9. Sonntag nach Trinitatis

Von | August 3, 2026
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Gott gebe euch viel Gnade und Frieden
durch die Erkenntnis Gottes
und Jesus, unseren Herrn!
Amen.

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 
5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 
6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 
7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 
8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 
9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 
10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.
Text: Jeremia 1, 4-10

Gebet: HERR, segne Dein Wort an allen Ablenkungen und Hindernissen vorbei an unseren Herzen, und schaffe in uns dadurch ewiges Leben. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“ Da haben wir’s! Wie wußte Jeremia das? Wie wußte er, daß das von Gott kommt, und nicht aus seinem Wunschdenken? Wie konnte Jeremia wissen, ob nicht vielleicht einfach seine Zeit aus ihm spricht? Oder daß seine Worte – vielleicht ohne daß er es merkt! – das Ergebnis von Medien, Propaganda, Manipulation sind? Begegnet man in seinen Worten wirklich Gott selbst, oder kann man es durchschauen, und feststellen, daß man in seinen Worten einfach nur etwas hört, was sich menschlich erklären läßt? 

Hat Jeremia damals, 627 Jahre vor Christus, unter dem König Josia im Königreich Juda, hat der Prophet damals etwas ganz Besonderes gesehen, oder etwas Überwältigendes gefühlt, was auch wir fühlen oder sehen könnten, so daß er die Gewißheit hatte: Das ist jetzt Gottes-, und nicht mein Menschenwort? 

Davon hören wir nichts. Und das ist gut so. Denn wenn uns die Propheten so etwas beschrieben hätten, dann würde ihnen niemand mehr zuhören. Dann würde jeder, statt zu hören, statt ganz bei dem Inhalt zu sein, der ihm gesagt wird, ganz in und bei sich sein, um zu spüren: Erlebe ich jetzt auch das, was Jeremia damals erlebt hat? Ja: kann es vielleicht sein, daß Gott mir jetzt auch ein Wort gibt, was alle anderen hören müssen? Aber mit dem Hören ist es dann vorbei. Doch Gott will gehört werden. 

Doch haben wir Anhaltspunkte:

  1. Jeremia leidet unter dem, was er sagen muß. Menschlich gesprochen hatte Jeremia nichts davon, außer Probleme. Sein Beruf als Prophet war keine Selbstverwirklichung, er war keine Methode, sich interessant zu machen vor den Menschen, und wichtig zu tun. Ganz im Gegenteil! Dafür, daß er dem Volk Israel Gottes Wort sagte, erlebte er nichts als Demütigung. So hören wir ihn einmal ausrufen: „Wenn ich dachte: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen, so ward’s in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Knochen verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre vergangen, wenn ich’s nicht hätt‘ sagen wollen.“ (Jeremia 20, 9). 

Sein König Jojakim ließ einmal die Worte des Jeremias vorlesen, dann ließ er das Gelesene aus dem Buch schneiden, und vor Jeremias Augen ins Feuer werfen. (Jeremia 36, 21-23). Jeremia sollte sehen, daß seine Worte nur Asche sind. Das ist nur ein Beispiel für die furchtbare Demütigung, die er dafür erlitt, daß er Gottes Wort sagte. 

  1. Jeremia spricht aus, was man sich nicht ausdenken kann: Zum Beispiel: Daß das Volk Israel ins Exil nach Babel verschleppt wird, und dann nach 70 Jahren wieder ins Heilige Land und nach Jerusalem zurückkehren wird: So handelten Großmächte damals nicht! So zum Beispiel in 29,10: „Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel die siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, daß ich euch wieder an diesen Ort bringe.“ 
  2. Jeremia spricht mitten im Alten Testament von einem Neuen Testament. Als Prophet Gottes litt er mit Gott an dem Versagen der Menschen. Das Alte Testament, der Alte Bund, die Alte Ordnung sah Lohn und Strafe vor. Wer das Gesetz erfüllte, wurde belohnt, wer das Gesetz übertrat, wurde bestraft. Wer ehrlich vor Gott war, konnte nur noch mit dem Psalm beten: „HERR, geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“ (Psalm 143, 2). Jeremia wurde gegeben, worauf kein Mensch kommen konnte: Gott wird einen neuen Bund schließen, ein Neues Testament. So spricht er im 31. Kapitel: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der 

Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR …“ (Jeremia 31, 31-32). 

  1. Erfüllung in Jesus Christus. Das ist für uns die beste Beglaubigung, die über alle eigene Erfahrung hinaus die Worte des Jeremia zuverlässig und glaubwürdig machen. Jesus zitiert den Propheten bei der Einsetzung des Abendmahls: „Dies ist das Blut des Neuen Testaments in meinem Blut …“ (Matthäus 26, 28). 

Jeremias Worte werden zitiert im Evangelium nach Matthäus an zwei weiteren Stellen: Einmal ganz am Anfang, als der König Herodes nach der Geburt Jesu die Kinder in und um Bethlehem morden läßt, weil er will, daß seine Söhne „Könige der Juden“ werden. (Matthäus 2, 17-18; vgl. Jeremia 31, 15). Und am Ende, bei dem Verrat des Judas. Der Judaslohn für den Verrat beträgt ja 30 Silberstücke. Jeremia, zusammen mit dem Propheten Sacharja, hat festgehalten, daß der Knecht Gottes wie ein Sklave um einen Sklavenpreis verkauft werden wird (Jeremia 18 und 19, Sacharja 11, 12-13; Matthäus 27, 9-10). 

Das ist eine so weltgeschichtliche Bestätigung, die alles Menschenmögliche himmelhoch übersteigt. Daß Gott ein Wort von vor 600 plus Jahren nimmt, und in Erfüllung gehen läßt von einem Verräter, wie Judas, und dem Hohen Rat des Volkes Israel, der offensichtlich nicht mehr nach Gottes Willen fragte, sondern mit Machtspielen die eigene Macht sichern wollte – das kann kein Mensch sich ausdenken, geschweige denn organisieren und verwirklichen.
Gott macht Sein Wort wahr. Das sehen wir an Jeremia. Es sind wirksame Worte, die Geschichte gemacht haben, und noch weiter Geschichte machen und machen werden. 

Wenn man also diese 4 Punkte bedenkt: 1. Jeremia hatte keinen Vorteil davon, daß er Gottes Wort sagte, 2. Jeremia hat Dinge vorhergesagt, die ganz gegen die Erfahrung in der Geschichte gingen, 3. Jeremia hat Gottes Zukunft als etwas völlig Neues, das nur von Gott kommen kann, und 4. Jeremias Worte sind durch Jesus erfüllt und bestätigt worden – dann begegnet uns in den Worten des Jeremia Gottes Handeln selbst. Das ist ein ganz anderes Wort, als Menschenwort. 

Hören wir noch einmal genauer hin!

„Und des HERRN Wort geschah zu mir:  Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“

Gott kennt Jeremia, er sondert ihn aus, oder „heiligt“ ihn, und bestellt ihn, oder „gibt“, „schenkt“ ihn. 

Kennen, heiligen, schenken. Jeremia ist dreimal unter der Macht Gottes.
Gott kennt ihn. Das heißt nicht nur: Gott weiß, wie Jeremia ist, wie er sich wahrscheinlich verhalten wird, oder, welchen Charakter er hat, welche Gaben, welche Schwächen. Das alles auf jeden Fall auch! Doch wenn wir von Gott hören, daß er uns „kennt“, dann sagt das noch viel mehr. Gott erfährt die eigenen Erfahrungen noch viel genauer, viel tiefer, viel klarer. Gott sieht das Einmalige an Jeremia ganz klar und liebt es auch. Wenn Gott Jeremia kennt, dann ist es vor Gott ganz eindeutig und fest: „Jeremia muß so sein, wie ich ihn gemacht habe, so, und nicht anders“ Mit anderen Worten: Gott nimmt Jeremia nicht nur zur Kenntnis, sondern WILL ihn genau so, Jeremia muß so sein, ja, vor Gott steht fest: Es muß Jeremia geben.  – Das ist nicht selbstverständlich, denn Jeremia leidet so sehr unter seinem Beruf, und auch unter der Gottesferne seiner Hörer daß er so weit fällt, zu sagen: Wäre ich doch niemals geboren worden! – Ja das steht so in Gottes Wort geschrieben! (Jeremia 20, 14-18). Da muß Gott selbst kommen und ihm sagen: Ich will dich, daß es dich gibt! Ich kenne dich. Dieses Leiden trifft mich selbst und ich trage es mit dir!

Gott sagt: Ich sondere dich aus, ich heilige dich. Es ist gut, daß man einmal hört: „Heilig“- was ist das? „Heiligen“ heißt auch: „Aussondern“, oder „reservieren“, „für einen ganz bestimmten Zweck bestimmen.“ Jeremia wird aus allem herausgenommen. Das ist es, was ich meinte, wenn ich sagte: Aus ihm spricht keine irdische Macht. Und das möchte ich heute einmal ganz klar festhalten: Wenn Gott einen Propheten heiligt, dann trennt er ihn auch ab von seiner Zeit. Man hört sehr oft über die Bibel: Das war eben für die damalige Zeit! Jeremia konnte ja nicht anders sprechen, denn er war ja ein Kind seiner Zeit.  – Wer so spricht, der ist vor allem auf der Suche nach Gründen, NICHT auf Gottes Wort zu hören. Der sagt damit aber auch: Die Zeit ist größer und stärker als Gott. Also, wenn Gott spricht, dann kommt irgendwann die übermächtige „Zeit“, und nimmt dem Wort Gottes die Macht weg – es hatte mal etwas zu sagen, aber uns hier und heute spricht es nicht mehr an. Die Zeit ist dann mein Gott. Und das heißt auch: Ich glaube über alles an die Vergänglichkeit, auf die verlasse ich mich. Das ist nicht der Gott der Bibel. Gott überwindet die Zeit und die Vergänglichkeit mit jedem einzigen Wort, das Er sagt. Und wer auf Gott hört, der ist nicht mehr ein Kind der Zeit, und auch nicht mehr ein Knecht der Vergänglichkeit. Das ist das eine.

Das andere, wovon Gott Jeremia absondert, damit er Sein Wort sagt, ist Macht und Geld. Jeremia hatte außer das Wort Gottes nichts. Seine Hörer haben ihm immer wieder bewiesen: Du hast keine Macht! Ich denke, es ist heutzutage wichtig, daß Heilig – und Geld von einander getrennt sind. Was heilig ist, das ist unverkäuflich, es hat keinen Preis. Das Heilige läßt sich nicht in Geld konvertieren oder übersetzen. Das Heilige ist gegenüber dem Geld ganz und gar frei. Jeremia konnte man nicht mit Geld zum Reden oder zum Schweigen bringen. Geld definierte für ihn nicht die Wirklichkeit. Wir leben in einer Welt und Zeit, wo alles Ökonomie ist. Alles hat seinen Preis! Es kommt immer mehr dahin, daß alles gekauft werden kann, und alles sich verkaufen läßt. Und was nicht in diesem System ist, also, was keinen Preis hat, das gibt es nicht. Was aber einen Preist hat, das wird verwirklicht, ohne nach Gott oder seinem Willen zu fragen. Jesus sagt dazu: Ihr könnt nicht Gott dienen, und dem Mammon. Entweder, oder! Und dieses Entwederoder ist in jedem Wort Gottes dabei. Sonst ist es nicht heilig.

Gott sagt dann zu Jeremia: Ich gebe dich, ich schenke dich zum Propheten für die Völker. Das ist atemberaubend. Jeremia muß zu den Weltmächten sprechen. Wenn man in der Bibel nachschlägt, dann kann man nur mit dem Kopf schütteln: Kapitel 46 Gegen Ägypten – die uralte Weltmacht, die immer schon da war! Kapitel 47: Gegen Die Philister: Wirtschaftlich wußten sie, was die taten Kapitel 49: Gegen Damaskus: Die älteste Stadt der Welt. Gegen Arabien: Das reichste Volk der damaligen Zeit – es konnte sich leisten, was es wollte. Kapitel 50: Gegen Babel: Das Zentrum von Wissenschaft und Weltmacht der damaligen Zeit.  

Durch sein Wort mußte Jeremia sie alle vor Gott stellen, mit Gottes Willen konfrontieren. Und im Rücken hatte er nichts, außer Gott. 

Gott macht mit Seinem Wort Weltgeschichte.  „Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“ Was Gott mit Seinem Wort ausreißt, das ist bald nicht mehr, es hat keine Zukunft. Und was Gott mit Seinem Wort pflanzt, das vergeht nicht, ihm gehört die Zukunft.

Liebe Gemeinde! Das Wort des Jeremia überwindet Zeit und Raum und erreicht uns heute. Die Worte dieses Propheten gehören zu den Weichenstellungen, die Gott gemacht hat, damit Er als Mensch in Jesus Christus zu uns kommen konnte. Was bei Jeremia angedeutet wurde, das ist in Jesus überdeutlich und klar geworden. 

  1. Ich kannte dich, sagt Gott zum Jeremia. Jesus sagt über sich und seinen himmlischen Vater: „Niemand kennt den Sohn, als nur der Vater, und niemand kennt den Vater, als nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will.“ (Matthäus 11, 27).
  2. Ich heilige dich, ich sondere dich aus, sagt Gott zu Jeremia. Die Stimme vom Himmel sagt zu Jesus bei seiner Taufe: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. (Matthäus 3, 17).  Und Jesus sagt zu seinem Vater: „Ich heilige mich selbst für sie, für meine Jünger, damit auch sie durch die Wahrheit heilig sind, durch Dein Wort.“  (Johannes 17, 19). 
  3. Gott sagt zu Jeremia: Ich gebe dich zum Propheten für die Völker. Jesus sagt in der Nacht vor seinem Tod am Kreuz: „Dieser Kelch ist das Blut des Neuen Testaments, das vergossen wird für Viele zur Vergebung der Sünden.“ Vergossen für Viele. Gegeben für Viele. Und der Auferstandene Jesus sagt zu Seinen Jüngern: Ihr werdet von mir und über mich mit der gesamten Menschheit reden: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ Bis an den Rand. Keine Ausnahme. Predigt das Evangelium allen Völkern, und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28, 18-20). 

Dieses Geschehen kommt auch zu uns heute. Es ist die wichtigste Begegnung deines Lebens. Etwas Größeres gibt es nicht.


Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026
Bild: „Der Prophet Jeremias“ (Michelangelo, ca. 1511)