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Predigt

Erntedankfest

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

6 Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.
7 Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat,
nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
8 Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk;
9 wie geschrieben steht (Ps 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«
10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.
11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.
12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, daß viele Gott danken.
13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.
14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch.
15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Korinther 9, 6-15

Lieber himmlischer Vater, du läßt die Sonne aufgehen über Böse und Gute, und läßt regnen über Gerechte und und Ungerechte – laß uns bitte bald den Reichtum Deiner Gnade über uns erkennen und Dir dafür danken. Wirke an uns durch Dein heiliges Wort. Amen.

Liebe Gemeinde!
Die Buchhaltung des Apostels Paulus hat wahrscheinlich nur geschrieben: „Eingegangen aus der christlichen Gemeinde in Korinth 50 Denare, aus der Gemeinde Philippi 35 Denare – weitergeleitet an die Gemeinde in Jerusalem: 85 Denare.“
Paulus schreibt eine Epistel über diese Kollekte und taucht die dürren Zahlen und Rechnungen in das Licht Gottes. Es ist nicht nur ein Kreislauf zwischen einer Buchhaltung in Korinth und Jerusalem – sondern es sind mehrere Kreisläufe zwischen Korinth, Philippi und Jerusalem. Ja, im Brief an die Christen in Rom erfahren wir auch von einer Sammlung für die „Armen Heiligen zu Jerusalem“ (Römer 15, 26). Paulus legt einen Kreislauf des Segens zwischen Gott und den Christen, zwischen den Christen untereinander, zwischen Himmel und Erde offen. Das ist eine ganz andere Buchhaltung. Soll und Haben müssen zwar stimmen, keine Frage, aber damit ist nicht alles gesagt!
Das Ergebnis der Bilanz ist der Dank, der aus allen Gemeinden zu Gott aufsteigt. Und das ist ja, was uns heute zusammenführt: Der Dank gegen Gott. Der Dank für den Segen.
Dank und Segen kann ein Rendant nicht in die Buchhaltung eintragen. Zahlen und Zahlenwerke müssen stimmen, aber sie sind nicht fähig diese Dimension aufzublenden: Gott segnet, und wir danken.
Segen von oben, von Gott – und Dank von unten, von Gottes Kindern und dazwischen eine Spende, eine Kollekte.
Und was hält das Ganze zusammen? Der Überschwang!
Gottes Gnade ist überschwänglich, Seine Gabe unaussprechlich.
Die Korinther haben Gott als den überschwänglichen Gott kennengelernt. Darum sollen sie auch überschwänglich sein – im Geben und im Danken.
Das Gegenteil von überschwänglich ist „kärglich“ – „wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten“. Kärglich – das ist von vornherein begrenzt, verschlossen, um sich selbst ängtstlich kreisend – ohne Vertrauen. Wie der Knecht im Gleichnis Jesu, der das eine Talent zur Sicherheit in der Erde verbarg, getrieben von Mißtrauen, Angst und Geiz. Das alles ist eine Sicherheit, die der Mensch ohne Gott haben will. Das wird sich nicht lohnen – klare Ansage. Gott will, daß Sein Segen in Umlauf gebracht wird. Da sollen wir nicht auf dem Schlauch stehen. Gottes Segen hat Überschwang in sich – eine Dynamik, die über sich hinausgeht, und transzendiert. Jesus sagt ja mit unwiderlegbarer Klarheit: Gott läßt Seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5, 45). Das ist Überschwang, Transzendenz – eben nicht kärglich. In allen Bereichen des Lebens ist es so: Nur Abwarten, nur vorsichtig sein, nur Klammern, und Wegschließen, nur ängstlich, besorgt und mißtrauisch ohne Wagnis und Vertrauen – – so kann man nicht am Kreislauf des Segens teilhaben. Das ist eine Sicherheit ohne Gott. Die wird sich nicht lohnen.
Die Welt sagt: Du mußt es riskieren – Sprich Menschen an – du riskierst Mißverständnis oder Ablehnung – tu es trotzdem!
Die Welt sagt: Du mußt es riskieren – Investieren, in Vorleistung gehen! Saat muß großzügig ausgesät werden, wenn es eine Ernte geben soll!
Die Welt spricht vom Risiko.
Wie hören wir aber aus Gottes Wort?
Das Gegenteil von „kärglich säen“ und „kärglich ernten“ ist nicht: Verschwenden – oder Risiko,
sondern: SEGEN. „Wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.“ Segen ist eine Kategorie, die die Welt nicht kennt. Segen ist etwas ganz anderes als Risiko, denn wenn ich vom Segen spreche, dann sage ich damit: Gott ist schon in Vorleistung gegangen! Gott hat mich und uns schon beschenkt – und zwar so sehr, daß ich es nicht wieder gutmachen kann. Er hat mir das Leben geschenkt – wie wir es aus dem Katechismus eben bekannt haben: „Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat … und noch erhält“. Dieser Gott, der schon für mich da war, bevor ich es kapieren konnte, geschweige denn es verdienen, dieser Gott versorgt mich. Aus dieser Gewißheit heraus säe ich aus, gehe ich in Vorleistung, spreche ich Menschen an, leiste ich eine Arbeit, trage ich zum Kreislauf der Wirtschaft bei. Mit Gott, unter Seinem Segen, im Vertrauen auf Seine Güte – so wie ich sie bisher erlebt habe. Das sind große, entscheidende Dinge, die im Herzen passieren. Davon spricht Paulus, wenn er weiter schreibt:
„7 Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat,
nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
Gott ist uns gegenüber großzügig, überschwänglich – und unsere Antwort auf Gottes Segen soll auch diese Eigenschaft haben: Nicht mit Unwillen, oder aus Zwang. Gott liebt einen fröhlichen Geber. Fröhlich, weil er weiß: Gott hat mich schon gesegnet, und er kann und wird mich wieder segnen.
Von dieser Zuversicht, die der Heilige Geist in Gottes Kindern schafft, schreibt Paulus weiter:
„8 Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk;
9 wie geschrieben steht (Ps 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«“
Gott streut aus, und hört nicht auf. Er versorgt uns nicht nur, sondern er bezieht uns auch damit ein, daß andere versorgt werden. Wir bekommen von Gott Gaben – etwa wie wenn man Pakete für den Nachbarn annimmt – sie sind kurz bei uns in der Wohnung, aber sie gehen weiter! Das geht nur, wenn Gott uns ein fröhliches Herz gibt, das frei ist, und ohne Neid und ohne Sorge weitergibt, und die Gaben dem Nächsten von Herzen gönnt, und sich mit ihm freut. Das ist überschwänglich. Bei Gott ist das so.
Der Überschwang Gottes schwappt über auf dich, und die Welle des Segens schwappt weiter und geht über auf den Mitmenschen, von Rom und Korinth nach Jerusalem. Alles unter dem einen Segen Gottes.
Während nämlich die Korinther und die Römer für Jerusalem – also: die Christen von Korinth und Rom für die Christen in Jerusalem spenden – tut Gott selbst schon etwas in ihren Herzen.
„10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.
11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.“
Der segnende Gott, der dem Sämann Samen gibt, und Brot zur Speise, der gibt solchen fröhlichen Gebern einen besonderen Samen – einen Samen, der Früchte der Gerechtigkeit wachsen läßt. Das sind Früchte des Glaubens. Wer an dieser Stelle unter dem Segen handelt und großzügig ist, der wird auch auf anderen Gebieten Segen empfangen. Wie die Knechte im Gleichnis, die Gottes Gaben NICHT vergraben haben aus Mißtrauen – die können mit einem fröhlichen Herzen auch andere Herausforderungen meistern. Gott ermöglicht und schenkt es. Die Dynamik ist, „reich zu sein in allen Dingen.“
Weil ich unter Gottes Segen bin, kann ich „geben in aller Einfalt“ also ohne Hintergedanken, ohne Berechnung, ohne daß ein Druck bei den Empfängern besteht. „Geben in aller Einfalt“ – Jesus sagt dazu: „Laß nicht vor dir posaunen, wie die Heuchler tun. Die linke Hand soll nicht wissen, was die Rechte tut.“ (Matthäus 6,3). Alles in Freiheit! – So fließt der Segen Gottes am besten durch uns weiter, und kommt ungetrübt an.
Das macht dann auch, daß die Empfänger – obwohl sie Empfänger sind, also vor der Welt arm und abhängig – unter diesem Segen, in dieser göttlichen Kreislauf des Überschwangs kann der Empfänger auch frei sein. Wie Paulus sagt: Die Einfalt des Gebers wirkt Danksagung AN GOTT.
Natürlich soll ich dem menschlichen Geber, den ich vor mir habe, auch danken! – Aber es ist dann ein freier Dank, der vom Segen geweckt und getragen wird. Ein Dank, der den Geber auch beschenkt, erfreut und bereichert.
Der Kreislauf schließt sich: Bei Gott fing er an – Gottes Segen erreichte die Korinther und die Römer – sie geben ihn in Freiheit weiter an die armen Christen in Jerusalem – und diese danken Gott.
Paulus übertreibt nicht, wenn er festhält: Diese Spende unter dem Segen hilft nicht nur, daß die Christen in Jerusalem ihre Rechnungen bezahlen können, oder ein Haus renovieren können, sondern es stärkt ihren Glauben. Wenn das mal kein überschwänglicher Segen ist! Hören wir Paulus nochmal:
„13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.
14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch.
15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“
Das ist die göttliche Buchführung des Segens. Die Christen in Jerusalem freuen sich mit den Christen von Korinth und Rom. Die Spende ist ein spürbarer Beweis: Gottes Segen ist in Rom und Korinth – aber nicht nur Gottes Segen, sondern auch der Glaube an Christus, und das alles erreicht uns in Jerusalem. Und das allen mündet im Dank.
Soll und Haben wird getragen von Segen und Dank.
Bei Christen, die Gott kennengelernt haben, ist das so. Die Welt kennt das nicht. Die weltliche Buchhaltung hat keine Zahlen dafür. Aber die Kinder Gottes leben darin und erleben es bei sich und anderen und freuen sich mit unaussprechlicher Freude.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild

Ford Madox Brown: Bei der Kornernte

1854, Öl auf Holz, 19 × 27 cm
London, Tate Gallery
Kommentar: Landschaftsmalerei
Land: Großbritannien
Stil: Präraphaeliten
[Brown, Ford Madox. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 1189 (c) 2005 The Yorck Project]