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Predigt

Himmelfahrt

Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Epheser 1, 15-23

Oh Herr, laß Deine Worte niemals aufhören, zu uns sprechen, und laß unsere Erkenntnis nicht schrumpfen, sondern wachsen. Sei so lieb, bitte. Amen.

Liebe Gemeinde!

Man macht Sicherungskopien von wichtigen Dokumenten oder Bildern. Falls das Handy oder der Rechner in Stücke gehen sollte – ah! Nichts ist verloren, denn: Ich habe eine externe Platte, da ist alles drauf!
Es gibt auch so etwas wie Ergebnissicherung. Besonders im Unterricht. Da hat man eine Erkenntnis, und solange sie einem hell im Sinn ist, und man sie versteht, schreibt man sie schnell auf, damit man nicht nur eine Erinnerung an das Gefühl einer Erleuchtung hat, sondern auch den Grund der Erleuchtung sichert. Ich will ja nicht nur für den Moment wissen, wie grüne Blätter mit Sonnenschein und CO2 Kohlehydrate machen, sondern mit der Erkenntnis weiter durchs Leben gehen, mit Ergebnissicherung. Also aufschreiben!
Heute ist Himmelfahrt. Jesus ist sichtbar und leiblich von den Augen Seiner Jünger von der Erde aufgefahren und hat Seinen Platz im Weltgeschehen eingenommen, der ihm zusteht. Zur Rechten Gottes, also in der Schaltzentrale der Allmacht.
Himmelfahrt ist irgendwie abgehoben, keine Frage. Irgendwie nicht ganz so packend für den Glauben wie die Menschwerdung Gottes zu Weihnachten oder das Opfer des Sohns Gottes zu Karfreitag und die wunderbare Todesvernichtung zu Ostern. Das ist „Großes Kino“, wie man so sagt, das Herz kann da mitgehen. Aber Himmelfahrt? Hatte der Heilige Geist vielleicht keine Ideen mehr, und mußte den Weg Jesu so scheinbar unanschaulich ausklingen lassen? – – Niemals!
Himmelfahrt ist die großartigste Ergebnissicherung im Himmel und auf Erden. Es soll von allem, was Jesus gesagt und getan hat, absolut nichts verlorengehen. Alles, was Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist uns Menschen zugedacht haben, soll so, wie Gott es will und gemeint hat, 100%ig und eins zu eins hier und heute uns erreichen – und dasselbe auch in Ewigkeit.
Die Welt soll für immer die Welt nach Christus sein. Der Unterschied, den Jesus für uns Menschen ausgemacht hat, soll und wird durch keine Entwicklung, durch keine Katastrophe, durch keine Entdeckung, aber auch durch keinen Betrug, durch keinen Zweifel, durch einfach überhaupt nichts verunsichert werden.
Ein Foto wäre nicht genug. Jesus gesehen haben, das allein hat keinem Menschen geholfen.
Berichte sind schon besser – Was hat Jesus gesagt, was hat Er getan, wie hat er gelitten? Aber Berichte können höchstens unsere Phantasie anregen, uns vielleicht inspirieren, wie Jesus zu werden, oder andere Gedanken über Jesus zu haben.
Doch das ist keine Ergebnissicherung.
Der Unterschied, den Jesus in dieser Welt gemacht hat, war und ist nicht, daß er Bilder und Gedanken abgesondert hat, um uns dann mit unseren Ideen darüber allein zu lassen.
Der Unterschied war und ist: Heilung, Frieden mit Gott, Vergebung, Hoffnung auf das Ewige Leben. Da muß Jesus selbst da sein. Erinnerungen und Gedanken, die wir uns selbst machen, helfen da überhaupt nicht.

Himmelfahrt ist die Mutter aller Sicherungskopien. Denn Himmelfahrt ist keine Kopie, sondern das bleibende gesicherte Original. Himmelfahrt ist: Wir haben heute alles, was Petrus und Johannes und Jakobus und die anderen Jünger hatten, wir teilen mit Maria und Martha und allen den ganzen Jesus. Nicht eine Erinnerung, kein Protokoll oder irgendeine Idee, die wir dann umsetzen müßten. Himmelfahrt ist: Es geht nichts verloren. Es ist alles da für dich. Unverbraucht wie am ersten Tag.
In der Epistel haben wir gehört, wie die Jünger wehmütig Jesus nachschauen, wie man einem wegfahrenden Zug nachschaut – – – bis er weg ist. Gott schickt sofort Notdienst-Engel, diesen wehmütigen Blick –zack! – zu unterbrechen. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ Also: Jesu Richtung ist nicht weg von euch, sondern auf euch zu. Was wie ein Verlassen erscheint, ist in Wirklichkeit ein Anlauf auf euch zu, und auf die ganze Menschheit zu. Das ist die Bewegung.
Die Mutter aller Ergebnissicherungen.
Aus dieser Gewißheit heraus schreibt Paulus an die Epheser. Nun endlich zum Predigttext!
Paulus hört, daß die Christen in Ephesus Jesus und die Mitchristen lieben – und kriegt sich nicht ein vor Freude. Für ihn ist das ein weiterer Beweis, daß Jesus selbst am Werk ist. Jesus selbst ruft, weckt, tröstet, warnt, vergibt und läßt das ewige Leben keimen. Und die Christen halten sich daran fest, und sehen sich an und wissen: Wir sind in demselben Boot, und es ist NICHT die Titanic. Die Epheser sehen einander an und wissen: Gott hat sich für mich und dich entschieden – wir sind heilig – wir sind den Prozessen der Welt, zuletzt dem Tod, nicht mehr ausgeliefert. Paulus dankt Gott dafür, daß er das erleben kann. Es stärkt seinen eigenen Glauben.
Und weil Gott ein reicher Gott ist, der mit vollen Händen Seinen Heiligen Geist austeilt, schlägt der Dank gleich um in die Bitte:
„und gedenke euer in meinem Gebet, daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.“ – Paulus bittet das, weil der weiß, daß Gott das geben will: Die Erkenntnis soll wachsen. Was ist Vergebung? Was bedeutet es, daß der Sohn Gottes die Welt geliebt hat, und hat sich für sie dahingegeben? Was bedeutet es daß Jesus das Verlorene sucht? Wie hat Jesus die Macht des Todes gebrochen? Man hat davon gehört, und man ahnt etwas – aber es soll deutlicher und gewisser werden. Und das wird es! Gott schenkt den Geist der Weisheit und der Offenbarung. Das Glaubensbekenntnis, das ich seit Kindesbeinen kenne, ist immer noch dasselbe, aber es wird immer größer und tiefer und wichtiger. Gott zeigt mir aufs Neue, was es ist, und wird mir noch mehr zeigen.
„Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist“ – Erleuchtete Augen des Herzens – daß ich nicht nur abstrakt sehe: Ok, so ist das also. Jesus liebt Menschen. – Mit den erleuchteten Augen des Herzens sehe ich: Der Sohn Gottes, der Schöpfer Himmels und der Erden meint wirklich mich. An anderer Stelle sagt Paulus: „Dann werde ich erkennen, wie Gott mich erkannt hat.“ Die Augen des Herzens sehen die Liebe, den Willen. Gott will, daß ich Seine guten Gaben bekomme, Gott hat keine Ruhe, bis ich mich freue, und alle Traurigkeit vertrieben und verjagt ist. Zu der Hoffnung sind wir berufen. Wir sind Erben dieser Herrlichkeit.
Wir sollen erleben, „wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat.
Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt.“ Paulus übertreibt nicht. Daß ein Mensch zum Glauben kommt, dazu braucht es die göttliche Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Die Überwindung des Todes fängt damit bei uns an, daß Gott und anspricht, und ruft, und wir ihn kennenlernen. Das scheint so ähnlich zu sein, als würde ich den Stromanbieter wechseln, oder eine neue Video-Serie oder Joghurt ausprobieren, aber es ist was völlig anderes. Ich komme in Kontakt mit der Kraft, die micht geschaffen hat. Ich begegne der Kraft, mit der Jesus Dämonen verjagt hat, Krankheiten überwunden hat. Es ist die Kraft, mit der Jesus gezeigt hat, daß Liebe stärker ist, als der Tod. Die kommt in das Leben eines Menschen hinein.
Vor den Augen der Welt sind wir vielleicht ein schräger Fanclub, der vergessen hat, sich aufzulösen. Aber Himmelfahrt sagt uns: Wir jagen nicht einer immer blasser werdenden Erinnerung nach, die wir mit immer mehr Verkrampfung irgendwie bewahren müssen. Es ist umgekehrt: Gott hat keine Ruhe, bis wir endlich mit den Augen des Herzens kapieren, was da eigentlich passierte, als Jesus einen Aussätzigen heilte (Lukas 5, 12-18), oder einen hoffnungslosen Fall von Zöllner besuchte (Lukas 5, 27-35), oder eine gekrümmte Frau aufrichtete (Lukas 13,10-17). Das hat Jesus alles gegen den Tod getan, und wir sollen erkennen und erleben, daß er das auch gegen unseren Tod getan hat.
Diese Kraft Gottes, so sagt Paulus uns heute, hat Jesus „eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.“ – Da haben wir die Mutter aller Sicherungen. Gott investiert seine ganze Gottheit darein, daß nichts von seinem Sohn untergeht oder überholt wird. Kein Reich macht Jesus ungültig oder auch nur 1 % weniger effektiv. Keine Wissenschaft, keine Ideologie, auch nichts, was uns heute den Atem verschlägt, weil alle davon beeindruckt sind. Auch keine Theorie, kein System. Gott hat Seinen Sohn, dessen Worte und Taten, dagegen abgesichert.
„Alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat“. – Wer hat die Macht? Amerika, Rußland, China? Brüssel? Unvorstellbar reiche Menschen? Unglaublich raffinierte Informationszentren? Die Medizin? Die Universitäten? Unsere arme Seele ist umstellt von Namen, die beweisen, was sie für Einfluß haben, und unsere Zustimmung, um nicht zu sagen: Unterwerfung fordern. Aber wir gehören ihnen allen nicht. Sie kommen zu spät. Wir gehören dem, der sich für uns gegeben hat, und der über alles erhöht ist. „Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben,“ schreibt Paulus an anderer Stelle (Galater 2,20). Diese Hingabe ist das Größte, und Gott hat ihr Ergebnis gesichert.
Doch das ist noch nicht alles.
„Gott hat Jesus Christus gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ Damit schließt sich der Kreis. Jesus der erhöhte macht sich nicht nur einen Kopf über uns, sondern er ist zu unserem Haupt gemacht worden. Wir sind als sein Leib mit ihm verbunden und ein Zusammenhang, ein Leben. Deshalb paßt die Kirche niemals ganz in diese Welt hinein. Sie ist in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. „Meine Jünger sind nicht von dieser Welt, wie auch ich nicht von dieser Welt bin,“ sagt Jesus (Johannes 17, 14.16). Deshalb wird die Welt und auch niemals verstehen. Sie wird uns auch nicht erklären können. Wir sind fremdgesteuert. Dinge, die in der Welt funktionieren – Manipulation, Bestechung, Schmeichelei, Einschüchterung, Panikmache, Verführung – die funktionieren im Leib Christi nicht.
Er ist das Haupt und wir sind die Glieder. Das heißt auch: Wir erleben und bekommen alle diese Herrlichkeiten nicht ohne die leibliche Versammlung. Hier werden wir erfahren, wie Gott es alles gemeint hat, und wie es wahr wird. Hier, in der leiblichen Versammlung, spricht unser Haupt mit uns und läßt uns seinen Leib und sein Blut austeilen, die die Träger seiner Hingabe und Liebe sind. Hier werden wir getragen und dürfen mittragen.
Wir sollen nicht weit weg gucken, nein, Er kommt auf uns zu. Niemand kann ihn aufhalten.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Beitragsbild:
Meister des Rabula-Evangeliums: Rabula-Evangelium, Szene: Christi Himmelfahrt
586, Pergament, 34 × 27 cm
Florenz, Biblioteca Medicea-Laurenziana
Kommentar: Buchmalerei, im Johanneskloster in Zagba entstanden
Land: Syrien
Stil: Spätantike
[Meister des Rabula-Evangeliums. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 7884 (c) 2005 The Yorck Project]