Epiphanias 2024

Von | Januar 8, 2024
Salomo empfängt die Königin von Saba. Gemälde von Giovanni Demin

Predigt von Pfarrer Johann Hillermann an Epiphanias am 8.1.2024

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.


1 Und als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen.
2 Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Spezerei trugen und viel Gold und Edelsteine. Und als sie zum König Salomo kam, redete sie mit ihm alles, was sie sich vorgenommen hatte.
3 Und Salomo gab ihr Antwort auf alles und es war dem König nichts verborgen, was er ihr nicht hätte sagen können.
4 Als aber die Königin von Saba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte,
5 und die Speisen für seinen Tisch und die Rangordnung seiner Großen und das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleider und seine Mundschenken und seine Brandopfer, die er in dem Hause des Herrn opferte, geriet sie vor Staunen außer sich
6 und sprach zum König: Es ist wahr, was ich in meinem Lande von deinen Taten und von deiner Weisheit gehört habe.
7 Und ich hab’s nicht glauben wollen, bis ich gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und siehe, nicht die Hälfte hat man mir gesagt. Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagte, die ich vernommen habe.
8 Glücklich sind deine Männer und deine Großen, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören.
9 Gelobt sei der Herr, dein Gott, der an dir Wohlgefallen hat, sodaß er dich auf den Thron Israels gesetzt hat! Weil der Herr Israel lieb hat ewiglich, hat er dich zum König gesetzt, daß du Recht und Gerechtigkeit übst.
10 Und sie gab dem König hundertundzwanzig Zentner Gold und sehr viel Spezerei und Edelsteine. Es kam nie mehr so viel Spezerei ins Land, wie die Königin von Saba dem König Salomo gab.
13 Und der König Salomo gab der Königin von Saba alles, was ihr gefiel und was sie erbat, außer dem, was er ihr von sich aus gab. Und sie wandte sich und zog in ihr Land mit ihrem Gefolge.

1. Könige 10, 1-10. 13

Liebe Gemeinde!
Wir feiern das „Fest der Erscheinung“. Epiphanias. Das ist das Gegenteil von „Schein.“ Wir Christen feiern – und das schon seit vielen Jahrhunderten – daß Jesus von Anfang an so erkannt wurde, wie er ist, und als der, der er ist. Jesus, der Sohn Gottes, der sich aus unendlicher, bodenloser Liebe dazu erniedrigte, um als Mensch geboren zu werden, und zu uns in unsere tiefe Verlorenheit gekommen ist – dieser Jesus wurde von Anfang an ganz und gar vollständig erkannt. „Erscheinung“ heißt hier: Jesus, der Sohn Gottes erschafft mit seinem Auftreten die notwendige Erkenntnis. Im ganzen Evangelium kommt es immer wieder vor, daß die am wenigsten Qualifizierten die allerersten sind, die die Wahrheit ergreifen und haben. Die Wahrheit nämlich: Hier kommt Gott zu jedem Menschen – ja, zu jedem!, keine Ausnahme! – und tut alles, daß jeder Mensch nicht in der Finsternis verloren darf, sondern ins heilsame, freundliche Licht kommt. Ins Licht des Lebens.
Die Weisen aus dem Morgenland war so weit weg von dem Gott Israels, wie nur vorstellbar. Sie waren mit jedem Gedanken einen Schritt weiter weg von Gott. Daß ausgerechnet solche Menschen daher kommen, und vor allen anderen in Israel vor dem Kind niederfallen und es anbeten, das ist ein Signal, was sich auf dem Weg Jesu wiederholt. Bis hin zu dem Hauptmann, der die Kreuzigung Jesu durchführte – absolut nichts an diesem Menschen qualifizierte ihn, überhaupt irgendeine Erkenntnis, irgendein Heil, irgendein Licht von Gott zu empfangen! – ausgerechnet dieser Letzte war der Erste der schon unter dem Kreuz über den hingerichteten Jesus bekannte: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (Matthäus 27, 54).
Was sagt uns das? Gott schafft den Glauben, den Er bei uns sucht, aus dem Nichts. Das heißt: Alle Menschen sind zum Glauben gleich qualifiziert, nämlich gar nicht.
Die Weisen aus dem Morgenland überholen den König Herodes, die Schriftgelehrten und Hohenpriester von Jerusalem. Das Licht ist 100%ig auf der Seite Gottes, und auf der Seite von uns Menschen ist ohne Unterschied Finsternis. Der König Herodes, der selbst die Sterne studierte, und sich vom Himmel Rat holte, der sich einen Stammbaum zulegte, der beweisen sollte, daß er der Erbe des großen Königs Davids war. Die Hohenpriester, die die höchsten Privilegien in Israel besaßen, als einzige in innerste, allerheiligste im Tempel eintreten durften, stellvertretend für das Volk Gottes – und die Schriftgelehrten, die im Wort Gottes zuhause waren. Qualifizierter konnte kein Mensch sein. Und dann kommen diese Weisen aus dem Nichts daher, aus der Tiefe des Raum es kommen sie an und erreichen das Ziel. Das gehört zur DNS/DNA des Neuen Bundes Gottes mit uns Menschen. Das ist der Neue Deal, den Gott uns Menschen anbietet: Ihr seid Nichts, und ich mache aus euch ALLES.

Unser Predigttext zeigt, daß Gott sich dabei nicht selbst untreu geworden ist. Auch wenn es unverrückbar zutrifft, daß der eine wahre Gott sich exklusiv in Israel offenbart hat, so hatte dieser Gott immer schon die ganze Menschheit im Blick und im Plan und auf dem Schirm.
Es geht um eine Begegnung zwischen Salomo, dem König Israels, einerseits, und der Königin von Saba – wohl Südarabien – andererseits.
Gott hatte dem König Salomo, der der Sohn, Nachfolger und Erbe des Königs Davids war, besonders viel Weisheit und Erkenntnis geschenkt. Er führte das Volk Israel zu seinem Höhepunkt als irdisches, politisches Reich. In jeder Hinsicht war Salomo ein erfolgreicher König.
Das blieb nicht verborgen. Darum kam diese wildfremde Königin vom Ende der Erde zu diesem berühmten König. Sie wollte es wissen. Sie brachte ein Herz voller Rätsel mit, die der König mit seiner göttlichen Weisheit lösen sollte.
Auch hier: So weit weg von Gottes Offenbarung, wie es nur geht. Dazu aus einem reichen, ja glücklichen Land, was jeden falschen Glauben durch das Glück nur noch bestätigte. Der ganze Überfluß, der üppige Reichtum wurden als Beweis dafür genommen, es alles richtig zu machen, als Selbstgerechtigkeit, Selbstsicherheit, das war normal. Diese Königin kommt mit einem Herz voller Rätsel an. Sie will diesen König auf die Probe stellen. Er soll beweisen, daß er wirklich weise ist. Die Weisheit taugt nur etwas, wenn ihre Fragen beantwortet werden, wenn ihr Leben verständlich wird. Diese Königin will sich dem König mit Gottes Weisheit so zumuten, daß er sprachlos ist, daß ihm die Worte fehlen. Sie will ihn ans Ende seines Lateins führen. Sie will wissen, ob es Realitäten gibt, wo selbst Gott nicht weiter weiß.
„Und Salomo gab ihr Antwort auf alles und es war dem König nichts verborgen, was er ihr nicht hätte sagen können.“ Was für ein Gespräch DAS gewesen sein muß! Wenn das Herz alles sagen kann! Alle Fragen stellen, jedes Rätsel zumuten kann – und es kommt eine Antwort. Alles Finstere, Undurchschaubare, Stumme, Unlogische, kann ans Licht und wird erklärt, und man kann darüber reden, und wird durch Logik in eine große und sinnvolle Wirklichkeit eingefügt. Ist das nicht, was alle Therapie sich vornimmt? Braucht nicht jede Seele diese heilenden, lösenden, weiterführenden Worte? Wenn alles vorkommen kann, und nichts zum Kopfschütteln stehen bleiben muß?
Die Königin von Saba schaut sich um. Die Weisheit, die aus dem König Salomo spricht, ordnet alles um ihn herum. Die Gaben Gottes kommen sinnvoll zur Geltung. Menschen bekommen sinnvolle, lohnende Aufgaben. Sie erkennt diese Weisheit um sich herum und kann sie auch anerkennen. Weil sie selber regieren muß, weiß sie, wie schwer es ist, mit den Früchten der Erde sinnvoll hauszuhalten, den Segen überall gerecht ankommen zu lassen. Sie weiß genau, wieviel gelingen muß, bis Menschen sinnvoll zusammenarbeiten. Sie erlebt Logik in sich und um sich. Alles ist sinnvoll.
Was tut das mit ihr? Ihr Geist war nicht mehr bei ihr, sie geriet außer sich, sie konnte sich nicht mehr zurückhalten, sie gibt ihre Überlegenheit auf und staunt. Sie ist offen für Größeres, ihr Herz, ihr Verstand, ihre Seele und ihr Geist – ihre ganze Person nimmt Verbindung auf zur Wirklichkeit, wie noch nie zuvor. Alles erscheint nun im Lichte Gottes. Und das ist gut für die Seele. Und was für die Seele gut ist, das ist für den ganzen Menschen eine Wohltat, Heilung, Trost und Geschenk.
„Es ist wahr“, sagt sie, „was ich in meinem Lande von deinen Taten und von deiner Weisheit gehört habe.
Und ich hab’s nicht glauben wollen, bis ich gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und siehe, nicht die Hälfte hat man mir gesagt. Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagte, die ich vernommen habe.“ Mit anderen Worten: Was die Königin von Saba empfangen hat, das steht in keinem Verhältnis zu dem, was man ihr versprochen hat, oder was sie erwartet hat. Es ist viel viel mehr, viel größer, viel beglückender, als wie wenn ihre Wünsche EinsZuEins umgesetzt worden wären.
Und es macht ihr nichts aus. Sie hat Freude daran, daß ihre Erkenntnis übertroffen wurde. Es ist kein Neid vorhanden. Keine Beleidigung. Kein Groll. Keine heimliche Rache.
Sie kann allen alles gönnen, und sich mit ihnen freuen:
Sie suchte vielleicht eine spannende Unterhaltung, und bekommt Gotteserkenntnis geschenkt: „Glücklich sind deine Männer und deine Großen, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören.“ Dann ist man wirklich außer sich, wenn man sich ohne Einschränkung mit anderen über Gottes Gaben freuen kann.
Sie hatte sich vom Ende der Erde auf den Weg gemacht – und suchte eine gute Abwechslung, eine spannende Unterhaltung, eine sensationelle Begegnung. Doch, was sie bekommt, steht in keinem Verhältnis zu ihren Erwartungen oder ihren eigenen Maßstäben: Sie lernt Gott selbst kennen:
„Gelobt sei der Herr, dein Gott, der an dir Wohlgefallen hat, sodaß er dich auf den Thron Israels gesetzt hat! Weil der Herr Israel lieb hat ewiglich, hat er dich zum König gesetzt, daß du Recht und Gerechtigkeit übst.“ Sie findet, was sie nicht gesucht hat. Gott hat sie gefunden. Wenn sie irgendeinen Stolz, irgendeine Selbstgerechtigkeit hatte – sie ist verschwunden.

Wir sehen: Wenn Gott den Weisen aus dem Morgenland die rechte Erkenntnis geben kann, oder dem Offizier, der gerade eben den Sohn Gottes gekreuzigt hat – dann hat wirklich jeder bei Gott eine Chance. Nichts, was wir Menschen mitbringen, kann Gott aufhalten. Sein Licht scheint in die Finsternis und bleibt Licht. Die Finsternis kann es nicht schwächen oder verdünnen oder krümmen.
Jesus bezieht sich auf diese Begegnung. Im 12. Kapitel hören wird von Jesus drei atemberaubende Aussagen:

  1. Siehe, hier ist mehr als der Tempel. (Matthäus 12, 6). Also wer Jesus hat, der hat alles, was der Tempel geben konnte, und noch mehr.
  2. Siehe, hier ist mehr als Jona. Jona war der Prophet, der eine ganze heidnische Stadt, Ninive, von der Sünde weg zu Gott geführt hatte. Ein unglaublicher Prophet. Jesus sagt: Hier ist mehr als Jona. Er kann aus noch tieferer Verlorenheit noch näher zu Gott bringen.
    und 3.: „Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn
    sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.“ (Matthäus 12, 42).
    Was ist passiert? Die Schriftgelehrten und Pharisäer tun Jesus ab. Er hat einen unheilbar Kranken geheilt. Und was sagen sie dazu? „Er treibt die Teufel aus, weil er selber mit dem Bösen im Bunde ist.“ (Matthäus 12, 24). Und kurz danach erdreisten sie sich, Jesus um ein Wunder zu bitten. (Matthäus 12, 38). Sie freuen sich NICHT mit dem Geheilten, den Jesus ins Leben zurückgeholt hat, sondern verteufeln die Heilung. Und dann soll Jesus sich noch einmal extra für sie persönlich beweisen. Zu denen sagt Jesus: Die wildfremde Königin vom Ende der Erde, die in euren Augen null Ahnung hatte, die wird euch überholen und links liegenlassen und vor euch bei Gott ankommen. Salomos Weisheit hat aus ihr einen neuen Menschen gemacht. Hier ist mehr als Salomo. Doch von Begeisterung keine Spur.
    Was ist passiert? Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind mehr von sich selbst beeindruckt, als von Gott. Sie können von ihrer Selbstgerechtigkeit nicht lassen. Sie wollen sich nicht begeistern. Sie sind sich zu schade, mit der Königin von Saba ganz außer sich zu sein und ihrem Mitmenschen Gottes Gaben zu gönnen, Gott über alles zu loben, und einfach großzügig zu sein. Denn das würde ja bedeuten: Ich bestimme hier nicht mehr. Ich bin nicht der Größte, ich habe nicht das letzte Wort, ich bestimme nicht.
    Jesus sagt zu ihnen: Am Ende werdet ihr sagen müssen: Hätten wir es doch wie die Königin von Saba getan! Hätten wir doch nur unsere ganze Selbstgerechtigkeit weit hinter uns gelassen und wären zu dem neuen Salomo gekommen, zu Jesus von Nazareth! Die Königin mußte sich noch auf den weiten Weg machen – doch Gott ist extra zu uns gekommen. Wir haben keine Ausrede mehr.
    Liebe Gemeinde! Gerade die, die ihr Leben lang schon in der Kirche, in unserer Kirche, in unserer Gemeinde sind: Worauf wartet ihr? Was soll Gott noch tun? Wie leicht und schnell sind wir wie die Pharisäer! Sie erleben Gemeinde und Gottesdienst und denken bei sich: Das sind doch auch nur Menschen! Das ist nichts Besonderes! Und dann kommt noch der heimliche Wunsch: Gott muß noch ein extra Zeichen für mich tun; einen Beweis extra für mich. Aber was soll größer, besser und freundlicher sein, als daß Gott sich für uns arm gemacht hat, und als ein Kind zu uns kommt? Was soll denn noch besser sein, als daß Gott für unsere Sünde stirbt und für uns den Tod überwindet? Worauf warten wir eigentlich? Wenn es irgendwo auf der Welt bei irgendeinem Menschen den Glauben gibt, der ihn zum Kind Gottes macht, dann ist der Glaube aus diesen Gründen: Jesus ist Gottes Sohn und hat alles für dich getan, dir aus der todbringenden Schuld zu helfen. Gott hat nicht vor, noch ein anderes Wunder zu tun. Dieses Wunder ist für alle. Es ist das richtige Wunder für alle. Das ist Epiphanias: Gott hat Sein Profil gezeigt. Alle sind damit gemeint.
    Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.