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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

Gnade sei mit euch und Friede,
von dem der da ist, und der da war, und der da kommt,
und von Jesus Christus,
welcher ist der treue Zeuge,
der Erstgeborene von den Toten
und ein Fürst über die Könige auf Erden.
Amen.

1 Jesus  sagte seinen Jüngern  aber ein Gleichnis darüber, daß sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten,
2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.
3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!
4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
5 will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag
und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.
Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

Lukas 18, 1-8

Gebet: HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Schon wieder das Gebet! Jesus kennt uns gut genug. Der Glaube atmet im Gebet, und wir halten zuviel die Luft an. Das ist nicht die Idee. Wir sollen allezeit beten und nicht nachlassen.

Allezeit? Jederzeit? Das ist eine dumme Frage, die Gründe sucht, nicht zu beten. Wir haben aber keinen Grund, nicht zu beten.

Wer einmal betet, und dem Gebet einen festen Platz in seinem Leben macht, und bei jeder Gelegenheit betet – der läßt diese Frage hinter sich.

In unserem Gleichnis lassen zwei Personen auch etwas hinter sich. Beiden ist etwas egal.

Erstens die Witwe:

Da muß man biblisch denken.

In der Bibel hat jeder Mann die heilige Aufgabe, für die Frau da zu sein, die Gott ihm zuordnet.

Ein Vater für seine Tochter, ein Bruder für seine Schwester, ein Sohn für seine Mutter, und, vor allem: Ein Ehemann für seine Ehefrau.

Wenn eine Witwe als Frau für ihre eigene Sache vor einem Richter kämpfen muß, dann ist das extrem. Nicht nur ihr Mann ist gestorben, sondern es ist auch kein Bruder und kein Sohn in Sicht. Das ist ein schlimmes Schicksal, das man keiner Frau wünscht.

Ob die heutigen Zeiten besser sind? Wir sollen es glauben. Können wir beweisen, daß heute mehr Liebe ist, als vor 2000 Jahren? Werden Männer ihre von Gott gegebene Aufgabe, für Mutter, Tochter, Schwester und Frau dazusein besser gerecht werden, wenn kein Gesetz mehr sie dazu ruft?

Das Gesetz des Mose und die Propheten sind voll davon. Israels Männer werden fortwährend zur Umkehr gerufen:

„Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen, daß ich euch mit dem Schwert töte und eure Frauen zu Witwen und eure Kinder zu Waisen werden.“ – 2. Mose 22, 21-23.

Ernste Worte. Es sind Gottes Worte.

Das aber nur nebenbei!

Die Witwe ist in einer verzweifelten Situation. Wenn Sie nicht hingeht und um ihr Recht kämpft, dann wird das buchstäblich niemand tun. Wenn sie aufgibt, dann hat sie verloren.

Sie muß alle Schüchternheit hinter sich lassen, wenn sie zu diesem Richter geht. Alle Bequemlichkeit. Sie würde sicher lieber etwas zuhause tun, oder sich mit Freundinnen treffen. Aber nein!  Auf zu diesem widerwärtigen Richter. Wenn sie leben will, muß sie die Furcht vor Ablehnung hinter sich lassen. Sie muß bereit sein, durchzuhalten, wenn der Richter sie fühlen läßt, wie machtlos sie ist. Dieser scheußliche Richter wird ihr jedes Mal unter die Nase reiben, daß alles gegen sie spricht, daß sie ein Niemand ist. Doch die Witwe macht sich dieses Urteil des bösen Richters nicht zu eigen.

Liebe Gemeinde! Die Hörer zur Zeit Jesu werden diese Witwe bewundert haben. Sie wächst über sich hinaus.

Wie leicht lassen wir uns von dem Urteil von Menschen beeindrucken, die es offensichtlich nicht gut meinen!  Wie leicht fürchten wir uns vor Ablehnung durch Menschen, die offen zeigen, daß sie das Gute verachten! Da schweigen wir lieber. Wir geben nach. Diese Witwe tut das nicht. Sie beschämt uns alle.

Und jetzt der Richter. Uns wird gesagt, daß er ein schlechter Mensch ist. Ihm ist alles egal. Er fürchtet sich nicht vor Gott und scheut keinen Menschen. Ein Spötter, ein Verächter, ein Zyniker. Seine Stellung als Richter nahm er nicht von Gott an, als einen Beruf, Gott und dem Nächsten zu dienen. Für ihn war seine Stellung eine Gelegenheit, Macht auszuüben, Menschen zu demütigen, und sich selbst zu bereichern. Ein Ekel von Mensch. Er erkennt keine Instanz über sich an, und wer unter ihm ist, der ist nichts.

Wir sind schnell, solche Menschen zu verurteilen. Wir sind schnell der festen Überzeugung: So bin ich nicht. Mir fallen aber Menschen ein, die so sind. Doch läßt du dir etwas sagen? Erkennst du an, daß jemand dir etwas zu sagen hat? Überwindest du deine Trägheit, um für Schwächere da zu sein? Bei Gott kommt ja nicht nur an, was du von dir selber hältst, sondern wie andere dich erleben! Kommt bei Gott mehr Dank an, weil es dich gibt, oder mehr Klage?

Dieser Richter. Er will einfach nicht. „Er wollte lange nicht.“ Es war nur sein Wille, sonst nichts. Doch ein Wille ohne Recht  – das ist kein guter Wille, auch wenn er stärker ist, und sich durchsetzt. Das Recht ist ja gerade dazu da, daß nicht Macht Recht hat!

Hier eine Witwe  –  dort dieser Richter.

Und dazwischen? Scheinbar nichts, sie haben nichts gemeinsam.

Wenn Gott nichts tun würde, wenn Gott uns Menschen uns selbst überlassen würde, dann wäre das unsere Welt. Ganz einfach.

Doch Jesus hält uns nicht nur diese hoffnungslose traurige Situation vor Augen.

Sondern er prägt uns für alle Zeiten ein:
Zwischen Witwe und Richter ist doch etwas: Die Bitte. Die Bitte, die sich auf Gottes Willen gründet. Denn es ist Gottes Wille, daß den Witwen auch Recht geschieht.

Und jetzt werden die Hörer Jesu auch gestaunt haben – ja, Jesus bricht selbst in Staunen aus. Der Richter gibt irgendwann nach.

Das sind seine Gedanken: „Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.“  Es könnte peinlich werden für den Richter.  – Er will nicht ins Gesicht geschlagen werden.  Wer weiß, ob die Witwe das wirklich getan hätte?  Das wäre ein peinlicher Skandal für den Richter geworden. So will er nicht dastehen!  Und er läßt seine Härte hinter sich. Die Witwe wird hart, und der Richter wird weich. Das tut die Bitte der Witwe. Die Bitte macht sie stark und den Richter schwach. 

Das prägt Jesus uns allen ein.

Dazu zwei Gedanken über den Richter:

1. Er ist beeindruckt von der Beharrlichkeit dieser schwachen unbedeutenden Frau. Er ist treulos. Sie ist treu. Das versteht er nicht. Daß jemand das Recht so hoch hält, das ist dem Bösen unheimlich und unbegreiflich. Er kann es nicht erklären. Mit seinem Denken hätte er als Witwe schon längst aufgegeben. Doch die Witwe glaubt nicht an das Recht des Stärkeren, sondern an das Recht selbst. Das ist eine Macht.

2. Böse sein ist noch anstrengender, als beharrlich bitten. Böse sein ist anstrengend. Weil aber alle Kraft von Gott kommt, muß das Böse irgendwann müde werden. Die Offenbarung des Johannes sagt uns: Der Teufel, der hinter allem Bösen steckt, ist schon gestürzt. Er tobt, weil er sich selbst noch beweisen will, daß er überhaupt existiert. Aber „er weiß, daß er wenig Zeit hat.“ (Offenbarung 12, 12).

Zurück zum Gebet. Im Gebet ist unsere Zukunft mit Gott.

Wer an Jesus glaubt in dieser Welt, der könnte sich vorkommen, wie die Witwe. Sie wird in Frage gestellt, sie wird bedrängt, sie wird verstoßen. Wenn wir uns nur überlegen, wie machtlos Gottes Gebote in der Welt sind, und wie sehr wir Teil dieser Welt sind, die Gott vergessen hat. Wenn Menschen sich über Gottes Gebote hinwegsetzen, sind sie oft besonders stolz. Und wir glauben es ihnen, daß sie sich stark, sicher und im Recht fühlen. Der Unglaube breitet sich aus. Was können wir schon machen?

Jesus sagt: Denkt ihr, Gott ist so, wie dieser scheußliche Richter?

Denkt ihr wirklich, daß Gott sich nicht bitten läßt?

Nein.

„Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen?“

Unser Gebet macht das Böse müde. Das ist, was Jesus sagt.

Der Teufel, die Welt, aber auch unser egoistische alte Adam kann das Gebet nicht erklären oder begreifen. Am Ende wird das Gebet stärker sein. 

Das Gebet zeigt – daß wir nicht nur das sind, was die Welt aus uns machen will.

Das Gebet ist eine Frucht aus Gottes Zukunft schon jetzt.

So sind alle Glaubensfrüchte. Sie lassen uns erleben, daß Gott in uns aktiv ist.

 Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

EWIGKEITSSONNTAG

Gnade sei mit euch und Friede,
von dem, der da ist, und  der da war,
und der da kommt,
und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge,
und der Erstgeborene von den Toten,
und ein Fürst über die Könige auf Erden.
Amen.

28 An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.
29 Ebenso auch: wenn ihr seht, daß dies geschieht, so wißt, daß er nahe vor der Tür ist.
30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.
32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.
34 Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:
35 so wacht nun; denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,
36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.
37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Markus 13, 28-37

O lieber Herre Gott, wecke uns auf, daß wir bereit seien, wenn dein Sohn kommt, ihm mit Freuden zu begegnen und mit ungeteilten Herzen zu  dienen. Tu das selbst in uns durch dein Wort, Jesus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Jesus hat an alles für uns gedacht.

An alles.

Er hat seine Worte so gewählt und gegeben, daß sie uns nicht verlassen werden.  Wir sollen sie nicht aus dem Sinn lassen: Das ist Wachen.

Morgens weckt uns eine Stimme aus dem Schlaf. Die Stimme ist Teil des Tages, des Lichtes, der Wirklichkeit. Die Stimme ruft uns aus dem Schlaf in die Wirklichkeit; aus der Finsternis ins Licht, aus der Nacht in den Tag.

Jesus hat diese Stimme, die aus dem Tod ins Leben ruft. Aus dem Zweifel in die Klarheit, weg von der Sünde zu Gottes Gerechtigkeit, aus dem Gefängnis in die Freiheit, aus der Trauer in die Freude. Alles das ist Wachen.

Wer wach ist, gehört zum Tag. Wer wach ist, hat Zukunft.

Jesus sagt, daß seine Worte nicht vergehen werden. Das heißt, sie hören nicht auf zu sprechen. Seine Worte sind Worte, die immer den Sprecher bei sich haben, also immer so, wie gerade eben ausgesprochen sind. Wer eine Stimme hört, der wird geweckt, und merkt: Da ist jemand; jemand, der mit mir spricht.

Wer den Sohn Gottes hört, der wird auferweckt, und erlebt: Hier ist Gott, der schon lange auf mich wartet, und bei dem ich am Ende ankommen werde.

Jesus weckt uns, und zeigt uns etwas, was zum Tag gehört, und kein Traum ist.

Er sagt:

„An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.“ 

Ein Feigenbaum mit dürren Zweigen. Scheinbar ohne Leben.

Doch es schimmert hier und da hellgrün durch die grauschwarze Rinde. Da kommt etwas. Es sind Knospen. Im Verborgenen sind schon Blätter da, sie werden durchkommen und wachsen.

Der Sommer kommt. Egal, wie wenig Grün da ist. Der Sommer kommt. Wer das Grün einmal gesehen hat, ist wach für den Sommer.

Was sollen wir nun daran lernen?

„Ebenso auch: wenn ihr seht, daß dies geschieht, so wißt, daß er nahe vor der Tür ist.“  Was sind also die Knospen, und was ist der Sommer „in echt“, im wachen Leben?

Die Knospen sind erschreckend.

Jesus spricht von der Zerstörung des Tempels. Ein Triumph der Feinde Gottes.

Jesus spricht von Verführung  – viele werden sagen: „Ich bin Christus!“   Mit dem Anspruch: „Ihr müßt mir jetzt zuhören! Ich sage euch, was sich jetzt ändern muß! Ihr müßt mir vertrauen, ihr wißt noch gar nichts! Ich zeige euch, wo ihr das sinnvolle, erfüllte, sorgenfreie, sichere, gesunde Leben bekommt.“ Das ist Christus-Sprache. Die Seele reagiert darauf. Die einen glauben, die anderen nicht. Man schüttelt den Kopf über einander. Wer hat recht?  – Aber man ist einander fremd geworden.

Große Verunsicherung, unerträglich. Das sollen Knospen sein? Ein grüner Schimmer?

Jesus sagt auch: Menschen werden einander nicht nur fremd, sondern verklagen und beschuldigen einander: Du bist schuld daran, daß alles schiefgeht! und in der Öffentlichkeit gibt es dann Verurteilungen, so daß alle vorsichtig werden: Das darf mir nicht passieren!  Christen werden vorsichtig und ängstlich.  Nur nicht auffallen!  –

Krieg und Geschrei von Kriegen  ….

Jesus spricht davon, und dann sagt: Das sind Zeichen. Sie haben ihren Sinn nicht in sich selbst. Sie zeigen auf etwas, was sie nicht selber sind. Zeichen dienen einer größeren Wirklichkeit.

Liebe Gemeinde. Was hören wir von unserem HERRN, heute am Ewigkeitssonntag?

Er sagt uns: Das ganze bedrohliche Durcheinander, die Verwirrung, das was uns Angst macht: Das alles muß mir dienen. Ich ernenne es zu einem Zeichen, daß auf mich zeigt. Es muß für mich sprechen und gegen die Welt. Es wird mir Recht geben müssen. Es wird alles am Ende sagen müssen: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.

Das soll durch den Glauben in unser Leben ankommen.

Wenn etwas Jesus dienen muß, dann muß es auch Seinem Wort dienen.

Das bedeutet: Diese Zeichen und Knospen, die ja an sich schrecklich und überwältigend sind, können nicht machen, daß Jesus auch nur ein Wort zurücknimmt. Gegen ihren Willen sollen sie bezeugen, daß der Sohn Gottes Recht hat.

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“  Wenn Himmel und Erde vergehen, werden die Worte deutlicher, und der Sprecher der Worte klarer und herrlicher.

„Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ 

Damit sagt Jesus nicht: Die jetzige Generation, vom Jahre 30, wird das Ende der Welt erleben. Alle, die Jesus hören, macht er zu einer Generation. Es gibt keine Generation nach Jesus.

Mit diesem Geschlecht meint er aber auch seine Gegner. Die ihn canceln wollten. Es gehört zur Majestät Jesu, daß er zu allen Zeiten Gegner haben wird, die sich stolz auf bauen, und die er in die Verzweiflung uns Selbstzerstörung treiben wird.

Jesus erwartet von uns, daß wir von seinen Feinden ganz und gar nicht beeindruckt sind.

Das müssen und sollen wir glauben. Er hat an uns gedacht, als er das sagte.

Diese Worte sind unsere Arche gegen die Sintflut. 

„Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Seht euch vor, wachet! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.“

Wenn die Arche da ist, und du durch den Glauben in der Arche bist, dann ist Zeit nicht mehr erste Priorität.

Der Sohn Gottes hat aus Gehorsam bewußt darauf verzichtet, den Tag und die Stunde des Weltendes zu wissen.

Den Moment, wo wir das Datum hätten, würde der Glaube aufhören. Du sollst nicht in einer Stunde bereit sein, oder in 100 Jahren. Du hast überhaupt nicht die Kraft, zu beschließen, in einer Stunde oder in 100 Jahren bereit zu sein.

Wer glaubt, ist jetzt ganz bereit. Wenn Jesus dich durch sein Wort geweckt hat, dann bist du bereit. Dann bist du in der Arche, du bist bereit. Da macht eine Stunde oder 100 Jahre keinen Unterschied mehr. Das einzige, was den Unterschied macht, ist Wachen, und Wachen heißt:  Jesus hören als den, der an alles gedacht hat, der uns zu Seiner Generation macht, und nach dem niemand und nichts wirklich Neues mehr kommt. Wie der in der Offenbarung zu Johannes sagt: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“ Wachen heißt: Dieses Durcheinander ist noch nicht das Ende. Auch wenn es sehr danach aussieht. Ich warte auf meinen Herrn und König.  

Darüber handelt Jesus wieder in einem Gleichnis:

„Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:

so wacht nun; denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,

damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.

Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!“

Der Türhüter soll wachen. Der HERR ist nicht sichtbar, aber er ist da. Weil er jederzeit wiederkommen kann, ist er nicht weg. Der Türhüter soll das wachhalten. Der Türhüter hält alle wach, wenn er die Worte des HERRN wiederholt. Sie so wiederholt, daß wahr bleibt: Diese Worte vergehen nicht, weil ihr Sprecher am Ende Recht behalten wird. Nach allem.

Das heißt: Die Mühseligen und Beladenen werden nicht vergeblich zu ihm kommen. Die ihm nachgefolgt sind und alles verlassen  haben, werden es hundertfach nehmen. Die im Leben an ihn geglaubt haben, werden leben, auch wenn sie sterben.

Das alles kann aber nur geglaubt werden, wenn es der Glaube im Hören geweckt wird.

Nicht alle sind Türhüter, aber alle sollen wachen.

Gerade in unseren Zeiten ist das Wachen im Wort und durch das Wort notwendig. Denn nur dann wird uns das Durcheinander unserer Zeit nicht überwältigen, daß wir an Gott zweifeln, aber auch nicht verführen, zu glauben, daß Gott in der Zeit zu finden ist.

Nur Jesus sagt uns, daß Krieg und Geschrei von Kriegen, daß Verwirrung und Verrat, offene Feindschaft gegen Gott und Seine Gebote  – das das Knospen sind, Zeichen,  die Seinem Wort dienen.

Das alles sieht nur, wer hört.

Die Welt sucht einen Sinn im Krieg, in Pandemien, im Zusammenbrechen von Ehe und Familie.

Jesus sagt uns: Hör mir einfach zu. Nach alledem komme ich.

Der Sinn von alledem ist, daß meine Worte wahr bleiben, und wer wacht, der erlebt es.

Der Friede, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ist der Thesenanschlag eine Legende?

31. Oktober: Gedenktag der Reformation der Kirche

„Luthers Thesenanschlag hat nie stattgefunden!“ Mit dieser These wagte sich der Kirchengeschichtler Erwin Iserloh 1961 an die Öffentlichkeit. Luther habe seine 95 Thesen über den Ablass erst den Bischöfen zugehen lassen wollen, bevor er sie veröffentlichte und Zettel an der Kirchentür seien nicht üblich gewesen.

Im Jahr 2006 macht Martin Treu in der Jenaer Universitätsbibliothek einen Sensationsfund. In einer Ausgabe von Luthers Bibelübersetzung findet er eine handschriftliche Eintragung des Luthervertrauten Georg Rörer, die zu Lebzeiten Luthers geschrieben wurde. Treu traut seinen Augen nicht, als er liest: „Im Jahr 1517 am Vortag des Allerheiligenfestes hat Dr. Martin Luther in Wittenberg an den Türen der Kirchen seine Ablassthesen bekannt gegeben.“ Inzwischen gilt die These von Erwin Iserloh weithin als widerlegt, denn es war zudem durchaus üblich, dass solche Disputationsthesen an die Kirchentür genagelt wurden.

Nicht widerlegt sind die Thesen Luthers selbst. Die erste These lautet: „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen‘, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ Ein wenig zugespitzt könnte man sagen, dass mit diesen Worten die Reformation begonnen hat.

Wenn wir am 31. Oktober den Gedenktag der Reformation feiern, dann tun wir das am besten durch Beherzigung dieser These. Denn Gottes Wort zeigt uns im Gesetz den ewig gültigen Willen Gottes auf und macht uns so unsere Verfehlungen und Sünden deutlich. Und Gottes Wort spricht uns durch das liebe Evangelium die Vergebung in der Absolution zu.

Die lutherische Kirche feiert am 31. Oktober nicht den Nationalhelden Luther. Denn den hat es nie gegeben. Und auch nicht, was immer uns noch an Projektionen unserer eigenen Ideen auf Luther einfallen mag. Luther war nämlich ein Sünder und er selbst hat dies, wie kaum anderer, zutiefst geglaubt.

Nein, die lutherische Kirche feiert das Bekenntnis von der Rechtfertigung aller Sünder durch Jesus Christus allein. Und das lutherische Bekenntnis sagt von der Rechtfertigung: „Wir glauben, lehren und bekennen, dass nach Art der Heiligen Schrift das Wort ‚rechtfertigen‘ in diesem Artikel heiße ‚absolvieren‘ das ist, von Sünden ledig sprechen.“ Das geschieht in der Beichte, wenn wir unsere Sünden bekennen und von einem ordinierten Pfarrer die Vergebung zugesprochen bekommen, „als ob Gottes Stimme selbst vom Himmel erschallt.“

Hans-Jörg Voigt D.D.
Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche | SELK
nach: Feste-Burg-Kalender 2017. Sonderseite zum 31. Oktober (leicht geändert)


Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von SELK.de übernommen.

Beitragsbild:
Luthers Thesenanschlag
Aus: Heinrich Gottlieb Kreusler, Denkmäler der Reformation der christlichen Kirche, Leipzig 1817
Source
Museum im Melanchthonhaus Brette
Copyright Notice
© Museum im Melanchthonhaus Bretten ; Licence: CC BY-NC-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)

20. nachSonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit, Friede
von Gott, dem Vater
und von dem HERRN Jesus Christus
sei mit euch.
Amen.

6 Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN,
7 sodaß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen.

Hoheslied Salomo 8, 6-7

Gebet: HERR, Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.

Liebe Gemeinde!
Manchmal muß man erst schlucken.
Zum Beispiel, wenn man etwas sehr Persönliches gehört hat, gleichviel, ob es einen selbst betrifft, oder nicht.
Worte, die die ganze Person meinen oder erfassen.
Worte zwischen Eltern und Kindern – die sind so sehr für einander gedacht und gemeint. Wenn ich sie aus Versehen höre, fühle ich eine Scheu, wie vor etwas, was heilig ist.
Ähnlich, und erst recht ist es bei Worten zwischen Liebenden. Diese Worte sind ganz und gar an Personen und Situationen gebunden, und als Außenstehender wäre man am liebsten weit weg. Denn man ist nicht gemeint, die Worte gehören einem nicht.
Ganz anders ist es, wenn man gemeint ist. Da öffnet sich der ganze Mensch für die Sprache, die MICH meint. In jedem Wort ist die Liebe, die Person und die Antwort drin.
Unser Predigttext spricht diese Sprache. Es ist die Sprache der Liebe.
Das Hohelied Salomos ist das geheimnisvollste Buch des Alten Testaments, wenn nicht der ganzen Bibel.
Eine Braut und ein Bräutigam sprechen, oder singen, und rufen, tauschen miteinander Worte der Liebe. Sehr intensiv, sehr poetisch, sehr persönlich.
Da kann Verlegenheit entstehen. Scheu. Geht uns das etwas an? Wie können wir gemeint sein?
In unserem Predigttext sind Worte der Braut für ihren Bräutigam. Ihre Sprache ist erfüllt, getragen und durchdrungen von der Liebe des Bräutigams, der sich ganz für sie entschieden hat. Mit großer Liebe, die nur sie meint, gehört er ihr mit allem, was er ist und hat. Die Braut erkennt, daß wirklich sie und niemand anderes gemeint ist, und nimmt diese Liebe an und aus diesem Geliebtwerden findet sie Worte, die antworten. Worte voller Freude, voller Ernst, voller Bejahung, voller Vertrauen – eben voller Liebe.
Diese Worte, die über 3000 Jahre alt sind, sprechen zu uns. Sie sprechen zu uns als Mann, und als Frau. Mag sein, daß es eine Verlegenheit ist, daß Gottes Wort diese glühende Sprache in sich hat. Gott will, daß diese Sprache nicht verstummt. Die Sprache zwischen Braut und Bräutigam. Eine Welt, die sich von dieser Sprache verabschiedet – sei es durch Spott, oder durch Stolz, oder aus Verzweiflung – eine solche Welt zeigt, daß Gott nicht mehr in ihr ist.
Der Prophet Jeremia sagt uns mehrfach: Wo Gott zürnt, wo Gott den Menschen sich selbst überläßt, da verstummt die Stimme des Bräutigams und der Braut. (Jeremia 7, 34) Nur Gott gibt diese Stimme, und Gott kann sie nehmen. Und wenn man sich umschaut, oder umhört, dann muß man sagen: Gott zürnt. Das große „Ja“ fürs Leben wird immer weniger gegeben und angenommen, es wird weniger gehalten, und vor allem: Das große „Ja“ wird immer weniger gefördert, weniger unterstützt, weniger geehrt, und weniger als Gottes himmlische und lebensnotwendige Gabe geehrt. Es wird mehr angezweifelt, für überflüssig gehalten.
Was kann man tun? Lassen wir diese wirklich intensiven Worte zu uns kommen und lassen wir sie sagen, was sie sagen. Sie kommen von Gott, sie sind wahr, und sie werden wahr bleiben, und nichts in uns, auch nichts aus unserer Zeit kann ihrer Bedeutung irgendwas wegnehmen.
Die Braut sagt zu ihrem Mann: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm.“ Ein Siegel sagt viel: Es ist persönlich, es ist bindend, es kennzeichnet, alle müssen es anerkennen. Ein Siegel ist eindeutig und exklusiv. Wenn eine Tür versiegelt ist, dann heißt das: Nur befugte, autorisierte Personen dürfen da durch. Ein Siegel zeigt: Wer das anrührt hat es mit mir zu tun.
Diese Worte sind eine Antwort der Braut auf die Liebe des Bräutigams. Sie ist so frei, das zu sagen, weil sie Gewißheit hat. Sie willigt in die Liebe ein, die ihr entgegenkommt. „Lege mich wie ein Siegel auf deinen Arm und auf dein Herz.“ Bekenne dich zu mir – vor Himmel und Erde, vor Vergangenheit und Zukunft, vor jedem Mann und vor jede Frau: Bekenne dich zu mir!
Diese Sprache kommt von Gott. Wo Gott ist, wo wir Menschen Gott wirklich Gott sein lassen, da kommt auch diese Sprache.
Der Arm steht für Kraft, für Willen für Gestaltung.
Das Herz steht für Gedanken und Gefühle, für die Seele.
Der Bräutigam und die Braut wollen nicht mehr sein ohne einander. Das ist das Siegel.
Und zu diesem Willen gehört, daß jeder es sehen, wissen, anerkennen und unterstützen muß. Wer Gott kennt, der erkennt, daß Gott selbst dort am Werk ist, und daß nur ein Feind Gottes dareintappt.
Die Braut spricht weiter: „Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.“ Das sind Worte, da muß man schlucken, nicht wahr? Liebe und Tod in einem Satz. Natürlich denkt man an das Eheversprechen: „Bis daß der Tod euch scheide.“ Die Liebe fordert das ganze Leben und gibt das ganze Leben. Stark, wie der Tod. Unheimlich. Größer als ich, mit einem eigenen Gesetz. Die Liebe läßt mich erfahren: Ich gehöre mir nicht selbst. Mein Körper, mein Herz, meine Seele wird einer Macht unterworfen. Augen, Ohren, Gedanken, Leib und Seele werden mobilisiert, Leidenschaft ergreift den Menschen, erfüllt von einem andern, der einmalig ist, und den andern meint.

Liebe Gemeinde. Da ist der Punkt erreicht, wo du sagst: Paßt es jetzt, daß ich das höre?
Es gibt viele Gründe, bei diesen Worten lieber ganz unauffällig davonzuschleichen.

  1. Du schleichst davon, weil du anerkennst, das sind exklusive Worte, die nur in diese spezielle Zweisamkeit gehören. Sie meinen dich nicht, und deshalb kann paßt es einfach nicht, die Worte auf sich zu beziehen. Diskretion. Es ist gut, wenn wir das üben. Neugier hält niemals, was sie verspricht. Es gibt kein Wissen ohne Verantwortung. Neugier leugnet das, und wird verlieren.
  2. Du schleichst davon, weil diese Worte dich daran erinnern, daß du vor Gott ein Bräutigam oder eine Braut sein sollst. Daß dein Leib und deine Seele nicht dir selbst gehören, sondern mobilisiert werden sollen, ganz außer sich, bei einem anderen Menschen zu sein. Und du hast Zweifel daran, ob du das schaffst. Lieber nicht daran erinnert werden. Zweifel.
  3. Du schleichst davon, weil diese Worte dich anklagen. Mißtrauen oder sogar Verachtung gegen das andere Geschlecht. Scheitern. Schuld. Bitterkeit. Erinnerung daran, daß du nicht alles gegeben hast. Daß Du nicht ganz bei einem Menschen gewesen bist. Oder, daß du nicht verzeihen kannst.
    Das ist schwer und kann auf der Seele brennen.
    Oder diese Sprache erinnert dich daran, daß du aufgegeben hast.
    Liebe Gemeinde! Man hört diese Sprache, und muß schlucken.
    Es ist Sprache, die Gott gibt und Gott will.
    Wer zu Gott kommt, der kommt an dieser Sprache nicht vorbei. Er wird sie hören. Sie wird sie hören.
    Diese Sprache macht ganz deutlich: Der Gott der Bibel ist der Gott von männlich und weiblich. Gottes Sprache ist eine Sprache die JA sagt zum Mann, JA zur Frau und JA zu dem Ja vpn einem Mann und einer Frau zueinander. Ohne männlich und weiblich kann Gottes Sprache nicht verstanden werden und verliert ihren Sinn und ihre Bedeutung.
    Sie erinnert uns an das Paradies, und daß wir nicht mehr im Paradies sind. Das hält kein Mensch aus: An das Paradies erinnert werden, und zugleich schmerzlich spüren: Wir sind da raus.
    Doch das ist nicht das Ziel dieser Sprache. Uns zeigen, daß wir es nicht schaffen, und dann damit allein lassen. So ist Gott nicht.
    Es ist Gottes Zorn, daß die Sprache des Bräutigams und der Braut so angegriffen, attackiert, so geschwächt und so in Frage gestellt ist. Gott ändert sich nicht. Gottes Antwort ist nicht: Dann lassen wir es eben mit Bräutigam und Braut. Dann gucken wir mal, ob etwas anderes vielleicht besser funktioniert. Nein. Mann und Frau, und die Liebe zwischen ihnen ist göttlich. Sie ist nicht einer Entwicklung oder einem so genannten Fortschritt unterworfen. Sie ist nur näher an Gott, oder weiter weg von Gott, oder ohne Gott.
    Gottes Antwort sieht anders aus.
    Der Prophet Jeremia sagt: Wenn Gott aufhört, zu zürnen, und Seine Gnade und Seinen Segen wieder schenkt, dann kommt diese Sprache zurück. (Jeremia 33,11). Aber wann ? Aber wie? Aber wo?
    Wann wie und wo heilt Gott Mann und Frau, daß sie diese Liebessprache nicht nur ertragen können, sondern hören und wissen, daß sie gemeint sind? Nicht nur aushalten sondern sogar mitsprechen können? Wir sind dazu geschaffen, wir sind so geschaffen, daß das unsere Sprache werden soll. Die Worte warten auf dich und auf mich!
    Aber wie, aber wann, aber wo?
    Im Neuen Testament haben wir Johannes den Täufer. Er sagt, wer Jesus ist: Er ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Jesus ist Gotts Sohn.
    Und noch etwas: Als Jesus die Kirche anfängt, durch die Taufe, gehen Leute und sagen zu Johannes dem Täufer: „Meister, der, der bei dir war jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis ablegtest – Er tauft (durch seine Jünger) und jedermann kommt zu ihm.
    Johannes antwortet und sprach: „Ein Mensch kann nichts nehmen, außer, es wird ihm vom Himmel gegeben. … Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund aber des Bräutigams steht und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist jetzt erfüllt.“ (Johannes 3, 26-30). Johannes sagt, wer Jesus ist: Er ist DER Bräutigam. Und die Kirche, die durch den Glauben an ihn sich sammelt, ist seine Braut. So rettet Gott diese Sprache, daß sie niemals mehr verstummen soll. Auch nicht aufgelöst werden soll, verdünnt werden soll, sondern daß die Liebe stark bleiben soll, wie der Tod, und unwiderstehlich wie das Totenreich und brennen soll ohne gelöscht zu werden. Gott wird selber Bräutigam, damit diese Liebe bei uns ist und uns erreicht.
    Der Apostel Paulus bestätigt das voll und ganz. Als er von Mann und Frau in der Ehe lehrt, schreibt er: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen.
    Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.“ (Epheser 5, 25-26. 32-33). Jesus hat alles getan, um seine Gemeinde zu gewinnen. Die Kirche ist die Braut Jesu Christi. Er hat sich selbst für sie dahin gegeben – seinen ganzen Leib, und seine ganze Seele für seine Braut mobilisiert und eingesetzt.
    Und er hat das Wort erfüllt: Liebe ist stark wie der Tod. Denn er ist aus Liebe gestorben. Er hat sich aus Liebe geopfert.
    Da hat Gott die Sprache zwischen Braut und Bräutigam gerettet für alle Zeit. Hier bekommt jeder Mensch die Liebe, die er braucht und nötig hat. Das wird sich nicht ändern. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, die uns Gottes Zukunft zeigt, sagt uns ganz am Ende, im letzten Kapitel: „Der Heilige Geist und die Braut – also die Kirche – sprechen zu Jesus, die Bräutigam: Komm! Und wer es höret – das sind wir, jeder mit seinen Grenzen – der spreche mit: Komm, Herr Jesu, als Bringer der Liebe! – Und, so hören wir direkt danach: Und wen dürstet nach Liebe, der komme und nehme das Wasser des Lebens umsonst, geschenkt.“ (Offenbarung 22,17).
    Der Glaube spricht diese Worte nach: Jesus, Du Sohn Gottes. Du bist vom Himmel gekommen, bist Mensch geworden, und hast das Verlorene gesucht. Die Liebe hat dich zu uns, zu mir getrieben, damit auch ich große Liebe erfahre. Lege mich wie ein Siegel auf deinen Arm und dein Herz. Laß mich erfahren, daß Du wirklich mich meinst.
    Das ist das Ende der Verlegenheit. Hier sollen wir dazukommen und nicht heimlich davonschleichen.
    Der Heilige Geist ist der Geist dieser Worte. Er tut nichts anderes, als uns zu zeigen, wie Jesus die Sprache der Liebe rettet, erneuert, und zu uns bringt.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Wochenendrüste für Männer

Thema: Wie gehen wir als Christen mit drohendem Mangel und Entbehrung um?

Mangel, Entbehrung, Knappheit?
Wir kennen diese Wörter gar nicht mehr aus
dem täglichen Leben. Wer nicht gerade in den
letzten Jahrzehnten nach Deutschland einge-
wandert ist, der dürfte fehlende Lebensmittel
kaum kennengelernt haben. Damit ist nicht
das aktuellste iPhone gemeint, sondern die
Dinge, die laut unserem Katechismus zum täg-
lichen Brot gehören: Alles, was nottut für Leib
und Leben.
Sowohl im Alten als auch im Neuen Testa-
ment sind immer wieder Zeiten des Mangels
beschrieben. Wie das Volk Gottes damit umge-
gangen ist und welche Lehren wir daraus zie-
hen können, wollen wir uns während dieser
Rüstzeit genauer ansehen.
Lasst uns Gott um seinen Segen für diese Tage
bitten!

Programm:
Fr. 11.11.2022
Abend:
Abendessen, Begrüßung und Einstieg ins Thema
Sa. 12.11.2022
Morgen:
Frühstück
Thema: Hunger und Teuerung in der Bibel
Pause
Thema: Schule des Glaubens im Neuen Testament
Mittagessen und -pause mit Waldspaziergang
Nachmittag:
Thema: Verheißungen in der Bibel
Abend:
Abendessen
Lebensbilder
So. 13.11.2022
Vormittag:
Frühstück
Gottesdienst in Fürstenwalde
Mittagessen / Abschluss

11. – 13. November 2022
in der Ferienanlage
„Familienerholung Buchwald“,
Heideweg 15, 15864 Wendisch-
Rietz, Tel.: 033679-5401

Anmeldungen bis zum 3. November 22

    Luthers Abendsegen

    Eine kleine Abendandacht

    Des Abends, wenn du zu Bette gehst, sollst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen:

    Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

    Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:

    Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast; und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.

    Und alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

    Ostinato Chorkonzert

    Herzliche Einladung zu einer guten Stunde Chormusik und damit zu einer lebendigen Verkündigung des Evangeliums! Das Konzert betrachtet das geistliche Thema „Lieder vom Licht“ in 3 Konzert-Teilen. Am Anfang stehen Stücke, die verdeutlichen, wie Gott Christus als Licht für alle in die Welt gesandt hat, welches ER bis heute in der Welt erhält (Teil 2) und schließlich in der Ewigkeit vollendet (Teil 3).

    (Der Besuch des Konzertes ist kostenfrei, eine Spende ist erbeten.)

    19. Sonntag nach Trinitatis

    Gnade sei mit euch und Friede
    von Gott, unserem Vater,
    und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

    1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, daß er im Hause war.
    2 Und es versammelten sich viele, so daß sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
    3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
    4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
    5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
    6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
    7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
    8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, daß sie so bei
    sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
    9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
    10 Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
    12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodaß sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

    Markus 2, 1-12

    Gebet: HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen

    Liebe Gemeinde!
    Wer zu Jesus gehört, der gehört zu denen, „die sich entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.“ – Was haben sie noch nie gesehen? Daß ein Gelähmter auf Befehl Jesu aufsteht, sein Bett nimmt und vor aller Augen hinausgeht. – Es gibt ein Loblied im Reich Gottes, das immer zu hören ist. Der Lobpreis Gottes ist immer auch ein Teil von Gottes Wundern. Wo Jesus heilt und vergibt, Gebete erhört, da schallt der Gesang der Kinder Gottes. Er ist schon da – und wer zu Jesus kommt, der kommt in diesen Bereich, in dem Vergebung und Heilung bestaunt und besungen wird. Es geht in jedem christlichen Lied immer um diese Taten, die Jesus getan hat. Was Er getan hat, vergeht nicht, darum verstummt dieses Loblied niemals. – Wir singen heute ein solches Lied: „Ich singe dir mit Herz und Mund“. Es bezieht sich auf den Gott, der uns im Evangelium begegnet. Das bedeutet unbedingt: Das Staunen, die überraschte Freude und der Lobpreis aus Markus 2 ist dadrin. Wir singen unser Lied mit den vier Freunden, die den Gelähmten zu Jesus getragen haben.
    Die Vorstellung ist: Das Lied ist schon da, es holt uns ein und wir stimmen mit ein.
    Nach einer Intrade singen Lied 581, 1-2:

    1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt.
    2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
      Jedes Wort in diesem Lied ist dazu geeignet aus uns das zu machen, was wir immer schon sind, und leider immer schon wieder vergessen: Gottes Geschöpf. Wer damit Ernst macht, daß er sich nicht selbst gemacht hat, wer darauf verzichtet, irgendwie Gott zu spielen, der hat alles. Warum, weil er einen Schöpfer hat.
      Darum können wir uns mit Recht fragen: Was sind wir doch? Das wird der arme hilflose Gelähmte sich auch gefragt haben: Was bin ich schon? Doch durch den Glauben bin ich nicht nur Geschöpf, sondern Kind Gottes. Das macht Gott zu einem Geber für mich, einen Vater.
      Nach einem Ostinato zu dem Text „auf dieser ganzen Erd“ singt die Gemeinde – mit Herz und Mund! – Lied 581, 3:
    3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?
      Wenn der Heilige Geist das in dir geweckt hat, daß Gott der Geber ist, der Vater, daß Gottes Liebe alles zusammenhält und das Leben jetzt ermöglicht und schützt. Gerade dein Leben! Dann lernst du neu schauen und gucken. Der Himmel sieht dann wirklich anders aus. Das Wetter ist kein stummes Schicksal. Und die Früchte der Erde, von denen wir jede Stunde leben, werden zum Zeichen einer Liebe vom Himmel. Ja, gerade in unseren Zeiten wollen wir von ganzem Herzen bekennen: Von Gott kommt Wärme bei Kälte und Frost!
      Die Posaunen spielen über das schöne Himmelszelt, und dann singt die Gemeinde – immer noch aus Freude über das Wunder aus dem Evangelium! – 581, 4+5:
    4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt?
    5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Öl und Most zu seinen Zeiten findt?
      Es geht nicht nur um unser leibliches Leben. Es geht auch um unser Zusammenleben. Wir als Geschöpfe können die Umstände und Bedingungen nicht machen, schaffen, oder garantieren, in denen wir mit Leib und Seele leben können. Umstände, in denen Vertrauen sich lohnt; in denen Arbeit sich lohnt; in denen Ehrlichkeit sich lohnt. Diesen Frieden in unserem Vaterland muß Gott geben. Er allein kann ihn geben. Haben wir Gott dafür gedankt? – und: Bevor wir auf die Mächtigen schimpfen – was überhaupt nichts bringt! – laßt uns jetzt zum Himmel über uns Kontakt aufnehmen und andocken an die wirkliche Quelle des wirklichen Friedens!
      Nach einer Fuge über „Fried in unserem Vaterland“ singen wir 581, 6-9:
    6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?
    7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und läßt uns sicher ruhn.
    8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.
    9. Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.
      Der arme Gelähmte wurde geheilt. Jesus hat als Sohn Gottes, als wahrer leibhaftiger Gott seinen Leib in Ordnung gebracht. Doch Jesus bringt vor allem eins: Eine Chance für Sünder. Wir haben es eben gesungen: „Du strafst uns Sünder mit Geduld – und wirfst die Schuld weg.“ Vergebung ist noch viel wichtiger als alles, was wir bis jetzt besungen haben. Alles hängt davon ab, daß Gott sich entscheidet: Du sollst nicht verloren gehen, die Schuld von dir und anderen soll dich nicht zerstören oder einschließen und vom Leben abschneiden. Nein, in Gottes Namen nein! – Manchmal hat ein Mensch alles, oder doch genug. Aber der Friede mit Gott fehlt. Das arme Herz seufzt und schreit. Es weint. Manchmal ohne Worte im Verborgenen, weil es überhaupt nicht glauben kann, daß es gehört wird. Doch wo Jesus, der Sohn Gottes ist, da darf das Herz ans Licht kommen. Es wird nicht platt getreten oder verjagt oder lächerlich gemacht werden. Nein nein! Im Himmel bei Gott werden die Tränen gezählt. Und: Der Trost ist größer und sicherer als der Mangel. Das steht bei Gott fest.
      Nach einer Klage über die seufzenden und schreienden Herzen singt die Gemeinde mit Herz und Mund 581, 10-12:
    10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht, und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.
    11. Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
    12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
      Wer ein Geschöpf ist, hat den Schöpfer, wer den Schöpfer hat, der hat den größten Geber. Er gibt uns das, was bleibt und nicht vergeht. Das fängt mit der Vergebung an. Denn wenn wir keine Vergebung haben, dann wird am Ende alles gegen uns sprechen und uns anklagen. Aber mit Vergebung gibt Gott uns eine gute Zukunft.
      Der Gelähmte bekam ja nicht nur Heilung, sondern vor allem auch diese Vergebung. Darum konnte er sich wieder bewegen. Sein Herz wurde wieder lebendig und offen.
      Wir freuen uns mit ihm, ja mit ihm! und singen mit denen die damals sich mit ihm gefreut und über Gott gestaunt haben:
      Nach einem lebhaften Vorspiel – scherzo – 581, 13:
    13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

    Den haben, von dem alles herkommt – der Ursprung aller Ding – etwas Besseres kann deinem Herzen nicht passieren. Die Menschenmenge aus dem Evangelium war verblüfft und stimmte in das Lied ein, daß Gottes Kinder singen, weil Jesus ihnen gezeigt hatte: Gott gibt dich nicht auf! Jesus hat Gottes Glanz und Gottes Freude, Gottes Macht und Gottes guten Rat für unser Leben zu uns auf die Erde hergerettet. Wo dieser Jesus ist, da ist auch Gottes „Ja!“ zum Menschen da. Dieses „Ja!“ ist stärker und auch reeller, wirklicher als unsere Sorgen. Schaffen wir es, unsere Sorgen bei ihm abzugeben. Sie ihm wirklich zu sagen, und der größten Macht anzuvertrauen? Das gehört alles zum Lied der Kinder Gottes. Das ist die Richtung! Die Sorge löscht so leicht und schnell aus, was Gott schon getan hat. „Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ – Hat Gott dich nicht von Jugend auf versorgt? Sonst wärst du doch jetzt nicht hier! Gott hat schon angefangen, sich zu kümmern.
    Der Chor musiziert über die Worte „Gott, dein Schirm und Schild“, dann singt die Gemeinde mit Herz und Mund gegen jede einzige Sorge die Verse 581, 14-16:

    1. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht.
    2. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.
    3. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt!
      Das Lied der Kinder Gottes ist eine sehr nötige Hilfe. Wir vergessen schneller als in Lichtgeschwindigkeit, daß Gott uns gemacht hat. Noch schneller vergessen wir, wie dringend wir Gottes Gnade brauchen. Jesus hat uns Gottes Gnade gebracht. Wer denkt, er kann ohne Gnade, wird sehr sehr erschrecken. Wer mit Schuld bei sich und anderen alleine klarkommen will, wird scheitern. Wer aber die Vergebung empfängt, die uns im Namen Jesu gebracht wird, der wird nicht scheitern, Gott selbst wird sein Kind durchtragen. Was wir jetzt tun, das wird ein gutes Ende haben. Das steht jetzt fest. Das ist was Glauben bedeutet. Jesus hat jedes böse Ende auf sich genommen, damit alle, die an ihn glauben, ein gutes Ende haben.
      Dieser Trost hat alle erreicht, die damals dabei waren, als Jesus dem armen Gelähmten Mann aufhalf. Sie haben gesungen, weil sie das gute Ende gesehen haben. Laßt uns heute dieses gute Ende mit Händen greifen und festhalten.
      Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Bis ans gute Ende. Amen.
    4. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End.
    5. Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein, so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein.

    Beitragsbild: Jesus heilt einen Gelähmten. Kapitell in der Kirche von Saint-Aubin de Saint-Aubin-du-Cormier

    165. Kirchweihgedenken

    Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus
    und die Liebe Gottes
    und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
    sei mit euch allen. Amen.


    Text: 1. Könige 8, 22.27-30

    Der König Salomo sprach bei der Weihe des Tempels in Jerusalem:
    27 Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?
    28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:
    29 Laß deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet,
    30 und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

    Könige 8, 22.27-30

    Gebet: HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnt. Psalm 26, 8). Amen.

    Liebe Gemeinde!
    22 Jahre lang, von 1835 bis 1857, hatte unsere Gemeinde kein eigenes Gotteshaus. Sie versammelte sich in Kellern, in Dachböden, Familienhäusern. Die ersten Jahre ja auch heimlich, weil der damalige Staat nicht eine selbständige Lutherische Kirche haben wollte. Dann ab der Duldung 1840 konnte man beginnen, als Gast in der Kirche anderer Konfessionen Gottesdienste zu feiern. Bis endlich ein Grundstück erworben konnte und unsere Kirche gebaut wurde, die der himmlische Vater nun durch 165 Jahre wunderbar bewahrt und uns erhalten hat.
    In diesen 22 Jahren ohne eigene Kirche hat der HERR alles in unserer Gemeinde getan, was er in einer Gemeinde tut. Auch im Keller, auch am Abend eines Wochentages, auch ohne die Erlaubnis der Obrigkeit hat Jesus bei der Taufe den Kindern Seine Gnade geschenkt. Wenn in der Beichte die Hände aufgelegt wurden, auch auf einem Dachboden, vielleicht ohne Kerzen, da war der Sohn Gottes anwesend und hat gesagt: Für dich und deine Freiheit bin ich gestorben. Auch wenn keine Orgel da war, sind die Lieder zu Gott aufgestiegen und haben Trost gespendet. Auch wenn kein richtiger Altar da war, so haben die Gemeindeglieder doch den Leib und das Blut Christi empfangen im Abendmahl. Das Reich Gottes war da. Es kommt nicht erst dann, wenn ein Haus aus Steinen und Holz an einer Annenstraße gebaut wird und Gott eine Adresse hat.
    Und trotzdem. Hier haben wir unsere Kirche. Sie ist nicht das Reich Gottes, das Reich Gottes war vorher da, und wird nachher da sein. Als unsere Gemeinde am Ende des Weltkrieges und danach wieder als Gäste woanders Gottesdienst halten mußte, war sie immer noch im Reich Gottes.
    Und trotzdem. Sehr bald versammelte sie sich wieder mitten in den Trümmern in dem Haus, das Gott hatte stehen lassen.
    Wenn unser HERR Jesus Christus alles erfüllen kann, was er verspricht, ohne Haus, ohne Altar, ohne Kanzel, ohne Taufbecken, warum dann?
    Denn …
    … „sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ – so fragt der König Salomo. Gott ist doch größer, als das größte Haus, als alle Häuser. Und Gott ist ja nicht nur in Häusern, sondern auch draußen. Gott braucht kein Haus.
    Wir brauchen Häuser, das muß nicht erklärt werden. Unser Leib und unsere Seele: Beide können nicht immer und überall einfach das sein, was sie sind. Beide brauchen Schutz, beide brauchen einen Bereich, in dem sie aufgehoben sind.
    Gott braucht für sich kein Haus. Wir brauchen für uns Häuser.
    Warum müssen Gotteshäuser sein?
    Diese Frage muß beantwortet werden.
    Mit unserer „altlutherischen Kapelle“ verbindet sich viel Aufwand: Wir geben Geld aus für Erhaltung, für Strom, für die Orgel – ja, viele nehmen einen langen Weg auf sich, hin in die Annenstraße zu kommen.
    Dieser Aufwand ist richtig, wenn wir wissen, warum.
    Es gibt verschiedene Gründe:

    1. Man verbindet gute Erfahrungen mit diesem Haus. Begegnungen mit lieben Menschen. Erinnerungen an liebe Menschen, die schon bei Gott sind, und mit uns hier gesungen und gebetet haben.
    2. Unsere Kirche ist ein Denkmal. Ihr Architekt, Hermann Blankenstein, war später Baudirektor von Berlin und hat das Stadtbild geprägt für Jahrzehnte. Wir sitzen in seinem ersten Projekt. Das ist etwas Besonderes! Ebenso auch die Tatsache, daß die Bomben des Krieges gerade hier NICHT getan haben, wozu sie abgeworfen wurden. Sogar das Holz von 1857 haben wir noch! Auch ein Grund, anhänglich zu sein, und beitragen, daß sie uns erhalten bleibt!
      Das setzt aber voraus, daß wir wissen, warum wir überhaupt ein Gotteshaus haben.
      Salomo steht im Alten Testament. Er kann mit Überzeugung sagen: Gott wollte, daß genau hier genau dieses Haus gebaut wird:
      „Laß deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein.“ – Da soll mein Name sein! Der König David hatte die Stadt Jerusalem eingenommen, David, der Vater Salomos, hatte die Bundeslade daherbringen lassen. Die Bundeslade war so etwas wie ein Altar, an dem Israel auf dem Weg durch die Wüste in einem Zelt Gottesdienst gefeiert hatte. David hatte alles vorbereitet für einen Tempelbau. Doch es war Gottes Wille, daß sein Sohn Salomo den Tempel bauen sollte.
      Im Alten Testament mußte es der Berg Zion in Jerusalem sein. So hatte Gott sich festgelegt. Da war sein Name. Man könnte auch sagen: Da war Gottes Adresse, da hatte Gott sein Sprechzimmer, seine Praxis – genau konnte und mußte Israel zu Ihm kommen, und wurde gehört. Da war die Verabredung und die Begegnung mit Gott. An keiner anderen Stelle sollten Opfer gebracht werden. Ob er nun weit weg wohnte, oder ganz nahe in Jerusalem: Jeder Israelit hatte die Pflicht, zu den Festen „vor dem HERRN“ im Tempel zu erscheinen.
      Damit wurde deutlich: Wir fürchten, lieben und vertrauen Gott über alle Dinge. Der Berg Zion in Jerusalem hat Priorität, weil Gott es so will, und Gott hat Priorität.
      Der Tempel bezeugte: Gott hat Priorität. Israel ist bereit, sich für Gott auf den Weg zu machen. Israel ist bereit, alles hinter sich zu lassen, um nur und ganz bei Gott zu sein. Weil Gott Priorität hat. Darum muß es einen Ort geben, der Platz schafft für Opfer und Gebet. Weil Gott Priorität hat, darum hat das Opfer, das Gebet, der Gesang, die Verkündigung auch Priorität. Der Tempel war der feste Platz, den Gott in Israel einnahm. Vor allen Dingen und zuerst sollte Gott einen Platz in Israel haben. Gott ist nicht ferner liefen. Gottesdienst ist nicht etwas, was sich ergibt, wenn alles andere Nötige erledigt ist. Sondern das Erste. Weil Gott der Erste ist.
      Darum kann Salomo sagen: Hier ist Gottes Name. Hier spricht Gott, hier hört Gott. Auf dem Berg Zion , in Jerusalem, im Heiligen Land.
      So hatte Gott es im Alten Testament festgelegt.
      Der Tempel Salomos stand fast 500 Jahre: 955 vor Christus geweiht – 587 vor Christus zerstört durch die Babylonier unter Nebuchadnezar. Im Jahr 515 vor Christus wurde der Zweite Tempel geweiht. Der wurde dann im Jahr 70 nach Christus durch die Römer unter Titus zerstört.
      Über den Tempel hat Jesus drei Dinge gesagt:
    3. Der Tempel ist „seines Vaters.“ Das sagt Jesus mit 12 Jahren, als Maria und Joseph ihn im Tempel fanden sagt der Sohn Gottes: „Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2, 49). Damit bestätigt Jesus, daß Israel Gott wirklich im Tempel begegnet ist.
    4. Jesus spricht aber auch ganz klar von dem Ende des Tempels. „Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben.“ (Matthäus 24, 2).
    5. Das bedeutet aber nicht das Ende der Begegnung mit Gott. Jesus seinen Leib zum Tempel Gottes erklärt, so hören wir es im Johannes-Evangelium (Kapitel 2, 21). Ja, den Pharisäern gegenüber sagt Jesus direkt: „Ich sage aber euch, daß hier der ist, der auch größer ist denn der Tempel.“ (Matthäus 12, 6).
      Jesus gibt uns also alles, was der Tempel geben konnte, und mehr.
      Darum gibt es in Neuen Testament keinen heiligen Ort, wie Jerusalem, oder Mekka. „Es kommt die Zeit,“ sagt Jesus, „da werden die wahrhaftigen Anbeter den Vater nicht auf diesem oder jenem Berg anbeten, sondern im Geist und in der Wahrheit.“ (Johannes 4, 21.23.24)
      Da stellt sich die Frage aufs Neue: Warum dann ein Haus, mit Menschenhänden gemacht?
      Ich kann nur sagen: Wegen der Priorität.
      Gott, Sein Wort, Sein Handeln an uns, unsere Antwort darauf: Das soll als erstes einen festen Platz haben. Zeitlich und räumlich. Darum haben wir denn Sonntag, darum haben wir dieses Gebäude. Der Glaube braucht diesen Ort, wo alles vom Evangelium bestimmt ist. Wo klar ist: Das will ich gesichert haben. Darum steht hier der Altar: Das Gebet, das Abendmahl fordert das. Gebet und Abendmahl soll jederzeit möglich sein. Deshalb steht das Taufbecken da. Wie wunderbar ist es, daß wir heute eine Taufe haben! Doch das Taufbecken steht bereit. Er erinnert uns an unsere Taufe. Und genau wie die Taufe nicht eine Nebensache ist, die mal hervorgeholt, mal weggestellt werden kann, so steht das Taufbecken immer bereit. Ähnlich ist es mit der Kanzel. Gottes Wort soll verkündigt und gehört werden. Das muß vor allen anderen Dingen sicher sein.
      Wenn es irgendwie möglich ist, soll eine Kirche kein Mehrzweckraum sein. Im Gotteshaus soll zum Ausdruck kommen, daß Gott über uns bestimmt, und nicht wir über Ihn. Gott hat Priorität. Das Evangelium, die Taufe, das Abendmahl, das Gebet Gebet, das Lob Gottes ist für den Glauben eine Notwendigkeit. Darum wird der Glaube jede Möglichkeit nutzen, einen Raum zu bauen, der von diesen Dingen bestimmt ist.
      Eine Kirche ist eine große und nötige Hilfe für den Glauben. Unser Glaube ist angefochten. Es geht auf und ab. Doch, das, woran wir glauben, das steht fest und ist zuverlässig. Dieses Haus, zusammen mit Altar, Taufbecken, Kanzel, mit den Bänken und der Orgel stehen für das, was feststeht. Sie führen uns vor Augen: Es ist alles wahr, es war vor uns da, es bleibt für uns wahr. Der Glaube stützt sich nicht auf sich selbst. Er hält sich an das, was Gott von außen zu uns bringt.
      Die Kirche ist nicht Gott, darum müssen wir nicht an sie glauben, wie im Alten Testament das Volk Israel an Jerusalem und den Tempel gebunden war.
      Wir sind an Jesus gebunden. Er ist unser Tempel. An ihn glauben wir, egal, wo wir sind.
      Aber wir lieben den Ort, wo Jesus uns begegnet, wie Er es eingesetzt und bestimmt hat. Wir lieben das Haus, wo Er uns Sein Evangelium hören läßt. Wir lieben das Haus, wo die Taufe Kinder Gottes geboren hat. Wir lieben das Haus, wo Gottes Kinder zusammen beten, und sich an Gottes Wort festhalten.
      Das macht diesen Ort zu einem guten Ort.

    Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

    Erntedank

    Gnade, Barmherzigkeit, Friede
    von Gott, dem Vater,
    und von dem HERRN Jesus Christus!


    7 Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen,
    8 ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt,
    9 ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.
    10 Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.
    11 So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodaß du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.
    12 Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst
    13 und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt,
    14 dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergißt, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft,
    15 und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen
    16 und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewußt haben, auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.
    17 Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen.
    18 Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf daß er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

    Mose 8, 7-18

    HERR, Dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Bitte segne Dein Wort jetzt an uns. Amen.

    Liebe Gemeinde!
    Ich bin dankbar, daß der heutige Predigttext über das Danken handelt.
    Oft wird zum Erntedank nicht über das Danken gesprochen, sondern über das Teilen, oder über das Abgeben, wenn nicht gar von der Pflicht zum schlechten Gewissen, weil es einem angeblich so unverdient gut geht.

    Doch ist es notwendig, beim Dank stehen zu bleiben.
    Es gibt die Redensart: „Ich kann nicht genug danken!“
    Manchmal ist sie nicht ernstgemeint. Oft wird sie nicht ernstgenommen, sondern belächelt.

    Doch es ist eine Wahrheit.
    Der Dank ist nach oben offen. Richtiger Dank hat es in sich, daß er sich übertreffen will. Richtiger Dank ist bescheiden, weil er erkennt, daß der Dank immer kleiner ausfällt als die Gabe, kleiner ist als die Liebe, die in der Gabe steckt.
    Der Dank ist nach oben offen – weil er zu Gott offen ist.

    Ich bin dankbar, daß der Predigttext also wirklich vom Dank handelt. Es ist gar nicht so einfach, einfach beim Dank stehen zu bleiben, und nicht zu denken: Gut. Dank erledigt – und was jetzt? Erst nach dem Danken geht es doch erst richtig los!
    Nein. Mit dem Dank geht es richtig los.

    Mose spricht mit Israel. Das Volk Israel hat 40 Jahre Wanderung in der Wüste hinter sich. 40 Jahre her hatte Gott Sein Volk aus der demütigenden Knechtschaft in Ägypten befreit. Nach vielen Gefahren und Entbehrungen in der Wüste: Hunger, Durst, Krieg, war Israel am Ziel: Das Heilige, von Gott verheißene, das gelobte Land lag von ihnen.
    Ein herrliches, reiches, fruchtbares Land: „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.“
    Als erstes WASSER! – Nach 40 Jahren in der Wüste: Keine Sorge um das Wasser. Wasser, so notwendig – so sehr ein Geschenk, es kommt vom Himmel, strömt vom Gebirge ins Tal, strömt unter der Erde über Betten von Felsen. Erreicht den Menschen trinkbar und nützlich zum Waschen und vieles mehr. Wasser ist Leben, Leben ist eine Gnade, und Gott hat Seine Freundlichkeit und Weisheit im Wasser verborgen.
    Seinem Volk Israel hat der HERR schon mit Wundern versorgt. Wasser kam aus dem harten Felsen, als Mose mit einem Stab darauf schlug. Das war nicht ein Zauberstab, sondern Gott hatte den Befehlt gegeben. Das ist was anderes, als Zauber.

    „Ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt“ – so ganz anders, als die Wüste! Immer Vorräte vorsichtig einteilen, immer mit Sorge Ausschau halten, wo es wieder was Eßbares gibt. Immer Sorge! Und oft Eintönigkeit – nichts Frisches. Mehr Überleben als Leben.
    Doch hatte Gott der HERR schon in der Wüste Sein Volk von oben, aus Seiner Überlegenheit geholfen „und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewußt haben.“

    In der Wüste gab es immer wieder Gefahren: „und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione.“ Dazu auch Kriege mit feindseligen, brutalen Völkern.
    Ein schwerer Weg, doch Gott war dabei. – Wäre Gott nicht dabeigewesen, dann wäre Israel mehrfach in der Wüste geblieben. Verdurstet, verhungert, vergiftet, von Feinden vernichtet.
    Aber nein! Ein Wunder nach dem anderen – Gottes Begleitung hatte es möglich gemacht. Gott hatte den Himmel geöffnet und auf der Erde geholfen. – Versteht ihr jetzt, warum der Dank nach Oben offen ist? – Er ist eine Antwort auf den geöffneten Himmel, von dem aus Gott alles geschenkt hat.
    Danken heißt: Klar machen, daß die Ehre Gott gehört. Danken ist klarmachen, wer hier der Geber ist. Wer dankt macht klar: Es ist angekommen. Das Wasser ist angekommen, die Speise ist angekommen, der Schutz ist angekommen. Von wo? Von ganz ganz oben. Der Dank sieht die Liebe des Absenders, die frischen Tautropfen des Wunders, den Sternenstaub des Himmels an dem, was er vor sich hat und sein Herz wird so groß wie der Himmel und weit wie der Weg – aus Gottes Liebe bis hinunter auf unseren Tisch. Das Paket kommt an und man staunt: Eine Briefmarke vom Himmel ist drauf. Und meine Adresse.

    Israel steht an der Grenze. Hinter ihm die Wüste, vor ihm das gelobte Land.
    Hinter ihm auf dem Weg durch die Wüste, hat Gott Israel an die Grenze geführt. Mose sagt ganz klar: „auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.“
    „Demütigte und versuchte.“ Israel mußte erfahren: Ich bin nicht Gott. Ich bin nicht Herr der Lage, ich bestimme nicht den Weg. Ich kann mein Leben nicht machen, auch nicht erhalten.
    Die schweren Erfahrungen führen an die Grenze: Ich tu es nicht, Gott muß es tun. Und wenn Gott es tut, dann kommt es vom Himmel zu mir.
    Dann weiß ich erst, was Wasser ist, wenn nach der Dürre Regen kommt.
    Dann weiß ich erst wirklich, was Licht ist, wenn Gott nach der finsteren Nacht die Sonne aufgehen läßt.
    Dann entdecke ich ganz taufrisch und neu, was ein Gruß ist, wenn die Einsamkeit mich zum Boden gedrückt hat.
    Das ist die Grenze.
    Denn du sollst endlich den Sternenstaub auf Gottes Gaben sehen, den Glanz. Das tägliche Brot kommt vom Bäcker, vom Acker, von der Erde. Ja. Aber das alles ist unter dem Himmel, und es kommt vom Himmel.
    Unser Gesangbuch lehrt uns zu sagen: „Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.“
    „Auf daß er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.“ Demütigte und versuchte. Gott verbirgt sich, damit wir ihn suchen. Er wird sich finden lassen. Die Versuchung ist, zu sagen: Gott verbirgt sich, also gibt es Ihn nicht. Also suche ich nicht.
    Aber ohne Gott gäbe es dich nicht. Du mußt ihn suchen. Er will sich finden lassen und er wird es.
    Wenn in der Wüste ein Wunder geschieht, dann ist deutlich: Ich bin nicht Gott. Gott muß es tun, Gott hat es getan.
    Da ist der Dank klar: Gott, es ist angekommen! Ich lebe weiter, dank Gott.

    Nun spricht Mose von der neuen Situation. Nicht die Wüste, sondern das fruchtbare, gesegnete Land.
    Weniger Sorge, mehr Segen. Weniger Gefahr und Kampf, dafür mehr Tätigkeit und Aufbau.
    Weniger Entbehrung und Mangel, mehr Erfüllung und Zufriedenheit.
    Was soll jetzt nicht passieren?
    „So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodaß du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.“
    Ist es nicht erschreckend: Gott meint es gut mit dem Menschen, und der Mensch vergißt Gott. Und wenn der Mensch Gott vergißt, dann hört das Danken auf. Dann bleibt die Ehre am Menschen hängen. Dann ist der lange Weg von Oben, vom Himmel, von Gott, zu uns ausgeblendet. Dann reichen die Gedanken nur noch bis zum nächsten Essen, oder nächsten Erfolg – oder zum nächsten Mangel, zum nächsten Mißerfolg.
    Die Gedanken werden klein, das Herz wird eng, die Seele ist nicht mehr nach oben offen. Gott vergessen. Irgendwie ist das möglich. Aber es ist schrecklich.
    Mose gibt mit auf den Weg:
    „Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergißt,“ .
    Das alles kommt von Himmel, von Gott, bei uns an. Hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt. Das Herz überschätzt sich. Es denkt zu groß von sich selbst. Nun soll das, was vom Himmel kommt, von unten kommen.
    Das ist Gutes ohne Gott. Die Liebe, die Gott reingetan hat, kommt nicht mehr an. Aber ohne Liebe kann der Mensch nicht leben. Das Herz überhebt sich, und traut sich zu, ungetragen von Gottes Liebe zu leben. Obwohl Gott so groß ist, kann unser kleines Herz ihn vergessen.
    So weit darf es nicht kommen. Darum Danken. Danken ist eine Aufgabe. Sie kann geübt werden. Diese Übung ist Teil davon, daß der Dank nach oben offen ist.

    Wer Gott vergessen hat, hat nur noch sich selbst. Undankbarkeit macht dich allein, einsam. Man ist dann dazu verdammt, sich selbst glücklich zu machen, und wenn man unglücklich ist, ist man alleine schuld.
    Doch Mose spricht zu Israel, und wir hören besser zu:
    „Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen.
    Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf daß er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.“
    Wer dankt, ist nicht allein. Besser noch: Wer Gott dankt, zeigt, daß er von Anfang an nicht allein war.
    Es ist alles Gabe. Und Gottes Liebe ist in der Gabe. Unser Herz, unsere Kräfte und die Stärke unserer Hände kann diese Liebe nicht ersetzen – nein, es ist ja umgekehrt: Gott hat uns das alles gegeben. Aus Liebe. Wer dankt, der hat Gottes Liebe.
    Und wer Gottes Liebe hat, der kann nicht von Sorgen, von Neid, von Geiz, von Gier gefangen sein.
    Mehr Dank ergibt weniger Sorge, weniger Neid, weniger Geiz, weniger Gier. Aber nur dann, wenn wir wirklich beim Dank stehen bleiben, damit er sich nach oben öffnet.
    Die Psalmen und unser Gesangbuch gehen uns da voran. Sie helfen.

    Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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