Grenze ist sehr oft der Rahmen für Gottes Wunder. Gottes Wunder können wir nicht mit der Fernbedienung im Sessel sitzend herbeifordern oder mit dem Smartphone bestellen.
Auch bei der Speisung der 4000 sagt Jesus: „Mich jammert des Volks, weil sie nun schon 3 Tage mit mir unterwegs sind und meiner Predigt zuhören. Ich will nicht, daß sie deswegen verschmachten.“ (Matthäus 15, 32). Wer sich für Gottes Wahrheit Zeit nimmt, wer für Gott sein Leben riskiert, den wird Gott auf besondere Weise erleben lassen, daß Er ein Gott des Essens und Trinkens ist.
Elia hält sich an das erste Gebot: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Was ist das? Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Elia ist ganz bei dem Geber.
Vor den Augen der Welt ist er verloren. Er macht nicht mit beim Götzendienst, er verweigert sich. Darüber hinaus hat er von Gott den Auftrag, öffentlich zu widersprechen. Die Götzen, die eben noch so großzügig waren, und ein erfülltes Leben versprachen, die ertragen diesen Widerspruch nicht. Elia muß verschwinden, sich verbergen. Er ist aus allem raus. Aber Gott ist bei ihm.
Im Gespräch mit der Witwe zu Zarpat gibt es eine Stelle, die man nicht vergißt: Elia bittet ja zunächst um etwas zu trinken. Und dann, als sie losgegangen ist, ruft er ihr noch nach: Bitte auch einen Bissen Brot! – Doch dann wird die Not erst bewußt: Es gibt nur noch eine Mahlzeit. – Und dann kommt es:
„Mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen.“ – Zuerst mir – danach dir und deinem Sohn! Wenn es nur eine Begegnung zwischen Menschen wäre, müßte man sagen: Wie dreist! Was ist mit Frauen und Kinder zuerst? – Doch Gott hat Elia zu dieser Witwe geführt. Es ist eine Glaubensgeschichte. Die Witwe nimmt das erste Brot nicht für sich und ihren Sohn, sondern opfert es für Gott. Sie ehrt den Geber. Gott soll nicht den Rest bekommen, sondern das Erste.
So mußte Israel auch bei der Ernte gleich zu Beginn die Erstlingsgaben opfern – als Bekenntnis: Das, und alles danach, kommt von Gott. (Vgl. 3. Mose 23, 10-11: Sage den Israeliten und sprich zu ihnen: „Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und es aberntet, so sollt ihr die erste Garbe eurer Ernte zu dem Priester bringen. Der soll die Garbe als Schwingopfer schwingen vor dem HERRN, dass sie euch wohlgefällig mache. Das soll aber der Priester tun am Tage nach dem Sabbat.“)
Was kann man sagen: Keine Wunder ohne erstes Gebot! Wer das erste Gebot hält, der betritt den Bereich der Wunder.

Unser Herr Jesus Christus hat das auch getan. Die wunderbaren Speisungen von tausenden mit wenig Broten und Fischen zeigen das.

  1. Sie geschehen, nachdem Jesus gepredigt hat. Die Predigt soll unsere Seele bei Gott in Sicherheit bringen. Uns trennen von allen Götzen, die uns betrügen, daß man Gottes Gaben ohne den Geber haben kann. Die Predigt ruft zu Gott zurück, und macht klar, daß das lebensnotwendig ist.
  2. Jesus hebt Seine Augen auf zum Himmel, und dankt. Er bezeugt es: Danke Gott, für Deine Gabe. Dir gebürt die ganze Ehre!
  3. Jesus bricht das Brot: Er denkt nicht nur an sich selbst, sondern versorgt, so wie es möglich und nötig ist. Auch das ist ein Zeichen dafür, daß er sich selbst nicht ein Gott ist.
    So sollen auch wir sagen:
    „Dein Wort ward mir Speise, da ich’s empfing; und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt; HERR, Gott Zebaoth.“ Jeremia 15, 16. – Und dann die leibliche Speise als eine Gabe des Himmels annehmen, und schließlich nicht aus Neid oder Verzweiflung denken: Wenn ich teile, dann verliere ich. Wenn ich Gott habe, dann verliere ich nicht.
    Liebe Gemeinde, wir sind Tischgäste dieses HERRN. Laßt uns so unseren Weg gehen, daß die Sorge nicht an erster Stelle steht, auch nicht der grenzenlose Genuß. Laßt uns so leben, wie Menschen, die einen Gott haben.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Gillis van Coninxloo: Elias wird vom Raben ernährt

Ende 16. Jh., Öl auf Holz, 115 × 178 cm
Brüssel, Musée Royaux des Beaux Arts
Kommentar: Frankenthaler Malerschule, Landschaftsmalerei
Land: Niederlande
Stil: Manierismus
[Coninxloo, Gillis van. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 2169 (c) 2005 The Yorck Project]