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Himmelfahrt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt:
2 Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf.
3 Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.
4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben.
5 Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friß viel Fleisch!
6 Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde große Macht gegeben.
7 Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner.
8 Als ich aber auf die Hörner achtgab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge.
9 Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer.
10 Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl.
Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten und die Bücher wurden aufgetan.
11 Ich merkte auf um der großen Reden willen, die das Horn redete, und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde.
12 Und mit der Macht der andern Tiere war es auch aus; denn
es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.
13 Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.
14 Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

Daniel 7, 1-14

O Jesus, unser Herr – Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Hilf uns, Dich genau so zu hören und Dir so zu vertrauen, wie es sich gehört. Amen.

Liebe Gemeinde!
Ein Christ muß auf jeden Fall auch sagen können, warum die Himmelfahrt Christi gefeiert wird. Ohne Himmelfahrt wären wir nicht hier – oder wenn wir hier wären, dann wäre das ohne Himmelfahrt sinnlos.
Jesus garantiert für Seine Worte, weil er dort ist, wo nichts und niemand ihn aufhalten kann.
Im Himmel.
Das klingt so unwirklich, oder so abgehoben, weit weg von uns, weit weg von der Realität.
Doch bedenken wir: Am Anfang schuf Gott HIMMEL und Erde. Im Vaterunser sollen wir beten: Dein Wille geschehe wie im HIMMEL, so auf Erden. Alle Realität hat ihren Anfang im Himmel. Gottes Wille, der hier auf der Erde geschieht, hat bei Ihm im Himmel angefangen. Was Gott auf der Erde tut, das steht zuvor im Himmel fest.
Jesus ist gen Himmel gefahren, Er sitzt zur rechten Hand Gottes – das bedeutet: Jesus ist genau dort, von wo aus Gott alles bestimmt. Jesus ist im Himmel, zur Rechten Gottes, das heißt: Jesus ist in der Überlegenheit. Überlegen bedeutet ja nicht: Weit entrückt, bis in die Unwirklichkeit. Sondern „überlegen“ ist: Durch keine Situation festgelegt, sondern nur durch den eigenen Willen festgelegt. Es gibt ja die Redensart: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Also: Wenn mich nichts aufhält, meinen Willen zu tun, oder meinen Willen zu bekommen, dann kann das himmlisch sein – wenn, ja, wenn … ich etwas Gescheites will.
Jesus ist im Himmel bedeutet also: Der Sohn Gottes ist mir und meiner Situation gegenüber völlig frei und überlegen. Er ist in der Lage, unter allen Umständen Seinen Willen bei mir zu tun.
Jesus im Himmel ist auch unserer Gemeinde gegenüber völlig frei und überlegen. Unsere Grenzen sind nicht Seine Grenzen. Aus Seiner Überlegenheit heraus, an unseren Schwächen vorbei, tut Er, was Er sich vorgenommen hat.
Jesus im Himmel ist auch der Situation in unserer Kirche überlegen, in unserem Land, in Europa, und überhaupt – ganz und gar nicht eingeschränkt. Jesus ist da, von wo aus Er jedes Seiner Worte bei den Menschen ohne Kompromiß wahrmachen kann und es auch tut. Jesus im Himmel: Das ist Jesus in der Überlegenheit. Jesus zur Rechten Hand Gottes, das ist Jesus in der Freiheit.
Nun kann man sagen: Das wissen wir von Gott. Gott ist allmächtig. Was ist zu Himmelfahrt neu? Was ist seit Himmelfahrt anders?
Wir feiern, daß kein anderer, als eben Jesus, gen Himmel aufgefahren ist. Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott. Jesus, der unter Pontius Pilatus gelitten hat, der gekreuzigt wurde, der der den Tod erlitten hat – der ist in die Überlegenheit und Freiheit Gottes gekommen. Er hat alle Macht, Er hat alle Möglichkeiten, Er hat das letzte Wort – Er ist nicht der Geschichte unterworfen, sondern die Geschichte muß Ihm dienen. Und anders als wirklich alle Politiker, erfüllt Er Seine Verheißungen. Er bringt Gottes Gnade wirklich. Er trennt ab von der Macht des Bösen. Er steht zu jedem Seiner Versprechen.
Jetzt aber zum Predigttext!
Dieser Text aus dem Alten Testament ist deshalb dem heutigen Feiertag zugeordnet worden, weil hier von einer menschlichen Gestalt die Rede ist, „wie eines Menschen Sohn.“
Der Prophet Daniel sieht und schreibt auf: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.
Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“ – Diese Person bekommt „Macht, Ehre und Herrschaft“ über alle Völker.
Aber jetzt kommt es darauf an, was sich davor abspielt.
Erstmal: Was ist das Besondere an dem Propheten Daniel?
Daniel sieht und schreibt das alles als machtloser Israelit, fern vom Heiligen Land. Er mußte miterleben, wie das Volk Israel als seine Macht vollständig verlor. Jerusalem wurde erobert, zerstört und verbrannt, – auch der Tempel Gottes. Die Mächtigen, die Könige, die Priester wurde gedemütigt, getötet, und verschleppt. Daniel wird in der Fremde zu einem mächtigen Mann – ständig versucht man, ihm seine Identität als Israelit auszulöschen. Das gelingt zwar nicht – aber als Israelit ist er machtlos. Zugleich erlebt er aber als Israelit, wie eine Weltmacht entsteht, wie sie handelt, wie sie Macht ausübt, und was die Macht mit Menschen – den Mächtigen und den Ohnmächtigen – tut.
Das müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir nun dieses Nachtgesicht betrachten, dessen Ende, dessen gutes Ende, das Kommen des Menschensohns ist.
Daniel sieht ein Meer, das von den vier Winden aufgewühlt ist. Gewaltige, übermenschliche Energien und Kräfte toben und zeigen ihre Macht. In der biblischen Sprache ist das ein Bild für das Chaos der Weltgeschichte. Verschiedene Mächte aller Art wühlen in der Menschheit, Völker und Machtzentren kämpfen miteinander.
Dann sieht Daniel vier Tiere aus diesem Chaos aufsteigen. Und was für Tiere! Ein Löwe, ein Bär, ein Gepard, und ein namenloses Ungeheuer, mit zehn Hörnern, dem noch ein elftes Horn wächst.
Die Tiere sind nicht in einem natürlichen Zustand: Der Löwe hat Adlersflügel, geht aufrecht, wie ein Mensch, und bekommt ein menschliches Herz. Der Bär ist riesig, hat Rippen im Maul und bekommt den Befehl, viel Fleisch zu fressen. Der Gepard hat gar vier Köpfe und vier Flügel. Grotesk, unheimlich! Das letzte Tier hat, wie gesagt, 10 Hörner, und es wächst noch eins nach, es hat eiserne Zähne, und eiserne Füße. Und – furchtbar! – das nachwachsende Horn hat Menschenaugen.
Was soll man dazu sagen? Auf jeden Fall sollen diese Erscheinungen zeigen, wie Tiere, die an sich schon hervorragende Kräfte haben, ihre Kraft steigern, mit Flügeln, eisernen Zähnen, und so weiter. Eine vorhandene Macht wird weiter und weiter ausgebaut und gesteigert – über die Grenzen der Schöpfung hinaus. Es ist die Macht, die um ihrer selbst willen sich steigert. Sie ist eine Verzerrung von Gottes Schöpfung. Besonders die Kombination von Hörnern, eisernen Zähnen und dann … menschlichen Augen finde ich furchtbar. Es ist gerade genug da zu zeigen, daß es keine anonyme Naturgewalt ist, sondern daß eine menschliche Person, ein menschlicher Wille, der weiß, wie ich mich fühle – dieser Wille, der mein Menschsein einfach übergeht und niedertritt: Das trifft die Seele und tut extra weh.
Schon im Alten Testament, aber auch im Christentum hat man von Anfang an diese vier Gestalten als eine Weissagung über die Weltgeschichte als Geschichte der Macht verstanden. Der geflügelte Löwe sei das Reich, unter dem Daniel lebte, also das Babylonische Weltreich. Der Bär dann das Persisch-medische Reich; der Gepard das griechische Weltreich unter Alexander dem Großen, und schließlich das Römische Weltreich als das letzte unheimliche, grausame und übermächtige Gebilde.
Sie alle bauen ihre Macht zusammen aus Teilen der Wirklichkeit – der Löwe ist nicht nur Löwe, sondern er hat auch Flügel, das steigert seine Macht sofort. Diese Machtkonzentration ist aber ein Mehr von der Macht, die schon da ist. Durch das Chaos von Energien und Kräften kombinieren sich Machtfaktoren und steigern sich ins Unermeßliche. Waffen, Wirtschaft, Information. Bodenschätze, Wissenschaft, Menschenkenntnis, Energiequellen. Das wird gesammelt, geraubt, mit Propaganda und Medien vor den Seelen der Menschen aufgebaut …. Das letzte Tier brüllt große Worte. Die Zutaten sind noch aus Gottes Schöpfung, aber die Mischung, die Kombination die Anhäufung und die Dimensionen sind nicht mehr aus Gottes Schöpfung. Sie sind Ausdruck der Sünde, wie Gott sein zu wollen. Niemanden über sich zu haben, sich von niemandem etwas sagen zu lassen.
Daniel, der die Ohnmacht am eigenen Leib durchlitten hat, der die Widerlegung seines Volkes miterlebt hat, dem zeigt Gott den Weg und das Wesen der menschlichen Machtkonzentration – der Reiche. Unheimlich, schrecklich, unaufhaltsam, zerstörerisch. Und am Ende? Immer mehr hört man, daß neue Kombinationen der Macht sich Rüsten. Die Grenzen zwischen menschlichem Körper und Computer, zwischen eigenem Denken und Information sollen aktiv verwischt werden. Es ist doch jetzt schon so, daß man ohne Internet, ohne Codes auf einem Handy immer weniger am Leben teilnehmen kann. Transhumanismus ist das Ziel. Der menschliche Körper ist nicht privat oder ein Rückzugsort, sondern der Platz, wo Macht ausgeübt wird. Es wird offen darüber gesprochen, daß die Seele des Menschen durch Technik besetzt und beherrscht werden kann und soll. – Ein neues Beispiel für eine Kombination von Gottes Schöpfung, die den Menschen überwältigt.
Das ist unheimlich und einschüchternd.
Das Gefühl der Ohnmacht kann einen packen, wenn man das bedenkt.
Der Prophet Daniel erlebt das alles, und ihm wird gezeigt, daß diese scheinbar allmächtigen Systeme von Gott, dem Schöpfer, gerichtet werden. Sie werden zerfallen. Das brutale, machtbesessene Zusammenfügen von Gottes Geschöpfen zu Macht um ihrer selbst willen – Gott zieht den Stecker raus. Vom Himmel aus zieht Gott den Stecker raus.
Und dann? Gottes Wort sagt uns, daß Sein Ziel der Menschensohn ist. Der Menschensohn ist nicht das Ergebnis dieser Machtkämpfe. Der Menschensohn beteiligt sich nicht daran. Sondern der himmlische Vater übergibt ihm die Macht.
Jesus hat sich im Evangelium immer wieder den „Menschensohn“ genannt. Darum hat er niemals nach irgendeiner Macht gegriffen, oder sie programmatisch organisiert. Er wußte, daß Sein Vater ihm die Macht geben wird. Als der Sohn EMPFÄNGT er die Macht. Das ist gute Macht. Keine Steigerung, kein Aufpumpen, kein System ersetzt diese eine Tatsache: Der Menschensohn empfängt die Macht.
Jesus hat diese Worte aus Daniel direkt auf sich bezogen. Und wann? Genau dann, als er in den Augen der Weltmacht am schwächsten, am ohnmächtigsten dastand: Vor dem Hohenpriester. Der hatte Jesus direkt gefragt: „Bist der Messias, der Sohn Gottes?“ – Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels.“ (Matthäus 26, 63-64). Das war sein Todesurteil. Er, der gefangene, von allen Verlassene, ohne Armee, ohne Propaganda, ohne Finanzen – er soll das letzte Wort über die Hohenpriester haben? Pilatus, der Statthalter der Weltmacht, sagte zum Menschensohn: „Weißt du nicht, daß ich die Macht habe, dich zu kreuzigen, oder ich freizulassen?“ Jesus antwortet: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre“ (Johannes 19, 11) – also von Gott. Jesus steht dafür, daß Gottes Macht empfangene Macht ist, und Macht ist, die von Menschengestalt verkörpert wird.
Das feiern wir zu Himmelfahrt. Jesus setzt Seine Überlegenheit für uns ein. Er übt Seine Macht aus mit menschlichen Worten. Mit Handauflegung, mit Vergebung, mit Gnade und Segen. Wenn alle sich ausgetobt haben, wird er noch der sein, den wir jetzt begegnen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Meister des Rabula-Evangeliums: Rabula-Evangelium, Szene: Christi Himmelfahrt

586, Pergament, 34 × 27 cm
Florenz, Biblioteca Medicea-Laurenziana
Kommentar: Buchmalerei, im Johanneskloster in Zagba entstanden
Land: Syrien
Stil: Spätantike
[Meister des Rabula-Evangeliums. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 7884 (c) 2005 The Yorck Project]

Rogate

Der HERR ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott, dem Vater,
und von dem HERRN Jesus Christus!

1 Und es begab sich, daß er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
4 und vergib uns unsre Sünden;
denn auch wir vergeben allen,
die an uns schuldig werden.
Und führe uns nicht in Versuchung.
5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;
6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,
7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.
9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete?
12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete?
13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lukas 11, 1-13

HERR, lehre uns beten! Amen.

Liebe Gemeinde!
Eins wirst du niemals bereuen: Jedes Gebet.
Eins wirst du dir in Ewigkeit vorwerfen: Jedes versäumte Gebet.
So heißt es in Psalm 116:
„Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Ängste der Hölle hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: O HERR, errette mein Seele!“ Mit anderen Worten: Alles war schrecklich, ABER ich betete. Das wird Gott nicht vergessen.
Umgekehrt: Alles war schrecklich. Gott wollte ganz und gar für mich da sein. Aber ich rief Ihn nicht an. – Wie konnte ich nur!
Beten ist eine Notwendigkeit. Wer sprechen, ja, wer denken oder auch nur rufen oder schreien kann, der kann auch beten.
Psalm 94,9 sagt uns: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“ Du kannst hören und sehen. Hast du dein Ohr gemacht, ja oder nein? Nein. Aber jemand hat es gemacht. Sollte Gott, der das Ohr wunderbar gemacht hat, selber etwa nicht hören? Wie absurd wäre das! Gott macht Augen, die sehen, aber Er soll selber blind sein und hilflos rumtappen? Komm, hör doch auf!
Was ich damit sagen will: Was du sprichst, denkst, schreist und rufst – das ist schon bei Gott angekommen. Es wird bei Gott 1000mal deutlicher und klarer gehört und vernommen, als du es aussprechen kannst. Sprache ist schon Gebet, denn sie kommt bei Gott an. Jetzt ist nur die Frage, welche Sprache ist gut für mich, welche Sprache will Gott erhören.
Oder wollen wir wie die Leute in der Bahn und auf der Straße sein, die hemmungslos vor sich hin ins Telefon reden – aber die Menschen, die vor ihnen sind, nicht meinen. Soll Gott unsere Worte hören, aber wir meinen nie ihn?
Jesus macht das Beten so einfach wie möglich, ja, so einfach, daß es uns unheimlich wird, weil alle Ausreden wegfallen. Wenn Jesus mit dir fertig ist, dann hast du einfach keinen Grund mehr, nicht zu beten. Wenn du dann noch nicht betest, dann eben ohne Grund. Das ist dann so absurd wie sagen: Ok. Gott pflanzt das Ohr, aber Gott mich hören? Nein.
Beten ist leider überhaupt nicht kompliziert, sondern unheimlich einfach.
Jesus betet selber. Oh wie kompliziert! Jesus ist doch Gottes Sohn, warum betet er? Er ist aber doch zugleich wahrer Mensch. Er betet, weil das zum perfekten Menschsein gehört. Er betet, damit seine Jünger richtig Lust bekommen, selber zu beten.
Darum fragen und bitten sie: „HERR, lehre uns beten!“ Das heißt hier: HERR, hol uns aus allen unseren Komplikationen, aus unserem Mißtrauen, aus unseren Grübeleien heraus, damit wir mehr Mensch sind vor Gott, und beten.
Das könnt ihr haben, sagt Jesus. Und dann schenkt er uns ein Wunder, nämlich das Vaterunser. Ist das zuviel gesagt? Übertrieben?
1. „Vater!“ – Erstes Wunder. Gott, den Schöpfer Himmels
und der Erde „Vater“ nennen. Ein Vater will, daß sein Kind da ist und lebt. Wer zu Gott „Vater“ sagt, hat alles gesagt: Gott will, daß es mich gibt. Gott, du wolltest, daß es mich gibt – darum: bitte! Da bin ich! – Das ist sofort eine himmelweit andere Situation, als wie wenn ich mit meinem Leben allein da sitze, nicht ein noch aus weiß, oder gelangweilt bin, und alles sinnlos finde, oder wie wenn ich glaube: Ich hab mir alles selber gemacht, und kann abgreifen, was ich will. Wer zu Gott „Vater“ sagt, sagt damit: Ok. Ich bin nicht Gott. Aber das ist nicht schlimm. Denn ich bin deshalb nicht nichts. Ich bin Sein Kind.
Das ist ein Wunder.
2. Dein Name werde geheiligt: Also: Gott, ich nenne dich
3. Vater. Aber wie Du mein Vater sein willst, das überlasse
ich ganz und gar Dir. Du bist heilig. Dein Name ist heilig. Bitte mach, daß ich es nicht mit Dir verderbe. Bitte sei immer wieder aufs Neue Gott und Vater für mich. Und laß es nicht zu, daß ich Dich nach meinen Wünschen umbaue, und am Ende aus Versehen mich selber anbete. Gott, bitte mach, daß ich mich nicht mir Dir verwechsle! Bleib mein Gegenüber, bleib, wer Du bist, Gott! – Diese Bitte ist schon wieder ein Wunder.
4. Dein Reich komme: Laß mich Deine Macht erfahren. Laß
mich dort sein, wo Du Dich durchsetzt. Gott, ich will dabei sein, wo Du alles beseitigst, was gegen Dich spricht, was Deine Werke zerstört, laß mich dabei sein, wo die Lüge ihre Macht verliert, wo Deine Liebe sichtbar wird – laß mich dabei sein! – Wer so betet, gibt zu, daß er gerne von dem befreit werden will von dem, was zwischen mir und Gott im Weg ist. – Wenn das kein Wunder ist!
5. Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag: So kann nur
bitten, wer alle Sorgen auf Gott wirft. Wer so bittet, ist bereit, in jeder Gabe den Geber zu schmecken, und Vitamin LG in sich aufzunehmen. LG = Liebe Gottes. Jesus ist immer gegen die Sorge, gegen jede Sorge. Du könntest beten. Das ist immer besser als nicht beten. – Schon wieder ein Wunder.
6. Vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen,
die an uns schuldig werden. – Wer diese Bitte ausspricht, der begibt sich in folgende Situation vor Gott: Ich brauche Vergebung, und zwar so dringend, wie Luft. Denn ich merke gerade, wie meine Torheit gegen mich spricht. Oh Gott, bitte nimm das weg! Das bin nicht ich! – Und weiter: „Wir vergeben allen, die an uns schuldig werden.“ – Was passiert da? – Du merkst folgendes: Wenn dir jemand Unrecht tut, dann wird ihn Gottes Gesetz so anklagen, daß er keine Chance mehr hat. Und Du sagst zu Gott: Bitte, Gott, mach ihn meinetwegen nicht fertig! – Ich glaube, auch diese Bitte ist ein Wunder.
7. „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Da ist eine
notwendige Bitte. Denn nach all den Wundern kann einem schwindelig werden. Da kann es passieren, daß man sich völlig blöd vorkommt, und plötzlich in tiefe Zweifel stürzt. Wir kennen uns ja nicht so gut. Wie werde ich in bestimmten Situationen reagieren? Werde ich vielleicht vergessen, zu beten? Ist am Ende nicht doch alles eine Übertreibung? – O Gott, laß es nicht soweit kommen! Führe uns nicht in diese Versuchung! Amen.
Das ist ein richtiger atemberaubender Schnellkurs, den Jesus seinen Jüngern da gibt. Aber sie wollten ja! Da hat man ein Leben lang zu lernen. Das Vaterunser ist das Rückenmark aller Gebete. Jesus gibt und Sprache und Worte, die Gott nicht nur hört, sondern erhört. Zugleich Worte, die uns von A bis Z in den Bereich der Wunder versetzen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Bild mit Text gestaltet von Lioba Fenske.

Jubilate

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

4 Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis

5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.

7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.

8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockene sehe. Und es geschah so.

10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.

11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so.

12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre

15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.

16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde

18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war.

19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels.

21 Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.

23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.

25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.

30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.

31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Mose 1 – 2,3

Allmächtiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Dir, zu Dir und in Dir sind alle Dinge. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde!
In unserem ältesten Osterlied: „Christ ist erstanden ..“ wir werden es zum Ausgang singen – es ist als deutsches Lied fast 1000 Jahre alt – singt die Christenheit: „Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Wäre Jesus nicht von den Toten auferstanden, dann hätten die Recht behalten, die ihn gekreuzigt hatten. Das hätte die Welt zerstört. Das singen wir wörtlich. Daß die Welt steht, verdanken wir Ostern. Das ist keine Übertreibung und keine Poesie. Christen glauben das von ganzem Herzen.
Doch wo ist da der Zusammenhang?
Wir haben den wunderbaren Bericht von der Schöpfung noch einmal gehört. Es sind so schlichte, fast kindliche Worte, und zugleich erhaben und voller Geist und Vollmacht. Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt: Aus nichts,schafft Gott ganz überlegen : Das Licht, das Leben, Pflanzen, Tiere, Menschen. Er schafft Ordnung aus dem Chaos. Das alles in überwältigender Größe, Vielfalt, mit ungeheuren Kräften und Energien. Das auf der einen Seite – und auf der anderen Seite Jesus von Nazareth, geboren von der Jungfrau Maria, geboren in Bethlehem, gekreuzigt in Jerusalem. – An ihm hängt es, daß die Welt nicht vergangen ist?
Im Nizänischen Glaubensbekenntnis bekennt die Christenheit: „Ich glaube … an den Einen Herrn, Jesus Christus …. durch welchen alles geschaffen ist.“ Jesus Christus, als der ewige Sohn Gottes war an der Schöpfung Himmels und der Erden beteiligt, ganz entscheidend beteiligt. Im Neuen Testament wird das mehrfach bezeugt und klar ausgesagt.
So hören wir im Epheserbrief: Gott hat alle Dinge geschaffen durch Jesus Christus. (Epheser 3, 9), und im Kolosserbrief: Durch Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. (Kolosser 1, 16).
Überdeutlich sagt uns das der Evangelist Johannes im Anfang seines Evangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nicht gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Johannes 1, 1-4). Und einer geht noch: Der Hebräerbrief lehrt uns: Gott hat durch Seinen Sohn die Welt gemacht ….der trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. (Hebräer 1, 2-3).
Da haben wir den Zusammenhang: „Wär er nicht erstanden“ – wäre also der Sohn Gottes, der als Wort Gottes die Welt geschaffen hat, und mit seinem Wort trägt, wenn der im Tod geblieben wäre, „so wär‘ die Welt vergangen.“
Zwischen dem Nichts und dem All sind nicht unzählige zufällige Übergänge, sondern das eine persönliche Wort Gottes, das selbst Gott ist. Keine Entwicklung kann das, was das Wort Gottes tut.
Die menschliche Vernunft kann nur sagen: „Aus nichts kommt nichts.“ Zwischen Nichts und Etwas ist eine unendliche Kluft.
Doch Gott sagt uns, was zwischen Nichts und Etwas ist: Sein Wort, das selbst Gott ist.
Genau, wie das Nichts nicht hervorbringen kann – wenn Gott nicht spricht: „Es werde!“ – so kann auch die Finsternis kein Licht hervorbringen. Die Finsternis weiß nichts vom Licht. Daß es Licht gibt, verdanken wir Gott in Seinem Wort. Das Wort überbrückt sofort die unendliche Kluft zwischen Finsternis und Licht. Die Finsternis, sich selbst überlassen, kann nicht mit unendlichen Zufällen und Übergängen Licht machen. Das Wort tut es. Das Wort ist dazwischen, dabei.
Das ist das Geheimnis der ganzen Schöpfungsgeschichte.
Chaos kann nicht Ordnung hervorbringen, doch Gottes Wort schafft eine Feste, ein Firmament, stabile Koordinaten mit Oben und Unten, eine Matrix und ein Schauplatz für alles. Zwischen Chaos und Ordnung ist Gottes Wort.
Das Wort kommt zuerst – im Wort ist die ganze Realität schon da. Von einem blinden Prozeß hören wir in dem Schöpfungsbericht ganz und gar nichts. Jedes Werk spricht Gott erst aus und dann verwirklicht Er es. Es ist alles Wille und Absicht. Unendliche Zufälle und Übergänge können auch niemals „gut“ genannt werden. Doch Gott heißt Seine Schöpfung immer wieder gut.
Die Gewässer und das Trockene wissen nichts vom Leben, könnten es auch niemals hervorbringen. Doch Gott spricht: „Die Erde sprieße mit Pflanzen“ – die wachsen und leblose Elemente in sich aufnehmen, die auch das Licht in sich aufnehmen, und das alles in einen lebendigen Organismus einbauen – und diese leblosen Elemente fügen sich so zusammen, daß es Samen und Früchte gibt. Das Leben hat es in sich, weiterzugehen, sich zu vermehren. Zwischen Tod und Leben ist eine Unendlichkeit, die das Leblose niemals von sich aus überbrücken kann, doch Gott tut es, mit Seinem Wort. Sein Wort ist zwischen und über Tod und Leben.
Schließlich schafft Gott den Menschen in Seinem Bild. Der Mensch besteht auch aus leblosen Elementen, der Mensch hat mit Pflanzen und Tieren viele viele Gesetze des Lebens gemeinsam, und nun schafft der Gott des Wortes ein sprachliches Lebewesen mitten in der Schöpfung. Zwischen sprachlosem Leben ohne Wort und uns Menschen mit der Sprache ist eine Kluft. Kein Papagei, kein Hund, der Befehle ausführt, kann uns darüber hinwegtäuschen, daß wir Menschen mit der Sprachfähigkeit himmelweit von allen Geschöpfen sind. Ein sprachloses Wesen kann seinem Nachkommen niemals Sprache beibringen. Zwischen uns und dem Rest der Schöpfung ist das Wort. Das göttliche Wort. – Das ist der Zusammenhang: „Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Der Sohn Gottes trägt es alles mit seinem mächtigen Wort. Er bewahrt die Schöpfung. Ohne ihn kann die Schöpfung nicht bewahrt werden.
Vor allem aber wir selbst. Wir leben davon, daß Gott mit uns spricht. Im Evangelium hören wir die Worte des Lebens. Wir können das nicht wörtlich genug nehmen. Wenn wir Jesus begegnen, dann begegnen wir dem göttlichen Wort, das hinter unserer Wirklichkeit steht.
„Wär‘ er nicht erstanden, so wär‘ die Welt vergangen.“ Das bedeutet auch, daß keine Wirklichkeit das Evangelium unwahr machen kann, oder widerlegen oder überholen. Paulus faßt das so zusammen: „Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“(Römer 8, 38-39).

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Luca Giordano: Fresken in der Galerie des Palazzo Medici-Riccardi in Florenz, Szene: Die Erschaffung des Menschen

Reinigungsdienste

Da wir jetzt keinen Hausmeister mehr haben, der bestimmte Dienste übernommen hat, ergeht eine Bitte an die Gemeinde diese Lücke auszufüllen.

Thomas Franke hat die Organisation der Dienste übernommen und beteiligt sich auch selbst mit daran (mit einmal im Monat die Reinigung der Herren- und Behindertentoilette zu übernehmen).

Folgende Dienste müssen einmal in der Woche (Minimum einmal im Monat) gemacht werden:

  • Damentoilette (Papier, Handtücher, Putzen, Papierkorb leeren)
  • Herrentoilette (- “ -)
  • Behindertentoilette (- “ -)
  • Gemeindesaal (Staubsaugen oder Wischen, Papierkorb leeren)

Alle Interessenten melden sich bitte bei Thomas Franke.

Herzlichen Dank an alle Helfer im Voraus!

Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

Matthäus 23.11f

Miserikordias Domini

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

15 Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er
zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Johannes 21, 15-19

Lieber Herr und Heiland, führe uns zum frischen Wasser, zur Speise, die unsere Seele nährt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Kein Mensch kann sich heute beklagen, daß die Bibel zu schwer sei, zu schwer zu verstehen.
Jesus fragt Petrus: Hast du mich lieb?
Und Petrus antwortet: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe.
Jedes Kind, das das Wort „Liebe“ einmal begriffen hat, und weiß was eine Frage und eine Antwort ist, und wer „Ich“ und „Du“ sind, kann dem Gespräch genauestens folgen und alles mitnehmen.
Hast du mich lieb? – Ja.
Eine Seele lebt in diesem Gespräch. Jede Seele lebt davon, diese Worte zu sprechen und zu hören. Da sein ist nicht genug. Geliebt werden muß einfach auch sein, und Liebe aussprechen, auch das muß sein.
Liebe Gemeinde, diese einfache Wirklichkeit soll uns durch dieses Evangelium leiten.
Jesus der Gekreuzigte und Auferstandene fragt Petrus. Petrus, der mit Jesus sterben wollte, und dann plötzlich schwur: „Ich kenne den Menschen Jesus nicht!“ Petrus, der dann über sich erschrocken war, und bitterlich geweint hatte. Petrus, der sich mit den Jüngern aus Furcht vor den Juden eingeschlossen hatte. Petrus, der das leere Grab gesehen hatte, und dann den Auferstandenen. Und geht er in den Alltag zurück: Fischen, das war ja sein Beruf gewesen, bevor Jesus ihn gerufen hatte. Doch Jesus stand schon am Ufer und hatte was mit Petrus vor.
Sie essen zusammen und dann kommt das Gespräch.
Dieser so ganz einfache Wortwechsel, der jede Seele berührt.
Aber jetzt müssen wir doch ein bißchen nachdenken.
Was geschieht eigentlich, wenn Jesus fragt?
Wenn wir fragen, dann wollen wir etwas hören, was wir nicht wissen. Oder wir brauchen Sicherheit, wo wir Zweifel haben. Dann fragen wir.
Aber Jesus? „Er kannte sie alle und bedurfte nicht, daß ihm jemand Zeugnis gab vom Menschen; denn er wußte, was im Menschen war.“ (Johannes 2, 25). Warum fragt Jesus, wenn er es schon wissen kann, ja, wenn er es schon genau weiß, besser, als Petrus es weiß?
Und warum fragt er Petrus, der sich so grob falsch eingeschätzt hatte! „Wenn sich auch alle sich an dir ärgern: Ich nicht!“ – „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen!“ – Ja. Wir wissen, wie es dann kam.
Welche Aussage konnte Petrus über sich machen?
Was kannst du über dich vor Gott sagen?
Was geschieht wenn der allwissende Jesus Petrus fragt, der über sich nichts mit Gewißheit aussagen kann? Soll er wieder von sich selbst enttäuscht werden?
Jesus fragt mit menschlichen Worten, die ein kleines Kind verstehen kann – aber der Sohn Gottes fragt mit göttlicher Macht, mit göttlicher Liebe. Seine Frage ist ein Handeln an seinem Jünger.
Die Frage schafft einen Schutzraum für Petrus.
Das muß Petrus aber erst noch erfahren.
Die Frage läßt Petrus erst einmal noch sich selbst fühlen. Seine Grenzen, seine Schwächen, seine Fehler werden Petrus noch einmal bewußt – sie fallen ihm aufs Herz, ins Gewissen.
Liebe Gemeinde! Es ist immer ein entscheidender Teil von Gottes Weg, daß du erkennst, wer du vor Gott bist. Du bist ein Geschöpf: Wir haben gesungen: „Er hat uns erschaffen, Ihm zur Ehr, und nicht wir selbst, durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.“ Geschöpf und Sünder. Mit peinlichen Fehlern. Mit Dingen, die wir nicht wieder gut machen können. Wer in Gottes Schutzraum soll, der kann nur als solcher hinein wie Gott ihn sieht. Als Geschöpf und Sünder. Das spürt Petrus an Leib und Seele. Schon, daß Jesus ihn mit „Simon, Sohn des Johannes“ anredet: Sohn seines Vaters. Mit dem Namen Simon – als solcher kam er zu Jesus und wußte nichts, keine Ahnung.
Du, der du dein Leben nicht in der Hand hast, und nicht weißt, was morgen sein wird – hast du mich lieb?
Petrus antwortet so, wie ein Geschöpf antworten kann: „Ja HERR; du weißt, daß ich dich lieb habe.“ Was für eine Antwort! Gott, du weißt es, ja, du weißt es am besten – besser als ich! Bitte, finde du selbst die Liebe, die in mir ist! Mit dieser Antwort ist Petrus in den Schutzraum eingetreten, den Jesus mit seiner Frage geschaffen hat.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst neu kennen lernen kann und kennen lernen muß. Jesus fragt so, daß Petrus in der Liebe Gottes aufwacht.
Jesus fragt so, daß Petrus sich selbst als Geschöpf und Sünder fühlt, erfährt – mit allem Schmerz, allem Schrecken, aller Scham, das ganze Programm. Unser göttlich inspirierte Evangelist Johannes packt es in ein einziges Wort: „Petrus ward TRAURIG, daß Jesus zum dritten Mal zu ihm sagte: „Hast du mich lieb?“ Traurig. Es gibt eine Traurigkeit, die ist Teil von Gottes Weg mit dir. Paulus weiß davon, und schreibt: „Denn göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod.“ (2. Korinther 2, 10). Man muß sich nichts vormachen: Petrus ward traurig, ganz und gar, durch und durch. Er war mit sich am Ende. Aber die Liebe war da. „Ja HERR, du weißt alle Dinge, DU weißt, daß ich dich lieb habe.“
„Weide meine Lämmer.“
Da hat Petrus gerade den höchsten Auftrag von Gott bekommen.
Wie ist das? Eben hat Petrus alle Bewerbungsschreiben, alle Zeugnisse, alle Lebensläufe weggeschmissen und gelöscht – und dann: „Du bist eingestellt. Du hast den Job.“
„Weide meine Lämmer!“ – Petrus ist jetzt zuständig für die neugeborenen Gotteskinder. Verantwortung für ein Kind, ein neugeborenes erfaßt den ganzen Menschen. Jede Kraft ist nötig, für ein Kind dazusein.
Eben noch spürt Petrus seine absoluten Grenzen, und dann vertraut ihm Gott Seine Kinder an. Bei Kindern versteht niemand Spaß, auch Gott nicht.
Jesus muß beschlossen haben, daß Petrus der Richtige ist. Petrus, der die Liebe seinem HERRN in die Hände legt: „Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe!“
Petrus hat das bestimmt nicht gesucht oder angestrebt. Petrus bleibt nichts anderes übrig, als sich nun so zu sehen, wie er von Jesus gesehen wird. Jesus sieht in ihm den, der sich um Gottes Kinder kümmert.
Jesus fragt – aber diese Frage führt Petrus dahin, daß er Gottes große Gnade erfährt.
Jesus beauftragt – aber dieser Auftrag zeigt, wie die Liebe Gottes alles trägt.
So ist das bis heute. Jesus, der auferstandene HERR, setzt Diener ein, die sich um Gottes Kinder kümmern. Diese Diener weiden die Gemeinde Gottes mit dem Wort Gottes und mit den Sakramenten, die Jesus gegeben hat: Die Heilige Taufe und das Heilige Abendmahl. Dazu auch die Lossprechung der Sünden.
Jesus ist zwischen seinen Dienern und der Gemeinde, er ist über seinen Dienern und der Gemeinde, und auch unter beiden, sie zu tragen.
Das kommt zum Ausdruck, ja, es wird Wirklichkeit, in einem kurzen Gespräch zwischen Pastor und Gemeinde. Der Pastor sagt: „Der HERR sei mit euch!“ – Und die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geist!“ Auch so ein kurzes Gespräch, in dem alles, die ganze Geschichte zwischen Jesus und Petrus, vollständig enthalten ist.
„Der HERR sei mit euch!“ – Der Heiland sei mit euch, der, der für euch Mensch geworden ist, sei bei euch! Der, der das Verlorene gesucht hat, suche und finde euch! Der, der Sünde die Macht genommen hat, tue Sein Werk an euch! Der, der die Strafe Gottes für euch getragen hat, nehme eure Lasten ab! Der Überwinder des Todes schütze euch jetzt! – Das ganze Evangelium erreiche eure Seele und richte sie auf! Das ist alles in dem Gruß: „Der HERR sei mit euch!“ Jetzt soll Jesus an euch tun, was Er gerne tut!
„Und mit deinem Geist!“ – Da sagt die Gemeinde: Wir nehmen diesen Dienst an, weil Jesus selbst in diesem Dienst anwesend ist. Jesus soll auch an dem Diener tun, was er an uns tut. „Und mit deinem Geist!“ ist das eine Gebet der Gemeinde für den Pastor, in dem alles gesagt ist. Gott soll den Geist des Dieners segnen und schützen, damit der Dienst gut und richtig nach Gottes Willen verläuft. Seine Schwächen mögen Gott nicht aufhalten oder im Weg stehen.
Dieses Gespräch zwischen Pastor – was ja übersetzt „Hirte“ besagt! – und Gemeinde findet dreimal im Hauptgottesdienst statt. Es ist jedes Mal nötig.
Es geschieht noch etwas Unglaubliches dort nach dem Frühstück am See zwischen Jesus und Petrus.
Jesus deutet Petrus an, daß er als Märtyrer sterben wird: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ Petrus ist dann auch in Rom gekreuzigt worden.
Aber man bedenke: Petrus geht als Apostel in die Welt hinein und es steht fest: Am Ende wirst du geführt werden, wohin du nicht willst.
Was heißt das? Am Ende ist keine eigene Herrlichkeit: Reichtum, Erfolgt, Beliebtheit, Anerkennung von Menschen ….
Wenn Petrus jetzt doch losgeht und Jesus nachfolgt, was heißt das? Das heißt, daß er die Erfüllung seines Lebens jetzt schon bei sich hat. Die Erfüllung kommt nicht erst, irgendwann, wenn bestimmte Ziele erreicht wurden. Sondern jetzt. Wenn Jesus ihm vergibt, wenn der Auferstandene Petrus einen Platz im Reich Gottes gibt – das ist alles, das ist das Höchste. Das kann ein Kreuzestod am Ende nicht mehr kaputtmachen.
Und noch etwas: Petrus weidet die Lämmer und Schafe Gottes ohne Begehren, ohne Hintergedanken: Er sucht nichts für sich selbst in seinem Dienst: Keinen Reichtum, keine menschliche Anerkennung, keine Bestätigung. Das alles hat er schon überreichlich mit Jesus bekommen. Da kann er ganz anders für die Herde da sein.
Wenn die Liebe Gottes dich erreicht hat, dann wird Gott dir helfen, ganz für die Menschen da zu sein, die Gott dir anvertraut hat. Dann hast Du Gottes Liebe weitergegeben. Das ist das Größte.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild: Ausschnitt aus ‚Auferstehungsikone‘, Ikonenmuseum Frankfurt

Quasimodogeniti

Der HERR ist auferstanden –
er ist wahrhaftig auferstanden.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott dem Vater
und von Jesus Christus! Amen.

Allmächtiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Dir, zu Dir und in Dir sind alle Dinge. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

Kolosser 2, 12-15

HERR, segne diese Worte an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute geht es um die Anwendung von Ostern. „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Leben ans Licht gebracht durch das Evangelium.“( 2. Timotheus 1,10). Und jetzt? Und heute? Und hier? Und ich?
Was bedeutet es überhaupt, daß der Tod seine Macht verliert? Verliert der Tod dann seine Macht, wenn ich keine Angst habe? Oder wenn ich keine Trauer mehr habe? Wirklich? Wie sieht es aus, wenn ein Mensch Ostern auf sich bezieht?
Eins ist klar: Jesus ist nicht von den Toten auferstanden zu seinem eigenen privaten Vergnügen – wie wenn jemand eine Reise ins Weltall macht, oder so. Ostern anwenden das ist viel viel mehr als nur zu sagen: „O mein Gott, ist das möglich? Wie bewundernswert ist das? Auferstanden von den Toten! Ich kenne jemanden, der von den Toten auferstanden ist! Er heißt Jesus.“ Ostern anwenden ist viel mehr!
Aber was?
Paulus schreibt an die Gemeinde in Kolossä, und wir hören gerne mit. Vier Anwendungen von Ostern.
Das Ziel ist wirklich, daß wir von einer Realität erfaßt werden und eine Macht spüren.
Nun der Reihe nach:
1. „Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“
Man muß das dem Paulus lassen: Er kommt sofort, ohne Umschweife ganz zur Sache. „Du bist tot!“ – „Du bist auferstanden!“ – Wer getauft ist, der ist ganz im Machtbereich der Auferstehung. Hier geht es nicht um Gedanken, Vorstellungen, Überzeugungen, es geht um überhaupt nichts, was in dir ist. Du bist in etwas. Wer mit Jesus verbunden ist, der ist mit Tod und Auferstehung verbunden.
Das ist kraß. Getauft sein oder nicht – das ist eine größere Frage, als am Leben sein, oder nicht. Die Taufe macht einen größeren Unterschied, als der Tod. Das wird uns gesagt.
Sein oder Nichtsein – das entscheidet doch alles, oder nicht? Nein. Mit dem Sohn Gottes verbunden sein oder nicht – das entscheidet über Leben und Tod. Getauft sein heißt: Jesus nimmt dich mit. Du bist bei ihm eingestiegen. Besser: Er hat dich an Bord genommen.
Wie? – „Mit ihm seid ihr auferstanden durch den Glauben“. Wo Glaube an Jesus ist, da ist der Tod schon angetastet. Gott sagt uns das. Nur Gott hat im Blick, wo der Tod anfängt und aufhört. Nur Gott hat im Blick, wo der Glaube anfängt, und wo er aufhört. Menschen können das nicht. Und Gott sagt: „Wo Glaube ist, da hat der Tod etwas nicht verhindern können, da hat der Tod schon verloren.“ Glaube und Macht des Todes sind schlechte Gesellschaft. Sie können einander auf den Tod nicht leiden. Der Glaube ist eine Niederlage für den Tod. Er ist ein Wunder.
Glaube ist nicht das Ergebnis von menschlichem Tun. Ich kann keinen Glauben in euch machen. Ich habe es auch nicht vor. Ihr hört nur das, was ihr nach Gottes Willen hören sollt. Du kannst dir selbst auch nicht den Glauben machen, oder einreden oder hypnotisieren. Hör du zu, und laß Gott machen. Paulus sagt: „ … durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ Wenn ein Mensch an Jesus glaubt, dann braucht es genau dieselben göttlichen Volt, oder PS, oder was auch immer – dieselbe Kraft Gottes, die Jesus auferweckt hat. Das mußt du glauben. Glauben ist nicht etwas, was ich beschließe. Wieviel Volt ist ein Beschluß, ein Gedanke? 6 Volt? Ich weiß es nicht. 6 Volt hätten Jesus nicht aus dem Grab geholt. 1000 000 Volt plus. Das braucht es, einen Menschen zum Glauben zu bringen. Das kann nur Gott. Überlaß es ihm. Aber wirklich!
Also: Ostern und Glauben sind unzertrennlich. Es heißt einen fürchterlichen Bock geschossen, wenn ein Mensch sagt: „Ok. Ich glaube. Aber was ist jetzt mit Ostern und Auferstehung?“ Das ist so, wie wenn jemand sich gerade ins Auto gesetzt hat, und dann ängstlich fragt: „Ich weiß nicht, ob ich jemals mitfahren werde!“ – Der Glaube ist Teil von der Auferstehung. Mit dem Glauben ist schon alles anders. Doch.
2. „Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.“
Das kommt uns zu einfach vor. Ist es auch. Zur Anwendung von Ostern gehört auch, zu erkennen, was der Tod ist. Was ist das Grab, aus dem die Auferstehung stattfindet? Und jetzt wird es richtig ernst. Denn erst dann jetzt können wir begreifen, warum der Glaube so ein Wunder ist, daß nur göttliche Energie tun kann. Wirklich nur Gott höchstselbst. – „Ihr wart tot in den Sünden.“ Das ist genau so schwer zu begreifen, wie die Auferstehung: Daß ein Sünder in seinen Sünden tot ist. Ein Mensch, der Gott nicht bittet und dankt – der lebt nur noch scheinbar, er lebt auf Pump. Ein Mensch, der sich von Gott nichts sagen läßt, der hat den Schuß noch nicht gehört. Ein Mensch, der Vater und Mutter verachtet, der nicht jeden Moment voller Staunen davon überwältigt ist, daß er davon lebt, weil andere ihren Egoismus überwinden – der glaubt nur noch zu leben, aber er täuscht sich. Jedes der 10 Gebote wird sprechen und zeigen, bis du den Tod fühlst. Du sollst nicht töten: Also alles tun, daß dein Nächster lebt. Du sollst nicht ehebrechen: Gott gibt dir Einen Menschen im Segen. Einen. Da will Gott dich alles erfahren lassen. Sonst bist du ein Gespenst, mehr tot als lebendig. Du sollst nicht stehlen: Was Gott dir nicht gegeben hat, das geht dich nichts an. Was dem Nächsten gehört, ist heilig. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden: Was du über jemanden sagst, das muß es Menschen ganz leicht machen, diesen zu ehren, zu achten. Was dein Wort wirkt, kommt auf dich zurück. Du kannst dich nicht schützen.
Ihr wart tot in euren Sünden. Es ist schwer, zu glauben, daß das so ist. Nur komisch, daß niemand beklagt: „Ach, wenn ich das nur glauben könnte, wie Sünde der Tod ist!“ Gott sagt es uns.
Das ist also das Grab, aus dem die Auferstehung geschieht. Mit Jesus begraben werden heißt – erkennen, was die Sünde mit uns anrichtet. Am Kreuz hat Jesus ja ohne Filter, ohne Helm, ohne Impfung, ohne Ellbogenschützer oder irgendwas die volle Wucht der Sünde an sich erlitten. Er hat nicht ausgeteilt, sondern eingesteckt – aber unschuldig.
Paulus spricht auch von der Unbeschnittenheit des Fleisches. Das ist eine Beschreibung der Sünde als Wildwuchs, als Wucherung, als hemmungsloses Wachsen und sich Ausbreiten. Wie Krebs: Ein Leben, das gegen sich gekehrt ist. Die Prozesse, die Leben schaffen, sind umgedreht und attackieren das Leben. Da passiert zwar etwas. Aber ist sieht nur aus, wie Leben. Aber es ist kein Leben mehr.
Da kann nur ein Gott uns rausholen. Wer es ahnt, wird es sofort einsehen. Er sitzt in einem brennenden Haus.
Darum ist Vergebung mit Auferstehung verbunden. Nicht nur Glauben und Auferstehung sind untrennbar, sondern auch Vergebung und Auferstehung. Auferstehung gibt es nur, wo Gott eine Antwort hat auf die Sünde. Wer keine Antwort auf die Sünde hat, der hat auch keine Antwort auf den Tod.
Und das Wunder ist: Gottes Antwort auf die Sünde ist die Vergebung. Ja, die Vergebung. Wer erkennt, wie Sünde und Tod zusammenhängen, der braucht die absolute Zusicherung, daß das Leben mit der Vergebung kommt.
Wie kann das aussehen?
3. „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“
Die Vergebung sieht so aus: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der uns unwiderleglich beweist, daß wir den Tod verdienen, und hat ihn weggetan, und an das Kreuz geheftet.
Spätestens hier fängt der Glaube an. Daß am Kreuz von Golgata die Anklage, gegen mich, das Urteil über mein Leben aufgehoben wird, das übersteigt unsere Auffassung. Doch das ist das Neue Testament. Das ist Gottes neuer Deal, das sind die neuen GGB – Göttlichen Geschäftsbedingungen. Auf dieser Grundlage will Gott künftig mit uns Menschen reden. Das Neue Testament ist voll von dieser wunderbaren Übertragung, daß der Sohn Gottes die Anklage des Gesetzes auf sich bezieht, auf sich nimmt, auf seinen Leib und seine Seele umbiegt, umleitet. Wir sollen das zur Kenntnis nehmen. Das ist das Evangelium.
Der Apostel Petrus schreibt das so: „Jesus hat unsere Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.“ (1. Petrus 2, 24).
An die Galater schreibt Paulus: „Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.“ (Galater 3, 13). Ich könnte noch mehr zitieren. Glaube, Auferstehung, Vergebung – das ist alles untrennbar, wo eins ist, da ist das notwendig das andere – und nun auch diese kosmische Umbuchung. So muß man das nennen. In der Zeit des Paulus gab es das: Wer eine Schuld hatte, mußte mit eigener Hand schreiben: „Ich bekenne, daß ich NN soviel schulde.“ Dieser Schuldbrief wurde in einer Bank aufbewahrt. Erst, wenn die Schuld bezahlt war, wurde der Brief aus dem Register entfernt. Dann wurde der Betrag durchgestrichen. Dann war die Sache erledigt.
Wir hören also: Die Forderung des Gesetzes, daß der Sünder sein Leben zu Recht verliert – diese Forderung ist zum Schweigen gebracht worden. Die Schuld ist bezahlt. Das ist am Karfreitag passiert. Ostern ist die Verifizierung, die Besiegelung, die feierliche Ratifizierung.
Wenn man das so hört, dann fallen einem Dinge ein. Aber …. es spricht so viel dagegen! Die Menschen sündigen doch immer noch! Ich sündige ja immer noch! Meine Verletzungen in meinem Leben ! ! Was sagt Gottes Wort dazu?
4. „Er, also Gott, hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“
Wer auch nur ein bißchen anfängt, von Jesus mitgenommen zu werden, dem wird klar, wie verbreitet die Macht des Todes ist. Der allerkleinste Anfang ist schon ein ganzer Anfang. Aber man spürt doch: Nicht alles um mich, nicht alles in mir, ist von Gott. Es gibt Mächte und Gewalten – die wollen mir beweisen, daß das alles nicht wahr ist, oder zu schwach, oder zu blöd … Mächte und Gewalten, die mich spüren lassen wollen, daß ich ohne sie kein Leben habe, und ganz klein bin. Das waren dieselben Energien, dieselben Kräfte, die Jesus auf Golgata beweisen wollten: „Du bist nichts. Steig herab vom Kreuz, wenn du kannst!“ Es ist die Macht der Lüge, der Lieblosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Die Macht des Begehrens und der Zerstörung. Die haben an Jesus getan, was sie konnten, und das war schrecklich. Doch Ostern zeigt uns: Jesus gehört ihnen nicht. Das will der letzte Vers aus dem Predigttext uns sagen. Er hat ihnen ihre Waffen abgenommen, sie lächerlich gemacht, sie müssen ihm dienen. Sie wollen beweisen, daß dein Leben nur ein Schein ist, doch Jesus beweist, daß ihre Macht nur ein Schein ist.
Seit Ostern sind sie nur noch ein Schein. Sie haben ihre Macht durch unsere Sünde. Wo Vergebung ist, da ist diese Macht vorbei. Wo der Auferstandene ist, da ist diese Macht vorbei. Paulus vergleicht sie mit besiegten Kriegern, die als Gefangene vorgeführt werden. Sie werden ausgestellt wie in einem Museum. Man kann sie ohne Angst angucken.
Unser Gesangbuch weiß davon. Ein Beispiel:
„Jesus Christus, Gottes Sohn, an unserer Statt ist kommen und hat die Sünde abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods GESTALT, den Stachel hat er verloren.“ (439, 3).
Liebe Gemeinde! Das sind hohe Behauptungen. Sie stehen geschrieben, sie müssen gesagt werden. Man denkt leicht: O Gott, das kann ich nicht glauben! – Nun hört gut zu:
Glaube ist nicht das, was du in dir findest, sondern das, was Jesus in dir sieht, wenn du ihm zuhörst. Du sollst nur zuhören, nicht gucken. Wie Jesus zu Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ (Johannes 20, 29). Der Glaube will nicht angeguckt werden. Jesus will gehört werden. Dann ist alles wahr.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Ostern

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, daß der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1-8

Gebet: Herr, segne dein Wort an uns mit bleibender Kraft gegen alles, was uns bedrückt. Amen.

Liebe Gemeinde!
Auf dem Friedhof will man kein Durcheinander. Unser Gesetz kennt den Straftatbestand der „Störung der Totenruhe“. Die Überreste der Verstorbenen sollen in Ruhe gelassen werden, und die Gefühle der Angehörigen, der Trauernden, sollen nicht verletzt werden.
Die heiligen Frauen mußten einen ganzen Sabbat lang warten.
Am Freitag war Jesus begraben worden.
Liebe Gemeinde eine kurze Zwischenbemerkung:
Normalerweise wurde ein Gekreuzigter nicht beerdigt. Normalerweise ließ man die Gekreuzigten hängen.
DOCH! Jesus starb an einem Freitag. Das Gesetz des Alten Testaments ließ es nicht zu, daß Leichen über den Sabbat öffentlich hingen. Deshalb mußte er abgenommen werden.
In Psalm 16 betet der Heilige Geist: Gott, du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. Die Apostel zitieren diesen Psalm und erkennen darin diese Fügung, daß Jesus anders als alle Gekreuzigten, tatsächlich in ein Grab gelegt wurde.
Und: Ein wohlhabender Verehrer, Joseph und Arimathäa, stellt sein eigenes Grab zur Verfügung. Und noch weiter: Die Hohenpriester und Pharisäer erbaten sich eine Soldatenwache von Pilatus, das Grab zu bewachen. Als Jesus ins Grab gelegt wurde, saßen Frauen da, die sich alles genau anschauten, und merkten. Da liegt unser Herr Jesus. Genau da. Sie sahen auch, wie der schwere Stein vor des Grabes Tür gewälzt wurde. Dieser Stein wurde dann von den Pharisäern versiegelt.
Jesus sagte selbst, daß der Menschensohn „mitten in der Erde“ sein würde. (Matthäus 12, 40).
Dieser Tote sollte in seiner Ruhe nicht gestört werden.
Die Frauen wollten in aller Ruhe dem geliebten Herrn eine letzte Ehre erweisen. Einmal noch zeigen, was er ihnen bedeutet hatte. Abschließen. Von dieser Absicht waren sie erfüllt. Es war ein schwerer Gang, aber er mußte sein. Ein ruhiger Morgen in Trauer. Das Gewicht der Liebe, die schwere Seite der Liebe mußte zu ihrem Recht kommen.
So! Genug vom Tod, von Trauer, vom Grab!

Aber, was für ein Durcheinander! Was ist mit dem Stein? Daran hatten sie nicht gedacht! Ob sie überhaupt daran dachten, daß sie ja auch die Soldaten dort antreffen würden? Darüber erfahren wir nichts.
Aber der Stein! Mehrere Männer hatten ihn mit gemeinsamer Kraft vor der Grabes Tür gewälzt. Und jetzt?
Bei dieser Frage waren sie noch einmal ganz bei sich selbst: „Wie töricht, wie unüberlegt von uns!“ Man kann sich sogar vorstellen, daß sie bei sich gedacht haben: „Ach wir Frauen! Die Jünger schließen sich ein aus Furcht, wir gehen zum Grab, und dann übersehen wir das Hauptproblem!“
Eine Sorge, die jeder verstehen kann. Man kann für einen Moment den Kopf schütteln.
Aber dann wird diese verständliche Sorge auf einmal ganz klein: „Sie sahen hin, und wurden gewahr, das der Stein weggewälzt war, denn er war sehr groß.“ Die Sprache deutet an, daß der Stein also nicht nur ordentlich beiseite gerollt wurde, sondern wahrscheinlich umgeworfen war – auf jeden Fall nicht so, daß er einfach wieder zurückgerollt werden konnte. Da war eine andere Kraft im Spiel gewesen!
So. Jetzt denken wir mal nach.
Die Frauen suchen den Gekreuzigten da, wo jeder Mensch ihn suchen würde, da, wo er begraben wurde.
Der Stein wäre zwischen ihnen und dem Toten.
Ein schwerer Stein, den sie nicht bewegen können.
Ein Problem, eine Sorge.
Aber nun ist der große Stein gewaltsam umgeschmissen, mit Wucht von des Grabes Tür geworfen worden.
Jetzt ist die Ruhe dahin!
Und dann wird ihnen auch noch von einem Engel klargemacht: Er ist nicht hier! – Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
Jetzt stehen sie da mit ihren wohlriechenden Ölen – wohin damit? Sie stehen da mit ihrer Trauer – wohin damit? Sie stehen da mit allem, was sie im Angesicht des Todes in der Hand haben, und – wohin damit?
Liebe Gemeinde! – Ich möchte das mal etwas übertragen. Wir Menschen kennen auch eine Grabesruhe der Hoffnung. Wir finden uns damit ab, daß unser Leben seine Grenzen hat. Wir finden uns damit ab, daß es sich nicht mehr lohnt, auf Freude zu hoffen. Unter dem Schatten des Todes können wir oft nur noch ein paar wenige schöne Erinnerungen salben. Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Ja, es gibt diese Resignation: ich muß mich damit abfinden. Es wird keine Freude mehr geben.
Diese Resignation wird mit dem Stein abgebildet: Es ist, wie es ist. Es hilft nicht zu klagen!
Man richtet sich ein. Man leistet sich keine Erwartungen mehr.
Es kann soweit kommen, daß man nicht mehr an Hoffnungen erinnert werden will, weil es weh tut.
Das ist ein schwerer Stein. Aber es ist wenigstens Ruhe. Man weiß wo man dran ist.
Aber Ostern stört diese Ruhe.
Gott will das nicht. Er will nicht, daß wir den Tod als etwas Natürliches hinnehmen. Er will, daß das Leben uns erfüllt und die einzige Wirklichkeit ist.
Zu Ostern gehört auch dieser Schrecken: Der Stein ist weggewälzt! Das heißt: Die Türen sind nicht alle zu! Nein, sie sind es nicht!
Die armen Frauen! Eben war der Stein die größte Sorge – und dann ist da noch eine größere Sorge: Der Stein ist weg!
Eben noch waren sie erfüllt von der Trauer.
Aber jetzt? Was kommt danach?
Es ist kein Wunder, daß sie Zittern, und entsetzt sind, und verstummen von Schreck.
Sie fassen zusammen, was die Sünde aus uns macht. Die Sünde produziert Tod. Die Sünde versucht, sich mit dem Tod abzufinden. Irgendwie. Die Sünde pflegt eine Grabesruhe. Ich verdiene keine Freude, ich verdiene keine Liebe, ich verdiene keine Hoffnung. Diese Resignation wird mit wohlriechenden Ölen gesalbt. Aber sie bleibt.
Das gibt es. Menschen kommen soweit.
Und wehren sich mit Händen und Füßen, wenn das Evangelium sie ruft.
Dann zeigen sie auf den großen Stein: Die Tür ist doch zu.

Nein. Nein. Nein.
Nach Ostern können wir das nicht mehr sagen.
Die armen Frauen gehen los. Wie werden sie es den Jüngern sagen? Werden die Jünger ihnen überhaupt glauben?
Der Engel sagt: „Sagt es den Jüngern UND PETRUS“ Petrus, der bitterlich geweint hatte, nachdem er so abgründig von sich selbst so enttäuscht war. Den Herrn verleugnet.
Aber der Frauen sind los gegangen. Mit Schrecken und Ratlosigkeit. Aber sie haben es getan. Sie haben es den Jüngern gesagt. Die glaubten erstmal nichts.
Bis sie selber hingingen.
Wir Christen müssen Ostern bezeugen. Manchmal hat man das Gefühl, wir wollen den Stein lieber irgendwie zurückrollen, damit wir lieber trauern, als hoffen. Aber wir haben den Auftrag, zu sagen: Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Auch mit Furcht und Zittern. Aber der Stein ist weg. Er ist weg.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Meister von Hohenfurth: Die Auferstehung Christi

um 1350, Leinwand auf Holz, 95 × 85,5 cm
Prag, Národni Galerie
Kommentar: Gemälde zur Serie der neun Tafelbilder zum Leben Christi gehörig, urspr. für das Zistersienser Kloster Vyssi Brod
Land: Tschechien (Böhmen)
Stil: Gotik
[Meister von Hohenfurth. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 8001 (c) 2005 The Yorck Project]

Osternacht

Der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Gnade unseres Herr Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.
2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.
3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.
4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Kolosser 3, 1-4

Gebet: Lieber Jesus, unser Herr, sei du unsere Auferstehung und unser Leben, wecke und finde den Glauben in uns, den der Tod nicht einfangen kann, und sei bitte so lieb, ihn zu schützen, auch vor uns selbst. Amen.

Liebe Gemeinde!
Geheimschriften! Ich meine die, die man erst nicht sieht, und nur dann, wenn sie erhitzt werden. Wer war nicht in seiner Kindheit davon fasziniert! Da liegt ein Blatt Papier – man sieht und vermutet nichts, aber: wenn man das Blatt dann richtig behandelt, dann wird die Schrift sichtbar. Mit Zitronensaft soll das funktionieren. Man schreibt mit Zitronensaft, und wenn man dann das Blatt Papier über eine Flamme hält, dann – o Wunder – offenbart sich wie aus dem Nichts die geheimnisvolle Schrift auf dem Papier. Man muß nur aufpassen, daß es nicht anbrennt!
Dieses Bild könnte uns helfen, die Worte des Apostels Paulus zu begreifen.
Es geht und die Geheimschrift Gottes in unserem Leben.
Paulus sagt: Was Gott durch den Glauben in euch schafft, das ist eine Geheimschrift – sie ist verborgen. Aber das wird nicht immer so bleiben. „Wenn Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden in Herrlichkeit.“ Wenn Jesus am Ende der Welt sich offenbaren wird – das wird sein wie die brennende Flamme, die dann die Geheimschrift Gottes auf dem Papierblatt unseres Lebens sichtbar machen wird. Früher hat man ja noch fotografische Filme „entwickelt“. Da war zunächst auch nichts zu sehen. Wenn der Film mit der richtigen Chemie behandelt wurde, dann kamen die Aufnahmen ans Licht – was bis dahin unsichtbar war, das wurde offenbar.
Wir Christen tragen Gottes Geheimschrift. Unser Predigttext sagt das mit kräftigen Worten:
„Ihr seid mit Christus auferstanden.“ Wie und wann? Als ihr getauft wurdet. Paulus schreibt an die Römer: „Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft, auf daß, wie Christus ist auferwecket von den Toten …. auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6). Die Taufe ist der Anfang. Gott fängt an mit Seiner Tinte in unserem Leben zu schreiben. Als erstes wird unser Name im Himmel aufgeschrieben (Lukas 10, 20). Wir sind durch die Taufe dazu berufen und bestimmt, ewiges Leben von Gott zu bekommen. Ein Leben, das nicht vom Tod geprägt, bestimmt, überschattet und runtergezogen und entstellt wird.
Diese Wahrheit ist eine geheime Schrift. Sie ist nicht offenbar. Ohne den Glauben kann man sie nicht sehen. Der Glaube kennt sie aber. Das Osterevangelium ist auch ein Teil der Geheimschrift Gottes in unserem Leben. Wir tragen das Geheimnis in uns, daß Jesus, der Sohn Gottes, der gekreuzigt wurde, auferstanden ist. Die Mächte des Todes konnten ihn nicht halten. Die Mächte des Todes konnten seine Taten nicht ungeschehen machen, sie konnten seine Worte nicht zum Schweigen bringen, sie konnten seine Liebe nicht auslöschen.
Das ganze Leben, und alle Worte Jesu zeigen uns aber, daß er alles, was er war, nicht für sich selber war, sondern für alle. Seine Auferstehung ist eine ansteckende Auferstehung, und keine isolierte Auferstehung. Darum nimmt er alle mit, die an ihn glauben.
„Darum sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ Jesus ist dazu auferstanden, für immer Recht zu behalten. Der Auferstandene spricht und handelt im Namen, mit der Kraft – und das heißt: Mit der Endgültigkeit Gottes. Er spricht, er tut – und nimmt nichts zurück.
Das sollte uns interessieren. Brennend interessieren! Darum sucht, was überlegen ist, wo Christus ist. Sucht, was nach allem, was bleiben wird, wenn diese Welt vorbei ist. Alles, was wir sehen und fühlen, ist vergänglich. Alles, was wir begehren, ist jetzt schon vergänglich. Was bleibt? Alles, was Jesus in uns bewirkt. Daß wir glauben, daß wir lieben, daß wir hoffen – das ist nicht eine Wirkung der Welt. Es ist nicht eine Wirkung unserer Entscheidung, oder unserer Erziehung, oder unserer Kultur.
Glaube: Daß Gott unser himmlischer Vater ist, der uns gewollt hat und will. Daß Jesus unsere Fehler trägt und Vergebung eröffnet. Daß der Heilige Geist uns Mut macht und in eine Gemeinde einfügt. Das alles sind Buchstaben der Geheimschrift Gottes. Sie ist jetzt schon da, diese Spur, und sie ist es, was am Ende offenbar werden wird.
Weil wir es aber jetzt nicht so sehen können, wie wir alles andere sehen können, sollen wir es suchen. Wir sollen danach trachten. Auf jeden Fall sollen wir als Christen nicht so leben und denken, als würde es diese Geheime Schrift Gottes nicht geben.
Wie weit dieses Suchen und Trachten geht, sagen uns die Worte:
„Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“
Das klingt erst einmal widersinnig, paradox. Denn wenn die Gemeinde in Kolossä schon tot ist, warum schreibt Paulus ihr einen Brief? „Ihr seid gestorben.“ So etwas kann nur im Wort Gottes eine sinnvolle Aussage sein.
Kurz davor wird uns gesagt, wie es gemeint ist: „Wenn ihr mit Christus den Mächten dieser Welt abgestorben seid.“ (Kolosser 2, 20). Wie ist Jesus denn den Mächten dieser Welt begegnet? Wie trat er dem Pilatus, den Hohenpriestern, aber auch den Soldaten, dem Verräter? Jesus war völlig unbeeindruckt. Sie hatten keine Macht über ihn. Er blieb immer ganz derselbe, der er immer gewesen war. Wir müssen das ausweiten: Jesus war zum Beispiel vom Geld gänzlich unbeeindruckt, er war von der Macht des Augenscheins, von der Macht des Begehrens, der Angst, von allem, was uns so beeindruckt, und aufscheucht und umtreibt, völlig unbeeindruckt. Er war dem allem abgestorben. Er hat selber gesagt: „Ich lebe von dem, was Gott sagt.“ (Matthäus 4, 4; 5. Mose 8,3) Und an einer anderen Stelle sagt er: „Meine Speise ist die, daß ich den Willen tue meines Vaters im Himmel.“(Johannes 4, 34). Weil er das lebte – darum konnte niemand ihm das Leben nehmen, weder die Hohenpriester, noch Pilatus, oder die Soldaten. So war Jesus den Mächten der Welt abgestorben. Er war von ihnen unbeeindruckt.
Wir tragen die Geheimschrift Gottes in und an uns. Die kann uns niemand nehmen. Und sie wird am Ende bleiben. Sie ist unser verborgenes Leben. Wer auf Gott hört, der wird gewissermaßen für die Welt taub. Darum wollen Christen immer wieder Gottes Wort hören, weil sie dann mehr von der Geheimschrift an sich tragen, die offenbar werden wird.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:
Die Osterkerze leuchtet in der dunklen Kirche

Karfreitag

Das Lamm, das gewürget ist,
ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum,
und Weisheit und Stärke,
und Ehre und Preis und Lob.
Gnade sei mit euch und Friede,
von Gott unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, daß sie mit ihm hingerichtet würden.
33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig
37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?
41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!
43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei.
46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.
49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die
Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Lukas 23, 32-49

Gebet: O Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser, und gib uns deinen Frieden. Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute ist die Grundsteinlegung der Kirche. Zwischen Vorher und Nachher ist ein himmelweiter Unterschied. Karfreitag ist der EINE Tag, der aus der Menschheit nicht mehr weggedacht werden kann. Es gibt einfach zu viele Kreuze überall, wo die Menschen sind, die können nicht auf einmal gelöscht werden. Sie alle zeigen auf das eine Kreuz, an dem der Sohn Gottes, der König der Juden, der Messias Israels hing. Hier wird das Alte alt, und das Neue bleibt ewig neu. Hier beginnt die Zukunft, die Gott für die Menschheit festgelegt hat. Ein altes Lied zum Palmsonntag sagt: „Gott herrscht vom Holz herab.“ Vom Kreuz aus beweist Gott, daß er Gott ist. Das wird bis zum Ende der Welt jeden vor den Kopf stoßen. Das kannst du dir nicht ausdenken. Vor allem: Hier am Kreuz und heute am Karfreitag etabliert Gott nicht nur für die Menschheit allgemein, sondern für dich und mich Seine göttliche Schaltstelle, wo Er, Gott, alles zum Guten wendet, alles. Das Kreuz ist der Hebel, der jede Last bewegen kann und bewegen wird. Und die größte Last ist nicht der Tod, sondern das, was den Tod verursacht, und die Ursache eines jeden Todes ist die Anklage von Gottes Gesetz. Du hast Gottes Gebot übertreten. Das ist der Grund, warum du dein Leben verlierst. Wenn es Hilfe geben soll, dann muß es hier Hilfe geben. Wenn es eine göttliche Macht gibt, dann muß sie sich gegen diese Last, die uns alle so fürchterlich runterzieht, dann muß sie sich gegen diese Last beweisen.
Der Heilige Lukas hat Augenzeugen befragt, und einen Bericht über den Karfreitag für uns zusammengestellt. Ohne den vollständigen Beistand Gottes, des Heiligen Geistes, hätte Lukas nicht ein passendes Wort gefunden, ohne die Inspiration und Eingebung des Heiligen Geistes hätte Lukas keine zwei Wörter nebeneinander setzen können, ohne zu verstummen und zusammenzubrechen unter dem, was da geschah.
Lassen wir uns nun vom Bericht des Lukas leiten. Es ist ein Schritt mit dem Heiligen Geist nach dem anderen.
Es fängt schon damit an, daß Jesus mit zwei verurteilten Verbrechern gekreuzigt wird. Einen zur Rechten, und den anderen zur Linken. Jesus mitten drin. Mit dieser Gesellschaft präsentiert Jesus sich der Weltöffentlichkeit. Das ist die schwächste, hoffnungsloseste Öffentlichkeitsarbeit. Die Verbrecher sind dort, weil das Gesetz sie zwingt. Jesus ist dort, weil der himmlische Vater ihn sendet, und weil die Liebe ihn zwingt. Daß es Verbrecher gibt, ist alt. Leider aber auch immer wieder neu. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, fragten sich viele Menschen: „Hat die Menschheit noch nicht gelernt?“ Nein. Die Menschheit lernt nicht. Um dieses Alte alt werden zu lassen, geht Jesus unter die Verbrecher. Wenn Gott hier nichts Neues schaffen kann, dann gibt es eben nichts Neues. Über 500 Jahre früher hatte der Prophet Jesaja gesagt: „Er ist unter die Übeltäter gerechnet.“ (Jesaja 53, 12). Jesus geht ganz in das Alte, was nicht vergehen will, in die Sünde hinein. Da rekrutiert er, da sammelt er sein Volk.
Das Neue ist also: Der von keiner Sünde wußte, wurde für uns zur Sünde gemacht. So sagt es uns die Epistel, die wir eben gehört haben. (2. Korinther 5, 21). Gott der Vater hat Gott den Sohn zur Sünde gemacht; und Gott der Sohn hat das erduldet, gehorsam erduldet. Das ist wirklich ganz neu.
Dann kommt das Gebet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie machen Gott kaputt, und merken es nicht. So sind wir Sünder: Wir machen Gott kaputt und jammern dann, daß wir ihn nicht sehen. Das ist das Alte, was immer wieder neu ist. Es ist zum Verzweifeln.
Die Soldaten wußten ganz genau, was sie taten. Kreuzigen war ihr Handwerk. Sie waren Teil vom römischen System. Das System funktionierte. Das war alt. Aber es wurde nicht alt. Immer wieder aufs Neue kommen Systeme, die Menschen finden, die es nicht geben sollte. Alle vier Evangelisten sagen uns: Jedes System hätte Jesus gekreuzigt. Auch eine Demokratie. Das ist alt. Das Neue ist: Jesus vergibt ihnen. Er unterbricht den Teufelskreis von Rache, Vergeltung. Überhaupt ist Beten der Anfang von allem Neuen. Nicht-Beten, das ist alt. Jesus betet aus dem Nichts. Im extremen Leiden sieht er noch, wie die Soldaten sich selbst schaden, wenn sie ihn kreuzigen, und bittet seinen Vater, diesen Schaden zu verhindern. Das wird immer neu sein, immer ein Anfang. Dieses eine Gebet ist der Hebel. Im System der Welt wußten die Soldaten, was sie taten. Jesus betet, und fängt sein System an, es ist das Reich Gottes.
Die Soldaten behandeln ihn schon wie einen Toten: Sie würfeln um seinen letzten Besitz, seine Kleider. Das ist alt. Und immer wieder neu. Wehrlose werden beraubt. Das ungenähte Gewand hatte Jesus wahrscheinlich von seiner Mutter. Jetzt bestimmt der blinde Zufall, wem es gehören soll. Die Liebe darin wird brutal gelöscht. Das ist alt. Das Neue ist: Jesus betet einen Psalm, der genau das beschreibt: Sie teilen meine Kleider unter sich, es ist Psalm 22. Sie wissen nicht, was sie tun, sie erfüllen eine Prophezeiung. Danke, Soldaten! Noch ein Beweis, daß Jesus von Gott kommt! Das ist neu. Jesus lebt noch, und wir schon wie ein Toter behandelt. Jesus nimmt diese Unmenschlichkeit auf sich, damit Gott alle finden kann, die darunter begraben sind. Er nimmt das auf sich, um die Verlorenen zu finden, die ihre Identität verloren oder selbst zerstört haben. Das ist etwas Neues, das nicht alt werden kann. Das ist gut für uns alle. Auf jeden Fall für die, die fühlen, wie ihre Identität ihnen entgleitet, und keiner ist da, das aufzuhalten. Der Sohn Gottes ist schon da. Die Soldaten befördern ihn dort hin. Da findet er die verlorenen Seelen. Das ist neu, und wird immer neu bleiben.
Dann kommt der Spott. Die Hohenpriester stimmen auf einmal mit den Massen überein, ja sie stimmen mit den Verbrechern überein, mit denen sie sonst niemals zu tun haben würden: „Andern hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen!“ In seinem Leiden leistet Jesus die größte Inklusion aller Zeiten. Hohepriester, Verbrecher und die Leute da draußen. Sie sind sich alle einig über ihn. Im Spott. Das ist alt. Und immer wieder neu. Das Alte triumphiert: Jesus hat doch nichts Neues gebracht! Es bleibt alles beim Alten. Das Böse siegt immer. Dann lieber spotten. Ist es nicht furchtbar? Die größte Ökumene ist die der Spötter, der Zyniker: Helfen lohnt sich nicht, am Ende ist der Helfer der Dumme. Das ist das System der Welt. Die Spötter sind aber die Erbärmlichsten, die am dringendsten Hilfe brauchen. Jesus sieht das, und im Leiden schafft er ihnen Hilfe. Das ist neu. Die Spötter werden alt aussehen. Neu wäre es, wenn sie dann seine Hilfe annehmen.
Schließlich berichtet uns der Evangelist zwei Wunder. Wir erleben mit, wie Gott der Vater das Gebet seines Sohnes schon erhört. Wir hören von zwei Menschen, die Jesus in sein Reich aufnimmt in der letzten Stunde seines Lebens. Der erste ist der Schächer, der neben ihm hängt. Er ist genau das Menschenmaterial, das Jesus für sein neues System sucht: Dieser Verbrecher, der sein Leben nie wieder gut machen kann. Es ist ein weggeschmissenes Leben, dem Terror gewidmet. Dieser Mann sagt: Ich hänge zu recht hier. Dieser Jesus aber nicht. Das ist neu. Dann sieht er auch noch, daß Jesus hier der wirklich mächtige ist: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Er sieht und spürt, wie das Alte alt wird, und erkennt, daß Jesus das Neue, das Ewige bringt. „Denk an mich!“ Mehr nicht. Aber das ist der Anfang. Und Jesus antwortet: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Der, den das System der Welt schon abgeschrieben hat, aufgegeben – der spricht hier als der Herr des Paradieses, als der, der die Macht hat, Seelen ins Paradies zu bringen. Das ist neu, das wird nicht mehr alt. Dieses: „Gedenk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ – diese Worte hat der Heilige Geist aus dem Nichts in das Leben des Schächers hineingesprochen. Da hat die Kirche angefangen, der wir heute angehören. Das ist der Anfang der neuen Schöpfung, die nicht veralten wird.
Der zweite Kandidat ist der Hauptmann, der Offizier, der dafür gesorgt hat, daß auf Golgota richtig gekreuzigt wird. Der Verbrecher war gegen Rom, dieser Hauptmann repräsentierte Rom. Im System der Welt waren sie Gegensätze, Feinde. Aber hier werden sie in das neue System Jesu eingefügt. Der Schächer sagt: „Dieser hat nichts Unrechtes getan.“ Und der Hauptmann sagt: „Fürwahr, dieser ist ein frommer Mann gewesen.“ Das sagt ein Offizier. Offiziere sind äußerst sparsam mit anerkennenden Worten. Damit gibt er ja zu: Ich habe Unrecht getan. Wenn es wieder gut werden soll, dann kann das nur Gott machen.
Das sind die Mitgliednummern 1 und 2 von unserem Verein. Ein Terrorist und ein Folterer. Sie stehen dafür, daß das Alte endlich alt geworden ist, und daß das Neue bleiben wird.
Wenn Gott mit ihnen unter dem Kreuz etwas anfangen konnte, dann doch auch mit dir.
Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

The Crucifixion
Francesco Botticini (1446–1497) (attributed to)
The National Gallery, London

Warum Luther 1545?

„Luther 1545“ steht für letzte Bibelausgabe, die der Reformator Dr. Martin Luther im Jahr 1545 – ein Jahr vor seinem Tod – noch verantwortet hat. Die „Ausgabe letzter Hand“.

„Luther 1545“ steht für letzte Bibelausgabe, die der Reformator Dr. Martin Luther im Jahr 1545 – ein Jahr vor seinem Tod – noch verantwortet hat. Die „Ausgabe letzter Hand“. 23 Jahre zuvor war ihm mit seiner Übersetzung des Neuen Testaments für das christliche Leben in Deutschland und zugleich für die Deutsche Sprache ein großer Wurf gelungen. Sehr schnell wurde Luthers Bibelübersetzung zum anerkannten Maßstab für gutes Deutsch. Auch seine Gegner mußten das zugestehen.

Quelle des christlichen Glaubens
Luthers Reformation war vor allem ein Ruf „ad fontes“ – „zurück zu den Quellen!“ Das gesamte kirchliche Leben sollte an den Quellen, den grundlegenden Dokumenten des Evangeliums geprüft werden. Was hatte Jesus genau gesagt und getan? Was hatten die Zeugen und autorisierten Nachfolger über Jesus, über seine Bedeutung, verbindlich gelehrt? Diese Fragen führten zu einer Beschäftigung mit der Heiligen Schrift in einer Intensität, die wir uns heute kaum vorstellen können.

Quelle der Kultur
In der Bibel finden wir Texte zu den unterschiedlichsten Themen, die uns Menschen betreffen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß sie in allen Lebensbereichen Spuren hinterlassen hat. Schon vor der Reformation wurde jahrhundertelang in Deutschland die Bibel als Autorität anerkannt. Als dann die Übersetzung Luthers allen, die Deutsch als Muttersprache hatten, den Zugang zum Wort Gottes eröffnete, steigerte sich der Einfluß und die Wirkung. Alle Bereiche der Kultur sind ohne Kenntnis der Bibel – ihrer Geschichten, Weisheit und Botschaft – nicht vorstellbar. Deshalb ist die Lutherbibel, die jahrhundertelang von Menschen Deutscher Zunge gelesen wurde, auch eine Quelle der Kultur. Alle wichtigen Dichter unserer Sprache haben das anerkannt.

Sakraler Text, sakrale Sprache

Luther 1545 ist nicht irgendein Text. Er ist die Übersetzung einer Heiligen Schrift. In ihr soll gesagt werden, was Menschen sich nicht selbst sagen können, und was doch den Menschen treffen soll. Ein sakraler Text, und das bedeutet ein Höchstmaß an Verbindlichkeit und Bedeutung. Deshalb ist das Wort einerseits fremd und doch klar. Das hat mit seinem Inhalt zu tun. Der Inhalt ist nicht alltäglich, und darum kann die Sprache auch nicht alltäglich sein. Die Wörter, ja auch der Satzbau, sind meistens vertraut, doch dann kommt ein Wort, ein Satzbau, überraschend anders. Und das Heilige wird immer überraschend sein, weil es von Gott zum Menschen kommt. Darum ist sakrale Sprache niemals Alltagssprache. Es kann nach gewiesen, daß Luther wohl die Alltagssprache genau kannte, und doch die Bibel bewußt nicht in eine alltägliche Sprache übertrug.

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