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Predigt

Heiligabend

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN.

Gnade sie mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinanderliegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt. Und es wird geschehen zu der Zeit, dass das Reis aus der Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Heiden fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

Jesaja 11, 1-10

Wir beten: Lieber Herr Jesus Christus, der Du den Himmel ganz verlassen hast, um uns zum Paradies abzuholen: Sei uns nun ganz nahe in dem Wort, das wir von Dir hören. Amen.

Liebe Gemeinde!
Bevor wir darüber zu traurig sind, daß es in diesem Jahr kein Krippenspiel gibt, hat der Prophet Jesaja soeben heimlich eine Krippe aufgestellt. Mit Worten. Mit Worten, die wir nun aus dem Schatten ins weihnachtliche Licht hervorholen wollen.

  1. Wo sind denn Maria und Joseph?
    Hier: „Der Stamm Isais – die Wurzel Isais.“ – Maria und Joseph stammten beide von dem König David ab. Und der Vater des Königs David – über 1000 Jahre vor Weihnachten – hieß Isai. Von der Macht und Pracht des Königs David war nichts mehr übrig. Darum muß man eigentlich nicht „Stamm“, sondern „Stumpf“ sagen. Maria und Joseph waren aus dem Haus Davids, aber sie waren arm und hatten keine Macht. Im Laufe der Jahrhunderte hatte eine Weltmacht nach der anderen den stolzen Baum aus der Wurzel Isai abgehackt, Kleinholz davon gemacht. Mit Soldaten und Waffen, mit vielem Geld, mit systematisch angehäufter Information kamen sie daher. Die Assyrer, die Babylonier unter Nebukadnezar, die Griechen unter Alexander dem Großen, die Römer unter Pompejus. David war nur noch ein Name. Ohne Waffen, ohne Geld, ohne Wissenschaftler. –
    Doch Gott sagt: Aus dem Stumpf Isais wird ein neuer Zweig wachsen! In der Wurzel ist noch Leben! Und dieses Leben schafft keine Armee, keine Bank, keine Universität! Wie aus dem Nichts wird neues Leben hervorwachsen. Aus dem Stamm Davids – er wird der Erbe sein. Hier soll mein Anfang passieren, sagt Gott.
    Da stehen sie: Maria und Joseph. Die armen Nachkommen des Königs David, mit dem Gott gesprochen hatte: Dein Nachkomme wird seine Macht niemals verlieren!
  2. Aber was wäre eine Krippe ohne das Jesuskind! Aus dem Stamm wächst ein Reis – ein Zweig. Frisch und grün und neu.
    Jesaja spricht von der „Frucht“. Frucht wächst aus bestehendem Leben hervor. So ist Jesus eine Frucht, geboren von der Jungfrau Maria. Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh –
    Arm, ohne Macht, und doch etwas ganz Besonderes. Denn Gott sagt: „Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.“ – Manchmal haben wir Menschen Glück im Denken. Man nennt das einen „Geistesblitz“ – der geht so schnell weg, wie er gekommen ist. Auf diesem Kind „ruht“ der Geist. Er bleibt, und verläßt den Sohn der Maria nicht mehr. Er hat keinen Aussetzer. Der Geist des HERRN, also Gottes Geist. Er versteht, wie Sachen vor Gott sind. Er erkennt, daß bei Gott für immer bleiben wird, und was bei Gott keine Chance hat. Er hat Einblick in das Geheimnis des Lebens. Er durchschaut, was in den Tod führt und zerstört. Er sieht, wie Leib und Seele zusammengehören. Er weiß, wie man in jeder Situation zu Gott zurückfindet. Das ist ihm nicht fremd, sondern untrennbar Teil von ihm.
    Das ist das Jesuskind. Etwas Einmaliges und Besonderes. Hier im Stall ist er ganz klein. Bevor er ein Wort sagt, oder ein Ding tut, setzen sich seinetwegen Himmel und Erde in Bewegung. Er ist klein. Aber er ist Gottes Anfang. Und das zählt!
  3. Und jetzt kommen die Tiere! In unseren Krippen gibt es: Natürlich Ochs und Esel, dann auf jeden Fall Schafe und Lämmer, vielleicht Kamele. Wir sind ja in einem Stall, wo die Tiere zuhause sind. Und die Krippe ist ja ein Futternapf, mit Stroh für Tiere. Der Prophet Jesaja sieht mehr. Er sieht das Paradies kommen: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinanderliegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter.“ – Das ist paradiesisch. Kein Streit, keine Gefahr, kein Haß, kein Neid. Wölfe fallen über Lämmer her; Lämmer haben gegen Wölfe keine Chance. Bären und Kühe sind einander fremd. Sie können nicht miteinander. Panther und Böcke brauchen einen Zaun, sonst geht es schief und endet schrecklich. – Aber dort, wo der Nachkomme aus dem Stamm Isais ist, fängt etwas an, dessen Ende dieses Paradies ist. – Im Stall von Bethlehem ist der Anfang: Ochs, Esel, Schafe, Lämmer im Frieden beieinander mit den Menschen – der Anfang von dem Frieden, in dem Löwen Stroh fressen, und doch Löwen bleiben. Ihr Schöpfer kommt zu ihnen. Darum.
  4. Nun fehlen noch die Menschen! – Himmel und Erde bewegt sich. Die Hirten kommen und beten an. Die Engel vom Himmel haben sie gerufen. Die Weisen aus dem Morgenland kommen angereist, nachdem sie den Stern gesehen haben, und in Jerusalem auch das Wort der Heiligen Schrift gehört haben.
    Jesaja sagt das so: „Und es wird geschehen zu der Zeit, daß das Reis aus der Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Heiden fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.“ Hier im Stall ist alles klein, was am Ende groß sein wird. – Und es ist so gekommen. Allein, daß man in aller Welt Krippen aufstellt! Überall in der Welt werden feierlich Maria und Joseph, das Jesuskind, Ochs und Esel, die Hirten mit Schafen, die Weisen mit Kamelen aufgestellt. Mit Stall und Stern. Jesaja hat recht: Er ist ein Zeichen für die Völker. Der kleine Anfang Gottes in Bethlehem ist groß geworden.
  5. Und wer im Stall angekommen ist, der ist bei Gott richtig. Ja, bei Gott. Die Hirten und die Weisen beten. Sie folgen dem, was Gott ihnen gesagt hat. Sie Ehren und unterstützen Maria als Mutter und Joseph als Vater. Sie bewundern das neue Leben in Windeln gewickelt. Sie stehlen nicht, sondern schenken. Sie lügen nicht, sondern erzählen, was sie gesehen und gehört haben. Sie sind nicht unzufrieden und neidisch, sie sind nicht voller Gier, sondern voller Freude und Dankbarkeit. Ihnen fehlt nichts. Im Stall vor dem Kind in der Krippe haben sie alle 10 Gebote auf einmal erfüllt. Hier ist der Anfang vom Ende der Sünde, der Anfang vom Ende des Bösen, der Anfang vom Ende des Todes. Ganz klein. Aber Gottes Anfang.
  6. Was ist eigentlich mit dem Engel? – Der Engel sagt: Fürchte dich nicht! Warum? Weil Gottes Anfang mit dir auch klein ist. Gottes Engel steht auch im Stall und sagt: So fängt Gott neues an, ewiges Leben. Der Funke Glauben, der Keim der Liebe, der Schimmer Hoffnung hier im Stall ist Gottes Anfang mir dir. Jetzt klein. Mit Gott aber ein Anfang der bleibt.
    Unser Gesangbuch sagt deshalb: „Ich will dich mit Fleiß bewahren! Ich will dir (als Gottes Anfang in mir) leben hier (auf der Erde, wo dein Anfang bei mir so klein aussieht); dir will ich abfahren (also bis ans Ende will ich dich nicht loslassen) – mit dir will ich endlich schweben, voller Freud, ohne Zeit (also ohne Ende) dort im andern Leben.“ (Lied 27, Fröhlich soll mein Herze springen, Vers 12).

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.