Erster Advent

1 Kerze brennt

Gnade sei mit euch und Friede
von dem, der da ist und der da kommt,
von Jesus Christus,
welcher ist der treue Zeuge
und der Erstgeborene von den Toten,
und ein Herr über die Könige auf Erden.
Amen.

5 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.
6 Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR unsere Gerechtigkeit«.
7 Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, daß man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«,
8 sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

Jeremia 23, 5-8

Lieber Gott, wenn Du einen neuen Anfang machst, dann sagst du es an, mit dem Hören fängt alles Große an, was Du tust. Bitte auch bei uns. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Alles zu seiner Zeit!“ – Ich rege mich nicht mehr auf über die Spekulatius, die immer früher im Laden angeboten werden. Und die Weihnachtsmärkte, die vor Advent beginnen: Was will man machen? Führen sie zu einer gesegneten Feier der Menschwerdung Gottes? Führen sie zu einem heilsamen Innehalten über die wunderbare Geburt Jesu? Das kann jeder für sich beantworten.
Es bleibt aber wahr, daß Dinge ihre Zeit haben. Es gibt einen guten Zeitpunkt, und es gibt viele ungünstige Zeitpunkte. Nicht nur beim Kochen und Backen, nicht nur in einer Beziehung, nicht nur im Geschäft.
Gott ist Herr über die Zeit, und darum ist Gott auch der Meister aller Zeitpunkte. Gott hat alle Faktoren im Blick und sagt: „Jetzt!“, und das Beste geschieht, Licht und Klarheit kommen.
„Siehe, es kommt die Zeit!“, spricht der HERR. Das ist eine Ankündigung. Sie will gehört werden. Und die Hörer sollen sich mit Leib und Seele danach ausrichten. Wie eine Verabredung. Es braucht einen Vorlauf, daß Gott und Mensch sich in einer Zeit begegnen und treffen. Gott macht einen Termin, damit eine Sache zu ihrem Recht kommt.
Es ist der größte Termin aller Zeiten, diese Verabredung zwischen Gott und Mensch.
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß ich dem König David einen gerechten Sproß erwecken will.“
Warum David? Was geht mich das an, was in der Familie des Königs David passiert? David war 1000 Jahre vor Christus ein König in Israel. – Da haben wir ja schon Koordinaten! Zeit: 1000 vor Christus; und Raum: Jerusalem, Israel. Eine Orientierung kann beginnen.
Die Bibel, also Gottes Wort für uns, wimmelt von Namen und Orten. David, Jerusalem. Nur so ist eine Verabredung sinnvoll.
Gott hatte David verkündigen lassen: Es wird ein Nachkomme von dir sein, der zum richtigen Zeitpunkt Gottes Willen erfüllt.
Jetzt weiß man, wo man hinschauen muß!
Das biblische Wort „Wahrheit“ schließt immer auch „Treue“ in sich, „Zuverlässigkeit“, „Stetigkeit“, „Bewährung“.
Wenn es einmal Heilung für uns Menschen geben soll, dann deshalb, weil Gott treu ist. Er hält, was er verspricht.
Und noch etwas: Die Heilung, die Gott bringt, ist nichts Eigenmächtiges. Die Seele kann Eigenmächtiges nicht ertragen: Hoppla, jetzt komm ich! Das platzt in eine Situation hinein und verwirklicht sich selbst, drängt, überrumpelt und lärmt: Da flieht die Seele. Das ist keine gute Verabredung. Da ist Anmaßung im Spiel, Selbstüberschätzung. Die Seele wird dadurch nicht frei.
Gott läßt ankündigen, sagt, was er vorhat. So kann eine heilsame Begegnung stattfinden.
Es ist nicht irgendein Nachkomme, sondern ein „gerechter Sproß“. Also: Einerseits ein wirklicher Nachkomme Davids. Ein „Gewächs“, also ein lebendiges, leibliches Wesen, das zur Welt kommt, geboren wird. Also eine Person, auf die ein Mensch sich beziehen kann. Kein unpersönlicher Computer, mit Bildern, Tönen und Texten, bei denen man nicht weiß: Wer ist dahinter? – Kein Stoff, keine blinde Kraft, die dich nicht meinen kann, sondern einfach Veränderungen in dir verursacht, und die Seele weiß nicht: Ist das gut für mich, oder nicht? Und ist mit dieser Frage allein. Ein Sproß – das ist ein Gegenüber, da ist Liebe möglich. Wir verlieren das heutzutage aus dem Blick.
Gottes Verabredung mit uns Menschen hat diese Begegnung, in der Liebe möglich ist, fest im Blick, von Anfang an.
Es wird ein gerechter Sproß sein. Du sollst bei ihm zu deinem Recht kommen. Unter seiner Macht hast du einen sicheren Platz. „Juda soll geholfen werden und Israel sicher wohnen.“

„Der soll ein König sein, der wohl regieren wird“. Er wird Macht haben – ja. Aber diese seine Macht wird den Untertanen 1 zu1 zugute kommen.
Ein König, ein Machthaber: Ohne Geheimpolitik, ohne Eigeninteresse, ohne Gewaltanwendung, ohne Taktik, ohne Manipulation, ohne falschen Schein. Seine ganze Macht, seine ganze Weisheit, sein ganzer Reichtum kommt rüber und an.
Liebe Gemeinde, wie viele Gaben Gottes bleiben auf der Strecke zwischen Mächtigen und ihren Untertanen!? Die Mächtigen verzweifeln am Volk, weil es nicht mitmacht und keine Einsicht hat. Das Volk verzweifelt an den Mächtigen, weil sie am Ende scheinbar nicht halten, was sie versprechen. Wieviel Segen bleibt auf der Strecke! Das war schon zu Jeremias‘ Zeiten so.
Doch Gott verheißt einen König, dessen Macht 100%ig seinem Volk zugute kommt. Das heißt ja auch: Er ist ganz und gar zuständig. Er entscheidet. Es wird nichts delegiert: „Ich bin nicht zuständig“ – man wird nicht von Pontius nach Pilatus geschickt. Man hängt nicht in einer Warteschleife am Telefon und wird immer weiter verbunden ohne Ziel … dieser König ist ganz für dich da und hat alles zur Verfügung.
Wir brauchen diese Macht, die für uns ist, liebe Gemeinde. Wir leben niemals aus uns selbst, ohne daß andere für uns da sind.
Ein königlicher König. Eine heilsame Macht. Gott sagt sie an. Die Erwartung steigt: „Er wird Recht und Gerechtigkeit im Lande üben.“ Interessant ist: Er wird sich nicht mit Gewalt oder Zwang durchsetzen, sondern Recht und Gerechtigkeit üben. Es soll eine Gerechtigkeit sein, die jeder bei sich und bei den anderen anerkennen muß. Das Gewissen muß dem Urteil dieses Königs zustimmen. Das Urteil ist verständlich.
Das bringt inneren Frieden, wenn ans Licht kommt: Mein Recht ist in guten, starken Händen, es ist sicher.
Ich habe jetzt zwei Gedanken:

  1. Ja: Wir brauchen das! Unser Gesangbuch singt an einer Stelle: „O aller Welt Verlangen!“ Wir Menschen sind geradezu dazu verdammt, auf diese gute Macht zu hoffen.
  2. Aber: Das ist doch viel zu schön, um wahr zu sein! Die Erfahrung, die Geschichte macht uns doch keine Hoffnung! Kein einzelner Mensch kann diese Hoffnung erfüllen. Jeremia wußte das. Wie kein anderer Prophet mußte er unter der Willkür von Tyrannen leiden, und mit ansehen, wie menschliche Fehler zu Katastrophen führten.
    Gott sagt aber weiter an. Gott nimmt diese Verheißung nicht zurück, relativiert sie auch nicht:
    „Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR unsere Gerechtigkeit«.“
    Welche Person soll dieses Wunder vollbringen, nach dem alle Welt verlangt, und das Gott ankündigt?
    Sein Name ist: „HERR unsere Gerechtigkeit.“
    HERR hat in unserer Bibel vier Großbuchstaben. Das heißt: Hier steht der persönliche Name Gottes. Jahwe. Früher: Jehova.
    Jahwe. Das ist ein Name, der nur Gott selbst zukommt. Selbst das Wort „Gott“ kann man benutzen, wenn man nicht von dem einen Gott spricht – falsche Götter, oder ähnlich. Doch Jahwe, dieser Name gehört dem einen allmächtigen Gott allein. Es heißt: Ich bin, der ich bin, ich werde sein, der ich sein werde. Ich werde nicht verursacht, sondern ich verursache. Jahwe ist von niemandem und nichts abhängig; aber alles ist von ihm abhängig. Ohne ihn geschieht nichts, ohne ihn gibt es nichts. Ihm steht alles zur Verfügung, er weiß die Wahrheit. Er lebt aus sich selbst, er erkennt aus sich selbst, er handelt aus sich selbst. also völlig frei. Er weiß den Weg zur Liebe aus jeder Situation, er ist in jeder Situation frei und hell und klar und sich selbst.
    Das ist Gott. Und wir sind das nicht. Überhaupt nicht.
    „Was bist du, das du nicht von Gott empfangen hast?“ Fragt Paulus (1. Korinther 4, 7). Ja. Das ist wahr. In schweren Zeiten empfinden wir das: Es muß uns gegeben werden, sonst haben wir es nicht. In guten Zeiten sollen wir dafür danken.
    Die Macht ist auf Gottes Seite, nicht auf unserer. Nun hören wir: Der Nachkomme Davids, dieser wunderbare König, soll heißen: HERR, unsere Gerechtigkeit.
    Also: Ein Nachkomme Davids soll HERR, Jahwe, Jehova, heißen. Nicht als aufgeklebtes Etikett, das bei dem ersten Test wieder abfällt. Gott nennt ihn so. Er ist es.
    Doch was wird aus dir und mir, wenn wir Gott begegnen? Können wir bestehen? Was wird aus mir, wenn ich zu meinem Recht komme? Wird es keine Anklagen geben? Und wenn, wie will ich mich vor Gott rechtfertigen?
    Der Name ist wunderbar: HERR, u n s e r e G e r e c h t i g k e i t. – Also: Der HERR, der für mein Daseinsrecht ist. Die ganze göttliche Macht und Weisheit geht dahin, daß es dich und mich gibt. Ihm steht alle Macht und Weisheit zur Verfügung, dich zu heilen. Deinen Platz bei Gott zu sichern, zu sorgen, daß nichts gegen dich spricht. Du wirst nicht abgewiesen. Deine Krankheit trennt dich nicht von Gott, deine Vergangenheit trennt dich nicht von Gott, deine Blindheit trennt dich nicht, deine Verzweiflung nicht, aber auch nicht deine Selbstüberschätzung. Hier ist die Macht, die dich losspricht von deiner Schuld, die dich sonst zerstören wird, gnadenlos. Hier ist die Gnade.
    Der Prophet Jesaja mußte auch in Gottes Auftrag uns Menschen diese Ansage machen:
    „5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
    6 auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“ (Jesaja 9). Das ist im Neuen Testament geschehen. Das ist unser Testament.
    Diesen König wollen und dürfen wir nicht verpassen. Sein Name ist „Wunder“, denn er ist das Wunder, das Wunder, das wir brauchen und nicht machen können. Denn dürfen wir nicht verpennen. Daher Advent. Die Zeit kommt. Mach den Kopf und dein Herz frei. Oder besser: Laß die Person, die Wunder heißt, die der gute Rat in Person ist, mal ran. Er bringt’s. Diese Gerechtigkeit, die uns so sehr fehlt.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Nach oben