Miserikordias Domini

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

15 Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er
zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Johannes 21, 15-19

Lieber Herr und Heiland, führe uns zum frischen Wasser, zur Speise, die unsere Seele nährt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Kein Mensch kann sich heute beklagen, daß die Bibel zu schwer sei, zu schwer zu verstehen.
Jesus fragt Petrus: Hast du mich lieb?
Und Petrus antwortet: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe.
Jedes Kind, das das Wort „Liebe“ einmal begriffen hat, und weiß was eine Frage und eine Antwort ist, und wer „Ich“ und „Du“ sind, kann dem Gespräch genauestens folgen und alles mitnehmen.
Hast du mich lieb? – Ja.
Eine Seele lebt in diesem Gespräch. Jede Seele lebt davon, diese Worte zu sprechen und zu hören. Da sein ist nicht genug. Geliebt werden muß einfach auch sein, und Liebe aussprechen, auch das muß sein.
Liebe Gemeinde, diese einfache Wirklichkeit soll uns durch dieses Evangelium leiten.
Jesus der Gekreuzigte und Auferstandene fragt Petrus. Petrus, der mit Jesus sterben wollte, und dann plötzlich schwur: „Ich kenne den Menschen Jesus nicht!“ Petrus, der dann über sich erschrocken war, und bitterlich geweint hatte. Petrus, der sich mit den Jüngern aus Furcht vor den Juden eingeschlossen hatte. Petrus, der das leere Grab gesehen hatte, und dann den Auferstandenen. Und geht er in den Alltag zurück: Fischen, das war ja sein Beruf gewesen, bevor Jesus ihn gerufen hatte. Doch Jesus stand schon am Ufer und hatte was mit Petrus vor.
Sie essen zusammen und dann kommt das Gespräch.
Dieser so ganz einfache Wortwechsel, der jede Seele berührt.
Aber jetzt müssen wir doch ein bißchen nachdenken.
Was geschieht eigentlich, wenn Jesus fragt?
Wenn wir fragen, dann wollen wir etwas hören, was wir nicht wissen. Oder wir brauchen Sicherheit, wo wir Zweifel haben. Dann fragen wir.
Aber Jesus? „Er kannte sie alle und bedurfte nicht, daß ihm jemand Zeugnis gab vom Menschen; denn er wußte, was im Menschen war.“ (Johannes 2, 25). Warum fragt Jesus, wenn er es schon wissen kann, ja, wenn er es schon genau weiß, besser, als Petrus es weiß?
Und warum fragt er Petrus, der sich so grob falsch eingeschätzt hatte! „Wenn sich auch alle sich an dir ärgern: Ich nicht!“ – „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen!“ – Ja. Wir wissen, wie es dann kam.
Welche Aussage konnte Petrus über sich machen?
Was kannst du über dich vor Gott sagen?
Was geschieht wenn der allwissende Jesus Petrus fragt, der über sich nichts mit Gewißheit aussagen kann? Soll er wieder von sich selbst enttäuscht werden?
Jesus fragt mit menschlichen Worten, die ein kleines Kind verstehen kann – aber der Sohn Gottes fragt mit göttlicher Macht, mit göttlicher Liebe. Seine Frage ist ein Handeln an seinem Jünger.
Die Frage schafft einen Schutzraum für Petrus.
Das muß Petrus aber erst noch erfahren.
Die Frage läßt Petrus erst einmal noch sich selbst fühlen. Seine Grenzen, seine Schwächen, seine Fehler werden Petrus noch einmal bewußt – sie fallen ihm aufs Herz, ins Gewissen.
Liebe Gemeinde! Es ist immer ein entscheidender Teil von Gottes Weg, daß du erkennst, wer du vor Gott bist. Du bist ein Geschöpf: Wir haben gesungen: „Er hat uns erschaffen, Ihm zur Ehr, und nicht wir selbst, durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.“ Geschöpf und Sünder. Mit peinlichen Fehlern. Mit Dingen, die wir nicht wieder gut machen können. Wer in Gottes Schutzraum soll, der kann nur als solcher hinein wie Gott ihn sieht. Als Geschöpf und Sünder. Das spürt Petrus an Leib und Seele. Schon, daß Jesus ihn mit „Simon, Sohn des Johannes“ anredet: Sohn seines Vaters. Mit dem Namen Simon – als solcher kam er zu Jesus und wußte nichts, keine Ahnung.
Du, der du dein Leben nicht in der Hand hast, und nicht weißt, was morgen sein wird – hast du mich lieb?
Petrus antwortet so, wie ein Geschöpf antworten kann: „Ja HERR; du weißt, daß ich dich lieb habe.“ Was für eine Antwort! Gott, du weißt es, ja, du weißt es am besten – besser als ich! Bitte, finde du selbst die Liebe, die in mir ist! Mit dieser Antwort ist Petrus in den Schutzraum eingetreten, den Jesus mit seiner Frage geschaffen hat.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst neu kennen lernen kann und kennen lernen muß. Jesus fragt so, daß Petrus in der Liebe Gottes aufwacht.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst als Geschöpf und Sünder fühlt, erfährt – mit allem Schmerz, allem Schrecken, aller Scham, das ganze Programm. Unser göttlich inspirierte Evangelist Johannes packt es in ein einziges Wort: „Petrus ward TRAURIG, daß Jesus zum dritten Mal zu ihm sagte: „Hast du mich lieb?“ Traurig. Es gibt eine Traurigkeit, die ist Teil von Gottes Weg mit dir. Paulus weiß davon, und schreibt: „Denn göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod.“ (2. Korinther 2, 10). Man muß sich nichts vormachen: Petrus ward traurig, ganz und gar, durch und durch. Er war mit sich am Ende. Aber die Liebe war da. „Ja HERR, du weißt alle Dinge, DU weißt, daß ich dich lieb habe.“
„Weide meine Lämmer.“
Da hat Petrus gerade den höchsten Auftrag von Gott bekommen.
Wie ist das? Eben hat Petrus alle Bewerbungsschreiben, alle Zeugnisse, alle Lebensläufe weggeschmissen und gelöscht – und dann: „Du bist eingestellt. Du hast den Job.“
„Weide meine Lämmer!“ – Petrus ist jetzt zuständig für die neugeborenen Gotteskinder. Verantwortung für ein Kind, ein neugeborenes erfaßt den ganzen Menschen. Jede Kraft ist nötig, für ein Kind dazusein.
Eben noch spürt Petrus seine absoluten Grenzen, und dann vertraut ihm Gott Seine Kinder an. Bei Kindern versteht niemand Spaß, auch Gott nicht.
Jesus muß beschlossen haben, daß Petrus der Richtige ist. Petrus, der die Liebe seinem HERRN in die Hände legt: „Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe!“
Petrus hat das bestimmt nicht gesucht oder angestrebt. Petrus bleibt nichts anderes übrig, als sich nun so zu sehen, wie er von Jesus gesehen wird. Jesus sieht in ihm den, der sich um Gottes Kinder kümmert.
Jesus fragt – aber diese Frage führt Petrus dahin, daß er Gottes große Gnade erfährt.
Jesus beauftragt – aber dieser Auftrag zeigt, wie die Liebe Gottes alles trägt.
So ist das bis heute. Jesus, der auferstandene HERR, setzt Diener ein, die sich um Gottes Kinder kümmern. Diese Diener weiden die Gemeinde Gottes mit dem Wort Gottes und mit den Sakramenten, die Jesus gegeben hat: Die Heilige Taufe und das Heilige Abendmahl. Dazu auch die Lossprechung der Sünden.
Jesus ist zwischen seinen Dienern und der Gemeinde, er ist über seinen Dienern und der Gemeinde, und auch unter beiden, sie zu tragen.
Das kommt zum Ausdruck, ja, es wird Wirklichkeit, in einem kurzen Gespräch zwischen Pastor und Gemeinde. Der Pastor sagt: „Der HERR sei mit euch!“ – Und die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geist!“ Auch so ein kurzes Gespräch, in dem alles, die ganze Geschichte zwischen Jesus und Petrus, vollständig enthalten ist.
„Der HERR sei mit euch!“ – Der Heiland sei mit euch, der, der für euch Mensch geworden ist, sei bei euch! Der, der das Verlorene gesucht hat, suche und finde euch! Der, der Sünde die Macht genommen hat, tue Sein Werk an euch! Der, der die Strafe Gottes für euch getragen hat, nehme eure Lasten ab! Der Überwinder des Todes schütze euch jetzt! – Das ganze Evangelium erreiche eure Seele und richte sie auf! Das ist alles in dem Gruß: „Der HERR sei mit euch!“ Jetzt soll Jesus an euch tun, was Er gerne tut!
„Und mit deinem Geist!“ – Da sagt die Gemeinde: Wir nehmen diesen Dienst an, weil Jesus selbst in diesem Dienst anwesend ist. Jesus soll auch an dem Diener tun, was er an uns tut. „Und mit deinem Geist!“ ist das eine Gebet der Gemeinde für den Pastor, in dem alles gesagt ist. Gott soll den Geist des Dieners segnen und schützen, damit der Dienst gut und richtig nach Gottes Willen verläuft. Seine Schwächen mögen Gott nicht aufhalten oder im Weg stehen.
Dieses Gespräch zwischen Pastor – was ja übersetzt „Hirte“ besagt! – und Gemeinde findet dreimal im Hauptgottesdienst statt. Es ist jedes Mal nötig.
Es geschieht noch etwas Unglaubliches dort nach dem Frühstück am See zwischen Jesus und Petrus.
Jesus deutet Petrus an, daß er als Märtyrer sterben wird: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ Petrus ist dann auch in Rom gekreuzigt worden.
Aber man bedenke: Petrus geht als Apostel in die Welt hinein und es steht fest: Am Ende wirst du geführt werden, wohin du nicht willst.
Was heißt das? Am Ende ist keine eigene Herrlichkeit: Reichtum, Erfolgt, Beliebtheit, Anerkennung von Menschen ….
Wenn Petrus jetzt doch losgeht und Jesus nachfolgt, was heißt das? Das heißt, daß er die Erfüllung seines Lebens jetzt schon bei sich hat. Die Erfüllung kommt nicht erst, irgendwann, wenn bestimmte Ziele erreicht wurden. Sondern jetzt. Wenn Jesus ihm vergibt, wenn der Auferstandene Petrus einen Platz im Reich Gottes gibt – das ist alles, das ist das Höchste. Das kann ein Kreuzestod am Ende nicht mehr kaputtmachen.
Und noch etwas: Petrus weidet die Lämmer und Schafe Gottes ohne Begehren, ohne Hintergedanken: Er sucht nichts für sich selbst in seinem Dienst: Keinen Reichtum, keine menschliche Anerkennung, keine Bestätigung. Das alles hat er schon überreichlich mit Jesus bekommen. Da kann er ganz anders für die Herde da sein.
Wenn die Liebe Gottes dich erreicht hat, dann wird Gott dir helfen, ganz für die Menschen da zu sein, die Gott dir anvertraut hat. Dann hast Du Gottes Liebe weitergegeben. Das ist das Größte.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Ausschnitt aus ‚Auferstehungsikone‘, Ikonenmuseum Frankfurt

Quasimodogeniti

Der HERR ist auferstanden –
er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott dem Vater
und von Jesus Christus! Amen.

Allmächtiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Dir, zu Dir und in Dir sind alle Dinge. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

Kolosser 2, 12-15

HERR, segne diese Worte an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute geht es um die Anwendung von Ostern. „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Leben ans Licht gebracht durch das Evangelium.“( 2. Timotheus 1,10). Und jetzt? Und heute? Und hier? Und ich?
Was bedeutet es überhaupt, daß der Tod seine Macht verliert? Verliert der Tod dann seine Macht, wenn ich keine Angst habe? Oder wenn ich keine Trauer mehr habe? Wirklich? Wie sieht es aus, wenn ein Mensch Ostern auf sich bezieht?
Eins ist klar: Jesus ist nicht von den Toten auferstanden zu seinem eigenen privaten Vergnügen – wie wenn jemand eine Reise ins Weltall macht, oder so. Ostern anwenden das ist viel viel mehr als nur zu sagen: „O mein Gott, ist das möglich? Wie bewundernswert ist das? Auferstanden von den Toten! Ich kenne jemanden, der von den Toten auferstanden ist! Er heißt Jesus.“ Ostern anwenden ist viel mehr!
Aber was?
Paulus schreibt an die Gemeinde in Kolossä, und wir hören gerne mit. Vier Anwendungen von Ostern.
Das Ziel ist wirklich, daß wir von einer Realität erfaßt werden und eine Macht spüren.
Nun der Reihe nach:
1. „Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“
Man muß das dem Paulus lassen: Er kommt sofort, ohne Umschweife ganz zur Sache. „Du bist tot!“ – „Du bist auferstanden!“ – Wer getauft ist, der ist ganz im Machtbereich der Auferstehung. Hier geht es nicht um Gedanken, Vorstellungen, Überzeugungen, es geht um überhaupt nichts, was in dir ist. Du bist in etwas. Wer mit Jesus verbunden ist, der ist mit Tod und Auferstehung verbunden.
Das ist kraß. Getauft sein oder nicht – das ist eine größere Frage, als am Leben sein, oder nicht. Die Taufe macht einen größeren Unterschied, als der Tod. Das wird uns gesagt.
Sein oder Nichtsein – das entscheidet doch alles, oder nicht? Nein. Mit dem Sohn Gottes verbunden sein oder nicht – das entscheidet über Leben und Tod. Getauft sein heißt: Jesus nimmt dich mit. Du bist bei ihm eingestiegen. Besser: Er hat dich an Bord genommen.
Wie? – „Mit ihm seid ihr auferstanden durch den Glauben“. Wo Glaube an Jesus ist, da ist der Tod schon angetastet. Gott sagt uns das. Nur Gott hat im Blick, wo der Tod anfängt und aufhört. Nur Gott hat im Blick, wo der Glaube anfängt, und wo er aufhört. Menschen können das nicht. Und Gott sagt: „Wo Glaube ist, da hat der Tod etwas nicht verhindern können, da hat der Tod schon verloren.“ Glaube und Macht des Todes sind schlechte Gesellschaft. Sie können einander auf den Tod nicht leiden. Der Glaube ist eine Niederlage für den Tod. Er ist ein Wunder.
Glaube ist nicht das Ergebnis von menschlichem Tun. Ich kann keinen Glauben in euch machen. Ich habe es auch nicht vor. Ihr hört nur das, was ihr nach Gottes Willen hören sollt. Du kannst dir selbst auch nicht den Glauben machen, oder einreden oder hypnotisieren. Hör du zu, und laß Gott machen. Paulus sagt: „ … durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ Wenn ein Mensch an Jesus glaubt, dann braucht es genau dieselben göttlichen Volt, oder PS, oder was auch immer – dieselbe Kraft Gottes, die Jesus auferweckt hat. Das mußt du glauben. Glauben ist nicht etwas, was ich beschließe. Wieviel Volt ist ein Beschluß, ein Gedanke? 6 Volt? Ich weiß es nicht. 6 Volt hätten Jesus nicht aus dem Grab geholt. 1000 000 Volt plus. Das braucht es, einen Menschen zum Glauben zu bringen. Das kann nur Gott. Überlaß es ihm. Aber wirklich!
Also: Ostern und Glauben sind unzertrennlich. Es heißt einen fürchterlichen Bock geschossen, wenn ein Mensch sagt: „Ok. Ich glaube. Aber was ist jetzt mit Ostern und Auferstehung?“ Das ist so, wie wenn jemand sich gerade ins Auto gesetzt hat, und dann ängstlich fragt: „Ich weiß nicht, ob ich jemals mitfahren werde!“ – Der Glaube ist Teil von der Auferstehung. Mit dem Glauben ist schon alles anders. Doch.
2. „Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.“
Das kommt uns zu einfach vor. Ist es auch. Zur Anwendung von Ostern gehört auch, zu erkennen, was der Tod ist. Was ist das Grab, aus dem die Auferstehung stattfindet? Und jetzt wird es richtig ernst. Denn erst dann jetzt können wir begreifen, warum der Glaube so ein Wunder ist, daß nur göttliche Energie tun kann. Wirklich nur Gott höchstselbst. – „Ihr wart tot in den Sünden.“ Das ist genau so schwer zu begreifen, wie die Auferstehung: Daß ein Sünder in seinen Sünden tot ist. Ein Mensch, der Gott nicht bittet und dankt – der lebt nur noch scheinbar, er lebt auf Pump. Ein Mensch, der sich von Gott nichts sagen läßt, der hat den Schuß noch nicht gehört. Ein Mensch, der Vater und Mutter verachtet, der nicht jeden Moment voller Staunen davon überwältigt ist, daß er davon lebt, weil andere ihren Egoismus überwinden – der glaubt nur noch zu leben, aber er täuscht sich. Jedes der 10 Gebote wird sprechen und zeigen, bis du den Tod fühlst. Du sollst nicht töten: Also alles tun, daß dein Nächster lebt. Du sollst nicht ehebrechen: Gott gibt dir Einen Menschen im Segen. Einen. Da will Gott dich alles erfahren lassen. Sonst bist du ein Gespenst, mehr tot als lebendig. Du sollst nicht stehlen: Was Gott dir nicht gegeben hat, das geht dich nichts an. Was dem Nächsten gehört, ist heilig. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden: Was du über jemanden sagst, das muß es Menschen ganz leicht machen, diesen zu ehren, zu achten. Was dein Wort wirkt, kommt auf dich zurück. Du kannst dich nicht schützen.
Ihr wart tot in euren Sünden. Es ist schwer, zu glauben, daß das so ist. Nur komisch, daß niemand beklagt: „Ach, wenn ich das nur glauben könnte, wie Sünde der Tod ist!“ Gott sagt es uns.
Das ist also das Grab, aus dem die Auferstehung geschieht. Mit Jesus begraben werden heißt – erkennen, was die Sünde mit uns anrichtet. Am Kreuz hat Jesus ja ohne Filter, ohne Helm, ohne Impfung, ohne Ellbogenschützer oder irgendwas die volle Wucht der Sünde an sich erlitten. Er hat nicht ausgeteilt, sondern eingesteckt – aber unschuldig.
Paulus spricht auch von der Unbeschnittenheit des Fleisches. Das ist eine Beschreibung der Sünde als Wildwuchs, als Wucherung, als hemmungsloses Wachsen und sich Ausbreiten. Wie Krebs: Ein Leben, das gegen sich gekehrt ist. Die Prozesse, die Leben schaffen, sind umgedreht und attackieren das Leben. Da passiert zwar etwas. Aber ist sieht nur aus, wie Leben. Aber es ist kein Leben mehr.
Da kann nur ein Gott uns rausholen. Wer es ahnt, wird es sofort einsehen. Er sitzt in einem brennenden Haus.
Darum ist Vergebung mit Auferstehung verbunden. Nicht nur Glauben und Auferstehung sind untrennbar, sondern auch Vergebung und Auferstehung. Auferstehung gibt es nur, wo Gott eine Antwort hat auf die Sünde. Wer keine Antwort auf die Sünde hat, der hat auch keine Antwort auf den Tod.
Und das Wunder ist: Gottes Antwort auf die Sünde ist die Vergebung. Ja, die Vergebung. Wer erkennt, wie Sünde und Tod zusammenhängen, der braucht die absolute Zusicherung, daß das Leben mit der Vergebung kommt.
Wie kann das aussehen?
3. „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“
Die Vergebung sieht so aus: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der uns unwiderleglich beweist, daß wir den Tod verdienen, und hat ihn weggetan, und an das Kreuz geheftet.
Spätestens hier fängt der Glaube an. Daß am Kreuz von Golgata die Anklage, gegen mich, das Urteil über mein Leben aufgehoben wird, das übersteigt unsere Auffassung. Doch das ist das Neue Testament. Das ist Gottes neuer Deal, das sind die neuen GGB – Göttlichen Geschäftsbedingungen. Auf dieser Grundlage will Gott künftig mit uns Menschen reden. Das Neue Testament ist voll von dieser wunderbaren Übertragung, daß der Sohn Gottes die Anklage des Gesetzes auf sich bezieht, auf sich nimmt, auf seinen Leib und seine Seele umbiegt, umleitet. Wir sollen das zur Kenntnis nehmen. Das ist das Evangelium.
Der Apostel Petrus schreibt das so: „Jesus hat unsere Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.“ (1. Petrus 2, 24).
An die Galater schreibt Paulus: „Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.“ (Galater 3, 13). Ich könnte noch mehr zitieren. Glaube, Auferstehung, Vergebung – das ist alles untrennbar, wo eins ist, da ist das notwendig das andere – und nun auch diese kosmische Umbuchung. So muß man das nennen. In der Zeit des Paulus gab es das: Wer eine Schuld hatte, mußte mit eigener Hand schreiben: „Ich bekenne, daß ich NN soviel schulde.“ Dieser Schuldbrief wurde in einer Bank aufbewahrt. Erst, wenn die Schuld bezahlt war, wurde der Brief aus dem Register entfernt. Dann wurde der Betrag durchgestrichen. Dann war die Sache erledigt.
Wir hören also: Die Forderung des Gesetzes, daß der Sünder sein Leben zu Recht verliert – diese Forderung ist zum Schweigen gebracht worden. Die Schuld ist bezahlt. Das ist am Karfreitag passiert. Ostern ist die Verifizierung, die Besiegelung, die feierliche Ratifizierung.
Wenn man das so hört, dann fallen einem Dinge ein. Aber …. es spricht so viel dagegen! Die Menschen sündigen doch immer noch! Ich sündige ja immer noch! Meine Verletzungen in meinem Leben ! ! Was sagt Gottes Wort dazu?
4. „Er, also Gott, hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“
Wer auch nur ein bißchen anfängt, von Jesus mitgenommen zu werden, dem wird klar, wie verbreitet die Macht des Todes ist. Der allerkleinste Anfang ist schon ein ganzer Anfang. Aber man spürt doch: Nicht alles um mich, nicht alles in mir, ist von Gott. Es gibt Mächte und Gewalten – die wollen mir beweisen, daß das alles nicht wahr ist, oder zu schwach, oder zu blöd … Mächte und Gewalten, die mich spüren lassen wollen, daß ich ohne sie kein Leben habe, und ganz klein bin. Das waren dieselben Energien, dieselben Kräfte, die Jesus auf Golgata beweisen wollten: „Du bist nichts. Steig herab vom Kreuz, wenn du kannst!“ Es ist die Macht der Lüge, der Lieblosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Die Macht des Begehrens und der Zerstörung. Die haben an Jesus getan, was sie konnten, und das war schrecklich. Doch Ostern zeigt uns: Jesus gehört ihnen nicht. Das will der letzte Vers aus dem Predigttext uns sagen. Er hat ihnen ihre Waffen abgenommen, sie lächerlich gemacht, sie müssen ihm dienen. Sie wollen beweisen, daß dein Leben nur ein Schein ist, doch Jesus beweist, daß ihre Macht nur ein Schein ist.
Seit Ostern sind sie nur noch ein Schein. Sie haben ihre Macht durch unsere Sünde. Wo Vergebung ist, da ist diese Macht vorbei. Wo der Auferstandene ist, da ist diese Macht vorbei. Paulus vergleicht sie mit besiegten Kriegern, die als Gefangene vorgeführt werden. Sie werden ausgestellt wie in einem Museum. Man kann sie ohne Angst angucken.
Unser Gesangbuch weiß davon. Ein Beispiel:
„Jesus Christus, Gottes Sohn, an unserer Statt ist kommen und hat die Sünde abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods GESTALT, den Stachel hat er verloren.“ (439, 3).
Liebe Gemeinde! Das sind hohe Behauptungen. Sie stehen geschrieben, sie müssen gesagt werden. Man denkt leicht: O Gott, das kann ich nicht glauben! – Nun hört gut zu:
Glaube ist nicht das, was du in dir findest, sondern das, was Jesus in dir sieht, wenn du ihm zuhörst. Du sollst nur zuhören, nicht gucken. Wie Jesus zu Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ (Johannes 20, 29). Der Glaube will nicht angeguckt werden. Jesus will gehört werden. Dann ist alles wahr.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Ostern

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, daß der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1-8

Gebet: Herr, segne dein Wort an uns mit bleibender Kraft gegen alles, was uns bedrückt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Auf dem Friedhof will man kein Durcheinander. Unser Gesetz kennt den Straftatbestand der „Störung der Totenruhe“. Die Überreste der Verstorbenen sollen in Ruhe gelassen werden, und die Gefühle der Angehörigen, der Trauernden, sollen nicht verletzt werden.
Die heiligen Frauen mußten einen ganzen Sabbat lang warten.
Am Freitag war Jesus begraben worden.
Liebe Gemeinde eine kurze Zwischenbemerkung:
Normalerweise wurde ein Gekreuzigter nicht beerdigt. Normalerweise ließ man die Gekreuzigten hängen.
DOCH! Jesus starb an einem Freitag. Das Gesetz des Alten Testaments ließ es nicht zu, daß Leichen über den Sabbat öffentlich hingen. Deshalb mußte er abgenommen werden.
In Psalm 16 betet der Heilige Geist: Gott, du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. Die Apostel zitieren diesen Psalm und erkennen darin diese Fügung, daß Jesus anders als alle Gekreuzigten, tatsächlich in ein Grab gelegt wurde.
Und: Ein wohlhabender Verehrer, Joseph und Arimathäa, stellt sein eigenes Grab zur Verfügung. Und noch weiter: Die Hohenpriester und Pharisäer erbaten sich eine Soldatenwache von Pilatus, das Grab zu bewachen. Als Jesus ins Grab gelegt wurde, saßen Frauen da, die sich alles genau anschauten, und merkten. Da liegt unser Herr Jesus. Genau da. Sie sahen auch, wie der schwere Stein vor des Grabes Tür gewälzt wurde. Dieser Stein wurde dann von den Pharisäern versiegelt.
Jesus sagte selbst, daß der Menschensohn „mitten in der Erde“ sein würde. (Matthäus 12, 40).
Dieser Tote sollte in seiner Ruhe nicht gestört werden.
Die Frauen wollten in aller Ruhe dem geliebten Herrn eine letzte Ehre erweisen. Einmal noch zeigen, was er ihnen bedeutet hatte. Abschließen. Von dieser Absicht waren sie erfüllt. Es war ein schwerer Gang, aber er mußte sein. Ein ruhiger Morgen in Trauer. Das Gewicht der Liebe, die schwere Seite der Liebe mußte zu ihrem Recht kommen.
So! Genug vom Tod, von Trauer, vom Grab!

Aber, was für ein Durcheinander! Was ist mit dem Stein? Daran hatten sie nicht gedacht! Ob sie überhaupt daran dachten, daß sie ja auch die Soldaten dort antreffen würden? Darüber erfahren wir nichts.
Aber der Stein! Mehrere Männer hatten ihn mit gemeinsamer Kraft vor der Grabes Tür gewälzt. Und jetzt?
Bei dieser Frage waren sie noch einmal ganz bei sich selbst: „Wie töricht, wie unüberlegt von uns!“ Man kann sich sogar vorstellen, daß sie bei sich gedacht haben: „Ach wir Frauen! Die Jünger schließen sich ein aus Furcht, wir gehen zum Grab, und dann übersehen wir das Hauptproblem!“
Eine Sorge, die jeder verstehen kann. Man kann für einen Moment den Kopf schütteln.
Aber dann wird diese verständliche Sorge auf einmal ganz klein: „Sie sahen hin, und wurden gewahr, das der Stein weggewälzt war, denn er war sehr groß.“ Die Sprache deutet an, daß der Stein also nicht nur ordentlich beiseite gerollt wurde, sondern wahrscheinlich umgeworfen war – auf jeden Fall nicht so, daß er einfach wieder zurückgerollt werden konnte. Da war eine andere Kraft im Spiel gewesen!
So. Jetzt denken wir mal nach.
Die Frauen suchen den Gekreuzigten da, wo jeder Mensch ihn suchen würde, da, wo er begraben wurde.
Der Stein wäre zwischen ihnen und dem Toten.
Ein schwerer Stein, den sie nicht bewegen können.
Ein Problem, eine Sorge.
Aber nun ist der große Stein gewaltsam umgeschmissen, mit Wucht von des Grabes Tür geworfen worden.
Jetzt ist die Ruhe dahin!
Und dann wird ihnen auch noch von einem Engel klargemacht: Er ist nicht hier! – Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
Jetzt stehen sie da mit ihren wohlriechenden Ölen – wohin damit? Sie stehen da mit ihrer Trauer – wohin damit? Sie stehen da mit allem, was sie im Angesicht des Todes in der Hand haben, und – wohin damit?
Liebe Gemeinde! – Ich möchte das mal etwas übertragen. Wir Menschen kennen auch eine Grabesruhe der Hoffnung. Wir finden uns damit ab, daß unser Leben seine Grenzen hat. Wir finden uns damit ab, daß es sich nicht mehr lohnt, auf Freude zu hoffen. Unter dem Schatten des Todes können wir oft nur noch ein paar wenige schöne Erinnerungen salben. Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Ja, es gibt diese Resignation: ich muß mich damit abfinden. Es wird keine Freude mehr geben.
Diese Resignation wird mit dem Stein abgebildet: Es ist, wie es ist. Es hilft nicht zu klagen!
Man richtet sich ein. Man leistet sich keine Erwartungen mehr.
Es kann soweit kommen, daß man nicht mehr an Hoffnungen erinnert werden will, weil es weh tut.
Das ist ein schwerer Stein. Aber es ist wenigstens Ruhe. Man weiß wo man dran ist.
Aber Ostern stört diese Ruhe.
Gott will das nicht. Er will nicht, daß wir den Tod als etwas Natürliches hinnehmen. Er will, daß das Leben uns erfüllt und die einzige Wirklichkeit ist.
Zu Ostern gehört auch dieser Schrecken: Der Stein ist weggewälzt! Das heißt: Die Türen sind nicht alle zu! Nein, sie sind es nicht!
Die armen Frauen! Eben war der Stein die größte Sorge – und dann ist da noch eine größere Sorge: Der Stein ist weg!
Eben noch waren sie erfüllt von der Trauer.
Aber jetzt? Was kommt danach?
Es ist kein Wunder, daß sie Zittern, und entsetzt sind, und verstummen von Schreck.
Sie fassen zusammen, was die Sünde aus uns macht. Die Sünde produziert Tod. Die Sünde versucht, sich mit dem Tod abzufinden. Irgendwie. Die Sünde pflegt eine Grabesruhe. Ich verdiene keine Freude, ich verdiene keine Liebe, ich verdiene keine Hoffnung. Diese Resignation wird mit wohlriechenden Ölen gesalbt. Aber sie bleibt.
Das gibt es. Menschen kommen soweit.
Und wehren sich mit Händen und Füßen, wenn das Evangelium sie ruft.
Dann zeigen sie auf den großen Stein: Die Tür ist doch zu.

Nein. Nein. Nein.
Nach Ostern können wir das nicht mehr sagen.
Die armen Frauen gehen los. Wie werden sie es den Jüngern sagen? Werden die Jünger ihnen überhaupt glauben?
Der Engel sagt: „Sagt es den Jüngern UND PETRUS“ Petrus, der bitterlich geweint hatte, nachdem er so abgründig von sich selbst so enttäuscht war. Den Herrn verleugnet.
Aber der Frauen sind los gegangen. Mit Schrecken und Ratlosigkeit. Aber sie haben es getan. Sie haben es den Jüngern gesagt. Die glaubten erstmal nichts.
Bis sie selber hingingen.
Wir Christen müssen Ostern bezeugen. Manchmal hat man das Gefühl, wir wollen den Stein lieber irgendwie zurückrollen, damit wir lieber trauern, als hoffen. Aber wir haben den Auftrag, zu sagen: Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Auch mit Furcht und Zittern. Aber der Stein ist weg. Er ist weg.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Meister von Hohenfurth: Die Auferstehung Christi

um 1350, Leinwand auf Holz, 95 × 85,5 cm
Prag, Národni Galerie
Kommentar: Gemälde zur Serie der neun Tafelbilder zum Leben Christi gehörig, urspr. für das Zistersienser Kloster Vyssi Brod
Land: Tschechien (Böhmen)
Stil: Gotik
[Meister von Hohenfurth. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 8001 (c) 2005 The Yorck Project]

Osternacht

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.
2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.
3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.
4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Kolosser 3, 1-4

Gebet: Lieber Jesus, unser Herr, sei du unsere Auferstehung und unser Leben, wecke und finde den Glauben in uns, den der Tod nicht einfangen kann, und sei bitte so lieb, ihn zu schützen, auch vor uns selbst. Amen.

Liebe Gemeinde!
Geheimschriften! Ich meine die, die man erst nicht sieht, und nur dann, wenn sie erhitzt werden. Wer war nicht in seiner Kindheit davon fasziniert! Da liegt ein Blatt Papier – man sieht und vermutet nichts, aber: wenn man das Blatt dann richtig behandelt, dann wird die Schrift sichtbar. Mit Zitronensaft soll das funktionieren. Man schreibt mit Zitronensaft, und wenn man dann das Blatt Papier über eine Flamme hält, dann – o Wunder – offenbart sich wie aus dem Nichts die geheimnisvolle Schrift auf dem Papier. Man muß nur aufpassen, daß es nicht anbrennt!
Dieses Bild könnte uns helfen, die Worte des Apostels Paulus zu begreifen.
Es geht und die Geheimschrift Gottes in unserem Leben.
Paulus sagt: Was Gott durch den Glauben in euch schafft, das ist eine Geheimschrift – sie ist verborgen. Aber das wird nicht immer so bleiben. „Wenn Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden in Herrlichkeit.“ Wenn Jesus am Ende der Welt sich offenbaren wird – das wird sein wie die brennende Flamme, die dann die Geheimschrift Gottes auf dem Papierblatt unseres Lebens sichtbar machen wird. Früher hat man ja noch fotografische Filme „entwickelt“. Da war zunächst auch nichts zu sehen. Wenn der Film mit der richtigen Chemie behandelt wurde, dann kamen die Aufnahmen ans Licht – was bis dahin unsichtbar war, das wurde offenbar.
Wir Christen tragen Gottes Geheimschrift. Unser Predigttext sagt das mit kräftigen Worten:
„Ihr seid mit Christus auferstanden.“ Wie und wann? Als ihr getauft wurdet. Paulus schreibt an die Römer: „Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft, auf daß, wie Christus ist auferwecket von den Toten …. auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6). Die Taufe ist der Anfang. Gott fängt an mit Seiner Tinte in unserem Leben zu schreiben. Als erstes wird unser Name im Himmel aufgeschrieben (Lukas 10, 20). Wir sind durch die Taufe dazu berufen und bestimmt, ewiges Leben von Gott zu bekommen. Ein Leben, das nicht vom Tod geprägt, bestimmt, überschattet und runtergezogen und entstellt wird.
Diese Wahrheit ist eine geheime Schrift. Sie ist nicht offenbar. Ohne den Glauben kann man sie nicht sehen. Der Glaube kennt sie aber. Das Osterevangelium ist auch ein Teil der Geheimschrift Gottes in unserem Leben. Wir tragen das Geheimnis in uns, daß Jesus, der Sohn Gottes, der gekreuzigt wurde, auferstanden ist. Die Mächte des Todes konnten ihn nicht halten. Die Mächte des Todes konnten seine Taten nicht ungeschehen machen, sie konnten seine Worte nicht zum Schweigen bringen, sie konnten seine Liebe nicht auslöschen.
Das ganze Leben, und alle Worte Jesu zeigen uns aber, daß er alles, was er war, nicht für sich selber war, sondern für alle. Seine Auferstehung ist eine ansteckende Auferstehung, und keine isolierte Auferstehung. Darum nimmt er alle mit, die an ihn glauben.
„Darum sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ Jesus ist dazu auferstanden, für immer Recht zu behalten. Der Auferstandene spricht und handelt im Namen, mit der Kraft – und das heißt: Mit der Endgültigkeit Gottes. Er spricht, er tut – und nimmt nichts zurück.
Das sollte uns interessieren. Brennend interessieren! Darum sucht, was überlegen ist, wo Christus ist. Sucht, was nach allem, was bleiben wird, wenn diese Welt vorbei ist. Alles, was wir sehen und fühlen, ist vergänglich. Alles, was wir begehren, ist jetzt schon vergänglich. Was bleibt? Alles, was Jesus in uns bewirkt. Daß wir glauben, daß wir lieben, daß wir hoffen – das ist nicht eine Wirkung der Welt. Es ist nicht eine Wirkung unserer Entscheidung, oder unserer Erziehung, oder unserer Kultur.
Glaube: Daß Gott unser himmlischer Vater ist, der uns gewollt hat und will. Daß Jesus unsere Fehler trägt und Vergebung eröffnet. Daß der Heilige Geist uns Mut macht und in eine Gemeinde einfügt. Das alles sind Buchstaben der Geheimschrift Gottes. Sie ist jetzt schon da, diese Spur, und sie ist es, was am Ende offenbar werden wird.
Weil wir es aber jetzt nicht so sehen können, wie wir alles andere sehen können, sollen wir es suchen. Wir sollen danach trachten. Auf jeden Fall sollen wir als Christen nicht so leben und denken, als würde es diese Geheime Schrift Gottes nicht geben.
Wie weit dieses Suchen und Trachten geht, sagen uns die Worte:
„Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“
Das klingt erst einmal widersinnig, paradox. Denn wenn die Gemeinde in Kolossä schon tot ist, warum schreibt Paulus ihr einen Brief? „Ihr seid gestorben.“ So etwas kann nur im Wort Gottes eine sinnvolle Aussage sein.
Kurz davor wird uns gesagt, wie es gemeint ist: „Wenn ihr mit Christus den Mächten dieser Welt abgestorben seid.“ (Kolosser 2, 20). Wie ist Jesus denn den Mächten dieser Welt begegnet? Wie trat er dem Pilatus, den Hohenpriestern, aber auch den Soldaten, dem Verräter? Jesus war völlig unbeeindruckt. Sie hatten keine Macht über ihn. Er blieb immer ganz derselbe, der er immer gewesen war. Wir müssen das ausweiten: Jesus war zum Beispiel vom Geld gänzlich unbeeindruckt, er war von der Macht des Augenscheins, von der Macht des Begehrens, der Angst, von allem, was uns so beeindruckt, und aufscheucht und umtreibt, völlig unbeeindruckt. Er war dem allem abgestorben. Er hat selber gesagt: „Ich lebe von dem, was Gott sagt.“ (Matthäus 4, 4; 5. Mose 8,3) Und an einer anderen Stelle sagt er: „Meine Speise ist die, daß ich den Willen tue meines Vaters im Himmel.“(Johannes 4, 34). Weil er das lebte – darum konnte niemand ihm das Leben nehmen, weder die Hohenpriester, noch Pilatus, oder die Soldaten. So war Jesus den Mächten der Welt abgestorben. Er war von ihnen unbeeindruckt.
Wir tragen die Geheimschrift Gottes in und an uns. Die kann uns niemand nehmen. Und sie wird am Ende bleiben. Sie ist unser verborgenes Leben. Wer auf Gott hört, der wird gewissermaßen für die Welt taub. Darum wollen Christen immer wieder Gottes Wort hören, weil sie dann mehr von der Geheimschrift an sich tragen, die offenbar werden wird.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:
Die Osterkerze leuchtet in der dunklen Kirche

Karfreitag

Das Lamm, das gewürget ist,
ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum,
und Weisheit und Stärke,
und Ehre und Preis und Lob.
Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, daß sie mit ihm hingerichtet würden.
33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig
37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?
41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!
43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei.
46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.
49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die
Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Lukas 23, 32-49

Gebet: O Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser, und gib uns deinen Frieden. Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute ist die Grundsteinlegung der Kirche. Zwischen Vorher und Nachher ist ein himmelweiter Unterschied. Karfreitag ist der EINE Tag, der aus der Menschheit nicht mehr weggedacht werden kann. Es gibt einfach zu viele Kreuze überall, wo die Menschen sind, die können nicht auf einmal gelöscht werden. Sie alle zeigen auf das eine Kreuz, an dem der Sohn Gottes, der König der Juden, der Messias Israels hing. Hier wird das Alte alt, und das Neue bleibt ewig neu. Hier beginnt die Zukunft, die Gott für die Menschheit festgelegt hat. Ein altes Lied zum Palmsonntag sagt: „Gott herrscht vom Holz herab.“ Vom Kreuz aus beweist Gott, daß er Gott ist. Das wird bis zum Ende der Welt jeden vor den Kopf stoßen. Das kannst du dir nicht ausdenken. Vor allem: Hier am Kreuz und heute am Karfreitag etabliert Gott nicht nur für die Menschheit allgemein, sondern für dich und mich Seine göttliche Schaltstelle, wo Er, Gott, alles zum Guten wendet, alles. Das Kreuz ist der Hebel, der jede Last bewegen kann und bewegen wird. Und die größte Last ist nicht der Tod, sondern das, was den Tod verursacht, und die Ursache eines jeden Todes ist die Anklage von Gottes Gesetz. Du hast Gottes Gebot übertreten. Das ist der Grund, warum du dein Leben verlierst. Wenn es Hilfe geben soll, dann muß es hier Hilfe geben. Wenn es eine göttliche Macht gibt, dann muß sie sich gegen diese Last, die uns alle so fürchterlich runterzieht, dann muß sie sich gegen diese Last beweisen.
Der Heilige Lukas hat Augenzeugen befragt, und einen Bericht über den Karfreitag für uns zusammengestellt. Ohne den vollständigen Beistand Gottes, des Heiligen Geistes, hätte Lukas nicht ein passendes Wort gefunden, ohne die Inspiration und Eingebung des Heiligen Geistes hätte Lukas keine zwei Wörter nebeneinander setzen können, ohne zu verstummen und zusammenzubrechen unter dem, was da geschah.
Lassen wir uns nun vom Bericht des Lukas leiten. Es ist ein Schritt mit dem Heiligen Geist nach dem anderen.
Es fängt schon damit an, daß Jesus mit zwei verurteilten Verbrechern gekreuzigt wird. Einen zur Rechten, und den anderen zur Linken. Jesus mitten drin. Mit dieser Gesellschaft präsentiert Jesus sich der Weltöffentlichkeit. Das ist die schwächste, hoffnungsloseste Öffentlichkeitsarbeit. Die Verbrecher sind dort, weil das Gesetz sie zwingt. Jesus ist dort, weil der himmlische Vater ihn sendet, und weil die Liebe ihn zwingt. Daß es Verbrecher gibt, ist alt. Leider aber auch immer wieder neu. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, fragten sich viele Menschen: „Hat die Menschheit noch nicht gelernt?“ Nein. Die Menschheit lernt nicht. Um dieses Alte alt werden zu lassen, geht Jesus unter die Verbrecher. Wenn Gott hier nichts Neues schaffen kann, dann gibt es eben nichts Neues. Über 500 Jahre früher hatte der Prophet Jesaja gesagt: „Er ist unter die Übeltäter gerechnet.“ (Jesaja 53, 12). Jesus geht ganz in das Alte, was nicht vergehen will, in die Sünde hinein. Da rekrutiert er, da sammelt er sein Volk.
Das Neue ist also: Der von keiner Sünde wußte, wurde für uns zur Sünde gemacht. So sagt es uns die Epistel, die wir eben gehört haben. (2. Korinther 5, 21). Gott der Vater hat Gott den Sohn zur Sünde gemacht; und Gott der Sohn hat das erduldet, gehorsam erduldet. Das ist wirklich ganz neu.
Dann kommt das Gebet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie machen Gott kaputt, und merken es nicht. So sind wir Sünder: Wir machen Gott kaputt und jammern dann, daß wir ihn nicht sehen. Das ist das Alte, was immer wieder neu ist. Es ist zum Verzweifeln.
Die Soldaten wußten ganz genau, was sie taten. Kreuzigen war ihr Handwerk. Sie waren Teil vom römischen System. Das System funktionierte. Das war alt. Aber es wurde nicht alt. Immer wieder aufs Neue kommen Systeme, die Menschen finden, die es nicht geben sollte. Alle vier Evangelisten sagen uns: Jedes System hätte Jesus gekreuzigt. Auch eine Demokratie. Das ist alt. Das Neue ist: Jesus vergibt ihnen. Er unterbricht den Teufelskreis von Rache, Vergeltung. Überhaupt ist Beten der Anfang von allem Neuen. Nicht-Beten, das ist alt. Jesus betet aus dem Nichts. Im extremen Leiden sieht er noch, wie die Soldaten sich selbst schaden, wenn sie ihn kreuzigen, und bittet seinen Vater, diesen Schaden zu verhindern. Das wird immer neu sein, immer ein Anfang. Dieses eine Gebet ist der Hebel. Im System der Welt wußten die Soldaten, was sie taten. Jesus betet, und fängt sein System an, es ist das Reich Gottes.
Die Soldaten behandeln ihn schon wie einen Toten: Sie würfeln um seinen letzten Besitz, seine Kleider. Das ist alt. Und immer wieder neu. Wehrlose werden beraubt. Das ungenähte Gewand hatte Jesus wahrscheinlich von seiner Mutter. Jetzt bestimmt der blinde Zufall, wem es gehören soll. Die Liebe darin wird brutal gelöscht. Das ist alt. Das Neue ist: Jesus betet einen Psalm, der genau das beschreibt: Sie teilen meine Kleider unter sich, es ist Psalm 22. Sie wissen nicht, was sie tun, sie erfüllen eine Prophezeiung. Danke, Soldaten! Noch ein Beweis, daß Jesus von Gott kommt! Das ist neu. Jesus lebt noch, und wir schon wie ein Toter behandelt. Jesus nimmt diese Unmenschlichkeit auf sich, damit Gott alle finden kann, die darunter begraben sind. Er nimmt das auf sich, um die Verlorenen zu finden, die ihre Identität verloren oder selbst zerstört haben. Das ist etwas Neues, das nicht alt werden kann. Das ist gut für uns alle. Auf jeden Fall für die, die fühlen, wie ihre Identität ihnen entgleitet, und keiner ist da, das aufzuhalten. Der Sohn Gottes ist schon da. Die Soldaten befördern ihn dort hin. Da findet er die verlorenen Seelen. Das ist neu, und wird immer neu bleiben.
Dann kommt der Spott. Die Hohenpriester stimmen auf einmal mit den Massen überein, ja sie stimmen mit den Verbrechern überein, mit denen sie sonst niemals zu tun haben würden: „Andern hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen!“ In seinem Leiden leistet Jesus die größte Inklusion aller Zeiten. Hohepriester, Verbrecher und die Leute da draußen. Sie sind sich alle einig über ihn. Im Spott. Das ist alt. Und immer wieder neu. Das Alte triumphiert: Jesus hat doch nichts Neues gebracht! Es bleibt alles beim Alten. Das Böse siegt immer. Dann lieber spotten. Ist es nicht furchtbar? Die größte Ökumene ist die der Spötter, der Zyniker: Helfen lohnt sich nicht, am Ende ist der Helfer der Dumme. Das ist das System der Welt. Die Spötter sind aber die Erbärmlichsten, die am dringendsten Hilfe brauchen. Jesus sieht das, und im Leiden schafft er ihnen Hilfe. Das ist neu. Die Spötter werden alt aussehen. Neu wäre es, wenn sie dann seine Hilfe annehmen.
Schließlich berichtet uns der Evangelist zwei Wunder. Wir erleben mit, wie Gott der Vater das Gebet seines Sohnes schon erhört. Wir hören von zwei Menschen, die Jesus in sein Reich aufnimmt in der letzten Stunde seines Lebens. Der erste ist der Schächer, der neben ihm hängt. Er ist genau das Menschenmaterial, das Jesus für sein neues System sucht: Dieser Verbrecher, der sein Leben nie wieder gut machen kann. Es ist ein weggeschmissenes Leben, dem Terror gewidmet. Dieser Mann sagt: Ich hänge zu recht hier. Dieser Jesus aber nicht. Das ist neu. Dann sieht er auch noch, daß Jesus hier der wirklich mächtige ist: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Er sieht und spürt, wie das Alte alt wird, und erkennt, daß Jesus das Neue, das Ewige bringt. „Denk an mich!“ Mehr nicht. Aber das ist der Anfang. Und Jesus antwortet: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Der, den das System der Welt schon abgeschrieben hat, aufgegeben – der spricht hier als der Herr des Paradieses, als der, der die Macht hat, Seelen ins Paradies zu bringen. Das ist neu, das wird nicht mehr alt. Dieses: „Gedenk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ – diese Worte hat der Heilige Geist aus dem Nichts in das Leben des Schächers hineingesprochen. Da hat die Kirche angefangen, der wir heute angehören. Das ist der Anfang der neuen Schöpfung, die nicht veralten wird.
Der zweite Kandidat ist der Hauptmann, der Offizier, der dafür gesorgt hat, daß auf Golgota richtig gekreuzigt wird. Der Verbrecher war gegen Rom, dieser Hauptmann repräsentierte Rom. Im System der Welt waren sie Gegensätze, Feinde. Aber hier werden sie in das neue System Jesu eingefügt. Der Schächer sagt: „Dieser hat nichts Unrechtes getan.“ Und der Hauptmann sagt: „Fürwahr, dieser ist ein frommer Mann gewesen.“ Das sagt ein Offizier. Offiziere sind äußerst sparsam mit anerkennenden Worten. Damit gibt er ja zu: Ich habe Unrecht getan. Wenn es wieder gut werden soll, dann kann das nur Gott machen.
Das sind die Mitgliednummern 1 und 2 von unserem Verein. Ein Terrorist und ein Folterer. Sie stehen dafür, daß das Alte endlich alt geworden ist, und daß das Neue bleiben wird.
Wenn Gott mit ihnen unter dem Kreuz etwas anfangen konnte, dann doch auch mit dir.
Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

The Crucifixion
Francesco Botticini (1446–1497) (attributed to)
The National Gallery, London

Gründonnerstag

Das Lamm, das gewürget ist,
ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum,
und Weisheit und Stärke,
und Ehre und Preis und Lob.
Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

16 Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
17 Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Korinther 10, 16-17

Gebet: O Jesus Christus, unser lieber Herr, Du Brot des Lebens, Speise für unsere Seelen – hilf uns heute abend, Deine mächtige Liebe in dem Sakrament des Altars zu erkennen und anzunehmen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Eine junge Christin war in Indien als Touristin unterwegs. Es war eine andere, eine faszinierende Welt, und das in vielen Hinsichten. So kam sie zu einem Tempel, der besonders beeindruckend sein sollte. Hier wurde aber erwartet, daß man beim Eintreten etwas Erde, die der Gottheit geweiht war, auf die Zunge bekommt, um dann eintreten zu können. „Was ist schon dabei? Ich glaub ja nicht daran!“, und schon hatte sie den trockenen Staub im Mund und geschluckt und war durch die Tür und schaute sich die Bilder, Farben und Figuren im Inneren des Tempels an. – Was ist schon dabei?! – Der Körper und die Seele haben da ihre eigenen Gesetze. Sie erzählte mir, daß sie danach eine Bindung und eine Belastung spürte, von der sie erst wieder frei war, als sie diese Begegnung vor Gott aussprach und sich davon lossagte. Es war nur ein wenig Erde, es ging nur um eine kleine aufregende Besichtigung, und doch war es größer, auf jeden Fall größer als sie. Sie konnte diese Begegnung nicht einfach als ein Urlaubserlebnis unter anderen ablegen und wie ein Foto einkleben. Es war eher so, als würde sie die Macht verlieren, und sie als Person würde in ein anderes Album geklebt werden. Großer Unterschied! Ungefähr so groß wie: Nicht ich verdaue das Essen, indem ich es in mein Leben integriere, sondern mein Leben wird in eine andere Wirklichkeit integriert.
Heute abend hat Jesus eine Speise und einen Trank – und ein Essen und ein Trinken eingesetzt. In der Nacht, als er dem Tod übergeben wurde – von Judas, dem Verräter, von den Hohenpriestern, von Pilatus, von den Soldaten, von dem Volk – alle alle allesamt stimmten ein: Dieser Mensch muß weg! Und Jesus hat es ja kommen sehen! In dieser Nacht, als seine Vernichtung an Leib und Seele schon beschlossen war, und auch sein Gedächtnis ausgelöscht werden sollte, brachte Jesus seinen Leib und sein Blut dorthin, wo er, und wo Gott selbst, den Leib und das Blut haben wollte. Nach dem Willen des Pontius Pilatus, der Hohen Priester und des Volks sollte dieser Leib namenlos verwesen, ins Nichts hinein, und alles sprach dafür, daß das so kommen würde. Doch Jesus legt fest: „Mein Leib, der für euch aus Liebe und in Freiheit gegeben wird, gehört allen, die zu mir gehören. Mein Blut, in dem das Leben ist, das als ein Opfer bewußt und freiwillig vergossen wird, das gehört allen, die zu mir gehören.“ Vor den Augen der Welt wird er am Kreuz vernichtet, aber in den Augen Gottes und in den Augen des Glaubens geschieht dieses Opfer der Liebe. An diesem Abend legt Jesus fest, daß Seine Liebe nicht zerstört werden soll durch alles, was Menschen tun, in dieser Nacht, morgen am Karfreitag.
Jesus bleibt der Herr über Seinen Leib und Sein Blut. Kein Mensch, aber auch keine Tat, keine Macht, auch nicht der Tod, bestimmen über diesen Leib und dieses Blut. Jesus ist aus dem Grab auferstanden, mit einem verklärten Leib, der auch Blut in sich hatte.
Denken wir daran, wenn wir nun noch einmal hören, was Paulus schreibt:
„Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“
Schon Paulus hat in seiner Gemeinde den Kelch genommen, der mit Wein gefüllt war, und hat ihn gesegnet. Wie? Mit den Worten, die er empfangen hatte, mit den Einsetzungsworten, die auch wir heute abend hören werden. Paulus hat das getan, weil Jesus selbst, als er das Neue Testament festlegte, gesagt hatte: „Solches tut zu meinem Gedächtnis!“. Das war ein Befehl, ein Befehl unter der Macht des HERRN, der sich aus Liebe geopfert hatte, und dessen Liebe über den Tod triumphiert hatte. Unter dieser Macht hat Paulus den Kelch und das Brot gesegnet. So wie wir es auch tun, so hat er die Worte aus dem Evangelium wiederholt. Dort hören wir, daß Jesus selbst auch den Kelch nahm, dankte, und sprach: „Trinket alle daraus, das ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen ist zur Vergebung der Sünden.“ Durch den Segen, durch die Einsetzungsworte wird der Kelch unter die Macht der Person gestellt, die diese Worte gesprochen und festgelegt hat. Natürlich auch sein Inhalt, der Wein. Jesus bestimmt, was dieses Brot und was dieser Wein ist.
Mit der Segnung, der Konsekration, werden auf Befehl des Herrn Jesu Brot und Wein ausgesondert, beiseite gelegt, ausgewählt für einen klar festgelegten Zweck. In der Liturgie soll das klar und deutlich sein. Die Elemente werden in besondere Gefäße getan und auf den Altar gelegt.
Oft wird gesagt und gefragt: Ja, aber war das denn in der Nacht, da er verraten war, auch so? Hatte Jesus silberne, oder sogar goldene Gefäße? Haben die Jünger gekniet? Und so weiter … Der große Unterschied ist einfach: Sie hatten Jesus leibhaft vor Augen, damit war alles besonders und heilig. Außerdem erfaßten die Jünger noch nicht, was da geschah. Sie rechneten ja mit nicht mehr, als mit einem Passamahl, wie es jedes Jahr gefeiert wurde. Liebe Gemeinde, wir wissen, daß dieses Mahl anders ist, als alle anderen Mahlzeiten, und darum ist das Geschirr anders, unsere Haltung anders. Darum werden der Glaube und die Liebe zu Jesus das mit Ehrfurcht zum Ausdruck bringen. Was wir da essen und trinken, das kommt von ganz ganz oben. Sollte ich da nicht niederknien? Soll es meinen Augen nicht gezeigt werden, daß es ein Schatz ist? Wenn ein Ehrengast kommt, dann zeige ich das in dem, was ich anziehe, ich räume auf, ich mache ihm Platz, so gut ich kann. Jesus ist der Ehrengast über alle Ehrengäste. Sollen irdische Ehrengäste es besser haben, als der Sohn Gottes?
Der Kelch wird gesegnet – mit Worten Jesu wird ausgesondert. Das Brot wird gebrochen – damit wird es zur Mahlzeit bestimmt, zur Austeilung. Das Brotbrechen hat keine symbolische Bedeutung: Etwa so wie das Brot jetzt gebrochen wird, so wurde Jesu Leib gebrochen. Man hört das immer wieder. Dabei sagt der Evangelist St. Johannes ausdrücklich, daß ihm kein Bein gebrochen wurde (Johannes 19, 35-36). Dem Brechen des Brotes entspricht das Einschenken des Weins – das wird ja auch nicht als Symbol für das Blutvergießen vorgeführt.
Und nun das große Wort: „Gemeinschaft“.
Der Kelch: ist der nicht die Gemeinschaft am Blut Christi?
Das Brot: ist es nicht die Gemeinschaft am Leib Christi?
Es wird auf jeden Fall eine Verbindung hergestellt. Die Elemente, Brot und Wein, schaffen durch die Einsetzung Jesu eine Verbindung zu Seinem Leib und zu Seinem Blut. Paulus spricht hier nicht von Gedanken oder Vorstellungen. Das Abendmahl ist nicht in erster Linie dazu da, Gedanken oder Vorstellungen herzustellen. Das ist eine Wirkung, aber nicht die Sache selbst. „Gemeinschaft“ heißt hier: Ich habe Anteil am Leib und Blut Christi. Es wird mir zu essen und zu trinken gereicht. Es wird Meins.
Vergessen wir aber nicht, daß Jesus die Macht über seinen Leib und sein Blut niemals abgibt oder verliert. Also wird das Sakrament nicht zu etwas, was ich daraus für mich mache. Es bleibt das, was Jesus daraus gemacht hat. Darum bekennt unsere Kirche auch, daß nicht nur die Gläubigen Jesu wahren Leib und wahres Blut im Abendmahl empfangen, sondern alle. Die einen zum Segen, die anderen zu ihrem Schaden.
Jesus ist als Person da. Aber er hat festgelegt, daß er als Leib und Blut da ist. Leib und Blut werden nur durch Gewalt voneinander getrennt. Das geschah beim Opfer. Jesu Tod, bei dem sein Leib und sein Blut getrennt wurden, war sein Opfer. Jesus will ungetrennt von seiner Opfertat bei seiner Gemeinde, bei uns sein. Die Gemeinschaft mit Ihm ist immer auch die Gemeinschaft mit seinem Opfer. Wir haben da keine Wahl! Nur so können wir Jesus haben – so, oder überhaupt nicht.
Was heißt es nun, Gemeinschaft an Jesu Opfer zu haben?
Die wichtigste Bedeutung ist: Die Liebe zu uns, die Jesus getrieben hat, diesen Weg für uns zu gehen, diese Liebe meint wirklich mich und dich, sie gilt uns, sie gehört uns. Diese Liebe findet sich in der Vergebung für unsere Sünden. Dafür hat Jesus sich ja geopfert. Daß es Vergebung für uns gibt. Wer das Abendmahl empfängt, der bekennt damit: Ich brauche Vergebung. Wer so lebt, daß es sich von Gott nichts sagen läßt, und mit seinem Nächsten unbarmherzig ist, der zeigt damit: Ich brauche keine Vergebung, der muß sich fragen, was er eigentlich beim Abendmahl sucht.
Die Gemeinschaft am Opfer Jesu bedeutet deshalb auch: Ich erkenne mich wieder in denen, die Jesus ausgeliefert und ans Kreuz gebracht haben. Mein Leben, meine Gedanken, meine Worte und meine Taten beweisen es: Ich wäre nicht besser gewesen als alle in der Passionsgeschichte. Unser Gesangbuch spricht das klar aus: „Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen, so schändlich zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder wie wir, und unsere Kinder, von Übeltaten weißt du nicht. – Ich bin’s, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen, gebunden in der Höll …“. Oder an anderer Stelle: „Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen …“. Das ist nicht hochfliegende Poesie. Wenn wir glauben, daß Jesus da ist, und daß wir ihm begegnen, dann ist dieses Bekenntnis Teil der Begegnung.
Doch das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist die Heilung, die Vergebung, der Freispruch. Jesus ist das Lamm Gottes, das uns die Last abnimmt. Er kommt, um die Anklage zum Schweigen zu bringen.
Die Gemeinschaft am Brot und am Kelch bringt auch mit sich, daß die Teilhaber daran sich nicht verzweifelt an die Güter und Freuden dieses Lebens klammern, als gäbe es nichts danach. Die Gemeinschaft am Opfer Jesu schließt ein, daß auch wir zum Opfer bereit sind. Das Wertvollste haben wir schon, und nichts kann uns davon trennen. Das wird uns tragen und trösten, wenn wir in diesem Leben einmal verzichten müssen.
Liebe Gemeinde! Wäre es nicht traurig, wenn wir das Abendmahl feiern und empfangen würden, ohne diese großen Wahrheiten zu wissen? Ist es aber nicht auch so, daß kein Mensch von selbst auf diese Wahrheiten kommen kann? Darum finde ich es richtig, wenn wir vor einer Zulassung zu Abendmahl auf eine Verständigung dringen. Ich würde diese Verständigung gern noch viel gründlicher pflegen! Manche stören sich daran. Ich kann nicht verstehen, warum. Ein Christ wird doch gerne bezeugen, was er glaubt! Es gibt auch Christen, die mit Überzeugung vor dem ersten Abendmahlsempfang als Gäste zu mir kommen, und über diese Dinge sprechen. Es ist eine kostbare Gelegenheit für jeden Christen, mit Verantwortung zu tragen für diese Glaubensgeheimnisse, die uns anvertraut sind!
Die junge Frau, die in Indien ein wenig Staub vom Götzentempel nicht gut verdauen konnte, mußte merken: „Dies alles ist größer als ich!“
Beim Abendmahl soll alles darauf hindeuten, wie groß das ist, was da passiert.
Der gesegnete Kelch und das gesegnete Brot fügen uns ein die die große Tischgemeinschaft des Sohnes Gottes. Nicht wir verdauen das Sakrament, sondern das Sakrament veredelt uns. Etwas Größeres kann es nicht geben. Eine Tischgemeinschaft, die der Raum nicht begrenzen kann, auch nicht die Zeit. Wir haben dieselbe Begegnung, dieselbe Vergebung, denselben Trost wie die Apostel, wie alle Christen bisher – und auch mit denen, die noch kommen. Diese Tischgemeinschaft ist getragen von dem, der sich für einen jeden von uns feierlich entschieden hat, und alles getan hat, daß die Gemeinschaft nicht kaputtgeht.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Byzantinisches Mosaik der Fußwaschung der Jünger in der Kathedrale von Monreale , Italien

Judika

Das Lamm, das erwürget ist,
ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum
und Weisheit und Stärke
und Ehre und Preis und Lob.
Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, daß du für uns tust, um was wir dich bitten werden.
36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, daß ich für euch tue?
37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, daß wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?
39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;
40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Markus 10, 35-45

HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
„Ihr wißt nicht, was ihr bittet!“ – „Es ist nicht das, was du denkst!“
Johannes und Jakobus wollen dabei sein, wenn Jesus sein Reich verwirklicht. Sie wollen sich einbringen, wenn Jesus anfängt, seine Macht, seinen Willen endlich wirklich umsetzt. Ganz nahe! „Einer zur Rechen und den anderen zur Linken in deiner Herrlichkeit.“ Wir denken gleich: Die wollten Privilegien, sie wollten mit von dem Schein einfangen, der von Jesus ausgehen würde, ganz oben an sein, am Zentrum der Macht. Es gibt das. Das Menschen ein Gespür haben für Macht, und sich dann dranhängen und anpassen und einbringen, in der Hoffnung, daß sie ihr Leben absichern in jeder Hinsicht.
Aber überlegen wir kurz: Johannes und Jakobus hatten bis dahin Jesus gute drei Jahre begleitet. Sie hatten gesehen und gehört, wie Jesus wirklich Gutes tut. Jesus hat gepredigt wie kein anderer Mensch. Er hat die, die jeder übersieht, oder mit denen niemand klarkommt, beachtet, ja die Verlorenen gesucht und gefunden. Heilungen und Wunder. Ja, und nicht zu vergessen: Er hatte klare Antworten für die Überheblichen, für die Arroganten. Jesus war von keiner Macht beeindruckt.
Johannes und Jakobus konnten sich das nicht anders vorstellen: Wenn Jesus an die Macht kommt, dann wird es genau so weitergehen – also mindestens! – Das Reich Gottes konnte doch nur so aussehen, wie Jesus das bisher angedeutet hatte. Auch wir hätten uns das nicht anders vorstellen können. Das alles – Wunder, Heilung, Wort Gottes, das direkt vom Himmel zu Herzen geht – das alles, und noch viel mehr! Wer wollte da nicht dabei sein? Wer wollte da nicht sich voll und ganz einbringen, es unterstützen, und sich mitfreuen, wenn mehr geheilt wird, wenn mehr Hungernde gespeist werden, wenn mehr Erschrockene getröstet werden, wenn mehr Verlorene gefunden werden?
„Ihr wißt nicht, was ihr bittet!“, sagt Jesus. „Es ist nicht das, was ihr denkt“, sagt Jesus.
„Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“ – Der Weg zum Königsthron sieht anders aus, als ihr denkt! Der Übergang zur Macht wird nicht eine glatte Steigerung, nicht eine bequeme Aufwärtsbewegung sein. Es gibt da einen Kelch, es gibt da eine Taufe. Die biblische Sprache deutet damit Schweres, Hartes, Bitteres, Schmerzhaftes an.
Jesus hatte bis dahin mehrfach seinen Jüngern klargemacht, daß der Menschensohn würde leiden, ja auch sterben müssen. Johannes und Jakobus werden schon geahnt haben, daß Taufe und Kelch in diesem Fall kein Zuckerschlecken bedeuten.
Aber sie waren entschlossen, sie waren bereit. Ist doch klar – wenn es um Gottes Sache geht, dann muß man bereit sein, etwas auf sich zu nehmen. Sie hatten schon mitbekommen, daß Jesus im Kampf stand, daß er Feinde hatte, die sein Reich unbedingt verhindern wollten.
„Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir.“ Sie trauen es sich zu.
Wissen sie jetzt, was sie bitten?
Liebe Gemeinde, wissen wir, was wir bitten, wenn wir im Reich Gottes dabei sein wollen? Wenn wir bereit sind, im Reich Gottes eine Aufgabe übernehmen? Als ich mich für das Predigtamt entschied, da hatte ich auch Vorstellungen: Dienst am Wort Gottes in Seiner Gemeinde. Das kann nur eine Freude sein. Seelsorge, Unterricht, Kirchenmusik, Liturgie …. es war eine schöne Aussicht für mich. Daß es auch mühsam sein könnte, das dachte ich mir schon. Ich war bereit. Aber wußte ich, was ich bitte, worauf ich mich einlasse?
Jesus macht Johannes und Jakobus klar: Er, Jesus, ist nicht derjenige, der von Oben nach Unten Privilegien verteilt. „Zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.“ Im Machtbereich Jesu sortieren sich die Verhältnisse einfach anders. Wer dabei sein will, wenn Jesus, der Sohn Gottes seine Macht ausübt, der wird auf ganz andere Weise befördert und an seinen Platz gebracht.
Doch zunächst hören wir, wie die anderen Jünger reagieren:
„Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.“ Was? Die beiden wollen höher stehen als wir? Sie wollen im Vorfeld in geheimen Verhandlungen sich ihren Platz sichern? – Unmöglich!! – Aber warum eigentlich? – Wollten sie selber einen Ehrenplatz haben? Wollten sie Johannes und Jakobus nicht über sich akzeptieren?
Keiner der Zwölf wollte ganz unten sein. Das war jetzt klar.
Darum muß Jesus sie noch einmal beiseite nehmen.
„Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.“
Nicht nur Johannes und Jakobus, sondern alles 12 Jünger hatten nun offenbart, daß sie vom Reich Gottes, von der Macht Jesu noch nichts begriffen hatten. Wer nach oben will, der wird Jesus dort nicht antreffen. Das ist so, wie wenn man Jesus oben in der Kapitänsbrücke eines Schiffes vermutet und sucht, und er ist unten im Maschinenraum.
Jesus hat eine andere Macht, und die übt er anders aus.
Die Jünger hatten bis jetzt nur die Spitze des Eisbergs gesehen. Die schönen und guten Erlebnisse mit Jesus waren die Spitze des Eisbergs. Das alles aber war getragen von dem, was Jesus im Verborgenen tat und erlitt.
Während Jesus zum Beispiel einen Blinden heilte, trug er in sich die große Last, daß Gottes Schöpfung so angetastet war. Der Sohn Gottes durchlitt die Finsternis, die sogar sehende Menschen in sich hatten. Er heilte ja die Blinden, um den SEHENDEN die Augen zu öffnen. Denn wer nicht überall Gott selbst am Werk sieht und Gott unablässig dankt und preist, der ist bei sehenden Augen blind.
Jesus sprach zu solchen, die sich für sehend halten: „Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.“ (Johannes 9, 41). Jesus trägt die Gottesferne, die Blindheit für Gott, er begibt sich unter sie, mit unendlicher Geduld.
Jede Heilung, jede Predigt war im Verborgenen ein Kampf für uns Menschen an einer Stelle, die wir nicht merken. Ein Kampf gegen den Unglauben. Das ist der schwerste Kampf. Es ist ein blutiger Kampf. Das Kreuz, das Leiden, diese ganze Schrecklichkeit ist der Eisberg, der im Verborgenen die Wunder und alles Positive des Reiches Gottes trägt und hervorbringt.
Jesus übt Macht aus durch Dienst.
„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ Er ist wie ein Arzt, der um das Leben eines Patienten kämpft, und dabei oft noch gegen den Patienten kämpfen muß. Es muß tiefer gehen als unsere Dummheit. Er muß tiefer gehen, als unseren Egoismus, er muß tiefer gehen, als unsere Trägheit. Da tut Jesus sein Ding, das ist sein Reich.
Am Karfreitag wird das offenbar, was schon die ganze Zeit passiert. Jesus betet für uns alle: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Wir sind alle auf der Seite von den Hohenpriestern, Pilatus, den Soldaten, den Spöttern …. unser tägliches Verhalten beweist das. Denn jeder, der oben sein will jeder, der die beneidet, die oben sind, handelt so.
Johannes und Jakobus mußten noch erkennen, daß Jesus noch einen großen Dienst an ihnen vorhatte. Sie mußten noch erkennen, daß die verborgene Masse des Eisbergs sie erreichen mußte. Dieser unglaubliche Dienst des Sohnes Gottes, der sich unter die Last begab, bis dahin, daß er sein Leben hingab.
Wer von uns ist denn bereit, einzusehen, daß dieser Dienst für sich notwendig ist?
Im Reich Gottes, ja auch in der Gemeinde im Gottesdienst ist es auch so. In der unsichtbaren Welt ist kein anderer als Jesus selbst durch sein Kreuz damit beschäftigt, uns zu dienen, uns zu heilen, unsere Augen aufzutun, uns an Leib und Seele zu speisen. Da ist seine Macht.
Und man kann wirklich die Erfahrung machen: Wenn ich diese Macht der Gnade einmal erlebt habe, dann sehe ich die Gemeinde, die Kirche, den Gottesdienst, mit anderen Augen. Jesus sammelt und sortiert anders als die Welt, anders als die Mächtigen dieser Welt.
Wer im Reich Gottes eine Aufgabe hat, der wird an Stellen dienen müssen, mit Schwächen kämpfen, da würde die Welt der Mächtigen sich an den Kopf fassen. Aber wir wissen, Jesus ist noch tiefer, noch geduldiger …. mit mir.
Im Reich Gottes wissen wir das voneinander, früher oder später. Das ist keine Drohung, sondern ein unerschütterlicher Trost.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

Okuli

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.
2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!
3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.
4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.
5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß!
6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
7 Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.
9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia?
10 Er sprach: Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, daß sie mir mein Leben nehmen.
11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.
12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.
13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

1. Könige 19, 1-13

HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Schon wieder ein ernster Predigttext! Doch ernste Dinge wollen angesprochen werden. Wir müssen wissen, daß wir mit den ernsten, schweren Dingen nicht alleine fertig werden müssen, oder auch können.
Ein lebensmüder Prophet, der Gott bittet, zu sterben: „Es ist genug! So nimm nun, HERR, meine Seele! Ich bin nicht besser, als meine Väter.“
Das ist jetzt nicht deine oder meine Depression. Hier ist einer, der alles gegeben hat – nur für Gott. Elia hatte ohne menschliche Rückendeckung das Volk Israel zu Gott zurückgerufen. Er hat am eigenen Leib den Zorn von Menschen erlitten, die keinen Gott über sich anerkannten, sich nichts sagen ließen, und aus ihren Begierden eine Religion nach der anderen machten. Elia hat im Namen des HERRN, des Schöpfers Himmels und der Erde, gegen Baal gekämpft.
Baal – Ein Götze, der Erfolg, Reichtum, Fruchtbarkeit, Rausch, Wollust versprach, der das Begehren der Menschen nach alledem ganz und gar als berechtigt bejahte und gegen Opfer alle Wünsche erfüllte. Das Leben ist erst wirklich, wenn ich es steigere, intensiviere. Leben an sich ist nichts, es muß Erfolg her, es muß Besitz her, alle Sinne – die Augen, die Ohren, der Gaumen, die Zunge – die müssen alle durch intensive Erfahrungen überwältigt und in Rausch gebracht werden. Der Mensch lebt erst, wenn sich alles steigert, groß wird, viel wird, immer mehr, immer krasser. Das hat seinen Preis. Opfer sind nötig, den Götzen herumzukriegen. Aber die Opfer nimmt der Mensch gern auf sich, wenn er glauben darf, daß der Götze, diese unheimliche Macht, seine tiefen Sehnsüchte versteht und bestätigt.
„Du willst das? Du kannst nicht anders? Ich versteh das.“ So spricht Baal. Gott spricht anders.
Die rauschhaften Opfer und Feste ließen es fühlen: Hier ist alles möglich! Die Erfüllung meiner Sehnsüchte ist in Reichweite, das Ende meiner Sorgen ist nahe!
Das war unwiderstehlich, wie eine Hypnose. Israels König Ahab hatte eine Frau geheiratet, die kannte sich damit aus, Isebel. Ein König, der die Bedürfnisse des Volkes eins zu eins bediente, wenn das kein Programm war! Da war der eine Gott Israels mit Seinen Geboten aus dem Sinn verschwunden. Ja – irgendwie durfte er sicher vorkommen, aber den Baal durfte niemand aufhalten.
Dann kommt Elia. Er ruft zurück. Gegen die ganze Hypnoseist es schier aussichtslos. Doch schließlich kam es zu dem Showdown auf dem Berg Karmel. – Gott der HERR, oder Baal!
Gott ließ ein Wunder für Elia geschehen. Die Baalspriester sahen auf einmal alt aus. Der Prophet hat sie auf Gottes Befehl alle getötet. Ein furchtbarer Auftrag. Im Neuen Testament gibt es das nicht, aber die Wahrheit, für die Elia kämpfte gegen den Baal, die gilt auch im Neuen Testament.
Jetzt hatte Israel einen spektakulären Beweis für Gottes Überlegenheit. Das Volk akzeptiert das. Aber die Mächtigen nicht. Isebel, die Königin, droht Elia mit dem Tod.
Und dieses Mal stellt Elia sich nicht, sondern läuft „um sein Leben“ – um seiner Seele willen. Nicht aus Angst.
Elia denkt: Wenn ein eindeutiges Wunder die Königin nicht überzeugt, dann muß Gott selbst an ihr handeln.
Propheten haben es nicht leicht.
Elia hat alles gegeben. Aber das Ergebnis ist: Die Bosheit läßt sich nicht überzeugen. Elia bekommt einen Einblick in die Macht, die das Böse über Menschen haben kann. Wie Menschen alles dem Götzen in den Dienst stellen. Den Verstand, die Gefühle, die Macht, alles. Es gibt keine Schwachstelle. Wer mit Gott unterwegs ist, kann solche Erfahrungen machen.
Elias muß weg. Er braucht neue Klarheit. Wie kann es weitergehen? Hat Gott überhaupt noch etwas mit ihm vor? Ist er zu weit gegangen?
Ganz allein in die Wüste, in die Einsamkeit. Ganz allein mit seinen Gedanken und Gefühlen, seinen Erinnerungen.
Die Einsamkeit macht, daß man seinen eigenen Gedanken immer mehr glaubt. Die eigenen Gefühle sind die ganze Wirklichkeit, es scheint nichts anderes zu geben.
„Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.“ Er sieht keinen Weg mehr – NACHDEM er schon Dinge getan hatte, die für einen Menschen über die Kraft gehen! Das ist keine Lebensmüdigkeit, die von Torheit oder Götzendienst kommt. Er leidet das alles, weil er Gott gedient hat.
Es ist alles vergeblich. Die Menschen bleiben, wie sie sind. Gottes Wort wirkt nicht. Baal hat zwar nicht Himmel und Erde geschaffen, aber die Herzen besitzt er, und die Gedanken gängelt er, die Lüge verdreht jede Wahrheit.
Elia sieht nicht mehr, was Gott tut. Vielleicht hatte er sich zu genau ausgemalt, wie die Königin Isebel ihm Recht gibt, und mit der Baal-Religion aufhört. Und das Gegenteil war gekommen.
Ohne es zu merken, machen wir Gott auch Vorschriften, oder lassen Erwartungen bei uns zu: Gott muß doch …. oder wenn Gott nicht jetzt, oder bald, …. dann ….. Und das führt dazu, daß wir nichts anderes mehr sehen können.
Elia sieht keinen Weg mehr. Leib und Seele verweigern sich.
Er schläft. Seine Gedanken schweigen, die inneren Stimmen verstummen, die Szenarien und Bilder, die er immer wieder beschwört, die knallhart beweisen, daß es keinen Weg gibt, diese Bilder weichen. Solch ein Schlaf ist eine Gabe Gottes. Nehmen wir ihn dankbar an!
Das nächste ist ein Engel. Ein Brot, ein Wasser. Keine Lösung für die Weltgeschichte, oder für das Volk Israel, kein Programm gegen Baal. Sondern eine Kleinigkeit für Elia. Eine göttliche Kleinigkeit. Mit Sterben ist erstmal nichts, Elia, soviel ist klar.
Ein Wink von Gott, wie ein Gruß. Doch dieser Gruß meint Elia. Den erschöpften, verschmachteten, verzweifelten Elia. Dieser Elia ist Gottes Elia. Gott kann das, in Kleinigkeiten ganz da sein. Gott erhört Elias Gebet – aber ganz anders – nicht mit dem Tod, nicht mit der Bekehrung von Isebel, sondern mit dem Zeichen: „Nimm das: iß, trink, ich will, daß es dich gibt.“
Einmal schläft Elia noch. Und noch einmal schickt Gott einen Engel. Noch bevor die Zweifel, die Bilder, die Stimmen zurückkommen können, noch einmal Brot und Wasser. Erst jetzt hört Elia: „Du hast einen weiten Weg vor dir.“
Und dann geschieht das Ungeheuerliche: 40 Tage und 40 Nächte
geht er „in der Kraft der Speise“. Die Kraft der Speise ist, daß sie eine Kleinigkeit von Gott ist. Das können wir nicht diätetisch ausrechnen. Unsere Seele kann Kräfte empfangen und dem Leib weitergeben. Wenn Gott sie anspricht, ist alles möglich.
Elia kommt zu dem Berg, wo Gott durch Mose das Gesetz gegeben hatte, wo Gott den Bund mit seinem Volk Israel geschlossen hatte. Für den Glauben können Orte sprechen – oder doch helfen sie, sich zu erinnern, daß Gott gesprochen hat. Mose wurde auch einmal von Israel enttäuscht, Israel hatte sich das goldene Kalb zum Gottesbild gemacht. Da ging Mose auch in eine Felskluft und sagte: Gott, laß mich deine Herrlichkeit sehen. (2. Mose 34).
Gott fragt jetzt Elia: Was tust du hier? – Das ist kein Vorwurf. Diese Frage ist wie das Wasser und das Brot eine göttliche Kleinigkeit. Elia soll reden, aber nicht mehr im sinnlosen Selbstgespräch, sondern vor seinem Gott.
„Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, daß sie mir mein Leben nehmen.“ Er sagt es, wie es ist. Wie es für ihn ist. Wie alles gegen Gott spricht. Wie Gott scheinbar nichts tut. Wie die Macht der Lüge und des Bösen ungehemmt triumphiert.
Könnten wir das? Ganz ohne Filter? Wenn man über das Gebet spricht, dann kann man sich über Bitten und Danken verständigen, auch über Loben. Aber Klagen? „Es hilft nicht, zu klagen!“ Oh wie anständig das klingt! Elia zeigt uns: Klagen hilft ganz gewaltig. Klagen vor Gott, natürlich. Aber so richtig.
Faktenchecker werden feststellen, daß nicht alles stimmt. Elia war nicht allein. Gott wußte von 7000 in Israel, die nicht ihre Knie vor dem Baal gebeugt hatten. Aber das macht nichts. Elia klagt. Er klagt über die Gottesferne vor Gott. Das sollte mehr passieren. Vor Gott. Aus unserem Herzen. Klagen darüber, daß Baal sich so durchsetzt, und wir Christen ihn schon respektieren, einfach, weil er die Menschen so im Griff hat. Klagen, daß Gottes Wort uns so unklar vorkommt, oder so fremd.
Gott fragt. In dieser Frage: „Was ist, Elia?“ eröffnet Gott einen Schutzraum für Elia – dieser Schutzraum fängt alles alles auf, denn der Schutzraum ist göttlich. Elia muß nicht mehr seine Gebete ängstlich mithören, nein, alles muß raus. Vor Gott. Paulus sagt: Wir wissen nicht, was wir bitten sollen, sondern er, Heilige Geist vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. (Römer 8, 26).
Gott erhört das Gebet. Aber wieder anders. Elia erlebt einen Windsturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Alle drei sind Gottes Diener, Gott hat sie in seiner Macht. (Psalm 104, 4). Vielleicht hatte Elia gemeint, daß Gott mit Sturm, Erdbeben und Feuer die Baalskönigin Isebel strafen sollte. – Ähnlich hatten auch die Apostel Johannes und Jakobus einmal zu Jesus gesagt: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und sie verzehre. – Nämlich auf die Feinde Jesu – Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht.“ (Lukas 9, 54-55). Darum nannte Jesus die beiden dann auch „Donnerskinder“ (Markus 3, 17).
Wir Menschen können uns Gottes Handeln nicht anders vorstellen. Doch Gott war nicht im Sturm, Erdbeben und Feuer, sondern in einem sachten Wind, ein einem gnädigen und freundlichen Wind.
Elia mußte viel Schweres ertragen als Prophet, als Mann Gottes. Unvorstellbar für uns. Doch damit war Gott nicht am Ziel. Das Ziel ist die Freundlichkeit Gottes. Der Heilige Geist ist das, aus dem wir Kinder Gottes neu geboren werden. Sturm, Wind und Feuer beseitigen manchmal, was nicht zu Gott paßt. Aber wenn es Gottes Kinder geben soll, dann schickt Gott seinen Heiligen Geist. Erst wenn der kommt, dann ist Gott mit uns am Ziel.
Das müssen wir glauben.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

2. Passionsandacht

Das Lamm, das erwürget ist,
ist würdig, zu nehmen
Kraft und Reichtum, und Weisheit und Stärke,
und Ehre und Preis und Lob.
Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, daß seine Stunde gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten,
3 Jesus aber wußte, daß ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging,
4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich.
5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.
6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen?
7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren.
8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.
9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!
10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als daß ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe?
13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch.
14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen.
15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.
16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat.
17 Wenn ihr dies wißt – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.

Johannes 13, 1-17

Liebe Gemeinde!
Ein einfacher Grundsatz bei Vertrauen und Kommunikation ist: Teile deine Absichten mit! – Sag, was du tust, und warum du es tust!
Jeder wünscht sich das von anderen; jeder tut sich schwer damit. Wenn Wort und Tat übereinstimmen, tut das der Seele gut. Unwahrheit und Lüge sind für die Seele tödlich.
Jesus ist gekommen, die Werke des Teufels zu zerstören (1. Johannes 3, 8). Ein Hauptwerk des Teufels ist die Lüge – Jesus sagt es überdeutlich: „Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Johannes 8, 44b).
Jesus ist die Wahrheit in Person, und in der Welt ist die Lüge Normalität. Der Weg Jesu ist der Weg der Wahrheit durch die Welt der Lüge.
Bei der Fußwaschung teilt Jesus seine Absicht mit. „Wißt ihr, was ich euch getan habe?“ Erkennt ihr die Wahrheit in meinem Tun? Merkt ihr, wie Wort und Tat vollkommen übereinstimmen?
Es ist der letzte Abend in Freiheit mit seinen Jüngern.
Es ist nicht irgendein Abend – sondern es ist der Abend vor dem Passafest. Das Fest, das Gottes Eingreifen für seine Leute begeht und feiert. Das Lamm wird geschlachtet, mit dem Gott sich selbst verpflichtet hatte, Israel aus der grausamen Übermacht des Pharaos zu befreien.
Und es war Vollmond. Das Licht der Sonne strahlte in die Finsternis hinein. Und es war Frühlingsbeginn: Die Finsternis war auf dem Rückzug. Das Licht kommt, und geht nicht wieder.
Alles deutet auf Übergang – das Wort „Passa“ bedeutet auch: Vorübergehen – von der Knechtschaft zur Freiheit, von der Finsternis zum Licht. Das alles ist aber nur heilsam, wenn es auch der Übergang von der Lüge zur Wahrheit ist.
Wir kennen die Fußwaschung. Jesus, der Herr und Meister seiner Jünger, steht auf, legt sein Obergewand ab, zieht sich wie ein Diener an, und tut, was ein Diener tut. Er wäscht seinen Jünger den Straßenstaub von den Füßen. Das ist man Gästen schuldig. Doch das tun nicht-jüdische Sklaven. Es ist verkehrte Welt, wenn Jesus, der sonst als Gastgeber, als Lehrer und Herr auftritt, so aus der Rolle fällt. Der Höchste tut das Niedrigste. Der Würdevollste tut das Peinlichste. Der Freie tut das, wozu Menschen sonst gezwungen werden müssen. Was jeder meidet, wenn er es irgend kann, das tut er.
Petrus protestiert. „Solltest du mir die Füße waschen?“ – Warum eigentlich nicht? Warum protestiert Petrus? Von einem Sklaven hätte er den Dienst sicher angenommen. Warum wollen wir nicht enttäuscht werden von Menschen, die wir verehren? Wir wollen nicht irren, wir wollen uns nicht getäuscht haben, wir wollen nicht daneben liegen. Für Petrus ist Jesus ein Ideal. Wenn ein Ideal zertrümmert wird, dann hab ich mich getäuscht. Das ist bitter.
Doch Jesus ist nicht das, was Petrus aus ihm macht. Petrus ist noch nicht in der Wahrheit, die Jesus bringt. Petrus glaubt zu wissen, wer Jesus ist. Eine höhere Meinung, höhere Verehrung und Hingabe kann man nicht für einen Menschen haben, wie Petrus für Jesus hatte.
Doch Jesus muß ihm sagen: „Was ich jetzt tue, das verstehst du nicht, du wirst es aber hernach erfahren.“ Jesus muß sagen, was er tut, was seine Absicht ist. Jesus ist Diener, aber zuerst ist er ein Diener der Wahrheit.
Petrus kann sich absolut keinen Grund vorstellen, weshalb er diesen Dienst von Jesus annehmen sollte: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“
„Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir“, sagt Jesus dann direkt. Petrus kann Jesus nur haben, wenn er Jesus als den niedrigsten Diener für den peinlichsten Dienst annimmt und bejaht. Entweder Jesus wäscht dir die Füße, oder du hast nichts mit ihm zu tun. Jesus gibt es nur mit Fußwaschung, oder gar nicht.
Petrus meint dann, verstanden zu haben: „Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“ – Besser kann er nicht antworten, doch zugleich muß man Petrus fragen: Ist Jesus dazu in die Welt gekommen? Daß du besser gewaschen wirst? Ist der Staub auf deiner Haut die Finsternis, die Knechtschaft, die Lüge, die du dringend loswerden mußt? Ist das die Erfüllung von Gottes Verheißung?
Jesus antwortet: „Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als daß ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.“ – Wie ist Petrus denn bereits gewaschen? Jesus sagt ihm: Du hast schon einen größeren Dienst von mir angenommen – der dich als ganze Person schon versorgt hat. Die Füße sind dagegen eine Kleinigkeit.
Petrus liegt also doppelt daneben: Nicht nur will er das nicht annehmen, was Jesus ihm geben will, sondern er hat nicht erkannt, daß er schon mehr von Jesus angenommen hat.
Also: Petrus verehrt Jesus, aber im Grunde weiß er nicht, wer Jesus ist, denn er erkennt Jesu Absicht nicht. Und auf Jesu Absicht kommt kein Mensch.
Als Jesus dann noch tiefer sinken mußte, als der Sklave fürs Fußwaschen – als Jesus unter die Übeltäter gerechnet wurde: Da sagten alle Jünger: „Nimmermehr!“ Da war ihr Ideal erst recht zerstört. Da mußten sie sagen: „Wir hofften, er würde Israel erlösen“ (Lukas 24, 21) – aber, unausgesprochen: „Wir haben uns getäuscht.“
Doch Jesu Tod ist nicht das, was Menschen aus ihm machen: Ein Scheitern, eine Katastrophe, ein Drama, oder ein Fluch. Die Wahrheit über Jesu Tod sagt er selbst.
Die Fußwaschung zeigt den Jüngern, wie Jesus seinen kommenden Tod selbst versteht, welche Absicht er mit seinem Tod hat.
Denn Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße bei vollem Bewußtsein: Er wußte, daß seine Stunde gekommen war, er wußte, daß ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging. Es war ein Tun bei göttlichem Bewußtsein.
Er zeigt seinen Jüngern die Wahrheit über seinen Tod. Der Tod am Kreuz ist ein Dienst an seinen Jüngern. Ein Dienst der Reinigung. Ein Dienst Befreiung. Ein Dienst, der Licht und Wahrheit bringt. Vergebung.
Jesus hatte Petrus schon längst reingewaschen – hatte Petrus nicht ganz am Anfang, bei der ersten Begegnung gesagt: „Herr, gehe weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch“? (Lukas 5, 8). Doch Jesus ist nicht weggegangen. Er hat Petrus geduldig getragen und ertragen. Dagegen war Füßewaschen nichts.
Liebe Gemeinde!
Die Wahrheit ist: Jesus und Vergebung sind untrennbar. Wer meint, keine Vergebung zu brauchen, der hat Jesus nicht. Wer aber Jesus hat, der hat vor allem Vergebung.
Jesus hat seine Absicht nicht nur deutlich mitgeteilt, er hat sie auch erfüllt. Wort und Tat passen zusammen, wie sonst nie. Sein Kreuz hat Wahrheit, Licht und Freiheit gebracht.
Seine Jünger haben das erfahren.
Diese Erfahrung hat eine Frucht: Jesu Jünger sollen einander vergeben. „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“ (Johannes 12, 26).
Licht, Befreiung und Wahrheit kommen mit dieser Vergebung.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

Reminiszere

Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus.
Amen.

36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.
37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.
38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser
Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!
40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
41 Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, daß dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! 43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.
44 Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.
45 Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.
46 Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

Matthäus 26, 36 – 46

Lieber Herr Jesus, laß uns nicht verschlafen, was du für uns getan hast und tust. Segne Dein Wort bitte jetzt an uns. Amen.


Liebe Gemeinde!
Petrus, Johannes und Jakobus hatte Jesus schon einmal beiseite genommen. Das war auf einem hohen Berg. Dort sahen sie Jesus in der Verklärung, in seiner Herrlichkeit, Überlegenheit, in seiner Göttlichkeit, alles leuchtete an ihm. (Matthäus 17). Das war bei einem wichtigen Übergang – Jesus machte sich auf nach Jerusalem, nachdem er gute drei Jahre als Wanderprediger das Reich Gottes angekündigt hatte. Jesus hat klar angekündigt, daß sein Weg nach Jerusalem ein Weg des Leidens und der Opfers war. Petrus, Jakobus und Johannes sollten sehen und bezeugen: Es ist der Sohn Gottes, der diesen Weg geht.
Heute hören wir, wie Jesus wieder diese drei Jünger als Zeugen beruft. Wieder ist es ein wichtiger, folgenschwerer Übergang. Es sind die letzten Stunden, bevor Jesus gefangengenommen wird. Direkt davor hat Jesus mit seinen Jüngern die Passamahlzeit gegessen und dann das Abendmahl eingesetzt. Die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern wurde einmal noch erlebt; und Jesus hat dabei seinen Leib und sein Blut den Jüngern übertragen, gegeben. Zugleich hat er aber auch klar gemacht, daß sein Leib geopfert und sein Blut vergossen wird.
Während dieser engen, vertrauensvollen und persönlichen Gemeinschaft hat Jesus aber auch klar gemacht, daß Judas ihn ausliefern, Petrus ihn verleugnen, und alle Jünger ihn verlassen würden. Die Gemeinschaft wird aufhören, und Jesus wird seinen letzten Weg ganz allein gehen. Er wird verhaftet und unfrei, ohne Macht und Selbstbestimmung in die Hände der Sünde fallen, und er wird sterben.
An diesem Übergang geht er in den Garten oder Hof Gethsemane, betet ein einmaliges Gebet, und stellt sich dann den Verfolgern.
Petrus, Johannes und Jakobus sollen bezeugen, wie Jesus diesen Übergang vollzieht.
Es ist das Kreuz vor dem Kreuz, der Tod vor dem Tod.
Jesus spürt an seinem Leib und an seiner Seele den Schrecken und das Grauen des Todes auf ihn zukommen. Und, es ist klar: Er muß und wird den Weg ganz ganz alleine gehen. Kein Mensch wird ihn begleiten oder ihm beistehen oder ihn trösten.
In Gethsemane wird das klar. Jesus steht uns allen gegenüber. Auch die Apostel, Petrus und die anderen, stehen auf unserer Seite in diesem Gegenüber. Wenn Jesus mit ihnen spricht, dann spricht er auch mit uns.
Jesus ist an Leib und Seele erschüttert. Alles wankt und zerfließt, seine Kräfte verlassen ihn.
„Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.“ Der Tod hat ihn schon erfaßt. Es gibt keinen Trost mehr. Die Jünger sollen bei ihm bleiben, und er geht doch weg. Sie sollen da sein, und er kann doch nichts mehr von ihnen haben. Sie können ihn nicht mehr erreichen.
Doch sollen sie bleiben. Laßt uns daraus lernen: Wir sollen der Trauer nicht ausweichen. Auch wenn wir scheinbar keinen Unterschied machen. Laßt uns im Namen Jesu nicht ausweichen, wenn Trauernde unter uns sind.
Dann kommt dieses unglaubliche Gebet: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“
Die Bibel spricht von dem Zornesbecher, den Gott zu trinken gibt. Die Propheten Jesaja und Jeremia sprechen davon.
Jeremia 25,15: „Denn so sprach zu mir der HERR, der Gott Israels: Nimm, Jeremia, diesen Becher mit dem Wein meines Zorns aus meiner Hand und laß daraus trinken alle Völker, zu denen ich dich sende, daß sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will.“ Der furchtbare Trank in dem Kelch ist die Bosheit, die Menschen tun, so wie diese Bosheit bei Gott ankommt und Seinen heiligen Zorn erweckt. Gott ist in Seiner Schöpfung, gerade auch in jedem Menschen anwesend und Ihn trifft das Unrecht ohne Filter. Wenn Gott uns in Seine Wirklichkeit zurückholt, dann gehört dazu, daß wir von der eigenen Sünde getroffen werden. Die Sünde träumt natürlich davon, daß das niemals geschehen wird. Aber so wahr es einen Gott gibt, so wahr gibt es diesen Zornesbecher.
Jesus soll nun einen Kelch trinken – aber darin ist nicht das Ergebnis der eigenen Gottlosigkeit, sondern Gottes Enttäuschung und Zorn über alles Unrecht, alle Gottlosigkeit, die Du und ich uns geleistet haben.
Können wir überhaupt anfangen, uns vorzustellen, was das für eine bittere, herbe, brennende Finsternis war, die Jesus an Leib und Seele in sich aufnehmen mußte?
Uns erreichen Bilder von unschuldigem Leiden aus dem Krieg in der Ukraine – da kommt Zorn auf! Menschen, die sonst sanft und friedlich sind, wünschen auf einmal, daß die Verantwortlichen hingerichtet werden, im Namen der Gerechtigkeit. – Was braut sich aber in deinem Kelch zusammen? – Ist es nicht so, daß es einen heiß und kalt den Rücken runterläuft, wenn man sich vorstellt, daß vielleicht EINE Sache mich einholt und ich für alle Konsequenzen gerade stehen muß – wie ist es erst, wenn ich die Suppe für jemand anders auslöffeln muß!
„Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Es ist ja nicht der Tod allein, sondern Gottes gerechtes Gericht über alles Unrecht der Menschen. Das ist der Kelch.
Jesus bittet, daß er diesen Kelch nicht trinken muß. Er legt es in die Hände seines himmlischen Vaters. Gott hatte einmal zu Jerusalem gesprochen, bei Jesaja: „So spricht dein Herrscher, der HERR, und dein Gott, der die Sache seines Volks führt: Siehe, ich nehme den Taumelkelch aus deiner Hand, den Becher meines Grimmes. Du sollst ihn nicht mehr trinken.“ (Jesaja 51, 22). Gott kann den Kelch auch zurücknehmen. Die Möglichkeit gibt es.
Was geschieht hier? Jesus bringt erneut seine ganze Person unter den Willen seines himmlischen Vaters. Petrus, Johannes und Jakobus, und mit ihnen auch wir, hören mit, wie alles, was Jesus tut und auch leidet, Gottes Wille ist, der gemeinsame Wille zwischen Gott dem Vater und dem Sohn. Kein Zwang, nur Freiheit und Liebe, und völlige Übereinstimmung. Aber doch eine Übereinstimmung von Person zu Person.
Die Apostel, und die Gemeinde, das sind wir, werden Zeugen von diesem wunderbaren Gespräch und Gebet.
„Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Ist das ein Widerspruch? Hatte Jesus einen eigenen Willen, der möglicherweise dem Willen des himmlischen Vaters widerstrebte? Nein. Doch als wahrer Mensch mußte und wollte Jesus alles, was er an Willen, Angst, Schrecken, Leiden in sich hatte, unter den göttlichen Willen bringen. Im Hebräerbrief wird uns gesagt: „Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.“ (Hebräer 5, 7-8). Die Hingabe, die Liebe, das Leiden sollte vollständig, ganz, und ohne Vorbehalt, einfach ganz sein.
Bevor er vor der Weltöffentlichkeit hingerichtet wird, verurteilt im Namen des Gesetzes, des Volkes und im Namen Gottes, hat er Klarheit mit Gott, Gewißheit mit Gott.
Im Johannes Evangelium betet Jesus noch bevor er in den Garten Gethsemane geht: „Vater, ich heilige mich selbst für die Jünger, damit auch sie geheiligt werden.“ (Johannes 17, 19).
Das ist der Jesus, der dann auf seine Verfolger zugeht, sich stellt, und sagt: „Ich bin’s!“. Bevor er gefangen wird, hat ist er schon durch seine Liebe und Bereitschaft gebunden. Die Soldaten können nicht nicht so fest binden, die Liebe in Jesus ist schon entschlossener. Es ist eine Liebe, die nur Zuwendung ist, und jenseits aller Bitterkeit, und mit einer Antwort auf alles Unrecht.
Weil Jesus sich durch dieses Gebet, ein schweres Gebet, geheiligt hat, geht er mit einer großen Überlegenheit und Freiheit seinen Verfolgern entgegen. Sie müssen ihn nicht jagen.
Da, wo wir Menschen völlig unfrei sind, hilflos, machtlos und ausgeliefert, da ist dieser Schmerzensmann, dieses Lamm Gottes ganz frei.
Wenn Gott dich schon nach deinen eigenen Maßstäben konsequent beurteilen würde – so, wie du andere beurteilst – dann müßtest du schon verstummen und schwitzen. Wenn aber erst die Zehn Gebote kommen, die dir zeigen, daß Gott immer ganz bereit war, dich auf Seinem Weg zu halten, und du wolltest nicht, wenn Gott dich und mich nach dem Gesetz des Lebens und der Wahrheit zur Verantwortung zieht, dann wird es eng. Wenn ein Mensch mit Leib und Seele auf einmal so sehr wünscht, etwas ungeschehen machen zu können, und es gibt keine Möglichkeit, kein Aus noch Ein. Man spürt den Tod, man kann sich nicht bewegen.
Da kommt dieser Jesus von Gethsemane, der kann sich da bewegen, wo wir nicht die Freiheit haben, und sagt: Ich bin der Weg, ich bin die Tür. (Johannes 14,6 + 10, 7). Der hat das alles hinter sich und unter sich. Für jeden, der an ihn glaubt. Er hat den Kelch getrunken, und wie!
Glauben bedeutet dann: „Das war bei mir auch nötig!“ Nicht nur abstrakt, sondern mit einem Erschrecken über sich selbst. Mit Reue, mit Sich an den Kopf Fassen.
Zum Glauben gehört dann aber vor allem:
Wir trinken aus einem anderen Kelch. Aus dem heilsamen Kelch (Psalm 116, 13). Dem Kelch des Neuen Testaments.
Da trinken wir von der Beweglichkeit Jesu, die seine göttliche Liebe ihm ermöglicht hat, und uns zur Liebe zurückfinden läßt, zur Freude und zum Mut. Einer Beweglichkeit, die am Ende auch aus dem Grab aufersteht.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

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