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Predigt

9. Sonntag nach Trinitatis

Denn nicht ich sage es, auch nicht die Kirche sagt es, auch nicht die Theologen, nicht die Christen – sondern Jesus Christus sagt es. Und Er sagt es uns Christen. Es bleibt Sein Wort.

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch. Amen.

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Matthäus 7, 24-27

Gebet: Lieber HERR und Gott, sorge Du selbst für alle, die Dir nachfolgen. Laß Dein Wort heiliger Schrift aus uns neue Menschen machen, die ihre Hoffnung ganz auf Dich setzen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Die Flutkatastrophen im Westen unseres Landes – inzwischen auch in anderen Teilen Deutschlands und Europas – führen uns vor Augen, was es bedeutet, wenn ein bis dahin sicheres Zuhause einfallen und den Bach runtergehen kann – der kein Bach mehr ist, sondern ein reißender Strom. Bis dahin stand das Haus für Schutz und Sicherheit, man hatte sich darauf verlassen. Wenn Regen, Wind, Kälte und eine andere Gefahr kam: Schnell ins Haus, Tür und Fensterläden zu …. Sicherheit. Auf einmal ging dieses Vertrauen ins Leere. Auch das Vertrauen in die Menschen, die zu dem Bau in der Lage geraten hatten, das Vertrauen in die Obrigkeit, die zur rechten Zeit warnen und helfen sollte. Das verfehlte enttäuschte Vertrauen bedeutete für viele den Tod, oder die Vernichtung ihrer Existenz. Sie stehen vor dem Nichts. – Vertrauen muß man so oder so. Ein Haus muß gebaut werden, ich brauche ein Zuhause – immer vertraue ich meinen Leib und mein Leben diesem Haus, und seinen Erbauern an. Leben ohne Vertrauen gibt es nicht.
Das Gleichnis braucht kaum eine Erklärung:
Hier haben wir ein Haus auf dem Felsen. Der Platzregen fällt, die Gewässer strömen daher, die Winde wehen und stoßen an das Haus – und es passiert nichts.
Da haben wir ein in allen Einzelheiten gleiches Haus. Genau dieselben Gewässer und Winde stürmen das Haus – und es fällt, und hört nicht auf, zu fallen – der Fall ist groß – ohne Ende.
Der Unterschied ist zwischen Felsen und Sand. Es gibt eine vorübergehende Zeit, da scheinen die beiden Häuser sich zum Verwechseln ähnlich zu sein. Beide Bewohner leben ihr Leben. Und die Tatsache, daß sie am Leben sind, scheint zu beweisen, daß sie alles richtig gemacht haben.
So überschätzen wir Menschen uns: Weil ich in diesem Moment aufrecht stehe und atme, ist das die Rechtfertigung dafür, daß ich bisher alles richtig gemacht habe. So dachten doch die Bewohner der Häuser auch: Sonst wären Sie nicht in Ihren Häusern gewesen, als die Katastrophe über sie hereinbrach.
Ob ich wirklich richtig stehe, zeigt sich am Ende. Ob ich wirklich richtig stehe, entscheidet sich jetzt. Es entscheidet sich jetzt – und zeigt sich am Ende.
Es ist ein Gleichnis. Jesus spricht nicht vom Hausbau. Er rät auch nicht zum Kauf bestimmter Häuser in bestimmter Lage. Das ist klar.
Es bleibt aber nur dann klar, wenn wir Jesus wirklich zuhören, und Ihn den Sprecher, den Ursprung Seiner Worte bleiben lassen.
Denn Jesus ist der Fels. Ein anderes Fundament kann niemand legen, außer dem Fundament, das Gott vorgegeben hat: Jesus Christus. (1. Korinther 3,11), schreibt Paulus. Und Jesus selbst spricht von sich als dem Eckstein – also dem Stein, der einen ganzen Bau stützt und unerschütterlich macht. (Matthäus 21, 42).
Ein Haus soll bleiben – es soll mich in der Nacht schützen, wenn ich schlafe, es soll meine Kinder bergen, mein Leben sichern. Gott hat uns Menschen so geschaffen, daß wir bauen. Wir sollen als Gottes Ebenbild daran teilhaben, wie das Leben geschützt wird, also nicht nur einfach geschützt werden, sondern daran teilhaben, wenn Leben und Segen geschützt wird. Das alles mit Gaben, die Gott uns gibt. Als Erbauer des Hauses sind wir nicht weniger Gottes Kinder oder weniger von Gott abhängig. Wenn ich meine Kraft einsetze, arbeite, Geld verdiene, und dadurch mich und meine Familie ernähre – dann bin ich im Vergleich zu einem kleinen Menschenkind sehr aktiv und selbständig – aber vor Gott bleibe ich genauso empfangend, wie ein kleines Kind – ich bin genauso abhängig, daß Gott mir Kraft, Einsicht, Gesundheit gibt – daß Gott mir zuverlässige Mitmenschen gibt, daß Gott Frieden gibt – ohne Vertrauen geht gar nichts. Gott bezieht uns als Erwachsene nur gnädig ein – damit wir noch mehr ins Staunen kommen über Seine wunderbare Weisheit und Liebe, die WILL, daß wir leben und Seine Gaben empfangen.

Das Haus aus dem Gleichnis ist also das, was wir Menschen für unser Leben tun, sobald wir nicht mehr Kinder sind, die von ihren Eltern abhängig sind. Was tun wir für unser Leben innerhalb unserer Möglichkeiten?

Jesus sagt: „Wer diese meine Rede hört, und tut sie ….“ – und: „Wer diese meine Rede hört, und tut sie nicht …“
Diese Rede ist Jesu Auslegung von Gottes Willen, die wir in Seiner Bergpredigt hören.
Was hören wir in der Bergpredigt?
Wer seinem Bruder zürnt – das ist vor Gott schon gleich wie Töten. (Matthäus 5, 22).
Wer in Gedanken die Ehe – seine oder die eines anderen Menschen – durch Begehren leugnet, der ist schon nicht mehr unter dem Segen Gottes. (Matthäus 5, 28).
Wer der Wahrheit nicht vertraut, und durch Schwören der Wahrheit nachhelfen will, oder erst beim Schwören sich selbst und die Wahrheit ernstnimmt – dieses Beteuern und Nachhelfen „ist vom Übel“ (Matthäus 5, 37).
Wir sollen unsere Feinde lieben, also dort, wo für Gegenliebe keine Hoffnung ist. (Matthäus 5, 44).
Wir sollen Gutes tun, ohne uns in irgendeiner Weise von der Meinung von Menschen abhängig zu machen – Kein Ausposaunen, die Linke Hand soll nicht wissen, was die Rechte tut. (Matthäus 6, 2-4).
Liebe Gemeinde, ich merke gerade, daß ich einen ganz großen Fehler mache. Ich habe die Sprache verändert, ich habe die Worte verändert. Nach menschlichen Gedanken habe ich in der Sache nichts geändert – Jesus sagt ja wirklich: Liebet eure Feinde, Ihr sollt nicht schwören, und so weiter.
Wenn ich dazu sage: Wir sollen unsere Feinde lieben – dann habe ich scheinbar dasselbe gesagt, und doch alles verändert.
Denn nicht ich sage es, auch nicht die Kirche sagt es, auch nicht die Theologen, nicht die Christen – sondern Jesus Christus sagt es. Und Er sagt es uns Christen. Es bleibt Sein Wort. Es wird nicht zu einer Idee, die jeder dann sich zu eigen macht, oder zu einem Ideal, was man dann von sich und vor allem von anderen erwarten kann. Diese Worte gehören nur Jesus. Nur Er sagt sie.
Jesus, der Sohn Gottes, ist das ICH, das diese Worte spricht. Hier übt Gott selbst Seine Macht aus – nicht ein Mensch übt Macht über Menschen aus – auch nicht der Prediger als Mensch über seine Hörer als Menschen – schon gar nicht übe ich Macht über mich selbst aus. Und damit bin ich auf dem Sand gelandet. Denn meine Macht, alle menschliche Macht ist Sand im Vergleich zu Gott.
Wenn Jesus also sagt: Liebet eure Feinde – dann sagt er damit auch: Denn ich bin bei euch! Ich habe alle Möglichkeiten! Ich verlasse euch unter keinen Umständen! Ihr steht euren Feinden nicht allein gegenüber! Wenn ihr sie nicht haßt, dann werdet ihr sehen und erleben, was ich tue! Ich halte euch, ich trage euch! Ich bin der Fels!
Mit anderen Worten: Jesus bleibt anwesend in dem, was Er sagt. Hat er nicht gesagt: Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende? (Matthäus 28, 20). Zu Seinen Jüngern hat er nicht gesagt: Wer euch hört, der hört meine Ideen, meine Meinungen, meine Vorstellungen; – sondern Er hat gesagt: Wer euch hört, der hört MICH. (Lukas 10, 16).
Der Fels ist Jesus selbst, und der Glaube an Jesus macht, daß das Haus unseres Lebens gesichert ist. Jesus wirkt als der Fels, indem er zu uns spricht, und unser Hören verbindet uns mit diesem ewigen Fels.
Die Bergpredigt, ja alle Worte Jesu sind nicht mehr dieselben, wenn wir sie zu einer Idee machen, die wir umsetzen, verwirklichen wollen. Die Worte Jesu werden nie meine Worte. Daß ich mir zum Beispiel vornehme, oder entscheide: Das will ich nicht tun: Ich will nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen. Dieser Vorsatz macht Jesu Wort zu meinem eigenen Wort. Nein. Jesus bleibt der Sprecher!
Sehr oft macht man Jesu Wort zu einem eigenen Wort, wenn man die Gebote Jesu anwendet, um Erwartungen an andere zu stellen. Bis dahin, daß Nichtchristen sagen: Schaut euch die Christen an: Sie lieben ihre Feinde nicht- aber Jesus hat doch gesagt: Liebet eure Feinde! – Das klingt so sehr richtig und vorwurfsvoll! Nur: Diese Menschen wollen Jesu Wirkung ohne Jesus. Auf solche Stimmen brauchen wir Christen nicht zu hören. Und wer Jesus hört, der ist von solchen Stimmen auch nicht beeindruckt.
Wir müssen diesen Felsen noch genauer ansehen.
Wir haben den Felsen in Seinem Wort, weil Er der Sprecher Seiner Worte bleibt.
Jesus macht das an einer anderen Stelle im Evangelium ganz deutlich:
„Wenn ihr in mir bleibt, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15, 7.5). Hier haben wir auch das Bleiben, das Wort, und das Tun – ganz eng miteinander verknüpft, unzertrennlich.
Hier spricht Jesus vom Glauben als vom Bleiben im Weinstock. Die lebendige Gemeinschaft mit Jesus ist eine körperliche Gemeinschaft. Wir haben den Felsen nicht außerhalb der Gemeinschaft mit den Jüngern Jesu.
Jesus will zeigen, wer er ist und was er kann – zunächst und vor allem in Seiner Gemeinde. Wer die Bergpredigt ohne Gemeinde will, der hat den Felsen schon verloren.
Jetzt müßte ich die ganze Bergpredigt mit euch lesen, und nach jedem Satz sagen: Das gibt Jesus dir in Seiner Gemeinde. Er wird es tun. Es kommt nicht von Gott, wenn Christen einsame Streiter sind, einsam in einem dunklen Kämmerlein, wo sie ihre Schwachheit immer wieder spüren. Dort in der Einsamkeit, abgetrennt von Gottesdienst und Gemeinde, wollen Jesu Wort zu etwas machen, was sie sich selbst sagen können, und mit eigenem Vorsatz verwirklichen können. – Jesus sagt dazu: Bleibt im Weinstock, bleibt in mir.
Ein Platzregen, der uns heutzutage umbrandet und unser Lebenshaus angreift, ist Sprache ohne Sprecher. Durch die Medien, durch das Internet, durch unzählige Bilder und Worte, die in unübersehbaren Kombinationen zusammengesetzt werden, wird nach unseren Augen, unseren Ohren, unseren Herzen und Seelen gegriffen. Es sind dann Texte, die den Sprecher, den Autor, den Ursprung verlassen haben. Vieles ist dann anonym, unverbindlich. Man kann nicht mehr genau sagen, wo es herkommt. Es sind Worte, die nicht gehalten werden können. Die Seele ist überfordert. Die Seele lebt davon, daß erkennbare Menschen zuverlässig mit uns sprechen. Deutlich sprechen. Ich will damit nicht sagen, daß alles, was in den Medien, oder im Internet verbreitet wird, automatisch verwerflich ist. Wir sollten aber im Blick behalten, wie Gott uns Seine Wahrheit bringt. Das ist unser Maßstab.
Es gibt keine deutlicheren und zuverlässigeren Worte als das Evangelium. Es gibt keinen Sprecher, der verbindlicher gesprochen hat, als Jesus. Er ist für Sein Wort und Seine Wahrheit ans Kreuz gegangen. Und Gott hat Jesus für Seine Wahrheit von den Toten auferweckt. Sein Evangelium hat schon viele Weltuntergänge und Katastrophen überstanden.
Seine Worte führen uns aber in Seine Gemeinde hinein.
Noch etwas: Zum Felsen gehört die Vergebung. – Die unverbindliche Kommunikation, die ich oben beschrieben habe, kennt keine Vergebung. Sie bestätigt alles, findet alles toll, oder verdammt, verurteilt, – und verführt zum Verdammen oder toll finden – aber sie kann nicht sagen: Dir sind deine Sünden vergeben. Ich gebe dich nicht auf, ich trage dich durch. Ein Bildschirm kann das nicht, ein Video kennt mich nicht, es weiß nicht, wer ich bin. Die Vergebung geschieht im Namen Jesu in Seiner Gemeinde. Da ist der Fels für uns da. Wir dürfen uns den Geschmack für diese göttliche Wahrheit nicht verderben oder nehmen lassen!
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:

Fresko Die Bergpredigt (Fra Angelico, 1437–1445)
Fresco im Markuskloster in Florenz
File:Frescoangelico100216.jpg – Wikimedia Commons