Reminiszere

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.
37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.
38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser
Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!
40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
41 Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, daß dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! 43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.
44 Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.
45 Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.
46 Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

Matthäus 26, 36 – 46

Lieber Herr Jesus, laß uns nicht verschlafen, was du für uns getan hast und tust. Segne Dein Wort bitte jetzt an uns. Amen.


Liebe Gemeinde!
Petrus, Johannes und Jakobus hatte Jesus schon einmal beiseite genommen. Das war auf einem hohen Berg. Dort sahen sie Jesus in der Verklärung, in seiner Herrlichkeit, Überlegenheit, in seiner Göttlichkeit, alles leuchtete an ihm. (Matthäus 17). Das war bei einem wichtigen Übergang – Jesus machte sich auf nach Jerusalem, nachdem er gute drei Jahre als Wanderprediger das Reich Gottes angekündigt hatte. Jesus hat klar angekündigt, daß sein Weg nach Jerusalem ein Weg des Leidens und der Opfers war. Petrus, Jakobus und Johannes sollten sehen und bezeugen: Es ist der Sohn Gottes, der diesen Weg geht.
Heute hören wir, wie Jesus wieder diese drei Jünger als Zeugen beruft. Wieder ist es ein wichtiger, folgenschwerer Übergang. Es sind die letzten Stunden, bevor Jesus gefangengenommen wird. Direkt davor hat Jesus mit seinen Jüngern die Passamahlzeit gegessen und dann das Abendmahl eingesetzt. Die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern wurde einmal noch erlebt; und Jesus hat dabei seinen Leib und sein Blut den Jüngern übertragen, gegeben. Zugleich hat er aber auch klar gemacht, daß sein Leib geopfert und sein Blut vergossen wird.
Während dieser engen, vertrauensvollen und persönlichen Gemeinschaft hat Jesus aber auch klar gemacht, daß Judas ihn ausliefern, Petrus ihn verleugnen, und alle Jünger ihn verlassen würden. Die Gemeinschaft wird aufhören, und Jesus wird seinen letzten Weg ganz allein gehen. Er wird verhaftet und unfrei, ohne Macht und Selbstbestimmung in die Hände der Sünde fallen, und er wird sterben.
An diesem Übergang geht er in den Garten oder Hof Gethsemane, betet ein einmaliges Gebet, und stellt sich dann den Verfolgern.
Petrus, Johannes und Jakobus sollen bezeugen, wie Jesus diesen Übergang vollzieht.
Es ist das Kreuz vor dem Kreuz, der Tod vor dem Tod.
Jesus spürt an seinem Leib und an seiner Seele den Schrecken und das Grauen des Todes auf ihn zukommen. Und, es ist klar: Er muß und wird den Weg ganz ganz alleine gehen. Kein Mensch wird ihn begleiten oder ihm beistehen oder ihn trösten.
In Gethsemane wird das klar. Jesus steht uns allen gegenüber. Auch die Apostel, Petrus und die anderen, stehen auf unserer Seite in diesem Gegenüber. Wenn Jesus mit ihnen spricht, dann spricht er auch mit uns.
Jesus ist an Leib und Seele erschüttert. Alles wankt und zerfließt, seine Kräfte verlassen ihn.
„Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.“ Der Tod hat ihn schon erfaßt. Es gibt keinen Trost mehr. Die Jünger sollen bei ihm bleiben, und er geht doch weg. Sie sollen da sein, und er kann doch nichts mehr von ihnen haben. Sie können ihn nicht mehr erreichen.
Doch sollen sie bleiben. Laßt uns daraus lernen: Wir sollen der Trauer nicht ausweichen. Auch wenn wir scheinbar keinen Unterschied machen. Laßt uns im Namen Jesu nicht ausweichen, wenn Trauernde unter uns sind.
Dann kommt dieses unglaubliche Gebet: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“
Die Bibel spricht von dem Zornesbecher, den Gott zu trinken gibt. Die Propheten Jesaja und Jeremia sprechen davon.
Jeremia 25,15: „Denn so sprach zu mir der HERR, der Gott Israels: Nimm, Jeremia, diesen Becher mit dem Wein meines Zorns aus meiner Hand und laß daraus trinken alle Völker, zu denen ich dich sende, daß sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will.“ Der furchtbare Trank in dem Kelch ist die Bosheit, die Menschen tun, so wie diese Bosheit bei Gott ankommt und Seinen heiligen Zorn erweckt. Gott ist in Seiner Schöpfung, gerade auch in jedem Menschen anwesend und Ihn trifft das Unrecht ohne Filter. Wenn Gott uns in Seine Wirklichkeit zurückholt, dann gehört dazu, daß wir von der eigenen Sünde getroffen werden. Die Sünde träumt natürlich davon, daß das niemals geschehen wird. Aber so wahr es einen Gott gibt, so wahr gibt es diesen Zornesbecher.
Jesus soll nun einen Kelch trinken – aber darin ist nicht das Ergebnis der eigenen Gottlosigkeit, sondern Gottes Enttäuschung und Zorn über alles Unrecht, alle Gottlosigkeit, die Du und ich uns geleistet haben.
Können wir überhaupt anfangen, uns vorzustellen, was das für eine bittere, herbe, brennende Finsternis war, die Jesus an Leib und Seele in sich aufnehmen mußte?
Uns erreichen Bilder von unschuldigem Leiden aus dem Krieg in der Ukraine – da kommt Zorn auf! Menschen, die sonst sanft und friedlich sind, wünschen auf einmal, daß die Verantwortlichen hingerichtet werden, im Namen der Gerechtigkeit. – Was braut sich aber in deinem Kelch zusammen? – Ist es nicht so, daß es einen heiß und kalt den Rücken runterläuft, wenn man sich vorstellt, daß vielleicht EINE Sache mich einholt und ich für alle Konsequenzen gerade stehen muß – wie ist es erst, wenn ich die Suppe für jemand anders auslöffeln muß!
„Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Es ist ja nicht der Tod allein, sondern Gottes gerechtes Gericht über alles Unrecht der Menschen. Das ist der Kelch.
Jesus bittet, daß er diesen Kelch nicht trinken muß. Er legt es in die Hände seines himmlischen Vaters. Gott hatte einmal zu Jerusalem gesprochen, bei Jesaja: „So spricht dein Herrscher, der HERR, und dein Gott, der die Sache seines Volks führt: Siehe, ich nehme den Taumelkelch aus deiner Hand, den Becher meines Grimmes. Du sollst ihn nicht mehr trinken.“ (Jesaja 51, 22). Gott kann den Kelch auch zurücknehmen. Die Möglichkeit gibt es.
Was geschieht hier? Jesus bringt erneut seine ganze Person unter den Willen seines himmlischen Vaters. Petrus, Johannes und Jakobus, und mit ihnen auch wir, hören mit, wie alles, was Jesus tut und auch leidet, Gottes Wille ist, der gemeinsame Wille zwischen Gott dem Vater und dem Sohn. Kein Zwang, nur Freiheit und Liebe, und völlige Übereinstimmung. Aber doch eine Übereinstimmung von Person zu Person.
Die Apostel, und die Gemeinde, das sind wir, werden Zeugen von diesem wunderbaren Gespräch und Gebet.
„Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Ist das ein Widerspruch? Hatte Jesus einen eigenen Willen, der möglicherweise dem Willen des himmlischen Vaters widerstrebte? Nein. Doch als wahrer Mensch mußte und wollte Jesus alles, was er an Willen, Angst, Schrecken, Leiden in sich hatte, unter den göttlichen Willen bringen. Im Hebräerbrief wird uns gesagt: „Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.“ (Hebräer 5, 7-8). Die Hingabe, die Liebe, das Leiden sollte vollständig, ganz, und ohne Vorbehalt, einfach ganz sein.
Bevor er vor der Weltöffentlichkeit hingerichtet wird, verurteilt im Namen des Gesetzes, des Volkes und im Namen Gottes, hat er Klarheit mit Gott, Gewißheit mit Gott.
Im Johannes Evangelium betet Jesus noch bevor er in den Garten Gethsemane geht: „Vater, ich heilige mich selbst für die Jünger, damit auch sie geheiligt werden.“ (Johannes 17, 19).
Das ist der Jesus, der dann auf seine Verfolger zugeht, sich stellt, und sagt: „Ich bin’s!“. Bevor er gefangen wird, hat ist er schon durch seine Liebe und Bereitschaft gebunden. Die Soldaten können nicht nicht so fest binden, die Liebe in Jesus ist schon entschlossener. Es ist eine Liebe, die nur Zuwendung ist, und jenseits aller Bitterkeit, und mit einer Antwort auf alles Unrecht.
Weil Jesus sich durch dieses Gebet, ein schweres Gebet, geheiligt hat, geht er mit einer großen Überlegenheit und Freiheit seinen Verfolgern entgegen. Sie müssen ihn nicht jagen.
Da, wo wir Menschen völlig unfrei sind, hilflos, machtlos und ausgeliefert, da ist dieser Schmerzensmann, dieses Lamm Gottes ganz frei.
Wenn Gott dich schon nach deinen eigenen Maßstäben konsequent beurteilen würde – so, wie du andere beurteilst – dann müßtest du schon verstummen und schwitzen. Wenn aber erst die Zehn Gebote kommen, die dir zeigen, daß Gott immer ganz bereit war, dich auf Seinem Weg zu halten, und du wolltest nicht, wenn Gott dich und mich nach dem Gesetz des Lebens und der Wahrheit zur Verantwortung zieht, dann wird es eng. Wenn ein Mensch mit Leib und Seele auf einmal so sehr wünscht, etwas ungeschehen machen zu können, und es gibt keine Möglichkeit, kein Aus noch Ein. Man spürt den Tod, man kann sich nicht bewegen.
Da kommt dieser Jesus von Gethsemane, der kann sich da bewegen, wo wir nicht die Freiheit haben, und sagt: Ich bin der Weg, ich bin die Tür. (Johannes 14,6 + 10, 7). Der hat das alles hinter sich und unter sich. Für jeden, der an ihn glaubt. Er hat den Kelch getrunken, und wie!
Glauben bedeutet dann: „Das war bei mir auch nötig!“ Nicht nur abstrakt, sondern mit einem Erschrecken über sich selbst. Mit Reue, mit Sich an den Kopf Fassen.
Zum Glauben gehört dann aber vor allem:
Wir trinken aus einem anderen Kelch. Aus dem heilsamen Kelch (Psalm 116, 13). Dem Kelch des Neuen Testaments.
Da trinken wir von der Beweglichkeit Jesu, die seine göttliche Liebe ihm ermöglicht hat, und uns zur Liebe zurückfinden läßt, zur Freude und zum Mut. Einer Beweglichkeit, die am Ende auch aus dem Grab aufersteht.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

Invokavit

Die Gnade unseres HERRN, Jesus Christus,
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

1 Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.
2 Denn er spricht (Jes 49,8): »Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.« Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
3 Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verlästert werde;
4 sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten,
5 in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten,
6 in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe,
7 in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den
Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken,
8 in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig;
9 als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet;
10 als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.

2. Korinther 6, 1-10

HERR, sende uns jetzt Deinen Heiligen Geist, der unsere Ohren offenhält und unsere Gedanken beruhigt, damit wir nichts verpassen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Im Urlaub in Südafrika besuchten wir ein angesagtes Restaurant, das hat nur eine handvoll Gerichte auf der Karte – aber man muß sich anmelden, denn es ist gut. Urig und gut. Gebügelte Zeitungen dienen als Tischtuch, Wachspapier als Teller.
An meinem Platz konnte ich auf dem „Tischtuch“ Sonderangebote eines Supermarkts lesen – „Reduziert – aber nur noch bis zum Wochenende! Zugreifen! Einmalige Gelegenheit! Solange Vorrat reicht!“ – Das in fetten Buchstaben mit aufdringlichen Farben. Die Preise waren gut – aber von 2019. Das Angebot war vorbei. Ein Tor, wer jetzt noch Hoffnung hatte, Rotebeete für 35 Rand zu bekommen!
JETZT! Das ist der Moment, in dem es sich entscheidet! Jetzt gilt das Angebot! Jetzt zugreifen und glücklich sein – oder ewig trauern. Man muß die günstige Stunde erkennen!
Davon spricht der Apostel Paulus heute zu uns.
„Wir ermahnen euch“ – wir sprechen dringend mit euch, es ist ernst, alles hängt davon ab! – „daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“ Gott will für euch da sein – jetzt, heute. Gott will ganz und gar in allem euer Gott sein. Die günstige Zeit hat Gott sehr zeitig angekündigt – denn so hören wir bei dem Propheten Jesaja – gut 600 Jahre vor Christus:
„Denn er spricht (Jes 49,8): »Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.«“
Gottes Zeit ist eine Zeit der Erhörung. Was ist Erhörung? Es ist eine Antwort – aber nicht irgendeine Antwort, sondern eine Antwort ist so ist, daß Du Dich in ihn wiederfindest, eine Antwort bei der Du weißt: Es ist alle gut. Darum erklärt der Prophet im Namen Gottes: „Ich erhöre dich – und damit fängt meine Hilfe an. Die gute Zeit beginnt.“ Erhören ist eine gute Antwort, weil ich darin erfahre, daß meine Stimme, die Stimme meines Herzens, Gottes Herz erreicht hat. Die Rufe der Angst, des Zweifels, der Not, vor allem aber die Stimme des Schreckens: Kann es sein, daß ich mein Leben verfehlt habe? – Die Stunde in der du weißt: Gott gibt mir jetzt eine Antwort auf diese quälende Frage – das ist eine gute Stunde. Es gibt sie.
Und wann, wenn nicht jetzt!? – Genau das sagt uns jetzt der Apostel: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ Das ist deutlich genug. –
Wir haben heute den 6. März, im Jahr 2022 nach Christus. Paulus hat diesen Brief an die Korinther um das Jahr 60 nach Christus geschrieben. Dieses „JETZT!“ ist also 1960 Jahre alt. Viel älter als die Zeitung, die ich als Tischtuch hatte – mit Angeboten „JETZT zugreifen!“ von 2019. Das war das JETZT eines Supermarkts, das galt eine Woche, danach nicht mehr. – Und das „JETZT“ Gottes?
Es ist für uns Menschen sicher das Unbegreiflichste, daß Gott ein Gott des JETZT ist. „Siehe jetzt ist die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ – Wenn dieses Angebot nur eine Woche gelten würde, hätte Paulus keinen Brief geschrieben, dann hätten die Korinther ihn auch nicht aufbewahrt, dann hätte die Christenheit diese Worte nicht als Worte des Heiligen Geistes für alle Zeiten als Heilige Schrift als Gottes Sprache angenommen. Wenn du den Apostel hörst, den Gott losgeschickt hat, dann kommt das JETZT Gottes zu dir.
Es ist schwer zu glauben. Für uns kann das Heute kaum etwas anderes sein als das Ergebnis von gestern. Was ich getan habe, hat seine Konsequenzen, was ich versäumt habe, macht viele Chancen kaputt. So ist es doch. Doch wenn Gott „JETZT“ sagt, dann ist Gott nicht durch dein gestern festgelegt oder gebunden. Das einzige, was Gott bindet, worauf Er sich festgelegt hat, ist das, was Er gesagt hat, Sein Wort. Gottes Wort bringt Gottes Jetzt, denn Gott bleibt der Sprecher Seines Wortes, Gott ist kein Supermarkt, darum gilt Sein Angebot, sobald, und solange Er mit dir spricht. Wenn Gottes Wort zu dir kommt, dann kommt der ganze Gott ganz zu dir. Ein erhörendes Wort.
Paulus ist ein Zeuge dafür. Er erinnert seine Gemeinde an die Erfahrungen, die er mit Gottes Wort gemacht hat.
Es ist eine atemberaubende Aufzählung:
„In großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten.“ Hinter jedem Wort steckt eine schwere Erfahrung. Mehr als einmal hat Paulus an seinem Leben verzagt (2. Korinther 1,8) – gesagt: Es ist vorbei! Ob er im Gefängnis war, gesteinigt wurde, denunziert wurde … doch, und darauf kommt es ihm an, und soll es uns ankommen: Paulus hat erfahren, daß alle diese schweren Dinge die Gnade Gottes nicht auslöschen, nicht ungeschehen machen, sondern daß er dann gerade Gottes Überlegenheit an seinem eigenen Leibe gespürt hat.
Er zählt das auf, was von außen über ihn hereinbricht: Schläge, Entbehrungen wie Hunger und Schlaflosigkeit –
aber nicht nur das, sondern auch Anstrengungen, die das Evangelium von ihm selbst fordern:
„in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe,
in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den
Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken.“ Jedes Wort besagt eigentlich: Paulus hat sich nicht gehenlassen.
Lauterkeit: Seine Absichten waren immer ehrlich, vor Gott verantwortlich, ohne Hintergedanken.
Erkenntnis: Er hat sich immer um Gottes Wahrheit bemüht in jeder Situation:
Langmut: Er hat nicht aufgegeben.
Freundlichkeit: Er hat sich nicht zu Unfreundlichkeit hinreißen lassen.
Im Heiligen Geist: -Der Heilige Geist macht, daß Gottes Kinder ein Heute haben, was nicht von dem Gestern beherrscht wird. Der Heilige Geist benutzt das Wort der Bibel, um uns aus unserem Gestern in Gottes Heute zu holen.
In ungefärbter Liebe: Wieder ohne Hintergedanken, mit ungeteiltem Herzen. Das geht nur, wenn Gottes Jetzt uns ergriffen hat.
„In dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den
Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken.“ Wir Christen haben es nun mal mit dem Wort Gottes. Das ist das Wort, das wir uns selbst nicht sagen können, und auch nicht ausdenken können. Und wenn wir meinen, daß wir es kennen, dann wird es uns noch einmal überraschen. Es ist Gottes Kraft für uns. Es beschützt uns und begleitet uns, ja, geht vor uns her, bis wir im ewigen Leben bei Gott angekommen sind.
Doch wir haben das nur im Glauben. Ohne Glauben – ohne das Festhalten an Jesus sehen wir nur unser Jetzt, und nicht Gottes Jetzt.
So kann Paulus bekennen:
„In Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig;
als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet;
als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.“ – Paulus hat erlebt, wie man ihn als Gott verehren wollte – er hat nicht nachgegeben. Er mußte erleben, wie man ihn als Gotteslästerer steinigen wollte – das hat nicht überzeugt, Jesus zu verlassen.
Ein Christ kann es am eigenen Leibe spüren:
Ich bin unbekannt, unbedeutend, unwichtig;
ich sterbe, es ist vorbei;
ich bin traurig;
ich bin arm, ich habe nichts. Paulus war schon da, und unzählige Christen auch. Das ist nichts Neues.
Weil Gott ihn aber erhört hat, weil Jesus gekommen ist, und nach dem Tod am Kreuz auferstanden ist, ist das nicht alles, und nicht entscheidend. Denn Paulus müßte lügen, wenn er nicht auch sagen würde:
Ich bin bekannt, bei Gott und bei seinen Kindern, die für mich beten.
Ich lebe im Heute Gottes, denn Gott spricht mit mir.
Ich bin fröhlich, denn Gottes Liebe erreicht mich immer noch.
Ich beneide niemanden, der reich ist, aber Gott nicht kennt.
Durch das Evangelium, durch das Leben in der Gemeinde macht Gott mich zu einem Geschenk für andere. Das macht sie reich.
Der Teufel will uns dazu verführen, daß wir sagen: Jetzt nicht! Nicht jetzt! Wie tut er das? Er isoliert das, was wir sehen und fühlen, von dem, was wir hören. Jesus hatte 40 Tage und 40 Nächte gefastet. Der Hunger war real, das Gefühl war da. Der Versucher wollte dieses Gefühl als die einzige Realität hinstellen. Diese einzige Realität soll ihm das Recht geben, aus Steinen Brot zu machen.
Doch Jesus läßt sich nicht von dem isolieren, was Gottes Wort sagt. Darum antwortet er : „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das durch Gottes Mund geht.“ Jede Versuchung geht so: Wir sind mit dem allein, was unsere Augen uns zeigen, oder unser Leib uns fühlen läßt, und isoliert von dem, was Gott spricht. So war es mit Eva und Adam: Die Schlange sagte: Sollte Gott gesagt haben? – Und dann sahen sie die Frucht an, wie faszinierend sie war, und dann kam der Sündenfall.
Gott spricht und holt uns aus dieser Isolation heraus.
Dann sind wir fröhlich, und reich, und bekannt, und am Leben.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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