Heiligabend

Von | Dezember 27, 2022
Heiligabend

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Amen.

1 Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
3 Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.
7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lukas 2, 1-20

Gebet: Lieber Herr Jesus, Dir allein gehört alle Ehre und alle Anbetung. Sei Du heute unsere Sonne, die die Todesnacht für immer vertreibt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Es wird der Menschheit unter die Nase gerieben, anders kann man das nicht sagen. Die Engel haben vom Himmel aus, von ganz ganz oben, den Hirten gesagt: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.“ Seitdem gibt es Bethlehemsställe. Auf der ganzen Welt. In alle möglichen und unmöglichen Formen: Der Stall. Die Krippe. Das wird man aus der Menschheit nicht mehr rauskriegen. Gott kommt von dem Leib einer Jungfrau in der Fremde in einem Stall zur Welt und läßt sich in eine Futterkrippe legen. Du kannst über Gott denken wie du willst, du kannst dich über die Kirchen oder die Religionen ärgern, wie du willst – oder dich dem Nachdenken einfach verweigern – das geht auch ganz leicht! – da ist die Sache mit dem Stall. Millionen Menschen auf der ganzen Welt lassen alles liegen, und gehen mit Begeisterung zu einem Stall, weil ihr GOTT beschlossen hat, ausgerechnet dort hier bei uns Menschen auf der Erde anzukommen. Eine Geburt im Stall. Gott hatte diesen einen einzigen Job. Und so hat er ihn gemacht.
Das sitzt. – Auch wenn den meisten Menschen heute wie damals andere Dinge vielviel wichtiger sind, das sitzt: Gott, der Schöpfer Himmels, der Meister vom Geheimnis des Lebens, der Herr über Donner und Sonnenschein, der Gebieter über Erdbeben und über die Weltgeschichte – der präsentiert sich arm und kümmerlich auf einem übriggebliebenen Platz, niemand wollte da sein, wo Er sich hinlegen ließ. Ein Gott, der niemandem die Parklücke nimmt.
Die Menschheit wird dieses Bild nicht mehr los.
Die Engel der einen Nacht hatten diesen Einen Job und haben ihn gut gemacht. Ein Gott in einem Viehstall? – Ja. Schon mal gehört.
Es ist Gottes heiliger Ernst. Er will so gesehen werden, bis in Ewigkeit werden Menschen dem Rest der Welt den Zettel hinhängen: „Falls ihr mich sucht: Bin grad im Stall bei meinem Gott.“
Uns wird ja nicht nur der Stall eingeprägt, mit der Krippe und den Windeln.
Der Stall hat einen riesigen Rahmen, und ist die Mitte, um die sich alles dreht. Das wird uns ja auch unter die Nase gerieben: Kaiser Augustus in Rom. Die ganz schlauen schnappen auch noch „Quirinius, Statthalter in Syrien“. Augustus befahl. Quirinius führte aus. Maria und Joseph, und mit ihnen das ganze Volk Israel und alle anderen, die mußten sich spuren.
Rom hatte das Sagen. Israel hatte nichts zu melden. Macht. Gibt es heute noch. Wir werden gezählt und rumgeschickt. Es ging damals um Steuern. Das kennen wir heute auch, sehr gut kennen wir Steuern und Zahlen! Wer Macht hat, muß Statistiken haben. Und wir werden dauernd in jeder Hinsicht in Zahlen umgewandelt, alles, was wir tun, was wir kaufen, im Internet anklicken, mit wem wir Kontakt haben –alles wird gezählt und gespeichert. Es gibt Macht über uns. Manchmal merken wir es. Oft auch nicht.
Es gehört zu Weihnachten, daß Gott seinen Stall mitten in dieser Welt aufmacht, wo es diese Macht gibt.
Und Gott läßt uns durch die Engel sagen: „Ich warte nicht, bis Augustus und Quirinius gegangen sind.“ Gott sagt: „Ich komme zu euch, wann und wie ich will.“
Augustus und Quirinius können Gott nicht aufhalten. Bis heute nicht.
Gott macht Seinen Stall auf und gründet Seine Familie.
Der Engel spricht ja von der „Stadt Davids“. Joseph und Maria stammten beide aus dem Hause des Königs David. Und weil David aus Bethlehem stammte, wollte es die Bürokratie, daß die Nachkommen bei ihrem Stammsitz erfaßt werden sollten.
Gott benutzt den mächtigsten Mann seiner Zeit, Augustus, um Sein Wort wahr zu machen.
Israel schien ja überhaupt keine Macht mehr zu haben. Israel wurde rumgeschickt und gezählt und versteuert. Israel war nicht sein eigener Herr. Wie sollte es da seinem Gott dienen? Wie können wir Gottes Willen tun, wenn wir rumgeschickt, gezählt, erfaßt und versteuert werden? Wo kann Gott da überhaupt noch Platz haben? Wo paßt Gott denn noch rein? Es ist alles besetzt! Die Macht von oben. Die Medien. Die Umfragen. Die Prognosen. Die Preise.
Die Römer konnten in Israel jedes Haus durchsuchen. Wenn sie wollten, konnten sie auch in den Tempel eindringen. Wer in Israel regierte, mußte mit Augustus verhandeln. Augustus hatte von Gott keine Ahnung. Das merkt man daran, daß er selber wie ein Gott verehrt werden wollte.
Wie und wo macht sich Gott da einen Platz auf der Erde?
Er geht nicht nach Rom und beseitigt Augustus. Er geht nicht nach Syrien und stürzt Quirinius. Gott macht sich nicht Platz in Jerusalem, indem er den König Herodes beweist, wer hier der stärkere ist.
Gott steht über ihnen allen. Sie müssen ihm dienen. Augustus bringt Joseph und Maria nach Bethlehem. Denn Gott hatte durch den Propheten Micha 500 Jahre zuvor angesagt: „Er wird in Bethlehem geboren werden.“
Gottes Wort schafft den Stall. Zahlen, Steuern, Macht, Medien, alles, was uns so rumschickt und bis ins Kleinste zu bestimmen scheint, totalitär, flächendeckend – und die Namen dahinter und darüber, Namen die jeder kennt! – Oder Namen, die keiner kennt, von Drahtziehern im Verborgenen, die sich von niemanden verantworten müssen – Gott spricht, Gott läßt aufschreiben und Gott tut.
Der Nachkomme Davids, der Sohn der Jungfrau, wird in Bethlehem geboren. Maria und Joseph brauchten das nicht entscheiden. Augustus hat es für sie getan.
Da gründet Gott Seine Familie. Jesus ist der Erste. Seine Mutter Maria, die von keinem Manne wußte. Und Joseph, der auf Gottes Befehl Gottes Sohn zu beschützen und zu begleiten, ja, zu erziehen hatte. Die Heilige Familie im Stall. Gott hatte das in Seinem Wort vorbereitet. Darum ist es gekommen.
Wer in den Stall kommt, wer zur Krippe kommt, wer dieses Kind in der Windel ansieht, der hat den Bereich betreten, den Gott durch Sein Wort bestimmt. Ja. Es kommt Wort zu Wort – denn alle, die in den Stall von Bethlehem kamen, wurden von Gottes Wort dahin geleitet. Die Hirten hörten die Engel. Die Weisen aus dem Morgenland später sahen den Stern, und dann hörten sie den Propheten Micha aus der Heiligen Schrift. Gottes Wort brachte sie dorthin, wo Gottes Wort bestimmt.
Sicher – der 24.12. steht im Kalender. Manche haben extra im Pfarramt angerufen: Wann ist Gottesdienst am 24.? Ist auch Krippenspiel? Manche werden zuhause beraten haben: Was machen wir zu Weihnachten? – – Haben wir Zeit? Das alles ist schon von dem bestimmt, was die Engel in der damaligen Nacht vom Himmel, an Augustus, an Quirinius und Herodes vorbei in die Welt hineingerufen haben: „Fürchtet euch nicht! Laßt euch nicht kleinreden! Laßt euch nicht in die Bedeutungslosigkeit auflösen! Siehe! Guckt mit neuen Augen, hört mit neuen Ohren, vernehmt mit neuen Herzen, begreift mit neuen Händen: Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird! – Freude, die unzerstörbar ist, die ihr nicht durch endlose Anpassung und Absicherung verdienen müßt! – Freude, die eure Schuld nicht in Frage stellen kann. – Warum: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der HERR, in der Stadt David.“ Diese Urzelle, dieser Anfang und Grundstein der Freude, ist ein Mensch, eine Person. Es eine Person die nichts hat: Also nur sich selbst geben kann, und kein Geld oder Waffen hat: Also nur durch sich selbst überzeugen kann und will.
Das bedeutet: Dieser Person ist jeder Mensch so frei, wie ein Mensch nur sein kann. Vor einem kleinen Kind fühlt ein Mensch sich groß, stark und frei zum Lieben. Darum wird in guten alten Weihnachtsliedern immer wieder von Hirten gesungen, die den Drang haben, dem Christkind etwas mitzubringen, egal, wie bescheiden. Das ist himmelweit entfernt von irgendeiner Steuer des Quirinius, denn es geschieht aus Liebe in Freiheit. Und die zählenden Mächtigen, die Algorithmen werden immer wieder daran verzweifeln. Sie können Gottes Sohn nicht kommen sehen. Und was ER mit uns Menschen tut, auch nicht.
Liebe Gemeinde! Jeder baut sich seinen Palast. Einen Palast an Sicherheit und Selbstgerechtigkeit. Einen Palast an Genüssen. Einen Palast aus Absicherungen. Herodes war ein Freund des Kaisers. Der Kaiser hatte seine Soldaten. Im Kleinen hat jeder seine Sicherheit.
Es ist Gottes Ernst. Er will außerhalb dieser Paläste im Stall gefunden werden. Gerade heute Abend sind viele da, die sich sonst zu fein sind, diesen Stall zu besuchen. Denen der Palast ihres Lebens immer Vorrang hat. Der Stall von Bethlehem ist die Eine Einladung Gottes. Das Kind in der Krippe ist das Eine Angebot Gottes, mit Ihm und mit dem Leben ins Reine zu kommen. Gott kommt so freundlich zu uns, damit wir Menschen für Zeit und Ewigkeit mit ihm leben. Es muß so weit kommen, daß Du dieses Kind anbetest und alles andere vergißt.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.