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Predigt

17. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.
10 Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. 11 Denn die Schrift spricht (Jes 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«
12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.
13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).
14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?«
17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
18 Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Ps 19,5).

Römer 10, 9-18

Lieber Gott im Himmel, laß Dein Wort bei uns wirken, wozu Du es gesandt hast. Amen.

Liebe Gemeinde!

Folgende Situation: Du sitzt in der U-Bahn, ohne Fahrschein. Die Kontrolle kommt näher. Du hast auch nicht 60 Euro dabei. Dann flüstert Dir einer zu: Kein Problem! Du mußt sagen: Ich fahre mit dem da. Und dann nickt er in die Richtung eines unauffälligen Fahrgastes. Du guckst fragend. -?- Er sagt: Er hat die Super-Umweltkarte. Er kann jeden mitnehmen. Er besitzt die U-Bahn.
Wirst Du es sagen: „Ich fahre mit dem da!“?

Genau dasselbe ist es, wenn Paulus Dir sagt: „Wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der HERR ist, und in deine Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“
Sünder fahren schwarz. Sie nehmen am Leben teil, das Gott ihnen geschenkt hat. Aber sie vergessen den Geber über die Gaben. Statt Gott die Ehre zu geben – das wäre ein gültiger Fahrschein, denn mit dem Fahrschein mache ich ja klar: Diese U-Bahn ist nicht mein Privatbesitz, sondern wird mir zur Verfügung gestellt – statt Gott anzuerkennen, tut man als hätte man sich das Leben selbst gegeben. Die 10 Gebote offenbaren das. Sie zeigen, daß wir mit Überzeugung und völlig ohne Scham in Gottes Schöpfung schwarzfahren. Wir fürchten Dinge mehr als Gott, wir lieben Dinge mehr als Gott. Wir bitten Gott nicht um Hilfe, wir danken ihm nicht. Wir lassen uns von Gott nichts sagen. Wir schätzen nicht, was andere für uns tun. Wir leben auf Kosten anderer. Ehebruch. Lüge. Und dann noch das Begehren, daß alle das in Ordnung finden, und wir mit dem Schwarzfahren durchkommen, ohne erwischt zu werden.
Die 10 Gebote sagen uns aber auch, daß das alles bei Gott ankommt, und ihm nicht egal ist. Manchmal wachen Menschen auf, und spüren, daß alles ein großer Fehler ist. Und dann? Wie kommt man da heraus? Wie kann ich Gott wieder auf meine Seite kriegen? Kann ich versuchen, mich herauszureden? Schwarzfahrer versuchen das! Es ist lächerlich und aussichtslos. Kann ich schnell irgendwo noch einen gültigen Fahrschein bekommen? Kann ich noch versuchen, alles wieder gutzumachen? Aber weiß ich denn, was alles gutgemacht werden soll? Und weiß ich denn, ob es reicht?
Paulus kannte das. Er hatte versucht, möglichst alle Regeln peinlich einzuhalten. Doch wurde ihm klar: Das alles ergibt keinen gültigen Fahrschein. Das alles bringt Gott noch nicht auf meine Seite, es bringt die Anklage des Gesetzes nicht zum Schweigen.
Das änderte sich alles erst, als er Jesus, dem Auferstandenen, begegnete. Der Mann, der im Namen des Gesetzes gekreuzigt wurde wie der schlimmste Sünder, wie der dreisteste Schwarzfahrer auf Gottes Erdboden und unter Gottes Himmel – der war zu Unrecht gestorben, und Gott hatte ihn auferweckt und gesagt: Dieser hat recht – alle anderen nicht! Er hat das Gesetz erfüllt – die ihn im Namen des Gesetzes kreuzigten, hatten unrecht. Er hat recht. Er ist der Herr.
Paulus erfuhr von Gott selbst: Jesus ist „Gott auf meiner Seite“. Jesus ist die Gnade und die Vergebung, die die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringt.
Wichtig ist nur, daß du dich zu ihm bekennst: Du mußt sagen: Ich fahre mit dem da.
Das ist nur dann möglich, um im Bilde zu bleiben, wenn ich erstens einsehe, daß ich schwarzfahre und einen gültigen Fahrschein brauche, den ich aber selbst nicht habe.
Und zweitens muß ich tatsächlich mich darauf verlassen, daß „der da“ auch wirklich diese Umweltkarte für alle hat, und berechtigt ist, alle mitzunehmen, die sich auf ihn berufen.
Ich muß also einsehen, daß es so nicht weitergeht. Daß ich bei Gott nicht gut ankomme, sondern im Gegenteil: Ich stelle mein Leben immer wieder aufs Neue in Frage. Wenn also die Kontrolle des Gesetzes kommt, nützt es nichts, zu sagen: Ich darf hier mitfahren und tun, als ob mir das alles gehört, ich brauche überhaupt keinen gültigen Fahrschein! – Sünder verhalten sich so. Ich kann alles erlauben, denn ich fühle das Recht dazu! Gott soll mich in Ruhe lassen! – Im Gegenteil. Die Einsicht ist notwendig. Gott hat mir das Leben geschenkt. Er ist der Geber. Er macht die Regeln. Bei mir muß etwas passieren. Bei mir muß etwas anders werden!
Und damit hängt die zweite Erkenntnis zusammen: Die größte Macht hat der, der mir einen gültigen Fahrschein verschafft. Also: Die größte Macht im Universum und für dich ist die Macht, die schafft, daß Gott dir vergibt und dich annimmt. Nicht, wer die meisten Waffen hat, nicht, wer das meiste Geld hat, nicht, wer den größten Einfluß hat – sondern, wer die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringt: Gott ist nicht mehr gegen dich!
Darum verbindet Paulus das HERR-sein Jesu – also seine Macht – mit der Auferstehung. Denn die Auferstehung Jesus widerlegte Jesu Tod am Kreuz. Das Kreuz war der Beweis des Gesetzes: Dieser ist verflucht, ewig von Gott getrennt. Doch der Gekreuzigte ist auferstanden, also ist bei Jesus, dem Auferstandenen die Anklage des Gesetzes GEGEN IHN widerlegt. Bei ihm muß die Anklage des Gesetzes schweigen. Das ist die größte Macht. Also – was hilft einem Sünder die Macht des Geldes oder die Macht der Waffen oder irgendeine andere Macht, wenn am Ende das Gesetz feststellt: Schuldig!
Paulus legt und Gesetz und Evangelium vor. Gesetz: Du fährst schwarz! Evangelium: Sag: Ich fahre mit dem da. Ich fahre mit Jesus Christus.
Wenn wir das einigermaßen begreifen, dann können wir den Rest des Textes auch verstehen.
„12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.“ – Alles, was du tun mußt ist: Bekennen, daß Jesus der HERR ist. Das muß ein Jude tun – Paulus hat das ein für allemal eingesehen, daß Geburt und Herkunft einen Sünder nicht auf Gottes Seite bringt – beide Juden und Heiden müssen sagen: Ich liege falsch, aber ich fahre mit dem da – mit Christus.
„13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).“
Schon das Alte Testament spricht davon, daß Gott eine Lösung schaffen wird, die für beide, Juden und Heiden gleichermaßen gilt.
„14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?«
17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“
Hier spricht Paulus über den Mann in der U-Bahn, der dir zuflüstert: Du mußt einfach sagen: Ich fahre mit dem da.
Denn wie soll ein Sünder überhaupt darauf kommen, daß jemand für ihn da ist, und Vergebung ermöglicht? Von selbst wird er niemals darauf kommen. Ein Sünder hat von sich aus immer nur zwei Möglichkeiten: Heucheln oder Verzweifeln. Tun, als ob nichts ist; oder Tun, als ob nichts mehr hilft. Wie soll man sagen: Ich fahre mit dem da – wenn ich nicht weiß, daß es ihn gibt, oder wer er ist, oder was er kann? Jemand muß es mir dringend sagen, und zwar deutlich!
Und klar es darf kein blöder Trick sein, auf den ich reinfalle. Darum sagt Paulus: Wie können sie aber predigen, wo sie nicht gesandt – also von Gott selbst gesandt sind? Aber Gott hat sie gesandt. Jesus hat zu den Aposteln gesagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden; darum geht hin und predigt und tauft und sagt bescheid!
Und das ist die Situation, in der ein Christ sich befindet.
Wir haben gehört: Jesus, der Sohn Gottes, dem die ganze Welt gehört, durch den die Welt geschaffen ist – Jesus hat dazu noch die entscheidende Macht bekommen. Er kann die Anklage des Gesetzes zum Schweigen bringen. Gott hat Menschen gesandt, uns das zu sagen.
Diese Kirchenbänke sind wie U-Bahn Bänke. Sie könnten Anklagebänke sein. Unser Gewissen sagt uns das. Aber einer fährt mit. Und es kommt jetzt alles darauf an, daß wir genau zuhören. Denn der Glaube, der uns zu Menschen auf Gottes Seite schafft – der kommt aus dem Hören der Predigt.
An diesem Wort und an dem Hören des Wortes hängt alles – ob wir gut ankommen, und das Ende gut wird.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de