7. Sonntag nach Trinitatis

Von | Juli 24, 2026
Cranach

Die Gnade unseres HERRN, Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 
2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 
3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Mißhandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.
Text: Hebräer 13, 1-3

Gebet: Lieber Herr Jesus, bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht – segne Du selbst jetzt Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!

Heute sollt ihr kurz dem Prediger bei der Vorbereitung über die Schulter gucken. Manchmal hat auch er Probleme. Sie sind lösbar – aber hört:

Wir haben heute den 7. Sonntag nach Trinitatis. Zu Pfingsten wurde die Kirche gegründet, als der Heilige Geist vom Himmel über die Apostel ausgegossen wurde. 

Am Sonntag darauf – Trinitatis – wird die Zusammenfassung aller christlichen Feste gefeiert: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei Personen, Ein Gott. Danach ist das kirchliche Leben das Thema: Die Große Einladung – Gott lädt ein!, dann Apostel und Propheten, die das Wort Gottes sagen. Letzten Sonntag war dann die Heilige Taufe das Thema – Taufgedenken. 

So würde man heute erwarten, daß das zweite Sakrament der Christenheit, nämlich das Altarsakrament, oder das Heilige Abendmahl, Thema ist! Das Leitbild lautet denn auch: „Am Tisch des HERRN.“ Leider ist dann aber kein Text heute dran, der tatsächlich vom Heiligen Abendmahl handelt! Im Introitus danken wir Gott mit Worten des 107. Psalms dafür, daß  Er denen gütig ist, die „hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete“, daß Gott „die durstige Seele sättigt und die Hungrigen mit Gutem füllt.“ Essen und Trinken ist Gottes Gabe, wir sollen dafür danken, und das muß uns immer wieder gesagt werden – aber Thema ist nicht in erster Linie das Abendmahl. Die Epistel beschreibt uns das Leben der ersten Gemeinde nach der Ausgießung des Heiligen Geistes. Dort ist vom „Brotbrechen“ die Rede- und damit ist das Abendmahl gemeint – aber es wird eben nur erwähnt, mehr nicht. Weiter hören wir, daß die Urgemeinde eine Art Gütergemeinschaft praktizierte. Aber über das Abendmahl werden wir nicht weiter informiert.

Und im Evangelium aus Johannes 6 tut Jesus ein Wunder: Er speist über 5000 Menschen mit 5 Gerstenbroten und 2 Fischen, und alle werden satt. Dann zieht Jesus sich aber zurück, weil er vom Volk nicht gezwungen werden will, ein König nach menschlichen Wünschen zu werden. 

Ihr merkt es: Man erwartet nach der Taufe am letzten Sonntag heute eine Lehre über das Abendmahl. Die aber bleibt aus. 

Auch in unserem Predigttext aus dem Hebräerbrief. Der Anknüpfungspunkt an die Epistel und das Evangelium ist ganz klar die Ermahnung des Apostels an alle Christen: „Gastfrei zu sein vergeßt nicht!“ – Eine wichtige Ermahnung oder Ermunterung! Teilt Gottes Gaben miteinander! Diese Ermahnung darf in der Kirche nicht verstummen. Aber vom Abendmahl handelt sie nicht. 

Was tun? Ich werde den vorgelegten Predigttext auslegen. Aber ihr merkt die Verlegenheit! Eine mögliche Erklärung für diese Auswahl von Texten ist, daß die Experten, die die Predigttexte ausgesucht und geordnet haben, ein Problem damit haben, daß das Abendmahl als Sakrament Thema wird.  – In der Evangelischen Landeskirche kann man beobachten, daß das Abendmahl fast nur noch als große zwischenmenschliche Einladung verstanden wird, und weiter nichts. Daß Jesus selbst uns Seinen Leib zu essen gibt, den Er für uns am Kreuz dahingegeben hat, und Sein Blut zu trinken, welches Er zur Vergebung unserer Sünde vergossen hat: Das große Thema will man lieber vermeiden. Eine große Einladung kann man auch ohne Glauben verstehen. Die Gabe aber des Sakraments des Altars kann man nur im Glauben erkennen und segensreich empfangen.

Das war jetzt eine ausführliche Einleitung zu dem, was nicht im Predigttext steht! Ein langer Einblick in die Werkstatt eines Predigers. Man muß sich manchmal wirklich einen Kopf machen, das könnt ihr mir glauben! 

Doch dieser Vorspann ist nicht überflüssig.

Der Predigttext ist ein apostolisches Wort an die Christenheit. Nur als solche können wir sie richtig verstehen und nur dann haben sie die richtige Bedeutung. 

Es gibt am Ende von vielen Briefen im Neuen Testament Ermahnungen, Ermunterungen – Dinge, die in der Gemeinde getan werden sollen, oder eben nicht getan werden sollen. 

Vor diesen oft sehr knappen Anweisungen steht eine lange Information über das, was Christen glauben. Der Brief an die Hebräer lehrt 12 Kapitel lang darüber, wer Jesus Christus ist, was er zum Heil der Menschheit getan hat, was Jesus jetzt tut, und überhaupt, wie und was der Glaube ist. Das ist das Erste, was feststeht, und diese Dogmatik ist auch die Grundlage für alles, was Christen tun. Derselbe Glaube, der sich auf Jesus verläßt, lebt weiter in dem, was Christen tun. Was in unserem heutigen Predigttext beschrieben wird, geschieht auf dem Fundament des Glaubens, ja, es findet statt in dem Resonanzraum, in der Akustik, in der Hörweite der apostolischen Predigt. 

Das haltet fest!
Hören wir nun wieder die Worte aus dem Hebräerbrief:

„Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergeßt nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Mißhandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.“ 

Das sind also drei Ermahnungen oder Ermunterungen – also drei Impulse dafür, wie der Glaube weiterlebt unterwegs auf dieser Erde, unterwegs zur ewigen Freude und Gemeinschaft mit Gott. So, wie die Wurzeln in den Blättern und Früchten der Pflanze weiterleben, ja mit ihnen ein Leben SIND, so IST der Glaube ein Leben mit seinen Früchten, der Glaube lebt darin, daß Christen in der brüderlichen Liebe bleiben, daß sie einander beherbergen, und mit denen verbunden sind, die um des Glaubens an Jesus willen Gefangene sind und unter Mißhandlung leiden. So äußert sich der eine Glaube, das sind Gestalten, die der Glaube an Jesus annehmen kann und wird. 

In meiner Predigt von zwei Wochen formulierte ich das so: „Gott lebt in Jesus, Jesus lebt in seinem Wort, das Wort lebt im Glauben, der Glaube lebt in den Taten“ – es ist Ein Leben, das immer bei Gott beginnt, sich diesen Weg macht und sich so zeigt. Gottes Wort und unser Glaube versetzen uns dort hin, wo genau das passiert.

Ich  m u ß  das alles sagen, weil fast nichts schneller zerfällt, als genau dieser Zusammenhang. Taten ohne Glauben sind keine Früchte. Du kannst das Richtige tun, das, was äußerlich den Geboten Gottes entspricht – das ja! – aber diese Taten gehören Gott und dem Nächsten, nicht dir. Und: sie ändern deinen Status vor Gott nicht. Nur der Glaube, und zwar der Glaube an Jesus, ändert deinen Status vor Gott. Wenn dieser Status da ist, dann kann es auch Taten geben, die Früchte des Glaubens sind. 

Der Glaube lebt unter anderem weiter in dieser drei Gestalten: Brüderliche Liebe, Gastfreiheit und Mitleiden mit den Verfolgten Christen.

Alle drei Früchte des Glaubens sind Wunder und Geschenke, die Gott selbst gibt. 

In unseren Tagen wird man aus dem Wort „Bruderliebe“ ein lautes Thema machen. Wo sind die Schwestern? Sollen die Schwestern nicht Liebe zueinander haben? Sollte man es nicht lieber „geschwisterliche Liebe“ nennen? Es gibt Bibelstellen, die darüber handeln, was christliche Frauen einander bedeuten. Ja, es gibt sogar Worte des Apostels Paulus an seinen Mitarbeiter, wo er festlegt, daß es gut ist, Frauen bestimmte Dinge von einer Frau hören. Was aber die Bibel nicht kennt, und was deshalb in der Kirche nicht sein soll, ist eine Konkurrenz zwischen Männern und Frauen. Die Bruderliebe soll bleiben. Christliche Männer sollen einander als Brüder anerkennen und lieben. Du sollst den anderen Christen mit den Augen Gottes sehen. Gott wollte, daß es ihn gibt, Er hat ihn geschaffen; Gott wollte, daß seine Fehler und die Fehler anderer ihn nicht zerstören, darum ist Jesus für ihn gekommen; Gott der Heilige Geist hat gegen alles in der Welt in ihm Glauben geschaffen, Gott will ihn in der Ewigkeit bei sich haben. Diese drei Tatsachen sind bei einem christlichen Bruder größer als alles, was du sonst an ihm siehst oder von ihm hörst. In dieser Liebe lebt der Glaube weiter, ja, in dieser Liebe lebt Gott selbst. Wie äußert sie sich? Man unterstützt sich gegenseitig. Man vertraut einander. Man macht Raum für Not des anderen. Man freut sich mit ihm. Man ermutigt sich im Glauben. Man behält sich im Auge. Jeder Christ kann das; es ist machbar. Nicht alles auf einmal, aber immer wieder etwas! Ohne den geringsten Hintergedanken. Ohne Neid. Ohne Mißgunst. Ohne Begehren. Wer von sich denkt: Ich habe nur einen kleinen Glauben, auch der hat schon damit angefangen. Wer will etwa sagen, daß das in unserer Gemeinde nicht geschieht? Doch, es ist auch hier eine Wirklichkeit! Ob wir dafür ins Fernsehen oder in irgendwelche Medien geraten, ist dabei wirklich völlig egal. Für die geschieht es sowieso nicht! 

Und die Schwestern? Ich denke, als erstes muß man ganz klar sehen: Wo christliche Bruderliebe ist, da haben die Schwestern es besser. Und wenn sie die Bruderliebe unterstützen, dann geschehen im Verborgenen große Dinge. Die Konkurrenz zerstört jeden Segen. Es wäre noch eine Menge dazu zu sagen! 

Kommen wir nun zur zweiten Gestalt, in der der Glaube bei Christen Gestalt annimmt: Die Gastfreiheit, oder Gastfreundschaft. Hier wird besonders hervorgehoben, wie Gott da Geheimnisse reintut: „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Das ist eine Anspielung auf eine Geschichte früh im Alten Testament. Abraham und seine Frau Sarah hatten auf Gottes Ruf alles hinter sich gelassen. Sie waren ohne festen Wohnsitz in Zelten in der Fremde. Da kommen drei unbekannte Männer, und Abraham bietet ihnen Essen und Trinken an. Im Laufe der Begegnung, die wirklich randvoller gegenseitigen Respekt ist, wird es Abraham deutlich, daß Gott da ist, denn die Gäste, oder einer von ihnen, sagt Abraham und Sarah, Worte, die von Gott kommen. Sie werden nun bald einen Sohn bekommen. Das hatte Gott ihnen versprochen, und darauf warteten sie nur durch den Glauben, ohne Beweise.  

Ein alter Ausleger sagt uns Christen diese Wahrheit so: „So ist etwas Himmlisches in der Gastfreiheit, und Gott will durch das Bedürfnis des einen und durch die Behausung des anderen, welche beide Er gegeben, die Seelen der Menschen desto inniger verbinden.“ Also: Gott nimmt die Not des einen, daß er ein Bett und einen Tisch braucht, vielleicht auch ein Gespräch – und die Gaben des anderen: Ein wenig Platz für die Nacht, eine Mahlzeit, etwas Zeit – Gott bringt sie zusammen und etwas entsteht, was Menschen nicht machen oder geben können. Eine Stärkung und Bereicherung des Glaubens. 

Auch dies, liebe Gemeinde, ist längst im Gange. Und noch einmal: Es fängt nicht erst dann an, wenn man es an die große Glocke hängt, ein Programm daraus macht, oder gar von oben herab dazu gezwungen wird! Auch dies fängt im Glauben an, wird entdeckt im Glauben und bleibt oft auch verborgen im Glauben, weil es Gott gehört. Eine bescheidene Mahlzeit, die geteilt wird, gibt tausendmal mehr als Sättigung. Du kannst erleben, daß Gott durch dich etwas gibt. Du erlebst, wie du machen kannst, daß jemand ein bißchen mehr Gott dankt, ein bißchen mehr an Gott glaubt. Das ist etwas Himmlisches. 

Und noch das dritte: „Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Mißhandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.“ Es gibt Christen, die nichts falsch machen, sondern alles richtig, und doch leiden, nur, weil sie Christen sind. Jesus hat Feinde. Jesus ist ihnen nicht feind, aber sie sind ihm feind. Wir müssen uns wirklich darüber im Klaren sein, daß unser Glaube Feinde hat. Und ein Feind will schaden. Er will den Glauben treffen. Und das schäbigste Argument ist, den Leib treffen. Uns wird nun gesagt: Dieses Gefängnis, diese Verfolgung, diese Verletzung trifft auch deinen Glauben. Christus hat Feinde, darum hat der Glaube Feinde, und darum haben auch wir Feinde. Wo man alles tut, niemanden zum Feind zu haben, da lebt der Glaube nicht weiter, sondern etwas anderes, vielleicht die Furcht. Wer weiß wie nahe uns diese Erfahrung ist?! Ich denke nur an den Lutherischen Bischof Pojohla von Finnland und an eine lutherische Parlamentsabgeordnete mit Namen Räsänen, die biblische Aussagen über Mann und Frau veröffentlichten. Sie wurden wegen „Haßrede“ angeklagt. Die Veröffentlichung war 2004. Die erste Anklage war 2021. Zuerst wurden sie freigesprochen. Nun aber stehen sie wieder vor Gericht. 

In Deutschland werden christliche Kirchen angezündet, und antichristlich geschädigt. Ich hab mal nachgeguckt: „Vandalismus an Kirchen mit entweihendem Charakter“: In Deutschland in den letzten 10 Jahren 1500 Fälle, und im Nachbarland Frankreich zum Vergleich: mindestens 10mal so viele. 

Noch etwas, worüber wir nachdenken sollten, weil es Christen passiert ist, und weil Christen christlich gehandelt haben: Bis 1970 war im Kalender der Katholischen Kirche der 24. September der Tag, an dem für die Christen Spenden gesammelt wurden, die von Moslems versklavt wurden. Bis vor etwa 200 Jahren war es nicht ungewöhnlich, daß Christen geraubt und verkauft wurden, um ihres Glaubens willen. Der Weg des Glaubens, der Weg Gottes mit seinen Kindern kann so aussehen, und hat so ausgesehen. Wir sollen glauben, daß es ein Segen ist, sich in die Lage dieser Leidenden zu versetzen. 

So sieht es aus im Reich Gottes. Paulus sagt das so: „Im Leib Christi leiden alle, wenn einer leidet, und wenn Gott einen im Leib Christi verherrlicht, so freuen sich alle mit.“ (1. Korinther 12, 26). So wird Gottes Macht am eigenen Leib erfahren. 

Gott schenke es, daß wir durch den Glauben viele Früchte bringen, und uns an den Früchten des Glaubens anderer kindlich freuen.


Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

7. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juli 2026
Bild: „Die Speisung der Fünftausend“ (Lucas Cranach der Ältere, um 1540)