Kategorien
Predigt

Ostermontag

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.

Der HERR ist auferstanden –
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier Gestalten sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Offenbarung 5.6 – Offenbarung 5.14

HERR, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege. Amen

Liebe Gemeinde!

Was hat denn der genommen? So könnte man fragen.
Ein Lamm mit sieben Hörnern und sieben Augen?
Und dann auf einmal Harfen und goldene Schalen?
Und dann ein versiegeltes Buch? Blut? Engel? Alle beten ein Lamm an? Er hört jedes Geschöpf, auch die im Meer, hört er sprechen? Was hat denn der genommen?
Wenn wir uns etwas erklären wollen, was uns fremd vorkommt, dann können wir nicht anders, als nach dem fragen, was das alles irgendwie zusammenhält. Und wenn man nichts finden kann, dann sagt man eben: Da ist kein Sinn, er hat im Rausch ohne Zusammenhang phantasiert, es geht gegen alles, was wir kennen.
Nun. Johannes hat nichts genommen. Gott hat ihm das Ziel gezeigt, das Ende aller Dinge bei Gott. – Da muß eine andere Sprache gesprochen werden, oder besser: Die menschliche Sprache, die sonst über alltägliche, vergängliche Dinge spricht, muß dann eine auf eine andere Ebene gehoben werden.
Wenn Johannes von einem Buch spricht, dann ist die für uns normale Bedeutung von „Buch“ auf jeden Fall mitgemeint. Aber das ist sozusagen das Minimum. Johannes spricht mindestens von einem Buch, aber zugleich von „Buch“ in seiner größtmöglichen Bedeutung. So ist es mit allen anderen Wörtern und Bildern.
Und der Schlüssel ist und bleibt: Johannes spricht von einer Welt, in der das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi die allergrößte und alles bestimmende Tatsache und Wirklichkeit ist. Ohne Kreuz und Auferstehung Christi ergibt die ganze Offenbarung des Johannes überhaupt keinen Sinn. Und wer nicht ein Leben lang Karfreitag und Ostern gefeiert hat, wird nicht ein einziges Wort der Offenbarung des Johannes richtig verstehen.
Unser Predigttext verschafft uns einen ganz kleinen Einblick in die Zukunft, in der nicht unsere Gedanken und Gefühle versuchen, irgendwie Licht auf Jesus zu bringen, sondern in der Jesus die Sonne ist, die alles erscheinen läßt und ans Licht bringt, wie alles vor Gott am Ende ist und sein wird. Nicht nur unsere Gedanken und Gefühle, sondern die gesamte Schöpfung.
Wenn Ostern also ein Sonnenaufgang ist, dann ist die Offenbarung ein Bilderbuch der Realität im Licht des Ostermorgens.
Jetzt sind die Faktoren, die Jesus ans Kreuz gebracht haben, offen am Tag: Unrecht, Feigheit, Lieblosigkeit, Mißtrauen, Begierde. –
Wir sollen nun sehen im Licht der Faktoren, die Ostern möglich gemacht haben. Die sind jetzt Realität, aber verborgen. Doch, das glauben wir, ihnen gehört die Zukunft.

  1. Ein Thron – 1 Thron. Die eine Macht, die alles bestimmt,
    ist sichtbar. Nicht wie heute, wo Macht sich verbirgt, unansprechbar und unerreichbar ist. Vor einem Thron kann man erscheinen und um Gnade bitten. Vor einer anonymen verborgenen Macht ist das unmöglich. Ein Thron spricht öffentlich und verbindlich und steht zu seinem Wort, und kann beim Wort genommen werden. Eine Welt, in der das Gegenteil zutrifft, hat Gottes Zukunft noch vor sich.
  2. Um den Thron sind „Älteste“ und „Gestalten“ – also
    Personen und Wesen, die im Sinne der einen Macht, und das kann nur Gottes Macht sein, reden und handeln. Die Eine Macht Gottes begegnet uns konkret in Gottes Dienern. Gottes Diener wirken nicht aus sich selbst heraus, sondern Gott wirkt und spricht durch sie. Ihr Dienst ist nicht egoistische Machtausübung, sie sind auch nicht willenlose Roboter oder Funktionäre, sondern sie sind erfüllt von dem Geist, der die Macht hat, und spiegeln die Weisheit und Liebe in der Macht in allem, was sie sagen und tun.
  3. Das Lamm mit den sieben Hörnern und sieben Augen. Das
    ist nicht eine groteske Mutation! Sieben ist eine heilige Zahl, sie bildet Heiligkeit und Vollkommenheit ab. Also: 7 Hörner sind: Heilige und vollkommene Macht. Macht ohne Nebenwirkungen, die nicht beabsichtigt sind. Macht ohne Berechnung, Macht ohne Taktik, Macht ohne Eigeninteresse, Macht ohne Korruption, Macht ohne Propaganda, Macht ohne Heimlichkeit.
    Und 7 Augen: Heilige und vollkommene Erkenntnis: Also Wissen ohne Nebenwirkungen, ohne Berechnung, ohne Taktik, ohne Eigeninteresse, ohne Korruption, ohne Propaganda und ohne Heimlichkeit. Diese Sieben „gehen als die Geister Gottes aus in alle Lande.“ Sie bleiben in jeder Situation gleich, und sind keinem Opportunismus unterworfen, lassen sich nicht fremdbestimmen.
    Das wird von dem Lamm ausgesagt. Und das Lamm ist der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist, und sich aus Liebe freiwillig geopfert hat. Das Lamm, das sich um der unendlichen Schuld der Menschheit geopfert hat, das allein hat vollkommene Macht und Erkenntnis. Man kann alles wissen und über alle Machtmittel verfügen, wenn man aber nicht weiß, daß Gott seine Geschöpfe liebt, und für die Menschen, die sich von ihm abgewandt haben, Sein Liebstes hingegeben hat, wer das nicht weiß, dessen Wissen gehört nicht zur Zukunft Gottes. Und wer nicht erfahren hat, daß Gott dann am meisten Gott ist, wenn er um Jesu willen vergibt, und das diese Vergebung ein Werk der allergrößten Allmacht ist, dessen Macht wird nicht in die Zukunft Gottes passen.
  4. Ein Buch. In diesem Buch ist die ganze Geschichte der
    Menschen als Gottes Vergebungsgeschichte festgehalten. Das ist sozusagen die harte Währung der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Wie weit weg waren wir von der Gnade Gottes, was hat Vergebung in uns Menschen bewirkt? – Das sind die wirklichen Schritte der Geschichte. Das sind die Ereignisse, die in der Ewigkeit ihre Gedenkfeste und Jubiläen haben werden. Das sind Ereignisse, die vor der Welt meistens verborgen sind, und scheinbar unwichtig, und keine Sensation. Im Licht der Ostersonne werden sie das Geschichtsbuch Gottes, in dem in alle Ewigkeit mit unerschöpflicher Begeisterung und Freude gelesen werden wird.
  5. Die Diener – die Ältesten und Gestalten bekennen, daß
    das Lamm Gottes die einzige Person ist, die fähig und geeignet ist, dieses Buch zu öffnen. Jesus mit seiner heiligen Macht und Erkenntnis wird dieses Buch nicht verderben oder verändern – er wird von diesem Buch der Gnade auch nicht beschämt werden, oder davor verstummen.
  6. Harfen und Goldene Schalen – das sind Lieder und
    Gebete. Lieder und Gebete zu Gott sind die angemessenste Art, sich als Geschöpf vor seinem Schöpfer zu verhalten. Im Gebet wird klar, daß ich mich nicht selbst gemacht habe, und mein Leben nicht erhalten kann – das muß und das will der Schöpfer tun, und als vernünftiges Wesen, als Ebenbild Gottes, paßt es, wenn ich Gott bitte um Alles. Damit erkenne ich Gott als Gott an. Eben so in den Liedern – vor allem in Dankliedern, da erkenne ich auch an: Das konnte nur Gott tun, und er hat es getan, und er hat mich damit gemeint. Die Loblieder spiegeln die Herrlichkeit des Schöpfers im Geschöpf. Davon haben wir so wenig! Und es ist oft sehr verborgen und wird von der Welt, die den Karfreitag ermöglicht hat, belächelt, wenn nicht verachtet. Doch in diesen Gebeten und Liedern fängt Gottes Zukunft heute bei uns an. Im Lichte der Ostersonne werden die Lieder und Gebete von heute wie Gold, kostbar, rein und heilig vor der ganzen Welt glänzen, und jeder wird sich glücklich preisen, daß er heute in dieser Welt gesungen und gebetet hat.
    Das hat das Lamm Gottes, Jesus, der sich für uns hingegeben hat, in uns geschaffen. Das macht uns schon heute zu Königen und Priestern: Könige sind Personen, die in Freiheit Gottes Gaben erkennen und benutzen. Priester sind Personen, die berechtigt sind, vor Gott zu treten und mit Gott zu sprechen. „Du hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.“ – Das singen die Diener Gottes vor seinem Thron.
    Gott hat dem Johannes diesen kosmischen Gottesdienst gezeigt. Es geht immer wieder darum, daß alle Geschöpfe zugeben, gerne zugeben und von ganzem Herzen bekennen: Wie gut, daß das Lamm Gottes die Macht hat! – Dieser Sohn Gottes, der Gottes Liebe in alle Finsternis gebracht hat, Gottes Liebe intakt hineingetragen hat in alle verzweifelten Situationen – Wie gut, daß er das letzte Wort hat!
    „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“ Dieser Jesus, der heilige und vollkommene Macht und Erkenntnis hat – er kann am besten mit Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke umgehen. Bei ihm sind sie am besten aufgehoben. Darum müssen wir ihm die Ehre geben. Das ist das Beste für uns. Nicht wenn wir uns Macht und Erkenntnis anmaßen, sondern wenn das alles ihm gehört. Denn bei ihm muß alles der Vergebung und der Gnade dienen. Jesus kann und wird es umfunktionieren, daß Erkenntnis nicht der Lüge dient, daß Macht nicht der Zerstörung dient. Darum: Alle Macht dem Lamm!
    Was hat Johannes genommen? Keine Drogen, kein Rauschmittel! Sondern das Evangelium hat er genommen, oder besser: Das Evangelium hat ihn genommen.
    Was er gesehen hat, das steht jetzt schon als Ziel fest.
    Und jeder Schritt, den wir mit dem Evangelium, mit Gebet und Loblied gehen, bringt uns diesem Tag in der Ostersonne näher.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Beitragsbild: Ostergrab: Das Grab ist leer und die Frauen gehen, um das den anderen Jüngern zu berichten. © Stefan Schlechter