Artikel

2. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Und es geschah das Wort des HERRN zum zweiten Mal zu Jona:
2 Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage!
3 Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß.
4 Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.
5 Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an.
6 Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche
7 und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe Nahrung zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen;
8 und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände!
9 Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben.
10 Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Jona 3

O Jesus Christus, auch diese Worte müssen Dir dienen und uns helfen. Sortiere jetzt unsere Gedanken, daß wir nichts verpassen, was notwendig ist. Amen.

Liebe Gemeinde,

40 Tage. Mein Bruder und seine Familie wurden einmal mitten in der Nacht von der Polizei besucht; es bestand akute Brandgefahr. Innerhalb von 30 Minuten mußten sie das Haus verlassen, um der Gefahr zu entkommen. Was kann man in 30 Minuten einpacken? – Gott sei Dank kam das Feuer nicht. Aber in dieser halben Stunde mußten er und seine Familie wissen, was zu ihrem Leben gehört, und was nicht.

Zurück zu der Stadt Ninive und dem Propheten und die 40 Tage!

Was für eine Predigt!

Jona der Israelit geht als ganz allein in die fremde Weltstadt – eine Tagereise – das ist tief hinein. Er kann nicht einen Rückzieher machen, er kann sich nicht distanzieren, er ist ganz drin.
Und jetzt kommt’s: „Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.“ – Da habt ihr’s, jetzt wißt ihr Bescheid.

Eine kurze Predigt. „Mit euch ist’s vorbei, es ist um euch geschehen, das war’s dann!“ – Was ist das? Eine Mut machende Predigt? Manchmal schwärmen Predigthörer und sagen: „Da kann ich etwas mitnehmen für den Alltag!“, oder es gilt als eine besondere Empfehlung: „Die Predigt holt mich ab, da, wo ich bin!“ – Was will man von Jonas Predigt sagen? Sie macht dem Alltag ein Ende! Da nehme ich nichts mit, sondern ich werde mitgenommen. Da werde ich nicht abgeholt, wo ich bin, sondern festgenagelt, wo ich bin.

Noch vierzig Tage – was ist euer Leben? Was könnt ihr mitnehmen? Was gehört zu deinem Leben? Was kann bestehen? Was ist so bei Gott angekommen, daß es bleiben wird?

„Noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen.“

Das Herz des Menschen will Ewigkeit; Ewigkeit für sich und seine Wünsche. Es soll alles weitergehen, oder besser werden. Man wünscht sich Botschaften, die das bestätigen. Jona mußte sagen, was keiner hören wollte. Das war sein Auftrag von Gott. Eine Bußpredigt. Es ist vorbei. Eure Gedanken, Worte und Werke schreien zum Himmel und klagen an. Was tut eine Bußpredigt? Sie legt Gottes Gebote so aus, daß du erkennen mußt: Ich vergehe! Eine Bußpredigt stellt dich vor den allmächtigen, heiligen, allwissenden Gott, der keine Ausreden anerkennt. Eine Bußpredigt macht dir klar: Keine einzige Sünde war nötig. Jede Sünde hättest du mit Gottes Hilfe vermeiden können. Mit jeder Sünde verlierst du mehr, als du meinst, mit ihr zu gewinnen. Mit jeder Sünde handelst du dir mehr Herzeleid ein, als du hofftest, zu vermeiden.

Jona hatte diese schwere Aufgabe, zu sagen: Es ist ganz anders, als du denkst. Die Hütte brennt schon. Deine Sünde ist ein Symptom für das Ende. Jede Lüge, jedes Begehren, von den offenkundigen Sünden ganz zu schweigen, ist ein direkter Angriff auf Gott selbst. Das ist keine Übertreibung. Wenn du belogen wirst, trifft es dich. Eine Lüge, die unnötig war, weil du bereit warst zu helfen, trifft noch tiefer. Wie muß das alles Gott treffen? Und was muß Gott tun, alles wieder zu ordnen und zu heilen, was du durcheinander gebracht hast?

Der Tod ist der Sünde Sold, lehrt Paulus (Römer 6, 23). Und Jona mußte der Stadt Ninive in seiner Predigt so etwas wie den Tod vor dem Tod antun, mit Gottes Gesetz zeigen, wie die Sünde jetzt schon den Tod in sich trägt.

Da glaubten die Leute von Ninive an Gott

Was heißt glauben an Gott? – Hier wird es uns gezeigt. Die Leute von Ninive werfen sich in Gottes Hand. Sie lassen alles hinter sich. Sie suchen keine Ausreden. Sie schicken Jona nicht mit Schimpf und Schande dahin, wo er hergekommen ist. Sie unterbrechen alles. Sie fangen neu an. Sie wollen nichts mehr ohne Gott tun. Aber das alles ist noch nicht der Glaube selbst, sondern das sind Symptome des Glaubens.

Der Glaube, der hinter dem allen steckt, ist erst einmal die Erkenntnis, die Realisation: Gott ist da, er war die ganze Zeit dabei, meine Gedanken, Worte und Werke kommen bei ihm an. Gott hat die Macht, mich zu schaffen, Gott hat mein Leben in der Hand. Er ist größer als alles, was ich fürchte, größer, als alles, was ich liebe …. Gott ist wirklicher alles, auch als ich.

Die Leute von Ninive glaubten an Gott. Das bedeutete: Gott ist die einzige Chance. Dieses intensive Vertrauen brach aus in Ninive.

Was danach kommt, sind Symptome davon: Daß sie fasteten und in Sack und Asche Buße taten. Sogar die Tiere sollen Buße tun!

Die Sache ist: Wenn Gott sich auf einmal mitten im Leben bemerkbar macht, dann ist auf einmal nichts mehr selbstverständlich. Die Seele hat das große Bedürfnis, einen Schnitt zu machen. Das ist heftig.

Auf jeden Fall hat dieses Fasten klar gemacht: So wie bisher, geht es nicht weiter. Das Fasten war dazu da, Abstand zu allem zu gewinnen, auch zu sich selbst – um Gott näher zu kommen.

Was war der Glaube hier? – Die Leute von Ninive gaben Gott recht. Ohne Vorbehalt. Ohne Rücksicht auf sich selbst.

Das ist ein Wunder. Ein notwendiges Wunder. Es muß sein.

Vielleicht?

„Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben.“ So spricht der König. Das muß ein besonderer König gewesen sein, denn er hat die Stimmung im Volk nicht ausgenutzt, sondern er hat sich selbst auch unter Gott gestellt. Er hat auch Gott recht gegeben. Er hat erkannt, daß Gott ihm seine Macht anvertraut hatte. Dieser König wußte, daß es Fehler gibt, die nur ein König machen kann.

In seinen Worten ist viel vom Glauben ausgesagt. Vor allem der Aspekt: Gott recht geben.

In dem Wort: „Vielleicht“ wird klar gesagt: Wir verdienen das. Wenn es anders kommt, dann ist das Gottes eigene, gnädige Entscheidung. Wir sind in Gottes Hand.

Im Grunde ist es eine unmögliche Möglichkeit. Wie soll Gott etwas bereuen? Das übersteigt unseren Verstand. Wenn Gott wirklich Gott ist, dann ist er perfekt. Wie soll er dann etwas bereuen? Wir müssen bereuen, weil wir nicht perfekt sind. Wir machen Fehler, wir sehen nicht alles kommen, darum kennen wir Momente, in denen wir bereuen. Aber Gott? Wie soll Gott bereuen? Man muß aber sagen, daß diese Reue Gottes die einzige Chance ist. Auch wenn alles dagegen spricht, vor allem unsere Logik, dann muß dann doch hoffen, daß Gott eine Ausnahme macht.

Gottes Reue ist ein menschliches Wort. Gott bereut nicht einen Fehler oder einen Irrtum, sondern Gott beschließt, gnädig zu sein.

Die Leute von Ninive haben Gott so Gott sein lassen, wie Gott eben Gott sein will. Sie haben alles in Gottes Hände gelegt, und darum hält Gott sie mit seinen Händen.

Gottes Einladung

Unser Herr Jesus Christus mochte die Leute von Ninive. Sehr sogar. So sehr, daß wir eifersüchtig werden könnten. Jesus sagte zu den Zuhörern, die gerne Beweise und Wunder sehen wollten: „Die Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, die sie taten Buße nach der Predigt des Jonas, und siehe, hier ist mehr, als Jonas.“ (Matthäus 12, 41). Ninive wußte weniger von Gott und seinen Willen, als die Israeliten, die Jesus hörten. Und doch verstanden sie sofort, worauf es ankam.

Mit anderen Worten, Jesus hat der Predigt von Jona recht gegeben. Diese Predigt, die erschrocken hat, die nicht bestätigt hat, sondern verunsichert hat. Jesus hat selber auch zur Buße, zu Gott gerufen. Auch für Jesus ist klar, daß die Sünde im Verderben endet.

Aber eins muß man sagen: Bei Jesus muß man nicht mehr von einem „Vielleicht“ sprechen. Da ist die Gnade, die Vergebung nicht eine unmögliche Möglichkeit, die man sich nicht vorstellen kann. Bei Jesus muß man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob Gott etwas bereut oder sowas.

Bei ihm ist die Gnade. Bei ihm ist die Vergebung. Bei ihm ist die Chance. Er ruft ja gerade die zu sich, die merken, daß etwas nicht stimmt, daß es so nicht weitergeht. Da ist der der Spezialist.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

Unsere Hauskreise

Hauskreis Köpenick

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.

2.Timotheus 3.16-17

Der Hauskreis Köpenick trifft sich jeden zweiten Freitag im Haus eines Gemeindeglieds in Köpenick. Wir lesen entweder einen Glaubenskurs für Menschen die Jesus kennen lernen wollen oder ein Buch der Bibel (z.B. Römerbrief oder Hiob). Theologisch begleitet wird der Hauskreis von Pfarrer Hillermann, der auch der Ansprechpartner für Interessenten ist.

Hauskreis Luisenstadt

Du wolltest schon immer mal wissen, was Walhaie, Kommunismus und (- Man füge irgendeinen schmissigen 3. Predigtbingo-Begriff eurer Wahl hier ein. -) mit dem sonntäglichen Predigttext zu tun haben? Diesen und vielen weiteren, spannenden Fragen gehen wir donnerstags ab 19.30 Uhr nach, wenn wir uns zum Hauskreis treffen…
Anmeldung und weitere Infos bitte über unser Kontaktformular.

7. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.
2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?
6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, daß jeder ein wenig bekomme.
8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?
10 Jesus aber sprach: Laßt die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.
13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Als Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Johannes 6, 1-15

Lieber HERR, gib uns das Leben, das Du selbst in diese Worte gelegt hast; gib uns Ohren, die Dich selbst hören, was immer heilsam ist. Amen.

Liebe Gemeinde!
Erstmal kurz etwas über Wunder.
Wir haben ja eben von einem Wunder gehört. Jesus nimmt 5 Gerstenbrote und 2 Fische, DANKT – das ist essentiell! – läßt seine Jünger austeilen und speist damit über 5000 Menschen. Und es bleibt etwas übrig.
Das ist nicht normal. Von Jesus werden auch andere Wunder bezeugt. Zum Beispiel, daß er Kranke heilt, Besessene befreit, über einen Sturm gebietet …. Das sind Wunder. Da bleibt man erstmal stehen. Da ist der Verstand erst einmal verblüfft, oder in der Sprache der Bibel: Entsetzt, verstört, verwundert.
Meistens fragt man dann: Glaubst du, daß das wirklich geschehen ist? Glaubst du an Wunder? Ja oder nein?
Beides, Ja und Nein, beendet das Wunder.
Wenn ich Ja sage, dann stehe ich unter Druck, das Wunder zu erklären, oder zu wiederholen, oder es jemandem einzureden, der seine Zweifel hat.
Wenn ich Nein sage, dann stehe ich unter Druck, das, was berichtet wird, anders zu erklären. Im Sinne von: „EIGENTLICH passiert da etwas ganz Normales.“ Aber dann fragt man sich, warum die Menschen sich aufregen, und Jesus bewundern oder fürchten.
Beides, das „Ja“ und das „Nein“ läßt Gott aus dem Wunder raus. Es stehen zwei Menschen einander gegenüber und reden aufeinander ein. Da ist das Wunder weg.
Als Kinder Gottes gucken wir anders.
Die Bibel nennt diese Taten Jesu „Zeichen“. Ein Zeichen spricht aus sich, ein Zeichen spricht bleibend und fortwährend, ein Zeichen hört nicht auf, zu sprechen. Jesus zeigt uns etwas mit dem Zeichen. Jesus wartet darauf, daß wir das sehen, was er uns mit dem Zeichen zeigt.
Darum lassen wir um Gottes willen das Wunder stehen, und lassen es zeigen, und aus sich selbst zu uns reden.
Denn wir als Hörer sollen Teil von dem Wunder werden. Bei einem „Ja“ oder ein „Nein“ zwischen Menschen – also im Erklären von Wundern, oder im Zweifeln daran – da werden wir nicht Teil vom Wunder. Wir sollen aber.
Wie kann das aussehen?
1. Wir lassen das Wunder wirklich stehen.
Gott will, daß wir das hören. Gott übernimmt die Verantwortung. Ich muß diese Wundergeschichte nicht verantworten, beweisen, oder deine Zweifel überwinden. Ein Christ soll das Wunder stehen lassen und bezeugen. Gott hat etwas mit dem Wunder vor. Das muß ich Gott überlassen.
2. Wir freuen uns daran.
Gott läßt das so berichten. Es ist ja ohne Zweifel etwas Gutes. Hungrige werden gespeist. Jesus dankt dem himmlischen Vater für Seine Gaben, und gibt sie weiter. Wenn es auch übernatürlich ist – es ist gut. Jesus benutzt seine Göttlichkeit, um sich zu kümmern. Er überrumpelt nicht, er dient. Er blendet nicht, sondern nimmt sich der Not an. Es ist eine gute Macht am Werk, so unerklärlich oder gar unheimlich sie scheint – sie ist gut, die Macht im Wunder. Sie zielt auf den Menschen als Gottes Ebenbild. Sensationen, Mirakel schüchtern ein und demütigen, ja, geben der Lächerlichkeit preis. Von Jesus hört man das nie. In Seinen Wundern ist niemals Schadenfreude oder Selbstgefälligkeit. Allein das ist schon ein Wunder. Auch die Berichte sind völlig frei davon. Die Jünger prahlen niemals mit ihrem wundertätigen Herrn.
3. Wir gönnen es denen, die es erlebt haben.
Das Wunder stehen lassen bedeutet auch, daß man nicht ängstlich oder mißtrauisch fragt: Wo ist mein Wunder? Warum geschieht bei mir kein Wunder? Wo ist Gott mit Seinen Wundern, wenn man Ihn braucht? – Sondern sich mit denen freuen, die es erlebt haben, und es ihnen gönnen. Hier waren über 5000 Menschen in Not, sie hatte Hunger, und Jesus speist sie, macht sie satt. Wie gut für sie! Wie wunderbar muß es sein, so unerwartet gespeist zu werden! Wie herrlich muß es sein, so unverhofft eine Sorge loszuwerden!
Um Gottes willen lassen wir das Wunder stehen und zerreden wir es nicht mit unseren Fragen und Ja oder Nein!
Um Gottes willen freuen wir uns daran. Hier ist einfach etwas, was größer ist als wir, und es bedroht uns nicht. Das ist gut.
Um Gottes willen gönnen wir es denen, die es erlebt haben – und lassen wir unseren kleinlichen, mißtrauischen, neidischen Egoismus hinter uns und freuen wir uns mit ihnen.
Dann wären wir auf dem besten Wege, Teil des Wunders zu werden.
Jetzt aber zu Johannes 6! Betrachten wir das Speisungswunder behalten wir im Herzen fest: Stehen lassen, freuen, gönnen! Das wird Gott segnen.
Jesus geht mit seinen Jüngern auf einen Berg. Er führt sie über das Irdische hinaus. Jesus relativiert, was seine Jünger auf der Erde herumtreibt. Er nimmt sie mit sich. Sie sollen sein, wo er ist (Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Johannes 12, 26). Wer Jesus nachfolgt über den verliert die Welt ihre Macht. Wenn wir hier versammelt sind, und diese Worte hören, beten was Jesus gelehrt hat, tun, was Jesus aufgetragen hat – dann geschieht etwas, was nicht von der Welt bestimmt ist, dann geschieht etwas, was nicht von unserem Fleisch bestimmt ist, also von uns als Egoisten ohne Gott. Wir sollen wissen: Was hier passiert, ist nicht Wirkung einer bösen oder zerstörerischen Macht. Wir sind mit Jesus auf dem Berg.
Viele Menschen folgen Jesus nach, wegen der Zeichen, die er an den Kranken tut. – Was wir hier hören, was Gott uns hier gibt, ist für viele gemeint.
In den Medien hört man von Kirchenaustritten, davon, wie unwichtig die Kirche und das Christentum geworden sind. Wo Jesus ist, werden viele sein. Das sollen wir nicht mit Ja oder Nein zerreden, sondern stehenlassen, und um Gottes willen glauben, daß wir Teil davon sind. Nicht erst sein WERDEN, sondern schon SIND.
Es ist kurz vor dem Passahfest. Das Fest des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten. Das Fest der Befreiung aus dem gnadenlosen System, das Israel beweisen will, daß sein Gott nichts ist.
Aus aller Welt werden Juden in Jerusalem durch Gottes Wort sich eingliedern in das Volk, das aus Ägypten rausging. Gott hat es dann mit wunderbarem Brot vom Himmel, Manna, gespeist. Beim Passahfest hat Israel nicht zweifelnd und mißtrauisch gesagt: Wo ist mein Manna heute? – Sondern es hat sich mit denen gefreut, die es vor Jahrhunderten bekamen. Im 6. Kapitel Johannes wird Jesus noch sagen: „Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.“
Was Jesus jetzt weiter tut, ist sehr wichtig: Er führt seine Jünger an die Grenze. Jesus läßt es zu, daß die Jünger die Grenzen ihrer Möglichkeiten ganz klar und deutlich erfahren.
Jesus hebt seine Augen auf. Er sieht, daß die Massen kommen. Was er sagt und tut, hat nicht nur die im Blick, die schon da sind. Auch das, was Jesus bei uns in unserer kleinen Gemeinde sagt und tut, hat nicht nur uns allein im Blick. Du bist gemeint – aber nicht nur du!
Dann fragt er Philippus: „Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?“
„Wir“! Jesus, der Sohn Gottes, bezieht Menschen ein in Seiner Mission. Sie sollen dabei sein, wenn Er tut, was nur Er als der Sohn Gottes tut, um Menschen zu retten.
„Das sagte er aber, ihn zu prüfen …“ – mit anderen Worten: Jesus führt Philippus an die Grenze. Was kann ich, was kann ich nicht? Was ist möglich, was nicht?
Philippus sagt nüchtern, was los ist: „200 Silbergroschen Brot sind nicht genug.“ Vielleicht war das das Budget der Jünger. Man hat ausgerechnet, daß 1600 kg Brot damit gekauft werden konnten. Das wären 300 Gramm Brot pro Familie. Knapp. Aber im Grunde war damit bewiesen – wir sind überfordert.
Das wird unterstrichen mit dem Wort des Andreas: „Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische – aber was ist das unter so viele?“ Man könnte sagen, daß Philippus Kapitalist ist, weil er ausrechnet, was Geld möglich macht, und Andreas Sozialist – weil er sieht, wie er mit dem vorhandenen jedem gerecht werden kann – Planwirtschaft. Beide liefern den Beweis, daß Jesus sie an eine Grenze geführt hat. Jesus führt Menschen an die Grenze, damit sie lernen, Gott und Mensch zu unterscheiden. Unterscheiden, was Gott tut, und was Menschen tun können.
In einem Lied „Mein lieber Gott soll walten“ findet sich die ergreifende und humorvolle Strophe: „Andreas hat gefehlet, Philippus hat gezählet,
sie rechnen wie ein Kind.
Mein Jesus kann addieren und kann multiplizieren,
auch da, wo lauter Nullen sind.“
Erst, als den Jüngern völlig klar ist, daß sie der Situation überhaupt nicht gewachsen sind, ordnet Jesus an, daß die Menschenmenge sich lagert. Die Jünger sind auf einmal Gastgeber für 5000 Familien, und der Kühlschrank ist ja praktisch leer, und alle Läden haben zu. Die 5000 Männer erwarten jetzt etwas! Etwas muß jetzt kommen. Die Jünger werden das überdeutlich gespürt haben. Wie kümmerlich werden ihnen die 5 Gerstenbrote und 2 Fische vorgekommen sein! Wie leer werden sich ihre Hände angefühlt haben!
Und genau wie Jesus durch Seinen Blick die vielen Menschen zum Teil der Situation gemacht hatte, so macht Er durch Danken den himmlischen Vater zum Teil der Situation. Wir unterschätzen das dauernd. Erst wer dankt, hat wirklich. Erst wer Gott dankt, hat die Liebe Gottes, die Gott in Seine Gaben gelegt hat.
Dann geben die Jünger weiter, was Jesus ihnen gibt. Einfach das. Von mal zu mal. Was wir Jesus anvertrauen, ist nicht mehr dasselbe. Das müssen wir glauben. Was wir Jesus anvertrauen, das geht in den Himmel, in das Paradies, und wird uns neu gegeben.
Alle werden satt.
Und dann kommt die Sache mit dem König.
Jesus merkt, daß sie ihn zu König machen wollen.
Zum Brot- und Bauchkönig. Die Menschen wollen nicht an eine Grenze geführt werden, im Gegenteil. Es soll keine Grenze mehr geben. Das bedeutet aber: Sie wollen nicht Gott kennenlernen. Sie wollen nicht erleben, daß Gott alles tut und alles gibt. Sie wollen nicht erfahren, daß ihre Hände leer sind, bis Gott sie füllt. Jesus läßt sich nicht zum König machen. Warum? Weil er schon der König ist. Wenn Menschen ihm Macht geben würden, dann wäre er von den Wünschen der Menschen abhängig. Ein Gott, der unsere Wünsche erfüllt – ohne Grenze, ohne Bitten, ohne Danken – das wäre kein Gott. Da wären unsere Wünsche unsere Götter. Das endet leider tödlich.
Jesus macht da nicht mit, weil er will, daß wir Gott kennenlernen. Jesus geht den Weg weiter, bis Er die Schattenseite aller unserer Wünsche ausbadet. Er geht den Weg weiter, bis er uns zeigt, was wir am dringendsten brauchen: Nämlich, daß Gott uns unsere Schuld abnimmt und wegträgt. Wir wissen ja, wo dann geschrieben stand: Jesus von Nazareth, der Judenkönig. Da haben die Jünger zugleich ihre eigenen Grenzen und Gott kennengelernt. Denn unsere wirkliche Grenze ist: Daß ich mir meine Schuld nicht selbst vergeben kann. Da kann nur Gott handeln. Da ist Jesus der König.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

Abendmahl

Lutherische Christen glauben, dass der wahre Leib und das wahre Blut des auferstandenen Herrn Jesus Christus nach der Konsekration (in, mit und) unter dem Brot und dem Wein gegenwärtig sind, den Kommunikanten ausgeteilt und von ihnen mit dem Mund empfangen werden.


Lutherische Christen glauben, dass der wahre Leib und das wahre Blut des auferstandenen Herrn Jesus Christus nach der Konsekration (in, mit und) unter dem Brot und dem Wein gegenwärtig sind, den Kommunikanten ausgeteilt und von ihnen mit dem Mund empfangen werden.
In der SELK wird zum Empfang des Hl. Abendmahles zugelassen, wer diesen Glauben der Kirche in der Sakramentsgemeinschaft der SELK bekennt. Über die Zulassung zum Hl. Abendmahl von Christen, die diesen Glauben teilen, aber nicht zur SELK oder einer ihrer Schwesterkirchen gehören, entscheidet der zuständige Gemeindepfarrer in seelsorglicher Verantwortung.

Quelle selk.de

5. Sonntag nach Trinitatis

Gnade, Barmherzigkeit und Friede
von Gott, dem Vater,
und von Jesus Christus!

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.
3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte …

Mose 12, 1-4

HERR, segne diese Worte an unseren Herzen. Amen.

Liebe Gemeinde!
Abram ist 75 Jahre alt, als der HERR ihn ruft, alles zu verlassen, was er kennt, um alles zu bekommen, was er noch nicht kennt.
Was kennt Abram? Er kennt seine Familie, sein Zuhause, sein Vaterland. Mit 75 Jahren wird Abram mit seiner Frau Sarai ganz integriert gewesen sein. Mit 75 konnte ihn wenig noch überraschen. Mit 75 Jahren war er inzwischen Vorbild für die nächsten Generationen für alles, was richtig und anerkannt war. Sie wußten, was sie hatten, und was sie noch vom Leben erwarten konnten.
Und dann sprach der HERR – denn Abram nicht kannte! – zu Abram – der es nicht gesucht oder erwartet hatte – Geh! Geh hin! Raus aus dem Vaterland, weg von deiner Verwandtschaft. Laß das ererbte Haus hinter dir.
Laß mich deine Zukunft sein, sagt Gott. Ich bin dein Leben. Das war natürlich schon vorher wahr, denn Gott hatte Abram geschaffen und am Leben erhalten. Doch nun sollte Abram es erfahren. Diese Wahrheit, daß Gott aus dem Nichts schafft, und das, was ist, gegen das Nichts erhält und bewahrt, diese Wahrheit sollte Abram mit seiner Frau in einer Weise erfahren, daß die ganze Menschheit sich mitfreuen kann, ja, diese Erfahrung Abrams und Sarai – die Gott dann später Abraham und Sara nennen wird – ist der Maßstab für das, was Gott im Menschen sucht, und finden will. Wer das hat, was Abraham hat, der braucht vor Gott keine anderer mehr werden, der ist für alle Zeiten bei Gott angekommen, für alle Zeiten bei Gott in Sicherheit. Das hat sich nach 3500 Jahren nicht geändert. Es ist der Glaube Abrahams, oder es ist nichts.
Abram soll alles hinter sich lassen. Nur sich selbst und seine Frau soll er mitnehmen. Und … ja, und das ist ja die Zukunft, das Leben, ja, damit hat er Gott selbst bei sich: Abraham soll die Verheißung mitnehmen. Sie niemals aus dem Sinn lassen, sondern unter allen Umständen festhalten.
„Ich werde dir ein Land zeigen.
Du sollst ein großes Volk sein.
Du sollst einen großen Namen haben.
Du sollst ein Segen sein.
Ich werde segnen, die dich segnen;
ich werden verfluchen, die dich verfluchen.
In dir werde ich alle Völker segnen.“
Jede einzelne Aussage ist ganz und gar göttlich.
Jede dieser Aussagen ist der Anfang von etwas, was Abraham überhaupt nicht aus sich selber ist. So sind göttliche Verheißungen. Sie verheißen, was nur Gott selbst geben kann. Sie sind kein Befehl. Abraham soll nicht auf sich selbst schauen, auch nicht im Geringsten einen Gedanken daran verschwenden, ob er dazu in der Lage ist, ein großes Volk zu sein, oder einen großen Namen zu haben, oder ein Segen zu sein, sondern diese Verheißung von Gott soll für Abraham die einzige und größte Realität sein. Wenn er sie hat, fehlt ihm nichts. Wenn er sie verliert, dann hat er alles verloren. Und wie behält er sie, durch den Glauben. Darüber werden wir heute noch mehr hören.
Abraham hat kein Land. Er hat auch keine Macht, Land zu erobern. Wenn er einmal Land haben soll, dann, weil Gott es ihm aus heiterem Himmel gibt.
Abraham ist kein großes Volk. Er und Sara haben nicht einmal ein Kind. Es wird auch keine Kinder mehr geben. In dem Alter. Wenn Abraham also ein Volk wird, dann wird Gott dieses Volk aus dem Nichts schaffen. Das Volk kann nur gänzlich aus Gottes Schöpfermacht gemacht werden.
Abraham hat keinen Namen – wenn er seine Heimat verläßt, dann ist er ein Niemand, ein Namenloser. In der Fremde wird sich seine Spur verlieren. Wenn er dort in der Zukunft, im neuen Land eine Identität haben soll, einen Namen –so daß man wirklich ihn meint, wenn man von ihm spricht, wenn Abrahams Identität nicht durch Mißverständnisse und Fremdheit komplett aufgelöst und vernichtet werden soll – dann wird Gott diesen Namen, diesen Ruf, diese Identität aus dem Nichts schaffen. Sie wird etwas, sein, was Abraham nicht schon bei sich trägt, sondern Abraham wird diese Identität als ein Geschenk des Himmels, von Gott selbst bekommen.
Du sollst ein Segen sein. Eine Gabe Gottes für die Menschheit. Wie kann ein Mensch sich so etwas vornehmen? Das wäre eine niederschmetternde Überforderung! Wenn das wahr werden soll, dann muß Gott das wissen. Das muß Gott selbst geben.
Die Verheißung ist etwas ganz anderes als ein Befehl oder eine Aufgabe. Ein Befehl richtet sich an Deinen Willen: Tu das, was ich dir sage! – Ein Befehl zielt auf eine Tat. Die Verheißung zielt auf Glauben. Darum wird uns auch gesagt: „Abram g l a u b t e dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ (1. Mose 15, 6). Dieser Glaube, der von nichts wissen kann oder wissen will, als daß, was er in der Verheißung hört, und sich selbst niemals sagen könnte – dieser Glaube macht Abraham zu dem Menschen, mit dem Gott alles wahrmachen will. Gott steht diesem Abraham mit Seiner ganzen Gottheit zur Verfügung.
Mit anderen Worten: Abraham hatte alles in dem Moment, als er losging. Alles andere war eine Frage der Zeit. Abraham hatte das Land, er hatte den Nachkommen, weil er Gott in Gottes Verheißung hatte. Durch den Glauben.
Liebe Gemeinde: Das klingt völlig übertrieben. Der Gott der Bibel, der wirkliche lebendige Gott ist ein Gott der Übertreibung. Vor allem Übertreibt Er die Liebe. Von dieser Übertreibung leben wir.
Abraham muß uns interessieren, denn im Neuen Testament ist er absolut wichtig.
Der Hebräerbrief macht uns klar: „Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wußte nicht, wo er hinkäme.“ (Hebräer 11, 8), und weiter: „Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte. Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.“ (Hebräer 11, 11-12). Durch den Glauben waren Abraham und Sara alles.
Auch der Apostel Paulus zeigt auf Abraham: (Römer 4, 16 ff)
„Der ist unser aller Vater – wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, daß es sei. 18 Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, daß er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist (1. Mose 15,5): »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« 19 Und er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara. 20 Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre 21 und wußte aufs Allergewisseste:
Was Gott verheißt, das kann er auch tun. 22 Darum ist es ihm auch »zur Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6). 23 Daß es ihm zugerechnet worden ist, ist aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, 24 sondern auch um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten.“
Genau wie Abraham und Sara sich nicht nach ihren eigenen Möglichkeiten gerichtet haben – daß sie mit 90 und 100 Jahren noch einmal ein Kind bekommen würden, sondern Gott beim Wort nahmen, so sollen wir auch uns daran festhalten, daß Gott der Vater Jesus den gekreuzigten von den Toten auferweckt hat. Es ist dasselbe Vertrauen, daß sich festhält an den Gott, der tun kann, was Er sagt.
Nun kann und muß man fragen: Nun. Abraham hat Gottes Ruf offensichtlich so klar gehört, daß es keinen Zweifel geben konnte. Wo ruft Gott mich denn? Was verspricht Gott mir denn? Einen Nachkommen, wie Abraham, oder ein Land?
Viele stellen diese Frage, und rechnen nicht mit einer Antwort. Sie können und wollen sich nicht vorstellen, daß Gott sie ruft.
Doch Paulus sagt uns: Wer an Jesus glaubt, der glaubt wie Abraham. Und, ja, uns wird gesagt: Durch den Glauben bist du ein Nachkomme Abrahams. Durch den Glauben an Jesus bist du ein Erbe des Segens, den Gott Abraham verheißen hat.
Paulus sagt das ganz deutlich im Brief an die Römer, Kapitel 9: „Nicht das sind Gottes Kinder, die biologisch von Abraham abstammen, sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt.“ (Römer 9, 8). Kinder der Verheißung – das ist: Menschen, die durch das Hören von Gottes Ruf neue Menschen sind.
Ja, Jesus selbst faßt das alles zusammen. Im Johannes-Evangelium bekennt Jesus sich in einmaliger Weise zu Abraham. Er sagt sinngemäß: Als Abraham glaubte, da glaubte er an mich. Also, wer an Jesus glaubt, der glaubt haargenau wie Abraham. Hören wir uns das doch an!
In einer heftigen Auseinandersetzung im Tempel spricht Jesus zu den Juden, die ja sagten: „Abraham ist unser Vater“ (Johannes 8,33): „Abraham, euer Vater, wurde froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Johannes 8, 56-58). Hier spricht Jesus als der Sohn Gottes, der ewig ist. Abraham, der glaubte, daß Gott ihm einen Sohn geben würde, ein Land – vor Gott war dieser Abraham ein Mensch, der Gott zutraute, aus dem Nichts zu schaffen – „dem, das nicht sei, zu rufen, daß es sei.“ – Durch den Glauben hatte Abraham einen Gott, der von den Toten auferweckt. Das ist der Gott Jesu Christi. Darum sagt Jesus: Abraham hat an mich geglaubt. Wer an mich glaubt, der glaubt mit Abraham, der glaubt wie Abraham, der ist damit ein Nachkomme Abrahams, ein Kind Gottes.
Wo hörst du also Gottes Ruf? Wenn du den Ruf zu Jesus Christus hörst, dann ruft dich derselbe Gott, der Abraham gerufen hat. Das Evangelium ist Gottes Ruf für dich. Wenn du davon hörst, wie Jesus Gottes Verheißung – also Gottes Zusage und Versprechen zu uns Menschen gebracht hat, wenn dir gesagt wird: Dieser Jesus wurde von uns Menschen durch das Kreuz ins Nichts befördert – doch Gott der Vater hat ihn aus diesem Nichts auferweckt, und im Namen des Auferstandenen spreche ich mit dir hier in dieser Kirche – dann erreicht dich derselbe Ruf, wie der Ruf, den Abraham hörte.
Übrigens: Das neutestamentliche Wort für Kirche heißt „Ekklesia“. Das bedeutet wörtlich: „Die herausgerufene Versammlung.“ Die Versammlung aller, die Gottes Ruf folgen.
Wir sitzen hier als Erbgemeinschaft des Segens Abrahams. Unser Erbe ist jetzt nicht ein bestimmtes Land, oder ein bestimmtes Volk. Unser Erbe ist die vollständige Vergebung aller Sünden, und einen festen Platz im ewigen Leben, einem Leben mit Gott. Das ist mehr als ein Land oder ein Volk. Dann haben wir den Geber aller Länder und den Schöpfer aller Völker. Dann haben wir die Weisheit und die Liebe in allen Gaben, die wir uns nur wünschen könnten.
Darum kann ein Psalm sagen: „HERR, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ (Psalm 73, 25).

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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1. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
21 und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.
22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus;
28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Lukas 16, 19-31

HERR, segne Dein Wort an uns, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Das Thema des heutigen Sonntags lautet: „Apostel und Propheten“ – also: Beauftragte Gottes, die in Gottes Namen uns Gottes Wort sagen. Die Kirche ist apostolisch, wie Paulus schreibt: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.“ (Epheser 2, 19-20). Was uns also zur Kirche macht, ist das Wort, was Gott uns durch die Apostel gegeben hat. Sie sind unsere Lehrer, wir sind ihre Schüler. Ein Christ ist immer bereit, von den Aposteln zu lernen und eine Kirche wird immer darauf achten, daß so gelehrt wird, wie die Apostel gelehrt haben.
„Apostel und Propheten“ – das heißt, die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus ist heute Predigttext wegen ihres Schlusses: Dort sagt Vater Abraham zu dem Reichen Mann: „Sie – also deine Brüder – haben Abraham und die Propheten, die sollen sie hören.“
Was ist passiert?
Wir hören von dem Reichen Mann, der sich ein schönes Leben macht „herrlich und in Freuden“, und zwar „alle Tage“. Vor seiner Tür liegt der arme Lazarus, arm, krank – nur Hunde sind seine Freunde. Ein riesiger Kontrast!
Die Sprüche Salomo sagen uns: „Reiche und Arme müssen untereinander sein; der HERR hat sie alle gemacht.“ (Sprüche 22, 2). Dieser Kontrast begleitet die Menschheit. Wir müssen genau hinhören: Gott hat beide gemacht: Arm und Reich. An anderer Stelle hören wir: „Arme und Reiche begegnen einander: beider Augen erleuchtet der HERR.“ (Sprüche 29, 13). Gott kann und muß beiden, den Armen und den Reichen, die Augen öffnen. Mit Recht denken wir sofort: Gott muß dem Reichen die Augen öffnen, damit er die Not des Armen sieht. Ja, das muß Gott tun. Und wie kann Gott das tun? Durch Mose und die Propheten. Gottes Wort zeigt dem Reichen, daß sein Reichtum Gottes Gabe ist. Jesus sagt von dem reichen Kornbauer: „Kein Mensch lebt davon, daß er viele Güter hat.“ (Lukas 12, 15). Gottes Wort zielt auf das Herz des reichen Mannes, daß er sich erbarmt. Mose und die Propheten sind voll davon.
Jesus sagt etwas über den armen Lazarus, das mir sehr nachgeht:
„Er begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel“. Lazarus begehrte – was auch sonst, wenn man arm ist und hungert! Aber er begehrte nur das, was von des Reichen Tisch fiel. Lazarus war nicht von Neid erfüllt. Wir hören nicht, daß Lazarus gerne im Luxus leben wollte. Lazarus wollte sich sich sättigen mit dem, was dem Reichen nicht fehlen würde.
Liebe Gemeinde! Gott ist niemals für den Neid. Gottes Wort unterstützt den Neid nicht. Jakobus schreibt uns als unser Apostel: „Denn wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge.“ (Jakobus 3:16).
Gott will durch sein Wort die Augen der Reichen und der Armen erleuchten. Beide sollen von Neid frei sein. Doch die Reichen sollen vor Gott verantworten, was sie tun mit dem, was Gott ihnen gegeben hat.
In unserer Geschichte kommt es nicht zu dieser Begegnung. Der Reiche Mann ist blind für die Not des Lazarus. Er kennt nur einen Genuß nach dem anderen. Er läßt sich von Gott nichts sagen. Darum ist er nach dem Tod auch von Gott getrennt. Lazarus aber, der trotz Armut und Krankheit vom Neid frei blieb, weil er sich Gott anvertraute, der kommt in Abrahams Schoß, also in die tröstliche Nähe Gottes. Gott tröstet ewiglich. Wenn du jetzt einen Kummer, einen Jammer, Tränen hast – der Trost ist jetzt schon bereit. Er wird kommen. Gib dich nicht dem Neid hin. Tu es nicht!
Jetzt will der Reiche Mann noch verhandeln. Seine Brüder sollen es besser haben, als er. Man stelle sich vor: Der Reiche Mann will von der Hölle aus Lazarus noch rumschicken! Seine Augen sind immer noch nicht über seine Situation erleuchtet! Der Reichtum kann einem wohl das Beten abgewöhnen! Beten ist etwas anderes als anklicken und bestellen.
Der Reiche Mann denkt: Wenn meine Brüder, die sicher auch so reich waren, wie er, wenn sie ein Wunder erleben, wie eine Totenauferstehung, das wird sie zum Nachdenken bringen!
Doch Abraham kennt uns Menschen besser. Eine Erscheinung oder eine Totenauferstehung ist für Menschen, die nicht auf Gott hören nur eine neue Sensation, mit der man angeben kann: „Hast du schon gehört? Stell dir vor! Der ist auferstanden! Wie unglaublich ist das!“ Und alle bleibt beim Alten.
So sind wir Menschen. Jede Sensation bestätigt uns nur, so weiterzumachen, wie bisher – besonders, wenn wir keine Sorgen haben.
Wenn etwas wirklich neu werden soll, dann soll der Mensch hören. Mose und die Propheten. Also Gottes Gebote und Gottes Verheißungen. Gesetz und Evangelium.
Neid schafft nicht neue Menschen. Und, liebe Gemeinde: Die Luft, die wir atmen, ist von Neid erfüllt. Gibt es ein politisches Programm, das ohne Neid auskommt? – „Das könntest Du haben! Das nimmt man dir weg!“ – Wenn jemand deinen Neid bestätigt, dann denkst du leicht: Der versteht mich, der meint es gut mit mir, der wird meinen Wunsch erfüllen. – Das fühlt sich zunächst gut an. Aber was ist passiert: Du hast dich von ihm abhängig gemacht. Er bestimmt über dich – jedenfalls so lange, wie der Neid dich besitzt.
Gottes Gesetz verbietet den Neid.
Dann werden die Augen erleuchtet.
Wir denken oft: Wenn ein Wunder geschieht, dann wird mir der Glaube leichter fallen.
Heute hören wir: Der Glaube kommt aus dem Hören, oder wie Paulus sagt: Der Glaube kommt aus der Predigt. (Römer 10, 17).
Man glaubt’s nicht, aber es ist so. Meistens sind Predigten nicht sensationell. Aber Gott hat beschlossen, durch Apostel und Propheten uns vom Neid zu heilen. Und diese Heilung ist der Anfang vom Himmel bei uns.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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TRINITATIS

Die Gnade unseres HERRN Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!
34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)
35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte«? (Hiob 41,3)
36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 32-36

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, heilige uns in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Wenn du als Christ gefragt wirst: „Wer ist Gott?“, oder: „Was ist Gott?“ dann kann die Antwort nur lauten: Gott ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. EIN Gott in Drei Personen. Doch diese drei Personen sind alle ganz Gott, und doch sind es nicht drei Götter.
Das übersteigt unseren Verstand, keine Frage. Drei und doch Einer – Einer und doch drei?
Ist es nicht besser, mit Paulus zu sagen: „Unbegreiflich!“ – „Unerforschlich!“ – „Wer hat des HERRN Sinn erkannt?“ Oder einfach philosophisch sagen: „Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen“?. Warum nicht einfach von „Gott“ und „Jesus“ reden? Wäre das nicht viel einfacher? Vielleicht sogar auch attraktiver? Gerne wird darauf hingewiesen, daß das Wort: „Dreieinigkeit“ oder „Dreifaltigkeit“ nicht in der Bibel steht. Außerdem ist die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes für das Gespräch mit Juden und Moslems eine Belastung: Glauben wir nicht alle an denselben Gott? Solange wir Christen die Dreieinigkeit – Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist – bekennen, lehren und anbeten, dann ist es auf jeden Fall fraglich, ob Christen, Juden und Moslems denselben Gott anbeten.
Nun. Paulus spricht von „unbegreiflich!“ und „unerforschlich!“ – aber er schweigt nicht. Also: Paulus sagt nicht: Hier gibt es nichts zu erkennen! Paulus macht Ernst damit, daß unser menschlicher Verstand auch ein Geschöpf ist und deshalb seine Grenzen hat. Doch ein Geschöpf hat einen Schöpfer, und das heißt: Auch wenn ich als Geschöpf meine Grenzen nicht überschreiten kann, so ist Gott der Schöpfer durch diese Grenze nicht gebunden oder eingeschränkt. Wenn wir als Geschöpfe Gott nicht erkennen können, dann heißt das nicht: „Also gibt es keine Gotteserkenntnis!“; sondern es heißt: „Wenn es Gotteserkenntnis geben soll, dann muß Gott selbst sie uns schenken. Und wo es Gotteserkenntnis gibt, da hat Gott selbst sie geschenkt.“ Unser Katechismus sagt uns das: „Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen HERRN, glauben oder zu ihm kommen kann, SONDERN … sondern der Heilige Geist“ ist tätig geworden. Wir sind geistlich arm (Matthäus 5, 3), sagt Jesus in der Bergpredigt, Gott aber ist reich – aber nicht reich für sich selbst, sondern er teilt uns seinen Reichtum mit. Unser Predigttext steigert die geistliche Armut, und nennt sie „Ungehorsam“ – Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam. Durch die Sünde sind wir nicht nur arm vor Gott, sondern sind es auch mit Willen. Der Sünder verweigert sich Gott, und ist vor Gott verschlossen.
Doch das sagt Gott dir nicht, um dich in der Verweigerung zu verstoßen, sondern um sich zu erbarmen. Darauf kann kein Mensch von sich aus kommen.
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist beziehen sich auf dich als Gottes Geschöpf.
Gott hat dich aus dem Nichts geschaffen. „Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst“ (Psalm 100, 3). Da ist auch niemand Gottes Ratgeber gewesen. Es ist alles „von ihm“. Er hat uns nicht nur gemacht, sondern Er erhält uns auch. Die ganze Welt, in der wir leben, alles, was uns am Leben erhält, können wir nicht machen, sondern wir empfangen es aus Gottes Hand. Auch, daß Menschen zusammen leben und für einander da sind, ist in Gottes Hand. Es ist Gottes Gabe. Ich könnte jetzt unseren Katechismus wieder und wieder zitieren. Zum Vaterunser, bei den Worten: „unser tägliches Brot gib uns heute“ hören wir, nach dem Essen und Trinken: „fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Mitarbeiter, fromme und getreue Oberherren, gute Regierung, gute Freunde, treue Nachbarn…“ (Gesangbuch S. 1662). Wir sind aus dem Nichts geschaffen, und aus dem Nichts kommen alle diese Gaben Gottes auf uns zu.
Für einen Sünder ist das eine tiefe Beleidigung. Ein Sünder will nicht daran erinnert werden, daß er nicht Gott ist. Ein Sünder haßt es, daß er von Gott abhängig ist. Dem Sünder ist diese Abhängigkeit eine Schande, und er will immer beweisen, daß es diese Abhängigkeit nicht gibt. Ein Sünder sieht nur das Nichts, aus dem er geschaffen ist, weiter nichts. Die Liebe Gottes, der Vaters, die aus dem Nichts schafft, will er nicht wahrhaben.
Doch Gott bleibt trotzdem Gott. Jedes von Gottes Geboten macht uns klar: Du bist nicht Gott. Du bist nicht der Herr. Darum sollst Du nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht begehren … Die Gebote erinnern uns daran, daß wir ohne Gott nichts sind – aber mit Gott eben Seine Kinder. Gott bleibt der Vater, der Seine Kinder liebt.
Doch das ist nicht alles, was über Gott zu sagen ist.
Gott ist zu uns gekommen, und damit wird alles anders. Der Sohn Gottes ist zu uns Menschen in unsere Nichtigkeit hineingekommen. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Wer Jesus begegnet, der begegnet Gott, wer Jesus hört, der hört Gott selbst, was Jesus erlitten hat, das hat Gott erlitten. Was Jesus verspricht, das ist göttlich und verlangt unseren Glauben. Alles, was über Gott den Schöpfer gesagt wurde, wird man andeutungsweise auch außerhalb des Neuen Testaments finden. Doch schon die große Frage: „Was tut Gott mit dem Sünder?“, diese Frage wird entweder gar nicht beantwortet, oder sehr unterschiedlich. Im Grunde sind wir Menschen wegen der Sünde ratlos.
Deshalb ist es ein göttliches Wunder aus dem Nichts unserer Unvorstellbarkeit, daß Gott der Vater Seinen Sohn sendet, Mensch zu werden. Der Vater ist Gott, aber auch der Sohn ist Gott. Der, der sendet und beauftragt, ist Gott, aber auch der, der gesandt wird, der gehorcht, und den Auftrag ausführt, ist ganz und gar Gott. Die Liebe, die sendet, und sagt: Geh hin, und hilf den Menschen! – und die Liebe, die gehorcht: Ja, ich mach’s! – das ist dieselbe eine Liebe. Und diese Liebe bleibt ungebrochen bestehen vom ersten Moment der Menschwerdung an, die ganze Zeit auf der Erde mit den Menschen, – vor allem bleibt diese Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn bestehen im Leiden am Kreuz, im Tod. Und das ist das Unglaubliche, was sich kein Mensch ausdenken kann. Hier ist niemand Gottes Ratgeber gewesen! –
Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes sagt uns: Diese Übereinstimmung zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist eine Beziehung, die schon immer in Gott selbst war. Jesus sagt selbst im Johannesevangelium in einem Gebet zu Seinem himmlischen Vater: „Du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“ (Johannes 17, 24). Alles was wir von Jesus wissen und hören, ist in der Ewigkeit begründet. Darum konnte unsere Sünde, unsere Verweigerung gegenüber Gott, Jesus nicht aufhalten. Darum konnte Jesus in die Gottesferne hineingehen, wie wir es am Kreuz sehen. Er hat sie als Mensch und als Gott erlitten. Aber Er hat Gott wieder in unser Nichts hineingebracht. Hören wir wieder unseren Katechismus: „Jesus Christus hat mich verlornen und verdammten Menschen erlöst – er ist in mein Nichts hineingekommen – nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben.“
Nun stehen wir aber wieder vor dem Nichts. Denn wie soll das zusammen kommen? – Wenn ein Mensch erstmal merkt, wie weit er von Gott weg ist, wie weit er von Glaube, Hoffnung, Liebe weg ist – und gleichzeigt das Evangelium hört : Dieser Jesus ist Gottes Antwort für dich, so sieht Gottes Liebe aus! – Da ist man wieder ratlos. Was soll man damit anfangen? Viele Menschen hören das Evangelium, und danach ist die Verweigerung noch stärker. Das gibt es immer wieder.
Da ist Gott der Heilige Geist. Der ist im Evangelium tätig. Wenn Jesus als der Sohn Gottes und der gekreuzigte und auferstandene vor Augen gestellt wird, dann ist Gott der Heilige Geist dabei und schafft die Menschen neu, daß sie sich nicht mehr verweigern. Das muß schon Gott selber tun. Dieser Heilige Geist geht von dem Vater und dem Sohne aus. Er tut, was sie wollen. Er geht in unser Leben hinein und schafft aus dem Nichts Glaube, Liebe und Hoffnung. „Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ (1. Johannes 4, 2). Dieser Geist ist nicht eine menschliche Kraft. Er ist nicht die Wirkung eines Einzelnen auf dich, auch nicht die Wirkung eines Kollektivs, wie die Kirche, oder einer Partei, oder einer Ideologie, oder einer Medienmacht, auch nicht das Ergebnis meiner Veranlagungen, sondern die Wirkung Gottes.
Liebe Gemeinde! Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das ist der Gott Jesu Christi. Wir können nur sinnvoll und heilsam über Jesus, sein Kreuz und Gottes Liebe zu uns sprechen, wenn wir davon erfüllt sind, daß diese drei Personen ganz und gar Gott sind, und untereinander nicht nur einig sind, sondern EINES, EINER.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


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Kleiner Katechismus

Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus

Revision von 1986, Rechte der 1986 gemeinsam erarbeiteten Fassung des Kleinen Katechismus: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland und Evangelische Kirche der Union. Nachdruck sowie weitere Verwendung dieser Fassung dürfen nur mit Genehmigung der Rechtsinhaber erfolgen. Die Textfassung des Glaubensbekenntnisses ist der in den Gottesdiensten der SELK verwendeten Fassung angeglichen.

Das erste Hauptstück: Die zehn Gebote

Moses empfängt Gebote. Mosaik, Katharinenkloster (Sinai), 6. Jh.

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.

Was ist das?
Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern ihn in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es heilig halten, gerne hören und lernen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.

Das siebente Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause trachten und mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich sein.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

Was sagt nun Gott zu diesen Geboten allen?
Er sagt so: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.

Was ist das?
Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen seine Gebote handeln. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten

Das zweite Hauptstück: Der Glaube

Weimar, Schlossmuseum, Peter Paul Rubens, die Heilige Dreieinigkeit

Der erste Artikel. Von der Schöpfung
Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.

Was ist das?
Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr.

Der zweite Artikel. Von der Erlösung.
Und an Jesus Christus, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Was ist das?
Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr.

Der dritte Artikel. Von der Heiligung.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Was ist das?
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr.

Das dritte Hauptstück: Das Vaterunser

Abendgebet
Das Angelusläuten, Jean-François Millet, 1859

Die Anrede:
Vater unser im Himmel.

Was ist das?
Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, damit wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.

Die erste Bitte:
Geheiligt werde dein Name.

Was ist das?
Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.

Wie geschieht das?
Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel!
Wer aber anders lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater!

Die zweite Bitte:
Dein Reich komme.

Was ist das?
Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.

Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

Die dritte Bitte:
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Was ist das?
Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.

Wie geschieht das?
Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, die uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, wie der Teufel, die Welt und unsres Fleisches Wille; sondern stärkt und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger, guter Wille.

Die vierte Bitte:
Unser tägliches Brot gib uns heute.

Was ist das?
Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.

Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

Die fünfte Bitte:
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden und um ihretwillen solche Bitten nicht versagen, denn wir sind dessen nicht wert, was wir bitten, haben’s auch nicht verdient; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, obwohl wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdienen.
So wollen wir wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohltun denen, die sich an uns versündigen.

Die sechste Bitte:
Und führe uns nicht in Versuchung.

Was ist das?
Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

Die siebente Bitte:
Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass uns der Vater im Himmel vom Bösen und allem Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel.

Der Beschluss:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Was heißt Amen?
Dass ich soll gewiss sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und werden erhört. Denn er selbst hat uns geboten, so zu beten, und verheißen, dass er uns erhören will. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, so soll es geschehen.

Das vierte Hauptstück: Das Sakrament der Heiligen Taufe

Wittenberger Reformationsaltar, linker Flügel

Zum ersten
Was ist die Taufe?
Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden.

Welches ist denn dies Wort Gottes?
Unser Herr Christus spricht bei Matthäus im letzten Kapitel: Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Zum zweiten
Was gibt oder nützt die Taufe?
Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tode und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.

Welches sind denn solche Worte und Verheißung Gottes?
Unser Herr Christus spricht bei Markus im letzten Kapitel: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Zum dritten
Wie kann Wasser solch große Dinge tun?
Wasser tut’s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist’s eine Taufe, das ist ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist; wie Paulus sagt zu Titus im dritten Kapitel: Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung. Das ist gewisslich wahr.

Zum vierten
Was bedeutet denn solch Wassertaufen?
Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.

Wo steht das geschrieben?
Der Apostel Paulus spricht zu den Römern im sechsten Kapitel: Wir sind mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.

Das fünfte Hauptstück: Das Sakrament des Altars oder das Heilige Abendmahl

Wittenberger Reformationsaltar, Mitteltafel

Zum ersten
Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.

Wo steht das geschrieben?
So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und der Apostel Paulus:
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

Zum zweiten
Was nützt denn solch Essen und Trinken?
Das zeigen uns diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden; nämlich, dass uns im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.

Zum dritten
Wie kann leiblich Essen und Trinken solch große Dinge tun?
Essen und Trinken tut’s freilich nicht, sondern die Worte, die da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Diese Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament. Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden.

Zum vierten
Wer empfängt denn dieses Sakrament würdig?
Fasten und leiblich sich bereiten ist zwar eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubt oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort Für euch fordert nichts als gläubige Herzen.

Vom Amt der Schlüssel und der Beichte

Wittenberger Reformationsaltar, rechter Flügel

Das Stück von Beichte und Vergebung findet sich ursprünglich nicht im Kleinen Katechismus, geht aber zum Teil auf Martin Luther zurück.

Was ist das Amt der Schlüssel?
Es ist die besondere Gewalt, die Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat, den bußfertigen Sündern die Sünden zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünden zu behalten, solange sie nicht Buße tun.

Wo steht das geschrieben?
Unser Herr Jesus Christus spricht bei Matthäus im sechzehnten Kapitel zu Petrus:
Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.
Desgleichen spricht er zu seinen Jüngern bei Johannes im zwanzigsten Kapitel:
Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Was ist die Beichte?
Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, dass man die Sünde bekenne, das andere, dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfange als von Gott selbst und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.

Welche Sünden soll man denn beichten?
Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig bekennen, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

Welche sind die?
Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist, in welchem Beruf und Dienst du stehst: ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, zuchtlos, streitsüchtig gewesen bist, ob du jemand Leid getan hast mit Worten oder Werken, ob du gestohlen, etwas versäumt oder Schaden getan hast.

Wie bekennst du deine Sünden vor dem Beichtiger?
So kannst du zum Beichtiger sprechen:
Ich bitte, meine Beichte zu hören und mir die Vergebung zuzusprechen um Gottes willen.
Hierauf bekenne dich vor Gott aller Sünden schuldig und sprich vor dem Beichtiger aus, was als besondere Sünde und Schuld auf dir liegt. Deine Beichte kannst du mit den Worten schließen:
Das alles ist mir leid.
Ich bitte um Gnade.
Ich will mich bessern.

Wie geschieht die Lossprechung (Absolution)?
Der Beichtiger spricht:
Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen. Glaubst du auch, dass meine Vergebung Gottes Vergebung ist?
Antwort: Ja, das glaube ich.
Darauf spricht er:
Wie du glaubst, so geschehe dir. Und ich, auf Befehl unseres Herrn Jesus Christus, vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gehe hin in Frieden!
Welche aber im Gewissen sehr beschwert oder betrübt und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl mit mehr Worten der Heiligen Schrift zu trösten wissen und zum Glauben reizen. Dies soll nur eine Weise der Beichte sein.

Beichtiger: Person, die die Beichte hört

Pfingsten

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
und die Liebe Gottes,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen.

1 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn
in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,
4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern
nach dem Geist.
5 Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt.
6 Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist
Leben und Friede.
7 Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht.
8 Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.
9 Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.
11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Römer 8, 1-11

O Jesus, unser Herr – Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Hilf uns, Dich genau so zu hören und Dir so zu vertrauen, wie es sich gehört. Amen.

Liebe Gemeinde!
Der Heilige Geist macht uns klar, daß seit Jesus alles anders ist.
Ohne den Heiligen Geist kann niemand das erkennen.
Mit dem Heiligen Geist wird das klar – so klar, daß mit dem Wort „alles“ auch dein eigenes Leben gemeint ist.
Der Heilige Geist macht klar, daß für dich mit Jesus alles anders ist. Ohne den Heiligen Geist kann man Jesus bewundern, und von seinen Worten und Taten fasziniert sein. Ohne den Heiligen Geist kann man sogar sagen: Kaum eine Persönlichkeit hat so auf die gesamte Menschheit gewirkt, wie er. Wie wäre die Welt heute, wenn Jesus nicht erschienen wäre?
Kann man Jesus aus der Weltgeschichte wegdenken? Nein. Kannst du Jesus aus deinem Leben wegdenken? – Wie will man darauf antworten? Der Heilige Geist, also Gott selbst, kann und wird die Antwort geben.
Wie lautet die Antwort? – Mit Jesus ist alles anders, weil Jesus den Teufelskreis durchbrochen hat.
Ein Teufelskreis ist eine ausweglose Situation. Man kann nicht gewinnen. Und es ist schrecklich, ja, tödlich.
Paulus nennt den Teufelskreis aller Teufelskreise: Er lautet:
Das Gesetz Gottes ist machtlos. Gottes Gesetz soll Leben schützen, kann aber nicht lebendig machen. Gottes Gesetz kann die Sünde aufdecken, aber nicht verhindern oder aus der Welt schaffen.
Das Gesetz Gottes ist wahr, man kann ihm nicht widersprechen. Aber diese Zustimmung schafft die Sünde nicht aus der Welt. Das Gesetz Gottes hat immer recht. Immer. Jedes Gebot gilt immer. Und es muß auch gelten – ich will ja nicht getötet werden. Also soll ich auch nicht töten. Das ist ja nur ein Beispiel.
Was ist nun der Teufelskreis? – Gottes Gebote haben recht; ich kann nicht anders, als sie anerkennen – aber: Trotzdem werde ich schuldig. Das Gesetz klagt mich an, es deckt die Sünde auf. Ich kann nicht gewinnen.
Was passiert? Ich gebe auf, oder ich verdränge, bin entmutigt, oder trotzig. Paulus sagt: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Römer 3, 20). Weiter hören wir: Das Gesetz richtet Zorn an, macht aggressiv gegen Gott (Römer 4, 15) – ja: ohne Gesetz ist die Sünde tot, unbewußt, aber als das Gesetz kam, wurde die Sünde lebendig, bewußt (Römer 6, 8-9).
Ja, liebe Gemeinde, wenn es nicht in der Bibel stehen würde, dann würde ich mich nicht trauen, es zu sagen: Gott hat sein Gesetz in unsere Situation hineingeschickt, „daß die Sünde mächtiger würde.“ (Römer 5, 20). Da haben wir den Teufelskreis: Gott ist gegen die Sünde, Gottes Gesetz ist gegen die Sünde, und hat Recht – aber aber aber? Da sitzt die Sünde frech und dreist und geht nicht weg. Das Gesetz macht alles nur noch schlimmer.
Das ist eine tödliche Wahrheit für uns.
Aber erst müssen wir fragen: Warum ist das so? – Das Gesetz Gottes ist ohne Fehler, vollkommen und heilig (Psalm 19,8, Römer 7, 12). Der Fehler ist bei uns: Das „Gesetz ist durch das Fleisch geschwächt“ – „denn das Fleisch unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht, und kann es auch nicht.“ Fleisch. Man muß aufpassen. Paulus sagt nicht: „Leib“. Gott hat unseren Leib gut geschaffen, und Gott liebt unseren Leib, mehr als wir unseren Leib lieben können. Sonst hätte Jesus nicht menschlichen Leib von der Jungfrau Maria angenommen. Gott liebt unseren Leib so sehr, daß er uns in der Ewigkeit leiblich bei sich haben will.
Paulus sagt nicht „Leib“, sondern „Fleisch.“ Damit meint er alles in und an uns, das sich von Gott nichts sagen läßt. Das kann der Leib sein, kann aber auch der Verstand oder die Seele sein. „Fleisch“ – daß ist der Mensch, der immer wieder will, daß Gott nicht Gott ist, der will, daß Gott ihn in Ruhe läßt mit Seinen Geboten und Seinem Willen.
„Fleisch“ – das ist der Mensch, der am liebsten selber an Gottes Stelle wäre. Darum sagt Paulus auch: Fleischlich gepolt, oder gesinnt sein: Ist eine Feindschaft gegen Gott. Jede Sünde greift Gott mit Anlauf direkt an. – Und was ist das Ergebnis? „Fleischlich gesinnt sein ist der Tod.“ Denn Gott läßt es nicht zu, daß wir Gott werden. Darum stellt Er sich in den Weg. Das bedeutet den Tod.
Das Gesetz hat also eine völlig undankbare Aufgabe: Es muß uns zeigen, was an der Sünde tot ist. Gottes Gesetz zeigt uns: Du stiehlst? – Das ist dein Tod. Du lügst? – Das tötet dich. Du begehrst? – Das beweist, daß du für Gott gestorben bist.
Und was tut das Fleisch? – Es sagt: Und ob! Jetzt lebe ich erst recht! Wenn ich lügen will, kannst du Gesetz mich nicht aufhalten. – Das ist der Teufelskreis.
Man kann das alles im Römerbrief Kapitel 7 nachlesen. Gott hat Recht. Ich kann Gott nicht widersprechen, aber ich kann ihm nicht Recht geben. Da fängt der Tod an. Das ist der Teufelskreis.
Paulus spricht es deutlich aus: „ So fand sich’s, daß das Gebot mir den Tod brachte, das mir doch zum Leben gegeben war.“ (Römer 5, 10).
Das ist die Zusammenfassung der menschlichen Existenz.
Meistens verdrängen wir das. Es ist wie ein Elektrozaun. Lieber nicht dahingehen. Sonst gibt es einen Schock.
Es ist wie ein schwarzes Loch. Es verschluckt alles Licht, und bringt kein Licht.
Aber es bleibt eine Realität. Der Tod ist eine Realität. Und die Macht der Sünde bleibt eine Realität. Aber? Man kann nichts machen. Es ist das Gesetz der Sünde und des Todes.
Jesus ist in diesen Teufelskreis gekommen. Jesus hat den Elektrozaun angepackt, er ist in das schwarze Loch gegangen.
„Gott sandte Seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und verdammte die Sünde im Fleisch.“
Ohne den Heiligen Geist, ohne Gottes 100%ige Unterstützung, kommen wir hier nicht weiter. Die Wörter sind schnell gesagt, gehört und gelesen. Aber in diesem Satz wird der Teufelskreis durchbrochen. Das ist das Neue am Neuen Testament. Darum sprechen wir in der ganzen Welt von „vor Christus“ und „nach Christus“. Jesus hat am Kreuz die vollständige Anklage des Gesetzes auf sich genommen. Der Hohepriester hat geurteilt: Er ist des Todes schuldig. Und Pilatus hat ihn zur Kreuzigung überantwortet. Am Kreuz war ein Leib, aber kein Fleisch.
Jesus ist Mensch geworden, damit es einen Leib in der Weltgeschichte gab und gibt, in dem keine Feindschaft gegen Gott ist.
Sein Körper war der eine Leib, der Gott 100%ig recht gegeben hat.
Darum schreibt Paulus präzise: „Gott sandte seinen Sohn IN DER GESTALT des sündlichen Fleisches.“ Jesus hatte einen Leib wie wir, aber ohne Sünden.
Er hat die Finsternis im Schwarzen Loch durchlitten, ohne Teil von ihr zu werden. Er hat den Schlag des Elektrischen Zauns auf sich geleitet, ohne den Strom weiterzuleiten. Er hat den Fluch des Teufelskreises in sich aufgenommen, bis Ruhe war. Paulus spricht öfter davon: „Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht.“ (2. Korinther 5, 21). „Christus wurde zum Fluch für uns.“ (Galater 3, 13).
Jesus hat sich mit Willen und Freiheit, aus Gehorsam gegen den himmlischen Vater und aus Liebe zu uns Menschen, die im Teufelskreis gefangen sind, genau dahin begeben, wo das Gesetz uns hinbringt: In den Tod. Jedes andere Kreuz ist nichts Neues. Doch dieses Kreuz von Golgatha ist das Neue: Hier stirbt eine Person freiwillig, aus Liebe. Gott hat Seinen Sohn „gesandt“, hören wir. „Geschickt“, „beauftragt“. Es ist alles durch den menschlichen Leib Jesu durchgegangen – der ganze Schock, die ganze lichtschluckende Finsternis – aber die göttliche Liebe und Treue war größer und stärker. Das ist das „Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus.“ So sagt es uns der Heilige Geist durch Paulus. Der Teufelskreis ist durchbrochen.
Überall, wo Jesus ist, wo Sein Leib ist, da ist endlich Ruhe.
„Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz des Sünde und des Todes.“ Er hat es für dich und für mich getan. Das steht fest. Es ist nicht die Frage, ob ich das so sehen will oder kann. Gott läßt es dir und mir sagen: Für dich! So hat er es gemeint. Und das zählt. Natürlich können 10.000 Fragen und Einwände kommen. „Ich kann es mir nicht vorstellen!“ – „Ich fühle die Teufelskreis immer noch!“ – Alle diese Proteste sind Symptome des Fleisches, und wenn Jesus kommt und da ist, dann sind sie praktisch tot. Sie entscheiden nichts mehr.
Wir sollen geistlich gesinnt sein, und nicht fleischlich. Gott schenkt uns diesen Geist, Seinen Geist, wenn wir das Wort vom Kreuz hören. Ihr habt eben das Wort vom Kreuz gehört. Es ist das Evangelium das sagt: Da ist jemand, der hat wirklich den Teufelskreis gestoppt. Die Anklage der Gebote muß dich nicht mehr bestimmen. Die Feindschaft mit Gott hat Gott von Seiner Seite wirklich beendet. Der Heilige Geist wird mit unendlicher göttlicher Geduld deine Gedanken, deine Seele, deinen Leib dahin leiten, führen, tragen, daß genau das bei dir ankommt. Jesus hat zwischen uns Sündern und Gott Ruhe gebracht. Die Feindschaft ist beendet.
Hat die Sache nicht einen Haken? Für das Fleisch hat sie einen gewaltig großen Haken. Paulus sagt: „Wenn Christus in euch ist“ – also, wenn der Teufelskreis durchbrochen ist – „dann ist der Leib tot um der Sünde willen.“ Da ist ein Sterben, das uns nicht erspart bleibt. Was mit der Sünde zusammenhängt, hat sein Haltbarkeitsdatum überschritten. Wenn wir beichten, dann sagen wir das vor Gott. „Gott, das jämmerliche, traurige, störrige Fleisch hat es wieder mit mir versucht. Bitte, Gott, um Jesu willen, schenk mir die Ruhe! Zeig mir, das Haltbarkeitsdatum meiner Sünden.“
„Der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Wir sollen Gott in allem recht geben. Das Gesetz hat Recht, immer. Aber mit dem Heiligen Geist ist das nicht schlimm. Es gibt nicht nur ein Leben nach dem Tod, sondern auch ein Leben nach der Sünde. Ja, man stelle sich das vor! Einmal etwas tun ohne an sich zu denken. Einmal ein richtiges Gebet sprechen. Einmal helfen. Einmal dankbar sein. Einmal nicht aus dem Mangel heraus sich als Verlierer sehen. Einmal die Not des anderen als eigen Not zu Herzen nehmen. Einmal dem Nächsten Gottes Gaben so sehr gönnen, als hätte man sie selber bekommen. Der Heilige Geist macht überhaupt, daß man nicht mehr aus dem Mangel heraus denkt, und in grimmiger Unzufriedenheit seine Feindschaft gegen Gott zelebriert. Raus da!
Dazu ist Jesus gekommen. Das ist es was mit Ihm anders geworden ist. Das sollt ihr heute wissen. Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Gestaltung: Lioba Fenske

TRAUUNG

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserem Vater,
und dem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Psalm 103, 8

HERR, segne Dein Wort an unseren Herzen. Amen.

Liebes Brautpaar,
liebe Gemeinde!
Gleich werden zwei Fragen gestellt werden:
Willst du, Bräutigam, die Braut,
die Gott dir anvertraut ….
Willst du, Braut, den Bräutigam,
den Gott dir anvertraut ….
Gott vertraut dir einen Menschen an. Zu treuen Händen, wie man so sagt. Zu treuen Augen; zu treuen Ohren; zu treuen Gedanken; zu treuem Herzen.
Wir kennen das ja: Jemand braucht einen Schlüssel – ich gebe ihm den Schlüssel „zu treuen Händen“; das heißt: Die Hände passen auf, der Schlüssel geht nicht aus der Hand, die Hände bringen den Schlüssel zurück. Wenn mir ein Schlüssel „zu treuen Händen“ anvertraut wird, dann behalte ich die ganze Zeit im Sinn: Das ist nicht mein, sondern sein Schlüssel!
Ohne Vertrauen geht es nicht. Doch mit Vertrauen ist es immer so eine Sache ….
In der Ehe vertraut Gott, der dreieinige Gott, dem Mann eine Frau an. Gott, der dreieinige Gott, vertraut der Frau einen Mann an.
„Zu treuen Händen“ – das sind Worte, die den geliehenen Schlüssel begleiten. Wenn ich den Schlüssel in der Hand halte, benutze und sehe, dann höre ich die Worte in mir: „Zu treuen Händen.“ Das Vertrauen möchte ich nicht verletzen. Besonders nicht bei einer Person, die mir wichtig ist, und die mir viel bedeutet. Das Vertrauen, das Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist in mich investiert, möchte ich nicht enttäuschen!
So soll die kirchliche Trauung dazu dienen, daß Braut und Bräutigam diese Worte mit auf den gemeinsamen Weg bekommen: Bräutigam , hier ist deine Braut, die Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. – Braut , hier ist dein Bräutigam, den Gott dir anvertraut – zu treuen Händen, zu treuen Augen, zu treuen Ohren, zu treuen Gedanken, zu treuem Herzen. Diese Stimme Gottes begleitet euch jetzt.
Mit dieser „Begleitstimme“ bist du mehr, als nur das, wofür du dich selber hältst, auch mehr als das, was der andere aus dir macht.
Die Ehe zwischen Mann und Frau ist mehr, als die Summe ihrer Zutaten, mehr als das, was zwischen Menschen ist und sein kann. Es ist der Segen.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ein Mensch, ein Menschenleben ist unendlich wertvoll und unersetzlich. Gott legt es in unsere Hände. Darum sollen wir dieses Leben mit Gottes Augen ansehen. Liebe heißt: Ahnen, warum Gott diesen Menschen schaffen mußte, und an dieser Ahnung festhalten. Dazu gehört vor allem: Immer wieder aufs Neue von der Einmaligkeit des geliebten Menschen erfüllt werden. Darum vertraut uns Gott in der Ehe einen Menschen auf Lebenszeit an: Nur so kann ich der Einmaligkeit gerecht werden, die Gott in diesen Menschen gelegt hat. Das alles vertraut Gott dir an!
Es ist ein riesiges Vertrauen! Doch bevor ich darüber nachdenke, ob das nicht eine Überforderung ist, möchte ich auf noch etwas hinweisen.
Gottes Begleitstimme geht ja in beide Richtungen.
Die eine Richtung ist: Gott vertraut mir diesen Menschen als Ehepartner an. Wenn ich ihn vor Augen habe, dann höre ich zugleich Gottes Stimme dabei: „Zu treuen Händen!“ – Also soll und will ich ihn als einen Schatz von Gott behüten, lieben und ehren. Als einen Schatz will ich seine Einmaligkeit von Gott wahrnehmen und auf Händen tragen. Dazu bin ich mit Leib und Seele bereit.
Die andere Richtung gehört aber genauso dazu: Gott spricht ja ebenso zu meinem Ehepartner: „Zu treuen Händen!“ – Auch ich werde als Geschenk und Schatz meinem Mann oder meiner Frau anvertraut. Nicht nur soll ich den Ehepartner mit Gottes Augen sehen, sondern auch mich selbst. Selbstbilder sind einfach nicht alles; ja, sie sind das Wenigste.
Das Vertrauen, das Gott in uns setzt, ist riesig. Ist es am Ende nicht zu groß? Ist es nicht eine Überforderung?
Als Jesus über die Ehe spricht, und dabei Gottes Wort im Anfang voll und ohne Abstriche feierlich bestätigt, da sind seine Jünger erschrocken, und sagen: „Wenn es zwischen Mann und Frau so ist, dann .“
Wie soll ein Mensch es schaffen, einen anderen Menschen mit Gottes Augen zu sehen? Wie soll ein Mensch erkennen, wie Gott genau diesen Menschen einmalig gemacht hat, und dem dann auch gerecht werden – also die Einmaligkeit sehen, lieben, schützen und auffangen? – Ja, und was wird dann aus meiner Einmaligkeit? Woher die Kraft nehmen?
Was hat Gott sich eigentlich dabei gedacht, daß Er ausgerechnet Mann und Frau einander auf Lebenszeit zu treuen Händen, Augen, Ohren, Gedanken und Herzen anvertraut? Er kennt uns doch am besten!
Wie gut, daß die Jünger das aussprechen! – Dieses unheimliche Gefühl: „Das ist zu groß, zu kompliziert, zu mühsam, zu riskant!“
Jesus trägt das. Die Jünger bleiben Jesu Jünger, auch wenn sie so mit ihm sprechen. Wenn wir so sprechen oder denken, dann läßt Jesus uns nicht fallen.
Wie antwortet Jesus? „Das Wort faßt nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.“ – Mit anderen Worten: Die Ehe gelingt nicht ohne Gottes Wort. Die Begleitstimme muß da sein. Auf uns selbst gestellt, werden wir unsere Grenzen bald kennen lernen. Unser Herz ist nicht groß und stark genug. Wir brauchen es, daß der dreieinige Gott, Sohn und und Heiliger Geist, zu uns spricht.
1. Gott der Vater, der Schöpfer. Wir sagen das so schnell:
Gott hat mich und dich geschaffen. Das ist wahr. Aber das besagt zum Beispiel: Ich als Mann könnte mir niemals eine Frau schaffen. Die Frau ist immer viel mehr, als ich mir ausdenken oder wünschen kann. Umgekehrt gilt das natürlich auch! Alles, was ihr aneinander liebt, und was euch teuer und hilfreich ist – das kann man sich wünschen, oder fordern, aber machen könnt ihr es nicht. Gott macht es, er hat es schon gemacht. Dazu gehört auch die Überzeugung: Ich bin für diesen Menschen der Richtige. Gott hat sich das so gedacht. Wenigstens diese bin ich ihm schuldig.
2. Gott der Sohn, Jesus Christus. Jesus hat die Ehe bestätigt.
Er hat alles dafür getan, sie zu retten. Denn er hat alles dafür getan, daß Vergebung möglich ist. Ohne Vergebung wäre das alles eine völlige Überforderung. Wir sollen einander vergeben. Wir sollen die Erfahrung machen, daß Gott uns vergibt. Daß Gott beschließt: Die Schuld soll deine Einmaligkeit nicht auslöschen. Jesus hat alles dafür getan, daß wir vor Gott mehr sind, als nur unsere Fehler. Wer im Namen, unter dem Schutz Jesu, vergibt, der verliert nicht.
3. Gott Heiliger Geist. Er gibt uns neue Hände, die treu sein
können, neue Augen, neue Ohren, ein neues Herz. Der Heilige Geist macht, daß die Ehe eine Sache zwischen mir und Gott ist, für die ich Verantwortung übernehme. Der Heilige Geist macht, daß ich Gott danke für seine Gaben, daß ich Gottes Liebe in Seinen Gaben erkenne. Er macht aber auch, daß ich zur rechten Zeit Gott anrufe, zu Ihm bete, und ihn bitte um Hilfe.
Der Heilige Geist fügt uns auch als Eheleute in eine Gemeinde ein, die uns begleitet und unterstützt, und dazu beiträgt, daß die Begleitstimme Gottes – „zu treuen Händen!“ – daß diese Stimme in Hörweite bleibt.
Dieser dreieinige Gott ist gerade auch für Eheleute, für Mann und Frau „Barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte.“

Der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


Beitragsbild:

Jan van Eyck: Arnolfini-Hochzeit, Hochzeitsbild des Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami

1434, Öl auf Holz, 82 × 59,5 cm
London, National Gallery
Kommentar: Hochzeitsbild, Porträt
Land: Niederlande
Stil: Altniederländische Malerei
[Eyck, Jan van. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei, S. 3422 (c) 2005 The Yorck Project]

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