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Predigt

Stephanus

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen;

Gnade sie mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Offenbarung 7, 9-12

Himmlischer Vater, sende uns bitte Deinen Heiligen Geist, damit es in uns schweigt, wenn Du zu uns sprichst. Amen.

Liebe Gemeinde!
Vor einigen Jahren konnte man Bücher mit Bildern kaufen mit Bildern, die so beschaffen waren, daß man plötzlich etwas Dreidimensionales sah. Auf dem Blatt war vielleicht ein großes Durcheinander von Urwaldpflanzen, und wenn die Augen die richtige Stellung einnahmen, erschien dann plötzlich ein Papagei, den man vorher überhaupt nicht gesehen hatte. Raffiniert! – Doch wenn man den Papagei dann einmal entdeckt hatte, dann wußte man das, und vielleicht konnte man hier und da im Gewirr des zweidimensionalen Bildes eine Andeutung von dem Dreidimensionalen wiedererkennen. Das Durcheinander der Blätter und Schlingpflanzen war dann nicht mehr alles.
Vielleicht helfen uns diese Bilder, dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, näher zu kommen.
Die Welt, die uns umgibt, ist voller Widersprüche, Konflikte, Täuschungen. Es geschieht leicht und schnell, daß wir auf sie starren, und von ihr eingenommen werden, so daß wir glauben: Das ist alles, was es gibt. Das ist das oberflächliche, zweidimensionale Bild.
Die Offenbarung des Johannes hilft uns, Gottes Dimension wahrzunehmen. Über dieser Welt, in ihrer Unruhe, hinter allem, was uns den Atem wegnimmt, mitten in dem Gewühl, das uns schwindeln läßt, ist eine andere Wirklichkeit.
Diese andere Wirklichkeit ist Gottes Zukunft, die jetzt schon fest steht, die Zukunft, auf die die Welt zuschreitet. Gott zeigt uns das, womit Christen rechnen sollen und können.
Und eins wird aus dem ganzen Buch der Offenbarung ganz deutlich: Die endgültige Realität, zu der wir unterwegs sind, und in der wir ankommen werden, ist ein großer, herrlicher, überwältigender Gottesdienst.
In diesem Gottesdienst wird niemand alleine sein: „Siehe – also bitte jetzt von der zweiten in die dritte Dimension! – , eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen“ . Unsere Zukunft von Gott verbindet uns mit Männern und Frauen aus allen Ländern. Hinter unserer Erfahrung von Trennung, Isolation, Mißverständnis, Streit, Konkurrenz, Gleichgültigkeit, das ist sozusagen der chaotische Urwald, der uns gefangennimmt – setzt Gott selbst eine wunderbare Gemeinschaft von Menschen zusammen. Keine Trennung, kein Konflikt wird im Himmel noch stören oder belasten. Gott zeigt uns das. Und vor allem: Die dann in unaussprechlicher Freude und Glanz versammelt sind, die sammelt Gott jetzt schon. Mitten im Gewühl und Chaos entsteht diese Gemeinschaft schon.
„angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen“ – Die weißen Kleider stehen für Reinheit. Es ist alles bereinigt. Nichts kann noch in Verlegenheit bringen, oder in Schande. Wir wissen, daß das nur durch Gottes Vergebung möglich ist. – Mitten in dieser Welt, wo Menschen Fehler machen, schlimme Fehler begehen, so daß es zum Verzweifeln ist – das ist das zweidimensionale Bild – hören wir jetzt schon von diesem Kleid, daß Gott uns anziehen wird, so daß wir uns vor niemanden mehr schämen müssen, niemanden. Erst recht nicht vor Gott. – Die Palme ist ein Zeichen des Sieges: Mit dem Palmenzweig grüßt man den Sieger und erkennt seinen Sieg an. Diese Palmenzweige werden ein für alle Mal bezeugen: Das Böse siegt NICHT immer, das Böse ist besiegt, auch in meinem Leben. Im zweidimensionalen Bild kommt es uns vor, als würde es sich lohnen, damit zu rechnen, daß das Böse sich durchsetzt. Doch – Dritte Dimension! – Hier ist der Palmenzweig, schön grün und geschwungen, mit dem bezeuge ich den Sieg.
Einer von denen mit weißem Kleid und Palme in der Hand wird Stephanus sein. Er wurde öffentlich angeschwärzt. Die Repräsentanten von Gesetz, Ordnung, Religion und allem was heilig ist, sprachen ihn schuldig. Das Volk verwarf ihn, ihm wurde alles Böse nachgesagt. Doch er bezeugte: Jesus hat die Macht des Bösen gebrochen. Der Gekreuzigte und Auferstandene ist bei mir und ich gehöre ihm. Das war die Palme. Die Steinigung war nicht seine Vernichtung, sondern sie beförderte Stephanus in die ewige Freude.
Die Zukunft Gottes, die jetzt schon anfängt, wird nicht leise sein: Es wird dort gerufen werden „mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!“ – Es wird dort ausgesprochen werden, was jetzt schon wahr ist: Gott hat die Macht über alle dem, was wir in dem zweidimensionalem Bild sehen. Das ganze Durcheinander, auch das Durcheinander in uns, ist nicht die letzte Macht, die sich ohne Grenze austoben kann und nicht austoben wird.
Aber diese Macht hat eine ganz besondere Gestalt: Das Lamm. Und hier kommt endlich Weihnachten in dieser Predigt an. Das Lamm auf dem Thron zeigt uns: Die größte Macht, mit der Gott sich am Ende durchsetzt, ist die Macht der Gnade. Die Macht, die von dem Jesuskind in der Krippe ausgeht, wird das letzte Wort haben. Es ist die Macht der Barmherzigkeit. Jesus ist das Lamm Gottes, denn er hat sich geopfert. Er hat an der Liebe festgehalten, da wo es keinen Grund mehr für Liebe gab. Und alle, die im Himmel versammelt sind, werden bekennen: „Ich bin seinetwegen hier. Wenn er nicht gewesen wäre, dann wäre ich nicht hier, sondern ganz ganz woanders.“ – „Bei Ihm ist das Heil“.
Und das Herrliche ist nun: Daß alle im Himmel damit einstimmen werden. Es wird im Himmel das Größte sein, über das nicht genug geredet werden wird: Daß Gott sich über uns Menschen erbarmt hat, uns nicht aufgegeben hat. Das zweidimensionale Bild spricht eine andere Sprache. Bei allem Glanz und Wohlstand lauern Unfriede, Neid, Mißtrauen, Mißgunst, und alles andere. Doch „Siehe!“ – Also Dritte Dimension, bitte! – Das Lamm Gottes. Das Kind in der Krippe. Das gekommen ist, Gottes Liebe ankommen zu lassen.
Liebe Gemeinde, über was alles wird nicht ohne Ende geredet! Wie viel wird nur gesagt, um andere schlecht zu machen, und sich selbst in ein besseres Licht zu rücken! Wie viel wird über vergängliche Dinge diskutiert, wie viel wird über abwesende Dritte gelästert. Und wie viel wird geschwiegen über Gottes Gaben. Wieviel Dank bleibt einfach aus. Wieviel Schuld wird verdrängt. – Gottes Zukunft sieht anders aus, hört sich anders an. Man wird nicht aufhören können, über die Liebe Gottes zu sprechen, die uns Menschen trotz allem angenommen hat. Im Himmel wird man immer wieder neu anfangen Worte zu machen, wie der Sohn Gottes seine Herrlichkeit ablegte, um in die Tiefe zu gehen, und zu suchen, was verloren ist.
Und daß das nur klar ist: Das an uns, was davon gelangweilt ist, hat keine Zukunft bei Gott. Im Grunde ist es jetzt schon tot.
Zukunft hat, und leben wird: Der Lobgesang der Kinder Gottes zusammen mit den Engeln.
Auf Youtube im Internet kann man sich jederzeit anschauen, wie Deutschland das letzte Mal – also 2014 – die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat. Millionen mal klickt man das an, wie das entscheidende Tor fiel. Tausende Kommentare werden geschrieben, wie es war, man erlebt mit, wie das Tor zustande kommt, sieht die Freude der einen, die Niederlage der anderen. –
In Zukunft werden wir in einen Raum kommen, wo schon ein Gespräch am Gange ist – über die Taten Gottes. Die Kinder Gottes und die Engel werden nicht genug darüber reden können:

  1. Wie Gott das Licht geschaffen hat. Wie Gott das Leben aus der leblosen Materie geschaffen hat. Wie Gott Sein Bild in den Menschen eingeprägt hat, und wenn wir dafür keine Worte haben, dann werden wir sowas von erleichtert sein, daß andere: Propheten, Engel, Vorgänger im Glauben, das sagen, was wir so gerne sagen wollten, aber bisher nicht konnten und mit Lust diese Worte nachsprechen werden, weil dann „alles was in mir ist“ (Psalm 103,1) endlich herauskommt in bei Gott ins Licht kommt und glänzt und leuchtet.
  2. Dann werden alle Intelligenzen der Schöpfung Sprache hervorsprudeln darüber, daß Gottes Sohn in dem Leib der Maria einen menschlichen Leib annahm. Jede Zellenteilung nur aus göttlicher Liebe, alles ganz und gar von göttlicher Liebe zusammenhalten, und wie dieses leibgewordene Wort Gottes in unsere Welt geboren wurde. Das wird unzählige Male angeklickt werden, und es wird kein Ende an Kommentaren geben darüber.
  3. Wir alle werden dann – unter Anleitung der Engel – immer wieder neu darüber reden und hören, wie Gott durch den Heiligen Geist gerufen hat, damit wir nicht verloren gehen. Wie der Heilige Geist unsere versteinerten Herzen angerührt hat, daß wir anfingen zu ahnen, mit welcher Geduld Gott auf uns wartet. Die Engel werden erzählen, was für einen Kopf der himmlische Vater sich gemacht hat, daß seine Kinder nicht von ihren eigenen Dummheiten eingeholt und zerstört werden. Wie die Schutzengel zu Havarien unserer Lieblosigkeit ausgefahren sind auf Befehl des Allmächtigen. Wir werden hören, wie Gott alles getan hat, unsere Sünde aus uns heraus zu operieren, und trotzdem etwas von uns übriggeblieben ist, was er neu und schön und herrlich machen will.
  4. Es wird wunderbar sein zu hören, und mit einzustimmen, und Gott dafür zu danken, wie er durch Jahrhunderte alles getan hat, daß das Evangelium vom Lamm auf dem Thron nicht abgewürgt wurde, daß die Heilige Taufe nicht als überflüssig aufgegeben wurde, wie das Abendmahl des Lammes Gottes nicht zweckentfremdet wurde. Die Kinder Gottes mit ihren weißen Kleidern werden aus dem Staunen nicht herauskommen. Das ist die Zukunft.
    Vielleicht gibt es ja auch ähnlich wie diese Bilder, von denen ich eingangs sprach, ja auch Lieder oder Töne – daß man auf einmal diese andere Dimension durchklingen hört:
    „Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.