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Predigt

Erntedank

Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth. (Jeremia 15, 16) Amen.

Gnade sie mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben.
Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Markus 8, 1-9

Gebet: Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth. (Jeremia 15, 16) Amen.

Liebe Gemeinde!
„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ Unser Leib braucht Essen und Trinken. Das wissen wir voneinander, das muß nicht erklärt werden.
Gott sei Dank müssen wir uns nicht darüber Sorgen machen, ob wir zu essen und zu trinken haben! – Wenn Bettler bei uns an die Tür kommen, winken sie meistens ab, wenn man ihnen Essen und Trinken anbietet – offensichtlich ist ihnen das sicher! – Außer vielleicht ein heißes Getränk, wenn es kalt ist, das wird angenommen.
Bei uns wird eher darüber nachgedacht, WIE wir uns ernähren. Was ist gesund? Was belastet unsere Umwelt, weil es aufwendig hergestellt wird, oder lange Transportwege erfordert? – Man fragt nach, wieviel Lebensmittel weggeschmissen werden – ein für mich erschreckender Gedanke! Das hängt wohl mit schlecht geplanten Einkäufen zusammen, mit blindem Beachten vom Haltbarkeitsdatum – oder einfach Gleichgültigkeit.
Doch Gleichgültigkeit – das kann uns Christen nicht passieren! Bitten wir Gott nicht täglich um „unser tägliches Brot“?! Ist nicht jeder Bissen, jede Mahlzeit eine Gebetserhörung und ein Zeichen dafür, daß der Schöpfer, der himmlische Vater uns am Leben erhält. Liebe geht durch den Magen. Auch, und vor allem Gottes Liebe! Die Seele soll aufwachen, und in Speis und Trank „schmecken und sehen, wie freundlich der HERR ist!“ (Psalm 34, 9). Wie freundlich ist Gott, daß er das, was Leib und Seele zusammenhält, auch so lecker und so vielfältig geschaffen hat!
Leib und Seele sollen einander erzählen wie es schmeckt, und daß es Liebe ist. „Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich!“ Das ist alles in einer Mahlzeit drin. Wenn unsere Seele das nur erfassen könnte – ein Gottesbeweis. – Bei allen Überlegungen: Weniger Verschwenden, gesünder essen und so weiter und so fort – laßt uns zuerst Gott immer wieder und von ganzem Herzen danken. Wer dankt, empfängt doppelt. Davon nimmt der Leib nicht zu, aber die Seele wird gegen Sorge und Grübelei herrlich gestärkt. Also: Erstmal Gott gründlich danken. Und dann gerne überlegen, ob vegan, vegetarisch, nachhaltig, CO2 Spur, und nicht verschwenden und was nicht alles –aber bitte gutgelaunt!
Wenn‘s doch alles nur so einfach wäre! Wir sind nicht mehr im Paradies. Weil der Mensch es unbedingt besser wissen wollte als Gott, hat Gott ihn, und damit uns, aus dem Paradies vertrieben. „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!“ (1. Mose 1, 19). So ist es leider. Es gibt Hungersnot. Es gibt Kampf um Ressourcen, vor allem Wasser. Bei uns merken wir das nicht so direkt. Es gibt Probleme mit der Produktion von Nahrungsmitteln, mit dem Markt, mit den Preisen, mit der Qualität … Doch die wirkliche Brotsorge ist in ziemlicher Ferne. Und die christliche Reaktion darauf ist: Zuerst Dank gegen Gott. Und dann, wenn der Dank feststeht, dann gründliches Nachdenken, wie wir Hungernden helfen können. Wenn wir auf Gottes Gaben und Freundlichkeit nur mit Grübelei und moralischem Kopfzerbrechen antworten, dann ist das ein Frevel!
Kann uns der Predigttext helfen?
Was war noch mal der Predigttext?
Jesus speist 4000 Mann mit 7 Broten und ein paar Fischlein.
Eine paradiesische Geschichte, nicht wahr? Das Brot wird nicht alle. Alle werden satt – egal, ob sie einen Kühlschrank haben, vorgesorgt haben, gearbeitet haben, bezahlt haben …. alle werden satt. Die Sorge, die Not, ist für diesen Moment unterbrochen, ja ganz weg.
Eins muß man sagen: Diese Geschichte bietet keine Lösung. Sie ist keine Anweisung für die Wirtschaft. Wir erfahren hier nicht, w i e jeder satt wird, uns wird nur erzählt, d a ß jeder satt wird. Ja daß sogar mehr übrigbleibt, als vorher zur Verfügung gestellt wurde. 7 Brote vorher – und 7 Körbe voll Brocken hinterher. Diese Geschichte bleibt eine Geschichte, sie läßt sich nicht ummünzen in eine wirtschaftliche Methode. – Der Evangelist Johannes berichtet, daß das Volk genau das wollte: „Den halten wir uns! Jesus ist unser König! Dann sind wir alles Sorgen los.“ – Doch Jesus entzieht sich dieser Instrumentalisierung.
Die Geschichte bleibt eine Geschichte. Und will, daß wir Teil von ihr werden.
Sie ereignet sich in der Wüste. Jesus war also mit seinen Jüngern und den Massen allein, von allem abgetrennt. Keine Infrastruktur. Und noch etwas: Jesus sagt: „Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.“ Sie haben drei Tage bei Jesus ausgeharrt. Drei Tage in der Wüste. Drei Tage Predigt. Vor einer ähnlichen Geschichte heißt es bei Markus: „und er fing eine lange Predigt an.“ (Markus 6, 34). Drei Tage Gottes Wort, drei Tage hören, hören, hören. Solange, bis Jesus, wohlgemerkt Jesus, sagt: Mich jammert das Volk – nach drei Tagen haben sie nichts zu essen.
Eins kann man sagen: Das ist ein Ausnahmezustand! 4000 Menschen – es waren zusätzlich Frauen und Kinder dabei – hören drei tagelang Gottes Wort zu. Da kommt man ins Nachdenken: Haben die irgendwann geschlafen? Wie haben die das ausgehalten? Wir wissen es nicht, vielleicht wußten sie es auch nicht. Ausnahmezustände sind so. Da passiert viel auf einmal, und man fragt sich nachher, was das denn eigentlich war? – Es ist, als ob die Zeit stille steht. Jesus spricht, und die Zeit steht still. Gottes Wort aus der Ewigkeit kommt zum Menschen. Die Zeit steht still. Die Seele spürt, daß sie endlich ganz und gar gemeint ist, und die Zeit steht still. Jesus spricht, und der ganze Mensch, Leib und Seele, wird aus dem Alltag, aus der dahineilenden Zeit, herausgehoben. So muß man das sagen. Die haben garnicht gemerkt, wie der Leib sich im Hunger zurückmeldete, Jesus mußte es sagen. Sie waren alle so sehr, so ganz Ohr, daß sie gar nicht richtig bei sich selbst waren, sondern bei dem, was Jesus ihnen sagte vom Reich Gottes.
Das ist für diese Geschichte wesentlich. Gottes Wort meint unseren Leib und unsere Seele so umfassend, daß die Zeit stille steht.
Was kann das bedeuten?
Es bedeutet, das Vergangenheit und Zukunft sich ändern. Wenn die Zeit stehen bleibt, dann holt mich die Vergangenheit ein. Wenn wir das hören, die Vergangenheit holt jemanden ein, dann ist das Unheil – eine Schuld aus der Vergangenheit holt mich ein und fordert ihren Preis. Die Hörer dort in der Wüste wurden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Alte Schuld wurde wieder bewußt. Doch diese alte Schuld hat die Hörer nicht zerstört, nicht durch Anklage verdammt und verurteilt. Die Hörer haben ihre Vergangenheit überlebt. Weil Jesus mit ihnen gesprochen hat. Jesus hat bestimmt das Gesetz Gottes ausgelegt, Sünde aufgezeigt. Aber, weil die Zeit stehen blieb, konnte der Sohn Gottes diese Schuld, diese bedrohliche Vergangenheit auf sich nehmen. – Vielleicht tauchte in diesem Ausnahmezustand auch altes Leid auf: Tränen über das, was angetan wurde. Während die Zeit beim Hören auf Gottes Wort stille stand, hat der Sohn Gottes diese Tränen abgewischt. Sicher kam auch Schönes aus der Vergangenheit – und die Hörer konnten endlich den schuldigen Dank dafür vor Gott bringen. Die Vergangenheit hat sich da wirklich verändert. Der Sohn Gottes hat sie mit seinem Evangelium geheilt. – Wenn die Zeit stille steht, dann wird meine Zukunft deutlich. Ohne Jesus und das Wort Gottes müßte das heißen: Es wird deutlich, daß ich sterben muß. Ein schrecklicher Gedanke! – Doch wir sind hier mit Jesus und seinem Wort in der Wüste. Und darum ändert sich auch die Zukunft. Denn jeder Hörer ist in die Geschichte Jesu eingefügt worden. Beim Hören sozusagen eingepfropft, ein gebettet. Das ist das Wunderbare an dieser Geschichte: Sie bleibt eine Geschichte, damit wir Teil von ihr werden. Wir gehen mit, wenn Jesus leidet, stirbt und von den Toten aufersteht. Bei unserer Taufe wurden wir sozusagen aus dem Strom der Vergänglichkeit herausgenommen, aus der Flut der Zeit, und in das Evangelium eingefügt. Paulus sagt: Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft, auf daß, gleichwie Christus ist auferstanden von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. (Römer 6, 3.4). So sieht die Zukunft aus nach drei Tagen Predigt und Ausnahmezustand. Das passiert mit den Hörern des Wortes Gottes, während die Zeit stille steht.
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren, kann man da nur sagen! (Lukas 11, 28).
Und Jesus? Er hat ein Herz für seine Hörer, die ihm drei Tage lang zugehört haben. Wie hat er das geschafft? Eine Predigt verlangt Einsatz von allen Kräften, Leib und Seele! – Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Sein Leib war also total beansprucht. Wie hat er das geschafft? Zwei Worte deuten das Geheimnis an: Im Johannes Evangelium hören wir im 4. Kapitel, daß Jesus „müde war von der Reise“ (Johannes 4, 6) Die Jünger gehen in die Stadt, Speise zu kaufen – also Jesus tut für sich selbst kein Wunder, wohlgemerkt! Als sie zurückkommen und ihm Essen anbieten sagt Jesus: „Ich habe eine Speise zu essen von der ihr nicht wißt. … Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.“ (Johannes 4, 32.34). Davon lebt er. Ja, als Jesus ganz allein in der Wüste war und 40 Tage und Nächte gefastet hatte, und Teufel ihn versuchte: Bist Du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden – antwortet Jesus: „Es steht geschrieben – Gott sagt – Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ (Matthäus 4, 4 aus 5. Mose 8,3). Die Propheten des Alten Testaments ahnten das auch und haben es in extremen Situationen erfahren. Jeremia sagt: „Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.“ (Jeremia 15, 16). Und ganz geheimnisvoll lesen wir bei Hesekiel: „Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iss, was du vor dir hast! Iss diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf und er gab mir die Rolle zu essen und sprach zu mir: Du Menschenkind, du musst diese Schriftrolle, die ich dir gebe, in dich hineinessen und deinen Leib damit füllen. Da aß ich sie und
sie war in meinem Munde so süß wie Honig.“ (Hesekiel 3, 1-3).
Gottes Wort und Essen. Das passiert in dem Ausnahmezustand, den Jesus mit sich bringt. Er bringt dieses Geheimnis mit sich, daß Worte Leben bringen.
Und da ist es kaum noch ein Schritt, und wir sind bei dem Altarsakrament, in dem er uns seinen Leib und sein Blut zu essen und zu trinken reicht. Zur Veränderung der Vergangenheit und er Zukunft, weil er sich über uns erbarmt.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.