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Predigt

20. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

17 Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.
18 Denn viele leben so, daß ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.
19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.
20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,
21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, daß er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

Philipper 3, 17-21

HERR, segne dein Wort an uns; Dein Wort ist die Wahrheit. Amen

Liebe Gemeinde!

Christen sind der Welt unheimlich. Oft lächerlich, oft harmlos, manchmal bedrohlich – wie auch immer. Menschen, die am Sonntagmorgen nichts Besseres zu tun haben, als „in die Kirche zu rennen!“ um alte Lieder zu singen, sich anpredigen lassen. Die einen unsichtbaren Gott anbeten. – Ich muß das nicht weiter vertiefen.
Christen wollen das nicht immer. Sie wollen auch gerne dazugehören, anerkannt und ernstgenommen werden, respektiert werden, und nicht belächelt oder diskret ausgeschlossen werden.
Das ist nichts Neues. Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Wie Gott in der Welt ist, so sind auch wir Christen in der Welt.“ (1. Johannes 4, 17) – Gottes Kindern geht es in der Welt wie Gott selbst: Die Welt kann auf Gott verzichten, die Welt kann auf Christen verzichten. So einfach ist das.
Darum hören wir heute darüber, wie wir mit dieser Fremdheit klarkommen.

  1. Vorbilder:
    „Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ Christen haben Vorbilder. Ein Christ muß das Christsein nicht im Kaltstart erfinden – also in jeder Hinsicht aus eigener Kraft verwirklichen und erfinden. Durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte haben Männer und Frauen in dieser fremden Welt sich zu Christus bekannt. Sie haben Gottes Gebote ernstgenommen, sie haben christliche Nächstenliebe praktiziert. – Und fast jeder wird sagen: Ich hatte ein Vorbild. Ich habe gesehen, wie jemand seinem Feind vergeben hat. Ich habe miterlebt, wie ein Ehemann seine kranke Frau geduldig gepflegt hat. Ich habe gesehen, wie Christen einem Mitchristen in finanzieller Not unkompliziert und unauffällig geholfen haben. Das sind Realitäten, die sich der Seele einprägen. Die gibt es in der Gemeinde. Vorbilder motivieren, brechen die Bahn, helfen dir, innere Widerstände zu überwinden. Gott schenkt Glaubenserfahrungen – und schafft es auch, daß diese Erfahrungen als Segen weiterwirken.
    Der Teufel haßt es, wenn Erfahrungen weitergegeben werden. Denn wenn das geschieht, dann hat der Teufel es schwerer, einen Menschen zu verführen und von Gott zu trennen. Darum wird der Teufel alles tun, Vorbilder lächerlich zu machen, oder eine Gemeinschaft zu zerstören, in der Erfahrungen mit Gott weitergegeben werden.
    Vorbilder zeigen uns: Es gibt einen Weg. Gott hält, was er verspricht. Was wir in der Bibel lesen, ist eine Realität. Menschen haben es erfahren.
  2. Feinde des Kreuzes Christi
    Doch gibt es solche, die nachgeben, die einknicken, die es nicht aushalten, daß sie in der Welt fremd sind.
    Paulus hat dafür strenge Worte:
    Sie sind Feinde des Kreuzes Jesu Christi.
    Das Kreuz Jesu hat folgende Wahrheiten in die Welt gebracht – und sie ein für allemal der Menschheit eingeprägt:
    a. Das Opfer bricht die Macht des Bösen – Jesus hat als der Sohn Gottes gelitten, um die Macht des bösen zu brechen. Er hat nicht Böses mit Bösem vergolten.
    b. Menschen brauchen dringend Vergebung – sie sind weit weg von Gott.
    Die Welt kann mit dem Opfer nichts anfangen. Für die Welt ist das Kreuz eine Dummheit – überflüssig und eine Verschwendung. Selbstlose Liebe, wie Jesus sie vorgelebt hat, ist der Welt unheimlich, eine Übertreibung, ja gefährlich. Verzicht auf eigenes Recht ist das Letzte, was man tun sollte!
    Wer das Kreuz Jesus kennt und doch ablehnt, der ist ein Feind des Kreuzes. Der sagt: Jesus hätte den Weg nicht gehen sollen. Sein Leiden und Sterben hat nichts verändert in der Welt. Vergebung ist keine Realität. Ich muß niemandem vergeben, und ich brauche keine Vergebung. Ja noch mehr: Ich will nicht selbstlos sein, und brauche die Selbstlosigkeit von anderen nicht.
    Man sagt das, und fühlt sich dabei stark, klug und sicher – man hält sich für realistisch. Das kann uns Christen sehr weh tun und belasten.
  3. Aufklärung
    Der Psalm 73 im Alten Testament beschreibt dieses Gefühl, als Kind Gottes in der Welt dumm da zu stehen sehr gut: „Ich sah, wie es denen, die ohne Gott leben, so gut ging – für sie gibt es keine Qualen, sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute, sie sind total selbstsicher, sie reden ohne Scheu, was sie denken, und die Massen finden sie toll. – Man lese Psalm 73! – Der Beter spricht das alles vor Gott aus. Gott antwortet, indem er dem Beter das Ende dieser Menschen ohne Gott aufzeigt. Wo landen sie am Ende? „Ich ging ins Heiligtum Gottes, und merkte auf ihr Ende.“ Diese ernste Aufklärung mach auch Paulus:

Die Welt belächelt die Christen, weil sie sich stark, klug und sicher fühlt.
„Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.“
a. Ihr Ende ist die Verdammnis: Sie haben am Ende nichts und niemand, der für sie spricht. Alles spricht gegen sie. Sie wollten ohne Gott sein, jetzt sind sie es. Sie wollten keine Vergebung, jetzt sind sie mit ihrer Schuld allein, und die Schuld, die nicht vergeben ist, bringt sie um. Sie brauchten keine Gnade – jetzt wird jeder Fehler heimgesucht. Das Maß, mit dem sie andere beurteilt haben, verachtet haben, das fällt nun auf sie zurück. Sie verachteten Opfer und Hingabe – nun brauchen sie Opfer und Hingabe, aber sie bekommen sie nicht.
b. Ihr Gott ist der Bauch: Sie sind chemischen Reaktionen ausgeliefert. Jeder Impuls macht sie platt. Sie können nicht Gottes Segen abwarten. Sie können niemandem etwas gönnen. Ein unerfülltes Begehren macht ihnen das Leben zur Hölle, und wenn sie ihren Willen bekommen, haben sie keinen Begriff dafür, daß andere vielleicht leiden. Der Bauch ist natürlich kein Gott. Er ist von Gottes Gaben abhängig – der Bauch kann keinen guten Rat geben, keinen Trost, und am Ende stirbt er. Aber wir Menschen sind in der Lage, ihn zum Maß aller Dinge zu machen.
c. Ihre Ehre ist in ihrer Schande – sie sind auf ihr Leben ohne Gott auch noch stolz, sie prahlen damit. Das, was sie am Ende vor Gott völlig in Frage stellen wird, das lieben sie und können nicht genug davon haben. Und wenn sie Menschen begegnen, die da nicht nachgeben, dann ist ihnen das unheimlich.
Das ist eine strenge Aufklärung!
Gott hat uns davon freigemacht. Den Kindern Gottes ist das unheimlich, sie sind nicht beeindruckt.

  1. Unser eigentliches Zuhause:
    „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,
    der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, daß er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“
    Bürgerrecht – da bin ich zuhause. Paulus hatte auch Rechte als Römischer Bürger – und hat sie auch geltend gemacht. Am Ende wurde er aber doch nach Römischem Recht enthauptet. Denn er blieb dieser Welt fremd und unheimlich. Rom konnte mit Christus nichts anfangen – das mußte Paulus dann auch am eigenen Leib erfahren. Sein Leib gehörte Christus – und Christus wird ihn auferwecken, und sagen: Dieser Enthauptete da gehört zu mir.
    Liebe Gemeinde. Wir haben in unserem Land auch Rechte als Bürger. Wir bewegen uns in diesen Rechten. Sie schützen uns vor Unrecht. Doch diese Rechte sagen uns nicht, wer wir am Ende von von Anfang an sind. Unser entscheidendes Recht ist bei Gott im Himmel.
    Das heißt aber auch vor allem: Gott sagt uns, was Gut und Böse ist. Das steht für uns fest, bevor wir Bürger in unserem Land sind. Die Regierung in unserem Land hat die Aufgabe, unseren Leib für Verletzung und Unrecht zu schützen. Aber die Regierung kann unseren nichtigen Leib nicht verherrlichen und unsterblich machen. Das tut Gott durch Seine Vergebung. Darum gibt es in jedem Christen etwas, über das der Staat niemals verfügen darf oder verfügen soll. Und das steht zuerst fest, nicht hinterher.
    Ich möchte einen Vergleich machen:
    Noah. Er war in dieser Welt. Er hat am Leben in dieser Welt teilgenommen. Doch Gott hat ihm das Ende aller Dinge gezeigt. Das Gericht über die Gottlosigkeit. Gott hat ihm auch den Ausweg gezeigt: Die Arche. Noah wurde dieser Welt fremd in dem Moment, wo er mitten auf dem trockenen Land die Arche baute. Die Arche war ein Signal für die Welt: Euer Weg hat kein gutes Ende. Gott steht über euch. Ihr könnt euch nicht retten. Ihr braucht Vergebung. Die Welt fühlte sich sicher und klug. Nichts sprach für eine Sintflut. Alles sprach dafür, genau so weiterzumachen. Ja, wer weiß, vielleicht hat man zu Noahs Zeiten gesagt: Laßt uns zusammenhalten, dann kann die Sintflut uns nichts anhaben.
    Noah hatte seine Zukunft und seine Sicherheit in der Arche. Er hatte sie immer im Blick. Wenn es in der Welt besonders attraktiv schien, dachte er an das Ende, und an die Arche.
    Er war fremd in dieser Welt und ihr unheimlich – wie Gott in der Welt war, so auch Noah und seine Arche.
    Unser Daseinsrecht und Zukunft ist mit Gottes Arche verbunden. Jesus ist unser Noah. Die Kirche ist Gottes Arche. Wer in der Arche sein will, muß sie im Blick haben, und wissen, wie man da hineinkommt und bleibt, wenn es drauf ankommt.
    In der Gemeinde, in der Kirche hat die Selbstlosigkeit, das Opfer Jesu einen festen Platz. Wir vergessen niemals, daß Gottes Gnade uns rettet.
    Deshalb können wir uns nicht an die Welt binden, als wäre sie alles, was es gibt. Wir können uns nicht von unserem Bauch bestimmen lassen. Das geht nicht mehr. Wir teilen die Hoffnung der Welt nicht, wir teilen auch die Furcht der Welt nicht.
    Gott hat uns schon in Sicherheit gebracht. Die Welt kommt zu spät, wenn sie das auch noch will.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Antonello da Messina: Maria der Verkündigung
1473, Öl auf Holz, 43 × 32 cm
München, Alte Pinakothek
Land: Italien
Stil: Renaissance
[Antonello da Messina. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 329 (c) 2005 The Yorck Project]