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Predigt

11. Sonntag nach Trinitatis

Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und
das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,
nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –;
6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,
7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und
das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,
9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.
10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus
zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, da wir darin wandeln sollen.

Epheser 2, 4-10

Gebet: Lieber HERR und Gott, sorge Du selbst für alle, die Dir nachfolgen. Laß Dein Wort heiliger Schrift aus uns neue Menschen machen, die ihre Hoffnung ganz auf Dich setzen. Amen.

Liebe Gemeinde!

David hatte als Junge ohne Rüstung gegen den Riesen Goliath gekämpft. Nachdem Goliath David verspottet hatte: „ Ich will dein Fleisch den Vögeln unter dem Himmel geben und den Tieren auf dem Felde“, – sagte David voller Mut: „Du kommst zu mir mit Schwert und Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth.“ (1. Samuel 17, 43.45). David war ein mutiger, ein unerschrockener Mensch. „Tüchtig im Kampf, verständig in seinen Reden und schön gestaltet, besonders seine Augen.“ (1. Samuel 16, 12.18). Man könnte sagen: Ein Glückskind.
Doch in der Lesung aus dem Alten Testament hören wir, daß David wie tot daliegt. Nicht wegen einer Krankheit, auch nicht wegen einem Feind, wie Goliath. Auch nicht Feuer oder Wasser hatten ihn bis ins Mark erschüttert.
Und doch lag er da, wie tot.
Es war etwas anderes.
Was bringt einen Menschen um?
David hatte Gottes Urteil über sich erfahren. Vor 10 Minuten war er noch der König von Israel – voller Erfolg, Anerkennung, Macht, über den Dingen, mit Gedanken und Plänen – im Glanz, beliebt ….
Und dann das Urteil Gottes: Du bist der Mann. Du hast vor Gott Unrecht begangen, du hast mit Willen und Überzeugung gegen Gottes Gesetz verstoßen. – Das bringt David, den mutigen, schönen und mächtigen König, um. Er rechnet mit dem sofortigen Tod. Durch die Predigt des Propheten Nathan zeigt Gott David, was er angerichtet hat. Davids Gewissen erwacht, und jetzt verdampft seine eigene Meinung über sich selbst – die Meinungen von Menschen, besonders von bewundernden Menschen, schmilzt weg. Sein Gewissen sagt ihm: Du hast Gott gegen Dich! Und das heißt: Nichts spricht für Dich, alles spricht gegen Dich. Du bist verloren, und es ist Deine Schuld.
Das Tödliche ist: Ich hab es getan, ich kann es nicht ungeschehen machen. Meine Tat klagt mich an, und ich habe keine Antwort. Vor Menschen kann man sich vielleicht herausreden, vielleicht. Vor Gott nicht. Das Einzige, was David sagen kann ist: „Ich haben gesündigt – GEGEN DEN HERRN.“
Es ist dieser David, dem der Prophet Nathan dann im Namen Gottes sagt: „So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen. Du wirst nicht sterben.“ Gott schafft in dem Moment David neu. David empfängt das Leben ganz neu als Geschenk wie aus dem Nichts aus Gottes Hand. Der einzige Grund, weshalb David überhaupt einen Atemzug weiterlebt, ist Gottes Gnade und Vergebung. Dieses Wort: „Der HERR nimmt Deine Sünde weg“ – ist das Lebenswort, der Freispruch. Durch seine Ohren empfängt David Leben von Gott. David dachte, er sei am Leben – dabei war er an der einen entscheidenden Stelle, nämlich vor Gott, schon tot. Und nur Gott konnte ihm das Leben neu schenken; und das konnte David nicht sich selber sagen – Gott mußte es ihm sagen. Und Gott hat es ihm gesagt. Darum konnte er leben. Und mit diesem Urteil – daß Gott ihm vergeben hat – konnte David auch das tragen, daß sein Kind sterben würde. David konnte diesen Schmerz ertragen, weil er wußte: Es ist kein Beweis dafür, daß Gott mich aufgegeben hat.
David ist eine Erklärung unseres Predigttextes aus dem Epheserbrief. Paulus bringt auf den Punkt, was David erlebt hat. Es ist die Erfahrung von Gottes Gnade.
„Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –;“
Gnade heißt: Der Grund, daß ich lebe, vor allem, daß ich weiterlebe, und Hoffnung habe, ewiges Leben zu haben – ist Gottes Liebe. Gottes Liebe will, daß es mich gibt. –
Doch Paulus spricht von Barmherzigkeit. Barmherzigkeit bezieht sich auf Erbärmliches. Barmherzigkeit sieht die Hilflosigkeit, das Elend. Wenn Gott liebt, dann ist das eine Liebe, die ihren Grund nur in sich selber hat. Gott liebt, weil er WILL. Luther hat einmal gesagt: „Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt. Die Liebe des Menschen entsteht nur an dem, was sie liebenswert findet.“ Ich sehe einen Menschen – und wenn er bestimmte Eigenschaften hat, schön ist, freundlich ist, dann reagiere ich auf diese Eigenschaften mit Liebe, mit anderen Worten: Menschliche Liebe findet ihren Gegenstand vor. Gott findet an David und jeden Sünder nichts vor. Gott muß es schaffen. Dabei ist Gott nicht unfair. Gott findet nichts zum Lieben vor, weil David sich von Gott losgesagt, losgerissen hat.
David hat sich mit Ehebruch, Mord und Heuchelei mit Anlauf in ein Elend katapultiert, und während er es tat, fand er es toll. Niemand durfte ihn aufhalten, Gott schon gar nicht. Wenn Gott Sünder liebt, dann liebt Gott Seine Feinde. An anderer Stelle schreibt Paulus an die Römer: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. … Gott hat da mit uns Frieden geschlossen, als wir noch Feinde waren.“ (Römer 5, 8.10). Sünder liefern Gott keinen Grund für Seine Liebe, weil sie es so wollen.
Darum ist David – und mit ihm alle Sünder – bei Gott und für Gott tot. Gleichgültig, ob sie sich selber lebendig fühlen. So wie Gott für sie gestorben ist, so sind sie für Gott tot. – Wenn Gott uns sucht, wenn Gott uns erreichen will, dann bleibt uns diese Wahrheit nicht erspart. Gott holt Sünder im Elend ab. Gott kümmert sich um erbärmliche Gestalten. Gott holt uns ab, wo wir sind – und das ist im Elend. Und je mehr wir das Elend leugnen, um so tiefer sind wir drin. Wenn Gott uns mit den Folgen der Sünde allein lassen würde – den Folgen der Lieblosigkeit, der Lüge, des Begehrens, der Heuchelei, der Verachtung von Vater und Mutter, der Undankbarkeit – – – wehe uns! Wenn sogar Paulus von sich sagt, daß er in Sünden tot war – und ihm konnte niemand eine Ungerechtigkeit nachsagen – wieviel mehr müssen wir das für uns zugeben?
Gott holt die Erbärmlichen mit Seiner Barmherzigkeit ab – Gott liebt sie, weil Er will, daß sie leben.
Zu dem jämmerlichen König David schickte Gott den Propheten Nathan. „Du bist tot – doch Gott will, daß du lebst!“ Das war Davids Rettung.
Zu uns allen schickte Gott Seinen Sohn Jesus Christus. Jesus ist zu den Verlorenen und Erbärmlichen gekommen, Jesus hat die verbissene Feindschaft gegen Gott an seinem eigenen Leib erlitten – ja, er hat sie auf sich genommen. Aber Jesus hat sie nicht nur auf sich genommen und erlitten, sondern er hat sie auch überwunden. „Gott hat uns in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, mit Christus lebendig gemacht.“ Weil Jesus die ganze Feindschaft gegen Gott auf sich genommen hat, ist Jesus auch der Ort oder die Stelle, wo Gott diese Feindschaft überwindet. Die Feindschaft gegen Gott hat Jesus gekreuzigt. Die Liebe Gottes hat am Kreuz die Feindschaft ertragen und in der Auferstehung von den Toten überwunden.
„und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.“ – „Du sollst leben, Gott läßt dich mit deinen Fehlern, und den Fehlern, die andere an dir begangen haben, nicht allein.“ Dazu hat Jesus das alles getan. Und wenn ein Mensch das merkt, ahnt, darüber erschrickt und dann aufatmet, dann ist er wach, auferweckt. Dann sitzt er nicht mehr im Zug Richtung ewigen Tod. – Paulus spricht vom Ziel her: Gott hat uns mit eingesetzt im Himmel. Gott hat uns bei Ihm in Sicherheit gebracht. Das Ende der Reise steht fest, und das Ende ist gut. Wie können wir das wissen? Ostern sagt uns das. Die Auferstehung Jesu sagt uns das. Wenn das Ziel gesichert ist, dann ist jeder Schritt auf dem Weg ein Schritt zu diesem guten sicheren Ziel. Die Zeiten bringen uns Christen einem guten Ziel näher, näher zu Gott und zu Seiner Liebe. Wer also im Glauben unterwegs ist, dem zeigt Gott immer wieder aufs Neue Seine Gnade – Seine Liebe, die nicht müde wird, unsere Erbärmlichkeit zu heilen.
Diese Sicherheit bei Gott bekommen wir, weil Gott sie uns schenkt. Diese Liebe für uns ist schon ganz groß und ganz da, weil Gott es will. Wir verdienen sie nicht. Die Zeit wird nie kommen, daß wir ohne Gott nicht erbärmlich sind. Die Zeit wird niemals erscheinen, in der wir nicht beten müssen: Vergib uns unsere Schuld, erlöse uns von dem Bösen. – Im Grunde sagt uns Paulus: Die einzige wahre Zeit, die einzige wirkliche Lebenszeit ist die Zeit unter Gottes Gnade. Alle andere Zeit ist verlorene Zeit, Zeit, die uns am Ende anklagt, ja umbringt, weil wir sie nicht wieder gutmachen können.
Zur Gnade Gottes gehört es, daß Gott uns gute Werke gibt, in denen wir Seine Liebe weitergeben.
So schreibt Paulus: „Denn – durch den Glauben an Jesus – wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus
zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, da wir darin wandeln sollen.“
David konnte unter Gottes Gnade weiterhin König bleiben. Aber er war ein anderer Mensch als vorher. Denn wer Gottes Gnade erfahren hat, wer erfährt, daß das Leben von A bis Z Gottes Überraschung für mich ist – aus dem Nichts – aus Liebe für mich – der ist ein anderer Mensch. Der sagt die Wahrheit – aber nun ist Gottes Liebe drin. Der gibt von seinem Hab und Gut ab – aber nun ist Gottes Liebe drin. Der respektiert die Ehe bei sich und bei anderen – und ist dabei von Gottes Liebe getragen und erfüllt. Der spricht über Jesus, über Gottes Wort – und mit Gottes Liebe erreicht das die Erbärmlichen. Ein Kind Gottes weiß – das alles funktioniert nur, wenn und weil Gott selbst das Meiste dabei tut. Gott hat diese guten Taten schon vorbereitet. Ich, als Gottes Kind darf dabei sein, wenn Gott sie tut. Und wenn ich als Kind Gottes dabei bin, dann sind diese guten Werke für mich ein Zeichen dafür, daß ich zu einem guten Ziel mit Gott unterwegs bin.
Gott schenke uns alle eine gute, eine gnadenreiche Zeit, durch Seinen lieben Sohn, Jesus Christus.
Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.