Sexagesimae

Von | Februar 13, 2022
Mosaik: Silas, Lydia und eine Diakonissin Posidonia, an der neuen Lydia-Kirche bei Philippi

Statt einer Predigt, unser Pastor ist im wohlverdienten Urlaub, ein paar Informationen zu dem heutigen Predigttext:

9 Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Makedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns!
10 Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Makedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
11 Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis
12 und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von
Makedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in
dieser Stadt.
13 Am Sabbattag gingen wir hinaus vor das Stadttor an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.
14 Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt
Thyatira, eine Gottesfürchtige, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf,
sodass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde.
15 Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.

Apostelgeschichte 16, 9-15

Lydia war Purpurhändlerin in Philippi, wo in den Ausgrabungen die Agora zu sehen ist. Sie war eine gottesfürchtige Frau, also eine, die nicht jüdischer Herkunft war, aber Interesse am monotheistischen jüdischen Glauben hatte, die Synagoge besuchte und der jüdischen Gemeinde nahestand; somit war sie also offen für die Botschaft von Paulus und nahm deshalb ihn und Silas in ihrem Haus auf (Apostelgeschichte 16, 14 – 15); demnach war sie also Haushaltsvorstand, Witwe oder eine unabhängige Geschäftsfrau.

Lydias Geburtsort Thyatira war in der Antike bekannt als Gewinnungsort von minderwertigerem Purpur, der deshalb nicht wie der höherwertige dem Kaiser vorbehalten war. Lydia bekehrte sich mit ihrer Familie zum Christentum und wurde von Paulus am Bach vor den Toren der Stadt getauft – das war die erste im Neuen Testament berichtete Taufe in Europa. In ihrem Haus versammelte sich dann die Christengemeinde von Philippi. Nachdem man Paulus in Philippi ins Gefängnis geworfen, aber am nächsten Morgen wieder frei gelassen hatte, kehrten er und Silas nocheinmal bei Lydia ein, um sich zu verabschieden (Apostelgeschichte 16, 40).

In dem später von Paulus‘ verfassten Brief an die Philipper erwähnte er Lydia nicht, vielleicht, weil sie sich als Händlerin nur kurzfristig in Philippi aufgehalten hat.

In den Orthodoxen Kirchen wurde Lydia große Verehrung zuteil, sie wird als apostelgleich bezeichnet und auf zahlreichen Ikonen dargestellt. Nahe Philippi befinden sich wenige Reste einer frühen, ihr geweihte Basilika, eine neue Lydia-Kirche und eine Gedenkstätte an der Stelle, wo der Überlieferung nach ihre Taufe stattfand.

Quelle: heiligenlexikon.de