Osternacht

Osterkerze in der dunklen Kirche

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.
2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.
3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.
4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Kolosser 3, 1-4

Gebet: Lieber Jesus, unser Herr, sei du unsere Auferstehung und unser Leben, wecke und finde den Glauben in uns, den der Tod nicht einfangen kann, und sei bitte so lieb, ihn zu schützen, auch vor uns selbst. Amen.

Liebe Gemeinde!
Geheimschriften! Ich meine die, die man erst nicht sieht, und nur dann, wenn sie erhitzt werden. Wer war nicht in seiner Kindheit davon fasziniert! Da liegt ein Blatt Papier – man sieht und vermutet nichts, aber: wenn man das Blatt dann richtig behandelt, dann wird die Schrift sichtbar. Mit Zitronensaft soll das funktionieren. Man schreibt mit Zitronensaft, und wenn man dann das Blatt Papier über eine Flamme hält, dann – o Wunder – offenbart sich wie aus dem Nichts die geheimnisvolle Schrift auf dem Papier. Man muß nur aufpassen, daß es nicht anbrennt!
Dieses Bild könnte uns helfen, die Worte des Apostels Paulus zu begreifen.
Es geht und die Geheimschrift Gottes in unserem Leben.
Paulus sagt: Was Gott durch den Glauben in euch schafft, das ist eine Geheimschrift – sie ist verborgen. Aber das wird nicht immer so bleiben. „Wenn Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden in Herrlichkeit.“ Wenn Jesus am Ende der Welt sich offenbaren wird – das wird sein wie die brennende Flamme, die dann die Geheimschrift Gottes auf dem Papierblatt unseres Lebens sichtbar machen wird. Früher hat man ja noch fotografische Filme „entwickelt“. Da war zunächst auch nichts zu sehen. Wenn der Film mit der richtigen Chemie behandelt wurde, dann kamen die Aufnahmen ans Licht – was bis dahin unsichtbar war, das wurde offenbar.
Wir Christen tragen Gottes Geheimschrift. Unser Predigttext sagt das mit kräftigen Worten:
„Ihr seid mit Christus auferstanden.“ Wie und wann? Als ihr getauft wurdet. Paulus schreibt an die Römer: „Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft, auf daß, wie Christus ist auferwecket von den Toten …. auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6). Die Taufe ist der Anfang. Gott fängt an mit Seiner Tinte in unserem Leben zu schreiben. Als erstes wird unser Name im Himmel aufgeschrieben (Lukas 10, 20). Wir sind durch die Taufe dazu berufen und bestimmt, ewiges Leben von Gott zu bekommen. Ein Leben, das nicht vom Tod geprägt, bestimmt, überschattet und runtergezogen und entstellt wird.
Diese Wahrheit ist eine geheime Schrift. Sie ist nicht offenbar. Ohne den Glauben kann man sie nicht sehen. Der Glaube kennt sie aber. Das Osterevangelium ist auch ein Teil der Geheimschrift Gottes in unserem Leben. Wir tragen das Geheimnis in uns, daß Jesus, der Sohn Gottes, der gekreuzigt wurde, auferstanden ist. Die Mächte des Todes konnten ihn nicht halten. Die Mächte des Todes konnten seine Taten nicht ungeschehen machen, sie konnten seine Worte nicht zum Schweigen bringen, sie konnten seine Liebe nicht auslöschen.
Das ganze Leben, und alle Worte Jesu zeigen uns aber, daß er alles, was er war, nicht für sich selber war, sondern für alle. Seine Auferstehung ist eine ansteckende Auferstehung, und keine isolierte Auferstehung. Darum nimmt er alle mit, die an ihn glauben.
„Darum sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ Jesus ist dazu auferstanden, für immer Recht zu behalten. Der Auferstandene spricht und handelt im Namen, mit der Kraft – und das heißt: Mit der Endgültigkeit Gottes. Er spricht, er tut – und nimmt nichts zurück.
Das sollte uns interessieren. Brennend interessieren! Darum sucht, was überlegen ist, wo Christus ist. Sucht, was nach allem, was bleiben wird, wenn diese Welt vorbei ist. Alles, was wir sehen und fühlen, ist vergänglich. Alles, was wir begehren, ist jetzt schon vergänglich. Was bleibt? Alles, was Jesus in uns bewirkt. Daß wir glauben, daß wir lieben, daß wir hoffen – das ist nicht eine Wirkung der Welt. Es ist nicht eine Wirkung unserer Entscheidung, oder unserer Erziehung, oder unserer Kultur.
Glaube: Daß Gott unser himmlischer Vater ist, der uns gewollt hat und will. Daß Jesus unsere Fehler trägt und Vergebung eröffnet. Daß der Heilige Geist uns Mut macht und in eine Gemeinde einfügt. Das alles sind Buchstaben der Geheimschrift Gottes. Sie ist jetzt schon da, diese Spur, und sie ist es, was am Ende offenbar werden wird.
Weil wir es aber jetzt nicht so sehen können, wie wir alles andere sehen können, sollen wir es suchen. Wir sollen danach trachten. Auf jeden Fall sollen wir als Christen nicht so leben und denken, als würde es diese Geheime Schrift Gottes nicht geben.
Wie weit dieses Suchen und Trachten geht, sagen uns die Worte:
„Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“
Das klingt erst einmal widersinnig, paradox. Denn wenn die Gemeinde in Kolossä schon tot ist, warum schreibt Paulus ihr einen Brief? „Ihr seid gestorben.“ So etwas kann nur im Wort Gottes eine sinnvolle Aussage sein.
Kurz davor wird uns gesagt, wie es gemeint ist: „Wenn ihr mit Christus den Mächten dieser Welt abgestorben seid.“ (Kolosser 2, 20). Wie ist Jesus denn den Mächten dieser Welt begegnet? Wie trat er dem Pilatus, den Hohenpriestern, aber auch den Soldaten, dem Verräter? Jesus war völlig unbeeindruckt. Sie hatten keine Macht über ihn. Er blieb immer ganz derselbe, der er immer gewesen war. Wir müssen das ausweiten: Jesus war zum Beispiel vom Geld gänzlich unbeeindruckt, er war von der Macht des Augenscheins, von der Macht des Begehrens, der Angst, von allem, was uns so beeindruckt, und aufscheucht und umtreibt, völlig unbeeindruckt. Er war dem allem abgestorben. Er hat selber gesagt: „Ich lebe von dem, was Gott sagt.“ (Matthäus 4, 4; 5. Mose 8,3) Und an einer anderen Stelle sagt er: „Meine Speise ist die, daß ich den Willen tue meines Vaters im Himmel.“(Johannes 4, 34). Weil er das lebte – darum konnte niemand ihm das Leben nehmen, weder die Hohenpriester, noch Pilatus, oder die Soldaten. So war Jesus den Mächten der Welt abgestorben. Er war von ihnen unbeeindruckt.
Wir tragen die Geheimschrift Gottes in und an uns. Die kann uns niemand nehmen. Und sie wird am Ende bleiben. Sie ist unser verborgenes Leben. Wer auf Gott hört, der wird gewissermaßen für die Welt taub. Darum wollen Christen immer wieder Gottes Wort hören, weil sie dann mehr von der Geheimschrift an sich tragen, die offenbar werden wird.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:
Die Osterkerze leuchtet in der dunklen Kirche

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