11. 1. 2026
Pfarrer Johann Hillermann
Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
Und die Liebe Gottes
Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
Sei mit euch allen. Amen.
13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe.
14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.
16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.Text: Matthäus 3, 13-17
Gebet: Lieber HERR Jesus, gib dich uns zu erkennen, als der, der du in Wirklichkeit bist, damit es endlich Wahrheit in unserem Leben gibt. Amen.
Liebe Gemeinde!
Die Medien machen es möglich, daß die ganze Menschheit mit ansehen kann, wenn die Mächtigen sich treffen. Man kann sehen: Wie grüßen sie einander? Wer zeigt wem die kalte Schulter? Wer macht sich breit, wer wird verdrängt? Kleinigkeiten! Aber weil es nun mal die Mächtigen sind, hat die kleinste Geste möglicherweise größte Bedeutung.
Die Taufe unseres HERRN Jesus Christus ist ein Beispiel dafür.
Johannes der Täufer. Ein Mann der starken Worte. „Gott kann mit Steinen mehr anfangen, als mit euch, wenn ihr euer Bestes gebt!“ Steine haben mehr Liebe, als ihr – denn man kann sich auf sie verlassen; Steine haben mehr Glauben, als ihr – denn sie wollen es nicht besser wissen; Steine haben mehr Hoffnung, als ihr – denn Steine heucheln und verbiegen sich nicht, sondern ecken an …. Aber ihr? Ihr seid todkrank und glaubt es einfach nicht. – Johannes mußte sein Volk zurück zu Gott rufen. „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Bei Gott sind Stellen frei! Fangt neu an! Raus aus dem Schein, rein ins Sein! Raus aus dem Trug, rein in die Wahrheit! Raus aus der Sackgasse, her auf den Weg mit Gott zum guten Leben! Gott sagt zu dir: Ich bin deine Wendemöglichkeit, glaubs doch endlich!
Nach 400 Jahren war Johannes der letzte Prophet.
Liebe Gemeinde: Niemand ist freiwillig ein Prophet! Die Menschheit von den Götzen wegrufen zu Gott hin, das ist mühsam und gefährlich.
Johannes der Täufer. Schonungslos mit sich selbst und allen anderen.
Aber es gab die, die Gott recht gaben: Ja, sagten sie; mit mir stimmt etwas nicht. Nicht nur „etwas“, sondern alles ist schief und falsch und Schein. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll!
Das eben war eine Beichte. –
Johannes dann so: „Du hast Recht und Unrecht. Richtig ist: Mit dir geht’s auf keinen Fall so weiter! Aber unrichtig ist: Du weißt nicht, wo du anfangen sollst. Das stimmt nicht. Gott ist schon dein Anfang. Ist es so, dann komm ins Wasser hier.“ Das war die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünde. Komm zu Gott und zu Gottes Anfang mit dir, oder es ist alles zu Ende mit dir.
Was für eine Arbeit! Nur Gott kann mit Sündern fertig werden. Sünder sind eine furchtbare Last. Johannes mußte sich kümmern, und taufen, einen Todeskandidaten nach dem andern.
Und dann kommt Jesus. Sehr zielstrebig! „ Aus Galiläa, an den Jordan, zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe.“
Bei Jesus ist alles in Ordnung, er ist die Ordnung. Jesus muß nicht zu Gott zurückgerufen werden, er heißt und ist „Gott mit uns, Immanuel.“ Bei Jesus ist kein Schein, sondern alles Sein. Bei Jesus stimmt alles, da ist kein Mißklang, der noch in Harmonie umgestimmt werden muß. Hier steht die Liebe in Person, der Glaube in Person die Hoffnung in Person.
„Gott mit uns“, das heißt auch: Gottes Neuanfang für dich – in Person.
Was jetzt, Johannes!?!
Jeder muß mit Johannes erschrecken: „Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde – und du kommst zu mir?“ Jesus ist kein Patient, sondern der Arzt. Johannes kann Jesus nicht ins Wasser bitten. Johannes kann Jesus nicht zum Sünder erklären.
Überhaupt: Was passiert hier am Jordan?
Jesus läßt sich taufen, wie ein Sünder – aber er ist kein Sünder.
Jesus empfängt den Heiligen Geist, aber er ist doch empfangen vom Heiligen Geist! Alles an Jesus verdankt sich Gottes Heiligem Geist, da gab es keine Lücke!
Wir können Johannes immer besser verstehen, wenn er sagt: „Bei mir sind Lücken, ich brauche Gottes Gnade, oh ja – aber du? Tauf du mich! Das paßt besser! Was kann ich dir geben?“
Um so genauer müssen wir jetzt aufpassen, was da passiert! Denn was sagt Jesus zu Johannes? „Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“
„Laß es jetzt geschehen!“ Es ist eine wunderbare Sprache! Es ist kein Befehl, als würde Jesus sich über Johannes stellen. Es ist, so muß man sagen, ein „Befehl von unten.“ Jesus will, daß die Ordnung, für die Johannes steht, ihn, also Jesus aufnimmt. Jesus erkennt die Taufe des Johannes an. Alles, was Johannes gesagt hat, ist wahr. Mit den Menschen geht es so nicht weiter. Jesus sieht uns Menschen genauso: Ihr braucht alle dringend Trost und Heilung, ihr braucht alle eine Wendemöglichkeit aus der Sackgasse des Todes, die nur Gott geben kann – und die Er jetzt gibt!
„Denn so gebührt es uns – also Jesus und Johannes dem Täufer – alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ An diesem Satz hängt alles! Jesus besteht darauf, getauft zu werden, damit dies geschieht.
Wenn Jesus ins Wasser des Jordans geht – und die Taufe von Johannes empfängt: dann verbindet er sich gesetzlich und rechtlich an alle, die Johannes ruft. Jesus vollzieht damit seine Bindung an das Volk Gottes, genauer: An das Volk der Sünder. Jesus bindet sich an alle Getauften.
Und warum durch die Taufe? Damit es nicht etwas rein Persönliches von Jesus ist. Jesus tritt nicht aus eigenem Antrieb an die Öffentlichkeit, sondern mit Autorisierung, mit Vollmacht, und aus Gehorsam. Jesus ist ohne Sünde, er hat den Heiligen Geist – aber mit der Taufe im Jordan ist er ohne Sünde FÜR UNS, mit der Taufe des Johannes hat er den Heiligen Geist FÜR UNS. Es wird amtlich, offiziell, rechtskräftig, gültig. Jesus hat das alles nicht für sich, sondern seine Gerechtigkeit bekommt jetzt Bedeutung für jeden Menschen, jeden Sünder. Ja, durch die Taufe, so muß man sagen: GEHÖRT JESUS UNS.
Nur ein kleiner kurzer Vergleich, der das hoffentlich erklärt. Das englische Königshaus – bitte, vieles ist an ihm fraglich, oder auch verwerflich! – aber eins kann man auch beobachten: Der König gehört sich nicht selbst. Er hat viele Privilegien, Reichtümer, und so weiter – aber sein Amt macht ihn zur öffentlichen Person, er hat öffentliche Verpflichtungen ohne Ende. Er gehört sich nicht selbst, er gehört seinen Untertanen: Sie wollen ihn sehen, er muß erscheinen, natürlich nach Regeln ohne Ende. Die ganze Würde, die Pracht, der ganze Unterschied zum Volk, ist dazu da, den Untertanen zu dienen. Ob das immer gelingt, eine andere Frage! Mir geht es darum: Diese Person gehört sich nicht selbst.
Und das ist es, was Jesus zu Johannes sagt: Deine Taufe macht mich zu einer Person, die jetzt nicht mehr sich selbst gehört. Das muß sein! Was Jesus sagt und tut, ist nicht mehr etwas persönliches, freundschaftliches, sondern alles, was er ist, hat und tut, das meint dich. Nicht, weil du so fühlst, sondern weil es so sein soll, und weil Gott es will. So wird „alle Gerechtigkeit erfüllt.“
Jesus gehört nicht mehr sich selbst, sondern er gehört allen Sündern, die über sich erschrecken und Durst haben nach Gott. Das ist wahr, bevor du es fühlst, es ist wahr, bevor du meinst, es zu brauchen. Es ist offiziell, es gilt, es liegt bereit, zum Abholen.
„Alle Gerechtigkeit erfüllen.“ Was kann das sein? Es muß etwas sehr Großes sein, denn das ist ja der Grund und das Ziel, warum Jesus nicht mehr sich selbst gehören will.
Gerechtigkeit. Das bedeutet nicht nur: Es ist so, sondern es bedeutet: Es soll so sein. Wenn du einen Einkaufswagen voller Einkäufe hast, dann muß noch etwas geschehen, bevor du den Laden verlassen kannst. Da ist noch etwas offen. Erst, wenn du alles bezahlt hast, kannst du weiterleben, sozusagen. Dann ist die Gerechtigkeit an dieser Stelle erfüllt.
Johannes der Täufer muß allen seinen Hörern sagen: Es ist bei euch nicht so, wie es soll. Ihr seid Liebe schuldig geblieben. Ihr seid Vertrauen schuldig geblieben. Ihr seid Mut schuldig geblieben. Ihr habt Kraft und Aufmerksamkeit vergeudet, wo kein Segen ist. Die Welt ist voller Probleme, ja! – Seid ihr aber wirklich Teil der Lösung? Vor Gott bist du wirklich ein Problem! Je mehr du dich herausreden willst, um so deutlicher beweist du, daß du auf der Minus-Seite bist.
Jesus sagt nun zu Johannes: Wenn du mich taufst, dann erfüllen wir alle Gerechtigkeit. Damit sagt Jesus: Wenn du mich taufst, und ich dadurch nicht mehr mir selbst gehöre, sondern allen Minus-Menschen, dann hört mit mir das ganze Minus auf. Wenn Jesus nicht mehr sich selbst gehört, dann ist er die Gerechtigkeit, die wir alle brauchen, dann ist er das eine große Plus. Der Friede. Die Versöhnung, die Antwort, der Trost, er ist dann Arzt und Heil in einer Person.
Liebe Gemeinde! Ich mache so viele Worte! Aber Gott schafft alles mit wenigen Worten. Johannes sagt: „Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“ – Und Jesus sagt: „Laß es jetzt geschehen! So gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Jeder sagt ein Satz, und es ist alles da: Johannes der Täufer spricht das Große Minus aus: „Selbst ich, der größte und strengste Bußprediger, der jeden Sünder mit den Armen des Herzens vor Gott hieven und tragen muß, selbst ich brauche Gnade!“ – Und das Große Plus Gottes erscheint: „Mach, daß ich nicht mehr mir selbst gehöre, sondern euch allen; taufe mich und mach, daß mein Plus euer Plus wird!“
Und Jesus geht ins Wasser. Er geht dahin, wo Sünder hingehören: Er geht unter. Die Fluten und Wellen des Minus, der Ungerechtigkeit, der Sünde, der Gottesferne, der Dunkelheit gehen über ihn. Er nimmt sie auf sich. Es gibt kein Zurück mehr. Und was passiert? Der Himmel tut sich auf über ihm. Was bedeutet das eigentlich? Der Himmel kann also offen oder geschlossen sein. Was kann das bedeuten?
Der Himmel ist über uns. Der Himmel wirkt auf uns, aber nicht wir auf ihn. In Gottes Wort ist der Himmel Gottes Bereich. Alles, was von Gott kommt, das kommt von Oben, sozusagen aus Gottes Freiheit zu den Menschen. Der Himmel ist Gottes Überlegenheit. Darum beten wir im Vaterunser: „Dein Wille geschehe: wie im Himmel, so auf Erden.“ Was uns auf der Erde begegnet, das kommt von Oben, es ist bei Gott schon wahr und wirklich, und kommt von ihm zu uns.
Im Alten Testament kann der Himmel verschlossen sein, wenn zum Beispiel Gottes Segen nicht kommt. Wenn Gebete nicht erhört werden. Wenn Gottes Wort nicht erkannt wird. Wenn alles schwer und dunkel wird. Ein verschlossener Himmel ist ein Fluch, es gibt keine Hoffnung, sondern Mißtrauen und Verzweiflung. Alles spricht gegen dich.
Wenn Gott den Himmel öffnet, dann ist der Fluch zu Ende. Es wird hell und leicht. Gebete kommen an. Der Segen begleitet und trägt dich. Vertrauen lohnt sich. Alles spricht dich an und spricht für dich.
Über dem Jesus, der sich nicht mehr selbst gehört, ist und bleibt der Himmel offen. Alle das Minus, das den Himmel verschließt, ist weg. Im Namen Jesu gibt es Vergebung, gibt es Licht, gibt es Segen. Liebe ist möglich, ja, wirklich, unter dem offenen Himmel.
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – der Dreieiniger Gott ist ganz da. Der Heilige Geist wird sichtbar in der Gestalt einer Taube und senkt sich auf Jesus. Gottes Freiheit und Jesus sind untrennbar. Johannes der Täufer sieht das und bezeugt das. Gott Vater spricht vom Himmel – also von ganz oben, so daß nichts und niemand höher sein kann – „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das ist die große Bejahung. Gott der Vater, der Schöpfer, der Allmächtige, ist einverstanden. Ja, es ist wahr, gut, richtig und gewollt, daß Jesus, der Sohn Gottes, sich nicht selbst gehört, sondern meinem Volk, ja, meiner Menschheit gehört. Gott ist dabei, dafür – ja: Wir hören hier: Was Jesus tut, ist göttlich, Gott selbst tut es. An Jesus ist allen göttlich und nichts ungöttlich. Gerade auch, was er gelitten hat, ist göttlich. Und alles, was Jesus sagt und tut, und leidet, öffnet den Himmel – nicht für sich selbst, sondern für dich. Alles, was Jesus sagt und tut, das kommt vom Himmel. Es ist nicht eine menschliche Reaktion, sondern nur von Liebe, Freiheit und Wahrheit getragen. Diese Liebe, Freiheit und Wahrheit behält er aber nicht für sich, denn er gehört sich ja nicht mehr, sondern er, Jesus, bringt dir Liebe, Freiheit und Wahrheit. Jesus ist der Knecht und Diener der Liebe, der Freiheit und der Wahrheit.
Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum wir heute, am Tag der Taufe Jesu, aus dem Alten Testament, dem Buch des Propheten Jesaja gehört haben.
Dort kündigt Gott Seinen Knecht an: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.
So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen: Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, 7dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“ (Jesaja 42, 1-6). Das ist alles wahr geworden. Das ist ganz wahr geworden, und wird wahr. Du hast einen Knecht. Die Taufe gibt dir diesen Knecht. Gott gibt dir einen Knecht, ja, Gott IST dein Knecht. Dieser Knecht tut alles dafür, daß du einen offenen Himmel hast. Er übernimmt das Dunkle, das Schwere, das Unbegreifliche, den Fluch, die Verzweiflung, die Bitterkeit, und dient und spricht und leidet dagegen.
Johannes der Täufer sagt: Wer kommt da aus dem Jordan heraus? Wer ist der Sohn Gottes, der sich nicht selbst gehört, sondern Knecht wird? „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ (Johannes 1, 29). Gebe Gott, daß das jeder endlich glaubt! Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Beitragsbild: „Die Taufe Christi“, Piero della Francesca, 1448–1450
