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Predigt

Ostern

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Der HERR ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen. Und die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen, Wagen und ihren Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich gelagert hatten am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon. Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein. Und der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, sodass die Israeliten auf dem Trockenen mitten durch das Meer gehen. Siehe, ich will das Herz der Ägypter verstocken, dass sie hinter euch herziehen, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, an seinen Wagen und Männern. Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin, wenn ich meine Herrlichkeit erweise an dem Pharao und an seinen Wagen und Männern. Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der HERR auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärtskamen. Da sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen vor Israel; der HERR streitet für sie wider Ägypten. Aber der HERR sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Männer. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen. So sah Israel die mächtige Hand, mit der der HERR an den Ägyptern gehandelt hatte. Und das Volk fürchtete den HERRN und sie glaubten ihm und seinem Knecht Mose. Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen:
Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan;
Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.
Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang
und ist mein Heil.
Das ist mein Gott, ich will ihn preisen,
er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben.

Mose 14.8 – 2. Mose 15.2

HERR, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege. Amen

Liebe Gemeinde!

Frohe Ostern! – Manche haben da schon ein Problem. Ostern? – Das ist doch ein Fest einer heidnischen Frühlingsgöttin „Ostara“! – Glauben wir an eine Frühlingsgöttin? Ein britischer Kirchenvater Beda der Ehrwürdige, der im Jahre 735 starb, setzte sich dafür ein, daß man in seiner Muttersprache Englisch nicht mehr „Easter“ / „Ostern“ sagte, sondern „Passa“ – nach dem alttestamentlichen Passa-Fest. – Die Niederländer sagen ja „Pasen“, die Franzosen „Paques“, die Russen „Paßcha“, ebenso die Griechen, die Italiener „Pasqua“.
Beda hatte nicht Erfolg. Es heißt immer noch „Happy Easter!“, und bei uns „Frohe Ostern!“ – Aber was wir feiern, ist klar: Es es ist die wunderbare, herrliche und trostreiche Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus von den Toten.
– Wenn wir einander „Frohe Passa!“ wünschen würden, dann würden wir vielleicht besser verstehen, warum wir diesen Bericht aus dem Alten Testament heute hören.
Es ist die Geschichte des Exodus, des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten durch das Schilfmeer, und seine Rettung vor der todsicheren Vernichtung durch die haushoch überlegenen Soldaten des Pharao.
Das war die Geburtsstunde Israels als Volk vor Gott. Das war die eine gemeinsame Erfahrung, auf die Israel immer wieder zurückgriff, um sich zu vergewissern, wer es ist. Wer es durch Gott ist.
Es ist ja auch tief beeindruckend. Eine Sammlung von 12 Stämmen, die Generationen lang von einer Weltmacht versklavt war, bricht auf. Unter Mose ging es los, Richtung Ostern, in der Gewißheit: Gott geht mit uns. Der Gott unserer Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob ist bei uns und wird uns in das versprochene Land führen. Nach Generationen der Sklaverei, wo sie an Leib und Seele niedergehalten wurden, waren sie auf den Weg in die Freiheit.
Und dann das große Entsetzen: Vor ihnen das Meer, und hinter ihnen die Kampfwagen und tödlichen Waffen des Pharao – die unerbittlich näher kamen. Natürlich schrieen sie da zum HERRN, und bedrängten Mose: „Waren nicht Gräber in Ägypten, daß du uns wegführen mußtest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, daß du uns aus Ägypten geführt hast?
Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“
Lieber zurück in die Sklaverei! Laß uns in Ruhe mit Gott und Freiheit! Der furchtbaren Vernichtung mußten sie ins Auge sehen. In ihren Herzen und Gedanken stand fest: Wir sind schon so gut wie tot!
Wer will da Mose sein? Doch Mose ist ja nicht in eigener Verantwortung da. Wir wissen nicht, was in ihm vorgegangen ist. Er sagt im Auftrag Gottes: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“ – Das Volk Israel hat nicht nur keine eigene Sicherheit, keine sichtbare Garantie, sondern auch noch die Bedrohung vor Augen, und in den Ohren. Wahrscheinlich hat die Erde vor dem Rollen der Kampfwagen unter ihren Füßen gebebt. – Sie haben nur die Zusage Gottes, die sie von Mose hören: „Der HERR wird für euch streiten.“ Sorgt euch nicht, sondern guckt zu! – So wie ihr die Feinde jetzt seht, so seht ihr sie zum letzten Mal. – So sehr wie ihr jetzt schreit und zittert, so sehr werdet ihr stille sein. Wehrlos standen sie da. Sie hatten nur Gott und seine Zusage.
Und das war genug. Gott öffnete seinem Volk einen Weg durch das Meer. Und dasselbe Meer verschlang dann die Heerscharen des Pharao. Weg waren sie.
Diese ganze Erfahrung blieb Israel unverloren. Diese Erfahrung so gut wie tot im Nichts zu sein, und dann wunderbar ins Leben zurückgeholt zu werden, und zu erleben, wie eine Bedrohung ihre Macht verliert – diese Erfahrung mit Gott wurde unverlierbar gerettet in das Lied des Mose:
„Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt.
Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang
und ist mein Heil.
Das ist mein Gott, ich will ihn preisen,
er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben.“
Damit wird ein für allemal bekannt und festgehalten – man könnte mit der heutigen Mediensprache sagen: „geframed“ – Das hat Gott getan! Er hat uns damit gemeint! Gott tut, was er sagt!
Schon vorher hatte Mose dem Volk Gottes Gebot gegeben: Ihr sollt diese Befreiung feiern. Das Passafest. An diesem Fest war jeder Israelit dazu berufen, fest zu glauben und nach zu erleben: Ich gehöre zu denen, die ausgeliefert und hilflos am Meer standen, und auf die die Übermacht des Pharao unaufhaltsam zurollte. Ich gehöre zu denen, die Gott gerettet hat. Ich gehöre zu denen Gott sagt: Ich will, daß du lebst. Ich bin dein Gott.
Jesus hat dieses Fest gefeiert. Er ist an diesem Tag gekreuzigt worden – und in der Passazeit ist er aus dem Grab, nachdem die ganze Übermacht des Todes sich an ihm ausgetobt hatte, und gezeigt hatte, was Vernichtung ist, er ist in der Passazeit aus dem Grab von den Toten auferstanden.
Darum hat die Christenheit von Anfang an gesagt: Die Auferstehung Jesu ist unser Passa. Jesus hat für uns gegen die Mächte, die uns vor Gott auslöschen wollen, und Gott bei uns auslöschen wollen, bekämpft. Christus ist unser Mose, Christus ist unser Engel, der zwischen uns und den Tod eintritt. Am Kreuz hat er den Angriff des Todes und des Bösen auf sich genommen, damit er uns nicht trifft und umbringt.
Seine Auferstehung ist unser Weg durch das Meer. Mit seiner Auferstehung können wir durch das durchgehen, was uns sonst verschlungen und weggespült hätte, das Meer des Todes. Und seine Auferstehung ist wie das Meer, daß die Macht des Todes für uns weggespült hat.
Durch die Taufe haben wir ein Wasser, das die Macht des Todes von uns abwäscht und den Angriff des Bösen wegspült.
„Wir haben unser Passalamm: Christus!“ , sagt Paulus den Christen in Korinth. (1. Korinther 5, 7).
Israels Erfahrung mit dem rettenden Gott, die im Lied des Mose und im Passafest aufbewahrt war, hat Jesus selbst in sich aufgenommen und und ein Passa oder Ostern eröffnet.
Ein Kirchenlied besingt das:
Heut gehen wir aus Ägyptenland – damit ist der Machtbereich des Todes und der Sünde gemeint –
aus des Pharao Dienst und Band – wir sind nicht mehr gebunden und festgelegt durch unsere Schuld –
und das rechte Osterlämmelein –das ist der Auferstandene Jesus Christus-
essen wir heut im Brot und Wein. – Das ist das Sakrament des Altars.
(Nicolaus Herman: Erschienen ist der herrlich Tag, V. 10; 1560)
Wir werden unsere Sprache nicht willkürlich ändern – wir werden weiter „Frohe Ostern!“ sagen.
Aber wir wissen: Es ist Frohes Passa! Frohe ewige Rettung und Freiheit.
Amen

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Beitragsbild: . Die Evangelische Kirchenfahne weht über dem Eingang der Kirche.© Stefan Schlechter