TRAUUNG

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Psalm 103, 8

HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.

Liebes Brautpaar,
liebe Gemeinde!
Gleich werden zwei Fragen gestellt werden:
Willst du, Bräutigam, die Braut,
die Gott dir anvertraut ….
Willst du, Braut, den Bräutigam,
den Gott dir anvertraut ….
Gott vertraut dir einen Menschen an. Zu treuen Händen, wie man so sagt. Zu treuen Augen; zu treuen Ohren; zu treuen Gedanken; zu treuem Herzen.
Wir kennen das ja: Jemand braucht einen Schlüssel – ich gebe ihm den Schlüssel „zu treuen Händen“; das heißt: Die Hände passen auf, der Schlüssel geht nicht aus der Hand, die Hände bringen den Schlüssel zurück. Wenn mir ein Schlüssel „zu treuen Händen“ anvertraut wird, dann behalte ich die ganze Zeit im Sinn: Das ist nicht mein, sondern sein Schlüssel!
Ohne Vertrauen geht es nicht. Doch mit Vertrauen ist es immer so eine Sache ….
In der Ehe vertraut Gott, der dreieinige Gott, dem Mann eine Frau an. Gott, der dreieinige Gott, vertraut der Frau einen Mann an.
„Zu treuen Händen“ – das sind Worte, die den geliehenen Schlüssel begleiten. Wenn ich den Schlüssel in der Hand halte, benutze und sehe, dann höre ich die Worte in mir: „Zu treuen Händen.“ Das Vertrauen möchte ich nicht verletzen. Besonders nicht bei einer Person, die mir wichtig ist, und die mir viel bedeutet. Das Vertrauen, das Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist in mich investiert, möchte ich nicht enttäuschen!
So soll die kirchliche Trauung dazu dienen, daß Braut und Bräutigam diese Worte mit auf den gemeinsamen Weg bekommen: Bräutigam , hier ist deine Braut, die Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. – Braut , hier ist dein Bräutigam, den Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. Diese Stimme Gottes begleitet euch jetzt.
Mit dieser „Begleitstimme“ bist du mehr, als nur das, wofür du dich selber hältst, auch mehr als das, was der andere aus dir macht.
Die Ehe zwischen Mann und Frau ist mehr, als die Summe ihrer Zutaten, mehr als das, was zwischen Menschen ist und sein kann. Es ist der Segen.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ein Mensch, ein Menschenleben ist unendlich wertvoll und unersetzlich. Gott legt es in unsere Hände. Darum sollen wir dieses Leben mit Gottes Augen ansehen. Liebe heißt: Ahnen, warum Gott diesen Menschen schaffen mußte, und an dieser Ahnung festhalten. Dazu gehört vor allem: Immer wieder aufs Neue von der Einmaligkeit des geliebten Menschen erfüllt werden. Darum vertraut uns Gott in der Ehe einen Menschen auf Lebenszeit an: Nur so kann ich der Einmaligkeit gerecht werden, die Gott in diesen Menschen gelegt hat. Das alles vertraut Gott dir an!
Es ist ein riesiges Vertrauen! Doch bevor ich darüber nachdenke, ob das nicht eine Überforderung ist, möchte ich auf noch etwas hinweisen.
Gottes Begleitstimme geht ja in beide Richtungen.
Die eine Richtung ist: Gott vertraut mir diesen Menschen als Ehepartner an. Wenn ich ihn vor Augen habe, dann höre ich zugleich Gottes Stimme dabei: „Zu treuen Händen!“ – Also soll und will ich ihn als einen Schatz von Gott behüten, lieben und ehren. Als einen Schatz will ich seine Einmaligkeit von Gott wahrnehmen und auf Händen tragen. Dazu bin ich mit Leib und Seele bereit.
Die andere Richtung gehört aber genauso dazu: Gott spricht ja ebenso zu meinem Ehepartner: „Zu treuen Händen!“ – Auch ich werde als Geschenk und Schatz meinem Mann oder meiner Frau anvertraut. Nicht nur soll ich den Ehepartner mit Gottes Augen sehen, sondern auch mich selbst. Selbstbilder sind einfach nicht alles; ja, sie sind das Wenigste.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ist es am Ende nicht zu groß? Ist es nicht eine Überforderung?
Als Jesus über die Ehe spricht, und dabei Gottes Wort im Anfang voll und ohne Abstriche feierlich bestätigt, da sind seine Jünger erschrocken, und sagen: „Wenn es zwischen Mann und Frau so ist, dann .“
Wie soll ein Mensch es schaffen, einen anderen Menschen mit Gottes Augen zu sehen? Wie soll ein Mensch erkennen, wie Gott genau diesen Menschen einmalig gemacht hat, und dem dann auch gerecht werden – also die Einmaligkeit sehen, lieben, schützen und auffangen? – Ja, und was wird dann aus meiner Einmaligkeit? Woher die Kraft nehmen?
Was hat Gott sich eigentlich dabei gedacht, daß Er ausgerechnet Mann und Frau einander auf Lebenszeit zu treuen Händen, Augen, Ohren, Gedanken und Herzen anvertraut? Er kennt uns doch am besten!
Wie gut, daß die Jünger das aussprechen! – Dieses unheimliche Gefühl: „Das ist zu groß, zu kompliziert, zu mühsam, zu riskant!“
Jesus trägt das. Die Jünger bleiben Jesu Jünger, auch wenn sie so mit ihm sprechen. Wenn wir so sprechen oder denken, dann läßt Jesus uns nicht fallen.
Wie antwortet Jesus? „Das Wort faßt nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.“ – Mit anderen Worten: Die Ehe gelingt nicht ohne Gottes Wort. Die Begleitstimme muß da sein. Auf uns selbst gestellt, werden wir unsere Grenzen bald kennen lernen. Unser Herz ist nicht groß und stark genug. Wir brauchen es, daß der dreieinige Gott, Sohn und und Heiliger Geist, zu uns spricht.
1. Gott der Vater, der Schöpfer. Wir sagen das so schnell:
Gott hat mich und dich geschaffen. Das ist wahr. Aber das besagt zum Beispiel: Ich als Mann könnte mir niemals eine Frau schaffen. Die Frau ist immer viel mehr, als ich mir ausdenken oder wünschen kann. Umgekehrt gilt das natürlich auch! Alles, was ihr aneinander liebt, und was euch teuer und hilfreich ist – das kann man sich wünschen, oder fordern, aber machen könnt ihr es nicht. Gott macht es, er hat es schon gemacht. Dazu gehört auch die Überzeugung: Ich bin für diesen Menschen der Richtige. Gott hat sich das so gedacht. Wenigstens diese bin ich ihm schuldig.
2. Gott der Sohn, Jesus Christus. Jesus hat die Ehe bestätigt.
Er hat alles dafür getan, sie zu retten. Denn er hat alles dafür getan, daß Vergebung möglich ist. Ohne Vergebung wäre das alles eine völlige Überforderung. Wir sollen einander vergeben. Wir sollen die Erfahrung machen, daß Gott uns vergibt. Daß Gott beschließt: Die Schuld soll deine Einmaligkeit nicht auslöschen. Jesus hat alles dafür getan, daß wir vor Gott mehr sind, als nur unsere Fehler. Wer im Namen, unter dem Schutz Jesu, vergibt, der verliert nicht.
3. Gott Heiliger Geist. Er gibt uns neue Hände, die treu sein
können, neue Augen, neue Ohren, ein neues Herz. Der Heilige Geist macht, daß die Ehe eine Sache zwischen mir und Gott ist, für die ich Verantwortung übernehme. Der Heilige Geist macht, daß ich Gott danke für seine Gaben, daß ich Gottes Liebe in Seinen Gaben erkenne. Er macht aber auch, daß ich zur rechten Zeit Gott anrufe, zu Ihm bete, und ihn bitte um Hilfe.
Der Heilige Geist fügt uns auch als Eheleute in eine Gemeinde ein, die uns begleitet und unterstützt, und dazu beiträgt, daß die Begleitstimme Gottes – „zu treuen Händen!“ – daß diese Stimme in Hörweite bleibt.
Dieser dreieinige Gott ist gerade auch für Eheleute, für Mann und Frau „Barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte.“

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Jan van Eyck: Arnolfini-Hochzeit, Hochzeitsbild des Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami

1434, Öl auf Holz, 82 × 59,5 cm
London, National Gallery
Kommentar: Hochzeitsbild, Porträt
Land: Niederlande
Stil: Altniederländische Malerei
[Eyck, Jan van. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 3422 (c) 2005 The Yorck Project]

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